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Tersteegen, Gerhard – Briefe in Auswahl – Es gilt im kindlichen Vertrauen, die Zukunft dem HErrn anheim zu stellen, die Gegenwart mit heiliger Unbesorgtheit willig hinzunehmen.

Tersteegen, Gerhard – Briefe in Auswahl – Es gilt im kindlichen Vertrauen, die Zukunft dem HErrn anheim zu stellen, die Gegenwart mit heiliger Unbesorgtheit willig hinzunehmen.

In unserm HErrn und Heilande Jesu Christo, der unser einiges Leben und Heil in Ewigkeit ist, werter und sehr geliebter Bruder!

Deinen mir angenehmen Brief habe ich richtig erhalten. Dein Weg des bloßen und dunkeln Glaubens in kindlicher Ergebung an den HErrn unsern Gott im Namen Jesu ist ganz gewiss ein Weg des HErrn, und der allersicherste, den der HErr auch besonders für uns erwählt zu haben scheint, und den wir ohne Ihn nie gefunden haben würden, weil die Eigenheit lieber Licht, Stützen und Leben behalten will. Hier muss die Kreatur sich verlieren und weichen, und hier ist sie genötigt, Abstand von ihr selbst zu nehmen, wodurch die Wahrheit, Freiheit, das Vertrauen und alles Heil entsteht, indem Gott selbst dann immer mehr und vollkommener Grund und Leben der Seele wird. Unser eigenes Wirken und Denken verhindert und trübt die Arbeit des HErrn in uns sehr; darum ist ja die Weisheit des HErrn zu lieben, mit der Er uns die Hände gebunden und die Augen verschlossen hält, damit wir uns ganz Ihm hingeben, allein von seiner Gnade leben und Ihm mit der kindlichen Einfalt folgen, die Er so sehr liebt. Gepriesen und verehrt sei der HErr, der alles gut macht und bis zum Ende gut machen wird! Wir wollen daher nur Kinder werden und bleiben, ohne uns um des Vaters Wege und Arbeit mit uns zu kümmern, die Zukunft dahingestellt sein lassen und die Gegenwart mit heiliger Unbesorgtheit und ohne viel Nachgrübeln willig hinnehmen, wie sie fällt, und mit weichem, kindlichem Herzen mit den drei Männern singen: Tag und Nacht lobet den HErrn! Licht und Finsternis lobet den HErrn! preist und rühmt Ihn ewig! Hierzu verleihe Er uns bis ans Ende seine Gnade um unsers lieben Jesus willen! Amen.

Ich grüße Dich, mein lieber Bruder, und umarme Dich im Geiste der Liebe, mit dem ich bleibe

Dein in dem HErrn verbundener Bruder.

Mülheim, den 29. August 1738.

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