Spurgeon, Charles Haddon - Reden - daheim und auswärts - Gebet und Glaube.
Ansprache in der „London Tavern“ während der Woche des Vereinten Gebets“, Januar 6, 1874.
Es ist mir ungemein schwer geworden, eine Antwort auf die Frage zu finden, welches ein passender Gegenstand wäre, über den ich zu Ihnen reden könnte, denn es gibt tausend Themata, wovon sich jedes unsrer Beachtung aufdrängt; aber mir kam der Gedanke, da dieser Tag und die Gottesdienste dieser Woche ein Jahr des Gebetes feiern, so täte ich am besten, über die Erfolge des Gebetes zu sprechen. Ich bin gewiss, je wirklicher unsre Religion wird, je mehr sie gesunder Menschenverstand wird, desto besser für uns. Mir fällt es auf, dass sehr Viele es ernst mit ihrem Geschäft nehmen, während sie mit der Religion spielen, und diese ansehen, als wäre sie ein Ding im Reiche der Einbildung, eine sehr angemessene Sache allerdings, aber ohne Inhalt, ein Ding, dem man aus gewissen Gründen Rücksicht schuldig sei; aber nicht eine Sache wirklicher, tiefer, tagtäglicher Notwendigkeit. Deshalb wird das Gebet auch sogar von Christen nicht immer betrachtet, wie es doch der Fall sein sollte, als ein wirkliches Geschäft mit Gott, und ein tatsächliches Verhandeln mit dem Allerhöchsten. Kürzlich ist sogar die Lehre aufgebracht, der einzige Nutzen des Gebets sei für uns selber, es sei für unsre Gemütsstimmung wohltätig usw. Das scheint den alten Heiligen nicht in den Sinn gekommen zu sein; denn in den Psalmen scheint David ungestüm vor Gott, um gehört zu werden und Antwort zu erhalten, er ruft einmal übers andere: „Erhöre mich bald.“ Es scheint dem königlichen Psalmisten nicht beizufallen, dass, wenn er die und die Worte ausgesprochen und sie eine Wirkung auf seine Seele gehabt, das ganze Resultat des Gebets schon erreicht sei und er es damit bewenden lassen müsse. Nein; er richtete sein Gebet an Gott, und wenn er den Pfeil in den Himmel abschoss, blickte er hinauf, um zu sehen, ob er die Zielscheibe getroffen und ging nicht befriedigt hinweg, wenn nicht wirklich etwas getan war.
Nun, erlauben Sie mir, jedem Manne der Welt hier, der jene Lehre vom Gebet haben mag, zu sagen, dass Einige von uns eben so wohl bei Sinnen sind, wie Sie, und wir hoffen, ebenso ehrlich, und doch versichern wir Sie feierlichst, dass wir die Wirksamkeit des Gebetes ebenso wenig zu bezweifeln wagen, wie unsre eigne Existenz, weil Gott uns nicht fünfzig oder hundert, oder tausend Mal erhört hat - nein, wir leben im Gebete und sind an Erhörungen desselben gewöhnt. Gebet ist für uns nicht eine Sache des Morgens und des Abends und des Mittags allein; es ist die wahre Atmosphäre, in der wir leben, und Antworten auf unser Gebet zu erhalten ist für uns viel gewöhnlicher, als unser täglich Brot zu essen. Wenn Einige hier die Kraft des Brotes zur Erhaltung des Körpers leugnen wollten, so könnten wir kaum unsern Gleichmut bewahren, beim Versuch, mit ihnen zu streiten; wir würden glauben, sie hätten den Verstand verloren; und wenn Jemand uns sagt, es sei keine Wirksamkeit im Gebet, so wird ungefähr dasselbe Gefühl in uns aufgeregt, als wenn wir nicht darüber streiten könnten, da es etwas so Gewöhnliches ist. Keine Sonne? Mann, sich hinauf zu ihr. Keine Lust? Atme sie. Kein Brot? Iss es. Und unsre einzige Antwort, die wir zuweilen einigen Zweiflern geben können, ist: Versucht es selbst; und bis ihr mit demütigem Herzen zu eurem Schöpfer gegangen seid und ihn um Gaben gebeten, seiner eigenen Verheißung gemäß, und er euch abgewiesen, habt ihr nicht die Probe mit eurer Theorie angestellt, und habt keinen Grund, mitzusprechen. Alles, was ihr sagen könnt, ist, dass ihr nie Erfolg davon gesehen, weil ihr es nie versucht habt; aber schenkt denen, welche es versucht haben und die anerkennen, dass es erfolgreich ist, einigen Glauben. Wenn nicht, so wird es ihnen wenig ausmachen, sie werden grade so fortfahren, wie bisher, es wird nur eure Sache sein.
Aber dennoch, hier ist ein Jahr des Gebets gewesen, und ist irgendein Resultat daraus erwachsen?
Wir sind verpflichtet, die Frage zu tun, liebe Freunde, haben Ihre Gebete Erfolg gehabt? Lassen Sie es uns hier bekennen, dass es sehr viele Gebete gibt, die zu keinem Resultat führen, weil es nicht Gebete sind, denen ein Resultat versprochen ist; es sind in Wirklichkeit gar keine Gebete vor den Augen des Allerhöchsten. Die Wiederholung der besten Worte ist nicht Gebet. Gebet ist, Gottes Verheißung in unser Herz fassen und sie ihm vorhalten. Das ist der wahre Kern des Gebets. Um ein sehr alltägliches Gleichnis zu brauchen, der Gnadenthron ist die Bank und das Gebet nimmt die Verheißung wie einen Wechsel, legt ihn auf den Zahltisch und geht mit dem Gelde fort. Es bekommt, was Gott zu geben verheißen hat. Nun, es gibt einige Gebete, die keinen Erfolg haben, weil keine Verheißung in ihnen geltend gemacht wird. Viele Gebete sind mangelhaft, weil die Verheißung fehlt. Ich darf Gott bitten, um was ich will, aber ich bin verbunden, ihm zu sagen, „Du hast dies verheißen“ oder „Du hast das verheißen.“ Das heißt, den Wechsel auf den Tisch legen, und ich kann weggehen. Ich weiß, ich bete sehr verschieden von einigen Leuten. Ich kann nicht gut halbe Stunden lang beten, meine Gedanken beginnen abzuschweifen; aber wenn ich Gottes Verheißung erhalte, geh ich und lege sie vor ihm nieder, und ich weiß, er wird es mir geben, und ich erwarte, es zu bekommen. Mir scheint, wenn Jemand eine halbe Stunde lang in der Bank umherstehen wollte, ohne den Wechsel zu präsentieren, so würde das nicht von viel Vertrauen in den Bankier zeugen. Sie brauchen darum nicht zu denken, dass das Gebet eine Sache von wenig Minuten sein werde, und damit vorbei. Nein, denn Sie werden eine andre Verheißung haben und eine andre, und eine andre, um in einem Augenblick wiederzukommen.
Das Gebet besteht nicht darin, dass man eine Menge guter Dinge zu Gott sagt, der sie alle vorher weiß. Es besteht darin, dass man seine Wahrhaftigkeit herausfordert und im Namen Jesu sagt: „O Gott, Du hast gesagt, Du willst dies oder das tun; nun, tue es.“ O, dass Gottes Verheißungen mehr unter Christen im Umlauf wären, als sie es sind. Es sind Männer in diesem Saal, deren Name, auf einem Stück Papier geschrieben, dies Papier durch die Stadt zirkulieren machen würde, so leicht wie echtes Gold; aber: „Saget es nicht an zu Gath, verkündet es nicht auf der Gasse zu Asklon,“ ich habe selbst Gottes Volk manchmal sagen hören, sie fänden es schwer, zu glauben. O, furchtbare Beleidigung des allmächtigen Gottes! Es ist nicht schwer, meinem Mitmenschen zu glauben nach Jahren der Rechtschaffenheit und Integrität; ich wollte ihm mein Leben anvertrauen; und ich kann meinem Gott nicht trauen? Wenn Gebete keinen Erfolg haben, so liegt dem ein Mangel an Glauben zu Grunde, ein Mangel an wirklichem Gefühl davon, dass Gott die Verheißung gegeben und dass Gottes Verheißung wahr sein und bleiben muss. Himmel und Erde werden vergehen, aber keine Verheißung unseres Gottes wird fehlschlagen. Gehen wir nicht oft der Antwort auf unser Gebet verlustig, weil wir handeln wie Jemand, der in die Bank hineinkäme mit einem vollkommen guten Wechsel, ihn auf den Tisch legte und dann davonginge? Natürlich, wenn er bei Sinnen gewesen, würde er gewartet haben, bis ihm das Geld eingehändigt wäre; oder wenn er nicht auf Sicht zahlbar gewesen, würde er zur rechten Zeit wieder gekommen sein. Handeln wir so in unsern Gebeten? Bitten Sie Gott um etwas und fragen Sie dann am nächsten Morgen: „Ist es gekommen?“ Sie kennen die Kindergeschichte, nicht kindisch an sich, aber von einem Kinde, das, als die Leute zusammenkamen, um Regen zu beten, einen Regenschirm mitnahm, weil es dachte, es würde auf dem Heimgange sonst nass werden. Ich habe etwas von Gott erbeten: Er hat es verheißen. Wird Er es geben? Gott verhüte die Frage. Er hat sich dazu verpflichtet, und wenn Er sich nicht ändern und nicht lügen kann, muss Er der Verheißung treu sein, die Seine Kinder geltend machen können. Viele unserer Geld-Anweisungen lauten „auf Ordre“ und der Inhaber muss seinen Namen auf die Rückseite schreiben; ich glaube, Gottes Verheißungen sind meistens „auf Ordre,“ und wir schreiben unsern Namen nicht auf die Rückseite; wir glauben nicht, dass Gott es wirklich so meint. Wenn du mit Nachdenken betest, füge deinen Namen dazu und sprich: „Mein Gott, ich glaube Deiner Verheißung und habe es nötig, dass sie erfüllt wird, und bitte unter den Bedingungen, die Du selbst gestellt hast, nämlich durch Jesum Christum und zu Deiner Ehre - kannst Du Dein Wort zurückziehen?“
Nun, wenn solches Bitten wie dies stattgefunden, so werden die Antworten sicherlich kommen. Gott will das Gebet hören und erhören. Es ist gesagt worden: „Aber wird das Gebet die Ratschläge Gottes ändern?“
Nein, und es ist keine Notwendigkeit dafür da; denn unsre Gebete sind nur der Wiederschein von Gottes Ratschlüssen. Gott treibt sein Volk an, um das zu bitten, was Er vor hat, zu tun, und Gebet und Vorherbestimmung laufen parallel mit einander. „Aber denkt ihr, Er werde die Naturgesetze umstoßen?“ Nein, vor Alters tat Er es. Er war gleich dem Meister einer Maschine, der, wenn etwas daran zu tun ist, sie stillstehen lässt und die Tätigkeit aufhebt. Wohl, mit aller Ehrfurcht vor dem Höchsten sei es gesagt, es war eine glorreiche Verfahrungsweise und setzte die Menschheit in Staunen, aber es war etwas Gewaltsames dabei; es war ein Innehalten Seines gewöhnlichen Ganges. Heutzutage wirkt Gott Wunder ohne Wunder. Er lässt die Maschine weiter gehen, grade wie vorher, und doch werden die Gebete Seines Volks ebenso sehr erhört, als wenn Er die Tätigkeit der ganzen Maschine aufgehoben hätte. Wir glauben und freuen uns der Wunder, die größer sind als Wunder, weil sie nicht die Aufhebung auch nur Eines Naturgesetzes erfordern; und doch werden die Absichten Gottes und die Gebete Seines Volkes erfüllt.
Das Gebet, was in diesem Jahre dargebracht worden, warum Erfolg für die Kirche und die Kirche hat keinen Erfolg gehabt. Das ist eine beklagenswerte Tatsache. Hier und da bricht eine Erweckung aus und es sind Stellen, wo der Regen gefallen ist und gute Frucht erzeugt; aber mir ist bange, die am meisten Sanguinischen können das Jahr 1873 nicht als ein Jahr durchschnittlichen Erfolges rechnen, gewiss nicht als eines besonderen Gedeihens. Sind die Gebete denn erhört worden? Wohl, Sie müssen sich erinnern, dass Gebet nicht Alles ist, und dass Gebet unter gewissen Bedingungen erhört wird; und wenn wir diese nicht erfüllen, können wir keine Erhörung erwarten. Z. B. Ein Mädchen in der Schule betete zu Gott, dass sie ihre Lektion wissen möchte und dann lernte sie dieselbe gar nicht. Wir sehen alle die Abgeschmacktheit davon ein. So bitten wir mitunter Gott, Sünder zu bekehren, aber wir sprechen nie mit ihnen und zeigen unsre Angst um sie nie durch persönliche Versuche. Wir können nicht erwarten, dass Gott ein Gebet erhöre, das in Wahrheit nur das Skelett eines Gebetes ist, ohne Leben; denn wenn es lebendiges Gebet gewesen, hätte es von entsprechender Handlung begleitet sein müssen. Denken Sie, dass die Kirche Gottes eine Tätigkeit entwickelt hat, die ihrem nominellen Gebete entspricht? Ist es überall so gewesen? Wir sollen nicht richten, nur dass wir Feder uns selbst richten wollen. Ist es nicht Tatsache, dass die meisten Kirchen mit ihrem eigenen Gedeihen beschäftigt gewesen sind und nicht weitherzige Rücksicht auf das Gedeihen der ganzen Kirche Jesu Christi genommen haben? Und mag nicht der Herr uns zürnen wegen unsrer Selbstsucht in dieser Hinsicht? Sind nicht eine große Menge Spaltungen unter uns, die Folge des Irrtums sein müssen, der hier oder da sich findet? Ist nicht ein Hängen an unsrer alten Weise vorhanden, statt dass Feder zur Schrift gehen und suchen sollte, zu tun, was der Herr uns heißt, in des Herrn eigner Weise? Ist es nicht auch möglich, dass in einigen Kirchen die Tätigkeit guter Leute unterdrückt worden ist? Das Priestertum bleibt noch lange am Leben, nachdem der Name aufgegeben ist. Es ist manchmal ein Schauder da vor einem Bruder, der versucht, Seelen zu gewinnen, wenn er nicht „Ehrwürdiger Herr“ genannt wird. Ich habe große Ehrfurcht vor „ehrwürdigen Herren“; aber ich habe auch sehr große Ehrfurcht vor Allen, welche dem Herrn dienen, ob sie von Menschen ehrwürdig genannt werden oder nicht; und wenn wir Diener Gottes zurückdrängen oder ihr Tun verachten, mag das nicht Gottes Werk hindern?
Ferner, denken Sie nicht, Sie großen Geschäftsmänner, dass bei vielen von Ihnen Ihr Christentum nicht die rechte Stellung einnimmt im Verhältnis zu Ihrem Geschäft? Der Christ in der ersten christlichen Zeit war erstens ein Christ, zweitens ein Landmann, Fischer rc. Ist es heutzutage nicht immer so, dass Der und Der zu allererst ein Bankier oder ein Kaufmann ist und dann ein Christ? Aber es ist ein langer Weg zwischen beiden. Seine Religion ist eine Nebenpachtung, die er meist durch einen Verwalter besorgen lässt; er wohnt nicht auf dem Grundstück und arbeitet dort nicht, und dies ist doch die Hauptsache. Es scheint mir, dass, wenn ein Mensch ein Christ ist, das Christentum ihn ganz verzehren sollte. Es sollte ihn ganz durchdringen, so dass er zuerst und zuvörderst als ein christlicher Mann bekannt wäre. Lassen Sie ihn in allem Übrigen seinen Nebenmenschen gleich stehen, und ich denke, er könnte ihnen sogar an Geschäftstakt und Fähigkeit überlegen sein. Ich glaube, dass die Religion seinen Verstand schärfen und dass häufige Gemeinschaft mit Gott in: Gebet ihm jene gelassene Stimmung geben wird, die ihn in Stand setzt, sein Geschäft umso besser zu besorgen. Aber das Erste für einen erretteten Menschen ist, Gott zu verherrlichen, und wenn Sie in einer Stellung sind, wo dies nicht das Erste sein kann, so ist es die Frage, ob Sie diese Stellung überhaupt einnehmen sollten. „Christus ist mein Leben“ muss das Wort jedes Erretteten, nicht nur des Apostels sein. Aber, gesetzt dies wäre nicht der Fall. Ist es denn ein Wunder, wenn wir das Gebet nicht erhört sehen? Es scheint kein Gebet zu sein, das von Herzen kommt, da es nicht durch entsprechendes Handeln unterstützt wird. O, wenn wir die Ehre Gottes wünschen, so lassen Sie uns dieser Ehre leben. Vergeblich ist es, mit Gott im Gebete zu reden, wenn wir so nicht leben. Welche Opfer brachten jene ersten Christen! Ihre Gebete waren wahrhaftig, weil sie Alles um Christi willen hingaben. Wo ist die Selbstaufopferung jener ersten Zeit? Hier ist ein großes Heer von uns, Einer den Andern interessierend, amüsierend, Einer dem Andern gefallend, vielleicht Einer den Andern erbauend; und da ist die große Welt draußen, mit nur hie und da einem sich abmühenden Missionar, der das Evangelium predigt. „O, aber welcher Verein kann uns aussenden?“ Ich danke Gott für alle Vereine; aber die Welt wird nie durch Vereine bekehrt werden. Die Zeit muss kommen, wo der Geist durch uns Alle wirken wird, und wir fühlen werden, dass wir die Welt für Christum gewinnen müssen. Die große Bewegung zur Zeit der Kreuzzüge war nicht, weil einer oder zwei ausgingen, gegen die Sarazenen zu fechten; sondern, weil der Enthusiasmus durch alle Völker des Westens drang, als Peter der Einsiedler den Kreuzzug predigte. „Deus vult“ war der Ruf; und da gaben die Menschen ihr Gewerbe und Alles auf für die Don Quixotische Eroberung des Heiligen Landes. Es ist kein Don Quixotismus, Seelen zu gewinnen. Das ist die wahre Sache, wofür es der Mühe wert ist zu leben. Und sollen wir nie die Kirche Gottes so voll göttlicher Kraft sehen, dass christliche Männer und Frauen in Menge ihr Vermögen bringen und sagen: „Hier ist es; wir wollen dies, und uns selber für die Ausbreitung des Evangeliums von Jesu Christo geben?“ „Das ist Fanatismus,“ wird Jemand sagen. Der Herr, der allmächtige Gott, sende uns den Fanatismus in Fülle, weil dann Gott, wenn wir beten „Dein Reich komme,“ zu uns sprechen wird: „Ihr meint, was ihr sagt. Ich kann sehen, dass ihr euch dafür anstrengt;“ und dann wird die Erhörung kommen und der Triumph Christi über alle Völker. Halten Sie es für zu viel, zu erwarten, dass die Menge der Christen dies tun werde? Wenn wir einen Mann antreffen, der sagt: „Ich bin für Christus, und denke das Evangelium in fernen Gegenden auszubreiten,“ so heben wir die Hände in die Höhe und sagen: „Was für ein Wunder von Selbstaufopferung!“ Wie, in der römischen Kirche sind Hunderte und Tausende von Männern und Frauen, die ihr ganzes Leben und ihr Eigentum dem widmen, was sie ein religiöses Leben nennen; und soll ihre Religion mit all ihren Irrtümern einen Enthusiasmus erzeugen, dessen unsre nicht fähig ist? Kann es möglich sein, dass Irrtum, wofür wir es halten, Menschen ein Leben voll Eifer für Christum führen lässt, und dass doch wir, die wir sagen, dass wir die Wahrheit Gottes in unsern Herzen haben, nur einen elenden Teil unseres Einkommens für die Sache Christi geben eine kleine freie Abendstunde, wenn es vielleicht unserm Vergnügen dient, und das ist Alles? Unsere Werke können nicht hinauf zu Gott als wirkliches Gebet gehen, wenn nicht das Tun dahinter steht.
Ich fürchte, dass ich meine Zeit überschreite, aber es mag Jemand hier sein, der sagt: „Dies ist alles für christliche Leute; hast du mir nicht ein Wort zu sagen? Ich möchte errettet werden.“ Mein lieber Freund, wenn ein Mensch wünscht, errettet zu werden, so kann er gewiss sein, dass er seinem Gotte nicht zuvorgekommen ist. „Da er aber noch ferne von dannen war, sah ihn sein Vater und jammerte ihn, lief und fiel ihm um seinen Hals.“ Wenn du Gott wünschest, so wünschet Er dich. Wenn nur ein Funke Verlangens nach Ihm in deinem Herzen ist, so ist ein ganzer Feuerofen von Liebe in Seinem Herzen zu dir; und der Weg, errettet zu werden, ist kein schwieriger; es ist einer, der zurückgelegt werden kann, während du dort auf deinem Stuhle sitzt. Wer an den Herrn Jesum Christum glaubt, soll errettet werden. Glauben heißt vertrauen nur eben, die Seele Ihm anvertrauen. Es heißt, das tun, was die Leute mit ihrem Gelde beim Bankier tun. Sie nehmen es und lassen es da und sind ganz zufrieden gestellt, dass alles richtig sein wird. So solltest du gehen und deine Seele in Christi Händen lassen und sagen:
„Ich weiß, dass sicher bei Ihm ruht,
Beschützt von Seiner Macht,
Was ich vertraute Seiner Hut,
Bis zur Entscheidungsstund‘.“
Ich hörte neulich Sonntags einen jungen Mann ein hübsches Gleichnis gebrauchen, als er zu einer Anzahl Kinder sprach. Er sagte, als er im Hochlande gereist wäre, hätte er mehrere Pforten getroffen, wo er einen Groschen oder so zu bezahlen hatte, um hindurch zu gehen; und als er zu einer Pforte kam, steckte er seine Hand in die Tasche, um zu bezahlen, aber ein kleines Mädchen lief voraus und schloss sie auf. „Sie haben nichts zu bezahlen,“ sagte sie, „aber Sie haben zu sagen: Bitte, erlauben Sie mir, hier durchzugehen, und sie sollen hindurchgehen.“ „Wohl,“ sagte er, „ich bedachte mich nicht; ich sagte es.“ Der Eigentümer wünschte sein Recht zu wahren, das war Alles. Nun, Du hast Gott nichts zu bezahlen. Christus ist die Tür; Alles, was du zu sagen hast, ist: „Bitte, lass mich durchgehen.“ Das ist das Ganze. Nur erkenne an, dass du kein Recht dazu hast, sondern bitte darum und du wirst es empfangen; denn in diesem Fall heißt es: „Wer da bittet, der empfängt, und wer da sucht, der findet, und wer da anklopfet, dem wird aufgetan.“ O, ich denke, junger Mann, wenn ich nicht Christum als meinen Heiland hätte, in diesem Augenblick, so würde ich meine Augen nicht im Schlafe schließen mögen, ehe ich Ihn hätte; denn die Freude und der Friede, zu wissen, dass man in Christo ruht, ist etwas, dem nichts gleichkommt und das sicher nicht übertroffen werden kann. Alle Reichtümer und Schätze dieser Welt können nicht solche Freude geben. „Und ist das Alles, was ein Mensch tut, um errettet zu werden? Traut er einfach auf Jesum?“ Ja, das ist Alles. „Aber sind keine guten Werke da?“ Nachdem er gerettet ist, werden viele guten Werke da sein, und sie werden diesen Vorzug haben, dass sie nicht mit der Absicht der Selbsterrettung vollbracht worden und folglich nicht selbstsüchtig sind, sondern aus Dankbarkeit und Liebe für empfangene Gnade getan, und deshalb wird etwas in ihnen sein, was vor dem himmlischen Vater allezeit annehmbar ist. Glaube du zuerst und wirke hernach. Erlange Leben in Christo, indem du dich einfach zu Seinen Füßen wirfst und dann gehe aus, und um Seiner Liebe willen gib dich selbst und alles was du hast, hin, dass du Andere in denselben seligen Zustand der Versöhnung und Freude hineinbringen mögest. Gott segne Sie Alle, Geliebte, in Ihrem Gebete, um Christi willen!