Petersen, Eginhard Friedrich – Philemon - 3. Wie Paulus für seine Freunde betet.

Petersen, Eginhard Friedrich – Philemon - 3. Wie Paulus für seine Freunde betet.

V. 4-6. Ich danke meinem Gott und gedenke Deiner allezeit in meinem Gebet, nachdem ich höre von der Liebe und dem Glauben, welchen Du hast an den Herrn Jesum und gegen alle Heiligen, dass Dein Glaube, den wir miteinander haben, in Dir kräftig werde durch Erkenntnis alles des Guten, das ihr habt in Christo Jesu.

Wie Paulus seine Freunde grüßt, zeigten uns die vorangegangenen Verse; wie er für seine Freunde betet, erkennen wir aus den vorliegenden. Das Gebet ist das vornehmste Geschäft des Christen. Der Christ achtet es nicht für Zeitverlust zu beten, auch nicht für einen Müßiggang. Er weiß, auch wenn er betet, tut er etwas, und das Wichtigste tut er damit, was er tun kann; er erhebt damit seine Seele zu Gott, er redet damit zu Gott, er dankt ihm für seine Gnade, er bittet ihn um seine Hilfe, er bringt damit seine Seele in das rechte Verhältnis zu Gott, er knüpft sein Leben damit an seinen Ursprung an, er atmet damit die Luft, die seiner Seele Not tut, er schöpft damit die Kraft, den Mut, die Freudigkeit, die er für sein Leben braucht. Darum stellt er das Gebet allem seinen Tun voran, er beginnt den Tag mit Gebet, er fängt seine Arbeit mit Gebet an. So fängt der Apostel, nachdem er seinen Namen genannt und seine Freunde gegrüßt hat, auch seinen Brief mit Gebet an. Auch seinen Brief. Wie mancher Brief, den wir schreiben, würde wohl anders ausfallen, wenn wir ihn mit Gebet anfingen. Wie mancher Brief vielleicht, den wir geschrieben haben, ist übel ausgefallen, weil wir ihn nicht mit Gebet angefangen haben. Da hat uns Jemand gekränkt, unsere ganze Seele ist erregt; wir schreiben an ihn; er muss es hören. Aber wie bitter werden nun unsere Worte, wie heftig unsere Klagen! Fühlten wir uns gekränkt, so fühlt sich der andere nun doppelt gekränkt, und doch war vielleicht bei Lichte besehen, die ganze Sache es nicht wert, wir hatten uns vielleicht gar geirrt, wir hatten uns von Empfindlichkeit, Misstrauen und Argwohn hinreißen lassen. Es wäre anders geworden, wenn wir unseren Brief mit Gebet angefangen hätten. Oder, wir schrieben rasch, weil wir wünschten, dass eine Angelegenheit, die uns günstig zu werden versprach, zu Ende geführt würde, machten ohne viel Überlegen große Versprechungen und Anerbietungen, nur um möglichst schnell zu unserem Ziele zu kommen. Kaum war der Brief abgesandt, da schlug uns das Gewissen. Wir erkannten, dass wir uns übereilt hatten; wir sahen, an der Sache sei eigentlich gar nicht so viel; wir merkten mit Schrecken, dass wir gar nicht im Stande sein würden, die gemachten Versprechungen zu erfüllen. Ach, was hätten wir darum gegeben, wenn wir den Brief wieder in unsere Hände hätten zurückgelangen lassen können! Auch das wäre anders gekommen, wenn wir den Brief mit Gebet angefangen hätten. Ein wichtiges Stück des Gebetes aber ist die Fürbitte. Unser Herr und Heiland lehrt sie uns schon, wenn er uns im Vaterunser beten heißt: „Vater unser, der Du bist im Himmel. Unser täglich Brot gib uns heute! Vergib uns unsere Schuld! Führe uns nicht in Versuchung!“ Der Apostel gebietet sie uns: „So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen zuerst tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen.“ (1. Tim. 2,1.) Das eigene Herz treibt uns zu derselben, wenn wir den Anderen lieben, wenn wir ihn christlich lieben. Die Wichtigkeit der Fürbitte ist oft unterschätzt. Es habe jeder genug mit sich selber zu schaffen, hat man gemeint; er könne und dürfe nicht soviel noch um Andere sorgen. Jeder müsse für sich selber beten. Gott werde auch Jedem, was er bedürfe, auf sein eigenes Gebet gewähren, und was er ihm verweigere, um der Bitte des Anderen willen ihm auch nicht geben. Mit demselben Recht könnte man sagen, dass man auch nicht für den Anderen zu arbeiten brauche. Die Pflicht der Gemeinschaft und der Liebe fordert die Fürbitte. Wir sind nicht allein gestellt; wir bilden ein großes Ganze miteinander. Einer für alle und alle für Einen! Und eben dadurch soll das Band der Gemeinschaft geknüpft, das Band der Liebe befestigt werden, dass wir für einander beten, wie wir für einander arbeiten. Hier ist auch das Band, welches uns mit allen Menschen verknüpft, hier die Liebe, die wir allen Menschen erweisen sollen, denn beten können wir für alle Menschen. Und was wollen am Ende alle Einwendungen gegen die Fürbitte sagen, wenn das Herz es sich doch nicht nehmen lässt, für den Anderen zu beten! Eine christliche Mutter kann gar nicht anders, als vom ersten Atemzuge seines Lebens an für ihr Kind beten. Ein christlicher Prediger kann nicht anders, als seine Gemeinde fort und fort auf betendem Herzen tragen.

Der Apostel Paulus grüßt nicht nur seine Freunde, er betet auch für sie. Ja für die Freunde! Das ist erst die Weihe der rechten Freundschaft, dass wir für unsere Freunde auch beten. Eine Freundschaft, in der ein Freund nicht für den anderen betet, entbehrt des tiefsten Grundes. Sie wird schwerlich von langem Bestand sein und immer auf der Oberfläche bleiben. Vor Gott wird sie, wenn sie auch vor den Menschen gepriesen wird, wenig gelten. Darum war die Freundschaft Davids und Jonathans Gott wohlgefällig, weil sie vor seinem Angesicht geschlossen und in seinem Namen geführt wurde.

Ich danke meinem Gott, hebt der Apostel seine Fürbitte an. „Mein erst Gefühl sei Preis und Dank.“ Das gilt von allem unseren Beten, das gilt auch von unsrer Fürbitte. Zuerst haben wir in unserem Gebet Gott zu danken für das Gute, was wir empfangen haben. „Lobe den Herrn meine Seele und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat!“ beginnt der 103. Psalm. Und wie viel wir auch zu klagen und zu leiden haben, zuerst sollen wir doch immer danken. Wir haben auch immer etwas zu danken, so viel wir auch zu klagen und zu leiden haben. So arm ist Niemand, dass er nicht irgendwelche Spuren der göttlichen Güte in seinem Leben finden könnte, und je ärmer er ist, desto mehr hat er zu danken für den Reichtum der Liebe Gottes in Christo, der auch ihm erschlossen ist. Wie sollten wir denn nicht vor allem danken, wenn wir unserer Freunde im Gebet gedenken! Auch bei unseren Freunden werden wir immer Gutes finden, wofür wir Gott zu danken haben.

Wofür dankt denn der Apostel in seinem Gebet für seinen Freund? Das sagen uns die Worte: Nachdem ich höre von der Liebe und dem Glauben, den Du hast an den Herrn Jesum und gegen alle Heiligen. Das ist des Apostels vornehmste Sorge bei den Christen, die seiner Obhut befohlen sind, dass sie im Glauben und in der Liebe, wie zu Christo, so zu einander stehen. Das stellt er darum auch, wo er es findet, in seinen Briefen, so in den Briefen an die Philipper und an die Thessalonicher 1 und 2, dankend voran; das denn auch hier in seinem Briefe an den Philemon. Von der Liebe sagt er übrigens zuerst. Denn die Liebe zu Christo meint er zunächst, und diese Liebe steht ihm in gewisser Weise noch höher, als der Glaube, denn diese Liebe gibt erst dem Glauben seine innere Wahrheit und Wärme, sie macht ihn erst zu dem lebendigen Herzensglauben, durch den wir persönlich zum Heil gelangen. „Wenn ich weissagen könnte,“ sagt der Apostel in diesem Sinne (1. Kor. 13), „und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, also dass ich Berge versetzte und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.“ Und der Glaube, von dem der Apostel dann redet, ist, mit der Liebe verbunden, hier nicht das bloße Überzeugtsein, dass das, was von Gott in seinem Worte bezeugt wird, wahr sei, sondern das persönliche Vertrauen zu ihm und die Treue gegen ihn. Der Apostel verbindet aber die Liebe und den Glauben gegen den Herrn mit der Liebe und dem Glauben gegen alle Heiligen, d. i. alle zum Heile berufenen gläubigen Christen, denn die Liebe und der Glaube (Vertrauen und Treue) gegen diese ist nichts anderes, als ein Abglanz der Liebe und des Glaubens gegen den Herrn. Es ist im Grunde Eine Liebe und Ein Glaube, nur nach verschiedenen Seiten hingewandt. Wo Liebe und Glaube gegen Christus ist, da ist auch Liebe und Glaube gegen alle Christen, und umgekehrt, wo Liebe und Glaube gegen diese fehlt, da ist es ein Zeichen, dass Liebe und Glaube auch gegen den Herrn nicht da ist. Nun aber, wenn wir an unsere Freunde denken, ist das auch unsere höchste Sorge, dass sie in der Liebe und im Glauben gegen Christus und gegen die Christen stehen? Und wir selbst, könnte ein Freund auch von uns schreiben, dass er seinem Gott danke, nachdem er höre, dass wir in der Liebe und im Glauben gegen Christus und gegen die Christen stehen? Es ist so einfach, was damit von einem Christen verlangt wird. Es ist das Erste und Wenigste, was verlangt werden kann, wenn wir Christen sein wollen. Die Liebe und der Glaube gegen Christus und gegen die Christen ist die Grundlage und das Abc alles Christentums. Aber wie schwer ist es, dass solche Liebe und solcher Glaube sich bei uns finden! Wie selten tragen wir Christen unseren Namen mit Recht; wie oft haben wir fast nur noch den Namen von unserem Christentum! Höchstens, dass viele sagen, die rechte Religion sei, dass man Keinem etwas Böses tue, aber von Glauben und Liebe ist bei ihnen keine Rede.

Aber der Apostel dankt nicht nur, er bittet auch in seinem Gebet für Philemon. Und da wird das, wofür er dankt, ihm zugleich zum Grunde seiner Bitte. Ich danke meinem Gott, schreibt er, und gedenke Deiner allezeit in meinem Gebet, nachdem ich höre von der Liebe und vom Glauben, den Du hast an den Herrn Jesum und gegen alle Heiligen, dass Dein Glaube, den wir miteinander haben, in Dir kräftig werde durch Erkenntnis all des Guten, das ihr habt in Christo Jesu. Bittend in unserem Gebet unserer Freunde gedenken, das ist ein schönes Recht und eine heilige Pflicht des Christen. Wer weiß, vielleicht gedenken wir auch unserer Feinde, derer, die uns gekränkt haben und Unrecht getan, und gedenken dieser öfter als mancher Freunde. Wir haben ja insgemein für die Übeltaten, die uns widerfahren sind, ein besseres Gedächtnis, als für die Guttaten. Wie, wenn wir nun auch der Feinde bittend im Gebet gedächten, ihrer gedächten, nicht, um sie vor Gott zu verklagen, sondern um sie vor ihm zu vertreten, nicht, um Rache, sondern um Gnade auf sie herabzuflehen! Wie viel eher würden sich die erregten Gefühle gegen sie legen, wie viel schneller würden wir zur Aussöhnung mit ihnen kommen, und wie groß könnte der Segen sein, den wir durch solches Gedenken stifteten! So hat unser Herr und Heiland seiner Mörder gedacht, da er am Kreuz für sie bat: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ So Stephanus derer, die ihn steinigten, in dem er für sie schrie: „Herr behalte ihnen diese Sünde nicht!“ (Apostelgesch. 7,59.) So ist der Herr für uns gestorben, da wir noch Sünder und Feinde waren (Röm. 5,8.10), und gedenkt unser aller und vertritt uns fort und fort. (Röm. 8,34. 1. Joh. 2,1.)

Ich gedenke Deiner allezeit in meinem Gebet, schreibt der Apostel. Es bedarf nicht immer ausführlicher ausdrücklicher Bitten, um des anderen in unserem Gebet zu gedenken. Wenn wir desselben eben auch nur vor Gott gedenken, so ist das unter Umständen schon eine Bitte für ihn. Du nennst seinen Namen vor Gott, Du schickst, indem Du seiner gedenkst, einen Blick oder einen Seufzer für ihn nach oben! Nur, dass es von Herzen geschehe, mit ernstlicher Richtung des Gemütes auf Gott, mit aufrichtigem Verlangen nach einer Gnade für den anderen! So wird es auch möglich allezeit, wie der Apostel schreibt, des Andern bittend zu gedenken. Mit ausführlicher ausdrücklicher Bitte vermögen wir nicht allezeit des anderen zu gedenken. Dazu fehlte die Zeit, dazu gebräche es noch öfter an Kraft; es würden uns auch oft die Gedanken nicht recht zur Hand sein. Ach, auch Christen sind oft in ihren Gedanken so schwach, sie können sie oft nicht zusammenbringen, sie können oft nur mehr fühlen, als denken. „Wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie sich's gebührt.“ (Röm. 8,26.) Aber da können wir uns getrösten: „Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf; er selbst vertritt uns aufs Beste mit unaussprechlichem Seufzen.“

Der Apostel aber hat etwas Bestimmtes für seinen Freund auf dem Herzen und er spricht das in ausdrücklicher Bitte aus. Wir haben doch auch wohl oft für unsere Freunde etwas auf dem Herzen? Unsere Briefe sind oft voll von Wünschen für den Freund. Auch sonst tragen wir uns bald mit diesem bald mit jenem Wunsch für den Anderen. Aber sprechen wir es auch im Gebet vor Gott als Bitte aus? „Alle unsere Gemütsbewegungen sollen in Gebet ausgehen,“ sagte ein ehrwürdiger Christ. Sollten unsere Wünsche für unsere Freunde es nicht? Ich weiß nicht, was sind Wünsche für den Anderen, die besten Wünsche, was können sie einem Christen sein, wenn sie nicht zu Gebeten und Bitten werden! O, gewöhne Dich, wenn Du des Anderen wünschend gedenkst, oder wenn Du Deine Wünsche für ihn dahinschreibst, wenigstens doch im Geist Deine Knie vor Gott zu beugen und die Wünsche ihm bittend ans Herz zu legen, und so sende sie hin zu Deinem Freunde!

Dass Dein Glaube, den wir miteinander haben, in Dir kräftig werde durch Erkenntnis alles des Guten, das ihr habt in Christo Jesu, bittet der Apostel für Philemon. Also was der Freund nach den Worten des Apostels besitzt, das wird zum Anlass und Inhalt neuer Bitte. Philemon besitzt den Glauben, und eben darum bittet der Apostel, dass sein Glaube kräftig werde. Wir empfangen im Fortgange und in der Entwickelung unseres Christentums nicht immer Neues. Wir können eigentlich immer nur mehr empfangen, was wir bereits haben, immer mehr werden, was wir durch Gottes Gnade sind. Wir haben von unsrer Taufe her den Glauben an Christus, wir sind eben durch unsere Taufe Kinder Gottes im Glauben an Christus. Der Fortschritt im christlichen Leben besteht nur darin, dass der Glaube immer mehr gestärkt und kräftig werde, dass die Kindschaft gegen Gott sich immer mehr entfalte. So kann auch ein Mensch im Natürlichen eigentlich nie etwas Anderes empfangen und werden, als was er von Kind auf durch seine Geburt schon hat und ist. Nur entwickeln kann er sich, nur die ihm durch seine Geburt verliehene Anlage vervollkommnen, „ausbilden“, wie wir sagen, das einmal durch seine Geburt ihm verliehene Bild durch Erziehung und durch Arbeit an sich selbst zur völligeren Ausprägung und Vollendung bringen. Das Bild aber, welches uns verliehen ist, ist das Bild Gottes. (1. Mose 1,27.) Dieses Bild soll im Christentum zur Entfaltung kommen, indem unser Glaube je mehr und mehr kräftig wird. Aber wir müssen nun auch immer mehr empfangen, was wir haben, und immer mehr werden, was wir sind. Nicht sich begnügen mit dem, was man nun einmal hat, und was man nun einmal ist! Eine heilige Ungenügsamkeit muss uns auf dem Weg unsrer Entwickelung weiter treiben. Kein Stillstand! Stillstand bedeutet auch im christlichen Leben Rückschritt. Der Arm stirbt ab, den Du nie gebrauchst, der Glaube hört auf, den Du nicht stetig übst. „Nicht, dass ich es schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei. Ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möchte, nachdem ich von Christo ergriffen bin. Ich vergesse, was dahinten ist und strecke mich zu dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu.“ (Phil. 3,12 f.) So von Tage zu Tage, immer weiter, immer völliger, bis das Ziel erreicht ist! Das ist des Christen Los und Glück.

Dass Dein Glaube, den wir miteinander haben, in Dir kräftig werde, sagt der Apostel und verstärkt damit noch das Gewicht seiner Bitte. Dass sein Glaube ein mit dem Apostel gemeinsamer ist, wie musste diese Erinnerung den Philemon reizen, das Seinige dazu zu tun, dass die Bitte des Apostels erfüllt werde, dieser Glaube in ihm kräftig werde! Ein höherer Antrieb zur Kräftigung unseres Glaubens lässt sich nicht denken, als dass dieser Glaube kein geringerer ist, als der Glaube eines Paulus auch. Und diesen Antrieb haben auch wir. Unser Glaube an Christus, den Herrn und Heiland, ist des Paulus Glaube. O, dass es uns auch ein Antrieb zur Kräftigung unseres Glaubens sei! Aber dass wir auch die Gemeinsamkeit unseres Glaubens mit allen anderen Gläubigen als einen Trost, einen Stolz und einen Antrieb empfänden!

Durch Erkenntnis all des Guten, das wir in Christo Jesu haben, soll der Glaube des Philemon und unser Glaube in uns kräftig werden. Es ist so viel des Guten, das wir in Christo haben! Wer kann es alles zählen, des Guten im Glauben, in der Liebe, in der Hoffnung, des Guten für Zeit und Ewigkeit! Aber man muss es erkennen. Wer blind dagegen bleibt, wer nicht dankbar dafür ist, was hilft es dem, dass er es hat, von Kind auf durch seine Taufe schon hat! Und ebensolche Erkenntnis ist das Mittel, durch welches unser Glaube in uns kräftig wird. Wir dürfen die Erkenntnis im Christentum nicht verachten. Sie wird bei uns vielfach zu sehr gegenüber dem Glauben und dem Leben verachtet. Die christliche Erkenntnis ist das Auge, womit wir die Dinge der Wahrheit sehen, sie ist das Licht, in dessen Schein der Glaube und das Leben allein gedeiht.

Ohne die Erkenntnis wäre für uns das Heil nicht da; ohne sie würde unser Glaube und unser Leben verderben, wie die Blume ohne Sonne. Aber die rechte Erkenntnis muss es sein, nicht die, die wie die Wintersonne die Fluren fruchtlos lässt, sondern die wie die Frühlingssonne überall Leben und Blühen und Grünen wecket. „Es gibt eine Erkenntnis,“ sagt Löhe, „die keine ist. Auch die Juden meinten den Herrn zu kennen. „Wir wissen von wannen dieser ist,“ sprechen sie von Christo. Aber der Herr selbst redet von dieser Erkenntnis nur strafend. Erkenntnis und gläubige Erkenntnis sind so verschieden, wie ein Gemälde von einem Menschen und der Mensch selbst. Wer ein evangelisches Wort von der Gnade, die dem Menschen in Christo bereit ist, aus Erfahrung erkannt hat, ist reicher, als wer den Zusammenhang der Lehre vom Reiche Gottes schön übersieht und erzählen kann ohne Erfahrung. Was hilft mir Gottes Reich, wenn ich selbst es, obschon mir dargeboten, nicht fassen kann? Lasst uns um die rechte Erkenntnis fleißig bitten!

Wir danken Dir, Herr, dass Du uns das Licht Deines Wortes gegeben, den Glauben in uns angefangen und Dein Heil auch für uns bestimmt hast. Aber wir bitten Dich auch, lass unseren Glauben kräftig werden je mehr und mehr! „Wir glauben, Herr! Hilf unserem Unglauben!“ Hilf uns dazu wachsen in der rechten Erkenntnis! Zünde selbst das Licht der Erkenntnis in uns an durch Deinen Geist! Hilf uns auch, dass wir fleißig sind in der Fürbitte, in der Fürbitte insbesondere auch für unsere Freunde! Vergib uns alles, was wir darin versäumt haben, und hilf uns treuer sein in der Fürbitte! Lass uns so immer mehr miteinander hinan kommen zu Einem Glauben und Einer Erkenntnis und wachsen an Dem, der das Haupt ist, Jesus Christus, bis wir das Ziel erreicht haben und Dir ewig danken! Amen.

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