Kögel, Rudolf - Das Vaterunser in elf Predigten ausgelegt - VII. Erste Predigt über die sechste Bitte.
Sonntag Invocavit.
Matth. 6, 13:
Führe uns nicht in Versuchung.
Die Passionszeit und die sechste Bitte des heiligen Vaterunsers hängen eng zusammen. Warnend zeigt die Leidenszeit des Herrn auf einen Petrus, er wird versucht und er fällt. Mahnend zeigt sie auf die Bewahrungsmittel der bedrohten Jünger: wacht und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt. Tröstend endlich auf den, der versucht ist allenthalben gleichwie wir, doch ohne Sünde. Musste er doch allerdings seinen Brüdern gleich werden, auf dass er barmherzig würde und ein treuer Hoherpriester vor Gott zu versöhnen die Sünden des Volks! Denn darinnen er gelitten hat und versucht ist, kann er helfen denen die versucht werden. Wie der Herzog unserer Seligkeit am Eingang seiner Laufbahn in die Wüste geführt wird, auf dass er von dem Teufel versucht und dreifach an dem Teufel zum Sieger würde über Fleisches Lust, Augenlust und hoffärtiges Wesen, allein bewahrt durch den Schild des Glaubens und durch das Schwert des göttlichen Wortes: so ist die letzte der Versuchungen voll unaussprechlichen Grauens, voll Kreuzesmarter und Verlassenheit von Gott und Menschen, machtlos an dem Reinen abgeprallt, der in der Nacht Gethsemanes von sich sagen kann: es kommt der Fürst dieser Welt und hat nichts an mir.
Auf dem Hintergrunde der Passionszeit, eingeschlossen in Mahnung, Schutz und Trost der Leiden Jesu Christi, treten wir in die Besprechung der Bitte ein, die uns nötig ist wie das tägliche Brot, soll anders jedem Tage mit der Plage der Versuchung die Durchhilfe von oben gewiss sein.
Führe uns nicht in Versuchung!
ein Seufzer und eine Bitte zugleich.
1) ein Seufzer aus einer dunklen Welt,
2) eine Bitte an einen treuen Gott.
Ach, bleib mit deinem Schutze
Bei uns, du starker Held,
Dass uns der Feind nicht trutze
Noch fäll' die böse Welt.
Amen.
1.
Wanderer, woher? Aus dem Lande der Schuld! Mit meinen Mitschuldigen bete ich die fünfte Bitte: vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unseren Schuldigern. Wanderer wohin? Täglich hinein in eine dunkle Welt. Mit meinen Mitpilgern bete ich die sechste Bitte: führe uns nicht in Versuchung!
Wo ist der Mensch, an dem diese Bitte, der an dieser Bitte keinen Teil hätte? Ein jeder Stand hat seine Lasst, - so das bekannte Lied gegen Neid und Missgunst. Dass der Reichtum und sein Gold eine Bürde sei und der leere Sack des Bettlers nicht minder, dass Glanz auf die Länge ermüdend sei und beständiges Dunkel nicht minder, dass der Mangel den Weg zu unserer Tür mit Disteln und Dornen verwachsen und unbetreten mache vom Fuße des Gastfreundes und die Fülle, zwar Leute genug anziehend, vor lauter Schmeichlern und Schmarotzern den Freund nicht hereinlasse - warum Selbstverständliches hier wiederholen und ausführen? Wie selten aber denkt man bei dem Spruch von Stand und Bürde an die Last der immer wechselnden, der immer nahen Versuchung? Kaum tritt der Arme vor seine Tür, so drängt sich die Versuchung des Neides an ihn heran: dort die stolze Wohnung, an dem zehnten Teil ihres Überflusses könnte mein Darben sich stillen! Er wendet sich zur Arbeit und wie ein Schatten schleicht der Versucher hinterdrein: „Ehrlichkeit macht nicht satt, brich lieber mit dem Eisen die Not des siebenten Gebotes, veruntreu, stiehl!“ In der Mitte seiner Kinderschaar die selbstsüchtige Verlockung: was, in die Schule sie schicken und sie könnten mitverdienen, auf die Zukunft denken während die Gegenwart drückt, ich bette sie doch nicht auf Rosen, auf ein Paar Dornen mehr oder weniger kommt's dereinst nicht an, wer hat Zeit sich überhaupt um die Zukunft zu kümmern? Im Gewühl der Menschen die gehässige Einteilung: die Einen wollen nichts von mir wissen, die Andern wollen mich missbrauchen und ausbeuten und die in gleicher Lage sind mit mir, sie lachen mich aus, wenn ich ängstlich genug bin nicht mitsündigen zu wollen. Ach, und von dem Zweifel an die Barmherzigkeit der Menschen bis zum Zweifel an die Barmherzigkeit Gottes ist nur Ein Schritt, nur Ein Schritt von der Verachtung des Nächsten bis zur Selbstverachtung! Wer steht dafür, dass Abends in der öden kalten Stube nicht der Gedanke aus dem Abgrund heraufhöhnt: morgen wieder ein Tag der Not, warum nicht selbst mit trotziger Hand all der Pein ein rasches Ziel setzen? Arme Armut, wie versuchungsreich bist du!
Wanderer, wohin? Täglich und überall in das Land der Versuchung! Ein jeder Stand hat seine Last. Der des Reichen hat gleichfalls Lasten der Versuchung genug! Das Leben sei da zum Genießen, das ist der erste falsche Sah, mit dem das goldene Kapital jedes neuen Morgens, das Kapital der verlängerten Gnadenfrist verkannt wird. Die Menschen taugen alle nichts, das ist der zweite scheinbar so richtige, im Grunde so falsche versuchliche Satz, eine Seuche die am Mittag verderbt, als zerfiele die ganze Menschheit einfach in Solche, denen man es sofort ansieht um welchen Preis sie feil sind, und in Solche, denen man es langsamer ansieht. In einer solchen Welt der Verführbarkeit, des Luges und Truges gebe es entweder überhaupt keine Wahrheit oder was dasselbe ist, sie sei nicht stark und deutlich genug um zu wirken, oder was wieder dasselbe ist, mit dem bloßen Scheine der Wahrheit erreiche man genau dieselben Wirkungen eines gewissen Wohlverhaltens und wechselseitigen Niederhaltens, das ist der dritte falsche Satz, über dem es Abend wird. Rechnest du nun noch dazu die inneren Verdunklungen und Verwüstungen, welche der Reichtum so leicht mit sich führt, das Schätzen aller Dinge, kleiner und großer, nach dem Maßstabe des Mammons, die falsche Selbstberuhigung doch hie und da Wohltaten ausgestreut zu haben, oder das heimliche Hängen am Gelde, wodurch man noch vor der Beerdigung zur Erde wird, oder den Stolz, die Üppigkeit, Blasiertheit, Abstumpfung und all die sonstigen Fallstricke und Fußangeln neben dem Geldkasten, von Dem warnend aufgedeckt, der erklärt hat „ein Reicher wird schwerlich in das Himmelreich kommen“ - dann sprich ohne Neid und ohne Schadenfreude aus innerstem Mitgefühl heraus: armer Reichtum, wie versuchungsreich bist du doch! Luther stimmt ein, wenn er sagt: „Anfechtung ist zweierlei, eine auf der linken Seite, das ist alles, was einem wehe tut. Die andere Anfechtung auf der rechten Seite, das ist alles, was wohl tut. Diese ist die allerschädlichste Anfechtung.“
Wanderer, wohin? Salomo spricht mit seinem Gott und bittet: „Armut und Reichtum gib mir nicht, lass mich aber mein bescheiden Teil Speise dahin nehmen! Ich möchte sonst, wo ich zu satt würde, verleugnen und sagen: wer ist der Herr? Oder wo ich zu arm würde, möchte ich fehlen und mich an dem Namen meines Gottes vergreifen.“ Also die Mittelstraße die goldene! Wie, hat die Mittelstraße nicht Lasst noch Versuchung? Lasst mich die Gefahren dieses Wegs in ein Wort zusammenfassen, es lautet: satte Selbstgenügsamkeit! Nirgends die Anfechtung mit Phärisäismus häufiger als hier! Etwas Genuss und etwas Arbeit, wie verständig! etwas Sparsamkeit und etwas Wohltätigkeit, wie löblich! mitgehen wo die Meisten gehen wie vorsichtig! und sich schieben lassen in der starken Meinung, dass man schiebt und bei alledem ein großes Maß der Selbstzufriedenheit für ein großes Maß von Frieden halten und die Achtung bei den Menschen mit der Gerechtigkeit verwechseln, die vor Gott gilt - o Welt, was hilft's, dass man dich auf so viel Straßen bereisen kann, wenn zuletzt jede, auch die goldene Mittelstraße, in Versuchungen ausläuft?! Und wie die Stände, so die Altersstufen, die leiblichen wie die geistlichen: die Jüngeren überwiegend bedroht vom Fleisch, die Erwachsenen von der Welt, die geistlich Erfahrenen vom Teufel! Wenn das Haus gebaut ist nach dem Grundriss der Bergpredigt, wenn dein Christentum gleichsam unter Dach und Fach gebracht ist, - nicht genug dass dann in der Tiefe die Brunnen aufbrechen, das eigene Fleisch sich empört, auf dein eigenes Herz kein Verlass ist, nicht nur dass die Winde ihr Spiel und ihre Wut versuchen, ein Bild der Welt mit den vier Orten ihrer Anfechtungen, auch der Platzregen fällt, ein Gleichnis der bösen Geister, der finsteren und gewaltigen, die in der Luft herrschen, die uns stolz machen wollen welch ein Widersinn - auf Gnade! Ist's doch als hörten wir die alte Reisebeschreibung: Gefahr in der Wüste, Gefahr auf dem Meer, Gefahr in den Städten, Gefahr unter den Mördern, Gefahr unter den Juden, Gefahr unter den Heiden, Gefahr unter den falschen Brüdern!
Noch einmal: wenn das Haus der Bergpredigt gebaut und unter Dach gebracht ist, es kann vor Nacht leicht anders werden als es am frühen Morgen war. In leuchtender Morgenfrühe ein Saul, der Liebling seines Volkes, mit der Krone Israels, mit der Gnade von oben geschmückt, des Herrn Willen und Wege suchend - am Abend seines Lebens dort auf Gilboas Höhe ein Selbstmörder, auf der gewaltsam geschlossenen Wimper Endors Grauen! Zerbrach er um seines Unglaubens willen - siehe, der du stehst durch den Glauben, mein Bruder, sei nicht stolz sondern fürchte dich! Auch du, Simon Petrus, sei nicht stolz, vermiss dich nicht: „und ob sie alle den Meister verleugnen, ich nicht“ - in selbiger Nacht noch wirst du am Kohlenfeuer des Hannas stehen und wirst von einer dreimaligen Verleugnung vor Knechten und Mägden beim Hahnenschrei bitter weinend hinausgehen. Galatergemeinde, Gemeinde von Ephesus, wie ist's gekommen, dass du die erste Liebe verlassen und dich in deinem feinen und seligen Lauf hast aufhalten lassen?! - - Dunkler, immer dunkler wird das apostolische Wort: daran ist die Liebe völlig bei uns, dass wir eine Freudigkeit haben am Tage des Gerichts, denn gleichwie Er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Aus der Tiefe dieser Welt mit ihren Nebeln und Stürmen, mit ihren Höhlen und Schlupfwinkeln, mit ihren Irrgängen und Abgründen seufzt die Gemeinde der Vaterunserbeter empor: führe uns nicht in Versuchung!
2.
Über dies dunkle Tal voll Irrgänge und Herzeleid spannt sich ein Himmel weit und blau.
Der Seufzer aus der Tiefe wird ein Gebet voll Zuversicht zum treuen und mächtigen Gott. Durch alle Ungewissheiten und Gefahren schwingt sich, trägt uns nach oben das gute Wort: Vater unser, der du bist im Himmel, führe uns nicht in Versuchung!
Wie aber, ist denn Gott ein Versucher zum Bösen? Das sei ferne! Er versucht niemand. Der Heilige prüft allein in heilsamer Absicht. Er umzäunt im Paradies den Baum des Erkenntnisses des Guten und Bösen mit seinem Verbot, nicht damit die böse Lust den Zaun doch übersteige, sondern damit der Wille in Selbstverleugnung der empfangenen Freiheit wert und eines höheren Lebens fähig werde. Er prüft den Vater der Gläubigen, ob die Liebe seines Glaubens rechter Art sei, Trübsal muss einem Abraham Geduld, Geduld Erfahrung, Erfahrung die Hoffnung bringen, die den Bund zwischen dem treuen Herrn und dem treuen Knecht nicht zu Schanden werden sondern sich umso mehr vertiefen lässt. Er prüft einen Petrus: komm zu mir her auf dem Wasser, trotz schwankender Woge und nahenden Sturmes soll der Glaube wandeln lernen. Er prüft den Anfänger im Christentum, dessen Eintritt ins Heilige und Allerheiligste er mit dem Kreuz zu bedrohen scheint, um ihn wirklich mit dem Kreuz segnend an sich zu ketten, prüft den alternden Nachfolger, der in jungen Jahren leichten Laufs dahinging, aber nun es spät geworden, seine Hände ausstrecken und fester und heißer gegürtet sich führen lassen muss, wo Fleisch und Blut nicht hinwill, damit aus inneren Begegnungen und Erlebnissen, die kein Mensch sagen kann, der Psalm laut werde: Finsternis nicht finster ist bei dir! Er prüft ein ganzes Volk wie Israel vierzig Jahre hindurch in der Wüste mit Wohltaten und mit Züchtigungen, um es zu demütigen und kundzumachen, was in seinem Herzen ist, ob es Gottes Gebot halten wolle oder nicht. Er prüft auch unser Volk unter Donner und Blitz, mit Sieg und Niederlagen, mit Mangel und Überfluss, bei Unternehmungen und Gesetzgebungen, ob es dem Zeitgeist folge oder dem Geist der Ewigkeit, damit es sich in seinem innersten Kern erkenne, erhebe oder zerstöre. Mit Selbsterkenntnis fängt auch die Erbauung eines Volkes an.
In alledem ist auf der Stelle klar: Gedanken des Friedens hat der prüfende Gott und nicht Gedanken des Leids. Ebenso klar auf dem entgegenstehenden Gebiet: Gedanken des Leids hat der, der um seines traurigen Handwerkes willen schlechthin den Namen des Versuchers führt, indem er durch Zweifel den Glauben, durch Selbstsucht die Liebe, durch Schwermut oder auch durch Leichtsinn die Hoffnung zu untergraben sucht.
Was aber nicht von vorneherein so durchsichtig ist, das ist jenes Verhältnis zwischen Gottes Treue und den Absichten Satans, die Voraussetzung, die unserer Bitte zu Grunde liegt: Gott kann allerdings in Versuchung hineinführen. Die erste Antwort lautet also: Gott ist Richter, ein Verwerfer der Verworfenen, (Röm. 1, 21. 24), der Heilige gibt die Widerstrebenden dahin in ihrer Herzen Gelüste. Wie auf der Giftstaude die Giftbeere wächst, so aus dem Schoß der bösen Lust die sich im Tode vollendende Sünde! Wehe der Welt des Ärgernisses halber. Es muss ja Ärgernis kommen. Aber wehe dem Menschen, durch welchen Ärgernis kommt! Erschüttert von diesem Wehe, durchdrungen von unserer Verantwortlichkeit, da ein Jeder von seiner eigenen Lust gereizt und gelockt wird, im Gefühl unserer Unzuverlässigkeit und Schwachheit heben wir unsere Hände bittend und flehend auf: führe uns nicht in Versuchung, übergib uns nicht verdientem Gericht, weil wir deine Langmut missbraucht, deine Gnade verachtet haben, lass uns nicht in Missglauben, Verzweiflung und andere große Schande und Laster versinken! Die andere Antwort: Gott ist ein Erzieher. Des Satans Fäuste mögen schlagen, eben dadurch wird ein Hiob befreit von seinen Schlacken, ein Paulus bewahrt vor dem Hochmut.
Nicht deine Lage sondern deine böse Lust ist der Zündstoff. Nicht dein Leiden sondern dein Unglaube ist die Gefahr. Im Kampfe hier mit den Leiden und dort mit der Lust soll die Heiligung wachsen, die Versuchbarkeit abnehmen. Im Felde wird des Ritters Mut erprobt, im Sturme, der den Wipfel fasst, die Wurzel der Eiche befestigt. Jede bestandene Versuchung wird dem Willen zur schützenden Mauer gegen die folgende. Und wenn das Vaterunser auf den Wunsch der Jünger gegeben ward: Herr lehre uns beten! - jede Versuchung ist eine Gebetslehrerin, eine Mahnerin besonders zur sechsten Bitte: führe uns nicht in Versuchung, nicht so hinein, du treuer Gott, dass wir über Vermögen versucht werden, nicht so hinein, dass du, der Helfende, Mitkämpfende, Durchrettende, draußen bleibest! Unser Wort zum Herrn, das ist die eine Waffe in der Versuchung, des Herrn Wort zu uns, das ist die andere durchschlagende Wehr! Dreimal führt der Anfänger und Vollender unseres Glaubens den Schwertstreich: es steht geschrieben! Einmal sucht auch der Versucher sich auf die Schrift zu berufen, indem er eine Stelle deutelt und herausreißt nach der Meisterschaft, die ihm im Lügen, Drehen und Heucheln eigen ist. Gemeinde des Herrn! Wer Ohren zu hören hat, der höre: wem das Wort Gottes nicht immer, nicht als Ganzes, nicht Geist aus Geist Autorität ist, wer den Trost daraus will aber nicht die Strafe, die Verheißung will, aber nicht das Gebot, den gnädigen Gott, aber nicht auch den heiligen Gott, die Auferstehung ohne Kreuz oder aber auch das Kreuz ohne Auferstehung, der spielt und spottet unehrlich des Wortes, er sehe noch so ehrbar dabei aus. Halbheit aber macht schwach und Unehrlichkeit tötet! Raunt dir die Mutlosigkeit zu: gib den Kampf auf, wird der ganzen Gemeinde Christi zu verstehen gegeben: das Wort Gottes habe seine Kraft verloren und das Reich Gottes stehe seit einiger Zeit still - mir nach spricht Christus, unser Held!
Die dritte Handreichung über den Inhalt unserer Bitte ist diese: Gott ist der Herr und keiner mehr und wenn die Sterne und wenn die Engel ihn preisen, dreimal gepriesen sei sein großer Name um des willen, dass nicht das eiserne Zepter sondern das zerstoßene Nohr das Wahrzeichen seines Reiches ist, dass der Weibessame in der Schwachheit des Versuchtseins dem Drachen den Kopf zertritt, der in der Gestalt des sündlichen Fleisches gekreuzigte Menschensohn den Starken bezwingt und den Raub ihm abnimmt. Aus Rechts- und Reichsgründen der Unparteilichkeit und der Sühne ist Jesu Prüfung notwendig gewesen sowohl für ihn selbst, um als reines Haupt des Sichtbaren und Unsichtbaren erhöht werden zu können, als auch für uns, um als Mittler, Erlöser, Hoherpriester vollendet und gekrönt dazustehen. Ihm ist's freilich versagt, den Stein in Brot zu wandeln, doch sein Gehorsam nimmt Gottes Willen sich zur süßen Speise. Ihm ist der Flug von der Tempelzinne versagt, doch dafür darf er von den Zinnen des Kreuzes herab die verschmachtende Welt erlösen. Unmöglich ist's, dass seine heiligen Zwecke mit finsteren Mitteln sich vermischen und trüben, aber ebenso unmöglich, dass nicht die Engel kommen und dem Propheten aus goldenen Eimern ihre Wunderdienste und dem Priester in Gethsemane den Kelch zur Stärkung reichen sollten. Mir nach, spricht Christus unser Held!
Und ob wir von Teufel, Fleisch und Welt angefochten würden, lass uns, getreuer Gott, doch endlich gewinnen und das Feld behalten durch Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken, als die Gezüchtigten und doch nicht ertötet, als die Traurigen aber allzeit fröhlich, als die Sterbenden und siehe wir leben, denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.
Amen.