Schlatter, Adolf - Der Brief an die Epheser - Einleitung.

1,1.2: Paulus, ein Bote des Christus Jesus durch Gottes Willen, den Heiligen und Gläubigen im Christus Jesus (die in Ephesus sind). Gnade sei euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Die Worte, mit denen Paulus sagte, für wen er diesen Brief bestimme, sind uns nicht mehr so erhalten, wie sie Paulus schrieb. Da der Brief in der Sammlung der Paulinischen Briefe immer den Titel: „An die Epheser“ besaß, so ist auch in die Adresse die Angabe aufgenommen worden: Paulus schreibe an die „Heiligen, die in Ephesus sind“. Den alten Abschriften dieses Briefs fehlte aber hier jeder Ortsname; wenn der Satz, den sie geben, nicht beschädigt wäre, so würde er heißen: „den Heiligen, die auch gläubig sind im Christus;“ so hätte Paulus die Christenheit daran erinnert, dass sie ihre Heiligkeit, die ihr ihre Berufung zu Gott verliehen hat, nur dann bewahre, wenn sie auch im Glauben bleibe und die ausharrende Zuverlässigkeit und gehorsame Treue erlange. Es ist aber nicht anzunehmen, dass Paulus die, die er anredet, nicht nach ihrem Wohnort bezeichnet habe; wie er es tat, ist uns nicht mehr aufbehalten. Nur das ist durch den Schluss des Briefs, 6, 21 vgl. Kol. 4, 7.8, gesichert, dass ihn Paulus seinem Gefährten Tychikus übergeben hat, als er ihn an die Gemeinden an der Westküste Kleinasiens sandte, um ihnen mitzuteilen, wie es mit seinem Prozess und seiner Gefangenschaft damals stand. Das Wort des Paulus, das wir hier hören, war somit jedenfalls an diejenige Christenheit gerichtet, deren Hauptort und Muttergemeinde Ephesus gewesen ist.

Die unsichere Erhaltung der Adresse hat zu der Tatsache Beziehungen, dass der Brief nichts enthält, was uns an den langen Aufenthalt des Paulus in Ephesus erinnerte. Dieser Gemeinde stand er besonders nah, weil er sie gesammelt und länger als anderswo eine fruchtbare Arbeit in ihr ausgerichtet hat. Von den persönlichen Beziehungen, die ihn hier mit vielen in reicher Liebe verbanden, wird aber in diesem Brief nichts sichtbar. Er ist nur dadurch mit der Geschichte des Paulus verknüpft, dass er in seiner Gefangenschaft seinen Anlass hat und deshalb zu einem mächtigen Trostschreiben wird, das die Gemeinde vor der Erschütterung schützt, die ihr das Los des Apostels bereiten kann. Er hält ihr deshalb die Größe der göttlichen Gnade vor, die dadurch nicht geschmälert wird, dass Paulus von den Gemeinden durch die Gefangenschaft getrennt ist. Was er aber über den Christenstand sagt, das hätte er auch jeder Gemeinde sagen können, die durch sein schweres Geschick schmerzlich bewegt war.

Jetzt aus der Ferne können wir nicht mehr feststellen, was ihn bewogen hat, seinem Brief diese allgemeine Form zu geben, und ihn einzig für die alle bewegenden Grundfragen des Glaubens und der Lebensführung zu verwenden. Man kann daran denken, dass er Tychikus nicht nur an eine einzelne Gemeinde, nicht einzig nach Ephesus sandte, sondern ihm den Auftrag gab, die Gemeinden jener Gegend alle zu besuchen; Paulus habe den Brief deshalb so gestaltet, weil er allen vorgelesen werden soll. Doch tragen solche Vermutungen zur Auslegung wenig bei. Durch die Angaben des Briefs steht nur das fest, dass die Christenheit Kleinasiens wusste, Paulus sei gefangen, und darin ein großes Unglück sah, weshalb er ihr die Herrlichkeit des Werkes Jesu bezeugt, aus dem sich auch ihre Christenpflicht ergibt.

In der Erkenntnis, wieviel die Gemeinde durch ihre Berufung zu Jesus empfangen hat, gewinnt sie die Kraft, alles Schwere zu tragen, das auf den Apostel und die Christenheit fällt, sowie den Schutz gegen alle Lockungen, die ihr anderes als wertvoller und herrlicher anbieten, zugleich auch den freudigen Willen, der sie in der Führung ihres Lebens Christus gehorsam macht.

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