Spieß, Eduard Wilhelm August Ludwig - Der Jüngste Tag.
2. Advent.
2. Petri 3, 9-14:
“Der Herr verzieht nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten; sondern er hat Geduld mit uns, und will nicht, dass Jemand verloren werde, sondern dass sich jedermann zur Buße kehre. Es wird aber des Herrn Tag kommen, als ein Dieb in der Nacht, in welchem die Himmel zergehen werden mit großem Krachen, die Elemente aber werden vor Hitze zerschmelzen, und die Erde und die Werke, die darinnen sind, werden verbrennen. So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt sein mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen, dass ihr wartet und eilt zu der Zukunft des Tages des Herrn, in welchem die Himmel vom Feuer zergehen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden. Wir warten aber eines neuen Himmels und einer neuen Erde, nach seiner Verheißung, in welcher Gerechtigkeit wohnt. Darum, meine Lieben, dieweil ihr darauf warten sollt, so tut Fleiß, dass ihr vor ihm unbefleckt und unsträflich in Frieden erfunden werdet.“
Der erste Sonntag in dem neuen Kirchenjahre, den wir vor acht Tagen gefeiert haben, hat uns, in dem Herrn Geliebte, eine frohe Botschaft gebracht. Die frohe Botschaft, dass der Herr in diesem neuen Kirchenjahre zu uns kommen will, nicht um uns zu richten, sondern uns zu segnen. Er will uns Gnade bringen in seinem Wort und Sakrament, will mit der freundlichen Liebesladung vor uns treten: kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken, will uns erfahren lassen, dass er auch für uns gekommen ist und noch immer kommt, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. Und er will uns Frieden schenken in dem neuen Kirchenjahr, seinen Frieden, den er mit seinem Blute uns erworben hat, dass wir als versöhnte Kinder Gottes in ihm das Leben und volles Genüge haben und auch freudig zu Gott beten können, in dem Namen Jesu zu ihm rufen können: Abba, lieber Vater. Eine frohe Botschaft ist's gewiss, die der erste Sonntag in dem neuen Kirchenjahre uns gebracht hat.
Aber die Adventszeit, in der wir stehen, will uns noch von einem andern Kommen Jesu predigen, als von der gnadenreichen Ankunft unseres Friedefürsten. Sie weist uns hinaus auf das letzte Kommen Christi, da er in Herrlichkeit erscheinen wird, um das Gericht zu halten und sein Reich zu vollenden. Davon spricht der Heiland im heutigen Evangelium; er nennt die Zeichen seiner Zukunft; wenn sich die erfüllen, werden sie sehen des Menschensohn kommen in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit. Davon redet auch in unserem Texte der Apostel; er weist uns auf den Jüngsten Tag hinaus, das ist der Tag der Offenbarung der Herrlichkeit des Herrn, es ist zugleich der Tag der Welt-Vollendung und Verklärung. Und diese Botschaft von dem Jüngsten Tag ist für uns ernst und wichtig; wenn dieser Tag erscheint, bringt er auch für uns die Entscheidung über unser Los, ob selig oder nicht, ob aufgenommen in die Wohnungen des Himmels, oder verstoßen vor dem Angesicht des Herrn. Lasst uns diese wichtige und ernste Botschaft hören und zu Herzen nehmen.
Von dem Jüngsten Tag
Ein Dreifaches sagt unser Text davon
1) was er bringt,
2) wann er kommt,
3) wozu er mahnt.
I.
Was bringt der Jüngste Tag? Auf diese Frage gibt unser Text zuerst uns Antwort. Himmel und Erde werden vergehen, ruft unser Heiland aus im heutigen Evangelium. Nicht etwas Neues hat der Herr damit verkündigt. Schon die alten Heiden ahnten es, dass diese Welt, so unvollkommen, so voller Not und Elend, einmal untergehen werde. Und die Propheten des alten Bundes verkündigen es klar und deutlich. Alles Heer des Himmels, sagt Jesajas, wird verfaulen und der Himmel eingewickelt werden wie ein Tuch, und all sein Heer wird verwelken, wie ein Blatt verwelkt am Weinstock, und wie ein dürres Blatt am Feigenbaum. Hebt eure Augen auf gen Himmel und schauet unten auf die Erde, denn der Himmel wird vergehen wie ein Ranch, und die Erde wie ein Kleid veralten, und die darauf wohnen, werden dahinsterben. Und eben das ist's auch, was Petrus hier in unserem Text von dem Jüngsten Tag uns sagt. Er bringt den Untergang der alten Welt, der Welt der Sünde und des Todes; sie wird im Feuer untergehen, wird verbrennen. Wenn der Tag des Herrn erscheint, werden die Himmel zergehen mit großem Krachen, die Elemente vor Hitze zerschmelzen und die Erde und die Werke, die darinnen sind, verbrennen. Dort im Brief an die Römer spricht Paulus von der seufzenden Kreatur, die in die Macht der Eitelkeit verknechtet ist, mit hineingezogen in das sündige Verderben und die Todesmacht, die durch Adams Fall in die Menschenwelt gedrungen. Dies Seufzen wird gestillt, diese Gebundenheit nimmt ein Ende, wenn der Jüngste Tag erscheint, mit ihm der Untergang der alten Welt, wenn alles, was geschaffen ist durch Gottes Macht in dem großen Weltbrand sein Ende findet.
Aber so ist es doch nicht gemeint, in dem Herrn Geliebte, als ob das, was Gott geschaffen hat, in Nichts vergehen solle. Nein, aus dem Untergang des Alten wird etwas Neues werden. Wir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde, in welchen Gerechtigkeit wohnt. Auch das ist durch Prophetenmund zuvor im alten Bund verheißen. Siehe ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, spricht der lebendige Gott durch seinen Knecht Jesajas, dass man der vorigen nicht mehr gedenken wird, noch zu Herzen nehmen. Es ist mit dieser alten Welt, wie mit dem Leibe, den wir an uns tragen; er muss sterben und vergehen in der Erde, weil das Gift der Sünde in ihm steckt. Aber er gleicht dem Samenkorn, das man in die Erde legt, das verweset und aus dem etwas Neues treibt und wächst. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. So ist es auch mit dem großen Leib der Welt, er geht in Feuer unter, aber aus dem, was untergeht, treibt hervor ein Neues, ein neuer Himmel, eine neue Erde. Das ist es, was der Jüngste Tag uns bringt.
Und was macht sie neu, die neue Welt, in der Himmel und Erde sich in eins zusammenfassen? Wir hören es aus unserem Text: in ihnen wohnt Gerechtigkeit. So wird sie sein, wie Gott sie haben will, eine vollkommene Welt, die Gottes Herrlichkeit ganz und voll offenbart, auf der sein Wohlgefallen ruhen kann. So ist doch diese alte Welt nicht, mit ihrem nichtigen und eitlen Wesen, mit ihrer Not und ihrem Elend, mit Krieg und Kriegsgeschrei, mit Mord und Blutvergießen, auf der Sünde, Tod und Teufel noch eine so große Macht besitzen, auch nachdem Christus unser Herr sein Werk am Kreuz vollbracht hat. Auf der neuen Welt ist das alles abgetan, alles unvollkommene, nichtige, sündige Wesen hat ein Ende. Eine neue Menschheit wohnt auf ihr, ein heiliges Volk Gottes, das mit der Sünde sich nicht mehr befleckt, über das der Tod keine Macht mehr hat, das der Teufel nicht mehr versuchen und betrügen kann; ein seliges Volk Gottes wohnt auf ihr, das mit seinem König Jesus Christus lebt und herrscht in Ewigkeit, an dem erfüllt ist, was die Offenbarung uns verheißt (21, 3 und 4): siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen; und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein; und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen wird mehr sein, denn das erste ist vergangen. Was für ein Tag ist es, der Jüngste Tag, der eine neue Welt bringt, einen neuen Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt!
Und wer ist es, in dem Herrn Geliebte, der dieses Neue schafft? Der ist es, von dessen Kommen dieser Sonntag predigt, Jesus Christus unser König. Er wird wiederkommen in großer Kraft und Herrlichkeit, und wenn er kommt, dann ist der Jüngste Tag erschienen. Ein Tag des Gerichtes wird es sein und der Verdammnis der gottlosen Menschen, ein Tag, an dem die Toten auferstehen, ein Tag, an dem die Gemeinde Jesu erscheint in ihrer Herrlichkeit, ein Tag, an dem die Welt vollendet und verklärt wird. Jesus, unser Heiland, der die Welt erlöst hat, wird sie auch vollenden. Das ist es, was der Jüngste Tag uns bringt.
II.
Wann kommt der Jüngste Tag? Das ist die andre Frage, auf die unser Text uns Antwort gibt. Schon zu des Apostels Zeiten gab es Leute, die sagten, der Jüngste Tag kommt nicht, die wohl die Verheißung Gottes kannten, sie aber für unwahr hielten und darüber spotteten. Diese Spötter sind nicht ausgestorben, ja, je näher wir dem Ende kommen, desto größer wird ihre Zahl und desto frecher ihre Rede, Gottes Wort zu leugnen und sich mit ihrer Weisheit groß zu machen. Alles bleibt, so rufen sie, wie es zu unserer Väter Zeiten war, ja, wie es von Anfang der Kreatur gewesen ist; Toren seid ihr, die ihr noch darauf wartet, dass Christus wiederkommen und der Jüngste Tag erscheinen werde. Diesen Spöttern gegenüber, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln und weil sie fleischlich leben, nichts hören wollen von Gericht und der Ewigkeit, lasst uns festhalten, liebe Brüder, an dem Worte dessen, der die Wahrheit ist und der die Verheißung seiner Zukunft noch besonders mit dem gewaltigen Wort besiegelt hat: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht. So gewiss Jesus ein wahrhaftiger Zeuge Gottes ist, so gewiss wird auch sein Wort erfüllt von dem Menschensohn, der wiederkommt in großer Kraft und Herrlichkeit.
Neben diesen Spöttern gab es im Glauben Schwache in den christlichen Gemeinden, die gewiss nicht lassen wollten von der Hoffnung auf den Jüngsten Tag und die Vollendung des Königreiches Jesu, die aber meinten, es währe lange, allzu lange, bis der verheißene Tag erscheine. Diesen gilt das Wort am Anfang unseres Textes: Der Herr verzieht nicht die Verheißung, wie etliche es für einen Verzug achten. Ähnliche Gedanken sind es, von denen unter uns gläubige Seelen angefochten werden, es geht ihnen zu langsam in dem Reiche Gottes, es währt ihnen zu lange, bis die Herrlichkeit der neuen Welt erscheint. Wenn sie hinsehen auf das Wachstum des Unkrauts auf dem Acker, auf die Macht des Widerchristentums, das immer gewaltiger das Haupt erhebt, den Abfall, der immer weiter um sich greift, dann dünkt es ihnen auch, als ob der Herr verziehe, als sei es ihm kein rechter Ernst damit, seine Verheißung wahr zu machen; sie kommen in ein ungeduldiges, verzagtes Wesen, sie möchten gerne Zeit und Stunde aus der Schrift heraus festmachen, da sich die alte Welt verwandeln wird in eine neue Welt. Da gilt es, hören und zu Herzen fassen, was der Apostel sagt in unserem Texte: Der Herr verzieht nicht die Verheißung, er hält treu und fest über seinem Worte, sondern er hat Geduld mit uns und will nicht, dass Jemand unter uns verloren werde, sondern dass sich jedermann zur Buße kehre. Die Ursache, dass der Tag des Herrn noch nicht gekommen, ist die göttliche Geduld. Ist in Gott alles groß und herrlich, mit zu dem Herrlichsten und Größten gehört seine Geduld. Wir sind so ungeduldig, so leicht geneigt zum Schelten, Richten, Strafen, einen Menschen aufzugeben, als sei für ihn nichts mehr zu hoffen, in unserer Liebe zu erkalten, wenn sie nicht bald Erfolge sieht. Aber wie groß und herrlich ist unser Gott, der nicht zufährt mit dem Gericht über die Unbekehrten, der ihnen nachgeht und um ihre Herzen wirbt und warten kann, bis sie auf seine Stimme hören, und nichts dahinten lässt, was helfen kann, um sie zur Buße hinzuführen, zu erretten und selig zu machen. Es ist das ewige Erbarmen, das alles Denken übersteigt, des, der mit offenen Liebesarmen sich zu uns armen Sündern neigt, dem allemal das Herze bricht, wir kommen oder kommen nicht. Nicht eher kommt der Tag des Herrn, der auch ein Tag der Rache und des Zornes ist über die, so dem Evangelio unsers Herrn Jesu Christi nicht gehorsam sind, bis aller Kreatur das Evangelium gepredigt ist, bis dass der Schall des Evangeliums zu allen Völkern hingekommen, keine Menschenseele mehr auf Erden wohnt, die nicht den Namen Jesu kennt als ihres Seligmachers; nicht eher wird der Richter kommen, der das Unkraut von dem Weizen sondert, bis dass die göttliche Barmherzigkeit alles getan hat, um den Verlorenen zur Buße und damit zur Errettung und Seligkeit zu helfen.
Wann aber die Zeit hierfür erfüllt ist, wissen wir nicht, Wenn wir fragen: wann kommt der Jüngste Tag, sagt uns unser Text zur Antwort: des Herrn Tag wird kommen als ein Dieb in der Nacht. Das ist die Botschaft, wie sie Gottes Wort so manchmal wiederholt, uns zur Warnung, dass wir wachen und beten sollen auf die Zukunft Christi. Der Herr wird unerwartet, plötzlich kommen, wenn man nicht an ihn denkt, wenn sie rufen: Friede, Friede, es hat keine Gefahr, dann wird er da sein. Wenn die Gottlosen in ihrer Sicherheit am sichersten geworden sind, dann wird sie das Verderben schnell überfallen, gleich wie der Schmerz ein schwanger Weib und werden nicht entfliehen. Wenn sie gleich denen vor der Sündflut essen, trinken, freien und sich freien lassen, kaufen und verkaufen, als gäbe es kein Ende ihres fleischlichen Treibens, keine Ewigkeit und kein Gericht, dann wird der Herr erscheinen und ihrem Wesen ein jähes Ende machen. Wenn es aber so ist, liebe Brüder, wenn es gewiss ist, dass der Jüngste Tag erscheint, wenn wir nicht wissen, wann er kommt, dann gilt es Fleiß zu tun, dass wir auf das Kommen Jesu uns bereiten.
III.
Wozu ermahnt der Jüngste Tag? Das ist die letzte Frage, auf die wir hier in unserem Texte Antwort hören. So nun das alles soll zergehen, wie sollt ihr denn geschickt sein mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen, dass ihr wartet und eilt zu der Zukunft des Tages des Herrn. Zweierlei tut uns not zur Bereitung auf den Jüngsten Tag: wir sollen warten und wir sollen eilen. Warten sollen wir auf die Erscheinung Christi. Wir sollen es lernen von den heiligen Aposteln, fleißig auszublicken auf das Ende, Herz und Sinn zu richten auf den Tag, der aller Not und allem Kampf ein Ende macht, und wenn es uns bange werden will um Christi Sache, uns stärken durch die Verheißung seines Sieges. Lasst eure Lenden umgürtet sein, so mahnt uns der Heiland selbst, und eure Lichter brennen, und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wenn er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wenn er kommt und anklopft, sie ihm bald auftun. Wir sollen warten und ausharren in Geduld. Wenn auch die Zeit verrinnt, ein Jahr und ein Jahrhundert nach dem andern, ohne dass das Gebet der Gläubigen: „komm Herr Jesu“, sich erfüllt, wenn auch die Spötter und Zweifler rütteln an dem Worte der Verheißung und die Hoffnung der Gemeinde Jesu für eitel Torheit achten, wenn auch die Sicherheit der Gottlosen sich mehrt, die Gottes Wort mit Füßen treten: wir warten im Glauben und Geduld. Der Herr kommt, er kommt gewiss.
Wir sollen eilen zu der Zukunft des Tages des Herrn. Das ist das andere, was uns nottut. Fassen wir den Text genau ins Auge, dann mahnt uns der Apostel dazu, dass wir den Tag des Herrn beeilen, beschleunigen sollen, helfen sollen, dass er bald erscheine. Wie können wir es, liebe Brüder? Steht es denn nicht allein in Gottes Hand, wann der Jüngste Tag erscheinen wird? Wenn, wie wir hörten, der Herr geduldig wartet, dass die Sünder sich bekehren und eben darum den Tag des Gerichtes noch nicht kommen lässt, so können wir den Tag des Herrn beschleunigen, wenn wir die Sünde ablegen, Buße tun, uns zu dem Herrn bekehren. Das ist die Mahnung, die Petrus an uns richtet. Wir sollen geschickt sein mit heiligem Wandel und gottseligem Wesen, wir sollen Fleiß tun, dass wir vor ihm unbefleckt und unsträflich in Frieden erfunden werden. Er stellt uns gleichsam vor das Angesicht des Herrn, vor ihn, der unser Richter ist, der uns kennt durch und durch, von dem alles an das Licht gezogen wird, auch was im Finstern verborgen war und der Rat der Herzen offenbar wird, aus dessen Mund wir alle hören werden unsern Urteilsspruch, und was er uns zuspricht, dabei bleibts in alle Ewigkeit; er wird uns das Reich ererben lassen, das den Gesegneten des Vaters von Anbeginn der Welt bereitet ist, oder wird uns von sich weisen in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln. Wenn wir stehen vor diesem Herrn, wer wird vor ihm bestehen? Der wird es, der der ernsten Mahnung des Apostels gehorsam geworden ist, in heiligem Wandel und gottseligem Wesen sich auf den Tag des Herrn bereitet hat und vor ihm unbefleckt und unsträflich wird erfunden werden. Fassen wir das Wort, ihr Brüder, es ist ein ernstes Wort, eine hohe Aufgabe, die uns gestellt ist, wir sollen unbefleckt und unsträflich sein. Wenn wir auf uns hinblicken, dann müssen wir die Hände sinken lassen und bekennen: wir vermögens nicht, dazu langt unsere Kraft nicht, wenn der Wille noch so ernstlich wäre. Aber es soll auch unsre Kraft nicht sein, durch die wir das vermögen. Der Heiland will es in uns wirken durch seine Kraft, wie er verheißen hat: wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringet viele Frucht. So lasset uns denn Fleiß tun, dass wir dem Ziele immer näher kommen, unbefleckt und unsträflich vor dem Herrn erfunden werden; lasset uns fleißig bitten um seine Kraft, dass er sie in uns mehre und uns immer reichlicher mit seinem Geist erfülle, lasst uns die Kraft, die er uns darreicht, treulich nutzen, dass wir verleugnen alles ungöttliche Wesen und alle weltlichen Lüste, züchtig, gerecht und gottselig leben in dieser Welt. So gilts, zu eilen auf den Tag des Herrn. Wohlan, so lasst uns beides tun, wozu der Jüngste Tag uns mahnt, warten in Geduld und festem Glauben, eilen in gottseligem Wesen und heiligem Wandel, damit wir vor dem Herrn, wenn er erscheint in seiner Herrlichkeit, nicht zu Schanden werden.
Wohlan, wir wollen Tag und Nacht
Im Geist und unablässig beten;
Wir wollen treulich geben acht
Auf unsern Herrn und vor ihn treten!
Kommt, lasset uns entgegengehen
Dem Bräutigam zur rechten Zeit,
Damit wir in der Ewigkeit
Samt allen Engeln vor ihm stehen.
Amen.