Stähelin, Ernst - Zwei Predigten und zwei Bibelstunden - Predigt am Nachmittage des Herbst-Kommuniontages, den 24. September 1854.

Stähelin, Ernst - Zwei Predigten und zwei Bibelstunden - Predigt am Nachmittage des Herbst-Kommuniontages, den 24. September 1854.

Text: Danach sah ich, und siehe: eine große Schar, welche Niemand zählen konnte, aus allen Völkern und Geschlechtern und Sprachen, vor dem Stuhle stehend und vor dem Lamm, angetan mit weißen Kleidern, und Palmen in den Händen, schrien mit großer Stimme, und sprachen: „Heil sei dem, der auf dem Stuhle sitzt, unserm Gott und dem Lamm!“ Und alle Engel standen um den Stuhl und um die Ältesten und um die vier Tiere, und fielen vor dem Stuhl auf ihr Angesicht, und beteten Gott an, und sprachen: „Amen! Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Furcht und Stärke sei unserm Gotte von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen!“ Und es antwortete der Ältesten einer und sprach zu mir: „Wer sind diese mit weißen Kleidern angetan?“ Und ich sprach zu ihm: „Herr, du weißt es.“ Und er sprach zu mir: „Diese sind's, die gekommen sind aus großer Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen, und haben ihre Kleider helle gemacht im Blute des Lammes. Darum sind sie vor dem Stuhle Gottes, und dienen ihm Tag und Nacht in seinem Tempel, und der auf dem Stuhle sitzt wird über ihnen wohnen. Sie wird nicht mehr hungern noch dürsten, es wird auch nicht auf sie fallen die Sonne oder irgendeine Hitze, denn das Lamm mitten im Stuhle wird sie weiden und leiten zu den lebendigen Wasserbrunnen, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“
Offenb. 7, 9-17.

Der Herr segne euch, die ihr vom Hause des Herrn seid! - Gnade, Barmherzigkeit und Friede von Gott dem Vater und dem Sohne des Wohlgefallens, der uns errettet hat, sei mit euch, die ihr vom Abendmahle des Lammes kommt! Stimmet von Herzen ein in den Psalm des Dankes: „Lobe den Herrn, meine Seele, und Alles, was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! Der dir alle deine Sünden vergibt, und heilt alle deine Gebrechen. Der deine Seele vom Verderben erlöst, der dich krönt mit Gnade und Barmherzigkeit.“

„Wer sind diese, mit weißen Kleidern angetan? und woher sind sie gekommen? „ frug in unserm Texte der Älteste, als vor des Apostels Augen die große Schar erschien, die Niemand zählen konnte, und die vor dem Throne des Lammes stand. Und wenn er jetzt herniederschaute auf uns, die wir hier versammelt sind als eine einmütige Gemeinde, die hinzugenaht ist zu dem Tische des Herrn, und gesegnet wieder davon hinweggegangen, - und dabei unsern inneren Menschen ansähe, unsere innere Gestalt: - würde er da nicht wieder dieselbe Frage erheben, und rufen mit Freude und Dank: „Wer sind diese da? und woher ihre weißen Gewänder? Wer hat sie ihnen dargereicht? und woher sind sie gekommen? „ Das Abendmahl, das wir hier auf Erden begehen, ist ja das Vorbild, ja bereits der Anfang jenes ewigen Abendmahles, das im Himmel unser wartet, und so werden denn auch seine Gäste, mögen sie gleich immer noch auf Erden wandeln und in diesem Leib des Todes einhergehen, auch ihrerseits jener Schar der zu dem ewigen Mahle Berufenen ähnlich sehen, ja ihr bereits zugehören, wenn sie anders wirkliche Abendmahlsgäste gewesen sind, und das volle Gut empfangen haben, das der Herr darin darreicht.

„Wer sind diese, angetan mit weißen Kleidern? und woher sind sie gekommen?“ Und er sprach zu mir: „Diese sind's, die gekommen sind aus großer Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen, und haben ihre Kleider helle gemacht im Blute des Lammes.“

Geliebte in dem Herrn! wem von euch, der heute das Brot und den Kelch des Herrn empfangen hat, - nämlich nicht bloß mit dem Munde, sondern mit dem Herzen und inwendigen Menschen, - geht es nicht durch das Herz: das bin ich, von dem hier der Älteste redet; das bin ich, der ich aus großer Trübsal komme, und meine Kleider waschen durfte und meine Kleider helle machen im Blute des Lammes? Das bin ich, dem es darum zusteht zu loben und Gott zu dienen Tag und Nacht, wie es in unserm Texte von diesen Heiligen gesagt ist; das bin ich, an den andrerseits auch alle die Verheißungen sich richten, die hier geschrieben stehen, und die sich zusammenfassen in das eine Wort: „Der auf dem Stuhle sitzt, wird über ihnen wohnen.“

Ja, Geliebte! dieser seligen Schar Genossen und Brüder sind wir durch den Herrn Getränkte und Gespeiste. Mitbetrübte, aber auch Miterlöste; Mitbefleckte, aber auch Mitgereinigte; Mithungernde, aber auch Mitgesättigte; mit zu dem Lobgesange Berufene, mit vor den Thron Gestellte; mit ihnen geweidet von dem Lamme; mit ihnen geleitet zu dem lebendigen Wasserbrunnen; mit ihnen wischt Gott uns ab alle Tränen von unsern Augen.

meine Brüder! welch' ein Strom des Trostes, der Freude und der seligsten Zuversicht ergießt sich über uns, wenn uns das so recht von Herzen gewiss ist; und wenn wir es lernen glauben und fassen, auch wenn es uns noch zu hoch ist und wir es nicht begreifen können. Die Trübsal tritt dann zurück vor der Herrlichkeit, der Kampf vor dem Siege; alles das Irdische und Zeitliche geht in dem Ewigen auf; und nicht erst ein Zukünftiges bleibt uns dieses, sondern es ist uns dann nahe und gegenwärtig, - wir haben Teil daran, wir gehören ihm wirklich schon an. Ja! wir gehören schon zu der himmlischen Gemeinde und zum Leibe Christi! Dass unser Leib noch nichtig ist, dass unser Wandel noch in der Vergänglichkeit einhergeht, dass wir noch im Glauben wandeln und nicht schon im Schauen: das Alles vermag Nichts dagegen! Wir sind schon die Gesegneten, Erlösten und Verherrlichten des Herrn. So lasst uns das denn zu unserer Stärkung und Erfreuung mit heiliger Freude noch näher mit einander betrachten, und zusehen, wie wir Abendmahlsgäste Eins sind und sein sollen mit dieser seligen Schar, die Johannes schaute.

Und zwar von einer dreifachen Seite erkennen wir diese Einheit und Gleichheit:

Denn fürs Erste kommen auch wir aus großer Trübsal zu dem heiligen Tische;
Fürs Andere sind auch unsere Kleider gewaschen und helle gemacht worden in dem Blute des Lammes;
Und zum Dritten sollen auch wir eine Gemeinde des Lobes sein, wie sie, und Schafe, die der treue Hirte weidet auf der gleichen Weide und mit der gleichen Gnadenfülle.

Du aber, o Lamm Gottes, das uns erlöst hat und für uns gelitten, und das jetzt auf dein Stuhle sitzt und regiert, und Gnade und Seligkeit gibt ohne Aufhören, zähle doch auch uns zu deiner Schar und deiner Gemeinde, und speise uns fort und fort, wie du heute uns speistest mit deiner reinigenden und seligen Gemeinschaft, bis wir einmal in dem Reiche deines Vaters zu Tische sitzen mit Abraham, Isaak und Jakob und der ganzen Wolke der Heiligen, und du uns Alles bist und Alles gibst. entzünde in uns eine Glut des Dankes, wie in ihnen, ein Lob des Herzens, wie es sie erfüllt; denn es ist ja unaussprechlich, was du an unsern Seelen tust. - Ja, gelobt sei dein Name! gelobt seist du, Jesus Christus, du Heiland und Hirte unserer Seelen! Amen.

I.

„Diese sind es, die gekommen sind aus großer Trübsal,“ antwortet der Älteste sich selbst auf die Frage, woher diese Auserwählten kommen. „Aus großer Trübsal“ d. h. nicht gerade aus besonderer Drangsal und Verfolgung, oder aus schwereren Leiden, als sie die Menschen durchschnittlich zu tragen haben. Denn es heißt ja von dieser Schar, die Niemand zählen konnte, sie sei aus allen Völkern und Geschlechtern und Sprachen zusammengesetzt gewesen; und so wird auch die Trübsal, aus der sie kommt, eine allgemeine sein, eine allen Zeiten und Geschlechtern gleichermaßen auferlegte: nämlich die große Trübsal, welche die Sünde über das Menschengeschlecht gebracht hat und darüber zu bringen nicht aufhört; die Trübsal, die aus dem Verderben entspringt, das die Sünde wirkt; die Trübsal, die zusammenhängt mit der Unvollkommenheit und Schwachheit, mit der Knechtschaft unter das Fleisch, mit dem Leibe des Todes, mit dem wir um der Sünde willen hier bekleidet sind.

Und ist nun nicht diese Trübsal auch unser Teil? geht nicht unser Aller Leben und Wandel darin einher? Zuerst schon in mannigfacher äußerer Trübsal, - der Eine in dieser, der Andere in jener, aber überall stammt sie aus der Sünde, und hat in ihrem Verderben ihre Wurzel und ihren innersten Grund.

Und doch ist es nicht diese Art von Trübsal, die hier gemeint ist. Denn diese gibt an und für sich noch kein Anrecht auf die himmlische Tröstung, und hat keine unmittelbare Beziehung auf das Blut des Lammes. Auf die Leiden dieser Welt, auf Armut, Krankheit, schwere Arbeit, schmerzliche Verluste, verlasse sich Keiner, als werde ihm dadurch die Türe des Himmels geöffnet und das ewige Leben erworben. Um des mühsamen Lebens in dieser Welt willen ist Gott Keinem den Himmel schuldig; es gibt ja eine Traurigkeit zum Tode, wie es eine zum Leben gibt, und wir können im Unglücke sündigen, wie im Glücke.

Und solche Trübsal ist es denn auch nicht, zu deren Heilung die Gnadenmittel des Evangeliums uns gegeben sind; von der der Herr uns unbedingt zu erlösen verheißt, um deren willen wir zum Abendmahle gehen. Denn auch die Heiden haben sie und empfinden sie nicht minder, als wir; sie ist nichts Christliches, sondern etwas allgemein Menschliches, und kann wohl das Herz zubereiten für die Wirkungen des Geistes, aber sie selbst ist noch keine solche Wirkung und ersetzt dieselben nicht.

Dagegen, Geliebte in dem Herrn, ist die Trübsal, von der in unserm Texte die Rede ist, nicht denkbar ohne den Geist und sein ungestaltendes Werk, denn die Trübsal des Christen ist damit gemeint, die Trübsal des Christen, welche die Welt nicht kennt und nicht hat, deren Frucht sie aber auch nicht ernten wird, deren Lohn sie nicht empfängt. Die Trübsal des Christen! meine Brüder, wo ist ein Herz, das wirklich zu Christo sich bekennt, nämlich nicht nur mit Worten, sondern auch mit Herz und Leben, und das diese Trübsal nicht kennt und nicht an sich erfahren hat? nicht schon bitterlich geweint und geseufzt über sie? dem sie nicht die eine große Trübsal seines Lebens geworden ist, gegen welche alle andere verschwindet und wie nichts geachtet wird?

Denn die Gemeinschaft mit dem Erlöser, dessen Liebe sein höchstes und einziges Gut ausmacht, ist ja des Christen Freude und Glück, mit dem keine andere Freude sich vergleichen lässt, und die Nachfolge in den Fußstapfen, die er uns gelassen hat, ist die Hoffnung seines Lebens und der Wunsch seines Herzens weit über alle andern Hoffnungen und alle andern Wünsche. Was also in dieser Gemeinschaft ihn stört, was in dieser Hoffnung ihn aufhält und diesen Wunsch ihm vereitelt, das ist die größte Trübsal, das Schwerste und Schmerzlichste, was er zu tragen hat. Und doch ist es nun gerade diese Trübsal, die ihm am beständigsten nachgeht und am hartnäckigsten an ihm haftet. Fast aus jedem seiner Gedanken erwächst sie ihm; was er tut und lässt wird ihm ein Anlass dazu; es ist Nichts in seinem Leben, das nicht schon dazu geholfen hätte, sie zu erzeugen, und ihn darin fest zu halten. Denn ach! es ist Nichts in seinem Leben, das schon vollkommen heilig und rein wäre, an dem die Welt und die Sünde durchaus keinen Anteil mehr hätte: und die Welt und Sünde sind es ja eben, die die Gemeinschaft mit dem Herrn und den Wandel in seiner Nachfolge unterbrechen und stören. „In der Welt habt ihr Angst,“ hat der Herr seinen Jüngern noch zuvor gesagt, ehe er von ihnen schied; „in der Welt habt ihr Angst!“ hat seit jener Zeit ein Christengeschlecht zu dem andern wiederholt bis auf diesen Tag. Und wie könnte es auch anders sein? Von allen Seiten fasst sie uns ja an und schlingt ihr tausendfaches Gewebe um uns; sie zerstreut uns durch ihre bunte Mannigfaltigkeit; sie zwingt uns ein in die Verhältnisse, die sie ins Leben rief; sie übertäubt mit ihrem lauten Geräusche das leise Gespräch unseres Herzens mit sich selbst und mit Gott. Wie mit einem Nebel umhüllt und betört sie unser Auge, wenn es hindurchdringen möchte zu dem Anblicke seines Gottes; wie ein Gestrüpp schlingt sie sich um unsere Füße und hält sie zurück, wenn wir uns aufmachen wollen, um zu dem Herrn zu gehen und den Frieden zu suchen in seiner Gemeinschaft. Und da gibt es Nichts, was irdisch heißt, das ihr nicht dazu dienen müsste, mag es an und für sich noch so gut sein und noch so erlaubt: die Arbeiten des täglichen Berufes, die Verhältnisse der Familie, das öffentliche Leben, der gesellige Verkehr. Verlust und Gewinn, Feindschaft und Freundschaft, Vergnügen und Trauer weiß sie in gleicher Weise in ihren Sold zu nehmen, und zum Fallstrick zu machen, in dem unsere nach dem Himmel strebende Seele einmal über das andere hängen bleibt, durch den sie wieder hinabgezogen wird in die irdischen Dinge, und so die Gemeinschaft mit Gott auf längere oder kürzere Zeit einbüßt, den stillen, tiefen Frieden in ihm an das unstete, verworrene Treiben hier unten verliert, das keine unsterbliche Seele auf die Dauer zu befriedigen vermag.

Ist das nicht eine Trübsal, meine christlichen Brüder, ist das nicht ein Leid? Immer wieder hinausgerissen werden aus dem Frieden, immer wieder gestört in der Gemeinschaft mit Gott, immer wieder hinausgelockt aus der stillen Sammlung unseres inneren Menschen, immer wieder das verlieren, was wir lieben und was uns Alles ist, und hingegeben werden an das, was wir hassen und was uns nichts gilt: o, das ist eine trübe Erfahrung und ein schweres Loos! wohl der Tränen wert, von denen unser Text sagt, dass Gott sie abgewischt habe von den Augen der auserwählten Schar; wohl wert, dass wir hungern und dürsten nach einer Erlösung daraus, und einen Helfer suchen von ganzem Herzen.

Und das umso mehr, da nicht nur ein beständiges Leid und Unbehagen aus dieser Lage der Dinge uns erwächst, sondern auch eine ernstliche Gefahr. Denn dass die Welt noch so viel Macht über uns hat, ist ein Beweis dafür, dass noch Vieles in uns der Welt angehört, dass noch Vieles vorhanden ist in unserm Wesen, was nicht taugt für das Reich Gottes und dasselbe nicht ererben kann, dass der irdische Sinn noch mächtig ist in uns und vielfach mächtiger, als der himmlische, und der natürliche Mensch stärker, als der geistliche. Mit einem Worte: dass die Sünde noch in uns wohnt und ihre verderbliche Gewalt an uns ausübt, geht daraus hervor; und die Sünde ist der Leute Verderben; sie ist auch des Christen Verderben, wenn sie wieder übermächtig wird in ihm.

Und wer bürgt uns dafür, dass sie es nicht wird? Wohl haben wir einen Bürgen, von dem auch eine Kraft des Sieges ausgeht; aber nur wenn wir in ihm bleiben, bleibt er auch in uns, und eben aus dem Bleiben in ihm lockt uns ja die Welt heraus und stört uns die Sünde. O meine Brüder! da gesellt sich zu jener ersten Angst, die wir in der Welt haben, noch eine andere: die um unserer Seele Seligkeit, die, ob wir auch wirklich beharren werden bis zum Ziele, ob wir nicht am Ende wieder völlig gefangen werden in den Schlingen der Welt, und für immer aus der Gemeinschaft des lebendigen Gottes fallen?

da fällt es uns ein, dass es heißt: „schafft eure Seligkeit mit Furcht und Zittern!“ und wir werden doch alle Augenblick daran gehindert, sie zu schaffen, und unsere Hände erlahmen, wenn sie ans Werk gehen. Wie schwinden da oft Vertrauen und Hoffnung, und Furcht und Verzagtheit treten an ihre Stelle; wie wird die Freudigkeit verkehrt in tiefe Niedergeschlagenheit, und es dünkt uns, wir seien die Elendesten aller Menschen, ohne Freude auf Erden und ohne die Hoffnung des Himmels, hier gequält und dort nicht selig: - Trübsal auf allen Seiten und ohne Ende.

Und wenn wir auch etwas stärker und kräftiger sind im Glauben, und unser Vertrauen uns nicht so leicht entreißen, in unserer Hoffnung uns nicht so bald irre machen lassen, so bleibt es uns deshalb nicht erspart, dass wir mancherlei Trübsal leiden müssen um der Sünde willen, die uns immer noch anklebt und uns träge macht. Ihr wisst es ja, was das heißt: seinen alten Menschen kreuzigen und ertöten; ihr wisst es ja, was es heißt: die Sünde nicht herrschen lassen in unserm sterblichen Leibe, nachdem sie doch einmal darüber geherrscht hat und nicht von freien Stücken weicht. O das sind bittere Dinge: seinem Fleisch nicht den Willen tun, die Ehrsucht nicht aufkommen lassen, dem Hass und Neid nicht das Wort gestatten, sondern ihn durch Barmherzigkeit und Liebe überwinden, sobald er sich im Herzen regt, dem Zorne nicht Raum geben, die Rache nicht lieben, das Auge abwenden von den Gegenständen, die es doch mit Gewalt anziehen. Ja, da gilt es oft, was der Herr fordert: sein rechtes Auge ausreißen und seine rechte Hand abhauen! und wenn wir dem auch nicht buchstäblich nachzukommen haben, so ist doch was durch dieses Gleichnis bezeichnet wird, in der Tat nicht weniger schmerzlich und erfordert einen nicht weniger ernsten Willen.

Ja! ohne Kreuz gibt es keine Nachfolge Christi, und kein Christen - Leben und Streben ohne Trübsal. „Woher kommen diese?“ fragt der Älteste. „Aus großer Trübsal,“ ist die Antwort. Aus großer Trübsal; das ist auch unser Bekenntnis, das uns von Herzen kommt, wie vielleicht selten ein anderes Wort. „Aus großer Trübsal!“ ja, obgleich wir Christen sind, und Gott dafür danken, dass er uns wiedergeboren hat und versetzt in das Reich seines lieben Sohnes, wollen wir uns dennoch nicht scheuen, es laut heraus zu sagen: wir haben vielerlei Trübsal, und Trübsal, welche die nicht haben, die draußen stehen. Das bekennt ja auch das Wort unseres Textes, und der Engel im Himmel spricht es aus: „Aus großer Trübsal sind sie gekommen, die Auserwählten des Herrn!“

II.

Aber in diesem Worte liegt auch die Lösung des Rätsels. Sie sind gekommen aus dieser Trübsal, sie sind nicht mehr darin, sie bleiben nicht darin. Und unser Text verhehlt es uns nicht, welches das Mittel ist, durch das sie davon befreit worden sind. „Sie haben ihre Kleider weiß gewaschen,“ heißt es, „und haben ihre Kleider helle gemacht im Blute des Lammes.“

Nämlich so steht es nicht, dass es für jene Christentrübsal kein Heilmittel gäbe, keine Erlösung daraus. Wenn wir in der Welt Angst haben, so ist doch auch Einer da, der die Welt überwunden hat und uns mahnet, getrost zu sein im Vertrauen auf diesen seinen Sieg. Wenn unsere Kleider befleckt sind durch die Sünde, und ihre Befleckung uns schmerzlich zu Herzen geht, so gibt es doch auch ein Wasser der Reinigung, das die Befleckung abwascht und hinwegnimmt, das helle macht, was unrein war, und das Leid umstimmt in Freude. Es ist das Blut des Lammes, das durch Jesum Christum gestiftete Werk der Versöhnung, das Solches tut. Nicht etwa durch eigene Kraft, eigene Anstrengung, eigenes Wollen und Laufen haben diese Vollendeten der himmlischen Schar sich aus der Trübsal geholfen und ihre Befleckung abgetan. Im Gegenteile: indem sie die eigene Kraft dahin gaben und auf sich selber verzichteten, sind sie rein geworden. Ihre dringende Sehnsucht nach Befreiung und Reinigung hat sie los gemacht vom Vertrauen auf das eigene Fleisch und Blut und Allem, was dazu gehört, und sie hingezogen zu Dem, der allein rein ist, und Reinigung darreicht in Barmherzigkeit und Liebe; und von ganzem Herzen haben sie da ergriffen, was er ihnen dargeboten hat. Sie haben ihre Schuld bedeckt mit dieser Versöhnung, sie haben ihre Kleider eingetaucht in dieses Blut. Zu dem Reichtume Gottes im Geben haben sie den Fleiß und die Treue des Glaubens im Nehmen hinzugebracht, und sind so in den Besitz seines Heiles getreten. Aus der ewigen Gerechtigkeit Jesu Christi ist der Schmuck auf sie gelegt worden, in dem sie vor Gott sich dürfen sehen lassen; er hat die Befleckung zugedeckt, hat als ein reines Gewand an die Stelle des unreinen sich gesetzt, und damit zugleich die Trübsal ausgetrieben, die eben aus dieser Befleckung entsprungen war und an sie sich knüpfte. Jetzt sind sie würdig und tüchtig vor Gott zu stehen; seine Herrlichkeit und das Licht seines Reiches beschämt sie nicht mehr um irgendeiner Blöße oder Unsauberkeit willen: ihre Kleider sind hell, sie haben ein im Blute des Lammes rein gewaschenes Gewand.

Und nun, Geliebte in dem Herrn, wenn wir heute Morgen in der rechten Weise das Abendmahl des Herrn begingen: was haben wir da Anderes getan, als eben auch dieses: dass wir unsere befleckten Kleider gewaschen haben und unsere Kleider helle gemacht in Christi Blut? Wir haben in unserer Trübsal gebürstet nach Erlösung, in unserer Befleckung uns gesehnt nach Reinigung und Befreiung; und dieser Durst und diese Sehnsucht hat uns hingeführt zu dem Tische der Gnade, da uns ein Trank bereitet ist, der den Durst stillt, und eine Speise dargereicht wird, die unserer Sehnsucht genug tut und unsere im Kampfe matt gewordenen Glieder wieder wacker macht durch Vergebung der Sünde, Mehrung des Glaubens, Stärkung des inneren Menschen. „Das ist mein Leib, der für euch gebrochen ist,“ „das ist mein Blut, das für euch vergossen ist,“ - „dieser Kelch ist die Gemeinschaft meines Blutes und des Neuen Testamentes, das die Versöhnung predigt“: das ist uns gesagt und zugesichert worden durch den Empfang der heiligen Wahrzeichen; unsere Hände haben dieses in Brot und Wein verkörperte Verheißungswort betastet, unsere Zunge hat es geschmeckt, wir haben es in uns aufgenommen, dass es mit uns Eins werde und mit uns verwachse, wie die irdische Nahrung mit unserm natürlichen Leibe.

In was sind wir nun anders gestellt, als jene ewige Schar? oder worin sind wir verkürzt im Vergleiche mit ihr? Wir haben dasselbe, was sie haben: dasselbe Heilmittel, dieselbe Reinigungsquelle, denselben Schmuck, dieselbe Zurechnung der Gerechtigkeit; auch auf uns findet es Anwendung, was von ihnen gesagt ist: „wir sind gekommen aus der großen Trübsal; wir sind gekommen daraus, indem wir heute zum Tische des Herrn herantraten. Nicht mehr sie ist unsere Heimat und Lebenslust, sondern das Reich des Lammes, in welchem Gott abwischt alle Tränen von unsern Augen.

Denn ein Dreifaches war ja, wie wir gesehen haben, der Grund unserer Trübsal: nämlich die Unterbrechung unserer Gemeinschaft mit Gott durch unsern Verkehr mit der Welt; die Angst um unserer Seele Seligkeit, die um unserer Sünde willen uns befällt; die Bitterkeit des Kampfes mit unserm alten Menschen und seiner täglichen Kreuzigung. Und sind es nun nicht eben diese Übel, gegen welche die Speisung des Herrn uns zu Hilfe kommt, über die sie uns hinweghebt? Ist sie denn nicht vor Allem die Erneuerung und Mehrung unserer Gemeinschaft mit Christo, so, dass wer sein Fleisch isst und trinkt sein Blut, der bleibt in dem Herrn und er in ihm? Und wenn der Herr die Welt überwunden hat, und nun mit aller seiner Kraft, Liebe und Fülle Gemeinschaft eingeht mit uns: wissen wir dann nicht, dass seine Überwindung der Welt auch uns zu Gute kommen wird und muss? dass es nicht immer so fortgehen darf, dass die Welt uns quält, unsern inneren Menschen stört, unser geistliches Leben in seinem Wachstume aufhält, sondern dass unabänderlich einmal die Zeit kommen wird, da sie Nichts mehr an uns hat, da sie sich von uns zurückziehen muss, und wir über sie herrschen werden in des Geistes Kraft? Und nicht allein eine Verheißung dieses Sieges für die Zukunft stellte das Abendmahl uns aus, sondern auch schon eine wirkliche Darreichung desselben in der Gegenwart hat es uns gebracht: der Herr ist in uns eingegangen, der Überwinder der Welt ist bereits in uns! Und wenn unsere Sünde es auch nicht zulässt, dass unser Leib schon sein vollkommener Tempel ist: so sind wir doch schon seine Wohnung, und dadurch Gefäße des Wohlgefallens vor dem Vater, so erfahren wir doch schon die Kraft dessen an unserm Leben, der die Seinen zwar nicht alsobald aus der Welt nimmt, aber von der Welt frei macht, und ein Band nach dem andern löst, das uns an diese Störerin unseres Friedens kettet.

Und wenn nun weiterhin um unserer Sünde willen uns Angst ergreift und Furcht vor neuem Abfall, neuem Verlorengehen, was treibt dann diese Angst von uns aus, wie das Pfand des Heiles, das uns heute dargereicht worden ist? „Nicht auf dir und deinem Tun,“ sagt es uns, beruht dein Gerettet werden und dein Beharren, sondern auf meinem gebrochenen Leibe, auf meinem vergossenen Blute; deine Sünde vermag mein Werk der Reinigung und Erlösung nicht anzutasten, es bleibt immerfort bestehen und immer wirksam, so lange du es nur im Glauben ergreifest, so wie du mit deiner Hand den Kelch genommen hast und das Brot ergriffen. Und eben heute habe ich es wieder über dich ausgesprochen: „deine Sünden sind dir vergeben!“ heute habe ich dich wieder abgewaschen, geheiligt, gerecht gemacht, nun gehe hin in Frieden und wirf alle deine Sorge auf mich!

Und auch dem Schmerze der Kreuzigung des alten Menschen und der Bitterkeit des Kampfes mit ihm bringt die Speisung des Herrn Linderung und Lösung. Denn sie verkündigt uns seinen Tod; sie erinnert uns daran, was er gelitten, gekämpft, erduldet hat, und macht durch das Anschauen seines Kreuzes das unsrige uns leichter; sie weckt und mehrt die Liebe in uns, und die Liebe treibt die Furcht und die Bitterkeit aus, und macht die Selbstverleugnung zur Freude, und das Sichselbst aufgeben zu einem Opfer des Dankes, zu dem unser eigenes Herz uns drängt. Und ist es nicht überhaupt so, dass nur dann eigentlich ein Kampf uns furchtbar, lästig und angstvoll erscheint, wenn wir seinen Ausgang nicht kennen? wenn wir nicht wissen, werden wir als Sieger, oder als Besiegte daraus hervorgehen? Wenn wir aber zum Voraus wissen: er endet mit unserm Siege, so wird er uns leicht und verliert seinen Stachel. Nun denn: dass dieser Kampf mit unserm alten Menschen wirklich mit dem Siege des neuen, mit dem Siege des ewigen Lebens endigen wird, ist uns heute wieder verheißen worden. Christus ist hier! - wer will verdammen? Der Herr lebt in uns! - wie will Fleisch und Blut ihm widerstehen? Wohl leben wir noch, aber im Grunde doch nicht wir, sondern Christus lebt in uns, und wir haben das ewige Leben. Der Vater ist größer, als Alles; wer will uns aus seiner Hand reißen? Ja! mitten im Kampfe haben und fassen wir schon den Sieg in des Herrn Verheißung und Werk: wie er gekreuzigt ward und gestorben ist, so wird auch unser alter Mensch am Kreuze sich verbluten und sterben, denn wir wissen, dass wir samt ihm gekreuzigt sind, auf dass der sündliche Leib aufhöre, dass wir hinfort der Sünde nicht dienen.

Was fehlt uns denn noch? Wer darf sagen, unsere Trübsal sei ohne Trost? und was will die Befleckung unserer Kleider uns noch schaden? Sie sind gewaschen, sie sind helle gemacht im Blute des Lammes! Sie werden es immer von Neuem, immer mehr, immer vollständiger, bis wir am Ende völlig eingereiht werden in die ewige Schar aus allen Völkern, Geschlechtern und Sprachen, und an dem großen Abendmahle mit ihnen sitzen bei unserm Herrn, Erlöser und Freunde im Reiche des Vaters.

III.

Denn auch auf uns, m. Fr., so Viele von uns nur immer gläubige Abendmahlsgäste gewesen sind und die Gnadengabe wirklich empfangen haben, geht das Alles, was unser Text von diesen Seligen aussagt. „Sie wird nicht mehr hungern, noch dürsten,“ heißt es von ihnen, „es wird auch nicht auf sie fallen die Sonne, oder irgendeine Hitze, denn das Lamm mitten im Stuhle wird sie weiden und leiten zu den lebendigen Wasserbrunnen, und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“ Nicht zu verzehren vermag uns mehr unser Hunger und Durst, weder der nach Erlösung, noch der nach Gerechtigkeit: denn er wird gestillt, wir werden getränkt und gespeist. Und so oft das Verlangen wieder kehrt und der Hunger sich wieder regt, so oft ist auch der Tisch uns wieder bereitet und der Herr schenket uns voll ein. Und was will die Hitze der äußern Trübsal und der Sonnenstich des zeitlichen Unglückes noch von uns? Indem wir der Liebe Gottes zu uns von Neuem gewiss geworden sind, wissen wir ja, dass uns alle, ja alle Dinge müssen zum Besten dienen; und für den, der das weiß und das festhält, gibt es kein wirkliches Unglück, kein wirkliches Missgeschick mehr: Alles wird ihm zum Heile, Alles zum Segen, die Hitze rührt ihn nicht an, die Sonne brennt ihn nicht mehr; es ist die Liebe desselben Herrn, der sein Leben für ihn gelassen, die er in allen seinen Widerfahrnissen und Führungen erkennt, und da bleibt das Herz auch in den Tränen getrost und oft fröhlich, und lässt nicht ab von dem seligen Worte. „der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Und von seinem ewigen Stuhle aus weidet ihn auch das Lamm und leitet ihn zu den lebendigen Wasserbrunnen. Seine Nahrung, seine ganze Lebensweise, was ihn aufrecht erhält, belebt und stärkt, wie die Speise den Leib, geht vom Herrn aus und ist himmlischer Natur; es beginnt auch an ihm wahr zu werden das wunderbare Wort des Herrn: „Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen meines Vaters im Himmel; und so wohnt sich das ewige Leben ein in ihn, und durchdringt und verklärt immer mehr sein natürliches Dasein; und fort und fort schöpft er aus dem lebendigen Wasserbrunnen, und das Wasser wird in ihm selbst ein Brunnen und Quell, der in das ewige Leben quillt. Ja! nun steht er vor dem Stuhle Gottes und fängt an zu lernen, was das heißt und welch' eine Seligkeit das ist: ihm dienen Tag und Nacht in seinem Tempel, und unablässig aufschauen dürfen zu dem, der auf dem Stuhle sitzt und über ihnen wohnt.

Und nun, meine Brüder, sollte da nicht auch in ihm, sollte da nicht auch in uns, die wir gekommen sind aus der großen Trübsal und unsere Kleider helle machen durften, und die Palme des gewissen Sieges erhielten in unsere rechte Hand, sollte da nicht auch in uns eine Glut des Lobes und des Dankes sich entzünden, wie in den Gliedern jener auserwählten Schar, und wir tun, wie sie, und schreien mit großer Stimme und sprechen: „Heil sei dem, der auf dem Stuhle sitzt, unserm Gotte und dem Lamme!“ sollten wir da nicht Gott anbeten, und das Danken zum Geschäfte unseres Lebens machen, und sein Lob zur Freude unseres Herzens, der keine andere Freude vorangeht? Ja, wenn wir ein Gleiches empfangen haben, wie sie, so wird es nicht anders sein können, als dass wir auch Gleiches tun, dass in uns die Gnade wirket, was in ihnen, dass unser weiterer Gang durch das Leben ein Gang zum Lobe und Preise Gottes ist, und wir tun, was ihm wohlgefällt.

Wir haben, Geliebte in dem Herrn, den letzten Sonntag davon geredet, welcher Art der Dank ist, der dem Herrn gefällt, der rechte, der wirkliche Dank, der dieses Namens wert ist. Wir haben gesehen: nicht in Worten besteht er, sondern in der Tat, nämlich in dem wirklichen Annehmen und sich Aneignen der von Gott dargereichten Gabe, in dem Gehorsam des Glaubens, in dem ernstlichen Von - sich - tun alles dessen, was der Seele schadet und von Gott uns scheidet, in der Treue, die bewahrt und nützt, was ihr geschenkt worden ist.

O meine Brüder! welch' ein Elend ist das: die empfangene Gabe Gottes verwahrlosen, die Vergebung der Sünde wieder zunichtemachen, die Gemeinschaft mit dem Herrn wieder fahren lassen, den alten Menschen vom Kreuze nehmen und den neuen begraben an seiner Statt! Das hieße: in die Trübsal zurückkehren, nachdem man aus derselben gekommen ist, und zwar in eine zwiefach schlimme und zwiefach unselige, weil sie bereits geschmeckt hatten die himmlische Gabe und das gütige Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt, deren sie jetzt doch entbehren müssen, und weil es für sie nun schwerlich wieder eine Rettung und Erneuerung gibt: sie sind dem Fluche nahe, und die empfangene Gabe und Reinigung wird ihnen zum Gerichte, dem sie nicht entfliehen.

O dass doch dieses Abendmahl, das wir heute zusammen feierten, nicht dereinst aufstehe am Jüngsten Tage und Zeugnis ablege wider den Einen oder Andern unter uns: dass es heißt: „die Erde hat den Regen getrunken, aber sie hat kein Kraut gebracht; das Kleid wurde weiß gewaschen, aber es hat sich wieder mit Befleckung und Unrat angefüllt, und das Blut der Reinigung wurde verlassen.“

Wohl ist es wahr, Geliebte in dem Herrn, wir werden wieder sündigen, und das verdammt uns noch nicht; denn wir haben einen Fürsprecher bei dem Vater, der gerecht ist. Aber dass wir aus der Gemeinschaft des Blutes Christi nicht wieder völlig weichen, dass wir unsere Kleider nicht wieder besudeln ohne auch alsobald darum zu bitten, dass sie von Neuem abgewaschen und helle gemacht werden, dass wir nicht den Leib und das Blut des Herrn zum Spotte machen, indem wir nach dem Genusse seiner heiligen Sinnbilder wieder umherwandeln gleich als kennten wir diesen Menschen nicht, und stünden in keiner Beziehung zu ihm: auf das kommt es an, und das ist das Entscheidende. Geliebte, flieht, flieht vor dieser Untreue! flieht vor ihr zu dem, der getreu ist und uns nicht lässt versucht werden über unser Vermögen, der uns so eben das Pfand seiner Verheißung gegeben, der uns von Neuem versiegelt hat und für sein Eigentum erklärt. Ihr wisst, dass er euch retten will; ihr wisst, dass er euch schon gerettet hat durch das Werk seiner Versöhnung und die Darreichung desselben an eure Herzen; ihr wisst, dass ihr schon hinzugehört zu der Schar der Auserwählten; ihr wisst, dass Alles vollendet ist und Alles bereit, in Kürze an euch zu erfüllen die ganze Herrlichkeit der göttlichen Erwählung, und euch zu verklären mit der himmlischen Klarheit, die allem Dunkel und aller Trübsal ein Ende macht.

So lasst dieses Wissen euch zum Heile dienen, dass ihr danach tut, und nicht müde werdet, bis der Tag der vollen Erlösung kommt, auf dass aus dieser irdischen Abendmahlsgemeinde, zu der wir hier versammelt sind, Keiner, ja Keiner ausgeschlossen bleibe von dem großen Abendmahle des ewigen Königs, sondern es von uns Allen heiße: „Diese sind gekommen aus der großen Trübsal, sie liegt hinter ihnen, und nun ist das Leben ihr Teil und der selige Dienst Gottes. Schaut an ihnen die Gnade des Herrn und das Werk des Lammes! Das sind die Garben seiner Saat, das sind die Erkauften seines Blutes, das sind die Gäste seines Tisches! Preis dem Lamme, das hilft und errettet! Preis der Liebe, die über alle Liebe ist!“

Ja, das gebe der Herr, dass es so mit uns werde, und bewahre uns den Segen seines Abendmahles. Er bewahre ihn uns gegen die Welt, gegen den Versucher, gegen die Sünde, gegen unser eigenes Herz, und lasse denselben Frucht schaffen und wachsen in unsern Herzen fort und fort bis zum großen Tage der Vollendung. Amen.

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