Spurgeon, Charles Haddon - Reden - daheim und auswärts - Mitarbeiter Gottes.
Rede in Exeter Hall vor der Missionsgesellschaft der Baptisten. 27. April 1877.
Es tut mir immer leid, wenn Sie mich am Anfang so lebhaft begrüßen; denn Sie wissen wenig, wie getäuscht Sie sich fühlen werden. Unser geschätzter Freund, Mr. St. hat den rechten Ton angeschlagen und ich hoffe, dass der rechte Geist diese Versammlung durchdringt. Wenn Sie den Bericht lesen, glaube ich, dass er Ihnen sehr gefallen wird; er ist nicht nur voll interessanter Tatsachen, sondern auch außerordentlich gut geschrieben. Ich kann nicht sagen, dass ich im Allgemeinen ein Bewunderer von Berichten bin. Ich finde gewöhnlich, wenn ich Nachts nicht zu schlafen vermag, dass ein Bericht eins der besten Dinge ist, die ich nehmen kann. Aber diesem fehlt es ganz und gar an dem einschläfernden Element und es sind viele treffliche Stellen darin, die des Zitierens wert sind. Ich werde vielleicht im Verlauf meiner Rede ein oder zwei anführen, da ich selber nichts so Gutes sagen könnte.
Wir wollen damit beginnen, ehrlich zu sein, und Jeder, der sein Scherflein beigetragen hat, wird nun den Herrn preisen und erheben, dass eine etwas größere Ernte da gewesen ist. Für die, welche kein einziges Korn ausgesät haben, wär' es vielleicht besser, dass Reue an die Stelle der Dankbarkeit träte, und Besserung folgte, und sie sogleich anfingen, etwas für den Herrn zu tun. Doch selbst diese können dankbar sein, dass Andere das Werk getan haben. So wollen wir uns alle vereinigen zum Loben, Danken und Preisen des Herrn, dass dies Jahr etwas mehr gewirkt ist als letztes Jahr und dass Gott unserm Werk gnädig gewesen. Ich bin dankbar für den Erfolg, von dem der Bericht spricht.
Es ist ein großer Segen, Erfolg zu haben. Natürlich wissen wir Alle - wenigstens alle die, welche leere Gotteshäuser haben, wissen es dass eine große Zuhörermenge kein Kennzeichen des Erfolgs ist. Eine große Zahl von Personen, die zu einer Kirche hinzugetan werden, sind durchaus kein Beweis des göttlichen Segens; in der Tat, es mag ein größerer Segen auf leeren Bänken ruhen, als auf einem vollen Hause, und wenn eine Kirche merklich von Jahr zu Fahr an Zahl abnimmt, so mag das nur ein Beweis von der hohen Treue des Mannes sein, der sich nicht zu einer Theologie herablassen will, die so populär und so vulgär ist, dass sie die Menge anzieht. Sie wissen das. Nun ich, der ich hiermit nicht übereinstimme, sage, dass ich dankbar für Erfolg bin, aber ich fühle in meinem Herzen eine größere Dankbarkeit gegen Gott, dass Er mir Erlaubnis gegeben, für Ihn zu arbeiten. Ich könnte niedersinken und Ihn preisen, wenn Er mich nur eine kleine Ameise sein und zu Seinen Füßen leben ließe, falls Er mich nur nicht zerträte, sondern mir Sandkörner für Ihn zu bringen erlaubte die ganze Ewigkeit hindurch. Es scheint mir eine der höchsten Gaben Seiner Gnade zu sein, dass Er uns verstattet, mitzuwirken bei der Ausführung Seines großen Plans der Errettung der Menschenkinder, und ich fordere Sie alle heute Abend auf, dankbar für den Erfolg zu sein und selbst wenn uns keiner gegeben wäre, würde ich Sie auffordern, dankbar zu sein, dass Gott Ihnen erlaubt, Ihm zu dienen.
Ich meine, uns fehlt ein Beweis der vollkommenen Versöhnung unsrer Seelen mit Gott, bis wir etwas für Ihn zu tun erhalten. Ich habe mir zuweilen den verlorenen Sohn vorgestellt, wie er zu seinem Vater heimkehrt und dieser ihm um den Hals fällt und das große Fest mit Musik und Tanz veranstaltet. Aber ich könnte mir denken, dass der Vater, wenn der Markttag kam, den ältesten Sohn zu Markt sandte, um das Korn und die fetten Ochsen zu verkaufen, und den jüngeren Sohn zu Haus behielt und zu sich sagte: „Ich weiß nicht; ich liebe meinen jüngeren Sohn, aber ich kann ihm nicht trauen; ich glaube nicht, dass es recht ist, ihm schon jetzt irgendeine Verantwortlichkeit zu übertragen.“ Wenn dies Wochen und Monate andauerte, der jüngere Sohn immer zu Hause gehalten, dort beschäftigt würde, aber ihm nie etwas überlassen, was Vertrauen erforderte, würde zuletzt das Gefühl in ihm aufkommen: „Mein Vater hat mir ohne Zweifel vergeben, so weit er kann, aber er hat nicht vergessen; mein ältester Bruder wird stets geschickt, wo Verantwortlichkeit da ist, mein Vater kann mir noch nicht trauen.“ Ich meine, er würde es in seiner innersten Seele fühlen. Und nur, wenn endlich der Vater ihm eine Kostbarkeit, ein Familien - Erbstück anvertraute oder ihn zu einem wichtigen Werk aussendete, würde er sagen: „Endlich habe ich den Platz des Kindes wieder in dem Herzen meines Vaters und bin nun ihm eben so lieb wie mein ältester Bruder.“ Paulus schien etwas der Art zu fühlen, als er Gott dankte, dass Er ihm das Evangelium anvertraut hätte. Es war das Größte, was verliehen werden konnte, und Er gab es einem solchen Sünder, wie Saul von Tarsus, darum sprach er: „Mir, dem allergeringsten unter allen Heiligen, ist gegeben diese Gnade, unter den Heiden zu verkündigen den unausforschlichen Reichtum Christi.“
Es ist ein Zeichen der völligen Aussöhnung, wenn der Herr uns erlaubt, für Ihn in der Sache zu arbeiten, die Seinem Herzen am teuersten ist, die Er wert hält wie den Apfel Seines Auges, wofür der Heiland Sein Blut vergoss. Überdies sehe ich nicht, wie unser Gefühl der Einheit mit Christo je hätte vollkommen sein können, wenn es uns nicht erlaubt wäre, für Ihn zu wirken. Wenn es Ihm gefallen, uns durch Sein Blut zu erretten und uns dann ohne Arbeit zu lassen, so würden wir Gemeinschaft mit Ihm bis zu einem gewissen Punkte gehabt haben, aber (ich spreche aus Erfahrung) es gibt keine Gemeinschaft mit Ihm, die mir so lebendig, so wahrhaft scheint, als wenn wir versuchen, Ihm eine Seele zu gewinnen. O, wenn wir mit den Zweifeln dieser Seele kämpfen, wenn wir über ihre Härte weinen; wenn wir ihr die Verheißungen der göttlichen Gnade vorhalten und zurückgewiesen werden, wenn wir in tiefer Angst um dieselbe sind und fühlen, wir wollten lieber sterben als diese Seele verderben sehen; dann kommen wir dahin, Sein Herz zu lesen, dessen Tränen und blutiger Schweiß und Todeswunden zeigten, wie sehr Er die arme gefallene Menschheit liebte. Sie müssen etwas der Art zu tun haben. Die Kirche braucht Missionswerk, um sie zu der rechten Höhe zu erheben, in der sie beginnen kann, das große Herz Christi zu erkennen und etwas von Ihm zu verstehen, der in die Welt kam, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.
Mir war, da ich herkam, als wenn ich viel darum geben könnte, von meiner Aufgabe frei zu werden, weil ich mich so ganz unfähig fühlte, eine Missionsrede zu halten. Unser Freund Smith von Delhi kann es, weil er zu erzählen im Stande ist, was er gesehen und was Gott durch ihn gewirkt hat. Mr. St. hat uns einen Vortrag im rechten Tone gehalten; aber ich zweifle, ob je ein Mann in einem Tone gesprochen, welche der Bedeutung dieses wundervollen Gegenstandes entsprach Mission, das Werk, die Welt zu evangelisieren.
Ah, ihr Redner! wenn dies ein geeignetes Thema für euch wäre, so könntet ihr hier alle Kraft aufwenden. Alle menschliche Beredsamkeit und Macht der Sprache könnte verzagen vor solch gewaltigem Thema. Ich will nicht versuchen, es zu messen, sondern nur ein paar Worte zu Ihnen reden über das Vorrecht, das Gott uns gegeben, Seine Mitarbeiter zu sein bei dem Sammeln Seiner Erwählten und bei der endlichen Eroberung der ganzen Erde für Christum.
Ich glaube bis zu diesem Augenblick noch an das endliche Gewinnen der ganzen Welt für das Evangelium. Ich kann nicht jene Lehre annehmen, dass das Schiff scheitern wird und nicht zu retten ist und dass wir nur Einige von dem Wrack wegzuraffen haben. Es ist eine sehr angenehme Lehre, weil sie einem erlaubt, Nachts zu schlafen und sich nicht um die Seelen der Menschen zu beunruhigen. Ich liebe nichts, was mich ruhig macht in Betreff der Seelen meiner Mitgeschöpfe. Ich erkläre Das immer für Irrtum, was mich weniger bekümmert um die unmittelbare Errettung meiner Mitmenschen macht. Es ist ein hohes Vorrecht, das Gott uns verliehen, mit Ihm in diesem Werke verbunden zu sein. In der Schöpfung machte Er die Welt allein; doch als Er den Menschen in den Garten setzte, hieß Er ihn denselben bauen und bewahren; es war ein wenig Gemeinschaft zwischen dem Menschen und seinem Schöpfer da, nicht viel. Dann kam die Erlösung, und an der Zahlung jenes wundervollen Preises, durch den wir erlöst sind, konnten wir keinen Teil haben; Er musste es alles zahlen, der, gelobt sei Sein Name! Alles gezahlt hat. Aber dann in der Aneignung dieser Erlösung, da ist uns eine Gelegenheit zur Gemeinschaft mit Jesu gegeben. In der Verkündigung der frohen Botschaft und indem wir, wenn der Heilige Geist durch uns wirkt, das Werkzeug werden, die Menschenherzen zu erfassen, sind wir außerordentlicher naher Gemeinschaft mit Christo fähig, viel engerer Verbindung, als Manche je den Menschen noch beigelegt haben. Es ist eine wunderbare Sache, dass Paulus von denen spricht, die er gezeugt hat, und doch an einer anderen Stelle sagt, dass er sie mit Ängsten gebäre; als wenn er, beide Seiten der Abkunft zusammennehmend, geistlich sowohl Vater wie Mutter der Gläubigen würde. Es ist staunenswert, wie sehr Gott uns arme Geschöpfe brauchen kann und wie wundervoll Er sich herablässt, den Schatz in irdene Gefäße zu tun, so dass man, wenn man den Schatz will, auch das irdene Gefäß haben muss.
Nun, auf dieses Unternehmen, die Welt für Christum zu gewinnen, blicken Einige mit einer Art Furcht, wenn nicht Unglauben, weil es so ungeheuer groß ist. O, das ist für mich grade der Reiz bei der Sache. Wenn unser Herr gesprochen hätte: „Meine Kinder, die ihr mit meinem Blut erkauft seid, ich will euch einige kleine Aufgaben geben, ein leichtes Werk zu tun,“ wie? dann wäre die Menschheit nie erhoben, wie sie es jetzt ist. Die Welt, mit all ihren Millionen dahin gebracht, sich zu Immanuels Füßen zu beugen durch die Arbeit der Kirche Gottes! - der Gedanke ist staunenerregend. Herr, was ist der Mensch, dass du sein gedenkest, ihm ein solches Werk anzuvertrauen? oder des Menschen Kind, dass du so zu ihm kommst? Wahrlich, du hast ihn niedriger denn die Engel gemacht; aber du hast ihn in dieser so wie in vielen Andern zugleich mit deinem Sohne mit Ehre und Schmuck gekrönt. Ein kleiner Kampf! Es hätte geschienen, als wenn Gott uns Sein großes Herz nicht hätte aufschließen können. Aber ein ungeheures Werk wie dies, ein Werk, das die Ewigkeit in sich schließt, ein Werk, das unzählige Menschenmengen in allen Zeitaltern einbegreift, dies uns anvertrauen, ist eine wundervolle Wieder-Fleischwerdung Seiner selbst in Seiner Kirche und ein Wiederdurchleben Seines Lebens des Seelen-Gewinnens in Seinem Volke. Ich denke, wenn Christus gesagt hätte: „Meine lieben Kinder, ich vertraue euch England an; geht und evangelisiert es; nehmt die britischen Inseln ein, sie alle,“ so lägen wir jetzt alle zu Seinen Füßen mit vielen Tränen und sagten: „Herr, lass es uns auch mit Frankreich versuchen; es sind Leute da, Britannien gegenüber, die den Wallisern sehr gleichen. Herr, schließ sie mit ein!“ Und ich denke, nach einer Weile würde ein kühner Bruder gesprochen haben: „Herr, lass es uns mit all den lateinischen Rassen versuchen; dehne unsern Auftrag weiter aus, lass uns zu ihnen gehen.“ Und wenn es ihnen in Rom und anderswo gelungen, würden Einige sagen: „Lasst uns Gott bitten, dass wir nach Indien gehen dürfen, da dies zu Großbritannien gehört.“ Wir würden immer um Ausdehnung unsers Auftrags bitten, dächte ich, wenn wir Gott liebten; und da wir Ihn sehr lieben, (o, dass wir es noch mehr täten!) lasst uns froh sein, dass der Auftrag so groß ist; lasst uns in Seinem Namen ans Werk gehen mit aller Kraft, die wir haben, und aller Kraft, die Er uns geben will. „Aber die Übermacht ist so tödlich,“ sagt Jemand; „der Aberglaube ist so stark; die Weisheit der Menschen widersteht dem Evangelium, besonders in Indien; was können wir tun?“ Wollten Sie denn den Kampf weniger mächtig, als er ist? Wo ist dann Ihre Tapferkeit? Ich denke, Gott handelt mit uns ungefähr wie der englische König, als sein Sohn mit den Franzosen focht. Dieser fühlte, dass er sehr in die Enge getrieben ward und sandte einen Boten, um Hilfe zu erbitten. „Nein,“ sagte der König, „er schlägt sich ganz gut und ich will den Sieg nicht schänden, indem ich ihm mehr Hilfe sende; lass ihn es ausfechten.“ Herr! ich möchte nicht den Kampf meines Lebens weniger hart gemacht haben, als er es ist. Gib mir mehr Kraft! Das ist eine weit bessere Wahl. Wir wollen nicht die Ungläubigen weniger weise. Der Herr lehre uns besser „die törichte Predigt“ gebrauchen. Wir wollen nicht den Aberglauben der Menschen, so weit es uns betrifft, weniger stark und kräftig als er ist; nein, aber lass uns größeres Vertrauen auf das teure Evangelium haben und mehr Licht emporhalten, um diese Fledermäuse und Eulen hinwegzuscheuchen. Etwas, das leicht getan werden kann, würde nicht so viel von der göttlichen herablassenden Wahrhaftigkeit zeigen. „Aber siehe,“ scheint Er zu sagen, „ich will ihnen diese große, diese harte, diese unmögliche Aufgabe zu tun geben und ich will mit ihnen sein bis an der Welt Ende und sie sollen den Sieg gewinnen und groß soll die Ehre sein, die sie meinem Namen bringen.“ Lassen wir denn die Übermacht sein, wie sie will, und die Schwierigkeiten so ungeheuer, wie sie es sind!
„Aber o,“ sagt Einer, „die lange Zeit! Wir haben nun schon neunzehn Jahrhunderte lang versucht, die Welt zu bekehren.“ Nein, wir haben's nicht. Es gab Jahre, wo Missionswerk getrieben ward, aber es war eine lange dunkle Nacht, in welcher nichts getan und alles wieder vernichtet und der Romanismus immer dunkler und schwärzer ward und das Licht trübte, anstatt es zu verbreiten. Es sind 85 Jahre sind es nicht? seit Missionsunternehmungen begannen. Und dann in den ersten Jahren, wie wenig war es.
Wir sind nicht lange dabei gewesen. Ihr Bericht sagt: „Unser Herr hat die geringen Anstrengungen der Kirche göttlich großmütig gebraucht.“ Ich bin gewiss, das ist wahr. Es ist wenig, was getan ist, sehr wenig. Und sprechen Sie nicht von Zeit, was sind 85 Jahre? Wenig mehr als die Lebenszeit eines Mannes. Bei einem solchen Werk müssen wir nicht anfangen, von der Länge der Jahre zu sprechen. „Aber wo ist die Verheißung Seines Kommens?“ sagt man. Sie ist, wo sie immer war, wo die Gläubigen sich daran freuen; aber sie führen sie nicht fortwährend voll Ungeduld im Munde, um über Gott zu klagen, oder als einen Beweisgrund, von der Arbeit abzustehen und ungläubig zu werden. Er wird früh genug kommen; ich für mein Teil will mich freuen, wenn Er jetzt kommt; und ich will mich freuen, wenn ich es sehe, dass Er in zehntausend Jahren nicht kommt, weil man gerne weiß, dass Christus Seiner Kirche eine lange Aufgabe, einen langen Kampf und ein langes Werk zu tun gibt. Wir werden sehr, sehr bald im Himmel sein, (wollte Gott, dass alle in diesem Saal in den Himmel eingingen!) und man würde sich gern im Himmel an etwas erinnern, was hier getan ward; und wenn man fünfzig Jahre des Dienstes, gedrängt voll von Werk für Christum haben könnte, so würde man den Herrn dafür preisen und an die Vorfälle desselben immer mit dankbarer Anbetung denken. Die Kirche muss eine Geschichte haben, die dort im Glanz des Lichts als ihre größte Ehre geschrieben steht und die größte Ehre, die sie ihrem Herrn tun kann, kommt aus der Geschichte, die in Blut geschrieben ist und aus der, die in harter Arbeit und Schweiß von ihren Missionaren geschrieben ist.
Jemand hat über die großen Kosten geklagt. Nein, meine Freunde, das darf nicht sein. Denn wer ist, der darüber klagen will, ausgenommen einer, der sprach: „Wozu diese Verschwendung? Diese Salbe hätte den Armen gegeben werden können?“ Wenn der Herr Jesus uns ein Unternehmen befohlen, das bequem ausgeführt werden könnte, ohne irgendein Opfer, mit ein paar Groschen jährlicher Kosten, was mir die Idee scheint, die einige Christen von der Mission haben, so könnten wir auf unsere Kniee fallen und sagen: „Herr, gib uns etwas zu tun, das mehr von unserm Gelde in Anspruch nimmt; wir haben keinen Raum für die Gläser mit ungefälschter Narde jetzt; wir können Dich nicht finden, um sie auf Dein Haupt auszugießen; wir wissen nicht, was wir tun sollen.“ Hier, sehen Sie, hat Christus uns in unendlich herablassendem Vertrauen ein Werk gegeben, zu dem es alles Geldes bedarf, das wir nur haben. So viel wir zu bringen vermögen, kann nützlich angewandt werden in diesem Werk der Ausbreitung des Reiches Gottes. Und so lasst es sein; wir sollten uns darüber freuen und Ihm danken, dass Er uns ein Werk wie dies gegeben hat. O, welch ein großartiger Maßstab ist es, nach welchem Gott alle Dinge gemacht hat, die mit Christi Erlösung zusammenhängen! Ich glaube an unsterbliche Seelen; und ich glaube an Erlösung von Tod und Hölle, und eine Erlösung für Himmel und ewige Herrlichkeit. Ich glaube, dass Folgen, die ohne Ende sind, von der Predigt des Evangeliums Jesu Christi abhängen; deshalb danke ich Gott, dass in einem Werk, so wundervoll, dass es nicht weniger als göttlich sein kann, einem Werke, das alle Zeitalter brauchen wird, um völlig sich zu entfalten, es Ihm gefallen hat, sich mit solch armseligen Geschöpfen, wie wir, zu verbinden; wir, obgleich so gering, sind doch der Gottheit am nächsten verwandt, denn zwischen uns und Gott, da steht Einer, der Gott ist und gelobt sei Sein Name! auch Mensch ist! Er hat Seine Erlösten erhoben und nun, nachdem er sie zu Söhnen gemacht, heißt er sie des Sohnes Werk tun, ausgehen zur Bekehrung der Menge, die Er mit Seinem kostbaren Blute erkauft hat. O, dass wir zu der Erhabenheit des Maßstabes, in dem Gott wirkt, hinaufkommen könnten und anfangen zu fühlen, dass
„Die Liebe, die so wunderbar,
Verlanget Seele, Leben, All.“
Ich will Sie nicht viel länger aufhalten. Ich möchte meine innige Freude über die Missionare dieser Gesellschaft aussprechen, ich bin dankbar, dass die Missionare zu einem Gefühl der Verantwortlichkeit, die Gott auf sie gelegt, sich erheben. Ich habe kürzlich mit recht vielen verkehrt und mit noch mehreren korrespondiert und ich kann auch einige Missionsfrauen nennen, die Goldes wert sind. Es wird ein Werk in Calcutta getan, das den Namen von Mrs. Rouse berühmt machen wird unter den Frauen. Aber die Gesellschaft braucht mehr Männer und ich habe meine Augen besonders über alle jungen Männer hier hinschweifen lassen, ob ich zu ihnen sagen sollte im Namen Gottes, „So spricht der Herr, aus dem dichten Dunkel, da er wohnet, wen soll ich senden? wer will unser Bote sein?“ Und ich bete, dass der Seraph mit der glühenden Kohle vom Altar eine Lippe hier anrühren möge, dass das Herz auf die Lippe sich drängt und spricht: „Hier bin ich, sende mich.“ Ich hoffe, es werden viele solche sein. Ich denke an Carey, der bis zuletzt noch hämmerte; ich denke an den Dorfschulmeister, der willig ist, hinzugehen und die Heiden zu lehren. Ich denke an Knaben, die an der Ecke beim Feuer sitzen und hören, was Gott tut, und wenn sie aufwachsen, ein Marshman oder Keith werden. Ich bete zu Gott, es möge so sein. Beten Sie um Männer, meine Brüder; ein Mann ist mehr wert, denn das Geld von Ophir, ein Mann, der in Gott geweihtem Geist hinauszieht. Gott, wenn wir solche Männer hätten! Einige neue, frische, wie könnten sie uns Alle aufregen, mehr zu tun für die Sache Christi, als wir je geträumt haben.
Wohl, aber wir brauchen auch mehr Geld. Ja, und Sie haben es. Gott hat Seiner Kirche sehr viel Geld anvertraut, und ich bin überzeugt, dass wir zu einem höheren Maßstab des Gebens uns erheben müssen, ehe der Herr je durch uns die Völker in großem Umfang segnen wird. War es nicht gut von Mr. St. gesagt, dass unser Luxus uns mehr kostet, als unser Herr? Wollen Sie daran denken, Einige von Ihnen? Wollen Sie zusehen, ob es nicht wahr ist? Schreiben Sie etliche von Ihren Luxusartikeln nieder. Luxus? Wie? es gibt einige Leute, denen in einem Jahr ihre Strümpfe mehr kosten, als sie je für Christi Sache geben. Mehr wird an den Hals oder Fuß, mehr zuweilen an den kleinen Finger gewandt, als man für Christum hingibt. Einige von diesen Diamantringen sollten heute Abend in die Büchse geworfen werden. Und es sind viele andre Dinge, die wir tun könnten. Ich höre zuweilen einen Bruder sagen, dass er seinen Zehnten gibt; und was für wundervolle Summen würden die Leute geben, wenn sie pünktlich und regelmäßig ihren Zehnten Christo darbrächten! Aber ich hoffe, es sind Einige unter uns, die niemals zu einem Zehnten herunterkommen möchten oder zu einer Hälfte, die nicht wagen würden, in ihr Bett zu gehen, wenn sie nicht mehr als die Hälfte von dem gegeben, was Gott ihnen verliehen. Ein Zehnter mag schwer für den Mann sein, der nur Ein Besitztum hat, aber für einen Andern würde es nur eine Kleinigkeit sein, die Hälfte wegzugeben von dem, was er hat. Die erste Erwägung eines Christen sollte sein, „Wie viel kann ich für Christus tun?“ Er bezahlt erst, was er schuldig ist, das versteht sich; aber wenn das getan, sagt er zu sich; „Ich muss alles andre knapper halten, nur meinen Herrn nicht. Wenn ich Ihm angehöre und alles was ich habe, so muss ich für Ihn leben.“ „Ah,“ sagen Sie „das ist utopisches Geschwätz.“ Ich weiß, es ist das für Manche von Ihnen, aber nicht für Einige, die, nachdem sie es versucht und geprüft, sagen, je mehr sie geben, desto mehr haben sie; und besser noch, sie rühmen sich nicht des Mehrhabens, weil es nur mehr Verantwortung bringt; aber es gewährt ihnen Freude und Frieden, ihr Gut dem Herrn zu weihen. Die Heiden kommen um! Wollt ihr Geld anhäufen? Die Heiden kommen um! sie sinken in die Hölle! Ihr glaubt an keine „weitere Hoffnung,“ wonach sie wieder daheraus kommen werden; ihr glaubt, dass sie auf ewig verloren sind, wenigstens die Meisten von euch; und soll jener kleine Schatz von Staatspapieren vermehrt, oder sollen Seelen errettet werden? Wollt ihr nur danach streben, euer Vermögen zu vergrößern, um euren Namen in einer Ecke der „Londoner Illustrierten Nachrichten“ zu haben, mit dem Bemerken, dass ihr gestorben seid, so und so viele Tausende wert? oder sollen Seelen errettet, wenigstens euer Teil des Werks dazu getan werden? Lasst einen Jeden für sich selbst antworten, nicht heut Abend, aber in der Stille seiner Seele vor dem lebendigen Gott!
Und, liebe Freunde, wir müssen emporsteigen zu einer höheren Art des Gebets für die Mission. Ich weiß, einige Menschen können alles, was sie wollen, durchs Gebet erlangen. O, hätten wir fünfhundert Eliasse, jeder auf seinem Carmel zu Gott schreiend! wir würden bald die Wolken in Schauern auf uns niederbrechen sehen. Gebet! Ja, das war der rechte Weg, jene Missions-Schuld zu tilgen, mit Gebet Betreffs der Sache zu beginnen. O, dass wir mehr Gebet hätten! mehr beständiges, unaufhörliches Nennen der Mission in unsern Gebeten! dann würde der Segen sicherlich kommen. Es ward vorhin von der Unumschränktheit Gottes gesprochen und der Weise, wie einige unsrer Vorfahren sich dadurch vom Wirken abhalten ließen. Ich glaube an die Unumschränktheit Gottes entschieden und an Vorherbestimmung: Ich glaube, Gott bestimmt uns dazu, von ganzem Herzen für Ihn zu arbeiten. Ich glaube an die Unumschränktheit, die Jedem von uns die Gelegenheit gibt, alles zu tun, was er kann. Aber Sie wissen, in der alten Zeit waren jene so sehr guten Leute so sehr orthodox, obgleich sie den Glauben verteidigten und die Veste behaupteten, so kam es ihnen doch nicht in den Sinn, eine Veste zu stürmen. Sie glichen einem Kirchenstuhl, den ich neulich in einer Pfarrkirche sah sehr hoch, ganz abgeschlossen und oben ringsum mit Spitzen umgeben, so dass kein unberufener Sünder hereinkommen sollte. Nun, wir haben diese Denkweise aufgegeben; wir haben die Spitzer heruntergenommen; die Türen öffnen sich und wir laden Andere ein. Wohl, das ist der rechte Geist! Gott gebe, dass wir darin bleiben! keine köstliche Wahrheit fahren lassen, aber damit einen edlen Eifer für den Ruhm Christi verbinden. Ich treffe noch einige Wenige an, die sehr fest, entschieden und sehr starr sind und nicht viel tätige Anstrengung zeigen; sie gleichen einem Baum, den ich vor einiger Zeit in einem Walde sah einer eisernen Buche. Es war nicht möglich, Einschnitte in sie zu machen. Es gibt noch ein paar Solche, aber es ist schade, Messer und Äxte an sie zu verschwenden. Man muss zu denen gehen, die sich formen und bewegen lassen und diesen möchte ich sagen: „Liebe Freunde, Sie fragen zuweilen, werden die Heiden selig werden, wenn wir nicht Missionare senden?“ Ich will Ihnen eine andre Frage tun: „Werden Sie selig werden, wenn Sie nicht Missionare aussenden?“ - weil ich furchtbare Zweifel daran habe, ob Sie es werden. Lächeln Sie nicht. Der Mann, der nichts für seinen Herrn tut, wird der selig werden? Der Mann, der niemals sich um die verkommenen Heiden kümmert, ist der errettet? Ist er Christo gleich? Wenn er nicht Christo gleich ist und nicht Christi Geist hat, so ist er nicht Sein. „Wohl,“ sagt ein junger Mann, ich habe mich geprüft, ob ich gehen sollte.“ Ich will dir etwas andres zu prüfen geben. Nimm es als ausgemacht an, dass du gehen sollst, wenn du nicht beweisen kannst, dass du es nicht sollst. Jeder Christ ist verpflichtet, sich dem Dienste des Herrn in dem Fache zu widmen, das ihn am meisten nötig hat, (und das ist die Mission), wenn er nicht befriedigend dartun kann, dass er es nicht soll und dass er nicht die Gabe hat. Ich wünsche, unsre Männer könnten das lernen. Sie wollen einen Beruf zum Predigtamt. Ich glaube, das ist recht, aber diejenigen, welche gut sprechen können, sollten lieber versuchen, zu zeigen, dass sie nicht zum Predigen verpflichtet sind; wenn sie das können, sind sie entschuldigt; aber durch diese Prüfung sollten sie erst hindurch gehen.
Neulich Nachts wachte ich mit plötzlichem Schreck auf. Mir träumte, dass mein Herz still stände und dass der Schweiß auf meiner Stirne sei. Ich hatte meine Uhr auf dem Tisch an meiner Seite und es war sonderbar, dass sie gerade in der Minute stillgestanden. Ich denke, mein Ohr hatte das Ticken vermisst und den Traum erfunden, dass mein Herz stillstände. Ach, ich wollte, dass jeder Christ, wenn er fühlt, dass er nicht Werke der Frömmigkeit vollbringt, in jähem Schreck ausspränge und sagte: „Steht mein Herz still? Bin ich eigentlich ein Christ oder nicht?“ „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen;“ das heißt, andre Leute. Meint ihr nicht, dass ihr euch selbst auch so erkennen solltet? Wenn ihr nichts für Christum tut, solltet ihr da nicht zweifeln, ob ihr Ihn liebt? Als ich in Mentone war, hörte ich, dass das Land, ehe die Engländer dahin kamen, nach der Zahl der Olivenbäume, die darauf standen, geschätzt sei. Das ist die Art, sich selbst zu schätzen, die Kirche zu schätzen nach der Fruchtbarkeit. Trägst du irgendwelche Frucht für Christum? Als ich durch Marseille kam und man ein Feuer im Zimmer anmachte um meines Rheumatismus willen, sah ich den Mann etwas in den Kamin stecken und bat ihn verwundert, es mich ansehen zu lassen. Es war, was ich dachte, Weinreben. Wenn ein Rebe keine Frucht trägt, ist er zu nichts gut. Man kann nicht den kleinsten nützlichen Artikel aus ihm machen. Kann man auch nur einen Topf dabei übers Feuer hängen? Er ist zu nichts als zum Brennen nütze, wenn er nicht fruchtbar ist. Ein unfruchtbarer Kaufmann oder ein unfruchtbarer Professor der Wissenschaft mag irgendeine Art von Nutzen haben; aber ein unfruchtbarer Christ ist zu nichts gut. „Man sammelt sie und wirst sie ins Feuer und muss brennen.“
Ich begann mit dem Vorrecht des Wirkens für Christum; ich schließe mit der Notwendigkeit desselben. Wenn Sie keine Frucht für Ihn tragen, sind Sie dann überhaupt Seine Jünger? Können Sie beweisen, dass Sie Ihm angehören? Die Errettung geschieht nicht durch Werke, aber die Errettung erzeugt Werke, und solche Werke, wie sie sich in unsrer Mission zeigen. „Als mit den Klugen rede ich.“ Richten Sie, was ich sage. Bei den sterbenden Myriaden bitte ich Sie, ermannen Sie sich, mit Christo für ihre Errettung zu arbeiten. Bei Seinem Blut und Seinen Wunden, die Sie aus Ihrem eigenen Verderben retteten, hören Sie nicht auf, zu beten und zu arbeiten, bis das Lied, das Wort des Liedes erfüllt ist:
Im Himmel und auf Erden
Ist alle Macht nur Dein,
Bis alle Völker werden
Zu Deinen Füßen sein.
Bis die von Süd' und Norden,
Bis die von Ost und West
Sind Alle Gäste worden
Bei Deinem Hochzeitfest.“