Spurgeon, Charles Haddon – Aus der Schatzkammer Davids – Der 3. Psalm.
Überschrift.
Ein Psalm Davids, da er floh vor seinem Sohn Absalom. Man wird sich der traurigen Geschichte von Davids Flucht aus seinem eigenen Palaste erinnern, da er in der Totenstille der Nacht den Kidron überschritt und sich mit seinen wenigen Getreuen eine Weile vor dem Wüten seines aufrührerischen Sohnes Absalom verbergen ging (2. Sam. 15). Man bleibe dabei dessen eingedenk, dass David hierin ein Vorbild auf unseren HErrn Jesum Christum war. Auch er entwich; auch er ging über den Bach Kidron, als sein eigenes Volk gegen ihn in Aufruhr war, und mit einer kleinen Schar von Jüngern lenkte er seine Schritte nach dem Garten Gethsemane.
Viele Ausleger benennen diesen Psalm das Morgenlied. Gebe Gott, dass wir stets mit heiliger Zuversicht im Herzen und einem Gesang auf unseren Lippen erwachen.
Einteilung.
Der Psalm zerfällt in 4 Teile von je 2 Versen. Manche Psalmen erschließen sich dem Verständnis nicht recht, wenn man nicht aufmerksam deren Strophenbau beachtet; denn viele sind nicht etwa eine fortlaufende Beschreibung einer Szene, sondern gleichen vielmehr einer Reihe von Bildern, die mehrere einander verwandte Gegenstände darstellen. Wie wir beim Predigen es gewohnt sind, unsere Rede in verschiedene Hauptteile zu scheiden, so ist es in diesen Psalmen. Stets ist Einheitlichkeit darin, aber es ist die Einheit eines Bündels Pfeile und nicht diejenige eines einzelnen Pfeils. Sehen wir nun, wie der vorliegende Psalm gebaut ist. In Vers 2 und 3 bringt David eine Klage wegen seiner Feinde vor Gott; sodann gibt er Vers 4 und 5 seinem Vertrauen auf den HErrn Ausdruck, Vers 6 und 7 singt er davon, wie sicher er im Schlafe geruht habe, und Vers 8 und 9 stärkt er sich für den bevorstehenden Kampf.
Auslegung.
2. Ach, HErr, wie sind meiner Feinde so viel,
und setzen sich so viele wider mich!
3. Viele sagen von meiner Seele:
Sie hat keine Hilfe bei Gott. Selah.
Gebrochenen Herzens klagt der arme Vater über die Menge seiner Feinde. Lesen wir 2. Sam. 15 die Erzählung von dem Aufruhr Absaloms, so sehen wir Vers 12, dass „der Bund (der Verschwörung) stark ward und das Volk zulief und sich mehrte mit Absalom“, während Davids Mannschaft sich beständig verminderte. „Ach HErr, wie sind meiner Feinde so viel!“ Dieser Ausruf ist der Ausdruck des tiefen Wehs, welches den fliehenden Vater in Bestürzung und Verwirrung versetzte. „Ach, ich sehe kein Ende meines Elends, meine Not wird immer größer. Der Anfang dieses Leids war schwer genug, mich in die Tiefe zu stürzen; aber wehe mir, meine Feinde vervielfältigen sich. Dass Absalom, der Liebling meines Herzens, sich wider mich empört, ist genug, mir das Herz zu brechen; aber wehe, Ahitophel hat mich verlassen, meine treuesten Ratgeber wenden mir den Rücken, meine Feldherrn und Krieger lassen mein Panier im Stich.“ Ein Unglück kommt selten allein, die Bedrängnisse kommen zumeist in Scharen. Mutter Trübsal hat eine zahlreiche Familie.
„Und setzen sich so viele wider mich.“ Ihr Heer ist so viel größer als das meine. Ihre Zahl ist zu groß, als dass ich sie zählen könnte.
Wir wollen uns hierbei die unzählbaren Scharen ins Gedächtnis rufen, welche unseren göttlichen Erlöser von allen Seiten bedrängten. Die Legionen unserer Sünden, die Scharen der Feinde, die Menge der körperlichen Schmerzen, das Heer geistlicher Kümmernisse und all die Verbündeten des Todes und der Hölle rüsteten sich zur Schlacht wider den Menschensohn. Wie köstlich ist es zu erkennen und zu glauben, dass er diese Heere alle in die Flucht geschlagen und sie in seinem Zorne zu Boden getreten hat. Die uns ins Unglück bringen wollten, hat er in Ketten geschlagen, und die sich wider uns erheben wollten, in den Staub gebeugt. Der Drache verlor seinen Stachel, als er denselben in Jesu Herz bohrte.
David weiß, dass Gottes liebendes Herz ihm offen steht; darum klagt er ihm die tiefste Not, sagt seinem Gott von der schlimmsten Waffe, mit welcher seine Feinde ihn angreifen, und von dem bittersten Tropfen in seinem Trübsalsbecher: „Viele sagen von meiner Seele: sie hat keine Hilfe bei Gott.“ Manche Freunde Davids, die das Vertrauen zu seiner Sache verloren hatten, mögen betrübten Herzens so gesprochen haben; aber seine Feinde rühmten also mit Frohlocken und warteten begierig darauf, dass ihre Worte durch seinen völligen Untergang bestätigt würden. Das war der liebloseste Stich von allen, als sie erklärten, sein Gott habe ihn verlassen. Und doch sagte ihm sein Gewissen, dass er ihnen etwelchen Grund zu solcher Rede gegeben, hatte er doch am hellen Tage gegen Gott gesündigt, siehe 2. Sam. 12, besonders Vers 11. Da schleuderten sie ihm denn sein Vergehen mit Bathseba ins Angesicht und sagten: Weg mit dir, du Blutmensch, Gott hat sich von dir gewandt, er hat dich verlassen. Simei fluchte ihm und schmähte ihn ins Angesicht, 2. Sam. 16, 5 ff.; er war frech, weil er viele hinter sich wusste, denn Scharen von Belials-Leuten dachten von David gleicherweise. Ohne Zweifel fühlte David, dass das eine höllische Einflüsterung war, die seinen Glauben wanken machen sollte. Wenn all die Prüfungen, die uns vom Himmel gesandt werden, all die anderen Versuchungen, die aus der Hölle aufsteigen, und all die Leiden, die von der Erde herkommen, sich in eine große Prüfung zusammendrängten, würde diese doch noch nicht so schrecklich sein, wie die in unserem Verse enthaltene. Es ist die bitterste aller Trübsale, zu der Furcht verleitet zu sein, als sei bei Gott keine Hilfe mehr für uns. Und doch, lasst uns nicht vergessen, dass unser hochgelobter Heiland gerade dies im höchsten Grade zu erdulden hatte, da er ausrief: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Er wusste nur zu wohl, wie es dem zu Mute ist, der im Finstern wandelt und scheinet ihm kein Licht (Jes. 50, 10). Das war Pein über alle Pein. Das war Wermut mit Galle vermischt. Von seinem Vater verlassen zu sein war schlimmer als von den Menschen verabscheut zu werden. Fürwahr, wir sollten ihn lieben, der diese bitterste aller Versuchungen und Trübsale um unsertwillen erduldet hat. Für Herzen, die Jesum lieben, wird es köstlich und zugleich lehrreich sein, zu betrachten, wie der HErr hier in seinen Seelenkämpfen abgebildet ist; denn in diesem Psalm ist wie in vielen anderen viel mehr von Davids Herrn als von David selbst die Rede.
Selah ist ein musikalisches Zeichen, dessen Bedeutung aber viel umstritten ist. Einige meinen, es bedeute einfach einen Ruhepunkt, ein Schweigen der Musik; nach anderen dagegen soll es sagen: Erhebt den Ton, singt lauter, stimmt eine fröhlichere Weise an - das Lied wird erhabener, darum stimmt eure Harfen wieder. Die Saiten der Harfe kommen leicht aus der Ordnung und bedürfen es oft, wieder auf die richtige Höhe gebracht zu werden. Sicherlich kommen aber die Saiten unseres Herzens auch gar leicht aus der Stimmung. Da lehrt uns das Selah beten: Halte Du, HErr, mein Herz in der rechten Stimmung, gleich Davids geweihter Harfe. Jedenfalls soll uns das Selah, wo immer wir ihm begegnen, zu besonders aufmerksamem Lesen des Vorhergehenden und Nachfolgenden anregen; denn da ist gewiss etwas besonders Wichtiges zu finden, wo wir zu stillem Nachdenken oder nach der anderen Auffassung zu frohlockendem Gesange aufgefordert werden.
4. Aber Du, HErr, bist der Schild für mich,
und der mich zu Ehren setzt, und mein Haupt aufrichtet.
5. Ich rufe an mit meiner Stimme den HErrn;
so erhört er mich von seinem heiligen Berge. Selah.
Nun gibt David seinem Vertrauen zu Gott Ausdruck. „Aber Du, HErr, bist der Schild für mich.“ Welch ein Schild ist Gott für die Seinen! Er wehrt die feurigen Pfeile Satans von unten und die Wetter der Trübsal von oben ab, während er zugleich dem in der Brust tobenden Sturme Ruhe gebietet. „Du bist, der mich zu Ehren setzt.“ Wiewohl David mit Verachtung und Hohn von seiner Hauptstadt vertrieben ist, weiß er, dass er im Triumphe zurückkehren wird, und im Glauben blickt er zu Gott auf als dem, der ihn zu Ehre und Herrlichkeit bringen wird. Dass es uns auch geschenkt werde, inmitten der gegenwärtigen Schmach so unsere zukünftige Herrlichkeit zu schauen! Ja, es gibt eine gegenwärtige Herrlichkeit in unseren Trübsalen. Könnten wir sie nur wahrnehmen! Denn es ist keine geringe Sache, mit Christo an seinen Leiden teil zu haben. David ward eine hohe Ehre zu teil, als er weinend und verhüllten Hauptes den Ölberg hinanging (2. Sam. 15, 30); denn in dem allen ward er seinem Herrn ähnlich gemacht. Mögen wir lernen, im Blick darauf uns auch unserer Trübsale zu rühmen. „Und der mein Haupt aufrichtet.“ Du wirst mich erhöhen. Wiewohl ich jetzt mein Haupt in Betrübnis hängen lasse, werde ich es bald voll freudigen Dankes aufrichten. Welch ein göttlicher Dreiklang von Gnaden ertönt in diesem Verse -: Schutz für den Schutzlosen, Ehre für den Geschmähten, Freude für den Trostlosen. Wahrlich, wir haben wohl Ursache, mit Mose (5. Mose 33, 26) auszurufen: Es ist kein Gott wie der Gott Jesuruns.
Ich rufe an mit meiner Stimme den HErrn. Warum ruft er laut? Sicherlich werden doch stille Gebete erhört. Ja, aber gottselige Leute finden, dass sie auch im Verborgenen oft besser beten können, wenn sie es laut tun. Vielleicht dachte David überdies: Meine grausamen Feinde schreien wider mich; sie erheben ihre Stimme, wohlan, ich will meine auch erheben und sie alle übertönen. Sie schreien, aber der Ruf meiner Stimme in der großen Angst meiner Seele dringt durch die Wolken und ist lauter und stärker als all ihr Gelärme; denn es ist einer im Heiligtum, der horcht aus dem siebenten Himmel auf mein Flehen und erhört mich von seinem heiligen Berge. Gebetserhörungen sind liebliche Herzstärkungen. Wir brauchen eine drohende Welt nicht zu fürchten, während wir uns eines Gottes freuen, der Gebete erhört.
Hier steht abermals ein Selah. Ruhe einen Augenblick, geprüfter Gläubiger, und stimme deine Harfe zu einer sanfteren Weise.
6. Ich liege1) und schlafe,
und erwache; denn der HErr hält mich.
7. Ich fürchte mich nicht vor viel Tausenden,
die sich umher wider mich legen.
Nur der Glaube machte es David möglich, sich niederzulegen; die Angst würde ihn sonst sicherlich auf den Zehenspitzen gehalten haben, nach dem Feind ausspähend. Ja, er konnte schlafen, schlafen inmitten von Angst und Not, umgeben von Feinden. Es gibt einen Schlaf der Vermessenheit; Gott erlöse uns davon. Es gibt einen Schlaf heiligen Vertrauens; Gott helfe uns, so unsere Augen zu schließen. David sagt aber, er sei auch erwacht. Manche schlafen den Todesschlaf; er aber lehnte, wiewohl von vielen Feinden bedroht, sein Haupt an den Busen seines Gottes, schlief glücklich, wohlgeborgen unter den Flügeln der Vorsehung, und erwachte dann wohlbehalten. Denn der HErr hält mich. Das Siebengestirn der Verheißungen Gottes leuchtete mit mildem Glanze über dem Schlummernden, und er erwachte mit dem Bewusstsein, dass der HErr ihn erhalten habe. Ein hervorragender Prediger hat dazu die treffende Bemerkung gemacht: Diese Seelenruhe des Glaubens ist etwas viel Höheres als die mannhafte Entschlossenheit natürlicher Tapferkeit; denn sie ist das Gnadenwerk, des Heiligen Geistes, der den Menschen über die Natur erhebt, und darum gebührt dem HErrn allein die Ehre dafür.
Indem unser Held seinen Harnisch für den Kampf des Tages anschnallt, singt er: „Ich fürchte mich nicht vor viel Tausenden Volks, die sich umher wider mich legen.“ Beachte, wie David nicht versucht, die Zahl oder die Klugheit seiner Feinde zu unterschätzen. Er zählt sie nach vielen Tausenden und betrachtet sie als geschickte Jäger, die ihn mit grausamer Gewandtheit verfolgen. Dennoch zittert er nicht, sondern sieht seinen Feinden kampfbereit ins Auge. Es mag kein Entrinnen geben, sie mögen mich umringen, wie die Jäger das Wild umzingeln; aber in Gottes Namen werde ich mitten durch sie hindurchbrechen. Und wenn ich auch von ihnen eingeschlossen bleibe, werden sie mir doch nicht schaden können, mitten im Gefängnis werde ich frei sein!
Aber David ist zu weise, als dass er sich ohne Gebet in den Kampf wagen würde; darum beugt er seine Knie und ruft laut zu Jehova.
8. Auf, HErr, und hilf mir, mein Gott!
denn du schlägst alle meine Feinde auf den Backen,
und zerschmetterst der Gottlosen Zähne.
Die einzige Hoffnung, die ihm bleibt, ist sein Gott; auf ihn aber traut er mit so starker Zuversicht, dass er weiß: Der HErr braucht nur auf zustehen, so bin ich gerettet. Ja, es bedarf in der Tat nur dessen, dass der Allgewaltige sich erhebt, so ist alles gut. David vergleicht seine Feinde mit wilden Tieren, denen Gott aber den Kiefer zerschlagen habe, so dass sie ihn nicht verletzen können. „Du zerschmetterst der Gottlosen Zähne.“ Oder spielt David mit diesen Worten vielleicht auf die besonderen Versuchungen an, denen er ausgesetzt war, da sie wider ihn redeten (Vers 3), und sagt er darum, dass der HErr sie auf den Backen geschlagen habe? Es hatte den Anschein, als würden sie ihn mit ihrem bösen Maul verschlingen; Gott aber zerschmetterte der Gottlosen Zähne. Lasst sie sagen, was sie wollen! Mit ihren zahnlosen Kiefern können sie mich doch nicht zerreißen. Freue dich, gläubige Seele, du hast es mit einem Drachen zu tun, dem der Kopf zerschmettert ist, und mit Feinden, denen die Zähne ausgebrochen sind.
9. Beim HErrn findet man Hilfe.
Dein Segen komme über dein Volk. Selah.
Hilfe in jeder Beziehung ist nur bei dem Allerhöchsten zu finden. Unser zeitliches und ewiges Heil ruht in Ihm. Dieser Vers, dessen erste Hälfte wörtlich lautet: Jehovas ist das Heil, enthält schon im Keime die Summa der evangelischen Gnadenlehre. Wer die Schrift mit erleuchtetem Verständnisse durchforscht, muss die Überzeugung gewinnen, dass die Lehre vom Heil allein aus Gnaden die eine große Lehre des Wortes Gottes ist. Des HErrn ist das Heil: für diese Wahrheit stehen wir täglich im Kampfe. Unsere Gegner sagen: Das Heil ist Sache des Menschen - wenn nicht seines Verdienstes, so doch seines freien Willens; wir aber glauben und lehren, das Heil sei von Anfang bis zu Ende, und bis ins Kleinste hinein, des Allerhöchsten alleiniges Werk. Gott erwählt die Seinen, Er beruft sie durch seine Gnade; Er macht sie lebendig durch seinen Geist und bewahrt sie durch seine Macht. Unser Heil kommt nicht von Menschen noch durch Menschen; es liegt nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen (Röm. 9,16). Mögen wir alle diese Wahrheit aus Erfahrung kennen lernen; denn unser hochmütiges Fleisch und Blut wird es nie zulassen, dass wir sie auf andere Weise lernen. Fassen wir die Schlussworte als Aussage auf: Dein Segen ist über deinem Volke, so tritt uns darin die Herrlichkeit des Israels Gottes entgegen. Nicht auf Ägypten, nicht auf Tyrus, noch auf Ninive ruht dein Segen, sondern auf deinen Auserwählten, deinen Bluterkauften, deinem mit ewiger Liebe geliebten Volke. Dann sagt uns das Selah: Erhebt eure Herzen und sinnt betend über die köstliche Wahrheit nach, dass Gottes Segen auf seinem Volke ruht. Diese aussondernde und erwählende, von einer Ewigkeit zur anderen reichende und unwandelbare Liebe Gottes ist beständiger Anbetung würdig. Meine Seele, halte inne bei diesem Selah, und erwäge, ob du an dem Heil Gottes teil hast; und wenn du in demütigem Glauben Jesum dein nennen kannst, weil er nach seinem freien Willen dich geliebt und sich selbst für dich dargegeben hat, wenn diese größte aller Segnungen auf dir ruht, dann erhebe dich und singe Ihm aus tiefstem Herzensgrunde ein Halleluja!
[Luther fasst mit den meisten Auslegern diesen Schlusssatz als Gebetswunsch: Dein Segen komme über dein Volk. Wir geben zu dieser uns noch treffender scheinenden Auffassung einige Bemerkungen nach Delizsch. David hat bei den vorhergehenden Worten: „Beim HErrn findet man Hilfe“, zunächst an seine eigene Hilfsbedürftigkeit gedacht. Aber als ein rechter König kann er vor Gott nicht sein selbst gedenken, ohne sich mit seinem Volke zusammenzudenken. Darum schließt er mit Fürbitte, statt des Fluches Segen über das abtrünnige Israel erflehend, und er ist darin ein Vorbild des anderen David geworden, der für sein Volk, das ihn gekreuzigt hatte, betete: „Vater, vergib ihnen.“ Die Bitte Davids Vers 8, dass Gott zur Vernichtung seiner Feinde sich erheben möge, richtet sich nicht gegen sein Volk, sondern gegen dessen Verführer und ihre böswilligen Anhänger. Sein Volk trägt er nach wie vor auf liebendem, fürbittendem Herzen. Die Verführten bedauert er, ohne ihnen zu grollen. Überhaupt verschwinden ihm, indem er für das Volk im Ganzen betet, die Unterschiede. Dies Eine Schlusswort des Psalms, bemerkt Ewald, wirft einen hellen Schein in das Tiefste der edlen Seele.]
Erläuterungen und Kernworte.
Zur Überschrift. Über den Wert der Überschriften in den Psalmen gebührt es uns mit Vorsicht zu sprechen, in Anbetracht der ganz entgegengesetzten Ansichten, welche Gelehrte von gleicher wissenschaftlicher Vorzüglichkeit darüber aufgestellt haben. In der Gegenwart ist es nur zu sehr zur Gewohnheit geworden, die Überschriften mit geringschätziger Oberflächlichkeit zu behandeln oder sie ganz außer Acht zu lassen, als seien sie Zusätze, niemand weiß wann oder durch wen hinzugefügt, und in vielen Fällen mit dem Inhalt der Psalmen unvereinbar; während Augustinus, Theodoret und andere Schriftsteller aus der ersten Zeit der christlichen Kirche sie als einen Teil des inspirierten Textes angesehen haben, und die Juden sie bis auf den heutigen Tag im Gottesdienst mitsingen, auch die Rabbiner sie noch immer geistlicher Auslegung würdigen.
Wahr ist, dass wir nicht wissen, wer sie gemacht oder sie an die Stelle gesetzt hat, wo sie stehen; aber es ist außer Frage, dass sie seit undenklicher Zeit da stehen. Sie kommen in der LXX vor, die in einigen Fällen auch Überschriften zu Psalmen enthält, welche im Hebräischen ohne solche sind. Soweit es dem Schreiber dieses gelungen ist, das hie und da über ihnen schwebende Dunkel zu durchdringen, sind sie ein ganz passender und höchst wertvoller Schlüssel zu der allgemeinen Geschichte oder dem Inhalt der Psalmen, welchen sie vorangestellt sind; und abgesehen von offenbaren Missverständnissen oder falscher Auslegung, hat er nicht einen einzigen Fall gefunden, wo die Richtung der Überschrift und des Psalms nicht genau zusammentrifft. Manche derselben wurden ohne Zweifel von Esra verfasst, als er die von ihm veranstaltete Sammlung heiliger Schriften herausgab. Etliche Kritiker meinen, es seien in dieser Zeit alle Überschriften entstanden; aber die meisten scheinen viel eher gleich alt oder doch nahezu gleich alt wie die betreffenden Psalmen zu sein. Lic. John Mason Good † 1854.
Zum ganzen Psalm. Hier möget ihr klar sehen, wie Gott mit seiner Kirche vor alters gehandelt, daher ihr euch nicht sollet erschrecken lassen, so euch plötzlich Anfechtung überfällt, sondern Gott eure Sünden bekennen wie David und ihm sagen, wie viele ihrer sind, die euch peinigen und sich wider euch erheben, und nennen euch Hugenotten, Lutherische, Ketzer, Puritaner und Belialskinder, wie sie David geschmäht haben. Lasst die gottlosen Prahlhansen sich rühmen, dass sie wollen über euch kommen, und dass Gott euch in ihre Hand gegeben habe und nimmer euer Gott sein wolle. Lasst sie nur ihr Vertrauen sehen auf Absalom mit seinen langen goldenen Locken und auf die Klugheit des weisen Ratgebers Ahitophel; doch saget ihr wie David: „Aber Du, HErr, bist der Schild für mich, und der mein Haupt aufrichtet.“ Er wird diese stolzen Heuchler niederwerfen und die Geringen und Demütigen erhöhen. Er wird eure Feinde auf den Backen schlagen und ihre Zähne zerschmettern. Er wird Absalom an seinen eigenen Haaren aufhängen; und Ahitophel wird in der Verzweiflung sich selbst erhängen. Eure Bande sollen zerbrochen und ihr befreit werden.
Denn das ist Gottes Tun von alters her, die Seinen von ihren Feinden zu erlösen und sein Volk zu segnen, dass sie in sicherer Hut sonder Furcht fortwallen auf ihrer Pilgerschaft zum Himmel. Thomas Tymme † 1634.
V. 2. Absaloms Aufruhr nahm einem von den Bergen stürzenden Schneeball gleich ungeheuerlich in seinem Laufe zu. David spricht davon mit Erstaunen. Und ist es nicht in der Tat höchst befremdend, dass das Volk, welches gerade diesem König so vielfach zu Dank verpflichtet war, fast in seiner Gesamtheit von ihm abfiel und sich wider ihn zusammenrottete und überdies einen so leichtfertigen und albernen jungen Mann wie Absalom zu seinem Anführer wählte? Wie unbeständig und betrüglich ist doch die Menge! Und wie wenig Treue und Standhaftigkeit ist unter den Menschen zu finden! David hatte die Herzen seiner Untertanen besessen wie je ein König, und doch hatte er sie jetzt plötzlich verloren. Wie die Völker sich nicht zu sehr auf ihre Fürsten verlassen sollen (Ps. 146, 3), so dürfen auch Fürsten nicht zu stark auf die Anhänglichkeit ihrer Völker bauen. Christus, der Sohn Davids, hatte viele Feinde; als eine große Schar kam, ihn zu greifen, als der Haufe schrie: „Kreuzige ihn, kreuzige ihn“, wie waren da seiner Dränger viel geworden. Gute Männer dürfen es sich nicht befremden lassen, wenn der Strom gegen sie ist, und die Mächte, die sie erschrecken, immer furchtbarer werden. Matth. Henry † 1714.
V. 3. Wenn der Gläubige die Macht Gottes in Frage stellt oder bezweifelt, dass diese Macht ihm zugutekomme, dann zerfließt seine Freude, wie das Blut aus einer gebrochenen Ader strömt. Diese Worte der Feinde verwundeten Davids Herz in der Tat aufs schmerzlichste. W. Gurnall† 1679.
[Selah kommt im Psalter 71 Mal vor, und außerdem 3 Mal in dem ebenfalls poetischen 3. Kapitel des Propheten Habakuk. Es steht mit wenig Ausnahmen am Ende der Strophen oder am Schluss der Psalmen. Rosenmüller leitete es von einem Zeitwort הָלָׁש הָלֶסstill sein, schweigen ab. Ebenso Gesenius, Hengstenberg, Tholuck. Doch ist diese Bedeutung nicht zu erweisen. Kimchi, Herder, De Wette, Ewald und Delitsch leiten es von לַלְס הָלְס emporheben her, weichen dann aber in der Auffassung von einander ab. Es ist wohl ausschließlich auf die Musik, nicht auf den Gesang zu beziehen, und zwar nach Delizsch im Sinn einer musikalischen Steigerung, worauf auch das διάψαλμα der LXX hinweist. Es bedeutet entweder Zwischenspiel oder verstärktes Spiel der Musik. Es ist also ein Einfallen des Orchesters oder eine Verstärkung der Begleitinstrumente oder auch ein Übergang von piano in forte gemeint.]
V. 4. Der mein Haupt aufrichtet. Nach Gottes Ordnung nimmt der Leib an dem Anteil, was die Seele bewegt, wie am Schmerz, so an der Freude. Die Laterne strahlt im Licht der in ihr befindlichen Kerze. Richard Sibbes † 1635.
Es gibt ein Aufrichten des Hauptes durch Erhöhung zu einem Amte, wie bei Pharaos Mundschenk; und wenn auch Menschen dabei mitwirken, so führen wir es doch auf die göttliche Bestimmung zurück. Es gibt ein Auf
richten des Hauptes in Ehre nach Schmach, in Gesundheit nach Krankheit, in Freude nach Betrübnis, in Wiederherstellung nach einem Fall, in Sieg nach zeitweiliger Niederlage; in all dem ist es der HErr, der unser Haupt aufrichtet. C. H. Spurgeon.
V. 5. Wenn Gebet die Vorhut leitet, lässt die göttliche Befreiung zur rechten Zeit den Nachzug vorrücken. Thomas Watson † 1660.
So erhört er mich. Ich habe oft Leute im Gebet sagen hören: Du bist ein Gott, der Gebete hört und erhört. Aber diese Redensart enthält einen Überfluss, da bei Gott nach der Schrift Hören und Erhören dasselbe ist. C. H. Spurgeon.
V. 6. Die Überschrift des Psalms sagt uns, wann David solch süße Nachtruhe genoss; nicht als er auf weichem Daunenbette in seinem stattlichen Palaste zu Jerusalem lag, sondern als er um sein Leben floh vor seinem unnatürlichen Sohne Absalom und wahrscheinlich genötigt war, auf freiem Felde unter dem Betthimmel des Firmaments zu liegen. Das musste fürwahr ein sanftes Kissen sein, das ihn die Gefahr, in welcher er schwebte, vergessen ließ, da doch das zahllose Heer der Treulosen auf der Jagd nach ihm war. Ja, so überwältigend ist der Einfluss des Friedens Gottes, dass er die arme Kreatur befähigt, sich so fröhlich zum Schlaf ins Grab zu legen wie in das weichste Bette. Einem Kinde gleich, das aus freien Stücken zu Bett gebracht zu werden verlangt, haben etliche Heilige Gott gebeten, sie ins Bett des Staubes zur Ruhe zu betten, und das nicht in einer Anwandlung von Unmut und Unzufriedenheit in ihrer gegenwärtigen Trübsal, wie Hiob, sondern in der süßen Empfindung des Friedens Gottes in ihrem Herzen. „HErr, nun lässt du deinen Diener im Frieden fahren“, war der Schwanengesang des greisen Simeon. Er spricht wie ein Kaufmann, der alle seine Waren an Bord gebracht hat und nun den Kapitän bittet, die Segel zu hissen und heimwärts zu steuern. In der Tat, warum sollte auch ein Christ, der hienieden doch nur ein Fremdling ist, länger in der Welt zu bleiben verlangen, als nötig ist, um seine volle Ladung einzunehmen? Und wann hat er die? nicht eben dann, wenn er der Versöhnung mit Gott gewiss ist? Dieser aus dem Evangelium strömende Friede, diese Empfindung der Liebe Gottes im Herzen fördert Gottes Kinder so wunderbar in der Standhaftigkeit in allen Versuchungen und Trübsalen und aller Arbeit für den HErrn, dass Gott den Seinen in der Regel, ehe er sie zu besonders schwerem Dienst und heißer Arbeit ruft, einen Labetrunk dieses herzstärkenden Weines darreicht, um ihren Mut zu erfrischen und sie kühn zum Kampf zu machen. W. Gurnall† 1679.
Dieser Gurnall, zu dessen Lebzeiten auf der großen Themsebrücke in London noch Häuser standen, macht die sinnige Bemerkung: Meint ihr nicht, dass die Leute, die auf der Londoner Brücke wohnen, gerade so sanft schlafen, wie die, welche in Whitehall oder Cheapside (anderen Stadtteilen Londons) wohnen? Sie wissen, dass die Wogen, welche unter ihnen dahinrauschen, ihnen nicht schaden können. Gerade so können die Gläubigen über den Fluten der Trübsal oder des Todes im Frieden Gottes ruhen und brauchen kein Unglück zu fürchten (Psalm 23, 4).
Ein gutes Gewissen kann im Munde einer Kanone ruhig schlafen. Die Gnade ist des Christen Panzerhemd, darin er gegen Pfeil und Kugel gefeit ist. Wohl mag man auf einen wahrhaft in der Gnade lebenden Menschen feuern, aber erschossen werden kann er nicht. Die Gnade verseht die Seele in Christum, und da ist sie so sicher wie die Biene in ihrem Korb, die Taube in der Arche. „So ist nun nichts Verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind“ (Röm. 8, 1). Thomas Watson † 1660.
Es wäre nicht unnütz, darüber nachzudenken, wie die erhaltende Gnade sich an uns erweist, während wir im Schlafe ruhen. Wie wunderbar, dass das Blut fortwährend durch den Körper strömt, die Lungen aus- und einatmen usw., auch die geistigen Kräfte in Tätigkeit bleiben, während das Bild des Todes auf uns liegt. C. H. Spurgeon.
V. 7. Der Psalmist hält am Vertrauen auf Gott fest, so hoffnungslos augenscheinlich seine Lage ist. Er fürchtet sich nicht, wiewohl viele Tausende von Feinden ihn umringen. Lasst uns diesen Gedanken recht ins Herz fassen: Es gilt glauben trotz des Augenscheins. Der Untergang starrte David von allen Seiten ins Angesicht; wo immer er hinblickte, sah er Feinde. Was war einer gegen Zehntausende? Gottes Kinder kommen manchmal in ähnliche Umstände. Alles kommt über sie. Ihre Trübsale sind kaum zu zählen. Nicht eine Öffnung sehen sie, durch welche sie entkommen könnten. Die Dinge sehen sehr, sehr schwarz aus. Das ist großer Glaube, der in solcher Lage sagen kann: Ich fürchte mich nicht.
So erging es Luther auf der Reise nach Worms. Sein Freund Spalatin hörte die Feinde der Reformation sagen, die Zusage sicheren Geleits sollte einem Ketzer nicht gehalten werden, und Spalatin wurde dadurch von schwerer Sorge für Luther erfüllt. Als dieser sich eben der Stadt nahte, kam ein Bote zu ihm mit dem Rat: „Geh nicht hinein.“ Und das von seinem besten Freunde, von dem vertrauten Ratgeber des Kurfürsten, von Spalatin selbst. Aber Luther gab bekanntlich die kühne Antwort: „Ich bin gefordert, und wenn so viel Teufel zu Worms wären, wie Ziegel auf den Dächern, noch wollte ich hineinkommen!“ „Denn ich war unerschrocken,“ setzte Luther kurz vor seinem Tode hinzu, „und fürchte mich nichts. Gott kann einen wohl so toll (d. i. kühn) machen. Ich weiß nicht, ob ich jetzt auch so freudig wäre.“
Die vernünftigen Weltleute, die nicht nach dem Glauben, sondern nach dem, was ihre Augen sehen, wandeln, halten es für sehr vernünftig, dass der Christ in solcher Zeit Furcht hege; würden sie selber doch tief drunten sein, wenn sie sich in derartiger Lage befänden. Leute mit schwachem Glauben sind stets bereit, Entschuldigungen für uns zurecht zu machen, und wir sind auch schnell genug dabei, uns selber solche zu suchen. Statt uns über die Schwäche des Fleisches zu erheben, nehmen wir zu derselben unsere Zuflucht und brauchen sie als Entschuldigung. Lasst uns einen Augenblick mit Gebet darüber nachdenken, so wird uns alsbald klar werden, dass es nicht so sein sollte. Nur dann auf Gott vertrauen, wenn der Augenschein günstig ist, heißt nur mit dem Winde und der Flut segeln, heißt glauben nur wenn wir sehen. Lasst uns dem Beispiel des Psalmisten folgen und jenen unbedingten Glauben erstreben, der uns in den Stand setzt, auf den HErrn zu trauen, mag kommen was will, und mit David zu sprechen: Ich fürchte mich nicht vor vielen Tausenden, die sich umher er wider mich legen. Phil. B. Power † 1862.
Es macht nichts, wie furchtbar unsere Feinde sein mögen, ob Legionen an Zahl, Gewaltige an Macht, Schlangen an List, Drachen an Grausamkeit, Fürsten, die in der Luft herrschen, an Überlegenheit der Stellung, böse Geister an Bosheit, Er ist dennoch stärker, der in uns ist, als die wider uns sind. Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserem HErrn. In ihm überwinden wir weit in dem allen. William Cowper † 1612.
V. 8. Einem den Kinnbacken zerschlagen ist sowohl gewalttätig als beleidigend. O. J. Alexander † 1850.
Wann der HErr an den Gottlosen Rache übt, wird er sie so schlagen, dass sie in jedem Streich seine Allmacht spüren. Die ganze Größe seiner Macht wird ohne Erbarmen über sie kommen. Ach dass jeder halsstarrige Sünder das bedenken und erwägen wollte, welch maßlose Tollkühnheit es ist, sich fähig zu dünken, gegen die Allmacht anzukämpfen! Steph. Charnock † 1680.
V. 9. Die Gläubigen sind gesegnete2) Leute nicht erst, wenn sie zur Vollendung gekommen sind, sondern auch so lange sie noch hienieden als Pilgrimme wallen; sie sind gesegnet, noch ehe sie die Krone tragen. Das klingt seltsam für Fleisch und Blut. Was? geschmäht und boshaft angefeindet, und doch glücklich? Wer auf Gottes Kinder mit fleischlichen Augen blickt und sieht, wie sie in Trübsal sind und dem Schiff im Evangelium gleichen, das mit Wellen bedeckt ward (Matth. 8, 24), der denkt, um solchen „Segen“ seien sie wahrlich nicht zu beneiden. Paulus bringt 2. Kor. 11, 24-27 eine ganze Liste von Leiden, die er durchgemacht hat: Ich bin dreimal gestäupt, einmal gesteinigt, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, usw. Und jene Christen der ersten Zeit, die als Sterne erster Größe am Himmel leuchten, und deren die Welt nicht wert war, haben Spott und Geißeln erlitten, sie wurden gesteinigt, zerhackt, zerstochen, durchs Schwert getötet (Hebr. 11, 36 f.). Und diese alle sollen während der Zeit ihrer Leiden „gesegnet“ gewesen sein? Ein fleischlich gesinnter Mensch denkt: Wenn das gesegnet sein heißt, dann behüt' mich Gott davor! Doch wie immer der natürliche Verstand darüber urteilen mag, unser Heiland Jesus Christus spricht die wahrhaft Frommen selig, mögen sie auch in tiefer Trübsal sein oder gar den Märtyrertod erdulden. Hiob in der Asche war dennoch der gesegnete Hiob. Simei fluchte David, aber dieser war dennoch der Gesegnete des HErrn. Die dem HErrn angehören, sind gesegnete Leute, mögen sie noch so sehr geplagt sein. Sie werden nicht nur einst gesegnet sein, sie sind es jetzt. Psalm 119, 1: Wohl denen, die ohne Tadel leben. Und hier: Dein Segen ist über deinem Volke. Thomas Watson † 1660.
Homiletische Winke.
V. 2. Der Gläubige, seinen Kummer vor Gott ausschüttend. 1) Sein Recht dazu; 2) die rechte Weise; 3) die herrliche Frucht solch heiligen Verkehrs mit dem HErrn.
V. 3. Die Ränke der Lüge gegen Gottes Kinder und deren Berufung auf Gott. V. 4. Der dreifache Segen, welchen Gott den leidenden Seinen angedeihen lässt: Schutz, Ehre und Freude. Man zeige, wie Gottes Kinder sich auch in der schlimmsten Lage dieser Segnungen im Glauben erfreuen können. V. 5. 1) Gefahren sollen uns ins Gebet treiben. 2) Gott wird uns gnädig hören. 3) Unsere Erfahrungen von Gebetserhörung sollen wir anderen mitteilen. 4) Uns selbst sollen wir für das, was noch kommen mag, durch die Erinnerung an früher erfahrene Durchhilfe stärken.
V. 6. 1) Der friedliche Schlummer des Gerechten; 2) sein fröhliches Erwachen; 3) die Ursache beider: die erhaltende Gnade.
V. 7. Der Glaube, von Feinden umgeben, und dennoch frohlockend.
V. 8. 1) Beschreibe, wie Gott ehemals mit seinen Feinden gehandelt: du hast (Grundtext). 2) Zeige, wie der HErr unsere beständige Zuflucht sein sollte: HErr, mein Gott. 3) Verweile bei dem Gedanken, dass es gilt, den HErrn zum Handeln aufzurufen: Auf, HErr. 4) Ermahne die Gläubigen, sie mögen sich auf Gottes frühere Siege berufen, um von ihm Hilfe zu erlangen.
V. 8 b. Unsere Widersacher schon überwundene Feinde, Löwen ohne Zähne. V. 9a. Unser Heil des HErrn Sache von Anfang bis zu Ende. (Vergleiche die Auslegung.)
V. 9 b. Gottes Volk gesegnet in Christo, durch Christum, und einst gesegnet mit Christo. Der Segen ruht auf ihrer Person, ihren trostreichen und traurigen Erfahrungen, ihrer Arbeit, ihren Familien, usw. Er fließt aus der Gnade, wird im Glauben genossen, ist durch Eidschwur zugesichert, usw. James Smith † 1862.
Eine Auslegung der Psalmen
von
C. H. Spurgeon.
In Verbindung mit mehreren Theologen
deutsch bearbeitet
von
James Millard,
Prediger.
1. Band.
Bonn 1895.
Verlag von Johannes Schergens.
(Zweigniederlassung: Frankfurt a. M., Stiftstraße 39.)