Spurgeon, Charles Haddon - Reden - daheim und auswärts - Trennung von Staat und Kirche.
Red. bei der Jahresversammlung der Liberation Society im Metropolitan Tabernacle. 7. Mai 1875.
Lassen Sie mich damit beginnen, zu sagen, dass ich nicht ganz die Hoffnung teile, welche Einige von Ihnen hegen, dass die Trennung von Staat und Kirche sich schon in Kurzem vollziehen werde. Ich hoffe, sie wird kommen; ich würde mich freuen, sie heut' Abend kommen zu sehen; aber ich fürchte, Sie sind zu sanguinisch und werden sich getäuscht fühlen. Vor einiger Zeit glaubte ich, dass einige von uns nur eben am Ende der Schlacht erschienen, um noch das Weglaufen des Feindes zu sehen; aber es ist diese letzten zwanzig Jahre nicht so gewesen, und ich bin geneigt, zu glauben, dass es noch sehr viele Jahre dauern wird. Ich will Ihnen sagen, warum. Haben Sie je versucht, alle Milben aus einem fetten Käse heraus zu pfeifen? Saßen Sie je still da und warteten, bis dieses Ziel erreicht war? Ich meine, es ist viel Hoffnung in der Kirche selbst, dass die Trennung kommen wird, nur dass die Freunde, auf welche wir bauen, grade bis an den Punkt kommen und dann sich zurückziehen. Wenn es ans Aufgeben der zeitlichen Güter geht, so sieht man „Schauernd sie am Ufer stehen Bange, in die See zu gehen.“
Ich stimme ganz mit Herrn A's Bemerkung überein, dass viele der besten Männer unter den Geistlichen der Kirche Englands sind. Ich weiß es zu meiner Befriedigung und Freude. Ich traf vor nicht langer Zeit Einen von ihnen und sagte, „Sie wissen, ich bin durch Ihren Garten gegangen.“ Er erwiderte, „Sie sind immer willkommen; treten Sie jederzeit ein.“ Ich sagte darauf: „Wissen Sie, woran ich dachte, als ich da umherging? Mich sollte wundern, wie es Ihnen gefallen würde, wenn es ein Ende hätte mit Staatskirche und Kirchengut?“ „Mein lieber Bruder,“ sagte er, „das ist mir oft durch den Sinn gegangen.“ Ich antwortete, „Es mag ebenso gut sein, dass es das tut, denn Sie werden wahrscheinlich dahin kommen.“ „Mag sein,“ sagte er, „und ich lege mitunter meinem Gewissen die Frage vor, ob ich wie jene Männer Gottes in Schottland bei der Separation, austreten und Alles um der Wahrheit willen verlassen könnte.“ - „Wohl, zu welcher Entscheidung gelangten Sie?“ „Nun, ich dachte, durch Gottes Gnade würde ich dazu im Stande sein, so sehr ich auch das alte Pfarrhaus und seine Umgebungen liebe.“ Darauf sagte ich: „Warum tun Sie es denn nicht?“ „Nun,“ erwiderte er, „das war unfreundlich von Ihnen. Niemand freut sich mehr, Sie zu sehen, als ich; aber Sie sagen wirklich manchmal Dinge, die nicht gesagt werden sollten, da sie einem brüderlichen Gefühl im Wege stehen.“ „Nun wohl, mein Lieber,“ sagte ich, „aber warum tun Sie es nicht?“ Er erwiderte: „Wenn je in der Kirche von England ein Irrtum aufkommen sollte, der die Nachfolger Christi zwänge, sie zu verlassen, so, hoffe ich, würde ich einer von ihnen sein.“ „Wohl,“ antwortete ich, „wenn noch kein Irrtum da ist, der Sie zwingt, dieselbe zu verlassen, dann seien Sie getrost, es wird nie ein solcher da sein.“ So sah ich ihn nicht mehr, sondern ging meines Wegs.
Obgleich mein ganzes Herz und Mitgefühl für die evangelische Geistlichkeit der englischen Kirche ist, so sehe ich doch, was den Mut anlangt, sicherlich mehr Hoffnung auf die Hochkirchliche Partei. Aber ich setze auch auf sie keine Hoffnung; denn sie mögen Traktate und Bücher über „die Kronrechte Jesu“ schreiben und über die Notwendigkeit der Freiheit für die Kirche, mir ist dennoch bange, wenn es dahin kommt, dass sie das Land Gosen verlassen und ganz aus Ägypten herausziehen sollen, so haben sie der Kürbisse, Zwiebeln und Knoblauch so lange genossen, dass sie sich höchst ungern davon trennen werden.
Ich hoffe, die Sache wird zu Ende kommen, weil dies Streiten keine Freude für uns ist, die wir die Frage aufgenommen haben. Von mir wird angenommen, dass ich von Natur ein bitteres oder saures Temperament habe, engherzig, bigott usw. bin. Ich habe es gelesen, Brüder, und es ist eine große Wohltat für einen Mann, sich selbst zu sehen, wie Andere ihn sehen. Doch so viel ich weiß, habe ich nie in irgendwelcher Form oder Gestalt einen Schlag gegen die englische Kirche geführt, ohne meinen Arm schwächer zu führen um der vielen guten, vortrefflichen Männer willen, welche in dieser Kirche sind. Vor Jahren sagte ich mal, ich könnte beinahe wünschen, dass keine Solche da wären und dass die Kirche immer schlechter werden möge. Ich meinte, dies wäre eher ein schmeichelhaftes Wort, aber es ist durch alle drei Königreiche gegangen und die Leute haben gesagt: „Seht, was für ein bigotter Mann er ist! Er wünscht, dass die Kirche immer schlechter werden möge;“ worauf ich sehr oft erwidert habe, dass ich nie so etwas gewünscht hätte, weil ich niemals Unmögliches wünschte. Wenn ich diabolisch genug wäre, zu wünschen, die Kirche in einem traurigen, unglücklichen und gnadenlosen Zustande zu sehen, so könnte ich doch nie wünschen, sie zu dem herabgewürdigt zu sehen, was die Staatskirche jetzt ist. Ich traure über sie und fühle keine Freude in meinem Herzen. Wir haben diese Sache aufgenommen, viele von uns, obgleich wir nicht „vernünftige Dissenter“ sind, freilich ist mir bange, dass wir „politische Dissenter“1) sind. Wir haben diese Sache aufgenommen als eine Sache der Religion. Ich wenigstens für mein Teil habe das. Es ist etwas, in Betreff dessen ich bete. Für mich ist es fast ebenso sehr eine Grundlehre meines Glaubens, wie irgendeine, die man nennen kann, dass die Kirche Christi Christi Kirche ist und nicht des Staates Kirche und dass sie Rechte und Privilegien hat, die nicht zu verkaufen und zu verschachern sind, weder für Gold, noch für Schutzherrschaft.
Wir wünschen die Kirche vom Staat getrennt zu sehen aus diesen Gründen. Zuerst halten wir dafür, dass die Verbindung des Staates mit Einer besonderen Form des Christentums, mit Ausschluss andrer Christen, ein klares Unrecht und eine Unbilligkeit ist. Wir fühlen, dass wir, wenn wir die begünstigte Sekte wären, es schwierig finden würden, mit dem Lichte, das wir besitzen, unsre Stellung zu verteidigen. Wir würden uns halb schämen, unsern bischöflichen Brüdern, die kein Gehalt vom Staate bezögen, zu begegnen, wenn wir Baptisten und Independenten ein solches Gehalt hätten; wir würden immer das Gefühl haben, als wenn wir ihnen eine Entschuldigung machen müssten, und würden sagen: „Wir können es nicht ändern; auf eine oder andere Weise sind wir dazu gekommen, Gehalt zu beziehen; bitte, vergebt uns und habt Nachsicht mit uns, denn unsre Stellung ist eine unnormale; wir fühlen, dass wir euch ein Unrecht tun und es ist uns leid.“ Das ist's, was wir fühlen würden; und weil unsre Denominationen, einzeln genommen, an Zahl der Kirche von England nachstehen, halte ich es für umso ungerechter. Dort drüben im Meere unter den Bahama-Inseln ist ein Eiland, auf dem eine Anzahl weißer Leute wohnt, die alle zur Kirche gehen, eine Zahl Brauner, die alle Methodisten sind, und eine größere Anzahl Schwarzer, die alle Baptisten sind. So weit meine Beobachtung geht, ist es ziemlich ebenso hier. Die weißen Leute, die sehr Respektablen, gehen zur Kirche; die nächste Stufe zu den Methodisten; und die sehr schwarzen Leute gehören zu den Baptisten. Nun würde es mir doch eine Ungerechtigkeit scheinen, wenn in jenem Eiland ein Staatseinkommen wäre zur Unterstützung für die Kirche der Weißen, welche diejenigen sind, die am meisten Geld haben und deshalb ihre Religion selbst unterstützen könnten, während die Schwarzen und Braunen nichts aus dem Staatsschatz erhielten. Wenn man Unterstützungen geben will, lasst die schwächeren Brüder sie haben. Gewiss, wenn keine Gerechtigkeit darin wäre, so würde etwas Ritterliches darin sein; aber eine Sekte, die fast alle Lords und großen Leute des Landes unter sich zählt, wenn die zum Staatsschatz kommt und Geld daraus nimmt wie kann das gerecht sein?
Und weil wir nicht wollen, dass unser Volk fortfahren soll, das zu begehen, was sicher ein wirkliches, schweres Unrecht ist die Versagung religiöser Gleichheit für uns Alle - deshalb müssen wir unsre Stimmen erheben. Wenn wir es ruhig ertrügen, würden wir Mitschuldige an dem Unrecht sein; wir müssen sprechen und fortfahren zu sprechen, bis dies Unrecht gut gemacht ist. Die Verbindung der Kirche mit dem Staate verursacht eine offenkundige falsche Darstellung dessen, was die Kirche ist. Es muss so sein. Ich darf wohl sagen, die Kirche von England ist eine so gute Darstellung der Kirche Christi, wie sie überhaupt unter solchen Umständen hervorgebracht werden kann. Aber blicken Sie auf ihre Mitgliedschaft.
Wer sind die Mitglieder der Kirche? Ich bin eins. Wir alle sind Mitglieder derselben. Ich bin belehrt worden, ich sei ein „die Kirche nicht besuchendes“ Mitglied, ein außenstehendes Mitglied. Von allen Engländern wird gesagt, dass sie Glieder der Nationalkirche seien und sie werden als solche behandelt. Beabsichtigte Christus wirklich je, der Welt zu erklären, seine Kirche sei Jedermann, der in einem gewissen Distrikt geboren sei? Ich hätte gedacht, es wären einige Hecken für sein Feld da; und dass eine Art von Scheidung wäre zwischen seinem geistlichen Reich und den Reichen dieser Welt. Aber wo ist die Kirchenzucht? Ist diese möglich? Versuche man sie. Sie ist mutig, wenn auch nicht weislich hie und da versucht worden; aber sie kann nicht durchgeführt werden. Wie kann sie es? Ihr werdet gebracht und zu Gliedern Christi, Kindern Gottes, gemacht, während ihr noch kein Bewusstsein davon habt. Ihr nehmt zu einer gewissen Zeit jene feierlichen Gelübde auf euch, und ihr seid Alle, wie euer Charakter auch beschaffen sein mag, Glieder dieser großen Nationalkirche. Ich sage, das ist eine ganz falsche Darstellung der Kirche Christi. Für mich ist es eins der schmerzlichsten Dinge, dass in dieser Kirche Christus tatsächlich entfernt ist. Zuerst dem Namen nach; denn es ist nicht ihr Fehler, Gott segne sie! Wer ist das Haupt der englischen Kirche? Wer wird dafür erklärt?2)
Dann, wohin wenden wir uns, wenn wir wissen wollen, ob eine Praxis recht ist oder nicht? Was ist das Gesetzbuch der Kirche? Ist es die Bibel? Nein, meine Herren, es ist ein Buch, welches von menschlichen, nicht inspirierten Händen gemacht ist. Ja, und darüber noch ist das Parlament von Großbritannien und Irland, das aus sehr vielen Arten von Leuten besteht, alles „ehrenwerte Männer.“ Mir scheint aber, das Parlament zu fragen, was ich tun soll, wenn ich Christi Diener bin, das schon ist nicht loyal gegen meinen Herrn. Er hat mir sein Gesetzbuch gegeben, und wenn ich es nicht verstehe, so muss ich im Gebet die Erleuchtung Seines Geistes suchen. Aber hinunter gehen zu dem Haus der Gemeinen, um diese Herren danach zu fragen! Ich würde sie über sehr viele Dinge befragen, aber gewiss nicht über Religion. Mir ist bange, wenn ich anfinge, sie darin zu prüfen, so würden sie schlecht bestehen. Ein Herr kam einst zu mir, um zu wissen, wie ich meine Stimme einem gewissen Parlamentsglied geben könnte, das in seinen Lehrmeinungen nicht orthodox sei? Ich antwortete ihm nicht, sondern rief nur durch mein Sprachrohr hinab: „Bringt mir den „Westminster Assembly“ Katechismus heraus.“ Er ward herausgebracht und ich begann, den Herrn ernsthaft über die Lehre von der Gnadenwahl zu examinieren. Er wusste nichts davon; er schien ganz im Dunkeln. Dann fragte ich ihn, was er sei. Ich meine, er sagte Advokat. Ich sagte: „Wohl, ich würde Sie nie als Advokaten nehmen, weil Sie nicht fest in der Lehre von der Gnadenwahl sind.“ Er konnte nicht den Zusammenhang zwischen beiden Sachen sehen und ich sagte: „Ebenso wenig sehe ich einen Zusammenhang zwischen der Orthodoxie eines Mannes und seiner Wahl zum Parlamentsmitgliede.“ Wie! wenn alle Glieder des Parlaments Charnocks und Owens wären und die größten Theologen, die je gelebt, so würde es doch Verrat an Christo sein, wenn die Kirche hingehen und ihre Gesetze ihnen unterbreiten wollte. „Einer ist euer Meister, Christus,“ spricht die Kirche. Ich bin ein sehr hochkirchlicher Mann, in der Tat, in dieser Hinsicht. Es tut mir leid um einen Mann, der sein Gewissen dazu bringt, sich dem Diktat des Staates in einer Sache, die Christum angeht, zu unterwerfen. Ich möchte nicht gern in einer solchen Lage sein, dass ich nicht zu Gott beten könnte ohne einen Unterrock einer besonderen Art, und einige Männer können es nicht, wenn er nicht den einen Tag von dieser Farbe ist und den nächsten von einer anderen. Gute Seelen, sollen sie zum Parlament gehen, um alles in Betreff dessen zu lernen? Natürlich müssen sie das, so lange sie das parlamentarische Geld nehmen. Ich bitte Gott, dass der kleine Finger des Staates, der schwer über ihnen gewesen ist, ihnen dicker denn eines Mannes Lenden werden möge. Ich möchte sehen, dass sie den bitteren Druck fühlten; denn sie werden nie aus Ägypten ausziehen, bis die Anzahl der Ziegel verdoppelt und das Stroh ihnen vorenthalten wird. Glücklich wird der Tag für sie sein, wo sie es wagen werden, herauszukommen und auf ihr Banner zu schreiben: „Christus allein ist unser Meister und das Wort Gottes unser großes Gesetzbuch.“ Oder, wenn sie dies nicht als ihren Wahlspruch nehmen, mögen sie jedenfalls fühlen, dass Christi Kirche nicht zurecht geschnitten und geformt werden kann von einem Parlament, das nicht das Verständnis davon hat und nie dafür bestimmt war. Es kann einige Dinge sehr gut handhaben, besonders wenn es ein liberales ist; aber was unsre Seelen betrifft, so würde ich die einer liberalen Regierung ebenso wenig anvertrauen, wie einer konservativen. Die Kirche muss frei sein und Christus muss ihr einziger Herr sein, koste es, was es wolle, in England, Schottland und überall.
Ich für mein Teil wünsche, dass diese Frage bald entschieden werden möge, weil der jetzige Zustand der Dinge Männer vereinigt, die getrennt sein sollten. Es ist meinem Gefühl nach sehr traurig, zu sehen, wie der Ton einiger unsrer evangelischen Brüder herabgestimmt wird. Sie sprechen zuweilen vortrefflich ihre Meinung aus und einige tun es noch jetzt; aber der Ton neigt sich allmählig hinunter zu einem Kompromiss, fürchte ich, und die Dinge werden nach und nach immer schlimmer werden. Nun, welche Gemeinschaft hat denn im Grunde Christus mit Belial; oder ein Evangelischer mit einem Ritualisten? Kann Gemeinschaft da sein? Ich vermag es nicht zu sehen; es sollte keine da sein, und ich bete zu Gott, dass die Zweie voneinander geschieden werden mögen, aber ich glaube nicht, dass sie es je werden, so lange gemeinschaftliche Butterbrote zu essen sind. Dieser eine gemeinsame Tisch bringt sie alle zusammen, sonst würden sie sich sogleich trennen, und je eher die Scheidung stattfindet, desto besser für das Interesse der Wahrheit und Gerechtigkeit. Wir haben jetzt eine Immoralität der Sprache unter uns, die ich an meinem Teil verachte und im höchsten Grade beklage. Man redet die Sprache eines gewissen Buches3), und der Eine liest es so, der Andere anders; doch sagen sie, sie alle glauben ex animo an ein Buch, an das kein Mensch je glaubte oder je glauben kann oder je glauben wird, weil es sich selbst widerspricht. Es sind edle Dinge darin und schwere Fehler, doch sagen Leute, deren Ansichten so verschieden sind wie die zwei Pole, alle, dass sie an dies eine Buch glauben. Ich sage, dies lehrt das Volk, mit Worten zu spielen und mit der Wahrheit zu spielen. Ich hoffe, es ist noch jetzt etwas von dem Blute der Märtyrer in uns und wir würden nicht eine Lüge unterschreiben, wenn auch das Leben davon abhinge; oder die Worte vertauschen und die Ausdrücke etwas anders bedeuten lassen, als sie bedeuten sollten, ob auch Folter und Kerker auf uns warteten. Ich hoffe, es sind noch einige solche übrig: aber wenn sie da sind, so sind sie nicht erzeugt oder herangebildet durch das Verfahren, welches Männer fähig macht zu sagen, dass sie nicht an die Wiedergeburt durch die Taufe glauben, und sich doch auf ein Buch zu verpflichten, in dem noch immer die Worte stehen: „In meiner Taufe, in welcher ich zu einem Gliede Christi, einem Kinde Gottes und einem Erben des Himmelreichs gemacht wurde.“ Ich sagte einst etwas hierüber, und ich will nicht mehr sagen4). Ich bereue es noch nicht, aber ich bin traurig über den gegenwärtigen Stand der Dinge, und hoffe, er wird ein Ende nehmen, weil mir scheint, die jetzige Verbindung von Staat und Kirche trennt diejenigen, welche vereinigt sein sollten. Wir sollten das Evangelium in dieser Kirche predigen und in jener. Independenten, Methodisten, Baptisten sind wir nicht alle eins? Und ungeachtet jenes harten Kampfes, der noch heißer werden wird, ist noch Liebe genug übrig bei manchen unsrer bischöflichen Brüder, Einige von uns zu lieben, obgleich wir sie sehr rau behandeln; und wir lieben sie darum nicht weniger, sondern mehr, weil wir offen in dieser Sache sprechen. Wenn nur diese Angelegenheit erst entschieden ist, so werden Sie die Brüder zusammenkommen sehen als Brüder; Sie werden diejenigen, die nicht von uns sind, einen jeden an seinen Ort gehen sehen, so wie es sich gebührt.
Vor einiger Zeit war ich erstaunt, als der Geistliche eines gewissen Kirchspiels, wo ich zufällig war, kam und mich fragte, ob ich am Abend für ihn predigen wolle. Er sagte: „Es tut mir leid, dass Sie nicht in der Kirche predigen können, aber glücklicherweise ist unsre große Schulstube gerade gegenüber; ich will die Gebete in der Kirche lesen und Sie können im Schulzimmer predigen.“ Ich war vollkommen zufrieden, weil es das Beste war, was er unter den Umständen tun konnte. Aber warum soll es so sein? Wir sind alle Brüder, wenn wir den Herrn lieben; und wenn sie jetzt nicht kommen wollen und mit uns auf einer solchen Plattform, wie diese zusammentreffen und zu einer Versammlung wie diese über die wichtigsten Angelegenheiten der Seele reden, so hoffe ich doch, der Tag wird kommen, wo solch wechselseitige Mitteilung und Austausch christlicher Höflichkeiten, solch wirkliches Zusammenarbeiten sein wird, dass die Trennung nicht länger andauert. Aber das kann nicht sein, bis die Kirche vom Staat geschieden ist; und im Interesse der brüderlichen Liebe, die Christo sehr teuer ist, denn er sprach: „Dabei wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt“ hoffe ich, dass diese Sache bald zu Ende kommen wird.
Ich habe mich schon manches Jahr ein wenig über das Kirchengesetz amüsiert; es ist ein so kurioses Ding. Ich weiß, dass die Bischöfe und Geistlichen der Kirche von England Jahre lang in einer entsetzlichen Weise gehandelt haben, ohne es zu wissen. Sie haben Reden in Exeter Hall gehalten, Einige von ihnen haben dort gepredigt; und es ist ein merkwürdiges Ding, dass Niemand von ihnen in Folge davon gestorben ist. Doch, obgleich ich es nie vorher veröffentlicht habe, lassen Sie mich Ihnen erzählen, dass ich Exeter Hall als einen „Ort der Gottesverehrung für Dissenter5)“ einregistriert habe, und es ist jetzt ein solcher, so viel ich weiß. Es ist eine furchtbare Sache und ich bin gezwungen gewesen, es für mich zu behalten. Ich saß vor Kurzem auf der Plattform dort bei der Bibelgesellschaft und sah den Erzbischof von Canterbury und ein oder zwei Bischöfe da und dachte, sie wüssten wenig, auf welch unheiligem Gebiete sie sich befänden. Ich hoffe nun, da sie es wissen und finden, dass sie es überlebt haben, werden sie ermutigt werden, zu fühlen, dass im Grunde die Plätze nicht so furchtbar geschädigt werden durch die Gegenwart von Nonkonformisten; und ich hoffe, sie werden dahin kommen zu sehen, dass Nonkonformisten auch Begräbnisplätze nicht verunreinigen. Ich wünsche, dass auch diese Sache über die Begräbnisse zu Ende käme. Hätte ich der Kirche Rat geben dürfen, so würde ich ihr vorgeschlagen haben, zu sagen: „Obgleich wir nicht fühlen, dass wir euren Anspruch auf den Kirchhof anerkennen können, so wünschen wir doch in Anbetracht dass die Frage die zartesten Gefühle unsrer Mitchristen berührt, aus unserm eigenen freien Willen, unsre Zustimmung dazu zu geben, dass sie auf dem Kirchhof begraben werden. Dann hätten wir nicht viel zu fechten gehabt, wir hätten bekommen, was wir wünschten und ihr Grundsatz wäre nicht angetastet. Aber sie sind nicht weise genug, an irgendeinen vernünftigen Vergleich zu denken. Wir können keine besseren Alliierten haben, als unsre Feinde. Ich bin gewiss, sie tun unser Werk besser, als wir es zu tun vermöchten.
Alles in Erwägung gezogen, glaube ich kaum, dass der Liberation Society etwas Besseres hätte geschehen können, als dass die liberale Regierung herausgetrieben ward und die Tories hereinkamen. Und mögen die Liberalen draußen bleiben, bis sie ihre Freunde kennen lernen! Ein Parlamentsmitglied sagte zu mir, als er um Stimmen warb, ich fand Niemand die Sache eifrig aufnehmen, außer den Nonkonformisten.“ Ich sagte: „Natürlich; wir haben ein Prinzip, das uns teuer ist, wie das Leben selbst, das wir niemals aufhören werden, geltend zu machen, und wenn ein Mann sich dazu bekennt, so wollen wir ihn unterstützen.“ Es sind viele Liberale, die niemals wieder gewählt werden, bis sie grad heraus sprechen und sagen: Obgleich ich einige Stimmen verlieren mag, will ich doch mit euch gehen. Mögen sie draußen in der Kälte bleiben, bis sie lernen, dass die Heloten, die ihnen auf den Fersen folgten, die in Wahrheit ihre Siege gewonnen haben, auch selber frei sein wollen.
Ich schließe, indem ich sage, dass wir froh sein werden, die Sache völlig abgetan zu sehen, weil sie uns Alle zu Mitschuldigen an der jetzigen Reise Englands nach Rom macht. Es tut mir leid, wenn irgendeine Kirche Romwärts geht; aber wenn sie es tut, so ist es nicht meine Sache; ich bin nicht dafür verantwortlich, wenn ich das Evangelium treu predige. Aber dies ist meine Kirche; dies ist die Landeskirche; sie repräsentiert uns; sie tut unsre Religion, sie macht uns gottesfürchtig; wie Sie Alle wissen, würden wir ein gottloses Volk ohne dieselbe sein, sie vollzieht die religiösen Pflichten der Nation, indem sie dieselbe betrachtet, als wenn sie ein Individuum wäre; sie bringt ein Joch zurück, das unsre Väter nicht tragen konnten. Der römische Katholizismus hat verhältnismäßig wenig Konvertiten hier durch sein eignes Wirken gemacht; aber die englische Kirche ist die große Missionarin für Rom gewesen. Sie hat den Weg geebnet und gepflastert und denjenigen geholfen, die ihn sonst nie betreten hätten. Nun, wenn es der Kirche von England gefällt, dies zu tun, muss sie es tun, aber nicht in Ihrem Namen, noch in meinem. Wenn es ihr gefällt, ihre Kirchen in Konservatorien oder Musikhallen zu verwandeln, wenn sie ihre Götzentempel errichtet und dies Land mit ihrer Abgötterei verunreinigt, so lasst sie es tun, aber nicht in Ihrem Namen, noch in meinem, denn unsre Seelen ekelt vor dem Pfaffentum; mich in Fesseln zu legen und ins Gefängnis zu werfen, ist nur ein äußerliches Unrecht, meinem Körper angetan; aber von diesen Kruzifixen und anderen Dingen zu sagen, „dies sind deine Götter, o Israel,“ und uns Allen diese Schande anzuheften, dass dies unsre Religion sein soll meine Herren, das ist ein Stück Unterdrückung, wie das alte Rom in den schlimmsten Tagen seiner Tyrannei es nie den unterworfenen Völkern auferlegte.
Seien Sie wachsam und vorsichtig und beten Sie für diese Sache. Wenn sie in Jahren nicht kommt, so erinnern Sie sich, dass Gott große Zwecke bei dieser Verzögerung haben mag. Ich denke zuweilen, dass einige von Ihnen, Sie reichen Dissenter, nicht immer für liberale Maßregeln sein würden, wenn Sie diese Eine durchgesetzt hätten, dass Einige von Ihnen dann Konservative werden würden. Ich weiß, wenn Sie anfangen, ein wenig reich zu werden, so haben Sie eine sofortige Tendenz nach dieser Seite hin. Sie werden dazu geführt, Andern Gerechtigkeit zu erweisen, indem Sie selbst Ungerechtigkeit leiden. Es gibt nichts, was Ihnen so schnell das Unrecht, das einer anderen Klasse getan wird, wahrnehmbar macht, als wenn Sie selber ein Unrecht zu erdulden haben. Es mag sein, dass Ihnen Ihr natürliches Recht eine Zeitlang vorenthalten wird, bis Sie ein wenig mehr für Andere getan, die auch über Ungerechtigkeiten zu klagen haben. Aber die Zeit wird kommen, und Einige von uns werden sie erleben; und dann würde ich mich nicht wundern, wenn eine Versammlung hier in diesem Hause gehalten würde, bei der eine Anzahl kirchlicher Geistlicher auf der Plattform wäre, und diese zu uns sagten: „Wir sind Ihnen ungemein dankbar, Brüder, wir hielten Sie für unsre Feinde, aber sie waren unsre besten Freunde; wir dachten, Sie würden uns töten, aber Sie zerbrachen nur unsre Ketten. Wir bildeten uns ein, als Sie uns aus Gosen herauszuhaben wünschten, dass Sie uns in die Wüste führen und ins Verderben bringen wollten, aber nun sehen wir, dass Sie uns nach dem gelobten Lande hingeholfen haben, wo Milch und Honig fließt.“ So gewiss ich lebe, ich hoffe, einer großen Anzahl meiner bischöflichen Brüder noch die Hand zu reichen in dieser Frage und zu sagen, „Nun, war es im Grunde nicht doch ein guter Kampf? Sie verteidigten Ihre Stellung, so gut Sie konnten; es war etwas unartig von Ihnen, den Sekretären unserer Gesellschaft die Eier und den Cayenne-Pfeffer zu geben; wir taten Ihnen das nie, außer dass wir Sie im metaphorischen Sinne Cayennepfefferten; aber taten wir Ihnen nicht wesentliche Dienste?“ und Einer nach dem Andern wird sagen: „Ja, und wir sind unsern lieben Brüdern, O. u. R. sehr dankbar, wir hielten sie für schreckliche Menschen, entsetzliche Radikale, Agitatoren und die da Aufruhr erregten;“ aber nun sehen wir, es ist alles gut. Wir sind so glücklich in unsrer Freiheit, so froh, unsre Ketten los geworden zu sein; und nun grüßen wir Sie, die geholfen haben, uns freizumachen.“ Es ist ein Ziel, „aufs innigste zu wünschen!“ Es wird erreicht werden!