Stähelin, Ernst - Zwei Predigten und zwei Bibelstunden - Vorbemerkung.
Die folgenden Predigten und erbaulichen Schriftauslegungen machen in keiner Weise darauf Anspruch, durch ihren Wert zum Hinaustreten an die Öffentlichkeit berechtigt zu sein. Der Grund ihrer Veröffentlichung liegt vielmehr lediglich in einem lokalen Verhältnisse, und über diesen Umkreis geht auch im Grunde die Öffentlichkeit, die sie sich wünschen, nicht hinaus.
Es ist während meines kurzen Vikariats an der Kirche St. Johann zu Schaffhausen von einigen Seiten her die Aufforderung an mich ergangen, das auf der Kanzel gesprochene Wort durch den Druck festzuhalten und einem weiteren Kreise zugänglich zu machen (zumal da die Beschaffenheit der Manuskripte das Nachlesen des Gesagten leider! unmöglich macht), ohne dass ich doch irgendwie die Freudigkeit oder auch nur die innere Erlaubnis dazu gehabt hätte, diesem Ansinnen nachzukommen.
Aber indem nun die Tage da sind, da die Tätigkeit, in die ich hineingestellt wurde, zu Ende geht, die äußeren Beziehungen zu der Gemeinde, der ich das Wort verkündigen durfte, sich lösen, und ich ausscheide aus den Kreisen, deren freundliche und liebevolle Art ich in der wohltuendsten Weise habe erfahren dürfen, wird es mir fast unmöglich, dies ohne ein ausgesprochenes und bleibendes Zeichen des Dankes, der Erinnerung und des Grußes in Christo zu tun, - des Grußes, „der auf den Wegen des Evangeliums durch die Welt geht und die Menschen von einem Ende bis zum andern vereinigt,“ selbst wenn sie sich persönlich ganz unbekannt sind; um wie viel mehr, wo sie in persönlicher Beziehung gestanden, und sich noch etwas zu sagen, Dank, Friede, Freude zu bezeugen und zu wünschen haben, indem sie nach Raum und Zeit auseinander gehen. Und solches habe ich ja in der Tat zu bezeugen. Wem bei seinen ersten Anfängen in geordneter geistlicher Wirksamkeit eine lebendige, herzliche, annehmende Teilnahme der Gemeinde fühlbar wird, wer es zum ersten Male empfinden darf, wie aus dem Kreise seiner Zuhörer ein Geist des Verständnisses, des gemeinsamen Strebens und Liebens ihn anweht, der ihn ermuntert, trägt, bereichert, - wem bei seinem ersten Eintreten in den Kreis älterer und erprobter Arbeiter an dem gleichen heiligen Werke, diese die Unterschiede des Alters und der Stellung hintansetzend, mit wahrhaft brüderlichem und aufmunterndem Sinne entgegenkommen, und ihm so etwas zu spüren geben von der Gemeinschaft der Heiligen nicht nur, sondern auch von der Gemeinschaft gegenseitigen Dienens, Helfens und sich Erbauens: - der hat wohl vor Allem seinem Gott und Herrn dafür zu danken, dass er es so freundlich mit ihm macht; aber er wird dann weiter auch für alle die noch etwas auf dem Herzen tragen, durch die ihm Solches zu Teil geworden ist. Es bedarf dabei der ausdrücklichen Danksagung nicht. Es redet durch sich selbst laut genug, wenn ich mit freudigen und dankbarem Herzen bezeugen kann, dass ich durch Gottes Gnade wie durch der Menschen Freundlichkeit nach innen gestärkt, nach außen belebt, zu meinem heiligen Berufe ermuntert und vielleicht auch um etwas darin gefördert aus meiner kurzen Arbeitszeit scheiden kann; - und von Herzen rufe ich dabei der Stadt, die manche größere übertrifft in wahrhaft geistlichem und brüderlich geselligem Sinne, den Wunsch und Segensspruch zu, der über einem ihrer Tore steht: „Salus intrantibus! Pax exeuntibus!“1)
Und da ist es denn wohl das Natürlichste, dass ich einige der in dieser Stellung gehaltenen Predigten zu den Trägern dieses Grußes mache. Zwar fühle ich wohl, wie überaus mangelhaft in jeder Beziehung sie sind, und wie wenig sie sich vornehmlich zum Druck eignen mit ihrer weitläufigen Art, die durchaus nur das allseitige Verständnis bei dem schnell entschwindenden mündlichen Vortrage im Auge hat. Aber da sie nun einmal doch hauptsächlich die Bande gewesen sind, durch welche jene Beziehungen sich anknüpften und befestigten, und nicht ganz ohne Segen gehört wurden, so mögen sie nichts desto weniger ausgehen zu denen, an die sie eine innere oder äußere Botschaft haben, sich dessen im Innersten bewusst wie wenig sie sind, aber darauf vertrauend, dass in diesen Dingen vor dem Herrn kein Viel oder Wenig gilt, wenn Er helfen will (1. Sam. 14, 6).
Um längerem Erwägen und Auswählen zu entgehen, habe ich mich dabei an die beiden Predigten gehalten, die vor der größten Zuhörerzahl gehalten wurden, und also am meisten Erinnerungen zu erwecken geeignet sind; aus der Reihe der Bibelstunden wählte ich die vorliegenden aus, weil ich von ihnen weiß, dass sie dem einen und andern Herzen zur innerlichen Erbauung dienen durften.
Und so segne denn der treue und reiche Gott auch diese Weise, von seinem Liebeswillen, seinem Gnadenratschlusse, seiner Heilsverkündigung und seinem Ernste zu zeugen, und ersetze durch seine Kraft was der Schwachheit, der Unerfahrenheit, der Unvollkommenheit im Erkennen und Wollen mangelt.
Mein Brudergruß in unserm gemeinsamen Herrn, Erlöser und Haupte an die Heiligen und die Gemeinde, der ich nach außen nun wieder ein Fremdling werde, deren ich aber gedenken werde allezeit in Liebe und Dank, in Wunsch und Fürbitte, - als Einer, der ungerne scheidet, aber gerne auf die Tage zurücksieht, die nun zu Ende sind.
Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, die Liebe Gottes, und die selige und trostreiche Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns Allen! Amen.
Schaffhausen, Ende November 1854.
E. Stähelin, V. D. M.
aus Basel.