Spurgeon, Charles Haddon - Abendmahls-Ansprache beim Schlusse der Pastoral-Konferenz 1882.

Spurgeon, Charles Haddon - Abendmahls-Ansprache beim Schlusse der Pastoral-Konferenz 1882.

Spurgeon hatte um seines leidenden Zustandes willen die Predigt vor den Teilnehmern der Konferenz am letzten Morgen einem Andern übertragen und hielt nur diese Ansprache vor dem Abendmahl, am Kommuniontische sitzend. Anm. d. Übers.

I.

Wir haben jetzt an nichts zu denken, als an unsern HErrn. Wir kommen zu Ihm, damit Er uns alle Andern vergessen lasse. Wir sind nicht hier als Prediger, die viel Sorge und Mühe haben, sondern wir sitzen jetzt mit Maria zu Seinen Füßen, oder ruhen an Seiner Brust mit Johannes. Der HErr selbst gibt uns unser Losungswort, nun wir unsre Schar für die letzte Versammlung mustern. „Gedenket meiner“ ist das liebevolle Gebot. Wir bitten Ihn, den ganzen Umkreis unsers Gedächtnisses zu erfüllen, wie die Sonne Himmel und Erde mit Licht füllt. Wir sollen nur an Jesum denken, und nur von Ihm will ich reden. O, dass die feurige Kohle uns berührte von Ihm, der unser Altar ist, sowohl wie unser Opfer!

Der Text findet sich in den Worten des Johannes, im ersten Kapitel der Offenbarung, im siebzehnten und achtzehnten Verse: „Und als ich Ihn sah, fiel ich zu Seinen Füßen, wie tot. Und Er legte Seine rechte Hand auf mich, und sprach zu mir: Fürchte dich nicht; Ich bin der Erste und der Letzte; Ich bin der Lebendige, und war tot; und siehe, Ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit; und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes.

Johannes war von allen Menschen mit Jesus am vertrautesten: und sein HErr hatte niemals nötig gehabt, ihn zu fragen, „Hast du mich lieb?“ Mich dünkt, wenn irgendein Mann in der Gegenwart des verklärten Heilands hätte aufrecht stehen können, so wäre es der Jünger gewesen, den Jesus lieb hatte. Die Liebe gestattet uns, große Freiheiten zu nehmen: das Kind klettert auf die Knie seines königlichen Vaters, und Niemand beschuldigt es der Anmaßung; Johannes hatte so große Liebe, und doch konnte selbst er nicht in das Angesicht des HErrn der Herrlichkeit sehen, ohne von Ehrfurcht überwältigt zu werden. So lang er noch im Leibe war, musste selbst Johannes ohnmächtig werden, als ihm ein frühzeitiger Anblick des Hochgeliebten in Seiner Majestät zu Teil wurde. Wenn es uns erlaubt wird, den HErrn zu sehen, ehe mit unserm Körper jene wunderbare Veränderung vorgegangen ist, durch die wir Jesu gleich gemacht werden sollen, damit wir Ihn sehen mögen, wie Er ist, so werden wir finden, dass der Anblick mehr ist, als wir ertragen können. Ein klarer Blick auf unsers HErrn himmlischen Glanz, so lange wir hier auf Erden sind, würde nicht angemessen sein; denn es wäre uns nicht dienlich, immer ohnmächtig zu des Erlösers Füßen zu liegen, wo so viel Arbeit für uns zu tun ist.

Erlauben Sie mir, lieben Brüder, unsern Text aus seinem Zusammenhang zu nehmen, und ihn auf uns selber anzuwenden, indem ich ihn von dem Throne dort oben zu dem Tische hier hinab bringe: es mag sein, ich hoffe, es wird sein, dass, wenn wir Jesum hier sehen, wir mit Johannes zu Seinen Füßen als tot hinfallen. Wir werden nicht in Ohnmacht fallen, aber wir werden in einem andern Sinne tot sein, sehr lieblich tot, während unser Leben in Ihm offenbar ist. Nachdem wir hierüber nachgedacht haben, werden wir zu dem kommen, was mein Text mit einschließt: dann können wir mit Johannes wieder lebendig werden, denn wenn er nicht wieder aufgelebt wäre, hätte er uns nie von seiner Ohnmacht erzählen können. So werden wir Tod mit Christo und Auferstehung in Ihm haben. O, hätten wir tiefe Erfahrung von Beidem, durch die Macht des Heiligen Geistes!

Wenn es uns vergönnt wird, Christum in den einfachen und lehrreichen Gedächtniszeichen zu sehen, die jetzt auf dem Tische sind, so werden wir in einem seligen Sinne wie tot zu Seinen Füßen fallen.

Denn, zuerst sehen wir hier ein Mittel zur Hinwegnahme der Sünde, und wir werden solchergestalt daran erinnert. Hier ist das Brot, gebrochen, weil wir Gottes Gesetz gebrochen haben, und auf ewig hätten zerbrochen werden müssen, wäre kein zerschlagener Heiland gewesen. In diesem Weine sehen wir das Zeichen des Blutes, mit dem wir entweder gereinigt werden müssen, oder faule Dinge bleiben, die in das Feuer des Tophet geworfen werden, weil sie ein Gräuel vor Gottes Augen sind. Insofern wir vor uns das Gedächtnis der Versöhnung für die Sünde haben, erinnert uns dies an unsern Tod in der Sünde, in dem wir geblieben sein würden, hätte die Gnade uns nicht ins Leben und ins Heil hineingesprochen. Sind Sie im Großwerden begriffen? Werden Sie wiederum klein, da Sie sehen, dass Sie nichts sind, als losgekaufte Sklaven. „Gottes Freigelassene“ ist noch jetzt Ihr wahrer Rang. Beginnen Sie zu denken, dass Sie, weil Sie geheiligt sind, die tägliche Reinigung weniger nötig haben? Hören Sie dies Wort: „So wir aber im Lichte wandeln, wie Er im Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft untereinander,“ doch sogar dann: „Das Blut Jesu Christi macht uns rein von aller Sünde.“ Wir sündigen sogar, wenn in der höchsten und göttlichsten Gemeinschaft, und bedürfen noch des reinigenden Blutes. Wie dieses uns vor dem HErrn demütigt! Wir sollen Sünder gewinnen, und sind doch selber noch Sünder, die ebenso sehr des Lebensbrotes bedürfen, wie die, denen wir es austeilen.

Ach! und unsrer Einige sind ganz besondere Sünder gewesen; und deshalb, wenn wir viel lieben, so ist es, weil uns viel vergeben ist. Wir haben geirrt, nachdem wir den Heiland kannten, und das ist eine Art der Sünde, die außerordentlich schwer ist; wir haben gesündigt, nachdem wir den höchsten Zustand geistlicher Freude erreicht hatten, und mit Ihm auf dem heiligen Berge gewesen waren, und Seine Herrlichkeit geschaut hatten! Dies erzeugt eine heilige Scham. Wir mögen wohl zu Jesu Füßen fallen, obwohl Er Sich nur in Brot und Wein offenbart; denn diese erwecken in uns das Gefühl der Sündigkeit, während sie uns daran erinnern, wie der HErr unsre Sünde auf Sich nahm und sie hinweg trug. Hierin sinken wir so tief wie die Toten. Wo ist das Ich? Wo ist der Selbstruhm? Haben wir irgendeinen in der Gegenwart des gekreuzigten Heilandes? Wenn wir im Geiste Sein Fleisch essen und Sein Blut trinken, können wir uns unsers eignen Fleisches rühmen, oder den Stolz des Blutes und der Geburt fühlen? Schande über uns, wenn ein Anflug von Stolz mit unserm Amte sich vermischt, oder ein Schatten von Selbstlob mit unserm Erfolg. Wenn wir Jesum, unsern Heiland, den Heiland der Sünder, sehen, gewiss, so wird das Ich sinken und die Demut zu Seinen Füßen fallen. Wenn wir an Gethsemane und Golgatha denken und an alle Angst und Pein unsers großen Erlösers, gewiss, so muss durch den Heiligen Geist Eigenruhm, Eigensucht und Eigenwille fallen, wie von einer tödlichen Wunde getroffen. „Als ich Ihn sah, fiel ich zu Seinen Füßen wie tot.“

Hier lernen wir auch eine zweite Lehre. Jesus hat auf diesen Tisch Speise gestellt. Das Brot stellt alles dar, was notwendig ist, und der Kelch alles, was erquickend ist: Vorrat für all unsre Bedürfnisse und für alle unsre richtigen Wünsche: alles, was wir brauchen zur Erhaltung und zur Freude. Wie groß ist dann aber die Armut meiner Seele, wenn sie sich nicht einmal Brot verschaffen kann! Und an Labsale kann ich gar nicht denken; sie müssen mir gegeben werden, sonst werde ich sie nie schmecken. Brüder, wir leben von der Freigebigkeit unsers großen Blutsverwandten: wir kommen zu Seinem Tische, um unsern Unterhalt zu empfangen: wir haben keinen eignen Besitz. Er, der die Sperlinge ernährt, ernährt unsre Seelen; in geistlichen Dingen sammeln wir nicht mehr in die Scheuern, als die Vögel es tun; unser himmlischer Vater nährt uns von der Fülle, die es Ihm gefallen hat, für uns in Jesu niederzulegen. Wir könnten keine Stunde geistlich leben ohne Ihn, der nicht nur Brot, sondern Leben ist; nicht nur Wein, welcher erheitert, sondern der Trost selber. Unser Leben hängt von Jesu ab; Er ist unser Haupt sowohl als unsre Speise. Wir werden nie über unser Bedürfnis nach natürlichem Brote hinauswachsen, und geistlich werden wir nie über das Bedürfnis nach einem gegenwärtigen Christus uns erheben, vielmehr ein dringenderes Verlangen und eine stärkere Leidenschaft für Ihn fühlen. Sehen Sie auf jenen eitlen Menschen! Er fühlt, dass er ein großer Mann ist, und Sie räumen ein, dass er in Gaben über Ihnen steht; aber was für ein Betrüger ist er, was für ein törichtes Geschöpf, zu träumen, dass er etwas sei. Nun wird er zu leicht erfunden werden; denn gleich uns, ist er nicht einmal im Stande, aus sich selber etwas zu denken. Ein Bettler, der von Almosen zu leben hat, das Brot der Abhängigkeit zu essen, den Becher der Barmherzigkeit zu nehmen hat, was hat der zu rühmen? ER ist der große Eine, der uns ernährt, der uns alles gibt, dessen wir uns erfreuen, der unser All in Allem ist; und wir, wir sind Supplikanten - ich hätte fast gesagt, Bettler - eine Gemeinschaft von Bettelbrüdern, für allen eignen geistlichen Reichtum so tot, wie die Erschlagenen bei Marathon. Der Negersklave konnte wenigstens seinen Atem sein eigen nennen, aber wir können nicht einmal dies. Der Geist Gottes muss uns geistlichen Atem geben, sonst wird unser Leben aufhören. Wenn wir hieran denken, gewiss, so wird der Anblick Christi in diesem Brot und Wein, obgleich es nur eine trübe Vision ist im Vergleich mit der, welche das Herz des Johannes entzückte, uns doch zu des Erlösers Füßen wie tot niederfallen machen.

Da „Ich“ kann nicht leben, denn unser HErr hat keine Speise bereitet für das eitle Ego, und seine Herrschaft. Er hat alles zur Notdurft bereitet, aber nichts zum Rühmen. O, seliges Gefühl der Selbstvernichtung! Wir haben es mehrere Male diese Woche gehabt, als gewisse Vorträge von unsern Brüdern gehalten wurden, und mehr noch, wir schrumpften ganz zusammen in der Glut der Freude, womit der HErr uns begnadigte. Ich hoffe, diese gesegnete Versammlung und ihre himmlischen Andachtsübungen haben in uns allen das Ich geschmolzen, und es auf eine Weile, in Tränen wegfließen lassen. Sich selber sterben ist eine selige Empfindung. Mögen wir sie alle haben! Wenn wir schwach sind bis zum Äußersten im bewussten Tode des Selbst, dann sind wir stark bis zur Fülle der Macht. Wenn wir ohnmächtig hinsinken bis zum Tode des Ich, und alles Bewusstsein persönlicher Kraft verlieren, so werden wir ins Unendliche hinein geführt und leben in Gott.

II.

Nun wollen wir betrachten, wie wir wiederum lebendig werden, und so den HErrn als die Auferstehung und das Leben erkennen. Johannes wurde wieder lebendig, und er erzählt uns, wie dies kam. Er sagt von dem Hochgelobten: „Er legte Seine rechte Hand auf mich und sprach zu mir: Fürchte dich nicht, Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige; Ich war tot; und siehe, Ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit, und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes.“

Alle Lebensfluten unsers Wesens werden mit erneuter Stärke fließen, zuerst wenn wir in Berührung mit Jesus gebracht sind. „Er legte Seine rechte Hand auf mich.“ Wunderbare Geduld, dass er nicht Seinen Fuß auf uns setzt, und uns niedertritt wie den Kot der Gassen! Ich habe zu Seinen Füßen wie tot gelegen, und hätte Er mich mit dem Fuße weggestoßen als befleckt vom Verderben, so hätte ich Seine Gerechtigkeit nicht bestreiten können. Aber hier steht nichts von Seinem Fuße! Dieser Fuß ist für uns durchbohrt worden, und es kann nicht sein, dass der Fuß, der für die Seinen ans Kreuz genagelt ist, jemals im Zorn sie zertreten sollte. Hören wir diese Worte „Er legte seine rechte Hand auf mich.“ Die rechte Hand Seiner Kraft und Seiner Herrlichkeit legte er auf Seinen ohnmächtigen Knecht. Es war die Hand eines Menschen. Es ist die rechte Hand dessen, der unsre Krankheit und Schmerzen getragen, eines Bruders, geboren für die Not (Spr. Salom. 17,17). Deshalb hat alles an Seiner Hand einen belebenden Einfluss. Die Sprache des Mitgefühls, meine Brüder, ist oft zu unpraktisch, und deshalb zu schwach, die Ohnmächtigen zu beleben; die Berührung des Mitgefühls ist weit wirksamer. Sie erinnern sich der Erzählung von dem wilden Negerkinde, das nicht gewonnen werden konnte, ehe das kleine Mädchen sich bei ihm niedersetzte und seine Hand auf dasselbe legte. Eva gewann die arme Topsi durch diese sanfte Berührung. Die Zunge versagte, aber die Hand gewann den Sieg. So war es mit unserm anbetungswürdigen HErrn. Er zeigte uns, dass Er Bein von unserm Bein und Fleisch von unserm Fleisch sei. Er rührte uns an, und ließ uns die Wirklichkeit Seiner Liebe zu uns wahrnehmen, und da überwand Er uns.

So fühlten wir, dass Er keine Einbildung sei, sondern ein wirklicher Christus; denn seine Hand war da, und wir fühlten den sanften Druck. Das Auflegen der rechten Hand des HErrn hat den Kranken Heilung gebracht, den Blinden das Gesicht und selbst den Toten das Leben, und es ist nichts Seltsames, dass es einen ohnmächtigen Jünger wieder erweckt. Mögen wir Alle es in diesem Augenblick in seiner vollen wiederbelebenden Kraft fühlen! Möge von der rechten Hand des HErrn nicht nur Sein Mitgefühl herunter strömen, weil er Mensch ist wie wir, sondern so viel von der Macht Seiner Gottheit, als in einen Menschen hineingebracht werden kann, so dass wir mit der Fülle Gottes erfüllt werden! Das ist möglich in diesem Augenblick. Dies Abendmahl stellt dar, dass der ganze Leib Christi uns gegeben wird, um als Speise in uns aufgenommen zu werden; gewiss, wenn wir in seine wahre Bedeutung eingehen, können wir erwarten, erweckt und lebendig gemacht zu werden; denn wir haben hier mehr als eine bloße Berührung Seiner Hand, es ist der ganze Christus, der geistlich in uns eingeht, und so mit unserm innersten Wesen in Berührung kommt. Ich glaube an die wirkliche Gegenwart“; tun Sie es nicht? Die fleischliche Gegenwart ist etwas Andres: die wünschen wir nicht einmal. HErr Jesus, komm in eine vielhändige Berührung mit uns jetzt, indem Du in uns wohnst und wir in Dir.

Doch tat noch etwas Andres nötig, denn unser HErr Jesus gab nach der Berührung das Wort: „Fürchte dich nicht; Ich bin der Erste und der Letzte.“ Was sagt Er? Sagt Er, „Du bist“? Schlagen Sie Ihr Testament auf und sehen Sie zu. Ruft Er aus: „Fürchte dich nicht; du bist der geliebte Jünger, Johannes der Apostel und der Theologe“? Ich finde nichts der Art. Er wies seinen Knecht nicht an, auf sich selbst zu blicken, sondern an den großen Ich bin, seinen Heiland und HErrn, zu denken. Der lebendige Trost jedes ohnmächtigen Gotteskindes, eines Jeden, der sich einer Todeswunde des natürlichen „Ich“ bewusst ist, liegt in jenem majestätischen „Ich,“ das allein sagen kann: „Ich bin.“ Wir leben, weil es ein „Ich bin“ gibt, das Leben in sich selber hat, und dieses Leben für uns hat.

„Ich bin der Erste.“ Ich bin euch voran gegangen und habe euren Weg bereitet; ich habe euch geliebt, ehe ihr mich liebtet; ich verordnete euren ganzen Lebenslauf, ehe ihr ins Dasein kamt. In jedem Werk der Gnade für euch und in euch, bin ich der Erste. Gleichwie der Tau, der vom HErrn kommt, habe ich nicht auf Menschen gewartet, noch auf Menschenkinder geharrt.“ Und ich bin auch der Letzte, vollende das in euch angefangene Werk und bewahre euch bis ans Ende. Ich bin euch Alpha und Omega, und alle Buchstaben dazwischen; ich begann mit euch, und ich werde mit euch enden, wenn an ein Ende gedacht werden kann. Ich gehe im Vortrab, und ich bringe den Nachtrab auch heran. Euer Beharren bis ans Ende ist ebenso sehr von Mir, als euer hoffnungsvoller Anfang. Bruder, erhebt sich eine Furcht in Betreff der dunkeln Stunde, die bald zu kommen droht? Welche Stunde ist das? Jesus weiß es, und Er wird mit uns sein die Nacht hindurch, und bis der Tag anbricht. Wenn Jesus Anfang und Ende für uns ist, was ist außerdem noch da? Was haben wir zu fürchten, ausgenommen jene unheiligen Erfindungen unsers Misstrauens, „jenen Überfluss an Bosheit,“ der sich zu Unglauben, Zweifeln und unfreundlichen Einbildungen formt? Christus schließt alles aus, was uns schaden könnte, denn er nimmt alle Zeit und allen Raum ein; er ist über den Höhen, und unter den Tiefen; und überall ist er die Liebe.

Lesen wir weiter, „Ich bin der Lebendige.“ Weil Ich lebe, sollt ihr auch leben; kein wirklicher Tod soll euch befallen, denn der Tod hat keine Herrschaft mehr über Mich, euer Haupt, euer Leben. So lange ein lebendiger Christus im Himmel ist, soll kein Gläubiger je den Tod sehen: er soll in Jesu schlafen, und das ist alles, denn selbst dann soll er bei dem HErrn sein allezeit.

Weiter „Und war tot.“ Deshalb, ob ihr auch sterbt, sollt ihr nicht niedriger gehen, als ich ging; und ihr sollt wieder herauf gebracht werden, wie ich aus dem Grabe erstanden bin. Denken wir an Jesus, wie Er durch das Reich des Todesschattens gegangen ist, so werden wir uns nicht fürchten, Seiner Spur zu folgen. Wo sollten die sterbenden Glieder ruhen, als auf demselben Lager mit ihrem einst sterbenden Haupte?

„Und siehe, Ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Ja, sehen Sie es und hören Sie nie auf, es zu sehen: wir dienen einem ewig-lebendigen HErrn. Brüder, gehen Sie heim von der Konferenz in Kraft dieses großen Wortes! Das liebe Kind mag kränkeln oder das teure Weib heimgerufen werden, aber Christus spricht, „Ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit.“ Das gläubige Herz kann nie zur Witwe werden, denn sein Mann ist der Lebendige Gott. Unser HErr Jesus will uns nicht Waisen lassen, Er will zu uns kommen. Hier ist unsre Freude also: nicht in uns selbst, sondern in der Tatsache, dass Er ewig lebt, um nach des Vaters Wohlgefallen in uns und für uns zu wirken. Vorwärts, Streiter des Kreuzes, denn ein unsterblicher Führer geht voran.

Lesen wir noch einmal: „Und habe die Schlüssel der Hölle und des Todes.“ Als ich über diese Worte nachdachte, staunte ich über die Armut und Dürftigkeit der Ursache des Bösen; denn der Fürst desselben, der Teufel, hat nicht die Schlüssel seines eignen Hauses; sie können ihm nicht anvertraut werden; sie hängen am Gürtel Christi. Gewiss, ich werde nie zur Hölle gehen; denn mein HErr Jesus drehte den Schlüssel gegen meinen Eintritt schon vor langer Zeit um. Die Türen der Hölle wurden für mich geschlossen, als Er für mich starb. Ich sah Ihn die Tür schließen, und was mehr ist, ich sah Ihn den Schlüssel an seinen Gürtel hängen, und da ist er noch heutigen Tages. Christus hat die Schlüssel der Hölle; Er kann also, wann immer Er will, den verschlingenden Löwen einschließen, und Seine Macht für das Böse beschränken. O, dass der Tag gekommen wäre!

er kommt heran, denn der Drache hat großen Zorn, und weiß, dass er wenig Zeit hat. Lassen Sie uns nicht allein gehen, um mit diesem furchtbaren Widersacher zu kämpfen; wir wollen seinem Überwinder von ihm sagen, und Ihn bitten, seine Kette zu kürzen. Ich bewundere die kräftigen Worte einer Sterbenden, die gefragt ward, was sie täte, wenn der Teufel sie anföchte um ihrer Sünde willen. Sie erwiderte, „Der Teufel ficht mich jetzt nicht an; er kam vor einiger Zeit zu mir, und er liebt mich nicht genug, um wiederzukommen.“ „Warum nicht?“ „Nun, er ging weg, weil ich zu ihm sagte: Erwählt, erwählt!“ „Was meintest du damit?“ „Weißt du nicht, dass in der Schrift steht, der HErr schelte dich, du Satan; ja der HErr schelte dich, der Jerusalem erwählt hat.“ Der Spruch der greisen Frau war gut ausgesucht, und gut kennt der Feind das Schelten, das er enthält. Als Josua, der Hohepriester, in unreinen Kleidern vor dem Engel stand, stand Satan zu seiner Rechten, um ihm zu widerstehen, aber er ward zum Schweigen gebracht, indem ihm von der Erwählung Gottes gesagt ward: „Der HErr schelte dich, der Jerusalem erwählt hat.“ Ah, Brüder, wenn Christi rechte Hand auf uns liegt, so weicht der Böse. Er kennt zu gut das Gewicht dieser rechten Hand.

Schließen wir den Vers „Und des Todes.“ Unser HErr hat die Schlüssel des Todes, und dies wird uns freudig machen, wenn unsre letzte Stunde kommt. Wenn wir zu Ihm sagen, HErr, wohin gehe ich?“ so antwortet Er: „Ich habe die Schlüssel des Todes und der Geisterwelt.“ Wollen wir nicht erwidern, „Wir gehen mit voller Zuversicht, wohin immer du uns führen willst, o HErr“? Wir werden dann Seiner Spur folgen in Seiner Gesellschaft. Unsre Leiber werden hinabsinken in das, was die Menschen ein Beinhaus nennen, obgleich es in Wirklichkeit das Auskleidezimmer der Heiligen ist, der Vorhof des Himmels, die Kleiderkammer, wo unsre Gewänder gereinigt und vollendet werden. Wir haben eine passende geistliche Umhüllung für die Zwischenzeit, aber wir erwarten, dass unsre Leiber wieder auferstehen in dem Bilde des „HErrn vom Himmel.“ Welchen Gewinn werden wir haben, wenn wir die Gewänder wieder aufnehmen, die wir bei Seite legten, und sie so herrlich umgewandelt finden, dass wir sie selbst in der Gegenwart des HErrn tragen können. So, wenn die schlimmste Furcht, die durch unsre Seele geht, sich verwirklichte und wir buchstäblich zu unsers HErrn Füßen stürben, ist doch keine Ursache zum Grauen da, denn kein Feind kann uns Schaden tun, da die göttliche Hand sich verbürgt hat, uns bis ans Ende zu erlösen. Lasst uns dem Hochgeliebten andächtigen und inbrünstigen Preis darbringen, nun wir an diesem königlichen Festmahle teilnehmen! Der König sitzt an Seinem Tische - möge unsre Narde ihren köstlichsten Geruch geben.

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