Spurgeon, Charles H. - Exzentrische Prediger - V. Schlusswort.

Spurgeon, Charles H. - Exzentrische Prediger - V. Schlusswort.

Alle diese exzentrischen Prediger waren von außergewöhnlichem Eifer erfüllt, und deshalb kam auch ihr Humor so oft zum Durchbruch. Wäre ihre Ausrüstung zur Arbeit weniger vollkommen gewesen, so hätten sie größere Rücksicht auf die öffentliche Meinung genommen und sich mehr vor den Pfeilen der Kritik gefürchtet. Aber sie hatten einzig und allein ihren Beruf, den Zuhörern die Wahrheit ins Gewissen zu treiben, im Auge; daher ließen sie ihren eigenen guten Namen außer Acht, und sprachen mit ungebundener Freiheit.

Hätten diese Männer mit geweihten Dingen Possen getrieben oder über heilige Gegenstände Späße gemacht, dann allerdings hätten sie all den Schimpf verdient, den man ihnen angetan hat. Aber das war bei ihnen durchaus nicht der Fall. Vielmehr waren sie unter den Eifrigen die Eifrigsten das ist über allen Zweifel erhaben. Und sicherlich ist dies der tiefste Grund des Widerspruchs, den sie zu erdulden hatten. Wären sie wirklich die reinen Spaßmacher gewesen, so würde die Welt sie nicht so sehr gehasst haben; denn sie liebt diejenigen, welche ihr Kurzweil bereiten. Hätten sie sich einer schwächlichen, abgezirkelten Angemessenheit befleißigt, oder hätten sie sich damit begnügt, ihres Amtes in geisttötender Routine zu warten, so wären sie niemals Gefahr gelaufen, von den Lästermäulern an den Pranger gestellt zu werden. Denn bei Ausübung des geistlichen Amtes brauchst du nur so ledern, so schläfrig und kraftlos wie irgend denkbar und möglich zu sein, dann bist du sicher, kein Mensch nennt dich exzentrisch.

Stände es richtig bei allen Menschen in Bezug auf Gesinnung und Denkweise, so würden sie willig die Botschaft des Heiles hören, selbst wenn sie ihnen in den trockensten Ausdrücken schulmäßiger Theologie dargeboten würde. Aber die Menschen sind eben in den Dingen, welche ihr Seelenheil betreffen, so sorglos, dass sich unsere Aufgabe nicht darauf beschränken darf, ihnen eine Predigt zu halten, sondern dass wir vor allen Dingen Mittel und Wege suchen müssen, sie zum Zuhören geneigt zu machen. Ein erheblicher Teil unserer Arbeit besteht daher in der Auswahl anziehender Beispiele, Gleichnisse, auserlesener Redewendungen, wodurch wir sie anlocken und fesseln, damit sie zu ihrem eigenen Besten zuhören. Gerade in diesem Punkt reicht aber unser Vermögen nicht aus, falls nicht eine höhere Macht uns zu Hilfe kommt. Wir wollten von Herzen gern lehrhafte Wahrheiten mit monotoner Feierlichkeit vortragen, wenn die Menge uns dann nur hören wollte; - aber das wollen sie eben nicht. Also was tun? Wenn dem Kinde die heilsame Arznei zum Ekel ist, so muss man ihm den Trank versüßen oder Honig an die Pille streichen. Wollen unsere Worte nicht von selbst laufen, so muss man ihnen Beine machen und ihnen das Laufen beibringen. Darin besteht unsere Aufgabe: etliche zur Seligkeit zu bringen, auf welche Weise es auch sei. Da nun die Menschen nicht zum Glauben kommen können, ohne zu hören, und da sie nicht hören wollen, ohne dass wir die Worte anmutig und anziehend machen was bleibt uns übrig? Wir dürfen es nicht unterlassen, in dieser Beziehung uns ihren Wünschen zu fügen, wir müssen sie zu ködern versuchen, wie man Kinder durch Geschichten und Bilder zum Lernen reizt.

Dies Büchlein ist nicht geschrieben, um Jedermann anzuempfehlen, sich der Exzentrizität zu befleißigen; ebenso wenig, um alle Kundgebungen derselben in Schutz zu nehmen. Sondern unsere Absicht ist die, dem Skalpiermesser verleumderischer Verdrehung und höhnender Kritik die Schneide abzuschleifen. Eine gerechte und wohlwollende Beurteilung soll keineswegs verbeten sein; sie kann vielmehr sehr nützlich werden, sobald sie aufrichtig ist und freundlich ausgesprochen wird. Kein christlicher Prediger rechter Art wird sich in solchem Fall hinter sein Amt verschanzen wollen, oder beanspruchen, für unfehlbar gehalten zu werden. Was wir uns aber allerdings in vollem Ernst ausbitten müssen, ist dies: dass unsere Zuhörer nicht durch winzige Kleinigkeiten im Ausdruck und Vortrag ihre Gedanken von unserm Gegenstande ablenken lassen. Das sind alles Lappalien; aber bei dem Inhalt unserer Worte handelt es sich um Tod und Leben!

Lieber Leser! Wenn du zum Glauben an den Herrn Jesum Christum gekommen bist, so wirst du an dem Amte, welches dir zu einer so dankenswerten Würde verholfen hat, sehr wenig auszusetzen finden. Umgekehrt, wenn du ein Hörer des Evangeliums bist, und doch den Heiland zurückweist, so kannst du deinen Unglauben nicht mit den Wunderlichkeiten des Predigers entschuldigen. Denn wenn dir der eine nicht ansteht, so findest du heut zu Tage sehr bald einen andern, und kein Gesetz verwehrt dir, dahin zu gehen, wo du am meisten Segen zu finden hoffst. Wechsle lieber deinen Platz und vergeude nicht deine Sonntage.

Allen einsichtigen und unparteiischen Christen legen wir die goldenen Worte des Apostels ans Herz: „Wer ist nun Paulus? Wer ist Apollo? Diener sind sie, durch welche ihr seid gläubig geworden; und dasselbe, wie der Herr einem jeglichen gegeben hat.“ Sie sollen nicht einander gegenübergestellt werden, als wären sie Nebenbuhler, welche sich den Vorrang streitig machen. Man soll sie lieben, sie unterstützen und für sie als Gehilfen unseres Glaubens beten. „Darum rühme sich Niemand eines Menschen, (noch verachte er ihn). Es ist alles euer; es sei Paulus oder Apollo, es sei Kephas oder die Welt, es sei das Leben oder der Tod, es sei das Gegenwärtige oder das Zukünftige; alles ist euer - ihr aber seid Christi, Christus aber ist Gottes.“

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