Spurgeon, Charles Haddon - Das stellvertretende Opfer Christi - Das Blut der Besprengung und die Kinder.

Spurgeon, Charles Haddon - Das stellvertretende Opfer Christi - Das Blut der Besprengung und die Kinder.

Gehalten am Sonntagmorgen, den 23. Oktober 1887.

“Und Mose forderte alle Ältesten in Israel, und sprach zu ihnen: Lest aus, und nehmt ein Lamm, Jedermann für sein Gesinde und schlachtet das Passah. Und nehmt ein Büschel Ysop, und tunket in das Blut in dem Becken, und berühret damit die Überschwelle und die zwei Pfosten. Und gehe kein Mensch zu seiner Haustür heraus, bis an den Morgen. Denn der Herr wird umhergehen und die Ägypter plagen. Und wenn er das Blut sehen wird an der Überschwelle und an den zwei Pfosten, wird er vor der Türe übergehen, und den Verderber nicht in eure Häuser kommen lassen zu plagen. Darum so halte diese Weise für dich und deine Kinder ewig. Und wenn ihr ins Land kommet, dass euch der Herr geben wird, wie er geredet hat, so haltet diesen Dienst. Und wenn eure Kinder werden zu euch sagen: Was habt ihr da für einen Dienst? sollt ihr sagen: Es ist das Passahopfer des Herrn, der vor den Kindern Israels überging in Ägypten, da er die Ägypter plagte und unsere Häuser errettete.„
2. Mos. 12, 21-27.

Ich wünschte, liebe Freunde, wünschte ernstlich, das Thema des letzten Sonntagmorgens wieder aufzunehmen; denn ich hielt es für wichtig, dass wir wieder und immer wieder unser Zeugnis von dem stellvertretenden Opfer Jesu Christi, unsers Herrn, ablegen. Aber zu gleicher Zeit hatte ich versprochen, dass ich versuchen wolle, „das Fest der Kinder“ zu feiern und eine Predigt zu haben, die speziell an die Sonntagsschullehrer gerichtet wäre. Ich konnte zu der bestimmten Zeit eine Schulpredigt nicht halten, so dass ich damit die den Kindern gewidmete Woche eröffnet hätte, dachte indes, eine Rede möchte sich nicht weniger passend einfügen, wenn ich den Nachtrab bildete und eure Versammlungen schlösse. Wie soll ich meine beiden Zwecke erfüllen? Ich denke, der vorliegende Gegenstand wird mich in den Stand setzen, es zu tun. Wir werden von dem gesprengten Blut und von Jesu, dem großen Opfer für die Sünde, predigen; und dann werden wir in alle, die den Wert der großen Erlösung kennen, dringen, dass sie die Jugend in ihren frühesten Tagen schon lehren, was der Tod Jesu und die Errettung durch sein Blut bedeutet.

Das Passahlamm war ein spezielles Vorbild unsers Herrn Jesu Christi. Wir brauchen dies nicht nur aus der allgemeinen Tatsache zu entnehmen, dass alle alten Opfer Schatten des einen wahren und wirklichen Wesens waren; sondern es wird uns im Neuen Testament versichert, dass „Christus unser Osterlamm, für uns geopfert ist.“ (1. Kor. 5, 7.) Wie das Passahlamm ohne Fehler sein musste, so war unser Herr es, und das Töten und Rösten im Feuer bildete seinen Tod und seine Leiden vor. Sogar was die Zeit anlangt, erfüllte unser Herr das Vorbild, denn die Zeit seiner Kreuzigung war das Passahfest. Wie der Eindruck dem Siegel entspricht, so stimmt das Opfer unsers Herrn mit allen Punkten des Passah-Zeremoniells zusammen. Wir sehen ihn von den Menschen „hinweggenommen“ und als ein Lamm zur Schlachtbank geführt; wir sehen sein Blut vergossen und besprengt; wir sehen ihn in dem Feuer der Qualen geröstet; durch den Glauben essen wir von ihm und würzen das Fest mit den bitteren Salzen der Buße. Wir sehen Jesum und sein Heil, wo das fleischliche Auge nur ein geschlachtetes Lamm und ein vom Tode errettetes Volk sieht.

Der Geist Gottes legt im Passah-Zeremoniell besonderen Nachdruck auf das Sprengen des Blutes. Das, wogegen Menschen so sehr kämpfen, stellt er ebenso sorgfältig als das erste und hauptsächlichste der Offenbarung dar. Das Blut des erwählten Lammes wurde in einem Becken aufgefangen und nicht auf den Boden unnütz verschüttet; denn das Blut Christi ist überaus köstlich. In dieses Becken mit Blut ward ein Büschel Ysop getaucht. Die Spitzen dieser kleinen Staude hielten die roten Tropfen fest, so dass sie leicht gesprengt werden konnten. Dann ging der Hausvater hinaus und bestrich mit diesem Ysop die Überschwelle und die zwei Pfosten der Tür; und so war das Haus durch drei blutrote Striche bezeichnet. Kein Blut ward auf die Schwelle gestrichen. Wehe dem, der das Blut Christi unter die Füße tritt und es als etwas Unheiliges behandelt! Ach! Ich fürchte, dass viele das zu dieser Stunde tun, nicht nur in der Welt da draußen, sondern unter denen, die sich als Christen bekennen.

Ich werde versuchen, euch zweierlei zu zeigen. Zuerst die Wichtigkeit, die dem gesprengten Blut beigelegt wird; und zweitens die damit verbundene Anordnung, nämlich, dass man die Kinder die Bedeutung des Opfers lehren sollte, damit sie hinwieder ihre Kinder lehren und das Andenken an die große Errettung des Herrn lebendig erhalten möchten.

I.

Die Wichtigkeit, die dem Blut des Opfers beigelegt wird, tritt hier sehr deutlich hervor. Es wird Sorge getragen, das Opfer bemerkbar zu machen, ja, es der Wahrnehmung des ganzen Volkes aufzuzwingen.

Ich bemerke zuerst, dass es das nationale Kennzeichen des Volkes ward und blieb. Wenn ihr durch die Straßen von Memphis oder Raemses in der Nacht des Passah gegangen wärt, so hättet ihr an einem in die Augen fallenden Zeichen gewusst, wer Israeliten und wer Ägypter seien. Es wäre nicht nötig gewesen, unter dem Fenster zu horchen, um die Sprache der Leute im Hause zu vernehmen, oder zu warten, bis jemand auf die Straße käme, um seinen Anzug zu beobachten. Dies eine allein hätte genügt - der Israelite hatte das Blutzeichen über seiner Tür, der Ägypter hatte es nicht. Merkt euch, dies ist stets noch der große Unterscheidungspunkt zwischen den Kindern Gottes und den Kindern des Argen. Es gibt in Wahrheit nur zwei Denominationen auf dieser Erde: die Kirche und die Welt; die, welche in Christo Jesu gerechtfertigt sind und die, welche in ihren Sünden gerichtet sind. Dies soll als ein nimmerfehlendes Zeichen eines „rechten Israeliten“ feststehen: er ist zu dem Blut der Besprengung gekommen, das da besser redet, denn Abels. Wer an den Sohn Gottes glaubt als an das eine, angenommene Opfer für die Sünde, der hat das Heil, und wer nicht an ihn glaubt, wird in seinen Sünden sterben. Das wahre Israel vertraut auf das Opfer, das einmal für die Sünde dargebracht ist; es ist seine Ruhe, sein Trost, seine Hoffnung. Und die, welche nicht auf das versöhnende Opfer trauen, haben „Gottes Rat wider sich selbst“ verworfen und damit ihren wahren Charakter und ihre Stellung kund getan. Jesus sprach: „Ihr glaubt nicht; denn ihr seid meine Schafe nicht, als ich euch gesagt habe“; und das Fehlen des Glaubens an jenes Blutvergießen, ohne das keine Vergebung geschieht, ist das verdammende Zeichen eines, der ein Fremder im Volke Israel ist. Lasst uns das nicht in Frage stellen: „Wer vorwärts geht und bleibt nicht in der Lehre Christi, der hat keinen Gott.“ (2. Joh. 9, n. d. revidierten engl. Üb.) Wer nicht das Sühnopfer annehmen will, das Gott uns vorgestellt hat, (Röm. 3, 25) der muss seine eigene Missetat tragen. Nichts Gerechteres und doch nichts Schrecklicheres kann einem solchen geschehen, als dass seine Missetat durch kein Opfer gereinigt wird ewig. Mir ist es gleich, was eure vermeintliche Gerechtigkeit ist, oder wie ihr glaubt, euch bei Gott empfehlen zu können; wenn ihr seinen Sohn verwerft, so wird er euch verwerfen. Wenn ihr vor Gott kommt ohne das Versöhnungsblut, so habt ihr weder Teil noch Anteil an dem Erbe des Bundes, und ihr seid nicht unter das Volk Gottes gezählt. Das Opfer ist das Kennzeichen des geistlichen Israels, und wer es nicht hat, der ist ein Fremdling; er wird kein Erbteil haben unter denen, die geheiligt sind, und wird auch nicht den Herrn in der Herrlichkeit schauen.

Zweitens, wie dies das nationale Kennzeichen war, so war es auch das errettende Zeichen. In jener Nacht breitete der Engel des Todes seine verderblichen Schwingen aus, und als er die Straßen Ägyptens hinab flog, schlug er Hoch und Niedrig, die Erstgeburt der Fürsten und die Erstgeburt des Viehes, so dass in jedem Haus und in jedem Stalle ein Leichnam war. Wenn er das Blutzeichen sah, so ging er nicht hinein um zu schlagen; aber überall sonst kam die Rache des Herrn über die Empörer. Die Worte sind sehr merkwürdig: „Der Herr wird vor der Tür vorübergehen und den Verderber nicht in eure Häuser kommen lassen zu plagen.“ Was hält das Schwert zurück? Nichts als der Blutfleck an der Türe. Das Lamm ist geschlachtet worden und sie haben ihre Häuser mit dem Blute besprengt, und deshalb sind sie sicher. Die Söhne Jakobs waren weder reicher, noch weiser, noch stärker, noch geschickter als die Söhne Hams; aber sie waren durch das Blut erlöst, und deshalb blieben sie am Leben, während diejenigen, welche das Erlösende nicht kannten, starben. Als Jericho fiel, da war das eine Haus, was stehen blieb, das, welches das rote Seil am Fenster hatte; und wenn der Herr die Sünde heimsuchen wird, so ist der Mann, welcher verschont werden wird, derjenige, welcher Jesum kennt, „an welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden, nach dem Reichtum seiner Gnade.“

Ich möchte indes eure ganz besondere Aufmerksamkeit auf die Worte lenken, die im dreiundzwanzigsten Verse gebraucht werden: „Der Herr wird umhergehen und die Ägypter plagen. Und wenn er das Blut sehen wird an der Oberschwelle und an den zwei Pfosten, wird er vor der Tür übergehen.“ Was für ein lehrreicher Ausdruck! „Wenn er das Blut sehen wird.“ Es ist etwas sehr Tröstliches für euch und mich, das Sühnopfer zu sehen; denn dadurch gewinnen wir Frieden und gehen in die Ruhe ein; aber im Grunde ist doch die erhabene Ursache unsers Heils die, dass der Herr selbst auf das Sühnopfer blickt und um seiner Gerechtigkeit willen daran Wohlgefallen hat. Im dreizehnten Verse hören wir den Herrn selbst sprechen: „Wenn ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen. Denkt an das heilige Auge Gottes, das auf ihn gewandt ist, der die Sünde der Welt hinwegnimmt, und so auf ihn geheftet, dass er an uns vorübergeht. Seine „Augen sind rein, dass er Übels nicht sehen mag,“ aber er blickt auf das Angesicht seines Gesalbten und vergibt die Sünde. Er nimmt uns an mit unserem Opfer. Mit Recht betet unser Liederdichter:

„O, blick auf ihn und dann auf mich,
Durch Jesu Wunden schau auf mich!“

Nicht unser Sehen des gesprengten Blutes ist die Grundlage unsers Heils, sondern Gottes Sehen desselben. Gottes Annahme Christi ist die sichere Gewähr des Heils für die, welche sein Opfer annehmen. Mein Lieber, wenn dein Glaubensauge trübe ist, wenn eine Flut von Tränen deinen Blick verdunkelt, wenn die Nacht des Leides vieles vor deinem Gesichte verhüllt, dann sieht Jehova das Blut seines Sohnes und verschont dich. In der dichten Finsternis, wenn du gar nichts sehen kannst, sieht doch der Herr, dein Gott, beständig in Jesu das, woran er Wohlgefallen hat und wodurch sein Gesetz geehrt wird. Er wird dem Verderber nicht gestatten, dir nahe zu kommen und dir zu schaden, weil er in Christo das sieht, was seiner Gerechtigkeit genugtut und die notwendige Herrschaft seines Gesetzes befestigt. Das Blut ist das errettende Zeichen. In diesem Augenblick ist die drängende Frage für jeden in der Menge, die in diesem Hause versammelt ist: Vertraust du auf das göttliche Sühnopfer oder nicht? Bringe mir, was du willst, um deine persönliche Trefflichkeit zu beweisen. Ich glaube an keine Tugend, die des Heilandes Blut beschimpft, das allein uns von aller Sünde rein macht. Bekenne lieber deine vielfachen Übertretungen und Mängel, und dann fasse Mut und Hoffnung; es ist weite und freie Vergebung da für den größten aller Sünder durch ihn, der Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz.

O mein Hörer, du Schuldiger und dich selbst verurteilender, wenn du jetzt kommen willst und auf Jesum Christum trauen, so sollen deine Sünden, deren viele sind, dir alle vergeben werden, und du sollst dafür so viel wieder lieben, dass die ganze Neigung und Richtung deines Herzens von der Sünde zu frommem Gehorsam sich wendet. Die Versöhnung, wenn sie dem Gewissen nahe gebracht wird, rettet von Verzweiflung, und wenn sie dann auf das Herz wirkt, rettet sie von der Liebe zum Bösen. Allein die Versöhnung ist das errettende Zeichen. Das Blut an der Überschwelle und den zwei Pfosten sicherte das Haus des ärmsten Israeliten; aber der stolzeste Ägypter, ja, selbst Pharao auf dem Throne, konnte des Verderbers Schwert nicht entgehen. Glaube und lebe. Verwirf das Sühnopfer und komme um!

Bemerkt ferner, dass das Blutzeichen so auffällig wie möglich gemacht ward. Die Israeliten machten, obwohl sie das Passahlamm in der Stille ihres Familienkreises aßen, doch kein Geheimnis aus dem Opfer. Sie machten das unterscheidende Zeichen nicht an der Wand einer Kammer im Innern oder an einem Ort, wo sie es mit Vorhängen bedecken konnten, dass kein Mensch es bemerkte, sondern sie bestrichen den oberen Teil an der Haustür und die zwei Seitenpfosten, so dass alle, die vorbeigingen, sehen mussten, dass sie in einer eigentümlichen Art bezeichnet waren, und mit Blut bezeichnet. Das Volk des Herrn schämte sich nicht, das Blut so an die Vorderseite jeder Wohnung zu streichen: und die, welche durch das große Opfer errettet sind, sollen nicht die Lehre von der Stellvertretung behandeln wie einen Glauben für Löcher und Winkel, den man heimlich hegen, aber nicht offen bekennen dürfe. Der Tod Jesu an unserer Statt und Stelle ist nicht eine Erlösung, der wir uns an irgendeinem Orte zu schämen hätten, wenn wir davon reden. Unsre Kritiker mögen die Lehre altmodisch und nicht mehr gangbar nennen; aber wir schämen uns nicht, sie allen vier Winden des Himmels zu verkündigen und unser Vertrauen darauf zu bekennen. Wer sich Christi schämt unter diesem Geschlecht, des wird sich Christus auch schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters und alle heiligen Engel mit ihm. Es gibt eine Theologie in der Welt, welche dem Tod Christi einen gewissen, undefinierbaren Platz in ihrem System anweist, aber dieser Platz ist sehr weit im Hintergrunde: ich beanspruche für den Versöhnungstod die Fronte und das Zentrum. Das Lamm muss in der Mitte des Thrones sein. Der Versöhnungstod ist nicht ein Geheimnis, von dem kaum die Rede sein darf, oder, wenn überhaupt, doch nur im Flüsterton. Nein, nein, er ist eine erhabene Einfachheit, eine Tatsache, die ein Kind wissen muss, eine Wahrheit, über die das gemeine Volk sich freuen soll! Wir müssen Christum, den Gekreuzigten, predigen, wenn wir auch anderes nicht predigen. Brüder, ich meine nicht, dass jemand drei Predigten von einem Pastoren hören sollte, ohne die Lehre von der Versöhnung zu lernen. Ich gebe weiten Spielraum, wenn ich dies sage, denn ich wünsche, überhaupt niemals zu predigen, ohne die Errettung durch den Glauben an Christi Blut zu verkünden. Über meiner Kanzel und meinem Tabernakel soll das Blutzeichen sein; es wird den Feind anwidern, aber es wird den Gläubigen freuen. Stellvertretung scheint mir die Seele des Evangeliums zu sein, das Leben des Evangeliums, der Kern des Evangeliums; deshalb muss sie stets im Vordergrund stehen. Der Mittelpunkt des Christentums ist das Kreuz, und die Bedeutung des Kreuzes ist Stellvertretung.

„Er hat für mich gelitten,
Er hat für mich gebüßt,
Er, der für mich gestritten,
Für mich gestorben ist.“

Das große Opfer ist der Sammelplatz für den erwählten Samen: wir kommen an dem Kreuze zusammen, eben wie jede Familie in Israel sich um den Tisch versammelte, auf den das Lamm gestellt war, und in einem mit Blut bezeichneten Hause sich versammelte. Anstatt das stellvertretende Opfer irgendwo in weiter Entfernung zu sehen, finden wir es im Mittelpunkt der Kirche. Nein, mehr; es ist so sehr der notwendige allwesentliche Mittelpunkt, dass man der Kirche das Herz ausreißt, wenn man es wegnimmt. Ein Verein, der das Opfer Christi verwirft, ist keine Kirche1), sondern eine Gesellschaft Ungläubiger. Von der Kirche kann ich mit Wahrheit sagen: „Das Blut ist ihr Leben.“ (3. Mose 17, 14.) Wie die Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben, ist die Lehre von einem stellvertretenden Opfer der Artikel, womit jede Kirche steht oder fällt: Versöhnung durch das stellvertretende Opfer Christi bedeutet geistliches Leben und die Verwerfung derselben ist das Gegenteil. Deshalb müssen wir uns nie dieser allwichtigen Wahrheit schämen, sondern sie so augenfällig wie möglich machen. „Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist es eine Gottes-Kraft.“

„Weiter, das gesprengte Blut war nicht nur sehr augenfällig, sondern es wurde dem Volke sehr teuer dadurch, dass es das unbedingteste Vertrauen darauf setzte. Nachdem die Türpfosten bestrichen waren, gingen die Leute in ihre Häuser hinein und schlossen die Tür zu, um sie nicht vor dem Morgen zu öffnen. Sie waren geschäftig da drinnen: sie brieten das Lamm, bereiteten die bitteren Salsen, gürteten ihre Lenden, machten sich fertig zum Auszug usw.; aber dies wurde ohne Furcht vor Gefahr getan, obwohl sie wussten, dass der Würgengel umherging. Der Befehl des Herrn war: „Und gehe kein Mensch zu seiner Haustür heraus bis an den Morgen.“ Was geschieht auf der Gasse? Ihr müsst nicht hingehen, um es zu sehen. Die Mitternachtsstunde ist gekommen. Hörtet ihr es nicht? Horch, jener entsetzliche Schrei! Wieder ein durchdringender Schmerzensruf! Was ist es? Die ängstliche Mutter fragt: „Was kann es sein?“ „Es ward ein großes Geschrei in Ägypten.“ Die Israeliten durften nicht so auf das Geschrei achten, dass sie das göttliche Wort brachen, welches sie für einen kleinen Augenblick einschloss, bis der Sturm vorüber war. Vielleicht haben Leute von zweifelnder Gemütsart während jener furchtbaren Nacht gesagt: „Etwas Entsetzliches muss vorgehen. Hört das Geschrei! Horcht auf das Getrampel der Leute in den Straßen, wie sie hin und her eilen! Es mag sein, dass eine Verschwörung da ist, uns in der Stille der Nacht zu erschlagen.“ „Und gehe kein Mensch zu seiner Haustür heraus, bis an den Morgen,“ war genügend für alle, die wirklich glaubten. Sie waren sicher, und sie wussten das, und ruhten deshalb geborgen wie die Küchlein unter den Flügeln der Henne. Geliebte, lasst uns ein Gleiches tun. Lasst uns das kostbare Blut Christi ehren, nicht nur dadurch, dass wir kühn zu Andern davon sprechen, sondern auch durch ein ruhiges und fröhliches Vertrauen darauf für unsere eigene Seele. In voller Zuversicht lasst uns ruhen. Glaubt ihr, dass Jesus für euch starb? Dann seid in Frieden. Es entfalle keinem Menschen das Herz, nun er weiß, dass nach der Schrift Christus für unsere Sünden gestorben ist. Möge das Kreuz der Pfeiler unserer Zuversicht sein, unbewegt und unbeweglich. Seid nicht unruhig über das, was gewesen ist, oder sein wird: wir sind in Christo Jesu sicher geborgen, sowohl vor den Sünden der Vergangenheit als vor den Gefahren der Zukunft. Alles ist gut, nun das Versöhnungswerk der Liebe getan ist. In heiligem Frieden lasst uns mit unserer häuslichen Arbeit fortfahren, den alten Sauerteig ausfegen und das Fest halten; aber lasst keine Furcht und keinen Zweifel uns auch nur einen Augenblick stören. Wir bemitleiden die, welche ohne Christum sterben, aber wir können unsern Herrn nicht verlassen unter dem Vorwand, sie zu retten; das würde Torheit sein. Ich weiß, es ist ein furchtbares Geschrei draußen in den Gassen - wer hat es nicht gehört?, dass die Menschen unter dem Blutzeichen Schutz suchen wollten! Es geht uns durchs Herz, an das Geschick der Ungöttlichen zu denken, wenn sie in ihren Sünden umkommen; aber wie Noah nicht die Arche verließ und Israel nicht seine Wohnungen, so ist unsere Hoffnung nicht „weiter,“ als das Kreuz es verbürgt. Alle, welche unter dem Blut der Versöhnung Schutz suchen, sind sicher, und die, welche diese große Errettung verwerfen, wie wollen sie entfliehen? Es sind große und traurige Geheimnisse, in dieser langen Nacht, aber am Morgen werden wir so viel von dem Verfahren Gottes mit den Menschen wissen, wie für uns zu wissen gut ist. Mittlerweile lasst uns arbeiten, unsere Mitmenschen in den Bereich der Sicherheit zu bringen, aber wir selber wollen gefasst, voll Frieden, Ruhe und Freude sein. „So ist nun nichts verdammliches an denen, die in Christo Jesu sind.“ „Nun wir denn sind gerecht geworden, durch den Glauben, so haben wir Frieden mit Gott, durch unsern Herrn Jesum Christ.“ „Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch Gottes, durch unsern Herrn Jesum Christ, durch welchen wir nun die Versöhnung empfangen haben.“ Fasst eure Seelen in Geduld. O, ruht in dem Herrn und harrt geduldig auf ihn. Nährt euch von dem Lamm, denn sein Fleisch ist die rechte Speise. Derselbe Jesus, der euer Leben vom Verderben errettet hat, will auf immer die Nahrung dieses Lebens sein. Seid fröhlich unter dem errettenden Blutzeichen. Macht ein Fest aus eurem Passah. Ob draußen Tod ist, lasst eure Freude drinnen ungestört sein.

Ich kann mich bei keinem Punkte lange aushalten, deshalb beachtet ferner, dass das Blutvergießen des Passahs in beständigem Gedächtnis erhalten werden sollte. „Halte diese Weise für dich und deine Kinder ewig.“ So lange Israel ein Volk blieb, sollte es das Passah halten: so lange ein Christ auf der Erde ist, muss der Opfertod des Herrn Jesu im Gedächtnis gehalten werden. Kein Verlauf der Jahre, kein Fortschritt des Gedankens konnte das Andenken an das Passahlamm den Israeliten nehmen. Wahrlich, es war eine Nacht, die in Erinnerung bleiben musste, als der Herr sein Volk von dem eisernen Joche Ägyptens erlöste. Es war eine so wunderbare Befreiung, in Hinsicht auf die Plagen, die ihr vorangingen und das Wunder am Roten Meer, das ihr folgte, dass kein Ereignis dieses an Interesse und Herrlichkeit übertreffen konnte. Es war ein solcher Triumph der Macht Gottes über den Stolz Pharaos und eine solche Bezeugung der Liebe Gottes zu seinem Volk, dass sie nicht nur Eine Nacht lang sich freuen sollten, nicht nur ein Jahr oder ein Jahrhundert lang, sondern sie sollten es auf ewig im Gedächtnis behalten. Konnte nicht eine Zeit kommen, wo Israel noch eine weitere Geschichte hätte? Konnte nicht ein noch großartigeres Ereignis den Glanz der Niederwerfung in Ägypten verdunkeln? Niemals? Das Erschlagen der Erstgeburt Ägyptens und das Lied Mosis am Roten Meer müssen auf ewig in den Teppich der hebräischen Geschichte eingewoben bleiben. Immerdar sprach Jehova: „Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, geführt habe.“ Geliebte, den Tod unsers Herrn Jesu Christi sollen wir lehren und verkünden, bis dass er kommt. Keine Wahrheit kann je entdeckt werden, die seinen Opfertod in den Schatten zu stellen vermag. Was sich auch ereignen kann, selbst wenn er in den Wolken des Himmels kommt, wird doch unser Lied auf ewig sein „Ihm, der uns geliebt hat und gewaschen von den Sünden in seinem Blut.“ Mitten im Glanze seiner endlosen Regierung wird er „das Lamm in der Mitte des Thrones sein.“ Christus als das Opfer für die Sünde soll auf ewig der Gegenstand unserer Hallelujas bleiben: „Denn du bist erwürgt.“ Gewisse prahlerische Geister rücken vor, rücken vor von dem Felsen zum Abgrund. Sie machen Fortschritte von der Wahrheit zur Falschheit. Sie denken, aber ihre Gedanken sind nicht Gottes Gedanken und ihre Wege sind nicht seine Wege. Sie verlassen das Evangelium, sie gehen hinweg von Christo und sie wissen nicht wohin. Indem sie das stellvertretende Opfer aufgeben, geben sie die einzige Hoffnung des Menschen auf. Wir aber, wir hören den Herrn zu uns sprechen: „Darum so halte diese Weise für dich und deine Kinder ewig,“ und das wollen wir tun. „Jesus Christus, gestern und heute, und derselbe auch in Ewigkeit“ ist's, dessen wir uns rühmen. Mögen Andere wandern, wohin sie wollen, wir bleiben bei ihm, der unsere Sünden an seinem eigenen Leibe auf dem Holz getragen.

Beachtet weiter, lieben Freunde, dass das Volk, als es in das Land kam, das kein Ägypter je betrat, immer noch des Passahs gedenken sollte. „Und wenn ihr ins Land kommt, das euch der Herr geben wird, wie er geredet hat, so haltet diesen Dienst.“ In dem Lande, da Milch und Honig floss, sollte immer noch das Gedächtnis des gesprengten Blutes sein. Unser Herr Jesus ist nicht nur für den ersten Tag der Buße, sondern für alle Tage unsers Lebens: wir gedenken seiner sowohl in unseren höchsten geistlichen Freuden, als in unsern tiefsten geistlichen Leiden. Das Passahlamm ist für Kanaan sowohl wie für Ägypten, und das Opfer für die Sünde ist für unsere volle Zuversicht ebenso wohl wie für unsere zitternde Hoffnung. Ihr und ich werden nimmer einen solchen Gnadenstand erreichen, dass wir das Blut, das von der Sünde rein macht, entbehren können. Wenn wir je Vollkommenheit erlangten, dann würde Christus uns noch teurer sein, als er es heute ist; wenn das nicht der Fall wäre, so könnten wir gewiss sein, dass unsere vorgebliche Vollkommenheit eine elende Täuschung gewesen. Wenn wir im Lichte wandeln, wie Gott im Lichte ist, und beständige Gemeinschaft mit ihm haben, so macht doch das Blut Jesu Christi uns noch immer rein von aller Sünde.

Überdies, meine Brüder, möchte ich, dass ihr sorgfältig beachtetet, dass das Gedächtnis dieser Blutbesprengung alles durchdringen sollte. Setzt euch in diesen Gedanken hinein: die Kinder Israels konnten nicht aus ihren Häusern herausgehen und konnten nicht hineingehen ohne die Erinnerung an das gesprengte Blut. Es war über ihren Häuptern; sie mussten darunter kommen. Es war zur Rechten und zur Linken: sie mussten davon umgeben werden. Sie hätten fast davon sagen können: „Wohin soll ich fliehen vor deiner Gegenwart?“ Ob sie auf ihre eigene Türe blickten oder auf die ihrer Nachbarn, es war derselbe dreifache Strich da, und er war bei Tag und Nacht da. Und dies war nicht alles: wenn Zwei aus Israel heirateten und die Grundlage einer Familie gelegt wurde, so war ein anderes Erinnerungszeichen da. Der junge Ehemann und sein Weib hatten die Freude, ihren Erstgeborenen zu erblicken und sie gedachten dann daran, dass der Herr gesprochen, „Heilige mir alle Erstgeburt.“ Wie ein Israelite es seinem Sohne auslegte, wenn er sprach: „Der Herr hat uns mit mächtiger Hand aus Ägypten, von dem Diensthause, geführt: Denn da Pharao hart war, uns loszulassen, erschlug der Herr alle Erstgeburt in Ägyptenland, von der Menschen Erstgeburt an, bis an die Erstgeburt des Viehes. Darum opfere ich dem Herrn alles, was die Mutter bricht, das ein Männlein ist, und die Erstgeburt meiner Kinder löse ich.“ Der Anfang aller Familien, aus denen das jüdische Volk bestand, war so eine Zeit besonderer Erinnerung an das Blutbesprengen; denn da musste das Lösegeld bezahlt und damit anerkannt werden, dass sie des Herrn seien, und „mit einem Preise erkauft“ wären. Auf viele und überall vor Augen tretende Weise wurde das Volk an die Notwendigkeit des Opfers erinnert. Dem Nachdenkenden rief jeder Sonnenuntergang diese Nacht, die dem Herrn gehalten ward, ins Gedächtnis zurück, während der Beginn jedes Jahres in dem Monat Abib ihn daran erinnerte, dass der Beginn des Volkes von der Zeit an datierte, wo das Lamm getötet ward. Der Herr sorgte dafür, dass diese Sache dem Volke vor Augen bleibe; denn es war eigenwillig und schien zum Vergessen geneigt eben wie die gegenwärtige Zeit.

Im 13. Kapitel V. 9 lesen wir: „Darum soll dies sein ein Zeichen in deiner Hand, und ein Denkmal vor deinen Augen.“ Und in V. 16: „Und das soll dir ein Zeichen in deiner Hand sein, und ein Denkmal vor deinen Augen, dass uns der Herr hat mit mächtiger Hand aus Ägypten geführt.“ Hiermit ist gemeint, dass sie hinfort alles mit Rücksicht auf die Erlösung tun sollten und alles mit Rücksicht auf die Erlösung sehen sollten. Erlösung durch sein Blut sollte die Hand jedes Mannes weihen, so dass er sie nicht zum Bösen anwenden konnte, sondern sie für den Herrn gebrauchen musste. Er konnte nicht seine Speise oder sein Werkzeug in die Hand nehmen ohne Erinnerung an das gesprengte Blut, das seine Speise und sein Werkzeug zu etwas Gesegnetem gemacht hatte. Alle seine Handlungen sollten unter dem Einflusse des versöhnenden Blutes sein. O, was für Dienste würden ihr und ich leisten, wenn es immer erlöste Arbeit wäre, die wir brächten! Wenn wir z. B. zu unserer Sonntagsschulklasse gingen mit dem Gefühl, „Ich bin mit einem Preis erkauft,“ und wenn wir mit erlösten Lippen das Evangelium unserer eigenen Errettung predigten, wie lebendig und wie liebevoll würden wir sprechen! Was für eine Wirkung würde dies auf unser Leben haben! Ihr würdet nicht wagen, einige von euch, das zu tun, was ihr jetzt tut, wenn ihr daran gedächtet, dass Jesus für euch starb. Manches, was ihr ungetan gelassen habt, würde sofort geschehen, wenn ihr ein klares Bewusstsein der erlösenden Liebe hättet. Die Juden wurden abergläubisch und begnügten sich mit dem Buchstaben ihres Gesetzes, deshalb schrieben sie gewisse Verse auf kleine Streifen Pergament, tephillin genannt, die sie in einen Kasten einschlossen und dann ums Handgelenk banden. Der wahre Sinn des Spruches lag nicht in einer solchen kindischen Handlung, sondern er lehrte, dass sie mit heiligen Händen arbeiten und handeln sollten, als Menschen, die überwältigende Verpflichtungen gegen die erlösende Gnade des Herrn hatten. Die Erlösung soll unser Antrieb zu heiligem Dienst sein, unsere Schutzwehr, wenn wir zur Sünde versucht werden. Sie sollten auch das Denkmal des Passahs zwischen ihren Augen tragen, und ihr wisst, dass manche Juden wirklich Denkzettel an der Stirne trugen. Das konnte nicht mehr als die bloße Schale der Sache sein: Das Wesen des Gebotes war, dass sie Alles in Bezug auf die Erlösung durch sein Blut ansehen sollten. Brüder, wir müssen alles in dieser Welt in dem Lichte der Erlösung anschauen, dann werden wir es recht anschauen. Es macht einen wunderbaren Unterschied, ob ihr die Dinge vom Standpunkte des menschlichen Verdienstes oder vom Fuße des Kreuzes aus betrachtet. Wir sehen nichts wahrhaft, ehe Jesus unser Licht ist. Jedes Ding wird in seiner Wirklichkeit gesehen, wenn ihr durch das Glas, das Rubinglas des Versöhnungsopfers blickt. Gebraucht dies Teleskop des Kreuzes, und ihr werdet weit und klar sehen; blickt auf die Sünder durch das Kreuz; blickt auf die Heiligen durch das Kreuz; blickt auf die Sünde durch das Kreuz; blickt auf die Freuden und Leiden der Welt durch das Kreuz; blickt auf Himmel und Hölle durch das Kreuz. Seht, wie augenfällig das Blut des Passahs sein sollte, und dann lernt von all diesem, aus dem Opfer Jesu Viel zu machen, ja Alles daraus zu machen, denn Christus ist Alles.

Noch eins: wir lesen im 5. Buch Mosis 6, V. 8, 9 von den Geboten des Herrn folgendermaßen: „Und sollst sie binden zum Zeichen auf deine Hand, und sollen dir ein Denkmal vor deinen Augen sein; und sollst sie über deines Hauses Pfosten schreiben und an die Tore.“ Seht also, dass das Gesetz dicht neben den Denkzeichen des Blutes geschrieben werden soll. In der Schweiz sieht man in protestantischen Dörfern Schriftsprüche über den Türpfosten. Ich wünsche halb, wir hätten diese Sitte in England. Wie viel Evangelium könnte den Wanderern gepredigt werden, wenn Schriftsprüche über den Türen christlicher Leute ständen! Es möchte als pharisäisch verlacht werden, aber darüber könnten wir hinweg kommen. Wenige sehen sich in unsern Tagen dieser Anklage dadurch aus, dass sie zu religiös sind. Ich sehe gern in unsern Häusern Schriftsprüche in allen Zimmern, auf den Gesimsen, an den Wänden; doch draußen an der Türe - wie trefflich könnte dort das Evangelium auf billige Weise bekannt gemacht werden! Aber beachtet, wenn der Jude an seine Türpfosten eine Verheißung, eine Vorschrift oder Lehre schrieb, so hatte er sie auf eine mit Blut befleckte Fläche zu schreiben, und wenn das nächste Passah kam, so hatte er mit dem Ysop das Blut gerade über die Worte zu sprengen. Mir scheint es köstlich, an das Gesetz Gottes zu denken in Verbindung mit dem Versöhnungsopfer, das ihm genuggetan und es zu Ehren gebracht hat. Gottes Gebote kommen zu mir als einem erlösten Menschen; seine Verheißungen sind für mich als einen bluterkauften Menschen; seine Lehren unterweisen mich als Einen, für den eine Sühne dargebracht ist. Das Gesetz ist in der Hand Christi nicht ein Schwert, uns zu töten, sondern ein Kleinod, uns zu bereichern. Alle Wahrheit, die in Verbindung mit dem Kreuz angenommen wird, steigt dadurch sehr an Wert. Die Heilige Schrift selbst wird uns siebenfach teurer, wenn wir sehen, dass sie zu uns als den Erlösten des Herrn kommt und auf jeder Seite Merkmale jener teuren Hände trägt, die für uns ans Kreuz genagelt wurden.

Geliebte, ihr seht jetzt, wie alles nur Erdenkliche getan wurde, um das Blut des Passahlammes hoch in der Achtung des Volkes zu stellen, das der Herr aus Ägypten herausgeführt hatte; und ihr und ich müssen alles Erdenkliche tun, um die köstliche Lehre von dem Versöhnungsopfer Christi den Menschen vor die Augen zu bringen und sie dort zu erhalten. „Er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt.“

II.

Und nun will ich euch noch in der Kürze erinnern an die Anordnung, die mit der Feier des Passahs verbunden war. „Und wenn eure Kinder werden zu euch sagen: Was habt ihr da für einen Dienst? sollt ihr sagen: Es ist das Passahopfer des Herrn.“

Nachforschung sollte in den Gemütern unserer Kinder angeregt werden. O, dass wir sie dahin bringen könnten, Fragen über göttliche Dinge zu tun! Einige von ihnen forschen sehr frühe, andere scheinen an derselben Gleichgültigkeit zu kranken, wie ältere Leute. Mit beiden Arten von Gemütern haben wir es zu tun. Es ist gut, den Kindern das Abendmahl zu erklären, denn dieses verkündet im Sinnbild den Tod Christi. Es tut mir leid, dass die Kinder nicht häufiger diese Handlung sehen. Die Taufe und des Herrn Abendmahl sollten beide dem heranwachsenden Geschlechte vor Augen gestellt werden, damit es frage: „Was habt ihr da für einen Dienst?“ Nun, des Herrn Abendmahl ist eine immerwährende Predigt des Evangeliums und handelt hauptsächlich von dem Opfer für die Sünde. Ihr mögt die Lehre von der Versöhnung von der Kanzel verbannen, aber sie wird stets in der Kirche leben durch des Herrn Abendmahl. Ihr könnt nicht jenes gebrochene Brot und jenen mit der Frucht des Weinstocks gefüllten Kelch erklären ohne Hinweisung auf des Herrn Versöhnungstod. Ihr könnt nicht „die Gemeinschaft des Leibes Christi“ erklären, ohne in der einen oder andern Weise von dem Tode Jesu an unserer Stelle und Statt zu sprechen. Lasst eure Kleinen daher das Abendmahl sehen und sagt ihnen ganz klar, was es darstellt. Und wenn nicht bei dem Abendmahl denn das ist nicht die Sache selbst, sondern nur der Schatten der herrlichen Tatsache verweilt oft und viel in ihrer Gegenwart bei dem Leiden und Tod des Erlösers. Lasst sie an Gethsemane, und Gabbatha und Golgatha denken, und lasst sie lernen, in klagenden Tönen von ihm zu singen, der sein Leben für uns dahingegeben hat. Sagt ihnen, wer es war, der litt, und warum. Ich möchte, sie lernten Zeilen auswendig wie diese:

„Er wusste, wie schlecht wir gewesen,
Und dass uns Strafe gedroht;
Und wollt uns aus Mitleid erlösen,
Drum litt er für uns den Tod.“

Und wenn bei diesem besten aller Gegenstände die Aufmerksamkeit erregt ist, so lasst uns bereit sein, den großen Vertrag zu erklären, bei dem Gott gerecht ist und doch Sünder gerechtfertigt werden. Kinder können gut die Lehre von dem Sühnopfer verstehen; sie war dazu bestimmt, ein Evangelium für die Jüngsten zu sein.

Das Evangelium der Stellvertretung ist etwas Einfaches, obwohl es etwas Geheimnisvolles ist. Wir sollten nicht zufrieden sein, bis unsere Kleinen das für sie vollbrachte Opfer kennen und darauf trauen. Dies ist eine notwendige Erkenntnis und der Schlüssel zu aller andern geistlichen Lehre. Möchten unsere lieben Kinder das Kreuz kennen, dann haben sie gut angefangen. Mögen sie mit Allem, was sie sonst erwerben, ein Verständnis hiervon erwerben, dann haben sie den Grund richtig gelegt.

Dies macht es nötig, das Kind zu lehren, dass es eines Heilandes bedarf. Ihr dürft diese notwendige Obliegenheit nicht versäumen. Schmeichelt nicht dem Kinde mit dem betrügerischen Gerede, dass seine Natur gut sei und entwickelt werden müsse. Sagt ihm, dass es wiedergeboren werden muss. Verzärtelt es nicht mit der Einbildung von seiner Unschuld, sondern zeigt ihm seine Sünde. Nennt die Kindersünden, zu denen es geneigt ist und bittet den Heiligen Geist, sein Herz und Gewissen von der Sünde zu überführen. Verfahrt mit den Jungen so ziemlich in derselben Weise, wie ihr es mit den Alten tun würdet. Seid gründlich und ehrlich mit ihnen. Leichte, lockere Religion ist weder für Junge noch für Alte gut. Diese Knaben und Mädchen bedürfen der Vergebung durch das kostbare Blut so gewiss wie Einer von uns. Bedenkt euch nicht, dem Kinde von seinem Verderben zu sagen, es wird sonst nicht das Heilmittel begehren. Sagt ihm auch von der Strafe der Sünde und warnt es vor den Schrecken derselben. Seid liebevoll, aber seid wahr. Verbergt dem jugendlichen Sünder nicht die Wahrheit, wie schrecklich sie auch sein mag. Nun, da er die Jahre erreicht hat, wo er für sein Tun verantwortlich ist, wird es ihm an dem letzten großen Tage schlimm ergehen, wenn er nicht an Christum glaubt. Stellt ihm das Gericht vor und erinnert ihn daran, dass er Rechenschaft ablegen muss davon, wie er gehandelt hat bei Leibesleben. Bemüht euch, das Gewissen aufzuwecken; und bittet Gott den Heiligen Geist, durch euch zu wirken, bis das Herz weich wird und die Notwendigkeit der großen Errettung fühlt.

Die Kinder müssen die Lehre vom Kreuze lernen, damit sie sofortige Errettung finden. Ich danke Gott, dass wir in unserer Sonntagsschule an die Errettung der Kinder als Kinder glauben. Wie sehr viele Knaben und Mädchen, die vor der Gemeinde ihren Glauben bekannten, habe ich zu meiner Freude gesehen! und ich wünsche wiederum zu sagen, dass die besten Neubekehrten, die klarsten Neubekehrten, die intelligentesten Neubekehrten, die wir je gehabt haben, Kinder gewesen sind; und anstatt einen Mangel in ihrer Erkenntnis des Wortes Gottes und der Gnadenlehren wahrzunehmen, haben wir gewöhnlich gefunden, dass sie eine treffliche Bekanntschaft mit den großen Hauptwahrheiten Christi hatten. Viele dieser lieben Kinder waren im Stande, von göttlichen Dingen mit großer Freude des Herzens und Kraft des Verständnisses zu reden2). Fahrt fort, liebe Lehrer, und glaubt, dass Gott eure Kinder retten wird. Seid nicht zufrieden, Grundsätze in ihre Seelen zu säen, welche sich möglicherweise in späteren Jahren entwickeln können, sondern. arbeitet auf sofortige Bekehrung hin. Erwartet Frucht in euren Kindern zu sehen, so lange sie Kinder sind. Betet für sie, dass sie sich nicht erst in die Welt hinein verirren und in die Übel äußerer Sünde fallen und dann mit zerbrochenen Gebeinen zu dem guten Hirten zurückkehren, sondern dass sie durch Gottes reiche Gnade von den Pfaden des Verderbers fern gehalten werden und in der Hürde Christi aufwachsen mögen, zuerst als Lämmer seiner Herde und dann als Schafe seiner Hand.

Einer Sache bin ich gewiss, und die ist, dass wir zu unserem eigenen Besten handeln, wenn wir die Kinder die Lehre von der Versöhnung in den unmissverständlichsten Ausdrücken lehren. Ich hoffe zuweilen, dass Gott seine Kirche neubeleben und sie zu ihrem alten Glauben zurückführen wird durch ein Gnadenwerk an den Kindern. Wenn er in unsere Gemeinde einen großen Zufluss von jungen Leuten hereinbringen wollte, wie würde das helfen, das träge Blut der Lässigen und Schläfrigen zu beleben! Christliche Kinder helfen das Haus lebendig zu erhalten. O, dass wir ihrer mehr hätten! Wenn der Herr uns nur helfen will, die Kinder zu lehren, so werden wir uns selber belehren. Keine Art des Lernens gleicht dem Lehren, ihr kennt eine Sache nicht; bis ihr sie einen Andern zu lehren vermögt. Ihr kennt eine Wahrheit nicht gründlich, bis ihr sie einem Kinde so vorstellen könnt, dass es sie versteht. Indem ihr versucht, einem kleinen Kinde die Lehre von der Versöhnung verständlich zu machen, werdet ihr selber klarere Einsicht in sie gewinnen, und deshalb empfehle ich euch die heilige Übung.

Wie gut wird es sein, wenn unsere Kinder in der Lehre von der Erlösung durch Christum völlig gegründet sind! Wenn sie vor den falschen Evangelien dieser bösen Zeit gewarnt, und gelehrt sind, auf dem ewigen Felsen des vollbrachten Werkes Christi zu ruhen, so dürfen wir hoffen, dass die folgende Generation den Glauben aufrecht halten und besser sein wird, als ihre Väter. Eure Sonntagsschulen sind trefflich; aber was ist ihr Zweck, wenn ihr nicht das Evangelium darin lehrt? Ihr bringt die Kinder zusammen und haltet sie anderthalb Stunden lang ruhig und sendet sie dann nach Hause; aber wozu nützt es? Es mag ihren Vätern und Müttern einige Ruhe bringen, und das ist es vielleicht, weshalb sie sie zur Schule schicken; aber alles wirklich Gute liegt in dem, was die Kinder gelehrt werden. Die wichtigste Grundlehre sollte den ersten Platz einnehmen, und was anders ist diese als das Kreuz? Einige reden zu Kindern davon, dass sie artige Knaben und Mädchen sein sollten usw.; das heißt, sie predigen den Kindern das Gesetz, obwohl sie Erwachsenen das Evangelium predigen würden! Ist dies ehrlich? Ist dies weise? Kinder haben das Evangelium nötig, das ganze Evangelium, das unverfälschte Evangelium; sie sollten es haben, und wenn der Geist Gottes sie lehrt, sind sie ebenso fähig, es aufzunehmen wie Personen von reiferen Jahren. Lehret die Kleinen, dass Jesus starb, der Gerechte für die Ungerechten, um uns zu Gott zu bringen. Sehr, sehr vertrauensvoll lasse ich dies Werk in den Händen der Lehrer dieser Schule. Ich habe nie eine bessere Schar Männer und Frauen gekannt; denn sie sind ebenso fest in ihrer Anhänglichkeit an das alte Evangelium, wie sie eifrig sind, Seelen zu gewinnen. Habt guten Mut, meine Brüder und Schwestern: der Gott, der so viele von euren Kindern errettet hat, wird noch viel mehrere von ihnen erretten, und wir werden große Freude in diesem Tabernakel haben, wenn wir Hunderte zu Christo gebracht sehen. Gott gebe es um seines Namens willen. Amen.

Vor der Predigt verlesen: 2. Mose 12, 21-36; 13 1-10; 14-16.

1)
Kirche, „church“ wird im Englischen für jede einzelne Gemeinde gebraucht.
2)
Spurgeon hat im Laufe seines so wunderbar gesegneten Predigtamtes mit mehr als zehntausend Personen über ihren Seelenzustand gesprochen, da er fast alle, die in die Gemeinde aufgenommen werden, selber vorher sieht, und außerdem vielfältig um Rat in geistlichen Dingen angegangen wird. Daher ist oft sein Zeugnis ein gewichtiges, der so weit verbreiteten Meinung gegenüber, dass Kinder die Lehre vom Versöhnungstod Christi noch nicht verstehen könnten. Er nimmt zuweilen Kinder von 11 oder 12 Jahren in die Gemeinde auf, und es ist lieblich zu sehen, wie freundlich der Mann, der das Schwert des Geistes so mächtig zu schwingen weiß, mit diesen Kleinen umgeht; er hat von seinem Herrn nicht nur die Strenge, sondern auch die Milde gelernt. A. d. Üb.
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