Rubanowitsch, Israel Johannes – Verschiedene Beter – 2. Das Gebet der Teufel und Gespenster.

Rubanowitsch, Israel Johannes – Verschiedene Beter – 2. Das Gebet der Teufel und Gespenster.

Mark. 5, 1-20: „Und sie kamen an das jenseitige Ufer des Sees in die Gegend der Gadarener. Und als er aus dem Schiff gestiegen, begegnete ihm alsbald aus den Grüften ein Mensch mit einem unreinen Geiste, der seine Wohnung in den Grabstätten hatte; und selbst mit Ketten vermochte keiner ihn zu binden. Denn oft war er mit Fußfesseln und mit Ketten gebunden gewesen, und es waren die Ketten von ihm in Stücke gerissen und die Fesseln zerrieben worden; und niemand vermochte ihn zu bändigen. Und allezeit, Nacht und Tag, war er in den Grabstätten und auf den Bergen und schrie und zerschlug sich mit Steinen. Als er aber Jesum von ferne sah, lief er und huldigte ihm, und er rief mit starker Stimme und sagte: Was habe ich mit dir zu schaffen, Jesu, Sohn Gottes, des Höchsten? Ich beschwöre dich bei Gott, dass du mich nicht quälst. Denn er hatte ihm gesagt: Fahre aus, du unreiner Geist, aus dem Menschen. Und er fragte ihn: Was ist dein Name? Und er spricht zu ihm: Legion ist mein Name, denn unser sind viele. Und er bat ihn sehr, dass er sie nicht fortschicken möchte aus der Gegend. Es war aber daselbst neben dem Berge eine große Herde Schweine, welche weidete. Und sie baten ihn und sprachen: Schicke uns in die Schweine, dass wir in sie fahren. Und Jesus erlaubte es ihnen alsbald. Und die unreinen Geister fuhren aus und fuhren in die Schweine, und die Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See, (es waren aber bei zweitausend) und sie ersoffen im See. Und die Hüter flohen und verkündeten es in der Stadt und auf dem Lande, und sie gingen hinaus, um zu sehen, was geschehen war. Und sie kommen zu Jesu und sehen den Besessenen sitzen, bekleidet und vernünftig, den, der die Legion gehabt hatte; und sie fürchteten sich. Und die es gesehen hatten, erzählten ihnen, wie dem Besessenen geschehen war, und das von den Schweinen. Und sie fingen an, ihm zuzureden, von ihren Grenzen wegzugehen. Und als er in das Schiff stieg, bat ihn der Besessene, dass er bei ihm sein dürfe. Und er ließ es ihm nicht zu, sondern spricht zu ihm: Gehe hin nach deinem Hause zu den Deinigen und verkünde ihnen, wie vieles der Herr an dir getan und sich deiner erbarmt hat. Und er ging hin und fing an, in Dekapolis auszurufen, wie vieles Jesus an ihm getan hatte; und alle verwunderten sich.“ Amen.

Gebetserhörer, zu dir kommt alles Fleisch! Das haben wir heute Nachmittag vernommen. Hier haben wir das allergesunkenste, gottwidrigste Fleisch vor uns: hier handelt es sich um das Gebet der unreinen Geister, der Gespenster und Teufel. Unser Texteswort liefert uns den klaren, deutlichen Beweis davon, dass man auch nach dem Tode noch betet; und dies ist nicht nur an dieser Stelle hier zu sehen, sondern es ist auch anderswo noch zu finden. So wenig wir Klarheit darüber haben, ob man für Tote beten dürfe, so sicher wissen wir aus der Bibel, dass Abgeschiedene beten können.

Der griechische Ausdruck, der hier für die Geister gebraucht ist, bedeutet zunächst die abgeschiedenen Menschen, die ruhelos umherwandeln und keine bestimmte Stätte haben. Das Gericht dieser Geister besteht darin, dass sie keine Ruhe haben. - Es ist nicht überall Wahrheit, Geliebte, wenn wir bei einem Gang über den Friedhof die Worte auf den Grabsteinen lesen: Hier ruht in Gott. Wohl ruht da unten in der Erde die irdische Hülle, welche zu Moder geworden ist; aber der Geist selbst ruht nicht. In Matth. 12, wo von der Austreibung der unsauberen Geister die Rede ist, heißt es: „Wenn aber der unreine Geist aus dem Menschen ausgefahren ist, so durchwandert er dürre Orte, sucht Ruhe und findet sie nicht.“ Die Rache dieser Geister besteht einzig darin, dass sie sich an Menschengeistern festzuklammern suchen an lebenden Menschen.

Ich möchte euch darauf aufmerksam machen, dass diese Gefahr eines Tages eine Behausung von Teufeln zu werden euch alle bedroht! Ich mache euch Frauen und Männer darauf aufmerksam und werde es euch beweisen, dass kein Geschlecht diesen Geistern entrückt ist. Ja, meine Teuren, ein Herz, das einmal bereits von der Besessenheit befreit war, ein solches Herz, von dem der unsaubere Geist hinausgejagt wurde, kann sogar zum zweiten Mal eine Behausung böser Geister werden, und zwar noch siebenmal schlimmer als zuvor. O, dass ihr doch für diese ernsten Dinge ein offenes Ohr hättet, dass euch doch endlich einmal ein wirklicher Schrecken ergreifen würde angesichts dieser Tatsachen; dann könntet ihr am Ende bewahrt bleiben! Doch, ich kann heute nicht eingehend über diesen Punkt reden, sondern möchte vielmehr einiges über die Gespenster selbst bemerken.

Hier hört ihr die Gespenster und Geister beten! Es heißt ausdrücklich in Vers 10: „Und er bat ihn sehr, dass er sie aus der Gegend nicht fortschicken möchte.“ Das heißt, in ihrem Tun, in ihren Gebärden lagen Bitte und Flehen: Jesus, schicke uns doch nicht fort! Das will zunächst sagen, dass die Geister nicht nur so ohne weiteres jeden Platz einnehmen dürfen, das wissen sie genau. Warum denn? Die Antwort liegt auf der Hand. Seht, zur Innewohnung eines solchen Geistes muss eine gewisse Empfänglichkeit vorhanden sein, sonst kann er nicht dort hausen.

Es gibt Menschen, denen man es von ihrem Gesichte ablesen kann, dass ein böser Geist in ihnen steckt. Aber das wird nicht mit einem Male so, auch nicht an einem Tage, sondern man wird zu diesem Zwecke zubereitet, und dann sind Phantasie und Nerven, kurz alles von einem solchen Dämon beherrscht; aber man wird eben dazu präpariert. Dieser Ort, von dem hier in unserem Texteswort die Rede ist und von welchem die Geister nicht fliehen wollten, war für sie ein gutes Geschäftsfeld. Deshalb baten sie ihn sehr, dass er sie nicht fortschicken möchte.

Ihr dürft diese Frage mitnehmen und euch prüfen, ob nicht an dem Orte, wo ihr wohnt, eine solche Stätte ist, und ob nicht euer Dorf besonders dazu angelegt ist, solche Schmutzteufel aufzunehmen! Darüber kann man lachen; über solche ernsten Dinge kann man sich mit der größten Leichtfertigkeit hinwegsetzen, aber das ist sicher - diejenigen Leute, die darüber lachen können, sind besonders präpariert dazu. Es ist daher fraglich, ob nicht dein Wohnort auch für solche Dinge präpariert ist. Haben sich aber einmal solche Schmutzteufel bei euch eingenistet, so weichen dieselben nicht so leicht wieder. Sie baten ihn sehr, er möchte sie doch nicht fortschicken. Innerlich waren jene unsauberen Geister dem Herrn ganz fremd, sogar tief feindlich gesinnt, aber dennoch waren sie dazu gezwungen, sich an ihn zu wenden, und zwar getrieben von einer inneren Notwendigkeit - aus Besorgnis in Bezug auf ihre Existenz. Eins plagt sie und dies Eine bewegt sie, den Herrn zu bitten, dass er sie nicht fortschicke.

Lasst uns nun noch zu einer zweiten Bitte der Geister übergehen! Es heißt Vers 12: „Und sie baten ihn und sprachen: Schicke uns in die Schweine, dass wir in sie fahren.“ Vielleicht liegt hierin gerade eine gewisse Beziehung, dass sie sich dieses Gebiet ausgewählt haben. Das Eine steht fest, sie haben darum gebetet. Seht, meine Teuren, das will uns beweisen, dass die unsauberen Geister nicht so ohne weiteres von einem Menschen Besitz nehmen dürfen, ohne die göttliche Erlaubnis dazu erhalten zu haben. Sie durften nicht eher in die Schweine fahren, bis Jesus es ihnen erlaubte. Aber jene Geister, von denen hier in unserem Texte die Rede ist, bekamen auch von Jesu die Erlaubnis dazu. Er ließ ihre Bitte gewähren. Seht, hier liegt gerade das Große. Es ist für jeden, der unter uns ist, von größter Wichtigkeit, dessen bewusst zu sein, dass Gott einen Menschen schließlich den unreinen Geistern und Teufeln preisgibt! Das ist das Allerschrecklichste, das Allerfurchtbarste, wenn es bei einem Menschen so weit kommt! - Hier möchte ich euch besonders auf Eins aufmerksam machen und zwar: Wie tief müssen doch viele gesunken sein, wie wenig müssen doch manche Leute mit Gott verkehren, dass das Gebet der unreinen Geister mehr Wert vor ihm hat, als das Gebet der Menschen!

Pfarrer Christian Blumhardt, ein ernster Christ, hatte die Gabe und den Beruf, Geister zu sehen und ihnen zu befehlen, auszufahren. In seinem Leben kam es oft vor, dass solche Geister ihn frugen, ob sie in sein Haus kommen dürften. Seine Antwort lautete: „Ja, wenn Jesus es euch erlaubt!“ Ein anderes Mal fragten sie ihn, ob sie in seinem Garten bleiben dürften; sie baten ihn sehr, dass er es ihnen erlauben möchte; und er antwortete: „Ja, wenn Jesus es euch erlaubt.“ Dann kam es drittens vor, dass diese Geister ihn baten, ob sie nicht, wenn er predige, in die Kirche kommen dürften; und seine Antwort lautete wiederum: „Ja, wenn Jesus es euch erlaubt.“ Ein einziger von ihnen allen bekam dann die Erlaubnis, zu kommen. Diese Geschichte beruht auf Tatsachen. Wer das Nähere untersuchen will, der kann es noch tun!

Ja, wenn Jesus es erlaubt, dann kann der unsaubere Geist wohl in dich fahren! - Hier möchte ich noch eine Bemerkung beifügen für ängstliche Gemüter, die sich treu am Worte halten. Seht, die Geister dürfen nicht in einen Menschen fahren, wenn Jesus ihnen keine Erlaubnis dazu gibt. Darum bleibt bei Jesu, und ihr seid bewahrt! Haltet ihr aber diese Dinge für Narrheit, bleibt ihr leichtsinnig und oberflächlich, dann seid ihr offen für diese Geister.

Du Gebetserhörer, zu dir kommt alles Fleisch! Diese Geister hier befinden sich in einer furchtbaren Not; aber seht, sie wenden sich an Jesum mit ihrer Bitte, und er erhört ihr Gebet. So groß, so unendlich erhaben ist mein Herr! Wer kann das fassen, Geliebte? Hierin habt ihr gleich eine Antwort, die ihr heute vielleicht nur zum Spaß unter das Wort gekommen seid. Hier habt ihr einen Beweis, eine Antwort darauf, warum die Leute noch leben und Gott ihnen noch Gutes tut. Hier, meine Teuren, habt ihr eine Erklärung: Jesus hat selbst ein Ohr für die gefallenen Geister; er erhört sie und gibt ihnen das, was ihnen gegeben werden kann. So hört er auch den gottlosen Menschen, der noch nicht so weit ist, wie die Teufel.

Ich weiß von einem Fischer, der war ein Feind alles dessen, was Gott und göttlich hieß. Einst war er weit auf dem Meer. Da kam plötzlich ein heftiger Wirbelwind, und es wurde ihm klar, dass etwas Besonderes geschehen müsse, wenn er diesmal mit dem Leben davonkomme; denn er war ein erfahrener Fischer und kannte die Zeichen des herannahenden Sturmes wohl. Angesichts des sicheren Grabes suchte jener Mann nach einem Gebete und hatte dabei die Idee, es müsse etwas ganz Bestimmtes sein. In seiner Herzensangst fällt ihm ein Gebet ein, das er als Kind einst in der Sonntagsschule gelernt hatte. Es lautet: „Komm, Herr Jesu, sei du unser Gast und segne, was du uns beschert hast.“ Und Gott errettete diesen Mann vom Verderben. Er erhört Gebet. Er erhört die Teufel und die unreinen Geister; er erhört aber auch gefallene, tief gesunkene Leute.

Ich weiß von einem Manne, welcher eines Tages eine Versammlung im Freien hielt. Er sprach: Es gibt keinen Gott, keinen Jesum usw. Als er seine Rede beendet hatte, fragte er vor der ganzen Versammlung, ob jemand hier sei, der eine Bemerkung über das Gesagte machen möchte. Da stand ein älterer Herr auf, nahm das Wort und sagte: „Versammelte, es ist nicht meine Absicht, über das Gehörte zu reden; ich habe nicht viel zu sagen, sondern möchte nur eine Begebenheit erzählen. Vor vier Tagen (Mittwoch war's) befand ich mich am Ufer des Sees und sah daselbst einen jungen Mann mit den sturmgepeitschten Wellen kämpfen, ich sah ihn mit dem Tode ringen. Auf meine eigene Lebensgefahr hin habe ich jenem Manne das Leben gerettet, der, so lange er mit den Wellen kämpfte, Gott beständig anflehte, er möge sich seiner erbarmen und ihn erretten. Und dieser junge Mann ist kein anderer, als derjenige, welcher vorhin zu euch geredet hat und bezeugt, dass es keinen Gott gebe.“

Gebetserhörer, zu dir kommt alles Fleisch! Glaubt ihr, meine Teuren, dass mein Gott nicht wusste, dass dies eine gefallene Seele sei? So weit er in der Erhörung gehen kann, so weit geht er. Hier habt ihr gerade den Beweis, warum solche gefallenen Kreaturen Gebetserhörung finden.

Gott gewährt viel er bekommt sie doch, sie fallen ihm doch noch in die Hände. Das ist sein Gebiet. Du, der du bis jetzt nur gelacht und gespottet hast solcher Tatsache gegenüber, du, dem das Heilige bis jetzt ein Gegenstand des Spottes war, du weißt nicht, wie bald, wie bald etwas über dich hereinbrechen kann, das dich dann ebenso, wie diese schmutzigen Geister, zum Gebete zwingen wird. Die Teufel beten auch und flehen den an, dem sie doch im innersten Grunde feind sind.

Und jetzt nur noch eine Bemerkung zum Schluss: Sollte jemand unter uns so verteufelt sein, so tief gesunken, dass er gelästert und das Heiligste mit Füßen getreten hat, und wenn er heute eine Spur von Ahnung davon bekommen hat, wie heilig Gott ist: O ich rate dir, bevor die große Not kommt, falte deine Hände, flehe zum Herrn, rufe ihn an er wolle dir gnädig sein! Amen. mar_5

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