Spurgeon, Charles Haddon - Licht, Feuer, Glaube, Leben, Liebe.

Spurgeon, Charles Haddon - Licht, Feuer, Glaube, Leben, Liebe.

Eröffnungsrede bei der Konferenz 1881.

Ich hatte nie Hilfe nötiger, als jetzt und fühlte mich nie so völlig unfähig, den rechten Ton für die Konferenz anzugeben. Je zahlreicher, begabter und erfahrener Sie werden, desto mehr fühle ich meine Unwürdigkeit, an der Spitze zu stehen und Ihre Reihen zu führen. Indessen, ich will auf Gott vertrauen, und glauben, dass Er durch Seinen Heiligen Geist ein Wort senden wird, das ermutigend und belebend ist.

Vor mehreren Jahren erschien ein exzentrischer, hochbejahrter Richter an einem der schwülsten Tage eines sehr heißen Sommers im Gerichtssaal, und redete das große Geschworenengericht zu Worcester mit ungefähr folgenden Worten an: „Meine Herren Geschworenen, es ist sehr heiß, und ich bin sehr alt; Sie kennen Ihre Pflichten sehr gut; gehen Sie hin und tun Sie dieselben.“ Seinem Beispiel folgend, fühle ich mich geneigt, Ihnen zu sagen: „Meine Herren, hier sind Sie versammelt, ich habe viele Gebrechen zu tragen, und Sie werden es schwer finden, mein Reden zu ertragen; Sie kennen Ihre Pflichten; gehen Sie hin und tun Sie dieselben.“ Taten sind besser als Worte. Wenn ich eine Stunde lang spreche, so werde ich kaum im Stande sein, etwas zu sagen, das praktischer ist, als: Sie kennen Ihre Pflichten; gehen Sie hin und tun Sie dieselben. „England erwartet, dass jeder Mann seine Pflicht tut,“ war die kräftige Losung Nelsons; brauche ich Sie daran zu erinnern, dass unser großer HErr von jedem Diener erwartet, seinen Platz auszufüllen, bis Er selber kommt, und so ein guter getreuer Knecht zu sein? Gehen Sie hin und erfüllen Sie Ihres Meisters hohen Befehl, und möge Gottes Geist in Ihnen nach dem Wohlgefallen des HErrn wirken.

Diejenigen, welche Gott wahrhaft dienen, müssen immer stärker fühlen: „Das Leben ist eine Wirklichkeit, das Leben ist eine ernste Wirklichkeit“, wenn es in der Tat Leben in Christo ist. In Zeiten großer Schmerzen und Schwäche und Niedergedrücktheit ist die Hoffnung über mich gekommen, dass ich, wenn ich wieder genäse, ernster und eifriger als je werden würde; Ich fasste den Entschluss, wenn ich je wieder das Vorrecht hätte, die Kanzelstufen hinanzusteigen, so wollte ich jedes bisschen Redeschmuck weglassen, nichts predigen als notwendige und dringende Wahrheit, und diese mit all meiner Macht auf die Leute schleudern; ich wollte selbst unter Hochdruck leben und alle Energie aufbieten, deren meine Natur fähig ist. Ich vermute, auch Sie haben Gleiches gefühlt, wenn Sie aufs Krankenlager gelegt sind. Sie haben zu sich selber gesagt: „Die Zeit des Spielens ist vorbei für uns, wir müssen ans Werk. Die Parade ist zu Ende, nun kommt die Arbeit des Krieges. Wir müssen keinen einzigen Augenblick verschwenden, sondern die Zeit auskaufen, denn die Tage sind böse.“ Wenn wir die wunderbare Geschäftigkeit der Diener Satans sehen, und wie viel sie vollbringen, so mögen wir uns wohl schämen, dass wir so wenig für unsern Erlöser tun, und dies Wenige oft so schlecht, dass ebenso viel Zeit nötig ist, es wieder in Ordnung zu bringen, als wir brauchten, um es zu tun. Brüder, lassen Sie uns aufhören mit bloßem Bedauern und zu wirklicher Besserung kommen.

Ein großer deutscher Philosoph hat behauptet, dass das ganze Leben ein Traum sei. Er sagt, es ist ein Traum, der aus einem Traum von sich selber besteht. Er glaubt an keine wirkliche Existenz, nicht einmal an seine eigene; sogar diese hält er für eine bloße Vorstellung. Gewiss, einige Prediger müssen Jünger dieser Philosophie sein, denn sie sind halb im Schlaf, und ihr Geist ist träumerisch. Sie sprechen von der ewigen Wahrheit, als wenn sie ein zeitweiliges Glaubenssystem wäre, das wie alle anderen Visionen der Erde vergehen würde. Sie Leben für Christum in einer Weise, wie sie nie Jemanden in den Sinn kommen würde, der Geld machen oder sein Examen auf der Universität bestehen wollte. „Wie“, sagte Jemand von einem gewissen Prediger: „wenn ich in meinem Geschäft handelte, wie er in seinem Amte, so würde ich binnen drei Monaten unter den Konkursanzeigen stehen.“ Es ist eine traurige Sache, dass es Männer gibt, die sich Prediger Christi nennen, denen es doch nie einzufallen scheint, dass sie verpflichtet sind, den äußersten Fleiß und Eifer zu entfalten. Sie scheinen zu vergessen, dass sie mit Seelen verkehren, die auf ewig verloren gehen oder auf ewig gerettet werden können, Seelen, die dem Heiland Sein Herzblut gekostet haben. Sie scheinen die Natur ihres Berufes nicht verstanden oder die biblische Idee eines Gesandten Christi nicht begriffen zu haben. Wie schläfrige Wagenführer hoffen sie ihr Gespann sicher nach Hause zu bringen, obgleich sie selbst in festem Schlafe sind. Ich habe von Pastoren gehört, die am lebendigsten sind, wenn sie Croquet oder Cricket spielen, oder eine Landpartie veranstalten oder einen Handel abschließen. Von Einem hörte ich sagen: „Was für ein guter Pastor wäre er geworden, wenn er nur bekehrt gewesen wäre.“ Ich hörte über einen sehr gescheiten Mann das Urteil: „Er würde ein großer Seelen-Gewinner geworden sein, wenn er nur an Seelen geglaubt hätte; aber er glaubte an nichts.“ Es wird von den russischen Bauern erzählt, dass sie, wenn ihre Arbeit getan ist, sich auf dem Ofen oder um ihn herum niederlegen und da Stundenlang schlafen; und es herrscht unter ihnen die Meinung, dass sie nur wach seien, wenn sie schlafen, und dass die Stunden ihres Wachens und Arbeitens nichts als ein schrecklicher Traum seien. Der Moujik1) hofft, dass seine Träume Tatsachen und seine Leiden im Wachen nur Nachtmahren seien. Sollten nicht Einige in Betreff des Predigtsamtes in dieselbe Vorstellung hineingeraten sein? Sie sind im Schlaf bei den Realitäten, und wach bei Schattendingen; nehmen es ernst mit Tändeleien, und tändeln mit ernsten Sachen. Was Gott den Knechten zu sagen haben wird, die ihr eigenes Werk gut tun, und Sein Werk schlecht, das will ich nicht versuchen, anzudeuten. Was soll man dem Manne tun, der große Fähigkeit in seinen Erholungen entfaltete, aber in seinen Andachtsübungen schal war? tätig außerhalb seines Berufes, und nachlässig in demselben? Der Tag wird es klar machen. Wir wollen uns aufraffen zu der strengsten Treue und arbeiten, Seelen zu gewinnen, als wenn Alles allein von uns abhinge, während wir uns im Glauben an die glorreiche Tatsache halten, dass Alles in den Händen des ewigen Gottes ruht.

Ich sehe Viele vor mir, die völlig wach und begierig im Suchen der Verlorenen sind; denn ich spreche zu einigen der Eifrigsten in der christlichen Kirche - Evangelisten und Pastoren, deren Speise und Trank es ist, den Willen ihres HErrn zu tun. Aber selbst diese, welche am meisten wach sind, werden mir nicht widersprechen, wenn ich behaupte, dass sie noch mehr sich aufraffen könnten. Meine Brüder, selbst zu Ihren besten Zeiten hätten Sie noch besser sein können. Wer unter uns hätte nicht größeren Erfolg haben können, wenn er bereit gewesen wäre, ihn zu erlangen? Als Nelson unter Admiral Hotham diente, und eine gewisse Anzahl der feindlichen Schiffe genommen waren, sagte der Befehlshaber: „Wir müssen zufrieden sein; wir haben unsere Arbeit sehr gut getan.“ Aber Nelson dachte nicht so, da manche der feindlichen Schiffe entkommen waren. „Nun,“ sagte er: „hätten wir zehn Schiffe genommen und das elfte entwischen lassen, wenn es möglich gewesen wäre, dies auch zu nehmen, so hätte ich es niemals gut getan nennen können.“ Wenn wir Viele zu Christo gebracht haben, so dürfen wir nicht prahlen, denn wir werden durch den Gedanken gedemütigt, dass viel mehr hätte getan werden können, wenn wir bessere Werkzeuge Gottes gewesen wären. Möglicherweise sagt ein Bruder: „Ich habe alles getan, was ich konnte.“ Das mag seine ehrliche Meinung sein, denn er hätte nicht häufiger predigen oder mehr Versammlungen halten können. Vielleicht ist es wahr, dass er genug Versammlungen gehalten hat und dass die Leute völlig genug Predigten gehabt haben; aber der Geist dieser Versammlungen und auch der Predigten hätte vielleicht ein besserer sein können. Einige Prediger könnten mehr in der Wirklichkeit tun, wenn sie dem Scheine nach weniger täten. Ein Quäker - und Quäker sind sehr kluge Leute - trat vor mehreren Jahren in ein Bierhaus und forderte ein Quart Bier. Das Bier schäumte und das Maß war nicht ganz voll. Der Freund sagte zum Gastwirt: „Wie viel Umsatz hast Du?“ „O,“ antwortete dieser, „ich ziehe jeden Monat zehn Fässer Bier ab.“ „Weißt Du, wie Du elf Fässer abziehen könntest?“ „Nein, mein Herr, ich wollte, ich wüsste es.“ „Ich will es Dir sagen, Freund, Du kannst es tun, wenn Du Deine Gläser vollmachst.“ Jedem Bruder, der sagt, „Ich weiß nicht, wie ich mehr Evangelium predigen kann, als ich tue, denn ich predige sehr oft,“ möchte ich erwidern, „Du brauchst nicht öfter zu predigen, aber fülle die Predigten mehr mit dem Evangelium.“ Der Heiland sprach bei der Hochzeit zu Kana: „Füllt die Wasserkrüge mit Wasser.“ Wir wollen die Diener nachahmen, von denen wir lesen: „Und sie füllten sie bis oben an.“ Lassen Sie Ihre Reden voll Inhalt sein, gedrängt, gesund und christlich. Gewisse Redner leiden an einem entsetzlichen Wortfluss; man kann kaum den kleinen Strohhalm von Gedanken erspähen, der einen furchtbaren Ganges oder Amazonenstrom von Worten hinabgetrieben wird. Geben Sie den Leuten viele Gedanken, viele schriftgemäße, solide Lehre, und tragen Sie dieselben in einer Weise vor, die stets besser wird, jeden Tag besser, jedes Jahr besser, auf dass Gott mehr verherrlicht werde, und Sünder schneller den Weg des Heils lernen.

Ich will Ihnen nun für die Vervollkommnung Ihres Amtes fünf Dinge empfehlen, die sich in Ihnen finden sollten, und reichlich. Sie erinnern sich der Stelle, welche sagt: „Salz, ohne vorzuschreiben, wie viel.“ (Esra 7, 22. nach d. engl. Übers.) Es tut nicht nötig, die Quantität der Dinge, die ich Ihnen jetzt empfehle, zu beschränken. Hier sind sie - Licht, Feuer, Glaube, Leben, Liebe. Ihre Zahl ist fünf, Sie können sie an den Fingern zählen; ihr Wert ist unschätzbar, ergreifen Sie sie mit fester Hand und tragen Sie dieselben im Herzen.

I. Licht

Ich empfehle Ihnen sehr ernstlich die Erlangung und Verteilung des Lichtes. Zu diesem Ende müssen wir zuerst Licht erlangen. Erwerben Sie sich Licht, selbst von der gewöhnlichsten Art, denn alles Licht ist gut. Bildung in gewöhnlichen Dingen ist wertvoll, und ich möchte gewisse lässige Brüder anregen, in dieser Richtung fortzuschreiten. Viele von Ihnen traten ins College ohne jegliche Bildung ein2); aber als Sie es verließen hatten Sie genug gelernt, um den Entschluss zu fassen, mit allen Ihren Kräften zu studieren, und Sie halten ihn ausgeführt. Ich wünschte, Alle hätten das getan. Es ist ein großer Vorteil für einen Prediger, sein öffentliches Leben in einem kleinen Dorfe zu beginnen, wo er Zeit und Ruhe zum regelmäßigen Lesen hat: der Mann ist weise, der diese goldene Gelegenheit benutzt. Wir sollten nicht nur an das denken, was wir jetzt für Gott tun können, sondern an das, wozu wir fähig

sein würden, wenn wir uns mehr ausbildeten. Kein Mensch sollte jemals wähnen, dass seine Erziehung vollständig ist. Ich weiß, dass mein Freund, Mr. Rogers3), obwohl er sein achtzigstes Jahr zurückgelegt hat, immer noch ein Student ist, und vielleicht jetzt mehr als je von dem wahrhaften Geiste eines Studierenden in sich hat: will einer der Jüngeren in Selbstzufriedenheit niedersitzen? Wir werden selbst im Himmel fortfahren, zu lernen, und immer tiefer und tiefer in den Abgrund der göttlichen Liebe hineinzuschauen: es wäre schlimm, von vollkommener Erkenntnis hienieden zu reden. Wenn ein Mann sagte: „ich bin vollständig für mein Werk ausgerüstet, und brauche nicht mehr zu lernen; ich bin hierhergekommen, nachdem ich drei Jahre an meiner letzten Stelle gewesen bin, und ich habe einen ganzen Vorrat von Predigten, so dass ich nicht nötig habe, mehr zu lesen,“ so würde ich zu ihm sagen: „Mein lieber Freund, der HErr gebe Dir Gehirn, denn Du redest wie Einer, der damit mangelhaft ausgestattet ist.“ Ein Gehirn ist in der Tat ein sehr hungriges Ding, und der, welcher es besitzt, muss es beständig durch Lesen und Denken nähren, sonst wird es einschrumpfen oder einschlafen. Es ist das Kind des Blutigels und es schreit immerdar: „Gib, gib.“ Lassen Sie es nicht verhungern. Wenn solcher Geisteshunger Sie nie überfüllt, so vermute ich, dass Sie keinen Geist von irgendeiner Bedeutung haben.

Aber, Brüder, sehen Sie wohl zu, dass Sie in siebenfachem Grade Licht einer höheren Art haben, Sie sollen vor allen Dingen im Worte Gottes forschen: dies ist in der Tat ein Hauptpunkt Ihres Berufes. Wenn wir nicht die Schrift studieren, und jene Bücher, die uns helfen, Theologie zu verstehen, so vergeuden wir nur die Zeit, während wir andern Forschungen nachgehen. Wir würden Denjenigen einen närrischen Menschen nennen, der, während er sich vorbereitete, Arzt zu werden, all' seine Zeit mit dem Studium der Astronomie zubrächte. Es ist ein Zusammenhang irgendwelcher Art zwischen den Sternen und den menschlichen Knochen; aber ein Mann könnte nicht viel Chirurgie vom Arcturus oder Orion lernen. So gibt es auch einen Zusammenhang zwischen jeder Wissenschaft und der Religion, und ich wollte Ihnen raten, sich viel allgemeine Kenntnisse anzueignen; aber universelles Wissen ist ein armseliges Surrogat für ein spezielles und mit Gebet verbundenes Studium der Schrift und der in Gottes Offenbarung enthaltenen Lehren. Wir müssen die Menschen und unser Herz studieren; wir sollten als Jünger in den Schulen der Vorsehung und der Erfahrung sitzen. Einige Prediger wachsen schnell, weil der große Lehrer sie schwer züchtigt, und die Züchtigung ihnen zur Heiligung dient; aber andere lernen nichts durch ihre Erfahrung, sie stolpern aus einem Graben in den andern, und lernen nichts durch Schwierigkeiten als die Kunst, neue zu schaffen. Ich empfehle Ihnen Allen das Gebet eines Puritaners, der während einer Debatte ganz in Schreiben vertieft schien. Seine Freunde meinten, er zeichne Notizen von seines Gegners Rede auf, aber als sie sein Papier in die Hand bekamen, fanden sie nichts, als diese Worte: „Mehr Licht, Herr! Mehr Licht, Herr!“ O, dass wir mehr Licht von dem großen Vater des Lichts empfingen!

Lassen Sie dieses Licht nicht nur das des Wissens sein, sondern suchen Sie das Licht der Freude und Heiterkeit. Es ist Macht in einem fröhlichen Prediger. Ein trauriges Gesicht, eine klägliche Stimme, eine Schlaffheit in den Manieren - nichts von diesem empfiehlt uns bei unsern Hörern; besonders zieht es die Jugend nicht an. Gewisse seltsame Gemüter finden ihr Glück im Elend, aber diese sind nicht zahlreich. Ich hatte einmal einen Brief von Einem, der mir erzählte, er sei nach dem Tabernakel gekommen, aber sobald er eingetreten, hätte er gefühlt, dies könne nicht das Haus Gottes sein, weil so Viele anwesend seien, und „die Pforte ist enge, und der Weg ist schmal, der zum Leben führt; und Wenige sind ihrer, die ihn finden.“ Als er mich angesehen, wäre er gewiss gewesen, dass ich nicht reiner Lehre sei, denn mein Gesicht würde nicht so fröhlich aussehen, und mein Körper nicht so stämmig sein, wenn ich zu dem geprüften Volke Gottes gehörte. Das Schlimmste von Allem waren, als er um sich her sah, die fröhlichen Gesichter in der Gemeinde, er sprach zu sich selbst, diese Leute wissen nichts von dem Verderben ihres Herzens und den inneren Kämpfen der Gläubigen. Dann, benachrichtigte er mich, hätte er seinen Weg gefunden zu einer sehr kleinen Kapelle, wo er einen Prediger getroffen, der ausgesehen, als wenn er im Feuerofen geprüft, und obgleich nur acht Personen dagewesen, hätten sie Alle so niedergedrückt ausgesehen, dass er sich ganz heimisch gefühlt. Ich vermute, er setzte sich nieder und sang

„O meine Seele möchte weilen
Auf ewig stets in solchem Stand,
Und möchte singen, möchte eilen
Hinweg von jedem sel'gen Land.“4)

Ich war froh, dass der gute Mann im Stande gewesen, ein wenig gemütliches Elend mit seinen Brüdern zu genießen. Ich fühlte durchaus keinen Neid; glaube auch nicht, dass ein solches Amt der Trübseligkeit je eine Schaar an sich ziehen wird, „welche Niemand zählen kann“. Die Kinder des Lichts ziehen die Freude des Herrn vor, denn sie finden, dass diese ihre Stärke ist.

Streben Sie nach viel Licht, Brüder, und wenn Sie es erhalten haben, so geben Sie es aus. Geraten Sie nie in die Vorstellung hinein, dass bloßer Ernst genügen wird ohne Kenntnis, und dass Seelen einfach dadurch errettet werden, dass wir eifrig sind. Ich fürchte, dass es uns mehr an Hitze als an Licht fehlt; aber dennoch, dasjenige Feuer, in welchem kein Licht ist, ist sehr zweifelhafter Natur und kommt nicht von oben. Seelen werden errettet durch Wahrheit, welche in den Verstand eingeht, und so das Gewissen erreicht. Wie kann das Evangelium erretten, wenn es nicht verstanden wird? Der Prediger mag predigen mit sehr viel Stampfen und Jammern und Weinen und Bitten, aber der Herr ist nicht in dem Winde, noch in dem Feuer - „die stille, leise Stimme“ der Wahrheit muss in den Verstand eingehen und durch ihn das Herz erreichen. Die Leute müssen gelehrt werden. Wir müssen „hingehen und alle Völker lehren“, indem wir sie zu Jüngern machen; und ich kenne keine Weise, in der wir Menschen erretten können ohne Lehren von unserer Seite und Jüngerschaft von der ihrigen. Einige Prediger lehren, obgleich sie sehr viel wissen, nicht viel, weil ihr Stil ein so verwickelter ist. Erinnern Sie sich daran, dass Sie zu Leuten sprechen, die wie Kinder gelehrt werden müssen; denn unsere Hörer sind zum größten Teile, obwohl Erwachsene, doch in den göttlichen Dingen immer noch im Stande der Kindheit; und wenn sie die Wahrheit annehmen sollen, so muss sie ihnen sehr deutlich gemacht und so zusammen gepackt werden, dass sie dieselbe hinwegtragen und im Gedächtnis bewahren können. Deshalb, Brüder, geben Sie viele heilige Unterweisung.

Einige geben wenig Unterweisung um ihres unklaren Stils willen; aber Vielen misslingt es aus andern Gründen; hauptsächlich, weil sie auf etwas anderes abzielen. Talleyrand definiert einen Metaphysiker als einen Mann, der mit großem Geschick schwarze Linien auf schwarzem Grunde zieht: ich möchte gern schwarze Linien auf weißem Grunde ziehen oder auch weiße Linien auf schwarzem, so dass man sie sehen könnte: aber gewisse Prediger sind so tief, dass Niemand sie versteht. Andererseits, haben Sie nicht Predigten gehört mit viel oratorischem Prunk darin, und weiter nichts? Sie haben zugeschaut, während „der Engel es wunderbar machte.“ Der Prediger war wie Blondin5) auf dem ausgespannten Seile, und als wir auf ihn blickten, zitterten wir aus Furcht, dass er nie das Ende seiner erhabenen Periode erreichen würde. Doch balancierte er bewundernswürdig und bewegte sich in seiner hohen Stellung auf staunenswerte Art. Wenn Alles vorüber ist, so ist unser Gemüt unbefriedigt; denn diese akrobatischen Kunststücke der Rhetorik sättigen die Seele nicht. Brüder, wir müssen es nicht zu unserm Ziel machen, große Redner zu sein. Gewisse Männer sind von Natur beredt, und es ist ihnen nicht möglich, anders als oratorisch zu sein, wie die Nachtigallen nicht anders können, als lieblich singen; diese tadle ich nicht, sondern bewundere sie. Es ist nicht die Pflicht der Nachtigall, ihre Stimme zu demselben Ton herunterzubringen, wie die des Sperlings. Lasst sie lieblich singen, wenn sie es von Natur kann. Gott verdient die beste Redekunst, die beste Logik, die beste Metaphysik, das beste von allen Dingen; aber wenn je die Rhetorik der Unterweisung des Volkes im Wege steht, Fluch über die Rhetorik; wenn irgendein Bildungsvorzug oder eine natürliche Gabe, die wir besitzen, es für das Volk weniger leicht macht, uns zu verstehen, so möge sie vernichtet werden. Möge Gott von unseren Gedanken und unserm Stil Alles hinwegreißen, was das Licht verdunkelt, selbst wenn es einem kostbaren Schleier von seltensten Spitzen gliche. Mögen wir uns sehr deutlicher Sprache bedienen, damit das Licht des Evangeliums klar hervorleuchten möge.

Gegenwärtig ist große Notwendigkeit vorhanden, viel Licht zu geben, denn ein eifriger Versuch wird gemacht, das Licht auszulöschen oder zu trüben. Viele verbreiten nach allen Seiten hin Dunkelheit. Deshalb, Brüder, halten Sie das Licht brennend in Ihren Gemeinden, halten Sie es brennend auf Ihren Kanzeln, und halten Sie es Denjenigen ins Gesicht, welche die Finsternis lieben, weil sie ihre Zwecke begünstigt. Lehren Sie die Leute alle Wahrheit, und lassen Sie nicht unsere unterscheidenden Lehren verborgen bleiben. Es gibt Schafdiebe, welche in der Nacht kommen, und mit unsern Gemeindegliedern davon laufen, weil diese nicht unsre Grundsätze kennen die Grundsätze der Nonkonformisten, die Grundsätze der Baptisten, oder selbst die Grundsätze des Christentums. Unsre Hörer haben eine allgemeine Vorstellung davon, aber nicht genug, um sie vor Betrügern zu schützen. Wir sind umringt, nicht nur von Ungläubigen, sondern auch von gewissen Brüdern, welche die Schwachen verschlingen. Lassen Sie Ihre Kinder nicht hinausgehen ohne die Schutzwache heiliger Kenntnis, denn es gibt Verführer, die sie missleiten werden, wenn sie können. Sie werden damit beginnen, sie „liebe“ dies und „liebe“ das zu nennen, und enden damit, dass sie dieselben denen entfremden, die sie zu Jesu brachten. Wenn Sie Ihre Gemeindeglieder verlieren, so lassen Sie es im Licht des Tages sein, und nicht durch ihre Unwissenheit. Diese Menschendiebe verblenden schwache Augen durch Blitze der Neuheit und verdrehen schwache Köpfe durch wunderbare Entdeckungen und erfreuliche Lehren, welche alle auf Zertrennung und Bitterkeit und Erhöhung ihrer eigenen Sekte abzielen. Halten Sie das Licht der Wahrheit brennend, und Diebe werden nicht wagen, Ihr Haus zu plündern.

O, dass wir eine Kirche hätten von Solchen, die an Jesum glauben, und wissen, warum sie an Ihn glauben; Leute, welche die Bibel glauben, und wissen, was sie enthält; welche die Lehren der Gnade glauben, und die Tragweite dieser Wahrheiten kennen; die wissen, wo sie sind und was sie sind, und die deshalb im Lichte wohnen, und nicht von dem Fürsten der Finsternis betrogen werden können. Lassen Sie, lieben Freunde - ich spreche besonders zu den jüngeren unter uns lassen Sie viel Lehre in Ihren Predigten sein. Ich fürchte, Predigten werden zu oft mehr nach ihren Worten, als nach ihrem Sinn beurteilt. Lassen Sie es nicht so bei Ihnen sein. Speisen Sie die Leute immer mit Kenntnissen und Verständnis, und lassen Sie Ihr Predigen solide sein, und Nahrung für die Hungrigen, Heilung für die Kranken und Licht für die, welche in Finsternis sitzen, enthalten.

II. Feuer

Ich habe nun, zweitens, Sie zu mahnen und zu bitten, dass Sie in Ihrem Predigtamt viel himmlisches Feuer sammeln und gebrauchen. Sie werden vielleicht erwarten, dass ich über diesen Gegenstand behutsam spreche; denn Sie haben den Schaden wilden Feuers und die Gefahr fremden Feuers gesehen, und vielleicht sind Sie begierig, zu wissen, was ich von einer gewissen „Armee“ denke, die reich an Feuer ist und wunderbar auflodert6). Ich werde keine Meinung abgeben, ausgenommen die, dass keine der vorausgesetzten Übel des Feuers denen der Lauheit gleichkommen. Selbst Fanatismus ist der Indifferenz vorzuziehen. Ich wollte lieber die Gefahren eines Tornados religiöser Aufregung riskieren, als die Luft von toter Formalität stagnierend werden sehen. Es ist viel besser für die Leute, zu heiß, als Lauwarm zu sein. „Ich wollte, du wärest kalt oder heiß“ (nach der engl. Übers.) ist noch immer Christi Wort, und es ist auf Prediger sowohl als auf Andere anwendbar. Wenn ein Mann eiskalt ist in Christi Sachen, so wissen wir, wo er ist; und wenn ein anderer rotglühend oder selbst in weißer Hitze ist, und für enthusiastisch gehalten wird, so wissen wir, wo er ist; aber wenn ein Pastor so predigt, dass wir am Schluss der Predigt sagen, „dies ist weder kalt noch heiß,“ so gehen wir hinweg mit dem Gefühl, dass wir genug oder eher zu viel davon gehabt haben. Es war nichts da, um aufzuregen; man möchte fast wünschen, lieber zornig gemacht zu sein, als durch solches Reden eingelullt zu werden. Eine lauwarme Predigt erregt Ekel in jedem gesunden Gemüt.

Dies Übel wird indes nicht allein auf der Kanzel gefunden. Ich würde ernste Zweifel dabei haben, ob nicht ein Engel, wenn er einen Thermometer nähme und bei den Gemeinden der Dissenter in London umherginge, eine große Zahl derselben sicherlich nicht kalt, ganz entschieden nicht heiß, sondern irgendwie anders finden würde. Wie steht es mit Ihnen, lieber Bruder? Sagen Sie: „Nun wohl, ich bin nicht der wärmste von Allen, aber ich bin auch nicht der kälteste.“ Dann habe ich einen Verdacht in Betreff Ihrer Temperatur; aber ich überlasse die Sache Ihrem eigenen Urteil und bemerke nur, dass ich noch niemals Feuer angetroffen habe, das mäßig heiß war. Sollte Jemand von Ihnen ein solches Ding entdecken, so würde ex weise sein, ein Patent darauf zu nehmen, denn es könnte in vielerlei Weise von Nutzen sein. Das Feuer, mit dem ich Bekanntschaft gemacht, ist immer so gewesen, dass ich ihm niemals meine Hand gegeben, ohne seiner warmen Umarmung zu gedenken. Feuer ist unverbesserlich darin, dass es die Sachen sehr weit treibt: Mäßigung will es niemals lernen. Man hat mir gesagt, es sei unrecht, zu Extremen zu gehen, und nach diesem Grundsatz ist das Feuer sicher schuldig; denn es ist nicht nur äußerst heiß, sondern es hat eine Tendenz, ohne Grenzen zu verzehren und zu zerstören. Als es in alten Zeiten einmal mit dieser Stadt anfing, ließ es wenig von ihr übrig als Asche; man konnte es nicht in Schranken halten. Möge Gott uns Gnade geben, zu Extremen in Seinem Dienst zu gehen. Mögen wir mit einem Eifer für Seine Ehre erfüllt werden, der sich nicht zurückhalten lässt. Möge der HErr uns durch Feuer antworten, und möge dies Feuer auf die Prediger fallen und dann auf die Gemeinden. Wir bitten um die wahre Pfingstflamme, und nicht um Funken, die von menschlicher Leidenschaft entzündet sind. Eine glühende Kohle vom Altare ist's, was wir nötig haben, und nichts kann ihren Platz ausfüllen; aber diese müssen wir haben, sonst wird unser Amt vergeblich sein.

Brüder, wir müssen zuerst Sorge tragen, dass das Feuer in unsrer eignen Seele brennt. Ich freue mich, zu wissen, dass es sehr wenige, wenn überhaupt welche, unter Ihnen gibt, die ganz kalt sind; denn Sie werden zum Eifer erwärmt werden, wenn wir recht zu Werke gehen. Es ist sehr schwer, einen Stein zu erwärmen. Sie können einen Menschen in wollene Decken einhüllen, bis er schön warm wird, weil Leben in ihm ist, aber Sie können einen Stein nicht auf diese Weise erhitzen. Das Leben erzeugt einen Grad Wärme, und die Möglichkeit eines höheren, und da Sie Leben haben, so ist die Fähigkeit für Hitze da. Einige Prediger sind von einer so kalten Natur, dass keine bekannten Mittel sie erwärmen könnten. Der Versuch, in einigen Predigten Hitze zu zu finden, erinnert mich an Aesops Fabel von den Affen und dem Glühwurm. Die Affen fanden am Ufer einen leuchtenden Glühwurm und sammelten sich sofort um ihn, sich zu wärmen. Sie legten Reiser über ihn und versuchten, ein Feuer zu machen, aber es wollte nicht brennen. Es war ein sehr hübsches Ding, und sah aus wie eine Flamme, aber sie konnten ihre kalten Hände nicht mit seinem kalten Licht erwärmen. So habe ich Prediger gekannt, deren Licht es an Hitze fehlte, und deshalb entzündeten sich die armen Reiser um sie her niemals zu einer Flamme, und erfrorene Herzen tauten nie durch ihren Einfluss auf. Es ist eine schreckliche Sache, eine Predigt anzuhören, und die ganze Zeit das Gefühl zu haben, als wenn man draußen in einem Schneesturm säße oder in einem Hause von Eis wohnte, klar, aber kalt, geordnet, aber tötend. Sie haben zu sich selbst gesagt: „Das war eine gut eingeteilte und gutdurchdachte Predigt, aber ich kann nicht herausfinden, was daran fehlte“; das Geheimnis war dies, Holz war da, aber kein Feuer, es anzuzünden. Eine große Predigt ohne Herz darin erinnert Einen an jene ungeheuren Schmelzöfen in Wales, die man hat ausgehen lassen; sie sind ein kläglicher Anblick. Wir ziehen eine Predigt vor, in der kein hervorragendes Talent sein mag und keine große Tiefe des Gedankens, aber was da ist, ist frisch aus dem Schmelztiegel gekommen und brennt sich seinen Weg wie geschmolzenes Metall. Ich kannte einen Knaben, der, wenn er von der Schmiede, wo er arbeitete, zu Hause ging, von den Dorfknaben roh behandelt wurde, bis sein Meister ihm einen Verteidigungsplan eingab, der wunderbar wirksam war. Er nahm eine eiserne Stange, und eben ehe er nach Hause ging, blies er das Feuer an und machte das Eisen heiß. Als die Knaben um ihn herum kamen, warnte er sie, seinen Stock nicht anzurühren, und nachdem sie es Einmal probiert, gehorchten sie der Mahnung, und blieben in respektvoller Entfernung. Ich führe das Beispiel nicht an mit einer Empfehlung der wirklichen Tatsache, sondern im Hinblick auf die Moral - machen Sie Ihre Predigt rotglühend, und sie wird wahrscheinlich Allen in Erinnerung bleiben, die damit in Berührung kommen. Alles weicht vor dem Feuer.

Energie bleibt immer noch ein Wesentliches, was auch sonst in der Beredsamkeit sich seit den Tagen des Altertums geändert haben mag. Man sagt, dass die oft zitierte Antwort des Demosthenes auf die Frage: „Was ist das Erste in der Beredsamkeit?“ nicht „Aktion“, sondern „Energie“ gewesen sei. Was ist das Zweite? „Energie.“ Was ist das Dritte? „Energie“. Ich will mir nicht anmaßen, die klassische Frage zu entscheiden, aber ich bin gewiss, dass in Wirklichkeit Energie die Hauptsache in der menschlichen Seite des Predigens ist. Gleich den Priestern am Altar können wir nichts ohne Feuer tun. Brüder, sprechen Sie, weil Sie das Ev. Jesu glauben, sprechen Sie, weil Sie seine Macht fühlen, sprechen Sie unter dem Einflusse der Wahrheit, welche Sie vortragen, sprechen Sie mit dem Heiligen Geist, der vom Himmel hernieder gesandt ist, und das Resultat wird nicht zweifelhaft sein.

Lassen Sie uns sorgfältig daran gedenken, dass unsere Flamme von Oben angezündet sein muss. Nichts ist verächtlicher, als ein bloß gemaltes Feuer, der Schein von Eifer. Lieber lassen Sie uns einen ehrlichen Tod haben, als ein nachgemachtes Leben. Die Nachäffung Baxters ist verabscheuenswert; aber Baxter gleich zu sein, ist seraphisch. Wenn Sie gleich Whitefield sein wollen, so möchte ich sagen, seien Sie Whitefield. Lassen Sie das Feuer vom Heiligen Geist entzündet sein, nicht von sinnlicher Leidenschaft, dem Wunsch nach Ehre, dem Wetteifer mit Andern oder der Aufregung von dem Besuch der Versammlungen. Möge das furchtbare Beispiel Nadabs und Abihus auf immer fremdes Feuer von unsern Rauchfässern hinwegtun. Brennen Sie, weil Sie in feierlicher Gemeinschaft mit dem HErrn, unserm Gott, gewesen sind.

Erinnern Sie sich auch daran, dass das Feuer, welches Sie und ich nötig haben, uns verzehren wird, wenn wir es in Wahrheit besitzen. „Schone dich,“ mögen Freunde flüstern aber es wird nicht beachtet werden, wenn dieses Feuer brennt. Wir haben uns dem Werke Gottes hingegeben, und wir können nicht zurückgehen. Wir wünschen, ganze Brandopfer zu sein, und vollständig Gott dargebracht zu werden, und wir dürfen den Altar nicht scheuen. „Es sei denn, dass das Weizenkorn in die Erde falle, und ersterbe, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.“ Wir können nur Leben in Andern hervorbringen durch die Hingabe unsers eignen Wesens. Dies ist ein natürliches und ein geistliches Gesetz, dass Frucht nur aus dem Samen kommen kann, indem er sich verzehrt, und verzehrt wird, selbst bis zur Erschöpfung. Warum sind viele Prediger müde und matt, bis Herz und Hirn erliegt? Sie würden von wenig Nutzen sein, wenn sie nicht solche Gefahr liefen. Alle Menschen, die in hervorragender Weise nützlich sind, werden dahin gebracht, ihre Schwäche in sehr hohem Grade zu fühlen. Kann der Geist Gottes, die unendliche Gottheit, auf so schwachen Wagen, wie diese, fahren, ohne die Achse anzustrengen und die ganze Maschine beben zu machen, als wenn sie völlig vergehen wollte unter ihrer heiligen Bürde? Wenn Gott uns mit Seelenerrettender Macht heimsucht, ist es, als wenn eine verzehrende Flamme vom Himmel käme und ihre Wohnung in unserm Busen aufschlüge, und wo dies der Fall ist, da mag wohl ein Hinschmelzen aller Kraft stattfinden. Doch möge es so sein: wir bitten demütig um die geweihten Flammen. Herodes ward von Würmern gefressen, da er von Gott verflucht war; aber von Gott für Seinen eignen Dienst verzehrt werden, das ist die Fülle des Segens. Wir haben die Wahl zwischen diesen beiden, aufgefressen zu werden von unsrer eignen Verderbtheit oder von dem Eifer um das Haus Gottes. Kein Schwanken braucht's, die Wahl eines Jeden unter uns ist, ganz des HErrn zu sein feurig, leidenschaftlich, mit Ungestüm des HErrn Diener, mag die göttliche Inbrunst uns kosten, was sie wolle, an Hirn und Herz und Liebe. Unsre einzige Hoffnung auf Ehre, Herrlichkeit und Unsterblichkeit liegt in der Vollziehung unsrer Hingabe an Gott; als geweihte Gegenstände müssen wir vom Feuer verzehrt werden, oder verworfen sein. Uns von unserm Lebenswerk abzukehren, und anderswo Auszeichnung zu suchen, ist absolute Torheit; ein Bann wird auf uns sein, wir werden in nichts Erfolg haben, als in dem Streben, Gott zu verherrlichen durch das Lehren Seines Wortes. „Dies Volk habe ich mir zugerichtet,“ spricht Gott, „es soll Meinen Ruhm erzählen,“ und wenn wir dies nicht tun wollen, so sollen wir weniger als nichts tun. Zu diesem Einen Zwecke sind wir erschaffen, und wenn wir ihn verfehlen, so werden wir vergebens leben. Doktor Wayland sah, als er neulich in meinem Garten ging, die Schwäne außerhalb des Wassers, und bemerkte, dass sie eine treue Darstellung von Personen seien, die außerhalb ihrer Sphäre sind, und versuchen das zu tun, wofür sie nie geschaffen wurden. Wie unbeholfen sind die Schwäne auf dem Lande, sie watscheln in lächerlicher Weise; aber sobald sie im Wasser sind, wie anmutig gleiten sie entlang; jeder ist das Modell eines Schiffes, das Bild der Schönheit, jede Linie an ihm ist vollkommen. So ist es mit einem, der zufrieden ist, im Predigtamt Wasser zum Schwimmen zu finden. Als Gottes gesendeter Diener ist er alles, was schön ist; aber sobald er in ein Gewerbe hineinpfuscht, oder weltliche Vorträge hält, oder seine eigene Erhöhung sucht, so hört er auf, bewundernswert zu sein, wird oft sehr anrüchig und ist immer ungeschickt. Brüder, Sie sind nicht für etwas Andres bestimmt, als für Gott, deshalb übergeben Sie sich Ihm, und finden Sie in Ihm Ihren Reichtum, Ihre Ehre und Ihr Alles. Wenn Sie dieses tun, so sollen Sie das Haupt sein, und nicht der Schwanz; aber wenn Sie davon abweichen, so werden Sie gering geschätzt werden. Lassen Sie das Feuer vollkommener Weihe auf sich häufen, so werden Sie glühen und glänzen wie geschmolzenes Silber, das inmitten der Hitze immer heller wird. Lassen Sie uns nicht die Schande und ewige Verachtung über uns bringen, welche das Teil derer sein wird, die den Dienst ihres Erlösers verlassen für die Knechtschaft des Selbstsuchens. Wer sein Leben rettet, der verliert es, aber wer sein Leben verliert um Christi willen, der wird es finden zum ewigen Leben.

III. Glaube

Das nächste, was uns Not tut, ist Glaube; ich könnte sagen, das erste, zweite, dritte und letzte ist Glaube. „Ohne Glauben ist es unmöglich, Gott gefallen,“ und wenn wir Gott gefallen, ist es nicht durch unser Talent, sondern durch unsern Glauben. Gerade jetzt brauchen wir Glauben in der Form der Festigkeit unsers Bekenntnisses. Wir wissen mehr, als vor einiger Zeit, wenigstens hoffe ich, dass wir dies tun. Ich hörte gerade eben Einen von Ihnen zu einem Andern sagen, „Wie breit wirst Du!“ Nun, wir weiten aus; aber nicht wie Einige; denn wir sind nicht aus der „broad school“7). die wenig oder nichts recht glauben, weil sie wünschen, alles zu glauben. Wir haben unsern Anker geworfen, er hat festen Grund gefasst; wir haben aufgehört, zu treiben, wir bleiben in Ruhe. Manche Leute haben kein Glaubensbekenntnis, oder wenn sie eins haben, wird es so oft geändert, dass es ihnen nichts nützt. Es muss gleich der wollenen Decke eines Herrn sein, der von der smaragdenen Insel kam und sagte, „Sehen Sie her, unser Schiffer hat mir eine schändlich schlechte Decke gegeben. Sehen Sie sie nur mal an: sie ist zu lang an dem oberen und viel zu kurz am unteren Ende; sie geht über meinen Kopf, und doch sind meine Füße immer kalt. Ich schnitt einen ganzen Fuß am oberen Ende ab und säumte ihn am unteren an, aber sie ist nicht ein bisschen verändert; sie kommt immer über meine Augen, und ist zu kurz, meine Füße zu bedecken.“ Das ist's, was gewisse „Denker“ mit ihrem Glaubensbekenntnis tun, sie schneiden fortwährend an einem Ende ab und setzen es an das andre an, aber es wird nie recht es ist immer im Bilden begriffen, niemals gebildet. Die neuen Bekenntnisse sind wie die Kleider der italienischen Bauern, die ich mit verwunderter Neugier angeschaut habe. Es würde den gelehrtesten Geologen in Verlegenheit setzen, wenn er die ursprüngliche Bildung von ein paar Beinkleidern entdecken sollte, die von Generation zu Generation geflickt und ausgebessert sind mit Tuch von allen Farben und allen Mustern. Solchergestalt und so mannigfach ist der Glaube und der Unglaube mancher Menschen; ein Agglomerat von philosophischen Lappen, metaphysischen Flicken, theologischen Resten und häretischen Lumpen. Gewisse Denker haben das gepriesene Ultimatum erreicht, wo man gar nichts mit irgendwelcher Glaubensgewissheit glaubt. Wenn diese gebildeten Leute von uns sprechen, so legen sie große Verachtung an den Tag, und stellen sich, als wenn sie glaubten, dass wir von Natur Narren seien. Nun wohl! die Menschen sind nicht immer das, wofür man sie hält, und es mag geschehen, dass Jemand sich selbst wie in einem Spiegel erblickt, wenn er durch das Fenster einen Nachbar zu sehen glaubt. Es ist ein Zeichen großer Schwäche, wenn man voll Verachtung für Andere ist. Wenn ein Schriftsteller in einem Artikel oder einer Flugschrift seine Bildung zur Schau trägt, so können Sie sicher sein, dass er in letzter Zeit brach gelegen hat, und dass seine Affektation das Unkraut ist, das daraus entsprungen. Wenn es in Sachen der Kultur und Bildung zu einem ehrlichen Kampfe käme, so würden die Orthodoxen durchaus fähig sein, ihren Platz zu behaupten. Prahlen ist kläglich Werk; aber mitunter muss man Leuten ihrer Narrheit gewiss antworten, und ich sage kühn, dass wir bei keiner Art geistigen Turniers zittern würden, eine Lanze mit den Männern des „neuern Denkens“ zu brechen. Sei es so oder nicht, unsre Sache ist es, zu glauben. Wir glauben, dass der HErr, unser Gott, als er eine Offenbarung gab, wusste, was er meinte, und dass er sich in der besten und weisesten Art ausdrückte, und in Worten, welche verstanden werden können von denen, die gelehrig und wahrheitsliebend sind. Wir glauben deshalb, dass keine neue Offenbarung nötig ist, und dass die Vorstellung von einem andern künftigen Lichte dem Wesen nach Unglaube an das jetzige Licht ist, denn das Licht der Wahrheit ist Eins. Wir glauben, dass die Bibel, obgleich sie von ruchlosen Händen gedreht und gewendet worden ist, immer noch die unfehlbare Offenbarung Gottes ist. Es ist ein wesentlicher Teil unserer Religion, demütig anzunehmen, was Gott offenbart. Vielleicht ist die höchste, diesseits des „Vorhanges“ mögliche Form der Anbetung das Beugen unsrer ganzen geistigen und geistlichen Natur vor dem geoffenbarten Worte Gottes; das Knieen des Verstandes in jener heiligen Gegenwart, vor deren Herrlichkeit die Engel ihr Angesicht verhüllen. Lassen wir die, denen es gefällt, Wissenschaft, Vernunft und ihr eignes klares Urteil verehren; unsre Sache ist es, uns dem HErrn, unserm Gott zu unterwerfen und zu sagen: „Dieser Gott sei unser Gott immer und ewiglich. Er soll unser Führer sein bis zum Tode.“8)

Brüder, scharen Sie sich um das alte Banner. Kämpfen Sie bis zum Tode für das alte Evangelium; denn es ist Ihr Leben. Was für Formen des Ausdrucks Sie gebrauchen mögen beim Fortschreiten in Kenntnissen, stellen Sie immer das Kreuz Jesu Christi in den Vordergrund und halten Sie all' die gesegneten Wahrheiten, welche sich um dasselbe herum lagern, von Herzen aufrecht.

Wir müssen Glauben haben, nicht nur in dieser Form der Festigkeit des Bekenntnisses, sondern auch in Gestalt der beständigen Abhängigkeit von Gott. Wenn man mich fragte, was die lieblichste Stimmung in dem ganzen Umkreis menschlicher Empfindungen sei, so würde ich nicht reden von dem Gefühl der Kraft im Gebete, oder reicher Offenbarung, oder entzückender Freude, oder Überwindung böser Geister, sondern ich würde als die auserlesenste Wonne meiner Seele einen Zustand bewusster Abhängigkeit von Gott nennen. Er ist oft mit großen Schmerzen und mit Demütigung des Geistes verbunden gewesen; aber es ist unaussprechlich selig, willenlos in der Hand der Liebe zu liegen, in das Leben Christi hinein zu sterben. Es ist tiefe Freude, zu wissen, dass wir nicht wissen, aber dass unser himmlischer Vater weiß; dass wir nicht sprechen können, aber dass wir Einen haben, der „uns vertritt;“ dass wir kaum eine Hand aufheben können, aber dass Er alle unsre Werke in uns wirkt. Die gänzliche Unterwerfung unsrer Seele unter unsern HErrn, die völlige Zufriedenheit des Herzens mit Gottes Willen und Weg, die gewisse Zuversicht des Geistes auf die göttliche Gegenwart und Macht, - dies ist von Allem, was ich kenne, dem Himmel am nächsten; und es ist besser als Entzückung, denn man kann darin bleiben ohne Anstrengung oder Reaktion.

„O, nur zu Seinen Füßen liegen,
Und selber nichts, gar nichts zu sein!“

Es ist kein so erhabenes Gefühl, als auf Adlersflügeln sich empor zu schwingen; aber was Süßigkeit betrifft - tiefe, geheimnisvolle, unbeschreibliche da trägt es die Palme davon. Es ist eine Seligkeit, die es verträgt, dass man an sie denkt, eine Freude, die niemals eine gestohlene scheint; denn sicher hat ein armes, schwaches Kind ein unzweifelhaftes Recht, von Gott abzuhängen, ein Recht, Nichts zu sein in der Gegenwart des Allerhaltenden. Ich liebe es, in solcher Stimmung zu predigen, nicht, als wenn ich überhaupt zu predigen hätte, sondern in der Hoffnung, dass der Heilige Geist in mir sprechen werde. So Betstunden zu leiten und Gemeindeversammlungen und alle Geschäfte, würde Weisheit und Freude für uns sein. Wir machen gewöhnlich unsre schlimmsten Versehen bei Dingen, die vollkommen leicht sind; wenn etwas so einfach ist, dass wir Gott nicht bitten, uns zu leiten, weil wir denken, unsre eigne Vernunft werde hinreichen, so machen wir schwere Fehler; aber in den Schwierigkeiten, den sehr großen Schwierigkeiten, die wir vor Gott bringen, da gibt er jungen Männern Klugheit und lehrt die Jünglinge Kenntnisse und Vorsicht. Abhängigkeit von Gott ist die fließende Quelle des Erfolgs. Jener wahre Heilige Gottes, Georg Müller, ist mir immer, wenn ich ihn habe sprechen hören, durch seine einfache, kindliche Abhängigkeit von Gott aufgefallen; aber, ach, die Meisten von uns sind viel zu groß, als dass Gott sie gebrauchen kann; wir können predigen so gut wie irgendeiner; eine Predigt machen so gut wie einer und so misslingt es uns. Hüten Sie sich, Brüder; denn wenn wir denken, wir können etwas in eigner Kraft tun, so wird die Gelegenheit, es zu versuchen, Alles sein, was wir von Gott erhalten. Er wird uns so prüfen und uns unser Nichts sehen lassen. Ein gewisser Alchimist, der zu Leo X. kam, erklärte, er hätte die Entdeckung gemacht, geringere Metalle in Gold zu verwandeln. Er erwartete, eine Summe Geldes für seine Entdeckung zu erhalten, aber Leo war kein solcher Simpelton; er gab ihm nur eine ungeheure Börse, um das Geld darin aufzubewahren, das er machen würde. Es war Weisheit sowohl wie Sarkasmus in dem Geschenk. Dies ist genau das, was Gott mit stolzen Menschen tut, er gewährt ihnen eine Gelegenheit, das zu tun, was sie sich rühmten, tun zu können. Ich hörte nie, dass auch nur ein einziges Geldstück in Leos Börse getan sei, und ich bin gewiss, Sie werden nie geistlich reich sein durch das, was Sie in eigner Kraft tun können. Sein Sie entblößt von Allem, Bruder, dann mag es Gott gefallen, Sie mit Ehre zu bekleiden, aber nicht eher.

Es ist notwendig, dass wir Glauben zeigen in der Form des Vertrauens auf Gott. Brüder, es würde ein großes Unglück sein, wenn von Ihrer Einem gesagt werden könnte, „Er hatte einen sittlich trefflichen Charakter und ausgezeichnete Gaben; aber er traute nicht auf Gott.“ Der Glaube ist eine Hauptnotwendigkeit. „Vor allen Dingen aber ergreift den Schild des Glaubens“, schärfte der Apostel ein. Ach, Manche gehen in den Kampf, lassen aber ihren Schild zu Hause. Es wäre entsetzlich, an eine Predigt zu denken, die alles wäre, was eine Predigt sein sollte, in jeder Hinsicht, ausgenommen, dass der Prediger nicht das Vertrauen auf den Heiligen Geist hätte, dass dieser sie zur Bekehrung von Seelen segnen würde; solch' eine Rede ist vergeblich. Keine Predigt ist, was sie sein soll, wenn der Glaube fehlt: ebenso wohl könnte man sagen, dass ein Körper gesund sei, wenn das Leben erloschen ist. Es ist bewundernswert, einen Mann sich demütig seiner Schwachheit bewusst zu sehen, und doch voll mutiger Zuversicht auf des HErrn Macht, durch seine Schwachheit zu wirken. Wir können uns frei rühmen, wenn Gott unser Ruhm ist. Wenn wir Großes versuchen, werden wir uns nicht bei dem Versuch überarbeiten, und wenn wir Großes erwarten, werden wir nicht getäuscht werden. Nelson ward gefragt, ob eine gewisse Bewegung seiner Schiffe nicht gefährlich sei, und er antwortete, „Gefährlich mag sie sein, aber im Seewesen ist nichts unmöglich, und nichts ist unwahrscheinlich.“ Ich bin kühn genug, zu behaupten, dass im Dienste Gottes nichts unmöglich und nichts unwahrscheinlich ist. Geht hinein, im Namen Gottes; wagt alles auf seine Verheißung, und euch soll nach eurem Glauben geschehen.

Die gewöhnliche Politik unsrer Kirchen ist die einer großen Vorsicht. In der Regel versuchen wir nichts über unsere Kraft hinaus. Wir messen unsere Mittel und berechnen mit ökonomischer Genauigkeit Möglichkeiten; dann ziehen wir einen großen Rabatt ab für allerlei Zufälligkeiten, und einen noch größeren, um für unsere Bequemlichkeit zu sorgen, und so vollenden mir wenig, weil wir keinen Gedanken daran haben, viel zu tun. Ich wollte zu Gott, dass wir mehr Herzhaftigkeit hätten. Ich weiß kein passenderes Wort: obgleich es sich für das Lager besser eignen mag, als für die Kirche, so wollen wir diesmal von den Baracken borgen. Denken Sie daran, dass nichts dem Mut gleichkommt, selbst in gewöhnlichen Dingen. Als Sir Richard Sutton Gesandter in Preußen war, zeigte ihm der König sein Regiment von Riesen, von denen jeder 6 Fuß 6 Zoll maß. Der König sagte zu ihm: „Glauben Sie, dass irgendein Regiment in der englischen Armee Mann gegen Mann wider diese Männer fechten könnte?“ Sir Richard antwortete: „Eure Majestät, ich weiß nicht, ob die gleiche Anzahl diese Riesen schlagen könnte, aber ich weiß, dass eine halb so große Zahl es versuchen würde.“ Lassen Sie uns Großes versuchen, denn die, welche an den Namen des HErrn glauben, haben Erfolg über alle Erwartung hinaus. Durch Glauben lebt der Arbeiter. Der wahrhaft edle Lord Shaftesbury sagte neulich Nachmittags von den Lehrern in den Lumpenschulen und ihrem Werk; „Es war für alle denkenden Leute klar, dass in der Unwissenheit der Kinder in den niederen Volksklassen eine große Gefahr lag, und deshalb begannen die Ratgeber der Krone darüber nachzudenken, und die Philosophen begannen darüber nachzudenken, und gute Menschen aller Art begannen darüber nachzudenken; aber während sie Alle mit Nachdenken beschäftigt waren, eröffneten ein paar einfache, schlichte Leute Lumpenschulen und taten das Werk.“ Dies ist die Art von Glauben, die wir mehr und mehr nötig haben; wir haben es nötig, so auf Gott zu vertrauen, dass wir die Hand an den Pflug legen in Seinem Namen. Es ist müßig, die Zeit damit zuzubringen, dass wir Pläne machen und ändern, und nichts Anderes tun; der beste Plan für das Tun von Gottes Werk ist, es zu tun. Brüder, wenn Sie an Niemand anders glauben, glauben Sie an Gott ohne Maß. Glauben Sie rückhaltlos an Ihn. Begraben Sie sich selber, sowohl Ihre Schwachheit, als Ihre Kraft, in dem einfachen Vertrauen auf Gott. „O,“ sagt Einer, „von diesem Mann kann Niemand wissen, was für rasende Dinge er nun anfangen wird.“ Lassen Sie den Spott hingehen, obwohl es ebenso gut sein mag, zu sagen: „Mein teurer Feste, ich rase nicht, sondern ich rede wahre und vernünftige Worte.“ Das Ende aller Dinge wird zeigen, dass Glaube an Gott geheiligter, gesunder Verstand ist, ohne ein Atom Torheit darin. Gottes Wort glauben, ist das Vernünftigste was wir tun können, es ist der einfachste Weg, den wir einschlagen und die sicherste Politik, die wir verfolgen können, sogar wenn wir für uns selber sorgen wollen; denn Jesus spricht: „Wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden.“ Lassen Sie uns Alles auf die Treue Gottes wagen, und wir werden nie beschämt oder zu Schanden werden, in Ewigkeit nicht.

Sie müssen auch Glauben an Gott haben in der Form der Erwartung. Unsere Brüder Smith und Fullerton9) würden keinen Segen in ihrem Werke haben, wenn sie ihn nicht erwarteten; aber da sie ihn erwarten, so sorgen sie für einen Inquiry room 10) und für Personen, die nach den Bekehrten sehen. Sollen wir Landbau beginnen, und nicht für eine Scheuer sorgen? In manchem Dorf hat der HErr Seelen unter der Predigt des Evangeliums errettet, aber der Pastor hat niemals gesagt: „Ich werde an dem und dem Abend in der Sakristei sein, um Suchende zu sehen,“ oder: „Ich werde nach der Predigt hier bleiben, um mit denen zu sprechen, die in Angst um ihrer Seelen Heil sind.“ Er hat nie den Leuten Gelegenheit gegeben, zu erzählen, was der HErr für sie getan hat, und wenn er hören sollte, dass ein Dutzend Leute zur Erkenntnis ihrer Sünden gekommen wären, würde er erstaunen und fürchten, dass sie Heuchler seien. Wir haben Christum nicht so gelernt. Wir erwarten, Fische in unsern Netzen zu fangen, und Ernten in unsern Feldern zu reifen. Steht es so mit Ihnen, meine Brüder? Lassen Sie es noch mehr so sein. „Tue deinen Mund weit auf,“ spricht der HErr, so will ich ihn füllen.“ Beten und predigen Sie so, dass Sie, wenn keine Bekehrungen stattfinden, erstaunt!, bestürzt und gebrochenen Herzens sind. Sehen Sie nach der Errettung Ihrer Hörer aus, ebenso sehr wie der Engel, der die letzte Posaune bläst, nach der Auferstehung der Toten aussehen wird. Glauben Sie Ihre eigene Lehre! Glauben Sie Ihrem eigenen Heilande! Glauben Sie an den Heiligen Geist, der in Ihnen wohnt! Denn so werden Sie Ihres Herzens Wunsch erfüllt sehen und Gott wird verherrlicht werden.

IV. Leben

Es ist Zeit, von dem Vierten zu sprechen, nämlich Leben. Der Prediger muss Leben haben; er muss Leben in sich selber haben. Sind Sie ganz lebendig, mein Bruder? Natürlich sind Sie lebendig gemacht als einfacher Gläubiger; aber sind Sie als Pastor ganz lebendig? Wenn in eines Menschen Körper ein Knochen ist, der nicht lebendig ist, so wird dieser der nidus11) für Krankheit; ein schlechter Zahn z. B. kann ernsteren Schaden verursachen, als die Meisten sich einbilden. In einem lebendigen Organismus ist ein totes Stück am unrechten Orte, und wird früher oder später heftigen Schmerz erzeugen. Es ist eine weise Anordnung, dass es so ist; denn Erstorbenheit hat eine Tendenz, weiter um sich zu greifen, und Schaden möchte unvermerkt geschehen, wenn der Schmerz nicht die Sturmglocke läutete. Ich hoffe, dass jeder Teil unsrer Seele, der nicht wahrhaft lebendig ist, uns schmerzen möge, bis das Übel gehoben ist.

Einige Brüder scheinen nie ganz lebendig zu sein, sie sind intelligent und dem Studium ergeben; aber ach! ihre Herzen sind untätig, kalt, lethargisch. Viele Prediger spähen nie Gelegenheiten aus, denn der Tod scheint ihre Augen versiegelt zu haben, und ihre Zunge ist auch nicht halb lebendig, so dass sie mummeln und stammeln, und rund um sie her Schlummer herrscht. Mir ist gesagt worden, wenn gewisse Prediger nur einmal mit dem Fuße stampfen oder ein Taschentuch emporheben wollten, oder irgendetwas von ihrer regelmäßigen Gewohnheit Abweichendes tun, so würde es eine Erleichterung für ihre Hörer sein. Ich hoffe, Niemand von Ihnen ist so ganz mechanisch geworden. Aber ich weiß, dass Einige schwer sind und doch nicht gewichtig, feierlich und doch nicht nachdrucksvoll. Mein Bruder, ich möchte, Sie wären lebendig von der Fußsohle bis zum Haupte, lebendig in Kopf und Herzen, in Zunge und Hand, in Aug' und Ohr. Dem lebendigen Gott sollten lebendige Menschen dienen.

Streben Sie danach, lebendig zu sein in all Ihren Pflichten. John Bradford, der Märtyrer, pflegte zu sagen: „Ich höre nie mit irgendeinem Teil der Andacht auf, bis ich mich ganz lebendig darin fühle, und weiß, dass der Herr darin mit mir ist.“ Führen Sie diese Regel gewissenhaft durch. Wenn Sie Sünde bekennen, fahren Sie mit Bekennen fort, bis Sie fühlen, dass Ihre Tränen des Heilandes Füße gewaschen haben. Beim Suchen nach Vergebung fahren Sie fort, bis der Heilige Geist Ihnen das Zeugnis gibt, dass Sie Frieden mit Gott haben. Beim Vorbereiten einer Predigt, beten Sie zum HErrn, bis Sie darin Gemeinschaft mit Christo haben, bis der Heilige Geist Sie die Macht der Wahrheit fühlen lässt, die Sie vortragen wollen. „Du Menschenkind, iss diese Rolle.“ Ehe Sie versuchen, das Wort an Andere auszugeben, nehmen Sie es in sich selber auf. Ist nicht zu viel totes Beten und totes Predigen und tote kirchliche Arbeit aller Art da? Kennen Sie nicht Kirchen, welche dem Geisterschiff in der Sage gleichen: der Kapitän, der Steuermann und die ganze Mannschaft sind Tote?

„Die Mannschaft zieht die Seile an,
Wie vormals sie gewohnt es war,
Doch leblos rührt sich Fuß und Hand:
Es ist nur eine Leichenschar.
Der Körper meines Diakons
Steht bei mir Knie an Knie dicht,
Wir ziehen Beid' an einem Seil:
Lebendig sind wir Beide nicht.“

Dies ist ein schreckliches Geschäft, aber ich habe des etwas erblickt, obwohl ich nie einen Geist gesehen habe. Ich erinnere mich, dass ich vor Jahren einmal in einer Kirche war, die äußerlich beinahe erstorben war und innerlich ganz und gar so; nach der Predigt, während welcher ich eine entsetzliche innere Kälte fühlte, ging ich in die Sakristei, und sah dort zwei wichtige Personen sich schwerfällig an den Kamin lehnen. Ich sagte zu ihnen: „Sind Sie die Diakonen der Kirche?“ Sie antworteten: „Ja, mein Herr.“ Ich erwiderte: „Ich dachte es!“ Ich erklärte mich nicht weiter. Diese Säulen der Kirche hatten augenscheinlich das Stützen nötig. Träge Gemächlichkeit tut's nicht! Brüder, wir müssen reichlicher Leben haben, ein Jeder von uns, und es muss ausströmen in alle Pflichten unseres Amtes hinein: warmes geistliches Leben muss sich zeigen im Gebet, im Singen, im Predigen und selbst in dem Händedruck und dem guten Wort nach dem Gottesdienst, Ich habe Freude an diesen Konferenzen, weil es lebendige Versammlungen sind; man fühlt sich in diesem Zimmer nicht wie in einem Grabgewölbe, und Sie grüßen einander nicht wie eine Reihe lebendiger Skelette ohne Herzen, oder eine Gesellschaft respektabler Mandarinen, frisch vom Teeladen, die mechanisch nicken und sich beugen. Ich kann keine Versammlung ertragen, wo die einzige Äußerung des Lebens hitzige Diskussionen über Punkte der Ordnung, Amendements und Anträge über vorhergegangene Fragen sind. Man staunt über die Kleinigkeiten, mit denen eine Versammlung Stunden kostbarer Zeit vergeudet, und streitet, als wenn die Bestimmung der ganzen Welt und das Schicksal der Sternenhimmel von der Debatte abhinge. Wie hebt sich der Berg, aber eine wie kleine Maus wird geboren! Brüder, mögen Sie lebendig sein, und lebendig bleiben, und Ihr Leben ausstreuen. Wir lesen im Plato, dass die Ägyptischen Priester von den Griechen sagten: „Ihr Griechen seid immer Jünglinge, es ist kein alter Mann unter euch.“ Ebenso wenig, meine Herren, ist zu dieser Stunde ein alter Mann unter uns; wir sind voller Jugend bis auf diesen Tag, und wenn Sie Einen sehen wollen, dessen Kraft und Fröhlichkeit beweist, dass seine grauen Haare alle äußerlich sind, dort sitzt der Mann (auf Mr. Rogers zeigend). Es ist ein Großes, beständig seine Jugend zu erneuern, niemals in ausgetretenen Geleisen zu gehen, sondern neue Spuren mit glühenden Rädern zu ziehen. Die, welche alt sind, wenn sie jung sind, werden wahrscheinlich jung sein, wenn sie alt sind. Ich sehe gern die Lebhaftigkeit des Kindes mit dem Ernst des Vaters verbunden; aber besonders freue ich mich, einen gottesfürchtigen Mann die Lebendigkeit, die Freude, den Ernst seiner ersten Liebe aufrecht halten zu sehen. Es ist ein Verbrechen, unser Feuer schwach brennen zu lassen, während die Erfahrung uns immer reichlicheren Brennstoff liefert. Sei es unser Teil, von Kraft zu Kraft zu gehen, von Leben zu immer vollerem Leben.

Seien Sie voll Leben zu allen Zeiten, und lassen Sie dies Leben in Ihrem gewöhnlichen Wandel gesehen werden. Es ist ein trauriger Stand der Sachen, wenn die Leute sagen: „Unser Pastor vernichtet im Hause, was er auf der Kanzel getan hat; er predigt sehr gut, aber sein Leben stimmt nicht mit seiner Lehre überein.“ Unser HErr Jesus wollte, dass wir vollkommen sein sollten, wie unser Vater im Himmel vollkommen ist. Jeder Christ sollte heilig sein; aber uns liegt eine siebenfache Verpflichtung dazu ob. Gott helfe uns, so zu leben, dass wir Beispiele für unsre Herden sind, denen sie mit Sicherheit folgen dürfen: wie können wir den göttlichen Segen erwarten, wenn es nicht so ist? Ist es so, dann wird Leben von uns zu Andern ausgehen. Der Mann, den Gott zum Lebendig machen gebraucht, ist der Mann, der selbst lebendig gemacht ist. Mögen wir und unsre Gemeinden jenen Springbrunnen gleichen, die wir auf unsern Reisen im Auslande gesehen haben; das Wasser steigt in die Höhe wie eine Fontaine und fällt dann in ein Bassin; wenn dieses voll ist, so fließt der Kristall über den Rand hinaus in einer funkelnden Fläche und rollt in ein anderes Bassin, und dies wiederholt sich mehrmals, bis das Resultat unser Auge entzückt. Mögen auf unsrer Konferenz, meine Brüder, die lebendigen Wasser in uns hinein fließen und dann von uns ausströmen, bis Tausende einen Segen empfangen, und ihn Andern mitteilen. „Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme des lebendigen Wassers fließen.“ Gott fülle Sie bis zum Rande, und lasse Sie überfließen. Dies ist wesentlich: Leben müssen wir haben. Wenn unter uns ein schlummernder Bruder ist, der Alles in träger Weise tut, so möge er aufwachen. Wenn Jemand unter uns seine Pflicht in einer leblosen Art erfüllt, als wenn er Pfundweise bezahlt würde und keine halbe Unze drüber geben wollte, möge auch er aufwachen. Unser Werk erfordert es, dass wir dem Herrn von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüte und mit all unsern Kräften dienen. Unser Platz ist keiner für Halbherzigkeit. Geht, ihr Toten, nehmt den Platz eines Kaplans12) am Kirchhofe, und begrabt eure Toten; aber Arbeit unter lebendigen Menschen verlangt Leben - kräftiges, rühriges Leben. Eine Leiche unter den Chören der Engel würde nicht mehr am unrechten Orte sein, als ein lebloser Mann im evangelischen Predigtamt: Gott ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen.

V. Liebe

Das Letzte, aber nicht das Unwichtigste, ist Liebe. Gewiss, wir müssen reich an Liebe sein. Es ist eine harte Sache für einige Prediger, ihre Predigten mit Liebe zu durchtränken und zu durchduften; denn ihre Naturen sind hart oder kalt oder grob oder selbstsüchtig. Keiner von uns ist ganz so, wie er sein sollte, aber Einige sind besonders arm im Punkte der Liebe. Sie „sorgen nicht von Natur“ für die Seelen der Menschen, wie Paulus es ausdrückt13). Zu Allen, aber besonders zu denen von der härteren Art möchten wir sagen, nehmen Sie es doppelt ernst mit der heiligen Liebe, denn ohne diese werden Sie ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle sein. Liebe ist Macht. Der Heilige Geist wirkt meistens durch unsre Liebe. Lieben Sie die Menschen zu Christo; der Glaube vollbringt viel, aber Liebe ist das Werkzeug, wodurch er seine Wünsche ausführt im Namen des Herrn der Liebe.

Brüder, lieben Sie Ihr Werk. Sie werden niemals gut predigen, wenn Sie nicht Liebe zum Predigen haben! Sie werden nie in Ihrem Amte gut wirken, wenn Sie nicht die Leute lieben, und ich möchte fast sagen, wenn Sie nicht das Dorf und das Versammlungshaus lieben. Ich wollte, Sie glaubten, „Slokum im Sumpfe“ sei eine Perle unter den Dörfern. Denken Sie, dass London als Stadt ganz gut sei; aber dass als Dorf Slokum die Palme davon trägt. Selbst Ihre Kapelle mit all ihrer Einfachheit, sollte Reize für Sie haben: seien Sie der Meinung, dass das Tabernakel in seiner Art gut genug sei, aber dass große Mängel daran haften; dass es z. B. zu groß sei wenigstens zu groß für Sie. Ihr Versammlungsort fasst nur dreihundert und zwanzig; aber nach Ihrem Urteil sei die Zahl ganz so groß, wie ein Mann sie mit einiger Aussicht auf Erfolg beaufsichtigen könne; wenigstens schließe sie eine Verantwortlichkeit in sich, durchaus so groß, wie Sie sie nur zu tragen wünschen. Wenn die Liebe einer Mutter zu ihren Kindern sie glauben lässt, sie seien die hübschesten im ganzen Kirchspiel, so trägt sie mehr Sorgfalt bei dem Waschen und Kleiden derselben; wenn sie dächte, sie seien hässliche, lästige Geschöpfe, so würde sie sie vernachlässigen; und ich bin gewiss, dass wir, bis wir unser Werk von Herzen lieben und die Leute lieben, mit denen wir arbeiten, nicht viel ausrichten werden. Ich kann mit Wahrheit sagen, dass ich Niemanden in der ganzen Welt weiß, mit dem ich den Platz tauschen möchte. „Ach“, sagen Sie, das ist sehr wahrscheinlich, denn Sie haben eine schöne Stellung.“ Ich bin ganz dieser Meinung; aber ich dachte ebenso von meinem kleinen Pastorat in Waterbeach, und nur mit äußerster Abneigung ging ich von dem ersten zum zweiten. Ich habe noch immer den Glauben, dass in meiner ersten Gemeinde Leute waren, wie ich nie wieder ihres Gleichen sehen werde, und dass dies Dorf in Cambridgeshire große Anziehungskraft als Wirkungskreis hat. Es ist eine Regel, von der ich keine Ausnahme weiß, dass zum Gedeihen eines Werkes ein Enthusiasmus für dasselbe nötig ist.

Sie müssen auch tiefe Liebe zu den Seelen der Menschen haben, wenn sie dieselben zum Guten leiten wollen. Nichts kann das Fehlen dieser Liebe ersetzen. Seelen zu gewinnen muss Ihre Leidenschaft sein, Sie müssen dazu geboren sein; es muss der wahre Odem Ihrer Nase sein, das Einzige, wofür Sie es der Mühe wert halten, zu leben. Wir müssen nach Seelen jagen, wie der Schweizer Jäger die Gämse verfolgt, weil der Jagdgeist ihn beherrscht. Vor Allem müssen wir eine tiefe Liebe zu Gott fühlen. Unser teurer Bruder, welcher uns heute Morgen im Gebet leitete, sprach in rechter Weise von der Macht, die uns umgürtet, wenn wir in Liebe zu Gott brennen. Wie kommt es, dass wir Kindern und jungen Leuten sagen, „Ihr müsst Jesum lieben, um errettet zu werden“? Dies ist nicht das Evangelium. Das Evangelium ist: „Glaube an den HErrn Jesum Christum, so sollst du errettet werden.“ Wir tragen Sorge, den Erwachsenen die Sache richtig darzustellen; warum geben wir sie der Jugend ungenau? Wenn wir überhaupt einen Unterschied machen, so wäre es weiser, die Kinder glauben zu heißen und die Alten lieben: der Irrtum wird weniger Schaden tun, denn Liebe ist es, woran es den meisten Menschen sehr fehlt. Die heilige Gnade der Liebe sollte mehr unter uns gepredigt und mehr von uns gefühlt werden. „O,“ sagte eine Frau, als sie von ihrem HErrn mit dem Prediger sprach, „Er hat mein Gebet manches Mal gehört, und ich kann von Ihm haben, was ich wünsche, denn durch Seine Gnade habe ich es sehr dick mit ihm.“ Sie meinte, dass ihr Umgang mit Ihm eine liebliche Gemeinschaft bewirkt habe und dass so ihre Gebete erhört würden. O, dass wir auf vertrautem Fuße mit dem Freund unsrer Seelen lebten und Seine Liebe stets in unserm Busen fühlten. Liebe zu Gott wird einem Manne helfen, im Dienste auszuharren, wo er sonst sein Werk aufgeben würde. „Die Liebe Christi drängt uns“, sagte Einer, dessen Herz ganz seines HErrn war. Ich hörte neulich Jemand sagen, dass die Liebe Christi uns drängen sollte.“ Dies ist wahr, aber Paulus sprach nicht so sehr von einer Pflicht, als von einer Tatsache; er sagte, „Die Liebe Christi drängt uns.“

Geliebte Brüder, wenn Sie voll Liebe zu Ihrem Werk und Liebe zu den Seelen und Liebe zu Gott sind, werden Sie fröhlich manche Selbstverleugnung üben, die Ihnen sonst unerträglich sein würde. Die Armut unsrer Brüder auf dem Lande ist sehr schmerzlich, und sollte jedenfalls erleichtert werden; aber wir mögen wohl stolz sein, dass so viele Männer kommen, die, um das Evangelium Christi zu predigen, willig sind, einen einträglichen Beruf aufzugeben und Mühsale zu erdulden. Andere Denominationen möchten sie besser bezahlen, aber sie verschmähen die goldene Bestechung und bleiben Christo und den verordneten Handlungen, wie sie überliefert wurden, treu. Alle Ehre diesen Lebenslangen Märtyrern, die harte Entbehrungen um Christi und Seiner Kirche willen ertragen. Der Teufel begegnete einst einem Christen, so habe ich gehört, und sagte zu ihm, „Du nennst dich einen Diener Gottes. Was tust du mehr, als ich tue? Du rühmst dich, dass du fastest, ich tue es auch; denn ich esse weder, noch trinke ich. Du begehst keinen Ehebruch; ich tue es auch nicht.“ Der böse Feind zählte eine lange Liste von Sünden auf, deren er unfähig ist, und von denen er daher sich freisprechen konnte. Der Heilige sagte ihm zuletzt, „Ich tue Eins, was du niemals getan hast; ich verleugne mich selbst.“ Das ist der Punkt, wo der Christ sich zeigt; er verleugnet sich um Christi willen; im Glauben an Jesum achtet er alles für Schaden gegen der überschwänglichen Erkenntnis Jesu Christi, seines HErrn. Brüder, verlassen Sie Ihre Gemeinde nicht, weil das Gehalt klein ist. Für Ihre armen Leute muss irgend Jemand sorgen. Verzweifeln Sie nicht, wenn die Zeiten schwer sind; denn sie werden allmählig besser werden, und mittlerweile kennt Ihr himmlischer Vater Ihre Not. Wir haben von Leuten gehört, welche, wenn Andre flohen, in Städten blieben, die von der Pest heimgesucht waren, weil sie den Kranken von Nutzen sein konnten. Bleiben Sie also bei Ihren Gemeindegliedern, wenn Arbeitsmangel da ist; seien Sie Ihrem Gott so treu, wie mancher Mann es seiner Philanthropie gewesen ist. Wenn Sie es irgendwie machen können, über die gegenwärtige Zeit der Not hinüber zu steuern, bleiben Sie bei ihnen. Gott wird Ihnen helfen, und Sie belohnen, wenn Sie Glauben an Ihn haben. Möge der HErr Ihr Vertrauen befestigen, und Sie in Ihrer Trübsal trösten.

Fahren Sie fort, Brüder, fahren Sie fort, dasselbe Evangelium zu predigen; aber predigen Sie es mit mehr Glauben, und predigen Sie es besser jeden Tag. Ziehen Sie sich nicht zurück, Ihr Platz ist an der Fronte. Machen Sie sich befähigt für größere Wirkungskreise, Sie, die an kleinen Orten sind; aber vernachlässigen Sie nicht Ihre Studien, um nach besseren Stellen auszusehen. Seien Sie vorbereitet für eine neue Stelle, wenn sie kommt, und seien Sie versichert, dass das Amt kommen wird für den Mann, der für das Amt geeignet ist. Unsrer sind nicht so viele, dass wir nötig haben, uns in jedem Markt auszubieten; die Kirchen sehen beständig nach wahrhaft wirksamen Predigern aus. Männer, deren Tüchtigkeit für das Amt zweifelhaft ist, sind heutzutage wenig gesucht, aber nach Männern von Fähigkeit und Wirksamkeit ist große Nachfrage.

Man kann ein Licht nicht unter einem Scheffel verbergen, und man kann einen wirklich fähigen Mann nicht in einer unbedeutenden Stellung halten. Gönnerschaft ist von geringem Wert; Tüchtigkeit für das Werk, Gnade, Fähigkeit, Ernst, ein liebendes Gemüt bringen den Mann bald an seinen Play. Gott wird Seinen Diener in seine rechte Stellung setzen, wenn er nur Glauben hat, auf Ihn zu vertrauen. Ich setze dies Wort ans Ende meiner Ansprache, weil ich die Entmutigungen kenne, unter denen Sie arbeiten. Fürchten Sie nicht harte Arbeit für Christum; eine furchtbare Rechenschaft wartet derer, die eine gemächliche Zeit im Predigtamte haben, aber ein großer Lohn ist denen aufbehalten, welche alle Dinge um der Auserwählten willen erdulden. Sie werden Ihre Armut nicht bedauern, wenn Christus kommt, und Seine Diener zu sich ruft. Es wird ein Süßes sein, wenn Sie auf Ihrem Posten gestorben sind, nicht um Reichtums willen sich davon abgewandt haben, nicht von Dan nach Berseba gelaufen, um ein besseres Gehalt zu bekommen, sondern da geblieben sind, wo der HErr Sie die Festung halten hieß.

Brüder, weihen Sie sich Gott von Neuem. Bringen Sie neue Stricke hierher. Binden Sie das Opfer wiederum an den Altar! Mag es sich sträuben, wie es will, voll Angst, dem Messer auszuweichen, voll Furcht vor dem Feuer, doch binden Sie es mit Stricken, ja mit Stricken an die Hörner des Altars; denn bis zum Tode, und im Tode, sind wir des HErrn. Völlige Übergabe von Allem an Jesus ist heute unser Losungswort. Möge der HErr nur das lebendige Opfer annehmen, um Jesu Christi willen! Amen.

1)
Ein Moujik (oder Muzhik, russisch: мужи́к) ist ein Begriff für einen russischen Bauern, insbesondere vor der Revolution 1917.
2)
Mangel an Vorbildung, selbst an den gewöhnlichsten Schulkenntnissen, ist kein Hindernis für die Aufnahme ins College; Bedingung ist nur, dass ein Mann wenigstens zwei Jahre lang gepredigt und bewiesen hat, dass er Gaben und Beruf dazu besitzt. Anm. d. Übers.
3)
Der frühere Vorsteher des College
4)
Ein bekannter englischer Gesangvers, dessen letzte, von Spurgeon hier parodierte Zeile in der Übersetzung lautet: „Hinauf in jenes sel'ge Land.“ O. Übers.
5)
Charles Blondin, eigentlich Jean François Gravelet (* 28. Februar 1824 in Saint-Omer, Pas-de-Calais, Frankreich; † 22. Februar 1897 in London, England) war ein französischer Hochseilartist. Er bereiste die Vereinigten Staaten und überquerte als erster die Niagara-Schlucht auf dem Hochseil. Im 19. Jahrhundert wurde sein Name im Englischen zum Synonym für Hochseilakrobatik.
6)
„blazes away most marvellously“. blaze bedeutet sowohl lodern, als ausposaunen. Das Wortspiel lässt sich im Deutschen nicht wiedergeben. Anm. d. Übers.
7)
„broad church“ wird die freigesinnte Partei, namentlich in der englischen Staatskirche, genannt. Anm. d. Übers.
8)
Ps. 48, 15. nach der engl. Übers.
9)
Zwei in seinem College ausgebildete Prediger, die Spurgeon als Evangelisten aussendet. Anm. d. Übers.
10)
ein Sprech-Zimmer für die, welche nach dem Gottesdienst nähere Belehrung wünschen
11)
Der Begriff „Nidus“ bezeichnet in der Medizin den Sitz einer Infektion oder eines Tumors bzw. den Kern eines Konkrements.
12)
Bei sehr großen Kirchhöfen ist ein eigner Kaplan angestellt, der bei den Beerdigungen fungiert. Anm. d. Übers.
13)
Phil. 2, 20. nach der engl. Übers.
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