Stöckicht, Wilhelm Damian - Ruth - VI. Die wirksame Freundlichkeit des Herrn.
K. 2, 9-17.
Herr lasse uns schmecken und sehen, wie freundlich du bist. Amen!
Die heutige Betrachtung schließt sich eng an die vorige an. Wir hatten gerade da abgebrochen, wo Boas angefangen hatte, mit der Ruth freundlich zu reden, und hatten noch seine erste Aufforderung an sie gehört, nicht auf andere Äcker zu gehen, sondern sich zu halten zu seinen Mägden. Lasst uns nun hören, wie er im Verlauf des Gesprächs immer freundlicher wird, und stets mehr gewährt. Er fordert sie nicht bloß auf, hinter seinen Schnittern und Schnitterinnen herzugehen und die übrigen Ähren sich aufzulesen, sondern wehret auch seinen Dienern, sie zu beleidigen, oder auf irgendeine Art, etwa durch Erinnerung an ihre moabitische Herkunft, zu kränken. Auch erlaubt er ihr, der fremden Witwe, aus dem Trinkgeschirr seiner Knechte ihren Durst zu stillen in der Hitze des Tages. Diese unverdiente Freundlichkeit des angesehenen Gutsbesitzers ist der blöden Ruth etwas so Überraschendes, tief Beschämendes, dass sie ganz demütig vor ihm niederfällt und nach morgenländischer Weise ihm ihre Ehrerbietung und Dankbarkeit fußfällig bezeugt. Womit - fragt sie - habe ich die Gnade gefunden vor deinen Augen, womit habe ich es verdient wie wir uns ausdrücken dass du mich erkennest, mich so liebevoll behandelst, die ich doch fremd bin? Boas gibt ihr in seiner Erwiderung zu verstehen, dass er sie gekannt habe, noch ehe sie es wusste; er lobt sie, und verschweigt es nicht, wie sehr es ihn gefreut habe, dass sie Moab verlassen habe, und mit der Naemi nach Bethlehem gekommen sei. Auch wünscht er ihr den reichen Segen des Bundesgottes Jehovah, unter dessen Schutz sie sich begeben habe. Diese Freundlichkeit des vornehmen Boas ermutigt die demütige Ruth zu einer Bitte. Sie wagt es, sein ferneres Wohlwollen zu erflehen, obwohl sie keinen Anspruch darauf habe, da sie ja viel geringer sei, als eine seiner Dienerinnen. Der Mann ist mir so gut, so gewogen denkt sie - du darfst ja wohl solche Bitte an ihn wagen. Und Boas beschämt sie nicht. Je bescheidener die Ruth, desto freundlicher er. Da es Essenszeit war, durfte die Ruth mitessen an der Seite seiner Schnitterinnen, Boas selbst legte ihr San gen vor (geröstete Ähren); sie tauchte ihre Bissen in das bereit stehende Gefäß mit kühlendem Getränk, und was Boas ihr vor: gelegt hatte, war so viel, dass sie noch davon übrig behielt. Nach dem Mittagsessen setzte sie ihr Geschäft des Ährenlesens fort, und Boas blieb unerschöpflich in seiner Freundlichkeit gegen sie. Er erlaubte ihr, nicht bloß hinter den Schnittern her, sondern auch zwischen den Garben zu lesen, und gebot noch besonders den Schnittern, recht viel für sie liegen zu lassen. Auch durfte Keiner sie schelten.
Da hatte denn die liebe Ruth gut Ährenleserin sein, Als sie am Abend ihr Tagewerk beendigte, und noch auf dem Felde ihre gesammelten Ähren ausschlug, belief sich ihre gesammelte Gerste auf ein Epha, ein jüdisches Maß voll, ungefähr einen halben Scheffel.
Sie durfte es erfahren: Wer da bittet, der nimmt; wer sucht, der findet; wer anklopft, dem wird aufgetan. Auch wir können das erfahren.
Übersehen wir diese Verse, so bemerken wir, wie Ruth immer demütiger, Boas immer freundlicher wird. Das bildet uns ab, wie es im christlichen Leben durch Beugung vorwärts in der Gnade geht. Ruth gibt uns ein erweckliches und ermutigendes Vorbild für unser Wachstum in der Gnade, und das Verhalten des Boas spiegelt ab die wirksame Freundlichkeit des Herrn, unseres Heilands. Wir beachten, wie die Darbietung seiner Gnade Demut und Dank wirkt, wie sein verheißungsvolles Bekenntnis zu uns Gebetsfreudigkeit und Mut macht, und wie mit unserer Demut seine segnende Liebe wächst.
Der Herr wolle auch diese Betrachtung segnen und uns etwas davon empfinden lassen, wie freundlich Er ist! Die Darbietung der Gnade des Herrn wirkt Dank und Demut. In reichem Maße bietet ohne alles menschliche Verdienst der Herr seine Gnade dar, sie ist erschienen allen Menschen, auch uns. Ihr könnt nicht sagen, dass es an ihrer Darbietung gefehlt hat, wohl aber vielleicht, dass es euch an der Lust gefehlt hat, sie anzunehmen. Was der Herr darbietet, ist uns abgebildet an den Anerbietungen, welche Boas der Ruth gemacht hat. Er erlaubte der armen Witwe, auf seinem Gerstenacker, der ihr nicht gehörte, von der Frucht zu sammeln, welche sie nicht gesät hatte. So ermutigt der Heiland die erlösten Sünder, aus seiner Fülle zu nehmen Gnade um Gnade. Von dem reichen Gewinn seiner Leiden, von der Frucht seines Kreuzestodes darfst du nehmen, so viel du willst. Was Er gesät hat, und wir dürfen es ernten. O welche Liebe! womit haben wir sie verdient? Wahrlich, ich weiß es nicht. Darum Mut, o Seele, verzage nicht. Der Herr hat dich lieb, Er kennt deine Armut, Er stellt seine Segnungen dir zu Gebote, gibt dir mit allen Gläubigen, gleichwie ein Hausvater seinen Hausgenossen, gnädig ein Recht auf das, was Ihm gehört. Siehe, alle Verheißungen des Wortes Gottes gelten auch dir, lies nur fleißig die Ähren auf, in allen steckt das nämliche Brot, das zum ewigen Leben speist.
Boas gewährt auch unaufgefordert der Ruth seinen mächtigen Schutz. Er verbietet seinen Knechten, sie anzutasten, und da wird wohl keiner es gewagt haben, sich an ihr zu vergreifen, ja ihr nur das geringste beleidigende Wort zu sagen. Solchen Schutz gewährt auch der Herr den erlösten Seelen. Sie sind sein, auch der Arge darf sie nicht antasten. Zwar kann er sie noch versuchen, aber er kann die, welche in Christo Jesu sind, nicht zum Fall bringen, weil Christus, der den Satan überwunden hat, in ihnen mächtig ist. Du brauchst nur dem Teufel zu widerstehen, brauchst nur in jeder Versuchung dich daran zu erinnern, dass du unter dem Schutz des Herrn stehst, so muss der Arge weichen. Wie haben es die dem Herrn angehören so gut! Sie können den ganzen Psalm 91 beten: „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt, und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zum Herrn: meine Zuversicht und Burg, mein Gott, auf den ich hoffe“ usw. Sie dürfen in jeder irdischen Not getrost dem Herrn ihre Wege befehlen, alle ihre Sorgen betend auf Ihn werfen in der Zuversicht, dass Er es wohl macht. Darf sie selbst der Arge nicht antasten, wie viel weniger Menschen, am wenigsten des Herrn Diener.
Wehe ihnen, wenn sie es wagen, eine Seele zu ärgern, die an den Herrn glaubt; es wäre ihnen besser, ein Mühlstein versänke sie in tiefsten Meeresgrund. Zwar, Geliebte, lässt der Herr Trübsale und Verfolgungen zu über die Seinigen zu ihrer Prüfung und Bewährung, wie allbekannt ist, aber doch entbehren sie auch in diesen seinen Schutz nicht, und dürfen es erleben: je größer die Not, desto herrlicher erweist Er sich als ihr Retter.
Boas gestattete auch der Ruth, ohne dass diese darum zu bitten gewagt hatte, zu trinken aus den Trinkgeschirren seiner Knechte. So dürfen auch fromme Christen vom Herrn rühmen: „Er erquickt meine Seele.“ Allen Mühseligen ruft Er zu: „kommt her zu mir, ich will euch erquicken.“ Welche Erquickung gewährt nicht in der Hitze des Glaubenskampfes, in der Arbeit der Heiligung Jesu Wort und sein heiliges Abendmahl! Geistlich Arme und Dürstende können davon aus Erfahrung sagen, und die Erquickungen des Herrn, die sie genossen haben, sind so lieblich, so süß gewesen, dass sie mit nichts können verglichen werden.
So bietet der Herr seine Gnade dar: Er ermutigt, aus seiner Fülle zu nehmen, gewähret Schutz, erquickt die Dürstenden. Solche Gnadendarbietung wirkt Dank und Demut. An dem Verhalten der Ruth ist es abgebildet.
Demütig beugt sich Ruth vor dem Höheren und Größeren. Je größer die Gnade, desto tiefer die Beugung. Bleibt in der Demut. Die Demütigen wird der Herr erhöhen. Erkennt es recht, wie groß, wie mächtig, wie reich, wie erhaben, und dabei wie herablassend und gütig der Herr, und wie gering und schwach, wie arm und elend, wie unwert wir sind. Ich fall' vor Ihm im Staube nieder, und rühm' alleine seine Barmherzigkeit. Ruth wagt es, mit dem angesehenen Boas zu reden, seine Freundlichkeit hat sie ermutigt. Ich wage es, mit dem viel höheren Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin, seine Gnade macht mir Mut. Doch was redet die Ruth zu Boas? Vorerst nichts als ein Bekenntnis ihres Unwerts: womit habe ich es verdient, dass du mich fremde Person so gnädig behandelst? Wie schön klingt aus ihrem Munde dieses demütige Bekenntnis! Wie schön steht Christen solche Demut an! Schöner kann man auch gar nicht dem Herrn danken. So dankt auch Ihm, der euch liebevoll, gnädig ansieht, der unter den Tausenden, welche Ihm dienen, und unter den Heiligen allen, die seinen Thron, umstehen, dich nicht übersieht. Wie können wir genugsam Ihm danken? Muss nicht unser ganzes Leben ein Dankopfer sein?
Nun lernet auch aus dem Folgenden das Wort des Herrn verstehen: „Wer Dank opfert, der preist mich, und das ist der Weg, dass ich ihm zeige mein Heil.“ Wir vernehmen, dass das verheißungsvolle Bekenntnis des Herrn zu uns Gebetsfreudigkeit und Mut wirkt. Ruth hatte sich demütig vor Boas eine Fremde genannt. Nun darf sie zu ihrer freudigen Überraschung hören, dass sie dem Boas nicht mehr fremd ist. Er kennt sie nicht allein, sondern sagt ihr auch, dass er sie kennt, und rühmt es, was sie an ihrer alten Schwiegermutter getan, dass sie namentlich Vaterland und Freundschaft verlassen habe, um im Volk Israel eine Heimat zu finden. Nun, Boas ist ein wohldenkender Mann, ehrend erkennt er ihre gute Aufführung an. Gewiss, gutes Betragen erwirbt guten Namen, so macht man sich rechtschaffene Menschen zu Freunden. Aber ihr merkt es wohl, meine Andächtigen, dass ich nach dem Zusammenhang unserer Betrachtung bei dieser Anwendung nicht stehen bleiben kann. Es liegt eine tiefere Beziehung auf das Verhältnis Jesu zu den Gläubigen so nahe. Der Herr kennt sie, Er nennt sich ausdrücklich den guten Hirten, der seine Schafe kennt. Er hat uns gekannt, ehe wir es wussten, und zu uns geredet: „Ihr seid mein!“ Er hat uns zuerst geliebt, ehe wir Ihn liebten, und ist für uns am Kreuze gestorben, ehe wir noch waren. Auch weiß Er recht gut, wie es um uns steht, Er kennt alle unsere Wege, unsere ganze Lebensgeschichte. Das will uns wohl verwunderlich dünken, das geht über mein Begreifen, dass Er auch mich herausfindet unter Tausenden und Millionen. Wer es aber im Glauben weiß, der ruft überrascht, wie einst Nathanael, den Er gesehen hatte hinter dem Feigenbaum, aus: „Du bist wahrlich Gottes Sohn, der König von Israel!“ Nun macht Er es auch, wie Boas der Ruth, den Bekehrten innerlich gewiss, dass er sie kennt, und bezeugt ihnen im Gewissen seine Freude über ihre Bekehrung. Er bekennt sich zu den Seinigen.
Es gibt kein größeres Glück, keine höhere Ehre auf der Erde, als die ist, Jesum zum besten Freunde zu haben.
Boas wünschte der Ruth den Segen Gottes. War er ja nicht der Herr selbst, nur sein Schattenbild. Darum wünscht er ihr des wahrhaftigen Herrn Segen, seinen Gnadenlohn dafür, dass sie bei Ihm ihre Zuflucht gesucht habe. Jesus verheißt nicht bloß den Segen, Er gibt ihn auch. Davon haben wir schon Manches gehört. Aber Er verheißt noch Größeres; reicheren Segen, als Er hienieden beut, will Er, der zum Vater gegangen ist, uns droben spenden. Obwohl wir nichts verdient haben, so spricht Er doch gnädig vom Lohn. Die sollen ihn haben, welche sich zu Ihm sammeln, wie die Küchlein zur Henne. Kronen schenkt Er dort denen, die Ihn lieb haben. Doch davon später mehr.
Solches verheißungsvolle Bekenntnis des Herrn zu uns wirkt Gebetsfreudigkeit und Glaubensmut. Wir haben uns die Demut der Ruth zum Vorbild genommen, lasst uns auch ihren Mut betrachten. Der Zuspruch des Boas hat sie so sehr erquickt, hat ihr so wohl getan, dass sie sich nun offen, ohne Ängstlichkeit darüber ausspricht und es wagt, ihn um seine fernere Gnade zu bitten. Ihr Herz ist aufgetan, ihr Mund redet. Doch ihr Mut wankt und weicht nicht von der Grundlage der Demut, die sie wiederum äußert in dem Geständnis, dass sie geringer sei, als eine seiner Mägde, und darum ihm gegenüber ganz verdienstlos.
Meine Lieben! je demütiger wir unsern Unwert bekennen und je tiefer wir unsere Schwachheit ausfühlen, desto mutiger inbrünstiger, zuversichtlicher können wir beten. Das ist eine unter Gläubigen häufig gemachte Erfahrung. Eine gleiche Erfahrung, die etwas mehr Berücksichtigung verdiente, ist die, dass das gnädige Bekenntnis des Herrn zu uns auch den Gebetsdrang verstärkt, und uns immer begieriger macht, seine Gnade in immer reicherem Maße zu erfahren. So reich auch die Gnade Jesu Christi ist, welche Kinder Gottes genießen, auch wenn Er sie sättigt wie mit einem Strome, doch sind sie - ich hätte beinahe gesagt - so unverschämt um immer größere Gnade zu bitten. Das macht das lebendige Gefühl ihrer eigenen Armut. Je länger wir im Glauben stehen, desto mehr wird uns die Gnade Bedürfnis. Mit der Bekehrung bedenkt das wohl, und lasst euch von Unverständigen nicht täuschen - ist das Christenleben noch nichts Fertiges. Auch kommt im Gnadenstand die Gnade nicht von selbst, sie muss erbeten sein. Aber wie leicht wird Einem auch dieses Beten, da die teuren Zu sagen und Verheißungen des Herrn so gewiss sind! Lernet das von Ruth, dieser bekehrten Heidin, bittet, so werdet ihr nehmen, auf dass eure Freude vollkommen werde; aber betet demütig. Am fröhlichsten und mutigsten betet es sich in der Demut.
Den Demütigen gibt Gott Gnade. Mit unsrer Demut wächst seine segnende Liebe. Auch das wird uns anschaulich aus unserm biblischen Abschnitt. Kaum hatte die Ruth sich des Boas fernere Gnade ausgebeten, so willfahrt ihr dieser über Bitten. Ruth durfte teilnehmen an der gemeinsamen Mahlzeit. Boas selbst legte ihr geröstete Ähren vor, und hieß sie ihre Bissen eintauchen in das kühlende Getränk. Meine Lieben! die Demütigen erfahren immer reichlicher die Segnungen der Liebe des Heilands. Durch Demut wachsen sie immer fester hinein in die Gemeinschaft des Herrn, und erfahren immer deutlicher seine Barmherzigkeit. Sie werden gesättigt mit den reichen Gütern seines Hauses, und dürfen Gemeinschaft, Verkehr und innige Verbindung haben mit seinen Heiligen und seinen Dienern. Als demütiger Christ bist du, so gering du dir auch selbst erscheinest, einem Erzvater Abraham, einem Apostel, auch dem Lieblingsjünger Johannes gleich geachtet. O wie groß ist die Gnade des Herrn, und wie groß der Gewinn der Demut!
Als sie vom Essen sich erhoben hatten und die Ruth wieder dem Geschäft des Ährenlesens oblag, - denn untätig, faul hat sie die Freundlichkeit des Boas nicht gemacht, sondern fleißiger, wie denn auch die Gnade Gottes, unseres Heilands, die Gläubigen nicht träge, sondern immer eifriger macht, - da gab ihr Boas ein neues Zeichen seiner Huld. Nochmals gewährt er ihr seinen Schutz und erlaubt ihr auch, zwischen den Garben Ähren zu lesen, auch befiehlt er, ihr viele liegen zu lassen. Auch darin ist abgebildet, wie mit unserer Demut des Herrn segnende Liebe wächst. Der Herr führt die Demütigen von Tag zu Tag tiefer hinein in die Geheimnisse seines Willens und seiner Erbarmung. Er gewährt ihnen besondere Rechte. Sie dürfen sich selbst erbauen, freilich in Eintracht mit seinen verordneten Dienern, nicht in gehässiger Stellung zu ihnen, nicht es besser verstehen wollend. Nein, das leidet schon ihre, Demut nicht. Die Diener des Herrn, die Prediger des Evangeliums dürfen ihnen schon recht viel übrig lassen zum eigenen Erforschen, und sollen sich freuen, wenn recht viele Gläubige da sind, welche sich selbst erbauen. Sie sollen solche Seelen, welche tüchtig sind, für die Sache des Herrn, z. B. für die Ausbreitung seines Reiches, mit tätig zu sein, gern als Mitarbeiter annehmen am Werke des Herrn. Nur, meine Lieben! die Demut, der alles eigene Rühmen ferne bleibt, darf nicht fehlen.
Es war Abend geworden. Ruth schlug die gesammelten Ähren aus und trug den reichen Ertrag heim mit Freuden. Das ist ein rechtes Abendgeschäft für Kinder Gottes, des Abends noch einmal die Segnungen des Herrn während des Tages zu überschauen und zusammenzurechnen, was der Herr, der barmherzige Gott, der Seele getan hat. Wie dankbar kann man danach beten und wie sanft ruhet man. Wollet ihr die Gnade Gottes in Christo recht gewiss haben, ihrer recht froh werden, so versäumet dieses Abendgeschäft nicht. Vollzieht ihr es, wie sich's gehört, in der Demut, so wird auch das Bekenntnis nicht fehlen: „Herr, wir sind zu gering aller Barmherzigkeit und Treue, die du an uns getan hast.“ Amen!