Ohly, Emil - Der erste Weihnachtsgottesdienst.

Ohly, Emil - Der erste Weihnachtsgottesdienst.

1. Christtag.

Gelobet sei der Herr, der Gott Israels, denn er hat besucht und erlöst sein Volk. Halleluja, Halleluja. Amen.

Zeuch deine Schuhe aus, denn das Land, darauf du stehst, ist heiliges Land! so hörte einst Moses, als er begierig war zu schauen, was es mit dem feurigen Busch auf Horeb für eine Bewandtnis habe. Diese Stimme erfüllte ihn mit heiliger Ehrfurcht. Er merkte die Nähe seines Gottes, der ein verzehrendes ist. Er, der Heilige und Herrliche wollte mit ihm reden. Seine Seele erbebte.

Ähnlich und doch wieder ganz anders, meine Freunde, ist uns heut zu Mute, da wir uns anschicken, in das Geheimnis hinein zu schauen, durch welches der Herr, unser Gott, sich uns offenbart hat, in das Wunder, das auch die Engel Gottes gelüstet zu schauen. Der Herr ist uns nahe gekommen, nicht im feurigen Busch, nicht in der ungebrochenen Herrlichkeit und dem Glanze seiner erschrecklichen Majestät. Er ist uns nahe gekommen in einer armen Gestalt, gering und ohnmächtig. Wir schauen hinein in die Krippe und sprechen: Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erzeigt. Er kennt, was für ein Gemächte wir sind. Darum kommt er nicht in einem unsere Augen blendenden Glanze, sondern mit dem sanften Gnadenlicht, die blöden Augen heilend, die wunden Herzen erquickend. Vom Himmel herab regt es sich; denn das größte Ereignis der Weltgeschichte ist die Geburt dieses arm und ohnmächtig in der Krippe liegenden Kindes zu Bethlehem. Die Welt achtet kaum darauf und merkt es nicht, dass etwas Großes geschehen sei, ja das Allergrößte. Aber die Himmel geraten in eine mächtige Bewegung. Es regt sich von oben herab. Licht und Leben und Kraft der unsterblichen Welt bewegt sich herunter zu der armen, verlorenen Menschheit. Lange genug hatten die Mächte der Finsternis und des Verderbens sich geregt und ihren vollen Einfluss ausgeübt auf die Menschheit, dass der Prophet klagen musste: Finsternis bedeckt das Erdreich und Dunkel die Völker. Aber frohlockend kann er fortfahren: Aber über dir geht auf der Herr und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und so sprechen wir mit demselben Propheten: Zion, du Predigerin, steige auf einen hohen Berg, Jerusalem, du Predigerin, hebe an mit Macht. Fürchte dich nicht! Sage den Städten Judas: Siehe da ist euer Gott! Es gehören erleuchtete Augen dazu, um ihn zu erkennen, unsern Gott. Denn er hat ein merkwürdiges Kleid angezogen. Es ist eine heilsame Verkleidung. Und das hat er getan, weil er uns kennt, und weil er in unserer eigenen Natur uns aufs Allernächste kommen wollte, um uns durch seine Liebe zu gewinnen. O, dass wir Augen hätten zu schauen die Wunder in seinem Gesetze. Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab. Wie hat uns Gott so lieb! Ja, Augen, zu sehen die Wunder seiner Liebe, die gebe uns der Herr, dann müssen wir in den Staub sinken und anbeten. Und so wollen wir arme Sünder uns beugen, wollen anbeten und also sprechen: Gott, unser Heil! Du Gnädiger und Allmächtiger, du Ewiger und Quell der Liebe, wir danken dir für die unaussprechliche Liebe, welche du uns offenbart und kund gemacht hast. O, gib uns deinen Geist, dass wir glauben können dir, dem Hort unseres Heils. Gib uns deinen Heiligen Geist, dass wir uns aufschwingen können in Freude und Lust und dir sagen können Ehre, Lob und Preis. Du milder, gnadenreicher Gott, der du uns nicht im Feuer des vernichtenden heiligen Wesens, sondern im Feuer der Liebe dich uns offenbart hast, hilf, dass wir Weihnacht feiern können mit demütigem Herzen und bereite uns, dass wir dir bringen Lob, Preis und Anbetung jetzt und in Ewigkeit. Amen.

Hört in Andacht die Worte aus der heutigen Festgeschichte, die uns jetzt erbauen sollen. Wir lesen sie im 2. Kap. des Ev. St. Lucas vom 8-14 Vers:
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht, siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist ist Christus der Herr in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen, ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt, und in einer Krippe liegend. Und alsobald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott, und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. Amen!

Das ist nun, meine lieben Freunde, der erste Weihnachtsgottesdienst gewesen. Da finden wir eine Gemeinde, der wird gepredigt; da finden wir sogar einen Chorgesang. Eine köstliche Feier! Der Himmel wölbt sich über den Feiernden und in dem heiligen Dome erschallt die göttliche Verkündigung. Kostbar herrlicher Gottesdienst des Herrn.

„Der erste Weihnachtsgottesdienst“ sei darum der Gegenstand unserer Betrachtung und zwar

1. die anbetende Gemeinde,
2. die kostbare Predigt und
3. der herrliche Chorgesang.

Der Herr gebe uns Gnade, dass wir etwas lernen.

1.

Die Gemeinde bei jenem ersten Weihnachtsgottesdienst dort auf den Fluren zu Bethlehem waren die Hirten auf dem Felde. Denen war vergönnt, zuerst die Botschaft des Herrn zu hören: Siehe, ich verkündige euch große Freude! Ohne Zweifel, meine Teuren, ist der Mensch überhaupt zur Freude geschaffen, und Freude, Leben und Seligkeit sollte sein Teil sein; denn Gott hatte ihn nach seinem Bilde geschaffen. Aber durch die Sünde und den Abfall von dem Quell der Freude, des Lebens und der Unsterblichkeit ist Jammer und Elend in diese Welt gekommen und ein großes Seufzen und ein „sich fürchten“. Denn gerade die Seelen, die es ernst nehmen, fürchten sich vor dem lebendigen Gott. Diese Freude, die so geschwunden ist, soll wiederkehren, meine Lieben. Es ist dies die Absicht Gottes und so verkündet er, als die Zeit erfüllt war, das große Ereignis der Freudenwiederbringung. Er lässt einen Prediger ausgehen, dass er predige und kund tue: Nun ist die Zeit gekommen, nun dürfen die Leute sich wieder freuen. Sehen wir uns nun die Gemeinde an, welcher gepredigt wird bei dem ersten Weihnachtsgottesdienst. Es sind die Hirten, arme Hirten, geringen Standes. Da ist keine aus den geistlich oder auch weltlich hoch angesehenen Menschen gesammelte Gemeinde. Man sieht keine Pharisäer und Schriftgelehrten, deren Lebens-Beruf es war, die Schrift zu studieren. Auch Herodes war nicht dabei und sein ganzer Hofstaat findet sich in der ersten Weihnachtsgemeinde durchaus nicht. Die Gemeinde war auch der Zahl nach nicht groß. Es waren einige Hirten, geringe Leute, geringe Zahl. Aber was ist vor dem Herrn gering? Was ist groß? Das wissen wir gar nicht; er weiß es allein. Ein Senfkorn ist etwas großes, ein Samenkorn ist etwas großes, sogar in der Welt; denn was kann alles daraus werden! So ist auch die erste weihnachtliche Gemeinde in den Augen unseres Gottes gewiss größer, als wir es denken. Äußere Herrlichkeit geht ihr ab.

Was waren es denn für Leute? O, das können wir merken aus dem, was folgt. Es waren Gott suchende Seelen, nach Gott, nach dem Heiland verlangende Herzen. Es waren Leute, denen war ihr eigener Schaden, ihr eigenes sündliches Verderben, denen war auch das Verderben der Welt und ihr Elend klar geworden. Sie gingen dahin mit dem Verlangen nach Vergebung, nach Erlösung und betend mit dem Psalmisten: Ach, dass die Hilfe aus Zion käme und der Herr sein gefangenes Volk erlöste! Ach, dass du den Himmel zerrissest und führest herab, dass die Berge vor dir zerflössen, wie ein Wasser vor einem heftigen Feuer zerfließt, dass dein Name kund werde unter den Feinden, unter allen Heiden, dass sie vor dir erschüttert werden und erkennen die Wunder, die du tust. Ja, so waren diese Leute gestellt: nach Gott verlangende, Gott suchende Seelen. Was sie sonst äußerlich waren, das ist ganz gleichgültig. Und, meine teuren Freunde, solche Leute zählen überhaupt nur zu der wahren Weihnachtsgemeinde. So lange Jemand sein Heil in der Welt zu finden meint, so lange er noch seine Freude sucht in dem eitlen Streben dieser Welt, so lange seine Seele noch durch die Bleigewichte, sei es der Welt Lust und Freude, sei es der Welt Ehre, Glanz und Herrlichkeit, gebunden ist, so lange die Seele sich noch nicht sehnend erhebt und nach Gott sucht und nach einem Freunde, der die Seele heilen kann und das Herz erretten, und der frei machen kann von den Ketten, darin sie diese Welt gebunden hat, so lange zählt sie noch nicht zu der weihnachtlichen Gemeinde. Und, meine Freunde, so lange ist sie ganz unfähig, die Weihnachtspredigt zu verstehen. Es geht ihr, wie bei der Pfingstpredigt des Petrus: Etliche wunderten sich, andere sagten spöttisch: Sie sind voll süßen Weins. Mit einem leichten, mit einem freventlich-spöttischen Wort wird dann die göttliche Wahrheit, die große Weihnachtspredigt ins Lächerliche zu ziehen gesucht. Aber, mein Freund, wer du auch seist in dieser Welt, wes Standes, Berufs, in welcher Stellung du sein magst, Kind, Mann, Weib, Jüngling, Jungfrau, wenn du etwas gefühlt hast in deinem Innern, dass dein Herz mehr bedarf, als diese Welt bieten kann, wenn du es inne geworden bist, dass du vor Gott, der da heilig ist und im Heiligtum wohnt, ein armer Sünder und verloren bist, wenn dein Gewissen nicht mehr schläft, sondern aufgewacht ist und dir ist bange für deine Seele und aus der Dunkelheit deines Herzens und Lebens schaust du verlangend zum Himmel auf: ach, dass die Hilfe käme aus Zion, ja, dann darfst du zur weihnachtlichen Gemeinde dich zählen, dann ist dein Herz bereitet, um mit zu feiern. Wenn auch nicht äußerlich, aber geistig wirst du dann vor deinem Herrn und Gott auf den Knieen liegen und wirst ihn anbeten in heiliger Furcht. O, ich wünsche, dass sehr viele Seelen heut mit solchem Verlangen, in solcher herzbewegten Stimmung hier sein möchten, dass recht viele sein möchten, die wie Blumen sich öffnen der Sonne, auf dass sie hineinstrahle und durch ihr Hineinstrahlen die wunderbarsten Wirkungen hervorbringe. Wenn recht viele unter uns sind, ja, wenn wir als Gemeinde, als ein Ganzes, unsere Herzen zum Herrn emporrecken, verlangend, sehnend, hoffend, glaubend, wartend, dann können wir die Weihnachtspredigt recht vernehmen, dann wird sie uns ein wunderbarer Balsam sein für unsere Seelen.

2.

Freilich, zunächst könnte es noch ein Erschrecken geben; denn es ist ein merkwürdiger Prediger. Ihr habt einen Prediger, der ist euch gleich, ein Sünder; dem steht ihr nahe, der steht nicht über euch. Aber dort war es anders, da war es ein Bote aus dem Heiligtum Gottes, der Engel des Herrn, der unmittelbare Worte Gottes verkündigte, der ausgegangen war aus dem Heiligtum und himmlische Klarheit umleuchtete ihn und leuchtete mit hellem Lichte hinein in die Finsternis auf Bethlehems Fluren. Verdenkst du den Hirten, dass sie erschrecken? Wenn du es ihnen verdenkst, dann weißt du nicht, was es für aufgewachte Gewissen ist, vor dem heiligen Gott zu stehen. Wenn du das kennen lernst, dann wirst du die Hirten verstehen. Sie fürchten sich und werden uns umso lieber.

Wenn die Furcht Gottes ins Herz kommt, o das ist eine Furcht, gegen die nichts hilft. Wenn das Gewissen erst aufgewacht ist, dann wird es uns ein quälender Begleiter, wenn es nicht gestillt werden kann. Ja, etwas von dieser heiligen Furcht wird uns noch begleiten, selbst wenn wir bereits ins Heiligtum eingedrungen sind und sind Kinder Gottes geworden, etwas von der heiligen Furcht, der heiligen Scheu, da es heißt: zeuch deine Schuhe aus, denn das Land, wo du stehst, ist heiliges Land.

Die Hirten fürchteten sich. Aber nun hören sie eine Predigt o, es ist eine köstliche Predigt: Fürchtet euch nicht! Das ist das erste: Die Zeit der Furcht, des Klagens, des ungestillten Sehnens, des Verlangens ist vorüber. Die Zeit ist erfüllt, der Tag der Freude ist gekommen. Nicht wird gesagt: Es blitzt im Osten, die Sonne wird aufgehen, nein, der helle Tag ist gekommen, es leuchtet wunderbar. Fürchtet euch nicht! Alle Furcht ist hinweggenommen. Siehe, ich verkündige euch große Freude; denn euch ist heute der Heiland geboren! Die große Freude, dieses Jauchzen der Seele hat seinen Grund in einer geistigen Gabe wunderbarer Art. Euch ist der Heiland geboren! Euch ist der geboren, der alles Unheil, der alle Sünden, alles Verderben und Elend in einen Abgrund verschlingt und deckt es zu und versöhnt uns in der Kraft seines heiligen Blutes. Euch ist der Heiland geboren, der als ein Arzt sondergleichen seine Hand in eure Wunden legt und siehe, sie heilen. Sucht darum das Heil bei ihm, fasst Mut, fasst Zutrauen. Dieses Zutrauen, dieser Glaube kann Trost bringen in eure Seelen. O, wie mag das in die Herzen jener Hirtengemeinde hineingedrungen sein, wie war das eine selige und herrliche Gabe, die ihr Inneres durchdrang. Wie mochten diese Herzen aufjubeln! Wie haben sie so freudig dem Herrn Lob und Dank dargebracht! Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr in der Stadt Davids. Euch und allem Volk verkündige ich die große Freude. Höre, du bist auch dabei, wir sind auch gemeint. Alles Volk, denn alles Volk hat den Heiland nötig. Wie hat Paulus das so klar gemacht im Römerbrief: Juden und Heiden verloren, unter dem Fluch des Gesetzes stehend. So ist der Zustand des natürlichen Menschen.

Und nun: Euch ist der Heiland geboren! Allem Volk solls verkündet werden, auch hier unserer Gemeinde, in alle Hütten, in alle Winkel soll die Kunde dringen. Sieh', was für einen Gott haben wir, einen Gott in armer Gestalt, arm, gering und ohnmächtig, der uns aber rein macht von allen Sünden, schenkt uns sein Heil, seine Gnade, Erlösung, Vergebung der Sünden. Euch ist der Heiland geboren! O, nimm mit auf deinen Weg: Mir ist der Heiland geboren. Gott gebe, dass du also sprechen kannst. Für mich ist er geboren, für mich hat er gelitten, mir ist er von Gott geschenkt, mein seine Liebe, mein die Seligkeit.

Meine Freunde! Was sind wir doch für glückliche Leute, dass uns eine solche Botschaft zuteilwird und wir Prediger, dass wir solches euch sagen dürfen: das Herz Gottes ist weit aufgetan für die armen Sünder, und wo ein gebeugtes Herz ist und ein aufgewachtes Gewissen, kommt zur Weihnachtsgemeinde, öffnet Herz und Hand, und die Fülle der Erbarmung Gottes wird hineingelegt.

Kostbare Predigt! Sie läuft fort von Haus zu Haus, von Ort zu Ort und erfüllt die ganze Welt mit der süßen Freude: Auch mir ist heute der Heiland geboren.

3.

Endlich aber, meine lieben Freunde, bei jenem ersten Weihnachtsgottesdienst hören wir auch einen wunderbaren Chorgesang.

Was hat der Chor im Gottesdienst für eine Bedeutung? Die Gemeinde ist die Anbetende, von Gott Empfangende, die sich selbst in ihrer Schwachheit darbringt, in der Predigt will Gott geben seine himmlischen Gaben und der Chorgesang ist der Wiederhall, den die von Gott geschenkte Gnade in den Herzen der Gläubigen hervorbringt. Darum muss ein Chorgesang von Gläubigen gesungen werden nach der rechten Idee des Gottesdienstes. Dort war es ein wunderbarer Chorgesang. Merkt, wie das klingt, was dort ertönt! Die Engel singen: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Das ist ein wunderbarer Dreiklang. Engel Gottes haben es gesungen in völliger ungetrübter Harmonie. Da war nichts, was als ein Missklang hereintönte, wie es bei irdischen Chören der Fall sein kann. Vorbildlich war ihr Gesang auch dem Inhalte nach. Ehre sei Gott in der Höhe!

Sie sind der Meinung, dass es sich bei der wunderbaren Botschaft handle um die Ehre Gottes, um die Wiederherstellung der Ehre Gottes in der Menschheit. So ist es auch. Die Ehre Gottes war in der Menschheit verloren gegangen. Alle Kreatur ist von Gott erschaffen, um zu seiner Ehre zu dienen, seinen Namen zu preisen. Die unvernünftige Kreatur soll Gott ehren, unmittelbar und mittelbar durch den Menschen. Aber da der Mensch leider die Ehre Gottes verloren hat, so ist auch die Ehre Gottes verloren, welche die Kreatur mittelbar darbringen soll.

Überall, wo der Mensch die Kreatur missbraucht, versündigt er sich an dem lebendigen Gott, welchem er die Ehre raubt. Überall da, wo die Kreatur ihrem Endzweck dient, zu dem sie Gott geschaffen, ehrt sie den Herrn. Und wenn ein Mensch in Gott lebt als ein lebendiges Opfer, so bringt er Ehre dem Herrn, unserem Gott. Wenn er aber sein Angesicht von Gott wendet, der Welt als seinem Götzen opfert und darin seine Freude sucht, so verunehrt er den lebendigen Gott.

Wenn ein braver Vater einen missratenen Sohn hat, so verunehrt dieser den Namen seines Vaters und ist eine Ursache des Schmerzes für ihn. Also ist auch die in Sünden verlorene Menschheit eine Verunehrung des lebendigen Gottes und zugleich ein Schmerz für das Herz unseres Gottes. Aber Gott hat in seiner Weisheit und in seiner Barmherzigkeit Alles getan, seine Ehre in der Menschheit und damit die wahre Ehre der Menschen selbst wieder herzustellen. Dazu ist der Heiland erschienen. Der in der Höhe wohnte, der wollte seine Ehre auf Erden wahren. Du sollst ihm eine Ehre, du sollst ihm ein Lob werden und das vermagst du in dem, der, Gott sei Lob und Dank, in seiner Person als Mensch die Ehre Gottes darstellt, nämlich in unserem Herrn Jesus, der, um die Ehre der Menschheit bei Gott zu retten, alle Schmach und Sünde auf sich nahm. Sie schien ihn zu erdrücken auf Golgatha. Aber wir wissen ja, Ostern folgt, und die Ehre Gottes leuchtet aus der Ostersonne uns entgegen.

Ehre sei Gott in der Höhe! Das ist der erste Klang in dem wunderbaren Chorgesang. Und zu dem ersten Klang fügt sich ein zweiter Klang, das Wunder der Wunder: Friede auf Erden! Soll ich euch beschreiben, was Friede ist? Wer den Krieg erlebt hat, wer die durch Krieg verwüsteten Fluren geschaut hat, wer das Elend gekannt, das der Krieg anrichtet, weiß was für ein Gut schon der irdische Friede unter den Völkern ist. Aber viel schrecklicher ist es, wenn deine Seele keinen Frieden hat, wenn deine Sünden zwischen dir und deinem Gott stehen wie eine unübersteigliche Mauer.

Friede auf Erden, die Scheidemauer ist hinweggetan. du bist erlöst, versöhnt.

Wie der Herr einst auf dem See Genezareth die Fluten gestillt hat, so tut er noch heute; dazu ist er geboren, als Gnadenfürst sein Zepter zu führen und zu deinem Herzen zu reden, dass weder Welt, noch Teufel, noch dein eigenes Gewissen dich verdammen kann, weil er als der Friedensfürst zu Dir redet: Friede sei mit Dir!

Wenn Du erfahren hast, was es heißt, Frieden im Herzen, Frieden mit deinem Gott zu haben, dann weißt du auch, was für ein köstlich Ding es ist, Frieden zu bringen deinen Mitchristen. Dann wirst du friedfertig, und selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen.

O, möge dieser milde Glanz in alle bekümmerten Herzen hinein dringen.

Und den Menschen ein Wohlgefallen! Gottes Auge kann und will Wohlgefallen wieder an dir haben; um Christi willen will er dich als liebes Kind aufnehmen, will dir ein treuer Vater werden und du darfst in Jesu Namen zu ihm beten als ein ihm wohlgefällig gewordenes Gotteskind.

Meine Freunde! Lob sei unserem Gott! Sein himmlischer Glanz schreckt uns nicht; sein himmlisches Licht strahlt hinein in die Menschheit, heilend, versöhnend, segnend. Eine Herrlichkeit ist uns zuteil geworden, dass das Herz darüber froh wird.

Wunderbarer erster Weihnachtsgottesdienst! Eine anbetende Gemeinde, verlangend, seiner Gnade das Herz öffnend. Eine Predigt, wie eine zweite nicht gehört worden ist, noch werden kann. Aber die Botschaft bleibt und tönt fort von Geschlecht zu Geschlecht. Und auch ich habe euch verkündigen dürfen dies Wort von der Freude, die durch des Heilands Geburt auch euch widerfahren ist. Und dann ein Chorgesang aus dem himmlischen Heiligtum, mit himmlischer Harmonie vorgetragen, ein Klang, der in sich birgt alles Heil, alle Herrlichkeit, die ein Menschenherz suchen und finden kann.

Der Herr gebe uns Ohren, zu hören das Wort der großen Liebe. Er gebe uns Augen, zu sehen die Wunder in seinem Worte. Er gebe uns gläubige Herzen, die sich mit zählen dürfen zu der Weihnachtsgemeinde, die sich segnen lassen von ihrem Gott und dann gebe er uns Vermögen, wenn auch nur in stammelnder Schwachheit wiederzugeben, was der himmlische Chor gesungen hat: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen. Amen.

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