Stöckicht, Wilhelm Damian - Ruth - IV. - Der Gnadenstand.
K. 1, 19-22.
Wie wohl ist mir, o Freund der Seelen,
Wenn ich in deiner Liebe ruh'!
Ich trau're nicht, was kann mich quälen?
Mein Licht, mein Heil, mein Trost bist du.
Bei dir vergess' ich meine Leiden,
Es strömt die Fülle heil'ger Freuden,
Herr, deine Lieb' in meine Brust.
Mein ist der Himmel schon auf Erden;
Dem muss ja voll' Genüge werden,
Der in dir findet Ruh' und Lust. Amen!
Der Entschluss ward ausgeführt; Naemi und Ruth, die Beiden gingen miteinander, bis sie gen Bethlehem kamen. Das Reiseziel ist erreicht und schweigend geht die heilige Geschichte über die Reisebeschwerden hinweg. War ja doch die größte Schwierigkeit überwunden, die Prüfung siegreich bestanden. Da sie nun zu Bethlehem hereinkamen, erregte sich die ganze Stadt über ihnen und sprachen: ist das die Naemi? Trotz der 10 bis 20 Jahre, während welcher sie in der Fremde war, trotzdem dass sie gealtert hatte und die erlittenen Trübsale sie gewiss gebeugt und entstellt hatten, ist sie in Bethlehem noch bekannt und die Einwohner laufen zusammen, um sie zu sehen. In dem stillen Bethlehem ist vielleicht lange so etwas nicht erlebt worden. „Ist das die Naemi?“ so fragt Einer den Andern. Ja sie ist es, aber durch solche Fragen hingewiesen auf ihren Namen, der in Bethlehem so guten Klang hat, und ihres Namens Bedeutung, spricht sie, gebeugt durch ihre traurigen Erlebnisse: „nennt mich nicht mehr Naemi, sondern Mara, (d. h. „Betrübnis“) denn der Allmächtige hat mich sehr betrübt.“ Sie spricht offen das Gefühl des Unwerts aus, das nie einem wahrhaft Bekehrten fehlt. Sie erklärt sich unwürdig, länger ihren heiligen, fröhlichen Namen zu führen und verlangt einen andern, dessen Bedeutung es ihr erleichtere ihre schmerzlichen Lebenserfahrungen unverlierbar festzuhalten. Und doch ist sie wieder in der alten, lieben Heimat, um wieder neu anzufangen ein Leben als Glied des Gottesvolkes. Verwundert hören sie die Bethlehemiter an. Was mag es wohl sein, das die Naemi so trübselig stimmt? Sie gibt Auskunft. Ihre ganze Lebensgeschichte drängt sie in die kurze Erklärung zusammen: „Voll zog ich aus, aber leer hat mich der Herr heimgebracht.“ Wir wissen davon. Bei dem Auszug aus Bethlehem waren sie, abgesehen von dem Vermögen, das sie verwertet hatten, zum Vierten; leer, arm an Geld und Gut und allein kam sie nach dem Tode Elimelechs und ihrer zwei Söhne wieder. Überseht auch nicht das Bekenntnis ihrer Schuld und Gottes Huld, das sie in dieser kurzen Erklärung ablegte. „Voll zog ich aus,“ d. h. ich war es, ich habe es verschuldet, mein Auszug aus dem heiligen Land fällt mir allein zur Last, ich bekenne diese meine Sünde und klage darüber nicht meinen gestorbenen Mann, sondern mich allein an. Aber dass ich wiedergekommen bin, das hat der Herr getan, es ist nicht mein Verdienst, Er hat mich wieder heimgebracht, Ihm allein dafür die Ehre! Sie legt solches Bekenntnis öffentlich ab, sie bezeugt damit in Demut ihre wahrhaftige Frömmigkeit, erklärt sich wiederholt der schweren Züchtigungen Gottes würdig, ihres Namens Naemi unwert.
Es war zur Zeit des Anfangs der Gerstenernte, im jüdischen Monat Nisan, also in der Osterzeit, dass Naemi und Ruth nach Bethlehem gekommen waren.
Auch der verlorene Sohn im Gleichnis des Herrn war voll ausgezogen mit seines Vaters Erbteil, zerlumpt und zerrissen kam er wieder heim. Auch er erklärte sich daheim seines Namens unwert: „Ich bin nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße.“ Ihr wisst, dass der Vater dennoch ihn wieder annahm, und werdet auch hören, dass auch Naemi und Ruth die Vaterliebe Gottes in Bethlehem in reichem Maße erfahren durften.
Wie bisher, so gewährt uns auch im Zusammenhang mit den vorausgegangenen Betrachtungen unser biblischer Abschnitt eine schöne Abbildung des christlichen Lebens. Die Prüfung ist bestanden, das heilige Land ist erreicht. Wir sind in Bethlehem, sind hindurchgedrungen durch die Bekehrungsnot in den Gnadenstand. Den Gnadenstand schildere ich euch, und weil wir mit dieser Betrachtung ganz auf neutestamentlichem Boden stehen, so folge ich gern der Anleitung unseres Textes, wenn ich ihn darstelle an vier Abschnitten der festlichen Zeit des Kirchenjahres, nämlich an der Weihnachts-, Epiphanien-, Passions- und Osterzeit. Der Geist des Herrn mache diese Darstellung lebendig!
Der Gnadenstand hat auch wie unser Heiland und wie die christliche Kirche seine Weihnacht. Die Reise aus Moab heraus war für unsere beiden Pilgerinnen gleichsam eine Adventszeit gewesen; jetzt, in Bethlehem, am Ziele angekommen, dürfen sie aus ruhen und Weihnacht halten. Ist, Geliebte! der Sünder zur Gnadengewissheit hindurchgedrungen, kann er fröhlich rühmen: „mein Heiland nahm mich Sünder an,“ kann er im Besitz der geschmeckten Gnade frohlocken und jauchzen: „ich bin ein seliger Mensch, ich fühl' es schon hienieden, ich bin ein seliger Mensch, ich schmecke Gottes Frieden,“ so ist's auch bei ihm Weihnacht geworden, er ist sich seiner Neugeburt bewusst; ein Ziel ist erreicht - freilich noch nicht das letzte, in Neu-Jerusalem ist er noch nicht - aber doch das erste auf dem Wege dahin; er befindet sich in Bethlehem. Seid ihr in diesem Bethlehem daheim, lebt ihr im Gnadenstande?
Wenn das, so ist Bethlehem euer Wiedergeburtsort, Heil euch, das in Bethlehem geborene Jesuskind hat seine Geburt in euch wiederholt. Nur verwechselt mir nicht, wie es so häufig aus Unwissenheit geschieht, Nazareth, Kapernaum und Jerusalem mit dem kleinen Bethlehem. In Bethlehem sing das irdische Leben unseres hochgelobten Heilands jung und klein an. So fängt auch das christlich-gläubige Leben kindlich klein an. Man wird wieder so kindlich, wie ein Kind. Die Bekehrten sind nicht sogleich große Gottesmänner, fertige Christen, sollen sich's auch ja nicht einbilden, als wären sie es. Es steht Einem gar nicht fein an, wenn er von seiner Bekehrung viel Gerede, großes Geschrei macht. Das ist sogar sehr verdächtig. Wollet nur klein anfangen, stille sein, so wächst das kleine Kind durch die inwohnende Gotteskraft des Heiligen Geistes am besten. Doch beachtet, so klein auch das geistliche Leben anfängt im Gnadenstand, es ist doch einmal ein sicherer, gewisser Anfang. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi ist nicht mehr bloß ein gehoffter, ersehnter, erbetener, sondern ein wirklicher Besitz, so gewiss als Naemi und Ruth in Bethlehem drin waren, nicht bloß hinein sich dachten. Es ist geistliches Leben da. Du bist nicht mehr, so zu sagen, verschlossen im Mutterleibe christlicher Gemeinschaft, welche dich vielleicht lange Zeit getragen hat, ohne dass du dir deines eigenen, geistlichen Lebens bewusst wardst; du lässt nicht mehr bloß Andere für dich beten, sondern kannst nun auch selbst beten; du atmest selbständig in dich die Liebe Gottes, die Gnade Jesu, die Lebensluft des Heiligen Geistes; du bist aus dem Tode errettet, der Herr hat auch dich, wie vormals die Naemi, wieder heimgebracht.
Als Naemi wieder in Bethlehem war, fand sie dort auch selbstverständlich trotz ihrer Armut ihren Lebensunterhalt. Ist ein Kind zur Welt geboren, so bedarf es der Nahrung zu seinem Leben und Wachstum; es hat noch kein Eigentum, und doch, der die Vögel des Himmels nähret, ernährt auch die kleinen Kinder durch die elterliche Fürsorge, insbesondere durch die Mutterbrust. Auch in solcher Beziehung wird den Bekehrten der Gnadenstand zu einem Bethlehem, zu einem „Brothaus.“ Das junge, zarte, geistliche Leben erhält gesunde Kost, Nahrung und Kleidung. Die lautere Milch des Evangeliums nährt es, das Lebensbrot, das Fleisch und Blut Christi im Wort und Sakrament stärkt es, das Kleid der Gerechtigkeit Jesu Christi ziert es. So ließ der Vater dem verlorenen Sohne das beste Kleid herbeibringen, steckte ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und gebot, ein gemästetes Kalb zu schlachten. Im Gnadenstand braucht Keiner Mangel zu leiden an geistlicher Gabe, es ist ja genug da; es braucht Keiner zu frieren, da gibt's grüne Weihnachten, die Liebe des Heilands hält so warm und durch die Decke seines Verdienstes geht kein Frost hindurch. Meine Lieben! da ist es gut sein, viel besser als im Lande der Moabiter. Zwar man hat auf das Alles keinen Anspruch, man kommt so arm und leer in den Gnadenstand, wie Naemi nach Bethlehem, aber selig sind die geistlich Armen!
Doch, meine Lieben! im Gnadenstand ist nicht immer Weihnacht. Auch das Jesuskind blieb nicht immer klein in der Krippe zu Bethlehem. Das geistliche Leben muss auch wachsen bis zum vollkommenen Mannesalter Christi. Wie im Kirchenjahre auf das Weihnachtsfest die Epiphanienzeit folgt, als zu dem Weihnachtskreis gehörig, so auch im Gnadenstand. Darauf weiset uns die Geschichte der Naemi, noch mehr das vorbildliche Erdenleben des Heilands hin. Die Epiphanienzeit ist die Zeit der mannichfaltigen Lebenserfahrungen im Gnadenstande.
Alljährlich führet sie uns das Erdenleben Jesu von seiner frühesten Kindheit an bis zu seinem Todesleiden zur Betrachtung vor die Seele. Wir gedenken des Besuchs der morgenländischen Weisen, der Flucht nach Ägypten, der Rückkehr nach Nazareth, der Reise des zwölfjährigen Knaben nach Jerusalem auf das Osterfest, der dreißigjährigen Stille Jesu, seiner Versuchung in der Wüste, seiner Taufe und Salbung mit dem Heiligen Geiste, seines öffentlichen Lehramts und seiner Wundertaten. Aus dieser Zeit berichten die Evangelien das Meiste. Dieses Erdenleben Jesu wiederholt sich in mancherlei Weise an den Wiedergeborenen. Diese wachsen im geistlichen Leben, sie werden versucht und bewährt, sie bezeugen ihren Glauben in Werken der Gerechtigkeit. Es ist unmöglich, in einer Betrachtung das ausführlich zu beschreiben, nur die Grundstriche des Bildes zeichne ich heute zur Ausführung in den folgenden Stunden.
Auch für Naemi war in Bethlehem gleichsam auf das Weihnachtsfest die Epiphanienzeit gefolgt. Sie spricht ihre Erfahrungen aus. Sie erlebt, dass die ganze Stadt sich regte über ihre unvermutete Rückkehr und die Leute sich einander befragten: ist das die Naemi? Ähnliches erlebt Feder, der bekehrt worden ist aus der Finsternis zum Lichte, aus der Gewalt des Satans zu Gott. Jede Bekehrung ist höchst wichtig, und wäre es die Bekehrung des allergeringsten Taglöhners. Es erregt sich darüber die ganze Stadt Gottes, das gesamte Reich Gottes kommt darüber in freudige Bewegung. Der Herr spricht fröhlich: „freut euch mit mir, denn ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war,“ und alle guten Engel freuen sich über den einen Sünder, der Buße tut, und wie die Engel, so auch die gläubigen Menschen, weil ihre kleine Herde einen Zuwachs erhält, weil eine Seele wieder zur Gemeinde Gottes hinzugetan ist. Ist es nicht also? Freuen wir uns nicht sogar über die Bekehrung, sei es auch nur eines Einzigen, im fernen Heidenlande? Wer diese Freude nicht kennt und empfindet, der lässt vermuten, dass er selbst noch dem Reiche des Herrn ferne steht.
Zu dieser Freude kommt demütigende Verwunderung. „Ist das die Naemi? Oder: ist das der Saulus, der die Gemeinde Gottes verfolgt hat? Wer hätte das gedacht?“ Diese Verwunderung ist sogar nicht immer rückhaltlos fröhlich, sie ist auch mitunter mit Misstrauen gepaart. Manche Bekehrte müssen auch in anderer, schmerzender Weise die Frage hören: „was kann aus Nazareth Gutes kommen?“ und müssen die Eifersucht des älteren Bruders des verlorenen Sohns im Gleichnis des Herrn empfinden. Ihr kennt ja diesen älteren Bruder. Es ist nicht Alles Gold, was glänzt. In Bethlehem wohnten nicht lauter Abrahamskinder. In der christlichen Kirche, auch unter denen, welche sich gläubig heißen, sind sie nicht Alle bekehrt. Auch viele Tadelsucht, viel Splitterrichten und anderes liebloses Benehmen wird angetroffen. Solcherlei hasst!
Das Letzte, was eben erwähnt wurde, reicht schon in die dritte Zeit hinein, welche im Gnadenstande erlebt wird, in die Passionszeit. Die Erfahrungen, welche Naemi in Bethlehem mitteilte, waren Passionserfahrungen. Sie fühlt sich so leer, sie will Mara, die Betrübte, heißen. Auch in diese Zeit müssen Christen ihrem göttlichen Vorgänger und Mittler folgen. In ihr hat der leidende Christus sein Gnadenreich gegründet durch seinen Opfertod, als das Lamm Gottes, für uns geschlachtet, als der ewige Hohepriester, der das vollgültige Opfer zur Weltversöhnung an sich vollzog. Er ist gehorsam geworden bis zum Tode am Kreuze, Er ward durch Leiden vollendet, und wir - müssen auch durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen, müssen sterben mit Christo, völlig absterben der Sünde. (Römer 6.) Zwar ist dieses Sterben bei Bekehrten eigentlich schon geschehen. So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind, die nicht nach dem Fleische wandeln, sondern nach dem Geiste. Auch Naemi hatte diese Passionszeit eigentlich schon hinter sich. Doch erzählt sie von ihr und will ihr Gedächtnis unverlierbar behalten. Gleich so halten es bekehrte Christen. Sie setzen nicht allein das Sterben mit Christo im Gnadenstande fort, indem sie in fortgesetzter Heiligung die noch sich regenden Sündenglieder ertöten und kämpfend siegen, sondern sie bewahren auch das Gedächtnis ihrer Errettung aus der Sünde, ihrer Bekehrung, in tiefer Demut. Darauf wollen wir jetzt achten.
Gleichwie Naemi noch in Bethlehem erzählte von ihren Verlusten in Moab, - doch ich zeige euch eine wichtigere Vergleichung: wie unser Herr und Heiland auch als Auferstandener nach seinem Siege noch die Kreuzeswunden an seinem Leibe trug, so verlieren auch die wahrhaft Erlösten im Gnadenstand nie und nimmer die Kennzeichen ihrer Leidenszeit, d. h. sie bleiben in der Demut, in der Demut, die sich aller Schläge wert hält. Diese Demut ist unverlierbar; sie bleibt neben dem fröhlichen Bewusstsein der Versöhnung bestehen. Je mehr ich meinen Unwert fühle, je mehr wird mir die Gnade groß. Die Demut vergisst nicht die vorigen Sünden und Verschuldungen im unbekehrten Zustand. Freilich der Glaube weiß sie alle vergeben, alle, alle; aber ein wahrhaft bekehrtes Herz kann es nie vergessen, wie viel ihm vergeben worden ist, es verlernt auch das Bekenntnis der vorigen Sünden im Himmel nicht. Es kann darum auch ein rechtschaffenes Kind Gottes nie in Geringschätzung der Versuchung stolz sein auf seine Stärke, sondern es achtet fein auf das Wort: „wer steht, mag wohl zusehen, dass er nicht falle.“ Und weil ein demütiger Christ seiner Niedrigkeit eingedenk bleibt, erhebt er sich auch nicht übermächtig über Andere, will nicht mehr sein, wie sie, schämt sich nicht, sich mit St. Paulus den größten Sünder zu nennen, gibt aber der auf Gnade und Barmherzigkeit des Herrn allein die Ehre.
Ihr werdet vielleicht einwenden, das seien doch eigentlich keine christlichen Passionserfahrungen. Wohl; es gibt deren freilich - auch und wir werden Veranlassung erhalten, später ihrer zu gedenken. Aber diese geschilderte Demut ist die Passionsstimmung der Seele im Gnadenstande; sie ist als göttliche Traurigkeit die Grundlage der wahrhaftigen Freude im Herrn, deren ich nun noch kurz Erwähnung tue, indem ich noch ein Wort rede von der Osterzeit im Gnadenstande.
Auf Karfreitag folgt Ostern. Der gekreuzigte Christus ist auferstanden und spricht: „ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Wer im Gnadenstande sich befindet, ist bereits geistlich mit Christo auferstanden. Das Alte ist vergangen, die Lebensrichtung und Lebensführung ist eine andere geworden. Nur die Nägelmale bleiben, wie wir gesehen haben, zurück aus dem früheren Sündenleben, das ist das demütige Bewusstsein der Verschuldung.
Naemi war zur Zeit der Gerstenernte nach Bethlehem gekommen, also in den Tagen zwischen Ostern und Pfingsten. Das ist die schönste Zeit des Kirchenjahres, in welcher die Evangelien so erwecklich von Christo dem Auferstandenen erzählen, wie er des Thomas Zweifel überwunden, den gefallenen Petrus wieder aufgerichtet, alle die Seinigen mit seinem Friedensgruße begrüßt und die Verheißung des Heiligen Geistes wiederholt hat.
Auch im Gnadenstande wiederholt sich diese schöne Zeit. Man wird sich seiner Auferstehung mit Christo gewiss, neues Leben durchströmt uns. Man bekennt mit St. Paulus: „ich lebe, doch nicht ich, sondern Christus in mir.“ Wisst ihr erfahrungsmäßig davon zu sagen? Man genießt in allem irdischen Streit und unter aller Trübsal doch fest in der Seele den Frieden Jesu, einen Frieden, den die Welt nicht geben kann, nicht nehmen darf. Über die Lippen kommt das Bekenntnis Petri: „Herr, du weißt, dass ich dich lieb habe.“ Das ist auch die Anfangszeit der Ernte, nicht der Ernte vom eignen Arbeiten und Aussäen, nein, die wird Christus später einsammeln in die himmlischen Scheunen, sondern es ist der Erntegenuss von der Aussaat Jesu, des himmlischen Säemanns; man labt sich an des Geistes Erstlingen, empfindet in ihnen den Vorgeschmack des ewigen Lebens. Durch die verschlossenen Türen des Betkämmerleins tritt Jesus herein und grüßt: „Friede sei mit dir.“
Einzig schön ist diese Osterzeit im Gnadenstande. Zwar ist sie noch nicht die ewige Sabbatsruhe, aber doch ihr irdischer Anfang; zwar ist das Ende des Kampfes noch nicht eingetreten, doch der erste Sieg, der verheißungsvoll den letzten einschließt, wird gefeiert. Darum wird es den Bekehrten im Gnadenstand so wohl. Herr Jesu, gekreuzigter und auferstandener Mittler, führe herzu in deine Gnade alle Verlorenen, die noch ferne sind, erquicke sie und uns mit deiner Gnade. Amen!