Pischon, Friedrich August - Zeugnisse der Jünger Jesu von ihrem Herrn - Das Zeugnis der wahren Jünger Jesu Christi von ihrem Herrn.
Über Joh. 13, 67-69.
Gebet.
Herr, der du die Worte des ewigen Lebens hast, gib sie auch uns in dieser Stunde und führe unsre Seelen zu der immer tieferen Erkenntnis deines heiligen Wesens, dass wir im Glauben an dich immer mehr den Frieden erlangen, welchen der Welt Weisheit und der Besitz irdischer Schätze der Seele nicht geben kann. Amen.
Text. Joh. 6, 67-69.
Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Und wir haben geglaubt und erkannt, dass du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.
Wir haben, meine in Christo Geliebten, in unsrer letzten Versammlung an dieser Stätte, uns vorgenommen um unter den mancherlei kirchlichen Bewegungen unserer Zeit unsre Stellung in der Kirche des Herrn zu behaupten und den Namen der Christen nicht vergeblich zu tragen, das rechte Wesen des Christen an den Aussprüchen der Jünger Jesu selbst zu erkennen, welche über allen Streit der Gegenwart erhöht, als glänzende Vorbilder wahrhaften christlichen Glaubens vor uns dastehen. - Damals war es Nathanaels Bild, woran wir das rechte Wesen eines Christen erkannten; heut wollen wir aus Petrus Worten die rechte Ansicht und Auffassung von Christo in dem Glauben seiner rechten Jünger uns klar machen. - Des Heilands Wort, was er in der Schule zu Kapernaum geredet hatte, und welches in seiner Tiefe und Innigkeit von den Kindern der Welt, die auf den Geist nicht sehen, nicht verstanden wurde, hatte Viele dahin gebracht, dass sie, wie der Evangelist sagt, hinter sich gingen und hinfort nicht mehr mit dem Herrn wandelten. Da fragt der Herr die Zwölfe: Wollt ihr auch weggehen? und Petrus gibt ihm in unsrem Text die schöne Antwort, welche uns ewig Maßstab und Vorbild unsres Verhältnisses zu Christo sein soll. An dieser Antwort lasst uns denn erwägen:
Das Zeugnis der wahren Jünger Jesu Christi von ihrem Herrn.
Wir werden dies an den schönen Worten unsres Textes erkennen, wenn wir fragen:
I. Was nach Petrus Ausspruch Christus hat und darreicht?
II. Wer er seinen gläubigen Jüngern ist?
III. Wodurch sie die Seinen geworden sind?
I.
Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens! Das ist das Zeugnis des wahren Jüngers Jesu Christi von dem, was sein Herr besitzt und darreicht.
Worte des ewigen Lebens. Das kann nicht sein gewöhnliche irdische Weisheit, wie sie andere hochbegabte Lehrer der Menschen auch mitteilen konnten; das können nicht sein schöne herrliche Aussprüche der Sittenlehre, des äußerlich wohlanständigen Wandels. Denn hätte darum Petrus, hätten darum die Jünger des Herrn verlegen sein können? Waren nicht der Weisen, nicht der Schriftgelehrten ihres Volkes genug? Lebte nicht unter ihnen Gamaliel in hoher Weisheit? und wollten sie nicht bei den Lebenden solche Weisheit suchen, besaßen sie nicht Salomos Schriften, Jesus Sirachs Buch, aus welchem wir noch in den verschiedensten Fällen des Lebens weise Lehren auffinden und durch sie uns leiten lassen können?
Aber er spricht: wohin sollen wir gehen? So fühlt es denn auch jeder Christ; die Worte, welche er zu seinem himmlischen innigen Trost bedarf, er kann sie nicht finden bei den Weisen dieser Welt. - Oder, meine Geliebten, wäre es etwa anders geworden seit der Apostel Zeiten und können wir sagen, was Petrus nicht kannte, was aber schon da war, jene Weisheit der edelsten Griechen, hatte ihm auch die Worte des ewigen Lebens gegeben? Würden wir sie dort finden? Dann hätte freilich der Herr nicht zu kommen brauchen, dann nicht Israels Geschlecht sich wählen dürfen zu seinem Verkündiger. Der Griechen kunstbegabtes Volk, hat seine Lehren ja weit verbreitet und sie sind auch zu uns gekommen und wir bewundern ihre Einsicht und Kenntnis. Aber welch ein schwacher Schimmer der Weisheit Christi sind diese Lehren! und wem haben sie volle Genüge und Trost der Seele gegeben, und wie haben sie die Armen, Niederen, Verlassenen wohl jemals erhoben? Oder hätten es die Weisen unsrer Zeit getan, welche untereinander streiten und sich verwerfen, aber nicht trösten und tragen, und helfen und beseligen? - Darum muss Christi Wort den Seinigen höher gelten, als menschliche Weisheit, und sie können sie bei keinem andern finden.
Es können auch nicht etwa äußere Glaubens- und Lehrvorschriften sein, welche der Apostel meint. D! diese hätte er ja bei den Pharisäern auch gefunden. Diese hatten ja Mosis Gesetz und Lehren, und predigten sie täglich, und die Apostel selbst hatten dies Gesetz und erkannten daraus, dass sie es nicht gehalten, dass des Gesetzes Worte ihnen waren Worte des Todes, nicht des Lebens; und wurden nicht getröstet, nicht gestärkt und erhoben aus diesem Worte, sondern durch des Gesetzes Schelten zu Boden geschmettert, um mit David sagen zu müssen: Herr, wenn du willst Sünde zurechnen, wer will bestehen?
Und diese Glaubens- und Lehrvorschriften, dieser strenge, tötende Buchstabe, er ist genug zu finden auf Erden, bei menschlichen Lehrern, bei solchen, welche noch meinen auf Mosis Stuhl zu sitzen, bei solchen, welche auch der Apostel Worte im Munde führen. Und wir könnten ihr Wort ihnen nachsprechen und es äußerlich annehmen, wie sie selbst; aber es würde uns eben so wenig geben, als den Jüngern des Herrn, von dem Geist und der Kraft und der Liebe, welche sie bei Christo fanden.
Denn Du, spricht Petrus: Du, allein hast Worte des ewigen Lebens. Das müssen Worte sein, die mehr enthalten, als alle Worte der Welt, die mehr verleihen, als alle Weisheit der Erde. Ewiges Leben, das muss ja hinausheben über alles Zeitliche und über alles Schmerzliche und Sündliche. Das müssen Worte sein, welche uns können vergessen lassen allen Besitz der Erde, alle vergängliche irdische Weisheit. Das müssen Worte sein, welche das sündige Gemüt aus den Tiefen seines Jammers erheben und trösten; Worte, welche in die selige Gemeinschaft mit dem ewigen Vater im Himmel uns führen; das müssen Worte sein, die nicht vergehen können, wie die Worte dieser Welt; und uns bleiben, unser Trost, unsre Fürsprache, unsre Hilfe bleiben, wenn alles vergeht; Worte, welche uns eines ewigen unvergänglichen Lebens gewiss machen, die Ahnung unsres himmlischen Vaterlandes in uns lebendig erhalten und durch Nacht und Tod uns zum ewigen Leben leiten. Und wohin, Geliebte, wohin sollen wir noch heut gehen, sie zu finden? Wo ist ein Mund der sie reden und lehren könnte, wenn er sie nicht von Christo genommen? und wie arm und schwach wird gegen sie alle menschliche Rede sein!
Du hast dieses Lebens Worte! spricht Petrus. Und das muss ewig aller Christen heiliges Bekenntnis sein. Wie unser Heiland und Herr, so hat nie ein Mensch geredet, solche Weisheit, solchen Trost, solche Seligkeit hat kein Mensch gespendet und konnte keiner spenden, das muss noch jetzt Sinn und Überzeugung aller seiner wahren Jünger erfüllen. Und wer hat je ein Wort gesprochen, wie des Heilands, von dem unser Text ausgeht, und über welches die Ungläubigen von ihm sich getrennt: Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der hat das ewige Leben, und ich werde ihn am Jüngsten Tage auferwecken. Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben. Ich bin das lebendige Brot vom Himmel gekommen, wer dies Brot isst, der wird leben in Ewigkeit1). - So hat er allein gesprochen, nicht Jesus Sirach, noch Salomo, noch Sokrates. Und dies Wort ist Trost und Seligkeit der Seinen geworden und wird es ewiglich bleiben und nie hat dies Wort die wahrhaften Seinen entzweit und muss ihres Lehrens und Lebens tiefer und heiliger Grund sein und bleiben.
Das hat der Herr, das reicht er uns dar, das gibt er allein und nicht die Welt. So soll er auch vor uns dastehen, so wollen wir ihn auch im Herzen tragen und mit aller Anerkennung dessen, was der ewige Vater von Weisheit und Erkenntnis in der Menschen Seelen gelegt haben mag, wenn der Herr auch zu uns spräche: wollt ihr mich auch verlassen? wollen wir mit Petrus sagen: Herr! wohin sollten wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens!
II.
Reicht diese Worte des ewigen Lebens der Herr seinen Jüngern dar, dann lasst uns aber auch aus Petrus Munde vernehmen: was der Herr selbst seinen Jüngern ist, wie er vor ihrem glaubensvollen Blicke und in ihrem Herzen dasteht. Und Petrus spricht: Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! - Seht da, das rechte Bekenntnis der Jünger Jesu von ihrem Herrn. Wo dies fehlt, da kann kein rechtes Jüngertum vorhanden sein. Wer dies nicht im Herzen trägt, der mag viel weltliche Weisheit, Kunst und Wissenschaft besitzen, der kann ein Wohltäter der Menschheit, ein Helfer der Armen, ein Vorkämpfer in manchem Kampfe für Bürger- und Staatswohl, ein mächtiger Held, ein großer Gelehrter, ein weiser Staatsmann, ein fürstlicher Herrscher sein, aber eins fehlt ihm, er ist kein Christ, er ist kein Jünger Jesu in der wahren uranfänglichen großen Bedeutung dieses Wortes. Doch lasst uns tiefer in den Sinn des Ausspruches Petri eingehen und fragen: was meint er, wenn er sagt: Du bist Christus? - Christus, und ebenso das alttestamentliche Wort Messias, bedeutet in unsrer Sprache so viel als Gesalbter. Wie aber Propheten, Priester und Könige zu ihrem hohen Berufe mit duftendem Öle gesalbt wurden, ein sinnbildliches Zeichen, dass, wie der Duft der Salben, von dem Gesalbten ausströmend, sich verbreitete, auch auf ihm der Geist des Herrn ruhen und seine Segnungen beruhigend und erquickend von dem Gesalbten ausströmen sollte: so wurde der verheißene Erlöser, auf den die Väter gehofft, in dem alle Völker der Erde sollten gesegnet werden, Christus, Messias genannt, weil er eben sein sollte, der höchste Prophet, Hohepriester und König.
Und wie Paulus von ihm sagt: in ihm sind alle Gottesverheißungen Ja und Amen, so spricht auch Petrus durch dies Wort aus: In dir sind alle Verheißungen des Ewigen für das Heil seines Volks und der Welt erfüllt; du bist mein höchster, letzter Prophet, der die Worte des Lebens hat, und mich Gott zuführt; du bist mein höchster letzter Hoherpriester, der mit Gott mich versöhnt und verbindet; du bist mein höchster, ewiger König, der mich aufnimmt in Gottes Reich und darin ewiglich erhält; denn das waren die seligen Hoffnungen aller Gläubigen, die hinausseufzten in die Zukunft; das war es, was Nathanael so tief empfand, als er rief: Du bist der König von Israel! So, meine Geliebten, erkennen auch wir ihn an, den Heiland der Welt, so ist er auch unser Herr. Sein prophetisches Wort ist uns Geist und Leben, und kein Mensch hat geredet wie er. Kein Bruder kann den andern erlösen als er allein, der unser Bruder geworden ist, damit er, unser geistiger Hohepriester, uns erlöste von aller Ungerechtigkeit. Kein andrer König, kein weltlicher und kein geistlicher, kann herrschen in seiner Kirche, als er allein, der sich gereinigt ein Volk zum Eigentum, das fleißig wäre in guten Werken. So sprechen auch wir mit Petrus: Du bist Christus!
Und Petrus setzt hinzu: der Sohn des lebendigen Gottes.
Wir werden uns alle sagen: Als der Apostel dies heilige Wort sprach, konnte er auch nicht dasselbe irdische Verhältnis darunter verstehen, welches wir unter Vater und Sohn begreifen; wie die Jünger des Herrn auch immerdar von jeder Verehrung der Mutter Jesu fern geblieben sind, welche nur im geringsten an die Art und Weise erinnern könnte, wie derselbigen von der römischen Kirche gehuldigt wird. - Sondern, wie Johannes vom Herrn sagt: wie viel ihn aufnahmen, denen gab er Macht, Gottes Kinder zu werden; so kann auch Petrus unter diesen Worten nur die innere Gemeinschaft desselben göttlichen Wesens verstehen, die vollkommene Ähnlichkeit und Gleichheit des ewigen Vaters mit ihm, welcher der Glanz sein soll seiner Herrlichkeit, worin diese sich auf Erden, zum ewigen Heil der Menschen gezeigt hat, wie der Herr, in dieser Beziehung seines Verhältnisses zum Vater, selbst gesagt hat: wer mich sieht, der sieht den Vater! Und so erkennen ihn seine Gläubigen freilich als den, der auch aus ewiger Liebe ihr Bruder geworden ist; wahrer Mensch, welcher menschlich wie sie leiden und dulden konnte, als der treue Hohepriester, aber zugleich als den, der, eins mit dem Vater, auch sie ziehen konnte zu seiner geistigen Gemeinschaft; ihnen Kraft geben konnte, in sich aufzunehmen von seinem göttlichen Wesen und durch ihn Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben.
Setzt aber Paulus hinzu „Sohn des lebendigen Gottes“, so sagt er das freilich zunächst in Beziehung auf den Gebrauch des Alten Testaments, welches die falschen Götzen heidnischer Völker tote Götter nennt, denen keine Kraft des Lebens, der Hilfe und Tröstung ihrer Gläubigen einwohnen kann. Aber auch das Alte Testament verbindet schon mit dem Worte „des lebendigen Gottes“ alle geistige Kraft Jehovas, des ewig Lebendigen, der den Seinen nahe ist, in jeder Not, der in Ewigkeit nicht stirbt und in göttlicher Gewalt wirkend, alle Dinge trägt durch sein allmächtiges Wort; von dem auch ausgeht jede geistige Schöpfung, jedes Entstehen und Weiterbilden eines, geistigen Lebens in einer menschlichen Brust. Und so nennt auch der Apostel in dieser Beziehung Christum den Sohn des lebendigen Gottes, als den, welcher das neue Leben seiner Kirche und Gemeinschaft in den Seelen seiner Gläubigen hervorgebracht hat, das ewige Leben, welches nicht aus irgend einer andren Erkenntnis, sondern allein durch die gläubige Aufnahme des Gottessohnes in das Gemüt entstehen kann, um unvergängliches Dasein zu gewinnen, wie der Herr selbst gesagt hat: Wer mein Fleisch isst und trinkt mein Blut, der hat das ewige Leben.
Das, meine Geliebten, ist das Bekenntnis der Gläubigen Jesu Christi von dem Wesen ihres Herrn. Dass er also schöpferisch auf ihre Seelen wirkt, also mit lebendiger Kraft und ewigem Leben als Prophet, Versöhner und schützender König seinen Gläubigen im Ganzen und Einzelnen, jeder einzelnen Gemeine, wie seiner ganzen Kirche in unendlich geistiger Kraft und Herrlichkeit beisteht alle Tage bis an der Welt Ende: das ist es, was von Petrus an bis auf uns und bis in jede Zeit, welche dem Kreise der Erde noch erscheinen wird, und bis in alle Ewigkeit, wo Christi Gemeine sich sammelt um seinen Thron, sein wird das Bekenntnis seiner Gläubigen von Christo, dem Sohne Gottes.
III.
Aber wie bei einer ähnlichen Äußerung des Petrus im Namen seiner Mitapostel, als der Herr gefragt hatte: Wer sagt denn ihr, dass ich sei? und er geantwortet: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn, wie damals der Herr gesagt: das hat dir nicht Fleisch und Blut offenbart, sondern mein Vater im Himmel2); so fragen wir auch jetzt noch: woher kommt solch Bekenntnis und wodurch werden seine Jünger die Seinen?
Wir könnten bei dieser Antwort wohl zurückweisen auf den Ausspruch des Herrn vor unsres Textes Worten, da er sagt: Niemand kann zu mir kommen, es sei ihm denn von meinem Vater gegeben3)! und auch das bleibt ewig wahr; doch Petrus weist uns auch die Art und Weise nach, wie der Vater es gibt und spricht: Wir haben geglaubt und erkannt, dass du bist Christus!
Geglaubt und erkannt, meine Geliebten, das lasst uns näher betrachten, um zu sehen, wie auch wir Christi Jünger werden können.
Es gibt, und darauf weisen Petrus Worte uns hin, zwei Seiten des menschlichen Geistes, welche vereint erst das ganze innere Wesen des Menschen umfassen, und welche wir nicht mit einander verwechseln, sondern beide anerkennen und vermitteln sollen; die eine, die Seite des Gefühls, die andere, die Seite des Denkens. - Unter Gefühl ist nicht zu verstehen der äußerliche, körperliche Sinn des Gefühls, auch nicht bloß das feine geistige Merken und Hinneigen des Menschen zu einem Lieblingsgegenstande; sondern die innere, über das Irdische erhabene Stimmung des ganzen Gemütes, das, was unsre Herzen bewegt, wenn wir niederkniend beten, über Welt und Zeit erhoben, zu ihm uns emporschwingen, dem Allmächtigen und von ihm erfüllt sind.
Meine Geliebten, mit diesem Gefühl einen Gegenstand ganz und innig umfassen, das heißt, an ihn glauben; und wir können eben an nichts glauben, als was so die ganze Seele erfasst und bewegt, den ganzen inneren Menschen ergreift. Dieser Glaube ist aber ein Erstes und Ursprüngliches in der Seele. Der Mensch fragt nicht erst: wie kommst Du dazu? er betrachtet sich nicht erst und wägt ab Gründe und Gegengründe; sondern dies Glaubensgefühl teilt sich ihm mit, sobald der Gegenstand ihm entgegenkommt, der ihn also ergreift. Diese Erfahrung machen wir schon als Kinder; so glauben wir schon an Vater und Mutter, so vor Allem an den himmlischen Vater; so hat es Petrus gefühlt, als ihm der Herr entgegentrat, so die Apostel, welche zuerst kamen und ihn sahen, und in diesem Sinne sagt Petrus: wir haben geglaubt, dass du bist Christus.
Die andere Seite des inneren menschlichen Wesens ist aber die Seite des Denkens, des Verstandes und der Vernunft. Das ist die Seite, die mit jener des Gefühls innig zusammenhängt, aber nie dieselbe ist, nur immer jene Tätigkeit des Gefühls ergänzend, regelnd, bestimmend.
Erkennen ist nicht glauben. Aber wenn das, woran ich glaube, meine Seele erfüllt und beseligt, dann erkenne ich auch bald diese hohe beseligende Kraft und führe sie auf ihren Grund zurück. Wenn ich im Gemüt, innig glaubend, zu Gott hinauf mich schwinge, dann sagt mir auch Verstand und Vernunft, wie er das hohe und trostbringende Wesen ist, und das Denken wird die Beglaubigung des gläubigen Gefühls im Gemüte. Darum sagt Petrus: wir haben geglaubt und nachdem der Glaube in das Herz gedrungen, auch erkannt, dass du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.
So, meine Geliebten, wird auch der falsche leere Wort- und Buchstabenglaube, der so leicht zur Heuchelei wird, abgewiesen, so der kalte leere Verstandesglaube, welcher so leicht nur selbstsüchtiges Vertrauen auf eigene Weisheit ist, ferngehalten von dem wahren Jünger Jesu Christi.
Aber an Jesum Christum als den Sohn des lebendigen Gottes von ganzem Herzen glauben, in ihn versenkt, ihn fühlen als unsre innigste lebendigste Lebenskraft, erkennen, dass solche belebende Kraft uns von ihm, nur aus seinem göttlichen Wesen uns kommen kann, und dies uns immer klarer ins Bewusstsein bringen durch das Anschauen all seines Tuns, Lehrens, Wirkens in seiner Gemeine, und ihn so tragen in Herz und Sinn: das ist das große Bekenntnis, das wir mit Petrus ablegen müssen, wenn wir wahrhaft seine Jünger sind. Und wenn wir dann auch nicht eine lange Reihe einzelner Glaubenssätze unterschrieben hätten, an ihn glauben, ihn erkennen, als Christum, des lebendigen Gottes Sohn, das schließt alle Glaubensbekenntnisse in sich ein, das sagt uns auch dann, dass Vergebung der Sünden, Errettung vom ewigen Tode, Leben, Seligkeit, nur zu finden ist in dem Sohne, in welchem der Vater die Welt geliebt hat. - Das, Geliebte, sei dann auch unser Zeugnis vom Gottessohne unter allen Stürmen und Wirren unsrer Zeit; dann werden auch wir nicht von ihm weggehen, dann wird unser Tun und Leiden erfüllt sein von ihm und seiner Gemeinschaft und wir werden bei ihm bleiben, jetzt und in Ewigkeit. Amen.