Kögel, Rudolf - Das Vaterunser in elf Predigten ausgelegt - II. Erste Bitte.
(Am Jahresfest der Preußischen Bibelgesellschaft gehalten).
Matth. 6, 9:
Unser Vater in dem Himmel, dein Name werde geheiligt!
Kein Gottesdienst, der des Namens wert wäre, bei dem uns nicht der Herr unser Gott mit seinem Worte diente. Keine evangelische Predigt, die nicht von der Heiligen Schrift ausginge und zur Heiligen Schrift einlüde. Die gegenwärtige Versammlung aber, ihr Festgenossen, ist in eigentümlichem Sinne ein Ruf zur Bibel, gilt es doch die Jahresfeier einer Bibelgesellschaft! -
Und abermals kein Gottesdienst, meine Freunde, bei dem uns nicht das Vaterunser seine treue, starke Handreichung täte. Lässt nun aus dem Gebet des Herrn überhaupt Engverbundenes sich teilen und verteilen, so ist die zweite Bitte „dein Reich komme!“ besonders mit dem Werk der Mission, die erste Bitte „geheiligt werde dein Name!“ mit der Sache der Bibelverbreitung verwandt.
Denken wir in dieser Stunde dem Verhältnis nach, in welchem die erste Vaterunserbitte mit der Gabe der Heiligen Schrift steht.
Die erste Bitte lehrt uns
1) danken für die Offenbarung des göttlichen Namens,
2) eine Selbstprüfung anstellen über unsere Vertiefung in die Heilige Schrift,
3) wachen über die lautere und laute Predigt des göttlichen Wortes.
Heiliger Vater, heilige uns in deiner Wahrheit, dein Wort ist die Wahrheit.
Amen.
1.
Gemeinde des Herrn, welches ist denn der Name Gottes, von dem die erste Bitte spricht? Er, der Ewige droben, der aller Dinge Grund ist, wie, ist er nicht eben darum unergründlich? Der alle Dinge begreift, ist der nicht selber unbegreiflich? Der das Größte und das Kleinste kennt und bei Namen nennt, ist der für stammelnde Lippen nennbar? Wie, den sollte man fangen und spannen können in den kleinen Ring eines Namens, den aller Himmel Himmel nicht fassen?! Wo ist der Spiegel, der alle strahlenden Eigenschaften Gottes in den Brennpunkt Eines Namens sammelt?! Solche Gefühle und Erwägungen werfen in den Staub. Gleichwohl ist es nur eine scheinbare demütige Sprache, die jeden Namen Gottes zurückweist, jede Offenbarung geringschätzt als unzureichend, ja als unwürdig der göttlichen Größe und als unvereinbar mit der Innerlichkeit der Religion. Vornehm abwehrend, versteckt leugnend, heißt es da: wer darf ihn nennen und wer bekennen, ich glaub' ihn!? Wer empfinden und sich unterwinden zu sagen: „Ich glaub' ihn nicht!? Gefühl ist alles. Name ist Schall und Rauch, umnebelnd Himmelsglut!“ Wie widerspruchsvoll eine solche Sprache im Munde Jener, deren drittes Wort sonst Erkenntnis! Erkenntnis! ist und die hier so unbestimmt, so erkenntnislos wie möglich loszukommen wünschen! Und eine Verwechselung der übelsten Art ist's denn doch zwischen nicht völlig und gar nicht erkennen! Der Spiegel, der in einem dunklen Wort uns das Ewige und Jenseitige zeigt, lässt wenigstens ein stückweises Erkennen zu.
So wiederholen wir denn unsere anfänglichen Fragen in entgegengesetzter Richtung: wie, der Ewige sollte die Sterne heraufführen und sie alle bei Namen rufen, Er selbst aber seinen Geschöpfen ungenannt und unbekannt in schweigender Einsamkeit verharren? Und der einst als Schöpfer und Herrscher aller Dinge die Tiere vor den Menschen brachte, damit der Mensch, der denkende, erkennende, redende, die stumme Kreatur mit Namen nenne und zum Zeichen seiner Herrscherwürde zu sich rufe, Er, der Vater der Geister, sollte weder den Menschen gerufen haben noch sich haben rufen lassen von dem Menschen? Gott ist die Liebe, was heißt das anders als: Gott offenbart sich, teilt sich mit, schließt einen Bund. Auf einer Insel mitten im Völkermeer wirft er seinen Anker. Ein Gott der Ordnung und der Geschichte offenbart er sich erst im Kleinen dem einzelnen Manne, dann dem Volke seiner Wahl. Gott ist in Juda bekannt, in Israel ist sein Name herrlich! Aus Psalmen und Gesetzen und Prophetenrollen baut er neben dem steinernen Tempel einen größeren auf, der über Land und Meer wächst. Und während die Heiden mit zagenden Händen und zweifelnden Herzen ihre Altäre teils den hundert Göttern teils einem unbekannten Gotte bauen, bezeichnet in Israel der Name „Jehovah“ die Bundestreue des Einen offenbar gewordenen Gottes.
Wo Gott sich offenbart, da ist sein Name. In dunklen Hieroglyphen zeigt ihn die Natur. Keiner der heiligen Sänger könnte vergleichen und rufen: Herr, du bist Sonne, bist Fels, wäre nicht in allen Geschöpfen ein Strahl des Angesichtes Gottes, eine Spur seiner Hand, ein Zug seines Namens! Ungleich deutlicher wird sein Name in der Heilige Schrift. Sie nennt ihn heilig, heilig, heilig, nennt ihn den, der da war, ist und kommt, nennt ihn Licht, Leben, Liebe, mit jedem einzelnen Namen eine besondere Seite des göttlichen Wesens bezeichnend. Indem die heilige Geschichte den Herrn einen Gott Abrahams, Isaaks, Jakobs, also den Heiligen im Himmel nach den Geheiligten auf Erden nennt und Sterbliche in die Titulatur der ewigen Majestät setzt, erinnert sie zugleich an die plan- und zusammenhangsvoll fortschreitende Reihe der Offenbarungen. Im Neuen Testament sind es nicht mehr die Erzväter, die Gottes Bundestreue bezeugen. Hier ist es der Vater unseres Herrn Jesu Christi, der Vatername, der durch alle Briefe der Apostel, durch alle Jahrhunderte der Kirchengeschichte, durch alle Vaterunser der Gläubigen geht. Wenn nun aber der Sohn Gottes auf Erden einerseits mit dem Auftrag erscheint, den Namen des Vaters den Menschen zu offenbaren und an ihnen zu verklären, andererseits selbst mit dem Namen bekleidet, der über alle Namen ist, so dass in keinem anderen Namen Heil und Seligkeit zu finden ist, so führt uns an Zweigötterei und Abgötterei die Heilige Schrift selbst vorbei, wenn sie verkündigt: in dem Engel des Angesichts an der Spitze des wandernden Israels war der Name des Herrn und in dem Fleischgewordenen Wort wohnt die Fülle der Gottheit leibhaftig, wer den Sohn sieht, sieht den Vater, wer den Sohn nicht hat, hat auch den Vater nicht.
So an sich unnahbar und doch nahe geworden in dem Angesicht voller Gnade und Wahrheit, so unerforschlich in seinem Wesen und doch von Thomas Händen betastet, unendlich erhaben über die Wege der Sünder und doch am Kreuz, in der Schrift, im Sakrament so ganz der Unsere - so preisen wir Ihn und loben: geheiligt werde dein Name!
2.
Wir wissen, was wir in der ersten Bitte beten. Wollen wir auch, was wir wissen? Heiligen wir bei unserem Verkehr mit der Heiligen Schrift Gottes Namen? Die erste Bitte heißt uns der Schrift gegenüber eine erste Selbstprüfung anstellen!
Liest du überhaupt die Heilige Schrift? Das ist der Anfang der Heiligung des göttlichen Namens, dass du das Heiligtum der Heiligen Schrift oft betrittst. Weise aus den Heiden und Könige aus Israel haben hören wollen, was du in diesem Heiligtum hören kannst, und haben es nicht gehört. Ihre Sehnsucht wird deine Gleichgültigkeit verklagen am Tage des Gerichts. Meilenweit ziehen noch heut, wo das Frührot des Evangeliums auf neue Missionsstationen niederglänzt, die Suchenden dem Klange der Schrift nach, - dir ist in deiner Stube der Gang bis zur Bibel, dir ist die Zucht der unverrückten Innehaltung einer täglichen Hausandacht zu viel! Wahrlich, die Inseln der Südsee werden auftreten wider solch ein sattes Geschlecht. Die Reformatoren haben es sich Fleiß und Schweiß kosten lassen, um die Bibel in unsere Volkssprache zu übertragen, die Märtyrer haben Gut und Blut daran gesetzt, um die Heilige Schrift unverkümmert in die Hände ihrer Nachkommen zu bringen was sage ich, mit dem Blut Jesu selbst ist die Bibel besprengt und bezahlt, und du was lässt du dir den Gebrauch deiner Bibel kosten? Ein Schulbuch für Kinder, ein Ehrengeschenk für Erinnerungstage, ein aus dem Staub hervorgeholtes Buch für Trauer- oder für hohe Feiertage - ist dies Alles? Ist dies Grund genug, dich gegen die Katholiken des Vorrechts freien Bibelgebrauches zu rühmen? ist dies die Erbschaft der Reformation? dies die Erfüllung des Gebotes „sucht in der Schrift“, die Erfüllung des Gebetes „Vater, geheiligt werde dein Name?“!
Ich lese, sprichst du, regelmäßig Morgens und Abends in der Heiligen Schrift. Verstehst du auch was du liest? Seinen Jüngern hat der Herr einst die Weisung gegeben: was ich euch ins Ohr sage, das predigt von den Dächern! Im Verborgenen ruht jede Wurzel, im Verborgenen entspringt einer Seele göttliches Leben über ihrer Berührung mit der Heiligen Schrift, genauer, über ihrer Berührung mit dem Heiligen Geiste. Der die Schrift gegeben, wird sie auch auszulegen wissen. Es bedarf keiner Gelehrsamkeit, es bedarf keiner Wallfahrt nach Rom, es bedarf keines neu zu erfindenden Dogmas über Fehlbarkeit der Menschen und Unfehlbarkeit des Papstes, um in der Schrift heimisch zu werden, es bedarf nur der sorgenden Frage: was soll ich tun, dass ich selig werde? es bedarf der Bitte um den Heiligen Geist, dass der uns das Eine Wort ins Ohr sage, das in der Schrift geschrieben steht: Abba, Vater! Auf Grund der großen Taten Gottes, die uns im Wort verbürgt sind, gibt der Heilige Geist Zeugnis unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Die Heilige Schrift will gelesen, gelernt und gelobt sein, gewiss vor allem aber will sie geliebt und erlebt sein, erlebt unter dem Gebetsruf: Abba, Vater! Erlebt wie einst den Emmausjüngern, wie einer Lydia und unzähligen Anderen mit der Schrift auch die Herzen geöffnet wurden, dass sie brannten in der Freude kindlicher Liebe: geheiligt werde dein Name!
Sintemal du aber den zum Vater anrufst - so erinnert Petrus der ohne Ansehen der Person richtet, so vergiss bei dem Lesen nicht, dass Gottes Name heilig, dass die Heilige Schrift ein Tempel ist, in dem das „heilig, heilig, heilig“ der Seraphim nie verstummt, damit die Ehrfurcht der Menschen antworte: nicht mir, nicht mir, sondern deinem Namen gib Ehre! Niederknieen soll die Andacht mit dem Gewärtigsein: rede, Herr, dein Knecht hört! Kindliche Ehrfurcht dem großen Vaternamen gegenüber wird sich bei der Vertiefung in die Schrift zweifach aussprechen. Einmal durch das unbedingte Vertrauen: was der Vater redet, ist recht; seine Aufforderungen zum Gebet, seine Friedensgedanken und Heilsverheißungen können nicht lügen, auch mich will er auf rechter Straße leiten um seines Namens willen, auch ich will harren auf seinen heiligen Namen, denn all seine Heiligen haben Freude daran! Sodann weil Jesus preist: ich habe deinen Namen gegeben den Menschen, die du mir von der Welt gegeben hast, so musst du zur Heiligung des göttlichen Namens, zum Verständnis der Schrift von der Weltliebe ausgehen, von dem Fleischessinn, von der Selbstvergötterung, von der Heuchelei, von der Ekel- und Mäkelsucht der Sadduzäer und Pharisäer, musst dich den Anforderungen der Heiligen Schrift zur Buße unbedingt unterwerfen, willst anders du die erste Bitte mit gutem Gewissen beten. Es hat schon mancher Geistliche gedacht, die Stelle „haben wir nicht in deinem Namen geweissagt“ mit der Antwort „ich habe euch noch nie erkannt“ würde besser gestrichen, sie sei allzu ängstigend, - bis diese unerbittliche Androhung den Erschreckten aus dem Gebiet des tönenden Erzes und des falschen Friedens in das Reich der Liebe Jesu trieb. Es hat schon mancher Begüterte sich aus der Schrift das Wort hinweggewünscht: ein Reicher wird schwerlich in das Himmelreich kommen, - das ist gewiss, kommt ein Reicher droben selig im Himmel an, er wird es vorzüglich dem Stachel danken, den eben dieses warnende Wort ihm so rückhaltlos ins Herz geworfen. Und alles was die Schrift ähnliches enthält von harter Rede, von Ärgernis der Wunder, von Torheit des Kreuzes: der schwere Punkt, wie man treffend gesagt, er gerade ist der Schwerpunkt auf den es ankommt, von dem alles Andere abhängt, woran der Gehorsam, die kindliche Ehrfurcht ihre Probe, das Vertrauen seine Verheißung und seinen Lohn hat.
Wir bitten
3.
sagt der Katechismus von der ersten Bitte in diesem Gebet, dass der Name Gottes auch bei uns heilig werde. Wie geschieht das? Wenn das Wort Gottes lauter und rein gelehrt wird. So geloben wir denn in der ersten Bitte, über der lauteren und lauten Predigt des göttlichen Wortes zu wachen.
Das Wort sie sollen lassen stahn, die Leute in Rom, die den Brief an die Römer nicht kennen und das Schiedsrichteramt der Heiligen Schrift in einer neuen Menschensatzung ganz und für immer untergehen lassen wollen. Das Wort sie sollen lassen stahn, die Schwarmgeister in unserer eigenen Kirche, die in Glaubenssachen das Ja und das Nein für gleichbedeutend erklären, als ob - völlig entgegen den Anfängen und Anschauungen der Reformation - die Lehre für das Leben bedeutungslos wäre. Das Wort sie sollen lassen stahn, sie alle, die der Mahnung vergessen: werdet nicht der Menschen Knechte, die mit allerlei Menschennamen bald eines Luthers, bald eines Schleiermachers, den Namen binden und beeinträchtigen wollen, der über alle Namen ist, während doch es sei Paulus oder Apollo, es sei Kephas oder die Welt, es sei das Leben oder der Tod, alles unser ist, sobald wir Christi sind und in seinem Namen demütig und mutig beten: geheiligt werde dein Name!
Wir geloben für die Ausbreitung des Wortes Gottes einzustehen. Nicht das ist die rechte Bekenntnistreue, die auswendig lernt, nachspricht, wiederholt, uns aus dem, was andere erfahren, ein neues Gesetz aufrichtet. Es ist nicht sein Tagelöhner werden, während man im Hause Kind sein kann, sein soll. Zum Bekennen gehört Erleben im Innern, Gefahr draußen und für die Schmach Christi ein wagendes, ein um die Seelen werbendes Opfer! In diesem Sinne gilt die Verheißung unseres Heilandes: wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich bekennen vor meinem himmlischen Vater. Mit der ersten Bitte umringen wir jedes Haus, damit Vater und Mutter ihren Kindern treu die Milch des göttlichen Wortes spenden; umringen die Konfirmandensäle, damit darinnen die Wahrheit, die Herrlichkeit und Macht der Katechismuseinfalt walte; umringen jede Kanzel, damit Unglaube und Aberglaube verstummen, Menschengunst und Kunst der Kraft Gottes weiche, jeder Knecht Gottes unangehalten durch Schimpf und Verleumdung sein Amt treulich ausrichte und der wechselseitige Gruß zwischen dem Geistlichen und der Gemeinde: „der Herr sei mit euch und mit deinem Geiste“ eine Tat und eine Wahrheit sei; umringen segnend die Tätigkeit jedes christlichen Vereins, dass er dem Namen Gottes diene und nichts Eigenes suche; umringen endlich unsere ganze Kirche, dass nicht die Anmaßung des Stuhles Petri, nicht die Übereinkunft der Parteien, nicht die Stimmung und Abstimmung der Menge, sondern in der Aussendung immer neuer Arbeiter, in der Mannigfaltigkeit feuriger Zungen Gottes Wort allein auf dem Plane sei. Dies Alles ist beschlossen in der ernstlich gebeteten, kurz in der gebeteten Bitte: Vaterunser, der du bist im Himmel, geheiligt werde deine Name!
Die Heiligung dieses Namens fordert und fördert die Heiligung unseres Wandels. Heiligkeit ist die Zierde und das Kennzeichen des Hauses Gottes. Es trete ab von der Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi und durch ihn Gott seinen Vater nennt, damit ihn nicht die Frage treffe: bin ich dein Vater, wo ist meine Ehre? und damit ihn nicht die Klage verzehre: deinethalben wird der Name Gottes unter den Kindern der Welt verlästert! Dem, der es missachtet, missbraucht, wird das Wort Gottes ein zweischneidiges Schwert. Das fühlt der Jüngling wohl, der von der Kindheit und der Konfirmation an sich fort und fort unter dem mütterlichen Auge der Heiligen Schrift gehalten und rechtschaffen geführt und daraus seinen Morgen- und seinen Abendsegen geschöpft hat, dem plötzlich die Bibel mit ihrer alten, treuen und trauten Nähe unbequem wird o welch unsaubere Geister müssen in die Seele des Betrogenen eingezogen sein, wenn die Bibel sich nun in den äußersten Hintergrund, zuletzt, weil sie auch da noch störte, ganz aus dem Zimmer verliert, ein Gast der hinausgewiesen wird, weil er nicht aufhörte zu fragen: kannst, darfst du noch dein Vaterunser beten mit der Bitte: geheiligt werde dein Name!?
Eben darum prägen wir uns an diesem Abend aufs Neue die Regel ein: kein besseres Mittel für die Verbreitung der Schrift als ein lauterer und unanstößiger Wandel. Alle übrigen Beweise für die Wahrheit des Christentums verachtet die Welt, gegen diesen Einen kann sie sich wohl verhärten, aber verachten kann sie ihn nicht! Die Briefe der Apostel mag sie ungelesen lassen, - in dem Wandel erneuerter und geheiligter Menschenseelen findet sie dieselben, von Gottes Geiste geschrieben, unausweichbar und unverkennbar wieder, wie es weiland Paulus seinen Korinthern nachgerühmt! Und welche der alten Bibelgesellschaften uns vor Augen trete, ob jene des ersten Konzils zu Jerusalem, ob jene Augustins und seiner Freunde bei Mailand, ob jene der Waldenser, wenn sie, in ihren Händen die Bibel und hinter sich den Bannspruch, in die Täler und in ein frommes Leben flüchteten, ob die Bibelgesellschaft der Reformatoren in Wittenberg, ob die der Franckeschen Bibelcollegien in Leipzig oder die der nach Herrnhut und in die Heidenlande übersiedelnden mährischen Brüder - immer sind die lebendigen Glieder der Gemeinde Gottes als eine große Bibelgesellschaft durch den Gewissens- und Ewigkeitsernst eines frommen Wandels unwiderlegliche Prediger des göttlichen Namens, bußfertige, gläubige Beter der Bitte gewesen: geheiligt werde dein Name!
Teure Festgenossen! lasst uns die erste Bitte beten lernen! Gott, Heiliger Geist, lehre uns beten: geheiligt werde dein Name!
Amen.