Stockmayer, Otto - Nachgeschriebene Reden - 2.
Dienstag, Nachmittag, den 19. Mai 1897.
Gebet.
HErr, habe nun Dank, Lob und Preis, dass Deine Hand immerdar über uns ausgestreckt ist, dass Du Segen zuwendest denen, die nach Dir ausschauen. HErr, Du siehst jedes verlangende Herz in diesem Saal, und Du siehst alle die Macht und den Zauber der Sinnenwelt, all die Wut des Feindes und all seine List. Decke Du die ganze Versammlung mit der Sprengung Deines Blutes, o Jesu, Dein Wort kommt nicht über die Lippen Deiner Knechte, es dringt in kein Herz, wenn Du nicht da bist, wenn Du nicht Stellung gibst der Lippe, den Mund aufzutun mit Freudigkeit, wenn Du nicht Salbung gibst den Ohren, ein hörendes Herz, wenn Du den Tumult nicht stillst, das wogende Meer der Herzen umwandelst wie alle Wogen des galiläischen Meers, und auch diese Wogen und Wellen müssen sich legen vor Deiner ausgestreckten Hand. HErr, wir haben uns die Hand gegeben, Dein Angesicht diesen Nachmittag zu suchen; wir sind übereingekommen, zu Deinen Füßen zu sitzen, Du großer Lehrer und Meister, und wir wissen, es ist noch Raum zu Deinen Füßen und Du bist noch nicht müde geworden, die Müden anzunehmen, ehrende Gedanken zurückzubringen, Hohes zu beugen und Niedergeschlagenes aufzurichten. Du zerbrichst nicht das geknickte Rohr, und Du löscht keinen glimmenden Docht aus. HErr, sei mit unserm Geist und segne uns diese Nachmittagsstunde aus Deiner Fülle! Amen.
Wir haben gesehen, dass, wenn es dunkel geworden ist über der Menschheit, und wenn es dunkel wird über einem Menschenleben, so ist es, weil Gott das Ohr der Seinigen, der von Ihm Geschaffenen, nicht mehr hatte, weil sie kein Ohr mehr hatten für Ihn, weil ER rufen konnte und niemand, niemand antwortete, gerade wie bei Elias auf dem Karmel. So sagt doch einmal, was Ihr tun wollt! Werdet Euch klar, wem ihr dienen wollt, dem Baal oder Jehova? Ist Baal Gott? Ist die Welt Euer Gott? Ist Jehova Gott, so dient Jehova. Denkt nach! Es ist etwas unendlich Großes, wenn man die Leute zum Nachdenken aus ihrer Gedankenlosigkeit bringt. Sie sollen sich Rechenschaft geben, was jeder will. Wir sollen wissen, was wir wollen. Nicht träumen! Aber da war keine Antwort! Sie wussten nicht mehr, was sie wollten. Sie waren verzaubert. da hat Gott seinen Sohn gewunken, wenn ich so sagen darf, und da ist der Sohn aufgestanden, der große Knecht Jehovas und hat gesagt: Siehe, ich komme, Du hast mir einen Leib bereitet. Deinen Willen tu ich gern. Du hast mir Ohren bereitet, Ohren durchbohrt. Im 50. Kap. Jesaias von heute morgen heißt es: ER weckt mir jeden Morgen das Ohr, dass ich höre wie ein Jünger. Jeder Tag hat seine Lektion, und jeden Morgen muss Gott das Ohr für die Tageslektion neu erwecken, dass man nicht träumend und gedankenlos in den Tag hineinläuft, ohne erst seine Hand wieder neu in Gottes Hand gelegt zu haben und in der Stellung eines hörenden Herzens fest geworden zu sein vor seinem Gott. Und da kommt nun eben diese Sache mit dem durchbohrten Ohr herein. Eins der ersten Statute, die Gott bei der Gesetzgebung seiner 10 Gebote hat verkündigen lassen vom Berge Sinai, ist im Moses 2. Buch, Kap. 21, 2-6. Da führt uns die Schrift das Gesetz vor, das galt für hebräische Knechte. Wenn ein Hebräer einen Hebräerknecht kaufte, so galt folgendes Gesetz: Er könne ihn nur 6 Jahre haben, mit dem siebenten ging er frei aus. Auf das Nähere will ich noch nicht eingehen. Wenn nun mit Beginn des 7. Jahres der Knecht sagte: Ich geh' nicht fort. Ich habe meinen Herrn lieb, ich bleibe, dann wurde er für immer der Knecht seines Herrn. Da kam kein 6. und 7. Jahr mehr. Da war's geschehen um seine Freiheit. Und dann wurde dieser Knecht vor die Türpfosten des Hauses gebracht und in der Gegenwart der Richter wurde ihm von seinem Herrn das Ohr mit einem Pfriemen durchbohrt zum Zeichen, dass er nun sein Knecht sei für ewig, für immer, für sein ganzes Leben.
Es gibt Leute, die jedem und jedem Herrn dienen wollen und die dann wieder sich selbst dienen, und Menschen, die der Eitelkeit dienen, ihren eigenen Gedanken und Zielen nachgehen. Es ist ihnen das Ohr nicht durchbohrt worden. Ihr Herz ist noch nie gewonnen worden für den HErrn, und es verlangt sie immer wieder nach Freiheit. Es wird ihnen zu viel, ihrem Herrn mit allem, was sie sind und haben, angehören zu müssen. Es ist ihnen ein Müssen. Nun, sie können wieder gehen. Der HErr will keine gezwungene Knechte. Aber es gibt welche, die haben sich dem HErrn zur Verfügung gestellt auf Grund des vom HErrn dargebrachten Opfers. Sie haben ihren HErrn kennen gelernt und lernen ihn jeden Tag mehr kennen. Die haben ihren HErrn erprobt als treu und herrlich. Die wollen um keinen Preis mehr frei werden und würden beben und erzittern bei dem Gedanken, der HErr würde sie fortjagen. Den verlangt es nicht mehr nach Freiheit des Fleisches. Sie wissen, jeder Moment, der nicht Gott geweiht ist, ist verloren. Sie haben lange genug die Welt gekostet und falsche Freuden; und dann haben sie erkannt, dass es nur Gebundenheit ist und Knechtschaft, wenn man sich an die Menschen, an sein eigenes Bild, an den Betrug der Sinne verkauft, und sie haben sich die Ohren durchbohren lassen, und sie sind auf Grund des am Kreuze geflossenen Blutes eingetreten in den neuen Bund, der sie zu Leibeigenen des HErrn macht für Zeit und Ewigkeit. Das, lieben Freunde, das kann nur geschehen auf Grund des am Kreuze vollbrachten Opfers. Wäre ER nicht gekommen, so wäre es nie dazu gekommen, dass je ein Menschenkind den Dienst seines Gottes, seinen HErrn und Heiland lieb gewonnen und sich Ihm für Leben und Sterben zur Verfügung gestellt hätte. ER hat's getan! Der HErr JEsus hat's getan! Vor Ihm war keiner mehr mit durchbohrtem Ohr, keiner mehr, dem Gott jeden Morgen das Ohr öffnen konnte, keine, die sich ganz und gar ihrem Gott zur Verfügung gestellt hat. Da kam ER: Hier bin ich! Es steht von Mir geschrieben in der Rolle des Buches: Schlachtopfer sind genug geschlachtet worden und haben keine Sünde weggenommen und haben das Menschenherz nicht zurückbringen können zu seinem Gott und haben den Menschen nicht überwinden können. Das Schielen nach der Welt und das Verlangen nach falscher Freiheit haben sie nicht überwinden können. Dann kam ER, der Knecht Jehovas, der große Jünger und Schüler, der immer nur auf seinen Gott gemerkt hat und nichts Höheres kannte, keine andere Speise kannte, als zu tun den Willen dessen, der ihn gesandt hat. Und was war das für ein Wille? dass ER Sich selber zum Opfer brachte für eine sündige Welt, dass ER Sich einen Leib zubereiten ließ, im Leib der Maria durch den Heiligen Geist erzeugt, und dass ER dann diesen Leib, diese Glieder seinem Gott opferte. Durch die Opferung Seines Leibes sind wir Gott geheiligt. Ein für alle Mal für Gott wiedergewonnen. Wir haben heute Morgen im 50. Kap. des Jesaias gesehen, dass, wenn dieser Knecht Jehovas sich seinem Gott zur Verfügung stellt, es für Leiden, Schmach und Demütigungen aller Art ist. ER hat seinen Rücken, ER hat Sein Angesicht nicht ente zogen dem Streich, dem Speichel und der Schmach. Und das alles hat ER getan. ER hat sich Gott geheiligt, dass auch wir geheiligt werden in Wahrheit. Durch die Opferung Seines Leibes sind wir wieder für Gott gewonnen, und ist unser Herz überwunden. Durch nichts anderes. Der HErr hat große Dinge auf der Welt getan in den Tagen seines Fleisches. ER hat Tausende und Abertausende geheilt. ER hat Worte des Lebens verkündigt tagelang, stundenlang, immer wieder; ER ist nie müde geworden zu lehren und auszuteilen, Augen und Ohren zu öffnen. Ist durch das Alles die Welt anders geworden? nein, o nein!
Als Moses und Elias auf dem Berge der Verklärung dem Heiland begegneten, da sprachen sie nicht mit Ihm von seinen Heilungen und von all seinen Arbeiten als Prophet in mächtigen Taten und Worten, wovon die Herzen der Jünger erfüllt waren, Mit dem allen war der Welt nicht geholfen. Wisst Ihr, wovon sie mit dem HErrn gesprochen haben? Von dem Ausgang, den es nehmen solle in Jerusalem, als ER sein Leben darbrachte als Schlachtopfer für die Sache der Welt. Deinen Willen tu ich gern. Die Ohren hast Du mir durchbohrt, Dir zu dienen. Einen Leib hast Du mir zubereitet, ihn zu opfern am Kreuz. Alles, was durch Moses und Elias im alten Bund geschehen war und durchs Gesetz und durch die Propheten und durch alle Einrichtungen des levitischen Priestertums, war vergebens. Als diese Gestalten drüben angekommen waren, der Gründer und der Wiederhersteller des alten Bundes, da sahen sie alsbald, ihre Arbeit war verloren, für immer vergebens, wenn nicht nach ihnen einer käme, der die Erfüllung alles dessen ist, was nur schattenhaft dargestellt werden konnte durch den alten Bund. Wenn ein Petrus sogar den HErrn JEsum hatte zurückhalten wollen vom Leiden: HErr, nur das nicht! 6 Tage nachher kamen die Gestalten des Jenseits den HErrn zu ermutigen, nicht zurückzuschrecken vor diesem Gang nach Jerusalem. ER hat seinen Rücken dargeboten und da. durch, dass ER diesen Gang getan hat, dadurch hat ER uns geheiligt. Jest gehören wir uns nicht mehr selbst. Jetzt sind wir Gott Geheiligte. Das ist die wörtliche Übersetzung im Hebr. 10, 10: Durch das von Ihm dargebrachte Opfer, durch Seinen göttlichen Willen sind wir Gott Geheiligte. Mit andern Worten: Wir gehören uns nicht mehr selbst. Gott hat wieder Beschlag von uns genommen. Dass Jesus für uns starb, das starb ER, auf dass alle, die da leben, nicht mehr ihnen selber leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferstanden ist. Karfreitag feiern und für sich selber leben ist eine Lüge! Wer den Tod des HErrn feiert und sich dazu bekennt, bekennt zu gleicher Zeit, dass er sich nicht mehr selber gehört, denn Christus starb ja dafür, dass alle, die leben, dem leben, der für sie gestorben und auferstanden ist. Durch Sein Todesleiden sind uns nun die Ohren durchbohrt, soweit wir wirklich da eingehen. Da hat uns Gott durch das Blut des Lammes losgekauft von der Eitelkeit, von eigenem Wandel nach väterlicher Weise, und hinter dem eitlen Wandel steckt eitles Denken, eine ganze Welt von Eitelkeit im Herzen! Und wisst Ihr, worin die Eitelkeit im Grunde besteht? Dass man sich um sich selber dreht, sich selber gefällt, sich selber sucht, sein Interesse, seine Art, seine Anerkennung, an seinen Weg sich hinsetzt und bettelt um ein Almosen, um einen freundlichen Blick, bettelt um einen Händedruck bei den Kreaturen am Wege, und ein schwarzes Herz hat, wo man auch hinkommt. Das ist Eitelkeit! Wenn man sein Fleisch pflegt und seine Natur pflegt und fern ist davon, dass man mit Christo gekreuzigt werde. Die ihm Gekreuzigten sind der Welt Gekreuzigte, und die sich selber gekreuzigt, sind Gott geheiligt. Nicht durch ihre Anstrengungen, nicht durch lange Arbeiten, sondern durch das Todesleiden Christi sind sie losgekauft vom Dienst der Welt und gehören nun Ihm, der sich die Ohren hat für uns durchbohren lassen und der leidend und sterbend und wirkend durch diese Welt ging als der große Knecht Jehovas. Gott geheiligt. Ich heilige mich selbst für sie. Ich stelle mich Dir, mein Gott, zur Verfügung für Leiden und Sterben, auf dass auch sie geheiligt seien in Wahrheit, auf dass nun auch sie Dein Eigentum werden. Ich sterbe, auf dass sie nicht mehr ihnen leben, sondern mir und mit mir für Dich, den Vater. Und wie viele mögen auch in dieser Nachmittagversammlung sitzen, die noch nie an die Türpfosten gegangen sind, deren Ohr noch nie durchbohrt worden ist, deren Auge sich noch nie geöffnet hat für die Herrlichkeit eines Lebens, wo man nur für Gott lebt und nicht mehr zweien Herren dient, dem Mammon und dem lebendigen Gott, dem lebendigen Gott und dem Menschen und den Kreaturen und sich selber. Noch nie ist ihnen ein Licht aufgegangen für die Schande und den Schmuss ihres Lebens und Wesens, eines geteilten Herzens, im Gegensatz zu einem hörenden Herzen, und da hat ihnen Gott auch noch nie das Geheimnis des Kreuzes ausschließen können, und da haben sie noch nie erkannt, dass sie im dort vergossenen Blut einen Freibrief haben, dass sie nun können für Gott leben, durch Den sie losgekauft von der Eitelkeit eines geteilten Lebens, dass sie nun wirklich und wahrhaftig leben können für Den, Der sie erkauft hat, nicht mit Gold und Silber, sondern mit seinem eigenen, teuren, unschuldigen, reinen Leibesblut, erkauft, Knecht Jehovas zu werden, wie nur ein Knecht Jehovas war. Bitte, denkt einmal darüber nach und sagt's und bekennt's, ob nicht wirklich nur die Tage und die Stunden des Lebens Wert haben, wo man für Gott lebt. Wie der Fisch nur im Wasser gedeihen kann und der Vogel nur in der Luft, so ist für uns kein Heil und kein Gedeihen anders als in der Erfüllung des göttlichen Willens, in einem Leben der Knechtesstellung mit durchbohrtem Ohr. Das ist Adel, alles andere ist gemein. Und mag einer, menschlich gesprochen, noch so hochgeboren sein, sein Leben ist gemein, wenn er für sich selber lebt, wenn er sein Eigenes sucht, und er wird vom Fleisch ewiges Verderben haben. Wer, sei es in der Hütte oder auf dem Thron, für sich selber lebt, lebt ein verlorenes Leben, und es ist jeder Tag verloren, welchen Du nicht für Gott lebst. Denn Dein Leben für Gott ist nur möglich auf Grund des am Kreuze vollbrachten Opfers, des Blutes, das für unsere Eitelkeit ges flossen, und durch das Ihr von eitlem Wandel, von eitlem Denken, von aller Eitelkeit losgekauft werdet, durch das Ihr Gott geheiligt werdet; durch die Opferung seines Leibes (Hebr. 10, 10) sind wir wieder für Gott gewonnen, Gott geheiligt, Gott zugesprochen, und nun haben wir wieder Macht, für Gott zu leben. Es gibt keine Macht, die uns hätte losbinden können von dem stinkenden Leichnam unseres eigenen Ichs, keine Macht als das Blut des Leibes Jesu. Wenn wir uns da reinigen lassen und wieder dieses Blut trinken, das Fleisch des Menschensohnes essen, Ihn durch den Glauben in uns ausnehmen, dann wird Seine Natur unsere Natur, und da nimmt ER unsere eigene Natur wieder an sein Kreuz, und dann gibt ER uns seinen Sinn und seinen Geist. Wir aber, sagt Paulus, haben Christi Sinn, und Christi Sinn ist nur auf das eine gerichtet: Deinen Willen tue ich! Das war seine Speise. Ich habe eine Speise, sagt ER, die ihr nicht kennt. Kennt Ihr die Speise? Habt Ihr Eure Ohren geöffnet? Eure ganze Herrlichkeit ist zerfressen von Eitelkeit, Geiz, Wollust, Sünden aller Ari, ein gefallenes Geschöpf bist Du, reif für die Hölle. Fortan nur leben dürfen für Gott, nachdem ER uns aufgelesen am Wege und Seinen Mantel über uns geworfen hat und uns von unserm schmutzigen Blut gewaschen in Seinem Blut, uns die Wunden ausgewaschen hat, Öl und Wein hineingegossen hat, Seinen Geist uns mitgeteilt hat, uns Kindern des Staubes, die wir mit kotigen Füßen im kotigen Schlamme gestanden und nirgends einen Felsboden finden konnten, an den wir hätten treten können. -
Wir, Du, ich, sollen leben dürfen für Gott mit allem Sinnen, Dichten und Trachten! Wie die Planeten sich um die Sonne bewegen müssen, der Fisch nur im Wasser leben kann, so müssen auch wir, die wir für Gott geschaffen sind, in unser Element, und unser Element ist Gott! Sonst sind wir unglückliche, verkaufte, elende, betrogene Leute, die sich vom Teufel am Tisch der Welt bedienen lassen, Sand in die Augen streuen lassen, der Fleischeslust, dem Reichtum, dem Ansehen und der Macht frönen; aber das ist Dunst und Eitelkeit. Wir sollen leben dürfen wieder für unsern Gott in unserm innersten Grunde, nicht äußerlich. Jeden Tag sollen wir unsern Gott und HErrn lieber gewinnen. Jeden Tag sei unser Gedanke: Ich gehe nicht mehr fort, ich habe meinen HErrn lieb, ER hat mir das gewonnen. Ja, ich weiß es, es sind unter Euch Leute, denen hat Gott ihr Herz gewonnen. Sie können nicht mehr. Sie gehen nicht mehr fort; sie gehen nicht mehr zurück in den Dienst der Eitelkeit. Die sagen nicht: „Warum sind wir nicht im Ägyptenland gestorben? Jetzt gehen wir in der Wüste zu Grunde!“ Die Probe wurde den Israeliten zu schwer. Nicht wahr, das Christentum kennen einige unter Euch. Wenn es aber noch einige Augenblicke gibt, in denen man sich zurücksehnt in die Welt und die beneidet, welche die Sinnenlust genießen; das darfst Du nicht mehr, und der Geist lässt es nicht zu! O, blicke tiefer hinein in den Spiegel des göttlichen Wortes, dass dieses Wort nicht nur die Hässlichkeit der Natur widerstrahlt, sondern dass Du in diesen Worten Gottes die Herrlichkeit eines Erlösers siehst und hineinblickst in die ungeahnte Herrlichkeit eines Lebens, wo man nur für Gott lebt. Meint Ihr wirklich, Gott könne ein Menschenherz nicht befriedigen? Nichts Geschaffenes, und ob Dir der Teufel alle Reiche der Welt gebe, nichts Geschaffenes kann ein Herz befriedigen, das nach Gottes Bild geschaffen ist. Kehre heim, verlorener Sohn, verlorene Tochter aus der Irre! Was die Welt Dir bieten kann, Kunst und Wissenschaft, Bildung und Erziehung, Stand und Herrlichkeit, alles ist eitel, was nicht für Gott und in Gottes Dienst gestellt ist.
Verlorenes Kind, geh' heim! Du bist für Gott geschaffen. In dem tiefsten Grunde Deines Wesens ist ein Schrei nach dem lebendigen Gott. Im tiefsten Grunde, vielleicht schon in Deiner Jugend, bricht etwas durch von Ekel über Sinnenlust und Kreaturenknechtschaft, Menschenlob und Anerkennung; ein Strahl des Kreuzes, ein Strahl von der Herrlichkeit Jesu Christi ist in Dein Herz gefallen. Sekt ist's fertig. Jetzt kann Dich die Hölle nicht mehr befriedigen. Konzert, Ball, Tanz, Theater, Romane, Dein eigenes treues Weib, das Dir Gott geschenkt, Dein eigenes Kind, Dein Mann, nichts kann Dich befriedigen. Es ist etwas aufgewacht, das geht weit hinaus über alles Geschaffene. Der Geist hat selber etwas aufgedeckt von der Herrlichkeit des Lebens dessen, der sich für uns geopfert und uns für Gott erkauft und Ihm geheiligt hat. Du gehörst Gott. Du gehörst nicht mehr Dir selbst, und Du kannst Dich nicht mehr verkaufen, und Du machst Dich unglücklich, wenn Du Dich an etwas anderes hingibst, an irgendetwas Geschaffenes, als an Gott. Und wenn Du eine Weile Deinen Durst stillen willst, Du gehörst Gott. Der Knecht Jehovas ist auf diese Erde gekommen, um Seelen zu werben für Gott; ER hat Leiden, Schmach und Jammer auf Sich genommen, uns zu verkaufen für Gott. Liebe Seele, wenn Dir der Blick einmal in diese geistliche Herrlichkeit aufgegangen ist, dann rechnest Du nicht mehr schmählich mit den Kosten. Dann fragst Du nicht mehr schmählich, wie weit darf man gehen, ohne zu sündigen. Was ist erlaubt? Du möchtest soviel als möglich noch mitnehmen und mitschleppen? Wenn einmal ein Strahl der Herrlichkeit Deinen Weg erleuchtet hat, achtest Du es für eine Ehre, Schmach zu erleiden mit dem Volke Gottes und wirst Dich nicht entziehen, und achtest es als keine Schmach aufnehmen zu wollen, was unser HErr gelitten hat. Wer noch nicht erlöst ist, wer noch nicht mit Christo gekreuzigt ist, wer sich darüber noch nicht klar ist, dass er ein Gottgeheiligter ist, hat Angst vor dem Tod und Leiden. JEsus hat sich ihnen nicht entzogen, und wer eins ist mit JEsu, entzieht sich nicht, wie wir heute morgen gelesen haben im 50. Kap. Jesaias Vers 5: Der HErr hat mir das Ohr geöffnet, und ich bin nicht ungehorsam und gehe nicht zurück. Ich hielt meinen Rücken dar denen, die mich schlugen 2c. Ist es nicht etwas herrliches zu wissen: man wird nicht beschämt werden. Man wird nur beschämt, wenn man dem Leiden ausweicht, schwere Aufgaben, schwere Gänge vermeidet, nicht geraden Wegs auf Felsenboden steuert. Deinen Willen tu ich gern; es koste, was es wolle. Nicht in eigener Kraft! Der HErr JEsus hat auch nicht in eigener Kraft sich geopfert am Holze. Durch den ewigen Geist hat sich der HErr geopfert und die, die den Geist haben, den JEsus hatte, die sind ewigen Geistes. Den Geist des vollendeten Gottmenschen, den hat ER ausgegossen am Pfingsten, und dieser Geist führt uns stracks durch Tod und Herrlichkeit. Da lese ich in Heb. 2. Kap. Vers 14 die merkwürdige, herrliche Stelle:
„Nachdem nun die Kinder usw.“
Und ER hat in gleicher Weise teilgenommen, auf dass ER durch den Tod den zu nichte machte, der des Todes Gewalt hatte, das ist den Teufel, und erlöste, losbetete, freimachte alle diejenigen, die durch Todesfurcht, Sterbensfurcht, Leidensfurcht ihr Leben hindurch Knechte waren, der Knechtschaft verfallen, geknechtet dadurch, dass ER stracks nach Jerusalem ging und hinunterstieg nach der Hölle und herauf zur Rechten Gottes, und den ganzen Willen Gottes leidend und sorgend erfüllte; dadurch hat ER des Teufels Macht gebrochen und Bahn gebrochen für uns, dass wir in den Sinn eingekleidet, von dem Petrus sagt: Ich gehe mit dir, wo Du hingehest. Aber er konnte nicht, bis JEsus Selbst den Weg gegangen war. Während wir Knechte waren, fürchteten wir uns vor dem Tode. Und wer das tut, ist noch nicht eingedrungen ins Heiligtum des neuen Bundes. Er ist noch nicht zusammengeschlossen mit dem, der den Tod überwunden hat und Sich frei gemacht hat von Todesfurcht.
Der Teufel ist der Fürst der Welt, der die Kinder des Unglaubens verblendet und ihnen die Augen verbunden hat, der über die verbotene Frucht in Eden den Zauber geworfen hat, dass der Mensch sich wunder wie viel versprach von jener Frucht, und es war nichts dahinter! Der ist es, der die Kinder dieser Welt und die ungläubigen Christen, soweit ihr Herz nicht gefesselt worden ist in Gott, zurückzieht und abzieht von Gottes Wegen. Und wie viele stehen noch unter seiner Gewalt. So oft Du deinen Fuß vom geraden Wege des Gehorsams ablenkst, stellst Du dich unter Satane Gewalt. Ich brauche keine Kraft in mir zu haben. Ich brauche nichts zu suchen, wo nichts zu suchen ist. Ich habe nichts. Ich bin bankerott geworden. Aber mein Heiland hat für die bankerott gewordenen alles, was not tut. Du brauchst keine Kraft erst zu verspüren. Vertraue deinem Heiland, und dann in Ihn gehüllt, kannst Du stracks nach Jerusalem gehen den Weg, den Du nicht gegangen bist und gegangen wärest, wenn Dich der HErr nicht losgewunden hätte von Wehleidigkeit. Das ist die Erlösung und das ist Heil. Ich habe meinen HErrn lieb und ich vertraue Ihm, sagt der Knecht mit durchbohrtem Ohr, dass, wenn er schweren Gang mich führt und Schweres von mir verlangt, er mir ein doppeltes Maß seiner Gnade gibt, und dann trägt er mich durch, und dann lerne ich ihn im Todestal kennen, im dunkeln Tal, wie ich ihn nie gekannt hätte. Liebe Seelen! Da ist frisches Wasser, Quellwasser, das ist Erlösung. Willst Du, liebe Seele, die Du vielleicht bis auf die heutige Stunde überall der Welt und Dir selber gelebt hast, willst Du dich einschreiben unter die Fahne des Gekreuzigten: Jesu, Dir leb' ich; Jesu, Dir sterb' ich; Jesu, Dein bin ich, tot oder lebendig? Willst Du Dir auch Dein Ohr durchbohren lassen, wenn Du einen Blick getan hast in die Herrlichkeit eines Lebens, wo man nur für Gott lebt? Und wenn Du einen Blick getan hast in die Tiefen der Erlösung, in die Macht des Blutes Jesu Christi und anfängst zu merken, dass Dich dieses Blut frei macht von aller Eitelkeit, Deinem Eigenwillen, Deinem Willen, Deiner Lust, so wirst Du gar nicht mehr anders leben wollen und es als eine Ehre erachten, als einen Ruhm und Herrlichkeit, mit Ihm leiden zu dürfen in der Kraft Seines unauflöslichen Lebens und mit Ihm zu herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.