Spurgeon, Charles Haddon - An der Pforte - Jesus allein.
Wir können nicht zu oft und nicht zu deutlich der suchenden Seele sagen, dass ihre einzige Hoffnung auf Errettung in dem Herrn Jesu Christo liegt. Sie liegt in Ihm vollständig, einzig und allein. Um von beiden, von der Schuld und der Macht der Sünde zu erretten, ist Jesus allgenugsam. Sein Name wird Jesus genannt, weil „Er sein Volk selig macht von ihren Sünden.“ „Des Menschen Sohn hat Macht auf Erden, die Sünde zu vergeben.“ Er ist erhöht, „Buße und Vergebung der Sünden zu geben.“ Es gefiel Gott vor alters, einen Plan des Heils zu entwerfen, der ganz und gar in seinem eingeborenen Sohne einbegriffen war. Der Herr Jesus wurde um unsers Heils willen Mensch und in Gebärden als ein Mensch erfunden, Er wurde gehorsam bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze. Wäre eine andere Weise der Befreiung möglich gewesen, so wäre der Kelch der Bitterkeit an Ihm vorübergegangen. Es ist ganz klar, dass der Liebling des Himmels nicht gestorben wäre, uns zu erretten, wenn wir um einen geringeren Preis hätten erlöst werden können. Die unendliche Gnade ersah das große Opfer; die unendliche Liebe unterwarf sich um unsertwillen dem Tod. Wie können wir wähnen, dass ein andrer Weg sein kann, als der, den Gott mit solchen Kosten bereitet, und in der Heiligen Schrift so einfach und so dringend uns dargestellt hat. Gewiss, es ist wahr: „Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein andrer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden.“
Anzunehmen, dass der Herr Jesus die Menschen nur halb errettet hätte, und dass von ihrer Seite noch irgendein Werk oder Gefühl nötig wäre, um sein Werk zu vollenden, ist sündhaft. Was haben wir, das zu seinem Blut und zu seiner Gerechtigkeit hinzugefügt werden könnte? „Alle unsre Gerechtigkeit ist wie ein unflätiges Kleid.“ Können Lumpen auf das köstliche Gewebe seiner göttlichen Gerechtigkeit geflickt werden? Lumpen und feines weißes Linnen! Unsre Schlacken und sein reines Gold! Es ist eine Beschimpfung des Heilandes, dergleichen zu wähnen. Wir haben genug gesündigt, ohne dies noch all unseren andern Sünden hinzuzufügen. Selbst wenn wir irgendwelche Gerechtigkeit hätten, der wir uns rühmen könnten, wenn unsre Feigenblätter auch noch so groß und breit wären, so wäre es doch Weisheit, sie abzulegen und jene Gerechtigkeit anzunehmen, die Gott viel wohlgefälliger sein muss, als unsre eigene. Der HErr muss mehr Annehmbares in seinem Sohne sehen, als in dem Besten unter uns. Dem Besten unter uns! Die Worte scheinen satirisch, obwohl sie nicht so gemeint sind. Heißt es doch von uns: „da ist keiner, der Gutes tue, auch nicht einer.“ Ich, der ich diese Zeilen schreibe, möchte ganz frei bekennen, dass ich keinen Faden von eignem Guten habe. Ich könnte nicht einmal einen Lumpen daraus machen, nicht ein Stück von einem Lumpen. Ich bin vollständig entblößt. Aber wenn ich das schönste Gewand von guten Werken hätte, was der Stolz selber sich nur vorstellen kann, so würde ich es zerreißen, und nichts anziehen als die Kleider des Heils, die umsonst von dem Herrn Jesu gegeben werden aus dem Vorrat seiner eigenen Verdienste.
Es verherrlicht unsern Herrn Jesum am meisten, wenn wir alles Gute von Ihm allein hoffen. Dies heißt Ihn behandeln, wie Er behandelt zu werden verdient; denn da Er Gott ist und außer Ihm keiner mehr, so können wir nichts andres tun, als auf Ihn blicken, um errettet zu werden.
Dies heißt, ihn behandeln, wie Er behandelt zu werden liebt, denn Er fordert alle diejenigen, die mühselig und beladen sind, auf, zu Ihm zu kommen, dann will Er ihnen Ruhe geben. Sich einbilden, dass Er nicht „bis zum Äußersten erretten“ könne, heißt entweder den Heiligen in Israel einschränken und einen Makel auf seine Macht werfen, oder das liebevolle Herz des Sünderfreundes verleumden und Zweifel an seiner Liebe erheben. In jedem Falle würden wir mutwillig gegen Ihn sündigen, denn Er ist fähig und willig, alle die zu erretten, die durch Ihn zu Gott kommen.
Das Kind, das in Feuersgefahr ist, hängt an dem Mann der Feuerwehr, der es auf dem Arm trägt, und traut ihm allein. Es tut keine Fragen über die Stärke seiner Glieder oder den Wunsch seines Herzen, es zu retten, sondern es hängt sich an ihn. Die Hitze ist furchtbar, der Rauch erstickend, aber es hängt an ihm; und der Retter trägt es schnell in Sicherheit. Hänge dich mit demselben kindlichen Vertrauen an Jesum, der dich aus den Flammen der Sünde heraus tragen kann und will.
Die Persönlichkeit unsers Herrn Jesu sollte uns das vollste Vertrauen einflößen. Da Er Gott ist, ist Er allmächtig zu erretten; da Er Mensch ist, ist Er voll aller Segensfülle; da Er Gott und Mensch in Einer majestätischen Person ist, so vereint sich in Ihm des Menschen Natur und Gottes Heiligkeit. Die Leiter ist lang genug, von dem auf der Erde liegenden Jakob zu dem im Himmel herrschenden Jehovah zu reichen. Eine andere Leiter bringen, hieße voraussetzen, dass Er die Entfernung nicht überbrücken könne, und Ihm große Unehre antun. Wenn sogar das Hinzusetzen zu seinen Worten einen Fluch auf uns herabzieht, was muss die Folge sein, wenn wir zu Ihm selber etwas hinzusetzen wollen? Gedenkt daran, dass Er, Er selber, der Weg ist; und annehmen, dass wir in irgendeiner Weise zu dem göttlichen Wege etwas hinzutun können, das heißt anmaßend genug sein, etwas zu Ihm selber hinzutun zu wollen. Hinweg mit einer solchen Vorstellung! Scheut sie, wie ihr Lästerung scheuen würdet, denn dem Wesen nach ist sie die schlimmste Lästerung gegen den HErrn der Liebe.
Zu Jesu kommen mit einem Kaufpreis in der Hand, wäre unerträglicher Stolz, selbst wenn wir einen Preis hätten, den wir bringen können. Was braucht Er von uns? Was könnten wir bringen, wenn Er es nötig hätte? Würde Er die unschätzbaren Segnungen seiner Erlösung verkaufen? Das, was Er mit seines Herzens Blut vollendete, will Er das uns verschachern für unsre Tränen und Gelübde, oder für Beobachtung von Zeremonien, oder für Gefühle und Werke? Er ist nicht so dürftig, dass Er sich verkauft; Er will umsonst geben, wie es Seiner königlichen Liebe geziemt; und der, welcher Ihm einen Preis bietet, weiß nicht, mit wem er zu tun hat und wie schwer er Seinen freien Geist erzürnt. Sünder mit leeren Händen können haben, was sie wollen; alles, dessen sie nur bedürfen können, ist in Jesus, und Er gibt, wenn man Ihn bloß darum bittet; aber wir müssen glauben, dass Er alles in allem ist, und wir dürfen nicht wagen, ein Wort davon zu äußern, dass wir das vervollständigen wollen, was Er vollbracht hat, oder uns selbst geziemend bereiten wollen, für das, was Er uns als unwürdigen Sündern gibt.
Der Grund, warum wir auf Vergebung der Sünde hoffen dürfen und auf ewiges Leben durch Glauben an den Herrn Jesum, ist der, dass Gott es so verordnet hat. Er hat sich in dem Evangelium verbürgt, alle zu erretten, die wahrhaft auf den Herrn Jesum vertrauen und Er wird nie seine Verheißung zurückziehen. Er hat ein solches Wohlgefallen an Seinem Eingebornen, dass Er Wohlgefallen an allen hat, die Ihn als ihre eine und einzige Hoffnung ergreifen. Der große Gott selber hat den ergriffen, der Seinen Sohn ergriffen hat, Er wirkt das Heil für alle, die dies Heil von dem einst getöteten Erlöser erwarten. Um der Ehre Seines Sohnes willen gibt er nicht zu, dass der Mann, der Ihm vertraut, zu Schanden wird. „Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben“; denn der ewig lebende Gott hat ihn zu sich selber gezogen, und ihm einen Anteil an Seinem Leben verliehen. Wenn Jesus allein dein Vertrauen ist, brauchst du nicht zu fürchten, dass du nicht wirklich errettet werdest: sowohl jetzt, als am Tage Seiner Erscheinung wirst du es werden.
Wenn ein Mensch Zuversicht hat, so ist ein Punkt der Vereinigung zwischen ihm und Gott da, und diese Vereinigung verbürgt Segen. Der Glaube errettet uns, weil er uns an Jesu Christo hangen macht, der eins mit Gott ist, und uns so in Verbindung mit Gott bringt. Mir ist erzählt worden, dass vor Jahren ein Boot über dem Niagara-Fall umschlug, und zwei Männer die Strömung herab gerissen wurden, und dass die Leute am Ufer ihnen ein Tau zuwarfen, welches von beiden ergriffen wurde. Der eine hielt sich fest daran und ward glücklich ans Ufer gezogen; aber der andere sah ein großes Stück Holz vorbeischwimmen, ließ unglücklicherweise das Tau los und hielt sich an dem Brett, weil es das größere von den beiden Dingen war, und scheinbar einen besseren Halt gewährte. Ach! das Brett mit dem Mann darauf stürzte in den weiten Abgrund hinab, weil keine Verbindung zwischen dem Holz und dem Ufer war. Der Umfang des Brettes nützte dem nichts, der es ergriff, eine Verbindung mit dem Ufer war nötig zur Sicherheit. So wird ein Mensch, der auf seine Werke, oder seine Gebete, oder sein Almosengeben, oder auf Sakramente, oder irgendetwas derartiges vertraut, nicht errettet werden, denn es ist keine Verbindung da zwischen ihm und Gott durch Christum Jesum; aber der Glaube, ob er auch nur wie ein dünnes Seil scheinen mag, ist in der Hand des großen Gottes auf der Userseite; die unendliche Macht zieht das Verbindungsseil ein und rettet so den Menschen vom Verderben. O, der Segen des Glaubens, weil er uns mit Gott vereint durch den von Ihm verordneten Heiland Jesum Christum! Leser, ist nicht gesunde Vernunft in dieser Sache? Überlege sie und möchte bald ein Band der Vereinigung zwischen dir und Gott geknüpft werden durch deinen Glauben an Christum Jesum!