Krummacher, Gottfried Daniel - Die Wanderungen Israels durch die Wüste nach Kanaan - Neunzigste Predigt. Paltiel.

Krummacher, Gottfried Daniel - Die Wanderungen Israels durch die Wüste nach Kanaan - Neunzigste Predigt. Paltiel.

Text: 4. Buch Mosis 34, 26.

Auch der hier benannte Fürst ist einer von den zwölf Männern, die Gott dazu ausersehen hatte, das verheißene Kanaan unter die zwölf Stämme zu verteilen, und dasjenige, was dieser Name bezeichnet, ist es eben, was Jedem zum Seligwerden hilft, der dazu gelangt. Denn in dem Namen Paltiel ist eben das enthalten, was Paulus, 2. Timotheus 4, 18 sagt: der Herr wird mich erlösen von allem Übel und aushelfen zu seinem himmlischen Reich. Denn was heißt Paltiel auf Deutsch? Es heißt: der starke Gott ist mein Erretter.

Lasst mich einige Sprüche anführen, wo das Wort vorkommt. David bedient sich dieses Wortes Psalm 18, 49, wo es heißt: Gott errettet mich von meinen Feinden. Psalm 32, 7 ebenfalls, und da heißt es: du bist mein Schirm, du wollest mich vor Angst behüten, dass ich errettet ganz fröhlich rühmen könne, Sela, buchstäblich: du umgibst mich mit dem Gejauchze der Rettung der Palti. Psalm 37, 40: der Herr wird sie erretten von den Gottlosen, denn sie trauen auf ihn. Jesaja 4, 2: des Herrn Zweig wird lieblich und schön sein bei denen, die behalten werden in Israel.

Der starke Gott ist mein Erretter - das ist es, was das Wort Paltiel ausdrückt. Ein Erretter ist ein solcher, der aus großen Nöten und Gefahren hilft und in einen gesicherten Wohlstand versetzt. Und als ein solcher wird uns Gott hier geschildert. Dieser Paltiel ist also ganz dazu geeignet, Israel zum Besitz Kanaans zu verhelfen. Es ist ein Wort des Glaubens.

Lasst uns bei Erwägung dieses Namens auf zwei Stücke achten.

1. Auf die Gefahr.
2. Auf die Rettung.

Die Gefahr, das Elend, das Bedürfnis für einen Erretter, für den Paltiel, ist unnennbar groß und dringend. Aber es ist eine nicht gekannte, nicht gefühlte, nicht geachtete Gefahr, welches wohl das Allerschlimmste bei derselben ist. Die Menschen sind eben tot in derselben, daher ist man auch so gleichgültig gegen den Paltiel.

Wir wollen uns aber daran nicht kehren, sondern zuerst einigermaßen diese Gefahr schildern, mag die Weisheit auch klagen müssen niemand achtet darauf und ihr wollt meine Strafe nicht, worauf dann endlich folgt: ich will eurer lachen in eurem Unfall und eurer spotten, wenn da kommt, das ihr fürchtet.

Es ist das größte Unglück, worin wir stecken, das kein Verstand ausdenken, keine Zunge aussprechen kann, ein Unglück, in welches die Meisten unter den Menschen schon versunken und untergegangen sind und es ist schrecklich zu sagen, aber wahr in welches die Meisten versinken und untergehen werden und in vollen Schritten darauf losrennen; ein Unglück, woraus keiner sich selbst retten kann, woraus keine Kreatur erlösen kann - ja woraus niemand errettet sein will, so dass jene mit Grund fragten: Ja, wer kann denn selig werden und die Antwort bekamen: bei den Menschen ist es unmöglich, aber bei Gott sind alle Dinge möglich. Und als einer fragte: Herr, meinst du, dass wenige selig werden? so sagt der Herr Jesus zwar weder ja noch nein, aber das sagte er: ringt danach, dass ihr durch die enge Pforte eingeht, denn viele werden, das sage ich euch, danach trachten, wie sie hinein kommen, und werden es nicht tun können. Wenn nun solche des Ziels verfehlen, die danach trachten, was will es mit den Andern werden. Ist kein Paltiel da für uns: so sind wir alle verloren und bleiben es.

Unsere Not und Elend besteht aber in der Sünde, in ihrer beherrschenden und verdammenden Kraft. Und doch so verdreht ist der Sünder sucht er in der Ausübung der Sünde seine Lust und hasst die Gottseligkeit und alles, was ihm an dieser Ausübung im Wege steht. Wir sind wohl von Jugend auf gelehrt worden, wenn gefragt wurde: welches ist das höchste Übel? zu antworten: die Sünde. Aber, wer ist so gelehrt, dies wirklich dafür zu halten? er müsste denn von Gott gelehrt sein. Ja, der wievielte erkennt es nur, was Sünde sei? der wievielte will es nur wissen und kann es nicht einmal wollen, denn er ist eben tot in demjenigen, worin er zugleich lebt.

Wir reden hier keineswegs bloß von groben Sündern, Dieben, Betrügern, Meineidigen, Hurern, Mördern und Ehebrechern und was sonst der gesunden Lehre zuwider ist, als ob das nur die Sünder wären. Ach! nein, denkt doch einmal an jenen reichen und vornehmen, dabei aber doch so bescheidenen und in seinem äußeren Benehmen so demütigen Jüngling, dass er vor Jesu öffentlich niederkniet, denkt an das Urteil, das der Mund der Wahrheit über diesen vortrefflichen jungen Herrn ausspricht, ein Urteil, welches auch die Jünger in Furcht und Schrecken setzte, dass sie ausrufen: Ja, wer kann dann selig werden! Er ist unsträflich nach dem Gesetz. Er hat das alles dem Buchstaben nach gehalten von Jugend auf. Er fragt nicht nach eitlen Dingen, sondern was für Gutes er tun müsse, dass er das ewige Leben erbe. Erbe, so drückt er sich aus und nicht erwerbe oder verdiene. Und Jesus erklärt es nachgehend erst für schwer und sodann bei den Menschen unmöglich, dass solche ins Himmelreich kommen. Eins fehlt diesem liebenswürdigen Jüngling - und wir nennen ihn mit Recht liebenswürdig, da es von dem Herrn Jesu selbst heißt: er sah ihn an und liebte ihn. Aber worin bestand das Eine? Denn wenn er das auch getan hätte, was der Herr Jesus ihm aufgab: alles zu verkaufen, was er habe, so sagt doch der Apostel: wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und hätte der Liebe nicht, so wäre mir es nichts nütze. Seht den Teil der zehn Jungfrauen an, zu welchem es zuletzt heißt: wahrlich, ich kenne euch nicht. Worin waren sie von der andern Hälfte unterschieden? Dem äußeren Anschein nach in keinem Stück. Sie hatten freilich Ein Stück nicht, was die Andern doch hatten und was Öl genannt wird. Aber worin bestand dieses Öl? Wenn ihr es wisst, selig seid ihr, so ihr es tut. Jene erfuhren es erst, als es zu spät war. - Welch' ein Unglück! Sucht denn das Elend, was die Sünde über uns verbreitet, nicht bloß in dem auswendigen Bezeigen. Sie steckt in uns. Sie besteht in dem Erbübel, wodurch wir untüchtig sind zu einigem Guten und geneigt zu allem Bösen in der geistlichen Blindheit, da der natürliche Mensch nichts vernimmt vom Geiste Gottes in dem Unglauben, da wir ohne Gott und ohne Christum leben in der Feindschaft gegen Gott, welche der Gesinnung des Fleisches zum Grunde liegt: das, das ist der alte Mensch, und den müsst ihr kennen lernen, wenn euch der Paltiel köstlich werden soll.

Aber ihr wollt nicht, und wenn ihr wollt, so könnt ihr nicht; denn die Sünde herrscht über die Menschen. Wir meinen damit nicht so sehr die groben Beweise davon. So hat man ja Leute, die so vom Geiz beherrscht werden, dass sie des Geldes nicht satt werden, wieviel sie desselben auch schon besitzen, die nicht nur für Andere, sondern auch nicht einmal für sich selbst nichts missen können, obschon sie es endlich andern überlassen müssen, ohne den geringsten Dank dafür zu haben. Da gibt's Menschen, die der Trunkenheit dermaßen ergeben sind, dass sie es nicht lassen können, noch wollen, obschon sie ihren äußeren Ruin vor Augen sehen, ja wenn sie die brennende Hölle vor sich sähen, sie würden sich selbst hineinstürzen. Da gibt es Spieler, die mit einer solchen Leidenschaft am Spiel hängen, dass sie die Nächte an die Tage reihen und Schlaf und alles, was sie haben, daran setzen und manchmal eher in der Verzweiflung mit eigener Hand sich selbst nach Leib und Seele morden, als dass sie die Bande zerreißen, die sie fesseln. Aber nicht weniger schrecklich ist die herrschende Macht der Sünde, die sie im Innern ausübt, und die kein Mensch eher gewahr wird, als nur dann, wenn er dieser Herrschaft zu entrinnen anfängt, wenn sie gebrochen ist. Ich meine hier die innerliche angeborene, gänzliche Blindheit, in allen Dingen, so zum Reiche Gottes gehören; eine Blindheit, die sich umso mehr für sehend hält, je größer sie ist, eine Blindheit, die für alle natürlichen Mittel unheilbar ist, und nur durch ein Wunder geheilt wird, durch ein Wunder der allmächtigen Gnade, dem vergleichbar, wodurch Gott das Licht ließ hervorgehen aus der Finsternis. Ich meine hier die Gesinnung des Fleisches, welche eine Feindschaft gegen Gott, dem Gesetz nicht untertan ist und es auch nicht vermag. Hütet euch, dass ihr unter Gesinnung des Fleisches, oder wie es in unserer Übersetzung heißt fleischlich gesinnt sein, nicht bloß Unzucht versteht, sondern es bezeichnet die ganze Gesinnung, wie sie bei jedem Menschen stattfindet, so lange er nicht wiedergeboren ist. Also wird sein ganzer Gottesdienst darunter mit begriffen und selbst sein Gebet ein Gräuel. Vergeblich dienen sie Gott. Tut nur weg von mir das Geplärr eurer Lieder, denn ich mag euer Psalterspiel nicht hören. Ich mag in eure Versammlungen nicht riechen. Eure Feiertage sind ein Unflat. Bedenkt dann auch das entsetzliche Wort, Feindschaft, was der Apostel hier braucht. Ein Feind lässt sich noch wohl versöhnen, die Feindschaft selbst aber nicht, die muss weggetan werden. Und der Mensch kann meinen, durch Werke Gott zu gefallen, deren Wurzel Feindschaft gegen ihn ist! Ist Sünde in uns, so ist Feindschaft gegen Gott, oder wie der Apostel, Römer 1, sagt: Hass Gottes da. Sünde ist Feindschaft gegen Gott. Und wäre sie so stark, als sie boshaft ist, sie würde Gott umbringen und sich an die Stelle setzen, oder solche scheußliche Götzen schaffen, wie die Heiden sie haben. So sieht es eigentlich um uns aus.

Lasst mich noch ein Drittes nennen, was uns von Natur heimlich beherrscht, das ist der Unglaube. Der Unglaube ist nichts als Gotteslästerung und eine der allerschwersten Sünden, denn man macht durch denselben Gott selbst, den Wahrhaftigen und Untrüglichen, zum Lügner, verhält sich gegen ihn, wie gegen einen Lügner und Betrüger. Kann aber etwas schrecklicheres und abscheulicheres erdacht werden? Man fragt: sollte Gott gesagt haben? und antwortet: mitnichten. Der Unglaube versagt den göttlichen Zeugnissen seinen Beifall und Zustimmung, den göttlichen Drohungen die Anerkennung, den Verheißungen das Vertrauen. Er tut, als wäre kein Gott, kein Wort Gottes, als verhielte es sich ganz anders wie er sagt, und als könne man sich auf nichts weniger verlassen, hoffen und vertrauen als auf ihn. So ist der Unglaube. Anders will er's nicht, aber anders kann er auch nicht. Nichts ist auch im Stande, den Unglauben auf andere Gedanken zu bringen und anders zu überzeugen. Das kann nur Gott selbst und kann es nur durch die überschwängliche Größe seiner Kraft und Wirkung seiner mächtigen Stärke. Die Erzeugung des Glaubens in der Seele ist ein offenbares Wunder, und zwar ein Wunder ähnlicher Art, wie die Auferweckung Jesu Christi von den Toten, wie Paulus Epheser 1, 19. 20 sagt. Gott hat selbst alles beschlossen unter dem Unglauben, Römer 11, 32. Er ist es also auch, der allein aufschließen kann. Alle Mittel sind ohne seine Mitwirkung vergeblich. Mag Gott selbst reden, wie er in furchtbarer Majestät von Sinai herab tat, mag Jesus Christus selbst lange Predigten halten, mögen die merkwürdigsten und gewissesten Wunder geschehen, so dass man nicht anders denken sollte, es müsse fruchten, so hilft es doch alles nicht nur nichts, sondern macht es ärger, wegen der Feindschaft des Herzens. Einen vollkommenen Glauben hat man bisher bei einem nur einen Einzigen ausgenommen je gefunden. Auch dem wirklich Gläubigen hängt doch noch stets was Unglauben an, der sich bald mehr, bald weniger zeigt, jedoch nicht mehr herrscht. Eine solche Art des Unglaubens offenbarte sich auf eine in die Augen fallende Weise an zwei Heiligen in seinen höchsten Staffeln. Des Einen wird in den Schriften des Alten, des Andern in denen des Neuen Testaments gedacht. Jener ist Hiob. Man sollte ja seinen eigenen Augen nicht trauen, wenn man seine Worte Kap. 9, 16 liest, wo sein Unglaube spricht: wenn ich ihn schon anrufe, und er mich erhört, so glaube ich doch nicht, dass er meine Stimme hört. Mit andern Worten: wenn ich die deutlichsten Beweise bekomme, dass Gott mein Flehen erhört, so finde ich doch darin kein Beweis der wirklichen Erhörung, sondern spüre eine Neigung, es eher dem Zufall oder andern Mitteln zuzuschreiben, als Gottes Wirken darin zu erkennen. Ist das nicht arg? Und Hiob sagt dies nicht klagender, missbilligender Weise, sondern er sagt: so ist es bei mir. Wenn aber Gläubige solchen Verhaltens noch wegen des übrigen Unglaubens fähig sind, was lässt sich dann von denen erwarten, bei denen der Unglaube in voller Herrschaft steht! Das andere Exempel aus den Schriften des Neuen Testaments, das ich meine: ist dasjenige des heiligen Apostels Thomas. Seine zehn Mitapostel und ohne Zweifel eben so viel Jüngerinnen gaben sich alle Mühe, ganzer acht Tage hindurch ihn zu überzeugen, Jesus sei von den Toten auferstanden, aber vergeblich. Er stellte erstaunliche Bedingungen, denn, sagt er: wenn ich nicht sehe die Nägelmale in seinen Händen und nicht lege meine Finger in die Nägelmale und nicht lege meine Hand in seine Seite, so will, so werde ich nicht glauben. Redet ein wiedergeborener Mann so, was konnte man von natürlichen Menschen erwarten; redete ein Freund so, was war von den Feinden zu hoffen, was für Beweise werden die fordern! Wie halsstarrig werden die sagen: ich will's nicht.

Unser Elend, unsere Bedürftigkeit für einen Palti, für einen Erretter, der der El, der starke Gott selbst ist, erwächst zweitens aus dem Gesetz Gottes, welches uns dasselbe verursacht und aufdeckt. Ja, wäre kein Gesetz da, so wäre unser Elend nicht halb so groß, nach dem Worte der Schrift, Römer 5, 13: Wo kein Gesetz ist, da wird die Sünde nicht angerechnet. Das Gesetz aber ist es, was die Sünde mächtiger macht, Vers 20. Ohne das Gesetz wäre die Sünde tot, und das Gebot gereicht zum Tode, 7, 10. Gottlob aber ist die Verheißung älter und gültiger als das Gesetz, das doch nur neben eingekommen ist, ohne die Verheißung schwächen oder gar aufheben zu können. Doch ich rede jetzt nicht von den Verheißungen, sondern vom Gesetz. Allerdings enthält auch das Gesetz die allerköstlichsten Verheißungen des Lebens. Aber es knüpft dieselben an eine Bedingung, welche uns unmöglich zu leisten ist. Diese Bedingung liegt in den zwei Worten: tue das. Fragt man, was denn? so liegt das Ganze in den wenigen Worten: liebe Gott über alles und deinen Nächsten als dich selbst. In diesen zwei Geboten hanget das ganze Gesetz und die Propheten. Nun aber enthält es nebenbei die alles Unheil in sich fassende Drohung: verflucht sei jedermann, der nicht bleibt in allem dem, das geschrieben steht im Buche des Gesetzes, dass er es tue. Dies Gesetz ist nun unser Unglück, weil wir allzumal Sünder, Übertreter des Gesetzes sind, und also unter dem Fluche liegen. Von dieser Sache will ich nun nicht weiter reden. Genug, haben wir keinen Palti, der einen andern Weg zum Leben bahnt, als derjenige ist, den das Gesetz zeigt: so sind und bleiben wir alle ewig verloren, und wenn wir nur in Einem Stück gefehlt hätten. Ist das denn nicht ein Elend zu nennen? Ist uns nicht ein Palti, ein solcher notwendig, der uns vom Gesetz erlöst, oder haben wir wirklich einen solchen, der uns davon erlöst hat?

Unser Elend, unser Bedürfnis für einen Retter ist groß wegen des teuflischen Einflusses, unter welchem wir stehen. Es ist wahr, unter teuflischem Einfluss stehen, lautet erschrecklich. Erschrecklich lautet die Behauptung, als ständen wir unter demselben. Dass es aber um denselben seine betrübte Richtigkeit habe, kann aus der Schrift hinlänglich bewiesen werden. Wir meinen nicht ausschließlich solche Einflüsse, wie sie sich in Begehung ungeheurer Übeltaten herausstellen, wie bei Judas, von dem es heißt: da fuhr der Satan in ihn, sondern den Einfluss meinen wir, den die bösen Geister überhaupt ausüben. Er, der Teufel, der Gott dieser Welt wie er erschrecklicherweise genannt wird- hat sein Werk in den Kindern des Unglaubens. Wer soll, wer kann dieses Werk zerstören? Er verblendet die Augen der Ungläubigen, dass sie nicht sehen das helle Licht des Evangeliums. Wer kann diese Verblendung, deren Urheber der Fürst dieser Welt ist, aufheben? Er sucht die Bekehrung in ihrem Anfange schon zu verhindern; denn kommt der Glaube aus der Predigt, die Predigt aber aus dem Worte Gottes: so ist er geschäftig, es vom Herzen wegzunehmen und den Vögeln zu vergleichen, welche den ausgestreuten Samen auslesen und fressen. Ja, auch Bekehrte und Gläubige werden gewarnt, wenn es gleich zu ihnen heißt: ihr habt den Bösewicht überwunden, so hieß es doch: Simon, Simon, der Satan hat euer begehrt, dass er euch möchte sichten wie den Weizen; so fürchtete Paulus doch für etliche, dass gleichwie die Schlange Eva betrog, also auch ihre Sinne verrücket würden von der Einfältigkeit, und die gesamte Kirche betet und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Sind wir Schafe, was gedenken wir gegen einen so mächtigen Wolf, sind wir Menschen, was gegen eine so giftige und Listige Schlange, was gedenken wir gegen diesen brüllenden Löwen auszurichten? Verloren sind wir - rein verloren wenn's der Palti, der Retter nicht tut.

Ich schließe aber, obwohl ich noch von diesem Kapitel, nämlich von unserer Bedürftigkeit für den Paltiel, für den Erretter und Erlöser einiges zu sagen hätte, nämlich teils von unserer inneren Schlafsucht, Unglauben und Unwillen, teils von der Gefahr der ewigen Verdammnis, in welcher wir stecken. Ich behalte mir dies aber auf nächstens vor, insofern ich mir etwas vorbehalten kann und darf.

Tröstliches habe ich jetzt nicht sonderlich gesagt, wiewohl es durchschimmerte. Wohl aber gehört die Erkenntnis des Gesagten zu dem ersten Stücke, was uns notwendig ist, zu dem einigen Trost im Leben und Sterben zu gelangen. Gott lasse es euch denn gründlich zu eurer Betrübnis und zu eurem Trost einsehen. Amen.

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