Stockmayer, Otto - Nachgeschriebene Reden - 1.
Gebet.
Gib Du, unser Vater, einen reinen Zutritt zu deinem Gnadenbrote, stille Herzen, Dir zu begegnen; freudiges, kindliches, einfältiges Auftun des Mundes, wo Du Bitte und Gebet auf ein Herz gelegt hast, Dir darzubringen! Leite uns durch Deinen Heiligen Geist in dieser Morgenstunde! Amen.
(Vor Beginn der Predigt wurde vorgelesen: 1. Könige 3 und Jesaias 50).
Dienstag, Vormittag, den 19. Mai 1897.
Wir haben schon vorgestern am Sonntagnachmittag, als wir von dem Nachtgesicht Jakobs sprachen, darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, wie sehr wichtig es ist, und wie viel für einen ganzen Lebenswandel, für ein ganzes Christenleben, ja für Zeit und Ewigkeit davon abhängt, wie man sich zu göttlichen Gesichten stellt; wie man sich stellt, wenn Gott einem begegnet, wie ER dem Jakob begegnet ist und zu ihm geredet hat in der Nacht; und auf ein ähnliches sind wir gestern gestoßen, als wir darüber redeten: Heute, so Ihr Meine Stimme hört, verstockt Eure Herzen nicht, auf dass nicht jemand habe ein arges, ungläubiges Herz! Wie man sich unter das Wort Gottes herunterstellen muss, damit es seine Wirkung an uns tut bis auf den Grund, und wie wir bei allen Begegnungen Gottes mit uns, bei einem Sterbefall, in der Not, im Elend, in Trauer Sein Wort hören, damit es uns lebendig macht durch Seinen Geist. In der Nacht, wenn wir schlafen gehen, des Morgens, wenn wir von unserm Lager aufstehen. Wenn wir unsere Bibel lesen, so kommt alles darauf an, wie wir unser Herz eröffnen dem Wort. Und vielleicht müssen manche da unter uns erst Buße tun, dass sie ihr Herz und ihr Ohr geöffnet haben dem Tadel und dem Lob der Kreatur, und sich haben einschüchtern, bezaubern oder verführen lassen von der Stimme des Sichtbaren, der Eitelkeit und der natürlichen Welt, an welchen ihr Herz verhärtet für die Stimme Gottes. Und dann kann Gott in Versammlungen reden und in Gerichten, sie sind bezaubert, sie stehen unter dem Betrug der Sinne, unter dem Einfluss der menschlichen Stimmen, die sie verzaubern und gefangen halten und erschrecken. Ihr Herz ist nicht frei für das. Wort. „Die sollen Buße tun“. Es ist mir heute Morgen beim Frühstück, als wir zusammen die Bibel lasen, gerade dieser erste Abschnitt aus dem Losungsbüchlein, 1. Könige 3; merkwürdig gewesen. Hier hat Luther übersetzt im Gebet Salomo: Gib mir ein gehorsames Herz, und er wählt dafür ein verständiges Herz. Da heißt es nach einer Randbemerkung meiner englischen Bibel im Grundtext, im Hebräischen: ein hörendes Herz. „Heute, so Ihr Meine Stimme hört, verstockt Eure Herzen nicht! Habt acht! Habt aufeinander acht, dass nicht einer unter Euch ist, der ein arges Herz des Unglaubens hat, hörend auf die Eitelkeit und verschlossen für die Ewigkeit! Das also ist ein arges Herz, abzutreten von dem lebendigen Gott und in Beziehung zu treten zu Götzen, die keine Götter sind und nicht erlösen können. Gib mir ein hörendes Herz!“
Wir wollen jetzt gerade es nehmen, wie es im Grundtext steht, und wenn wir nun zu diesem Kapitel Jes. 50 übergehen, das mir auf dem Herzen gelegen hat, von der Morgenandacht im Hause an. Deshalb ist mir das Wort so aufgefallen: „Gib mir ein hörendes Herz.“ So sehen wir gleich am Anfang, dass aller Jammer, alle Gebundenheit im Volke Gottes, dahingegeben sein an fremde Mächte, daher kommt, dass das Volk Gottes kein Ohr mehr hatte für seinen Gott. Da konnte Gott rufen, so viel er wollte; da war Niemand, der antwortete, und wenn das Volk kein Ohr mehr hat für die Stimme Gottes, dann ist alles fertig. Es geht nun der Ruf an Euch, dass Ihr aufmerksam zuhört, und ich danke Gott für den Geist der Stille, die ER ausgebreitet hat unter uns. Diese Tage besonders und in besonderer Weise muss Gott begegnet werden. Aber darauf kommt es zuerst immer an, dass jeder unter uns zuerst Buße tut. Es wird viel gebetet, geschrien, geklagt, gejammert: Ach, dass doch der Himmel zerrisse, ach, wie so viel Jammer ist hier, dass doch endlich ein Geisteswehen über uns komme, und trotzdem haben die armen Kinder Gottes mehr Ohr für Zuflüsterungen des Feindes, für den Betrug der Sinne, für die Einflüsse der täglichen Welt, und wenn dann Gott rufen will, trifft ER unser Ohr nicht. Da schreien wir zu ihm, wie zu einem Baal. Es ist auch schon vorgekommen, nicht nur auf dem Karmel, wo Elias spottet: „Ihr Priester Baals schreit lauter; vielleicht schläft er. Vielleicht meint man, unser Gott schläft, man müsse ihn erst wecken.“ Euer Vater weiß alles. Ihr braucht nicht zu tun, wie die Heiden und Baals Priester, und wenn Ihr beten werdet, wird Gott wachen und Euch hören. ER will erst Euer Ohr und dann neigt ER gern Sein Ohr auf Euer Flehen. Wenn er aber immer rufen muss: Adam, wo bist du? Mein Kind, wo bist du? Wie weit hast du dich schon seit diesem Morgen verlaufen, weg von deinem Gott, den du morgens gesucht hast? Und wenn Ihr noch so oft in Versammlungen laufet, wo seid Ihr mit Euren Gedanken, Euren Blicken? Adam, wo bist du? Und da wacht das arme Menschengeschöpf auf; Gott muss unser Ohr haben, und ER hat unser Ohr, wenn ER unser Herz hat. Wo Euer Schatz ist, da ist Euer Herz, und wo Euer Herz ist, da ist Euer Ohr, und wo Euer Ohr ist, da sind Eure Augen. Ihr tut, als hätte Ich Euch davongejagt und verkauft. Ich habe Euch nicht verkauft. Ihr habt Euch verkauft durch Eure Missetat, und die Missetat aller Missetaten ist, wenn man Ihn nicht mehr hört. Sie sind alle davongelaufen, keiner war bei der Hand wie Gott rief. Das ist Missetat. Das hätte Ich nie Meinen Kindern erlaubt, davonzulaufen, wenn Ich sie rief, und das erlaubt kein Vater und keine Mutter, dass ihr Kind davonläuft, wenn es gerufen wird. Bin Ich nicht Gott? Kann Gott nicht sagen: Bin Ich nicht Gott? Gehört nicht alles Mein, die Erde, und was darinnen ist? Bin ich nicht Euer Vater? Wo ist die Ehre, die Ihr Mir erweist? Sollt Ihr nicht bei der Hand sein, wenn der Vater Euch ruft? Ich habe gerufen und niemand hat geantwortet, und dann wundert Ihr Euch, wenn Euer Himmel schwarz geworden ist wie ein Sacktuch, und wie es dann weiter heißt Vers 2: wenn die Ströme vertrocknet sind, wenn alles dürr ist, keine Lebenswasser mehr fließen und keine Geisteswinde mehr wehen. Gebt Gott erst wieder die Ehre und seid nicht wie Adam, den Gott. erst suchen musste, bis Er ihn irgendwo versteckt fand. Und dann Ausflüchte und Ausreden! Woher kommt alles Dunkel? Dass seinem Gott niemand das Ohr öffnet und Ihn nicht ehrt. Dann wird alles schwarz auf dem Lande sein. Und da fragt Gott im 2. Vers: Ist etwa meine Hand zu kurz zur Erlösung, wie ein Vater, der alt geworden ist und seinen Kindern nicht mehr helfen kann, dann sollen sie eben sehen, wie sie zurechtkommen und ihr Brot selbst verdienen. Ist Meine Hand zu kurz, ist in mir keine Kraft zur Erlösung? Bin ich schwach geworden? JEsus Christus gestern und heute und in alle Ewigkeit! Wenn Ihr um 10 Kap. des Jes. Buch des Propheten zurückgreift, so führt uns das auf den in unserm Leben uns allen teuer und wichtig gewordenen Vers des Schlusses von Kap. 40: Warum sprichst Du Jakob und redest Du Israel? Mein Weg ist verborgen vor Jehova und mein Recht entgeht meinem Gott; kümmert ER sich nicht mehr um mich? Erhört ER nicht mehr meine Gebete? Weißt Du es nicht? Hast Du es nicht gehört? „Ein ewiger Gott ist Jehova!“ Was ER war zur Pfingstzeit und zur Zeit der Reformation und zu allen Zeiten, wo ER Sich uns geoffenbart hat, ist ER heute noch. ER hat sich nicht geändert. Hast Du es nicht gehört? Ein ewiger Gott ist Jehova! Kein Wandel von Licht und Finsternis im Pfade des Lichtes! Der Schöpfer, Der die Erde geschaffen, ermattet nicht und ermüdet nicht. Unergründet ist Sein Verstand. ER altert auch nicht, wie ein irdischer Vater altern kann, dass er seinen Kindern nicht mehr helfen kann, wie er ihnen früher geholfen hat. ER gibt dem Müden Kraft.
Was hilft mir das, wenn sein Verstand unergründlich ist? Wenn du dir sagst: Ich bin zu Ende mit meinem Verstand und mit meiner Kraft, dann gibt ER dir neue Kräfte! ER gibt dem Müden Kraft, und ER gibt Kraft dem Unvermögenden, aber nicht, wenn wir tun, als wenn ER keine Ohren und kein Herz mehr hätte für uns, weil unser Ohr und unser Herz fremd geworden ist. Dann tun wir, als ob ER kein Ohr hätte, als ob ER fremd geworden, als ob ER nicht der gleiche wäre, und das tun wir, anstatt Buße zu tun, ein Beweis, dass es bei uns nicht gut steht. Die Jünglinge, die in ihrer eigenen Kraft trotzen, werden zu Schanden; und die sich auf ihre Jugendfrische etwas zu gute tun und ins Leben hineinrennen und meinen, sie könnten, was Alte nicht können, und werden's besser machen, sie ermüden und ermatten. Aber auf Jehova sollen wir harren, und wenn ER uns immer so schnell gleich erhören würde, so würde das gar nicht gut sein. Unser Glaube muss erprobt sein. Die Zeit des Harrens ist keine verlorene. Sie kann gesegneter sein, als die des Erfüllens. Viel wichtiger kann es sein, dass wir harren, als dass unsere Wünsche erfüllt werden; denn in der Zeit des Harrens wird der HErr mit uns ins Gericht gehen können, weil wir Ihm unser Ohr nicht mehr geliehen hatten, und ER warten musste, bis wir in Not waren, damit wir wieder riefen.
Aber die auf Jehova harren, gewinnen neue Kraft, heißt es in Vers 31. Glückselig die, deren Stärke in Gott ist. Und seine Stärke sucht in Gott nur noch, wer keine Kraft mehr hat, wer bankrott ist in seinen Naturkräften, in seinen eigenen Gefühlen, in denen er sich gefallen und geschwelgt hat. Er macht das Meer und die Fische stinkend. Alles natürlich Seelische verweht, und wo was verweht, gibt es Verwesungsgeruch, Gestank. Aber deren Stärke in Gott ist, die heben die Schwingen empor wie Adler. Sie laufen und ermüden nicht. Warum nicht? Weil Gottes Kraft unerschöpflich ist, und sie nicht mehr eigene Wege gehen. Im Dienste des HErrn kann man müde werden; aber da erneuert Gott die Kraft und Freudigkeit durch alle demütigende, reinigende, läuternde Erfahrung hierdurch. Alles, sage ich, sagt das Wort Gottes, kommt darauf an, dass Gott unser Ohr wieder hat, dass wir hörend in die Versammlung kommen und uns vor Ihn hinstellen, dann kann ER reden. O, durch das Nichtantworten richtet Gott und öffnet ER unser Ohr, dass wir Buße tun. Nun aber ist es schwarz geworden in der Menschheit, nachdem in der Geschichte des alten Bundes der letzte Prophet Maleachi strafend seinem Volke im Namen Gottes gesagt hat: „Bin ich euer Vater, wo ist die Ehre, die ihr mir gebt?“ Da ist es immer dunkler geworden und immer schwärzer; und was hat da Gott tun müssen? Da alsdann heißt es in Vers 4-5: „Der Menschheit konnte nicht mehr geholfen werden.“ Und weil Gott unser Ohr nicht mehr hatte und auch nicht das Ohr Seines auserwählten Volkes, so hat ER dies Volk seine eigene Wege gehen lassen. Und diese sind wie die der Heiden geworden. Sie haben Golf ihr Ohr nicht mehr gegeben, und was musste da geschehen? Es musste einer kommen, dessen Ohr Gott noch immer hatte, den ER nicht lange zu rufen brauchte, der da, wie Elias sagen konnte, seit seinem ersten Auftreten, der Gott, vor dem ich stehe, in ganz anderer Weise sagen konnte, als damals, als Elias davonlief in die Wüste, um sein Leben zu retten, da stand er nicht mehr vor dem HErrn, da hatte er nicht mehr sagen können: „der Gott, vor dem ich stehe.“ Da hat er sich erschrecken lassen von einem Weib, die allerdings mehr wie ein Weib war. Sie war eine Prophetin der Hölle, eine finstere Gestalt, eine Gestalt, die unbeweglich blieb, auch wenn hunderte von Baalspriestern geschlachtet wurden. Die stand da unbewegt und hat getrotzt und hat's gewonnen für den Augenblick. Die Hölle weicht nur von dem einen, dessen Ohr Gott immer gehabt hat. Von seiner Geburt an, von seinem ersten Erwachen Seines Bewusstseins in Nazareth an bis zum letzten Odem auf dem Kreuze hat ER für Seinen Vater gehandelt wie ein Jünger, wie ein Lehrling, wie ein Schüler, damit wir uns unserer eigenen Gelehrsamkeit schämen sollen, etwas wissen zu wollen, da, wo ER immer nur gehört und gemerkt und gehorcht hat auf seinen Gott wie ein Jünger. ER ist zum Jünger geworden, der nie etwas getan hat, als was Sein Vater Ihm gezeigt hat, Jes. 5, der nie etwas selber geredet hat. Was der Vater Ihm zeigte, das tat ER, und was der Vater Ihm gab, das sprach ER. ER lebte so mit Seinem Vater zusammen in der Abhängigkeit mit Ihm: Philippi, wer mich sieht, sieht den Vater. Nein, nicht mit einer Gelehrtenzunge, sondern mit einer Jüngerzunge hat der HErr Jesus gesprochen. ER hat nie aus sich geschöpft, wie wir, wenn wir viel gelernt haben, vielleicht auf einer Universität waren, oder geschickt sind; dann verlassen wir uns auf unsere Geschicklichkeit. ER hat sich nie verlassen auf sich selbst. ER hat immer vom Vater sich schenken lassen. ER ist Jünger und Lehrling geworden, weil wir aus der Schule gelaufen waren und gelehrt und fromm sein wollten in eigener Frömmigkeit, darum war es schwarz geworden über der Menschheit, und da ist ein neuer Stern aufgegangen aus Jakob, der ein Schüler der Schrift war und sich nur immer darum gekümmert hat, dass die Schrift erfüllt wird, der mit der Schrift sich gewehrt hat, unter das Wort sich gebeugt hat; die Schrift kann nicht gebrochen werden. In dieser Linie der Abhängigkeit ist ER unverrückt geblieben und ist gewandelt bis zum letzten Lebensodem. Und so hat ER wieder Licht hineingebracht in die Menschheit, und so hatte ER uns Hülfe gebracht und so hat ER uns, die wir unserm Gott fremd geworden waren, mit Gott versöhnt und uns Gott so nahe gebracht, dass ER nun wieder mit uns durch den Sohn und durch den Geist und durch das Evangelium reden kann, wenn wir unser Unrecht eingestehen wollen, dass wir Gott so haben stehen lassen und dadurch schwach geworden sind und unser Himmel schwarz geworden ist und unser Christenleben Gott Schande gemacht hat. Und da kommt der HErr; der hat Seinen Vater immer geehrt. Der HErr Jesus hat mir eine Jüngerzunge gegeben, damit ich wisse, den Müden durch ein Wort aufzurichten, dem Müden durch ein Wort beizustehen, dem Müden das rechte Wort zur rechten Zeit zu geben, wie man übersetzen kann. (Es existieren verschiedene Übersetzungen.) Das ist ein Wort für Missionare, für Evangelisten, für Frauen, die Kranke besuchen, für Eltern ihren Kindern gegenüber. Das ist immer der Unterschied der eigenen Weisheit, wo man aus seinem Vorrat und seiner Erfahrung schöpft. Da hat gestern der HErr wunderbar ein Wort gesegnet, und eine Halle ist errichtet worden. Heute will man das gleiche Wort wieder sagen; man hats genommen aus der gestrigen Erfahrung: Fruchtlos! Du hast nicht mit Jüngerzunge geredet heute! Mit der Zunge eines Jüngers, der auf seinen Vater merkt und nicht von gestern her das Work nimmt, andere zu trösten, sondern aus dem Vaterherzen es sich schenken lässt, durch den Geist es sich schenken lässt! Harrt des HErrn! Und merken auf Gott und nicht so tun, als ob das, was gestern gedient hat, auch heute sein will. Du hast gestern Erfahrung gemacht und willst sie heute verwenden? Das kann man nicht. Du musst, wenn Du den Müden helfen willst, ans Quellwasser gehen und nicht an Wasser, das seit gestern in Dir sich gelagert hat und nicht mehr frisch ist. Gestern war es frisch und da hat es den Seelen geholfen. Müde, Angefochtene, Bekümmerte wollen Quellwasser, und Quellwasser ist das Wort, das eine Jüngerzunge bietet. Die Jüngerzunge ist eine Zunge, die das bietet, was von oben kommt. Was der Geist einem zuteilt, was man heute von Gott bekommt und nicht von gestern, frisches Wasser und nicht Wasser, was sich in uns abgelagert hat. Also: Hier stehen wir vor dem HErrn, harren, merken auf Ihn; und nicht mit eigener Gelehrsamkeit, Frömmigkeit und Erfahrung Werke tun und helfen wollen. Du weißt ja gar nicht, was dieser Seele taugt, an die Du herantrittst, was Deinem Kinde heute taugt. Der HErr, als ER alles getan hatte, was ER konnte, um die Frau zu wecken, und alles vergeblich war, da kommt ein Augenblick, den ER vom HErrn gehabt hat, da erbittet ER sich den Schlüssel, um dieses verschlossene Herz zu öffnen, und der Vater gibt Ihm den Schlüssel und öffnet Ihm einen Blick in das Herz des Weibes, auch dass ER den Mann, den Zachäus, vom Baum herunterrufen kann. Der HErr Jesus war als Mensch nicht allwissend. ER lebte in der Abhängigkeit von Gott und Gott gab Ihm, was ER brauchte. Da hat Ihm Gott den Schlüssel gegeben und ER hat mit dem Schlüssel aufgedreht: Hole deinen Mann! Der HErr hat ihre Geschichte verraten. Und so kann uns Gott und hat uns ein Wort gegeben: Es ist uns gestern gut gegangen und soll uns heute gut gehen. Wir haben schon viel Erfahrungen gemacht. Wenn wir aber stille wurden und warteten auf den HErrn in der Abhängigkeit, dann haben sich die Türen geöffnet. Was von oben kommt, hilft. Was von uns kommt, hilft nicht. Werkzeuge, Jünger, Lehrlinge, Schüler müssen wir werden. Und mit einem Schüler kann ein Lehrer nichts anfangen, wenn er sein Ohr nicht hat, gar nichts. Wer unterrichtet wird, muss hören, ein hörendes Herz haben. Wer kein Herz hat für Gott, der hört Ihn nicht. Wer aber ein Herz für Ihn hat, dem kann Gott auch die Ohren austun. Salomo bat um ein hörendes Herz. Der HErr Jesus aber hatte ein hörendes Herz. ER war größer denn Salomo. Ich habe ein hörendes Herz, damit ich wisse, den Müden durch ein Wort aufzurichten. ER weckt mir das Ohr, damit ich höre, gleich einem Jünger, gleich einem solchen, der belebt, ernährt, unterrichtet, instruiert wird, nicht schon ein Gelehrter ist, sondern der unterrichtet zu werden braucht. Da ist der HErr oft früh morgens hinausgegangen, spät abends hinausgegangen, und hat sich zurückgezogen auf einen Berg, um mit Seinem Vater allein zu sein, eine neue Ausrüstung, neue Instruktionen von Seinem Vater zu bekommen. Der, der hier redet, ist der HErr Jesus, der nachher in Kap. 23 dasteht als der Leidende, der sich nicht zurückzieht vor Speichel, Schmach und Schande, und da hat Gott Seinem Sohn jeden Morgen neu das Ohr geweckt. Wenn wir Jünger des großen Jüngers Jehovas werden, Knechte des großen Knechtes Jehovas, dann tut der HErr Jesus uns, was der Vater Ihm jeden Morgen getan hat. Wenn wir uns die Zeit nehmen, unserm Gott in der Stille zu begegnen, dann öffnet uns Gott das Ohr und küsst uns und begegnet uns mit neuem Licht. Wenn wir abends nicht eingeschlafen sind, Kopf und Herz voll von den Gesprächen und Erfahrungen des Tages, wenn es uns abends zurückgetrieben hat, allein zu sein mit unserm Gott und alles andere zurückgesunken ist in Dunkel und Nacht, dann kann uns mit dem Morgengrauen, mit dem ersten Erwachen der HErr nahen und grüßen in der Stille, ehe die Bilder des Tages und die Aufgaben des Tages und die Nöten des Tages an uns herantreten. Dann kommt Gott und weckt unser Ohr, dass wir hören, wie ein Jünger, dass ER unser Ohr versiegeln kann zu hören auf Ihn und zu harren auf Ihn!