Krummacher, Gottfried Daniel - Die Wanderungen Israels durch die Wüste nach Kanaan - Neunundsiebzigste Predigt (Bileam).

Krummacher, Gottfried Daniel - Die Wanderungen Israels durch die Wüste nach Kanaan - Neunundsiebzigste Predigt (Bileam).

Eingang.

Die gegenwärtige gottesdienstliche Versammlung ist die letzte ordentliche in diesem Jahre. Es liegt eine natürliche Veranlassung darin, all' des Wegs zu gedenken, den der Herr unser Gott uns geführt hat, und namentlich zu bekennen: bis hierher hat uns der Herr geholfen. 1. Sam. 7, 12.

Merkwürdige Begebenheiten hat die Gemeine durchgemacht. Ein Prediger war dem Tode ganz nahe, und zwischen ihm und demselben nur ein Schritt, ja nur eine Hand breit, ja er wurde schon tot gesagt. Einer starb, nachdem er vorher ein glänzendes Amtsjubiläum gefeiert hatte. Einer, nachdem er ein Jahr beinahe sein Amt nicht hatte verwalten können wegen eines Stimmleidens, erholte sich so, dass er sich eines völligen Wohlbefindens rühmen konnte, und zog dann weg, dem Beruf an eine andere Gemeine folgend. Gegen den Jahresschluss tätigte die Gemeine eine Ergänzungswahl eurer Repräsentanten, und sogar wählte sie einen neuen Prediger, und jedes Mal entschied eine ansehnliche Stimmenmehrheit. Ist das denn nicht ein merkwürdiges Jahr, reich an wichtigen und vielen Ergebnissen? Welche wichtige Folgen werden sie haben. Mögen es lauter gesegnete sein!

Bis hierher hat uns der Herr geholfen! dass mögen insbesondere die Christen sagen. Etliche, die wir als wahre Christen kannten, sind heimgegangen, sind von dem Kampfplag abberufen und zur Ruhe kommen. Sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach. Etliche, wenn nicht so viele wie im vorigen Jahre, sind hin zugetan worden, und ist das Werk aus Gott, so wird es niemand dämpfen, sondern sie werden vollbereitet, gestärkt, gekräftigt, gegründet werden. Das erweist sich sonderlich an euch, ihr Kinder Gottes. An Gefahren hat es euch in diesem Jahre so wenig gefehlt, als an Versuchungen, und beides wohl größer an Zahl und Gewicht, als man denken sollte; denn nehmen wir nur das Eine, dass der Teufel umhergeht, wie ein brüllender Löwe, und sucht, welche er verschlinge, wo wollen wir bleiben? wir, die wir in uns selbst so schwach sind, dass wir nicht einen Augenblick bestehen können.

Dennoch stehen wir noch da, das Angesicht gegen Jerusalem gerichtet. Seine Güte ist es, dass wir nicht gar aus sind, seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende. Sie hat uns durchgeholfen, sie allein.

Worauf wollen wir's denn weiter wagen? Worauf anders, als auf den Herrn. Gleichen wir nicht dem Petrus auf dem Meer? Kein Tritt kann uns gelingen, als durch den Einen, und ein daher kommender Wind ist im Stande, uns zu erschrecken. Doch Christen sind gesichert. Lasst uns das weiter hören.

Text: 4. Buch Mosis 24, 9-13.

Er hat sich niedergelegt wie ein Löwe, und wie ein junger Löwe; wer will sich wider ihn auflehnen? Gesegnet sei, der dich segnet, und verflucht, der dir flucht. Da ergrimmte Balak im Zorn wider Bileam, und schlug die Hände zusammen, und sprach zu ihm: Ich habe dich gefordert, dass du meinen Feinden fluchen solltest; und siehe, du hast sie nun dreimal gesegnet. Und nun hebe dich an deinen Ort. Ich gedachte, ich wollte dich ehren; aber der Herr hat dir die Ehre verwehrt. Bileam antwortete ihm: Habe ich nicht auch zu deinen Boten gesagt, die du zu mir sandtest, und gesprochen: Wenn mir Balak sein Haus voll Silber und Gold gäbe, so könnte ich doch vor des Herrn Wort nicht über Böses oder Gutes zu tun, nach meinem Herzen; sondern was der Herr reden würde, das würde ich auch reden?

Wir haben hier den Schluss der dritten Weissagung und den Anfang der vierten. Bileam und der König sind dabei Hauptpersonen.

Gesegnet sei, wer dich segnet, verflucht sei, wer dir flucht, so redet Bileam und schließt mit diesen Worten seine dritte Weissagung. Wer Jemand segnet, beweist damit, dass er ihn lieb hat, sonst würde er ihn nicht segnen. Hier ist von Israel, von dem Volke Gottes die Rede. Das hat niemand lieb, als diejenigen, die zu demselben gehören. Johannes erklärt's in seiner ersten Epistel 3, 14 für ein gewisses Kennzeichen, dass Jemand vom Tode zum Leben durchgedrungen ist, wenn er die Brüder lieb hat, oder wie er Kapitel 5 sagt: Wer Gott lieb hat, der ihn geboren hat, der liebt auch den, der von ihm geboren ist. Wer einen wahren Christen deswegen lieb hat, weil er ein wahrer Christ ist, der ist unfehlbar selbst ein echter Christ in der Tat und Wahrheit. Man könnte einen echten Christen um natürlicher Eigenschaften willen lieben, weil er etwas Empfehlendes, Einnehmendes in seiner Art und Betragen hat, wie denn einige Menschen wirklich etwas Liebenswürdiges, so wie andere etwas Zurückstoßendes und Widriges, ein raues Äußere an sich haben. Man könnte einen echten Israeliten lieb haben wegen seiner Treue, wegen seiner Uneigennützigkeit, wegen Dienste, die er uns leistet. Aber dies alles wäre doch keine Bruderliebe, keine Liebe zu jemand um seines Christentums willen. Dabei könnte es geschehen und geschieht wirklich, dass es beklagt würde, dass ein sonst so angenehmer Mensch ein Christ - oder wie man lieber sagen würde ein Kopfhänger, Schwärmer, Mystiker sei; das würde man als einen großen Fehler ansehen. Ja, Christus sagt's, und die Erfahrung bestätigt es, dass um des Christentums willen, des Menschen Feinde seine eigenen Hausgenossen sind, dass Christus nicht Friede, sondern Krieg bringt, dass die früheren freundschaftlichen Verhältnisse getrübt, ja zerrissen werden, Eltern ihre Kinder hassen und verfolgen. Die echte Bruderliebe ist ganz anderer Art. Sie liebt einen wahren Christen deswegen, weil er ein wahrer Christ ist, weil sie die Spuren der Gnade und einige Züge des göttlichen Ebenbildes an ihm bemerkt, möchte man sonst auch nichts Einnehmendes und Empfehlendes, oder selbst das Gegenteil an ihm finden. Er kann sagen:

Du weißt, wie mich's oft erquicket,
Wenn ich Seelen hab' erblicket,
Die sich ganz ergeben dir.

Um diese Bruderliebe ist es ganz was eigenes, so dass Paulus sagt: Ihr seid von Gott gelehrt, euch untereinander zu lieben. Und so sagen wir mit Recht: geliebt werde, wer dich liebt, o Israel, der ist und wird sicher von Gott geliebt. Die Welt aber hasst sie.

Aus dieser Liebe fließet nun das Segnen. Da es hier von Menschen gemeint ist, so heißt es so viel als Gutes wünschen und erbitten. Und zu diesem Guten gehört mancherlei, was sich Christen untereinander wünschen und erbitten, wie denn die Fürbitte eine an genehme Christenpflicht ist. Das Irdische ist hierbei nicht die Hauptsache, wie bei den Irdischgesinnten; die kennen und begehren für sich und Andere nichts Besseres, als Gesundheit, langes und vergnügtes Leben, reichliches Auskommen und dergleichen -zwar schätzenswerte, aber doch irdische und vergängliche Dinge. An Seele und Seligkeit, an Frieden mit Gott, an wahren Glauben und dergleichen wahrhaftige und ewige, über alle Maßen wichtige Dinge und Schätze ist gar kein Gedanke noch Frage. Derjenige segnet aber Israel in rechter Weise, der ihm Vermehrung an Zahl wünschet, wünschet und betet, dass allerlei Leute in Zion geboren werden, dass dem Siegesfürsten Kinder geboren werden wie Tau aus der Morgenröte. Es sind für sie die angenehmsten Neuigkeiten, die davon handeln, dass dieser und jener zu Gott gezogen, dass er wegen seiner Sünden in Jammer und Not geraten, dass er getröstet und sehr freudig, dass er zum Glauben gelangt sei. Daran nehmen sie den innigsten und freudigsten Anteil, und solcher Neuigkeiten können sie nicht genug hören. Sie segnen Israel, indem sie die Vermehrung seiner Glieder wünschen. Ach! rief Moses, dass alles Volk dem Herrn weissagte. Sie segnen Israel, indem sie die Vermehrung seiner Glieder wünschen. Ach! rief Moses, dass alles Volk dem Herrn weissagte. Sie segnen Israel, demselben einen Reichtum von Gnadenmitteln wünschend, besonders dass ihnen das Wort der Wahrheit lauterlich und auf die rechte Weise verkündiget werde, dass Gott ganze Scharen von Evangelisten aussende in die Nähe und Ferne. Was ist ihnen außer ihrem eigenen Heil erfreulicher zu vernehmen, als dass da und dort das Licht des Evangeliums scheint und leuchtet den Hausgenossen, dass die Wahrheitsliebenden sich nicht verdrießen lassen, mehrere Stunden weit zu gehen, um erbauliche Predigten zu hören, wie das jetzt in vielen Gegenden geschieht, in Gegenden, wo das Evangelium, das tot zu sein schien, aber unerwartet wieder wie von den Toten auferstanden ist und sich solche erweckt hat, die es verkündigen, aber auch Ohren und Herzen schafft, die es vernehmen, wovon wir gar Liebliches mitteilen könnten.

Wer Israel segnet, der wünscht ihm eine reiche Fülle von Gnadengaben. Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr völlige Hoffnung habet; durch die Kraft des Heiligen Geistes ist ein solches Segnen der Gemeine wie Paulus es Römer 15, 13 ausdrückt. Und wie sind alle seine Briefe mit solchen Segenswünschen durchwebt. Dann ist es die Erleuchtung, dass Gott ihnen erleuchtete Augen gebe zu einem gewissen Verständnis, so dass sie mit allen Heiligen begreifen mögen die Höhe und die Tiefe, und die Länge und die Breite. Dann ist es die Völligkeit im Glauben, dass das Herz fest werde durch Gnade und nicht mehr gewägt und gewiegt werde durch allerlei Wind, sondern feste Tritte tue mit seinen Füßen, weil Gott das Werk des Glaubens schafft mit Kraft. Dann ist es die Liebe, von welcher er wünscht, dass dieselbe ausgegossen werde durch den Heiligen Geist in unsere Herzen, und was der Tröstungen und Ermunterungen mehr sind, womit er seine teuren Schriften salbt. In diesem Segnen offenbart sich allerlei liebliche christliche Gesinnung gegen den Mitchristen. Ist er in Leiden, so äußert sich herzliches Mitleiden, das mit den Weinenden weint und gerne tröstet, wenn es kann. Wird jemand reichlich getröstet durch Christum, so freut man sich mit dem Fröhlichen. Man umfasst in segnender Liebe die gesamte Christenheit, dass alle Glieder derselben hinan kommen zu einerlei Glauben und Erkenntnis des Sohnes Gottes, dass das Reich Christi hereinbreche mit Macht. Das Segnen geschieht mit dem Herzen und ist dem Christen gleichsam natürlich. Es geschieht mit herzlichen Worten, es geschieht durch Grüße und namentlich durch Fürbitte. Alle nun, die Israel so segnen und Jerusalem Glück wünschen, die sollen gesegnet sein und sind es, sonst würden sie solche Gesinnungen nicht haben. Der Herr will ihnen wohl. Wie lieb hat er also sein Volk, da er alles segnet, was sein Volk lieb hat. Alles, was es mit dem Herrn hält, das hält es auch mit seiner Gemeine, selbst die heiligen Engel, welche ausgesandt werden zum Dienst um derer willen, die ererben sollen die Seligkeit. Deswegen liegt auch in den Worten, die der Prophet durch göttliche Eingebung aussprechen musste, der Wille Gottes, dass alles zum Segen seines Volkes zusammenwirken muss; denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen; die Feinde selbst ihm dienen müssen. Davon ist Bileam ein redender Beweis, dessen Mund segnen muss, da er fluchen will. Es sind schon die grausamsten Verfolgungen über Christenheit ergangen, so dass man nicht anders hätte denken sollen, jeglicher würde sich hüten, sich diesem verfolgten Häuflein zuzugesellen, das rings mit Todesgefahr umgeben war. Aber da war kein Steuern an, so dass man auch sagte, das Christen-Blut sei der Same der Kirche, so dass der Christen immer mehr wurden, je grausamer man sie verfolgte. Gott erhielt dennoch am Leben, wieviel er erhalten wollte, und es ist z. B. unglaublich, dass Luther, Calvin und Andere eines natürlichen Todes starben. Aber wer kann dem schaden, den Gott schützt? So geht es auch noch. Alle, die Gott lieben, haben das köstliche Privilegium, dass ihnen, als wahrhaften Königen, alles dienen muss. Solch ein Vorrecht gilt mehr als ein Thron, der ohne dieses nichts ist und keinen Bestand hat. Und gewiss, wenn ein Bileam segnen muss, da er fluchen will, was muss denn nicht dem Volke Gottes dienstbar sein! Gewisslich alle Anfechtungen, Trübsale, Versuchungen und der Satan selber, wie denn ja dessen Engel dem Paulus zur Demut behilflich und an der Selbsterhebung hinderlich sein musste. Jener Sturm zur See, der die Jünger so in Schrecken setzte, musste ihnen doch dazu dienen, dass sie einesteils die Schwachheit ihres Glaubens desto deutlicher erkannten, andernteils auch bewundernd und anbetend ausriefen: Wer ist das, dem Wind und Meer gehorsam sind?

Gesegnet sei, wer dich, o Israel! von Herzen segnet, was Bileam freilich nicht von Herzen, sondern gezwungen tat. Aber verflucht sei, wer dir flucht. Dieser Handlungsweise liegt der Hass zum Grunde. Jesus sagt das seinen Jüngern im Voraus: Ihr müsst gehasst werden von Jedermann um meines Namens willen. Und so ist es denn auch, wie unbegreiflich auch die Ursache ist, „um meines Namens willen.“ Was tut dieser Name denn den Menschen Leides? Was gibt er ihnen für Anlass, denselben und um dessen willen auch Andere zu hassen? In diesem Namen ist ja das Heil, und ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen gegeben, darin sie könnten selig werden. Dies würde unbegreiflich sein und eine ganz unerklärbare Erscheinung, wenn wir nicht wüssten, dass die Gesinntheit des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist. Daher kommt's, dass selbst die nächsten Anverwandten demjenigen der Ihrigen gram und feind werden, ihnen alles übel deuten oder sie gar drücken und verfolgen, die von der Gnade ergriffen und verändert werden.

Aus diesem Hass entspringt es denn, dass sie Israel fluchen, das heißt, sie wünschen und gönnen ihnen alles Übel, dass sie vertilget würden vom Erdboden, - wie denn ein vornehmer Geistlicher in einer Versammlung der Geistlichkeit eines Landes seinen Amtsgenossen dazu gratulierte, dass der letzte Pietist wie er die wahren Christen nannte, weggeschafft sei, und wünschte, dass derartige Leute sich nie wieder bei ihnen einnisten möchten. Sie fluchen Israel, indem sie ihnen allerlei Schimpfnamen geben, wie Christus ihnen vorausgesagt, dass der Name Beelzebub nicht zu arg sein, um ihn selbst und seine Anhänger damit zu bezeichnen. Sie beschuldigen sie gefährlicher Lehren und eines schändlichen Lebens, und es ist ihnen willkommen, wenn einer oder der andere unter ihnen von einem wirklichen Fehltritt übereilt wird, und nach dem Einen werden alle Übrigen beurteilt. Aber wie gut ist es, dass sie alle nach dem Einen Christus beurteilt werden. Die Gnadenmittel sucht die Welt dem Christen zu verkümmern, und entzöge sie ihm wohl gern ganz, um das Widerchristliche zur völligsten Herrschaft zu bringen. Stehet irgendwo, sonderlich in Gegenden, wo man vom Worte Gottes entwöhnt und es selten geworden ist, steht da ein Mann auf, der das Evangelium mit Kraft und Erfolg predigt, so rüstet sich alles wider ihn, und es werden oft die schändlichsten Versuche gemacht, ihm den Mund zu stopfen und selbst die Obrigkeit wider ihn aufzureizen.

Kurz, stände es in der Menschen Macht, so wäre es aus mit dem Evangelium.

Das sind denn böse, gottlose Menschen, Werkzeuge des Teufels, obschon sie ihre Feindschaft gegen das wahre Christentum auf allerlei Weise schmücken und verhüllen und den Schein und das Ansehen haben wollen, dass sie nur Wahrheit und Rechtschaffenheit wollen, und die Leute seien, mit denen die Weisheit sterben würde. Der Teufel, dieser arge Widersacher des christlichen Namens, steht an der Spitze, und dass ihm nicht noch mehr gelingt, liegt nicht an ihm. Sie verschlängen uns gern lebendig, sagt der Psalmist. Aber der Herr ist unser Schutz.

Deshalb muss Bileam, der auch einer dieser gottlosen Teufelskinder war, der seinem Herzen nach Israel gern verflucht hätte, noch wider seinen Willen hinzufügen: Sie müssen verflucht sein. Ihre bösen Umtriebe gelingen ihnen doch nicht, wie listig und mächtig sie auch verfahren. Manchmal werden die ärgsten Widersacher durch die Gnade Gottes die eifrigsten Anhänger und Freunde, wie der Apostel Paulus ein in die Augen fallendes Beispiel davon ist, und wie viele offenbare Lästerer und Schmäher sind noch hinzugetan zu der Gemeine, dass sie gläubig wurden. Israel wird und muss es doch gelingen. Alles, was den Untergang der Kirche sucht, bereitet ihn nur sich selbst; das gilt auch von jedem einzelnen Christen. Sie werden schon erhalten bleiben, trotz der Anfälle, die von außen und von innen auf sie geschehen, denn sie werden nimmermehr umkommen.

Nicht wahr, dies ist eine der erstaunlichsten und wunderbarsten Geschichte im ganzen Alten Testament. Dass eine Eselin darin redet, ist bei weitem so wunderbar nicht, obschon sie von Natur stumm war, als dass ein Bileam dasjenige jagt, wovon er das Gegenteil wollte. Ein auffallenderes Exempel der kraftvollen göttlichen Regierung ist wohl schwerlich aufzufinden. Welche Ermunterung zum Vertrauen auf Gott liegt zugleich darin, dass er mächtig sei, auch aus den größten Widerwärtigkeiten zu erretten und uns die größten Vorteile daraus zu schaffen, wie er denn im Ganzen gewohnt ist, eben aus der Finsternis das Licht hervorleuchten zu lassen und den Elendesten am herrlichsten zu helfen.

Es lässt sich leicht denken, welch' einen Eindruck dies auf den König Balak machte. Könige meinen doch, ihnen müsse es gelingen, und es misslang ihm so ganz und gar, was er gegen Israel versuchte. Er ergrimmt deswegen mit grimmigem Zorn; er schlägt die Hände zusammen; er jagt den Bileam fort; er sagt wunderlicher Weise: Ich gedachte, ich wollte dich ehren, aber der Herr hat dir Ehre verwehrt. Wie kommt dieser Feind Gottes und seines Volkes dazu, so zu reden und des Herrn zu gedenken und ihm das Misslingen zuzuschreiben? So wenig hat es bei natürlichen Menschen zu bedeuten, wenn sie auch einmal religiös reden. Der König findet sich auch gar nicht bewogen, mit Gott, den er für seinen Widersacher hält, Friede zu machen, sondern sucht seinen eigenen Willen wider Gott durchzusetzen. So unverbesserlich ist der Mensch, wenn Gott nicht innerlich seinen Willen neu gebiert.

Wie jämmerlich erscheint auch Bileam. Er entschuldigt sich mit dem, was er dem Balak schon früher gesagt, dass er nicht nach seinem Herzen, nicht nach seiner Neigung reden könne, wo er Israel würde verflucht haben, dass Balak seines Herzens Lust daran würde gehört haben. Aber nun konnte er es nicht. O! gräuliches Menschenherz. Es geschehen der Gräuel genug. Aber was würde vollends daraus werden, wenn der allmächtige Gott demselben nicht einen Damm entgegen setzte, wenn der Satan ganz losgelassen würde, da er bei so ausnehmender Einsicht ein solcher Bösewicht ist. Wie ist es möglich? sollte die Eigenliebe wohl, der Wirklichkeit ungeachtet, fragen.

So gereiche das Ganze zu unserer Demütigung, in Anerkennung unserer heillosen Verderbnis, zur Förderung in der Erkenntnis der Notwendigkeit und Unentbehrlichkeit Jesu Christi im Vertrauen zu ihm. Seht die Vorteile wahrer Christen: Gesegnet sei, wer dich segnet. Amen.

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