Kögel, Rudolf - Das Vaterunser in elf Predigten ausgelegt - I. - Die Anrede im heiligen Vaterunser
verbunden mit dem Apostolischen Gruß.
Am 1. Adventsonntag.
Matth. 6, 9:
Unser Vater in dem Himmel, dein Name werde geheiligt.
2. Kor. 13, 13;
Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch Allen! Amen.
Die Bundeslade, über deren Cherubim die Gnadengegenwart Gottes thront, soll unter David nach Jerusalem gebracht worden. Die alten grauen Burgpforten auf Zion, durch die schon mancher königliche Held der Jebusiter eingezogen, sind zu niedrig, um den König der Könige würdig zu empfangen. „Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe!“ so ruft die Priesterschar, welche das Heiligtum der Bundeslade trägt. Und der am Tor den Zug erwartende Chor fragt, nicht in Unwissenheit, sondern in anbetungsvoller Verwunderung: wer ist der König der Ehren? siehe und er empfängt die Antwort: es ist der Herr Zebaoth, stark und mächtig im Streit!
Die Pforte des Kirchenjahres öffnet sich. Die Gemeinde Jesu Christi, den König der Könige in ihrer Mitte, will einziehen wie weiland unter Palmen und Psalmen in Jerusalem. Ihr begegnet ein doppeltes Wort: die Anrede des Vaterunsers und der apostolische Segensgruß. Mit jener Anrede öffnet uns Jesus den Himmel, mit diesem Gruß unser Herz. Mache die Tore weit, du Gott aller Gnade, dass unser keiner aus deinem Himmel ausgeschlossen werde und dahinten bleibe, so begehrt mit seinem ersten Seufzer das Vaterunser. Macht die Tore weit, ihr Kinder Gottes, damit nicht Gott der Herr aus eurem Herzen ausgeschlossen werde, so wünscht und fordert der apostolische Gruß. Vom apostolischen Gruß und heiligen Vaterunser ist jede Predigt eingeschlossen; mag die erste im Kirchenjahr mit der Betrachtung dieses uns ebenso bekannten wie teuren Doppeltextes die Adventsschwelle weihen!
Die Anrede im Vaterunser und der apostolische Gruß fordern gemeinsam auf:
Macht die Tore weit, dass der König der Ehren einziehe.
1) In den Himmel hinauf weist die Anrede: macht die Tore weit für die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, die vom Himmel ist und in den Himmel bringt!
2) Zum rechten Vater führt die Anrede: macht die Tore weit für die Liebe Gottes!
3) Mit dem „unser“ Vater sagt drittens die Anrede: macht die Tore weit für die Gemeinschaft des Heiligen Geistes!
Vater unseres Herrn Jesu Christi, du Aufgang aus der Höhe, führe uns alle aus der Tiefe in die Höhe, aus der Enge in die Weite um deiner Wahrheit und Erbarmung willen. Amen.
1.
Macht die Tore eures Herzens hoch und weit! Die Anrede im Vaterunser erhebt euch, indem sie euch ausblicken und sagen lässt „der du bist im Himmel!“
Im Himmel! Heiliger Ort unnahbaren Lichtes für den staubbedeckten Fuß, für das irdische Auge, für die schnell versengende und versagende Schwinge menschlicher Vorstellungskraft! Und doch, mit der Menschenstirn trage ich meine Gedanken, trage mit dem verlangenden Herzen meine Sehnsucht nach oben! So zog's mich hinauf als ich Kind war und die Hände faltete: lieber Gott, mach' mich fromm, dass ich in den Himmel komm'! Dies dunkle Wort meiner Sehnsucht - ich legte es nicht ab, seit ich ein Mann ward. Und wenn das Alter den Rücken beugt, ungebeugt, wem anders das Herz seiner Kindheit noch oder wieder schlägt, bleibt der Wunsch: selig werden! ach in den Himmel kommen!
Vom Himmel, von Gottes Herzen scheidet uns die Sünde, der verweltlichte fleischliche Sinn, die Selbstsucht! Unser Gewissen sagt es uns, zumal in Zeiten der Not, unsre Selbstprüfung sagt es uns an jedem Abend, wenn sie gründlich genug ist, die Erfahrung an unseren Kindern und die in der Erziehung liegenden Mahnungen bezeugen es mit, Johannes der Täufer und die Adventszeit als Bußzeit und endlich das rechte Verständnis der Todesbotschaft sagt es uns: nicht Fehler und Mängel nur, die Sünde hält uns den Himmel verschlossen! Aber wie? Lassen wirklich die Cherubim und Seraphim, lässt wirklich das Lied im höheren Chor, das dreimal Heilig das Erbarmen Gottes nicht zu uns herab? Und wenn unsere Hand zu schwach, zu unrein ist, die Himmelsleiter aufzurichten ist denn Gott der Herr, um die Jakobsleiter aus dem Traum in Wirklichkeit umzuschaffen, zu fern, zu ohnmächtig?
Sind nicht von Anfang an im Menschengeschlecht goldene Kunden, in der Heidenwelt freilich immer schwächer, in Israel immer deutlicher ertönend, von einer Versöhnung zwischen Himmel und Erde erklungen? Wenn der eine Psalmist ruft: ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab, ist nicht die Aufforderung des anderen Psalmisten bereits Ankündigung der Erfüllung: macht die Tore weit und die Türen der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe! Das Neue Testament spricht: macht die Tore weit für die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, der sich vom Himmel herablässt, Gottes eingeborener Sohn, und in den Himmel bringt, der einige Mittler zwischen Gott und den Menschen, Er der Fürsprecher der Sünder, der Welt Heiland!
Macht die Tore weit, so erinnert das ganze Kirchenjahr, indem ein Fest es dem anderen sagt und eine Tat Gottes der anderen es kundtut. Zeigt nicht die Adventszeit, wie Gott der Herr zwar die Paradiesespforte zuschließen muss, wie er zugleich aber mit der ersten Verheißung vom siegenden Jungfrauensohne den Schlüssel darreicht? Öffnet sich nicht zu Weihnachten über den Fluren von Bethlehem jauchzend der Himmel mit dem Liede der Höhe, der Tiefe und der Weite: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Tut in der Epiphanienzeit der Himmel sich nicht abermals weit auf, wenn Jesus im Jordan getauft und geweiht wird? Quillt nicht am Karfreitag vom Kreuzesstamme auf den Acker des Fluches und Todes mit dem Blut Jesu die Vergebung unserer Sünden? Sprengt nicht zu Ostern die Hand des Gekreuzigten die enge Grabeskluft und macht den Ort der Verwesung zu einem Vorhof des Himmels? Weitet sich nicht bis an die Enden der Erde der Blick, wenn der Auferstandene am Himmelfahrtstage der Kreuzesbotschaft seiner Apostel alle Reiche der Welt zu Füßen legt? Und wenn zu Pfingsten der Heilige Geist kommt, leitet er nicht in alle Wahrheit? Siehst du die Sterne? Kannst du sie zählen? Also die Gnade Jesu Christi! O wie weit, o wie breit über Tal und Hügel schwingt sie ihre Flügel!
Macht die Tore weit für die Gnade Jesu Christi! Des einzelnen Christen Lebensgang soll nichts anders sein als ein beständiger Einzug des Herrn vom Himmel in die immer weiteren, immer höheren Tore des Herzens! Du mein Bruder, wie einst über den Wassern Noahs, so hat der Friedensbogen der Gnade Jesu Christi hoch und weit über dem gnadenreichen Wasser deiner Taufe sich gewölbt. Und als du fragen lerntest: Meister, wo bist du zur Herberge? Da hat die Gnade dir den hohen, feierlichen Saal gezeigt, in dem mit heilsbegierigen Sündern das Abendmahl gehalten wird. Auf dieselbe Frage hat dieselbe Gnade dir die Heilige Schrift aufgeschlagen und sie dir erklärt und verklärt als eines großen Königs Stadt. Auf dieselbe Frage hat dieselbe Gnade die seligmachende Antwort gegeben: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum, aber ich wohne auch bei denen, die zerschlagenen Gemütes sind! Sagt der Tochter Zion: siehe dein König kommt zu dir sanftmütig! Und wenn du in der Gnade das walte Gott - stehst und stirbst, dann singst du mit Stephanus zum Schluss: ich sehe den Himmel offen und des Menschen Sohn zur Rechten Gottes stehen!
Macht die Tore weit für die Gnade Jesu Christi! Meint ihr in falscher Weitherzigkeit, die enge Pforte müsse zerstört, der schmale Weg breit gemacht werden, - so breit bis er in den Abgrund und in die Hölle führt? Da sei Gott vor! So gewiss vor Jesu des Täufers ernste Gestalt, so gewiss unter dem weihnachtlichen Liede eine arme Krippe, ein niederer Stall, so gewiss vor dem gesprengten Grabe das dunkle Kreuz, so gewiss in dem Wasser der Taufe die Aufforderung, den alten Adam mit seinen Lüsten und Begierden zu ersäufen, so gewiss vor dem heiligen Abendmahl die Bedingung der Beichte und am Eingang des Kirchenjahrs die Epistel steht: die Nacht ist vergangen, so lasst uns ablegen die Werke der Finsternis: so gewiss enthält der Zuruf: macht die Tore weit für die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, den anderen: geht ein durch die enge Pforte! Kein Christentum ohne Buße! Kein Glaube ohne Bekehrung! Keine Gnade ohne Zöllnergefühl! Durch die Gnade erlöst, das heißt durch den guten Willen der Gnade gebunden! Durch die Gnade erhöht, das heißt unter die Gnade tief gebeugt! Durch die Gnade ein enges Gewissen, durch die Gnade ein weites Herz! Kein offener Himmel ohne offenes Herz! Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sei mit Euch Allen!
2.
Die Anrede im Gebet des Herrn führt zum rechten Vater, wohlan macht die Tore weit für die Liebe Gottes!
Darinnen steht die Liebe, nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass Er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsere Sünden. Nimand kommt zum Vater denn durch den Sohn. Wie ihr zum Sohn steht, der offenbar gewordenen Liebe, so steht ihr auch zum Vater, der ihn gesandt hat. Zu Gott „Vater“ zu sagen soll kein Raub sein, den etwa Geblüt und Fleisch und eigener Wahn und Willen an sich risse, sondern eine Macht weihnachtlich denen gegeben, die den eingeborenen Sohn vom Vater aufnehmen und dadurch Gottes Kinder werden, eine Macht der Wiedergeburt! Schon das Alte Testament ahnt: wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die so ihn fürchten. Schon im Alten Testament bricht dem heiligen Gott das väterliche Herz: ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und mein trautes Kind? Jesus, der dem Herzen des himmlischen Vaters entsprossen, der also wissen muss, wie man am sichersten das Herz dieses Vaters erreicht, Jesus hat uns den Vater, hat uns das Vaterunser gegeben. Und der in die Herzen der Gläubigen gesandte Geist des Sohnes ruft gleichfalls immer nur dies eine Wort: „Abba, Vater!“ An diesem süßen Gebetswort üben sich die Lippen des unmündigen Kindes. Dies Wort ist und bleibt das Hauptkleinod in dem Brautschatz, den Christus seiner Kirche mitgibt. Mit dem Wiedergebrauch dieses Wortes ist der Wendepunkt im Leben des verlorenen Sohnes bezeichnet. Über dies Wort fliegt auch die gefördertste, gewaltigste christliche Erkenntnis nicht hinweg. Mit diesem Wort befiehlt der selig Sterbende seinen Geist in Gottes Hände. Luther hat es uns Allen in der Kinderlehre, wahrlich aber nicht bloß für die Zeit der Kinderlehre eingeprägt: Gott will uns mit dem Namen Vater locken, dass wir glauben sollen, er sei unser rechter Vater und wir seine rechten Kinder, auf dass wir getrost und mit aller Zuversicht ihn bitten sollen, wie die lieben Kinder ihren lieben Vater bitten!
Freunde, konnte ein Paulus, wiewohl im Verkehr mit heilsbedürftigen und empfänglichen Seelen des Unterrichts des Heiligen Geistes allezeit gewiss, in einzelnen Stunden vom Liebesdrange überwältigt besonders ausrufen: o ihr Korinther, mein Mund hat sich zu euch aufgetan! - Jesus, unser Herr, allezeit gewaltig predigend und nicht wie die Schriftgelehrten, hat doch in jenem Augenblicke, wo er auf die Bitte der Jünger „lehre uns beten“ ihnen eine Kindesstellung zu Gott anwies, in besonderem Sinne sagen dürfen: o ihr Jünger, mein Mund hat sich zu euch aufgetan! So macht denn auch dem weiten Worte gegenüber die Tore weit und die Türen hoch, reißt im Gebet die trägen Gedanken von der Erde los, los von den irdischen Stützen und Gütern, los von der irdischen Liebe, Weltlust, Not und Furcht! Auf und vertraut der himmlischen Majestät, die Alles schaffen und Alles geben kann! Vertraut der himmlischen Weisheit, deren Gedanken soviel höher als die euren sind! Vertraut der himmlischen Güte, die allenthalben zugänglich wie das blaue Zelt droben über die ganze Welt sich breitet und auch in die engsten und tiefsten Täler hinabblickt! Mit Einem Wort, vertraut der väterlichen Liebe, die euch nichts versagt was euch gut und not ist. Hat sie's doch in beschämender Herablassung bei eurer Liebe zu euren Kindern euch geschworen und zugesagt: so denn ihr, die ihr arg seid, könnt dennoch euren Kindern gute Gaben geben, wie vielmehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten! Abermals Luther: „ach wenn ich nur die wenigen Worte verstünde „Vater unser,“ wenn ich glaubte dass der Gott, der Himmel und Erde geschaffen und alle Kreatur in seiner Hand hat, sei mein Vater, so schlösse ich bei mir gewiss, dass auch ich durch ihn ein Herr Himmels und der Erde sei, item Christus sei mein Bruder und Alles sei mein, Gabriel muss mein Knecht und alle Engel mir beigegeben sein in meiner Not!“ - dass im neuen Kirchenjahr jede geistliche wie jede leibliche Not als ein Engel von uns angesehen würde, der uns im Namen des Vaters droben sagen soll: tue deinen Mund weit auf, lass mich ihn füllen!
Aber, Freunde, wenn ein Sprichwort mahnt: den Vater kennt man an dem Kind, den Herrn an seinem Hausgesinde, dann lasst uns wie im Vertrauen die Tore erhöhen, so im Gehorsam der Gegenliebe die Schranken unsers kindlichen Verhältnisses innehalten und ehren, damit die Anklage nicht wider uns laut werde: ich habe Kinder aufgezogen, und sie sind abgefallen, Schandflecke sind sie und nicht meine Kinder! Sind das Kindes- und nicht vielmehr Verräterhände, die zwar gelegentlich sich falten, im Übrigen aber Waffen der Verschwörung, Sünde und Missetat ungescheut und unbereut führen? Keine Erhörung ohne Gehorsam! Kein Vertrauen ohne Treue, keine Liebe von Gott wahrhaft in uns ausgegossen ohne Liebe zu Gott! Auch hier ein enges Gewissen und ein weites Herz! Die Liebe Gottes sei mit euch Allen!
3.
Wenn ihr betet, um allein zu sein mit eurem Gott, schließt die Tür hinter euch zu. Aber die Tür eures Herzens o schließt sie weit auf für die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, damit kraft dieses zartesten und festesten Bandes die Scharen der streitenden und seufzenden Kirche von allen Orten der Erde Platz darin haben, gleich wie du Einzelner aus dem „unser Vater“ eine Ruhestätte in den Gebeten deiner Brüder zu finden gewiss sein kannst, gewiss dass sie und du samt allen priesterlichen Chören der Christenheit in die Fürbitte des einigen Hohenpriesters eingeschlossen sind, wenn derselbe, an der Spitze der erlösten Menschheit, vor seinen Vater tritt: Siehe, hier bin ich und die Kinder, die du mir gegeben hast. Getrost, falls du in deinem Hause allein stehst mit deinem Glauben, oder wenn du unterwegs einsam wandernd deinen Gottesdienst hältst, oder wenn du über einem frisch aufgeworfenen Grabhügel als letzten Gruß das Gebet des Herrn sprichst - das Vaterunser lässt dich nicht allein, durch dasselbe bindet die Gemeinschaft des Heiligen Geistes dich in die Gemeinschaft der Heiligen. Im Vaterunser grüßen dich alle Heiligen! Und wenn du einen Menschen findest, der vielleicht bei allen anderen Teilen des Gottesdienstes, selbst den Gebeten, teilnahmslos bleibt, dann aber, wenn das Vaterunser angestimmt wird, sich nicht erwehren kann das Haupt zu neigen und die Hände zu falten, ach ihm ist das Vaterunser aus der Kindheit her der letzte Stein eines zertrümmerten Bethauses! Möchte ihm durch deine und aller christlichen Brüder Fürbitte dieser letzte Stein in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes der Grundstein eines neuen Tempels werden!
Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdkreis und was darauf wohnt, und der Berg Zion ist höher denn alle Kirchtürme. Darum macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch für die Gemeinschaft des Heiligen Geistes, dass ihr wie vorhin kindlich das Vaterunser, so jetzt brüderlich das „Unser Vater“ beten lernt. Jede der sieben Bitten ist Fürbitte zugleich. Keine Heiligung des göttlichen Namens, die nicht den Brüdern zugutekommt, kein Kommen des Reichs, wenn nicht durch die Brüder für uns, durch uns für die Brüder, kein Geschehen des ewigen Willens, darin sich nicht alle gehorsamen Hände fänden und verbänden! Unser tägliches Brot, wir wollen es barmherzig teilen, nicht minder barmherzig um Wegnahme fremder Schuld, die im Grunde unsere eigene ist, bitten und rufen! O und der Ernst des Schlusses: führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Übel lässt uns heilig geloben, dem Nächsten kein Ärgernis, keine Versuchung, keine Bestärkung im Bösen, auch seiner Liebe keine Schmerzen bereiten zu wollen!
Die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch Allen, damit ihr, ein erwähltes Volk, euch eng und streng abschließt gegen eine in Fressen und Saufen, in Kammern und Unzucht, in Hader und Neid wider Gott ankämpfende, in sich selbst untergehende Welt! Aber zugleich macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass nicht verderbt werde worinnen noch ein Segen ist, vielmehr gestärkt, was sterben will und aus dem Wege geräumt, was den Advent des Herrn aufhält. Die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch Allen, damit ihr in dieser dogmenscheuen, offenbarungsarmen Zeit nicht etwa in der Wegnahme jeglicher Mauern und Tore, nicht in der Preisgebung aller Glaubensperlen toll und töricht das Heil seht. Aber zugleich vergesst nicht, dass die rechten Bausteine eben nicht Steine sondern lebendig gewordene Seelen, und dass Zäune noch keine Gärten sind. Die Gemeinschaft des Heiligen Geistes behüte euch, dass ihr nicht Feinde für Freunde, abermals dass ihr nicht Freunde für Feinde anseht und durch Verwirrung und Entzweiung dem Erzfeind in die Hände arbeitet. Vor allem, wollt ihr des Glaubens Schlacht gewinnen und das Feld behalten, macht, ihr Väter und Mütter, in euren Häusern durch unerschütterlichen Glaubens- und Ewigkeitsernst die Riegel ebenso fest gegen den Feind, als die Tore weit und hoch für den suchenden Gast, damit der König der Ehren im neuen Kirchenjahre bei euch wohne und von euch aus auch andere Hütten segne. Auch hier: ein enges Gewissen und ein weites Herz! Paulus schreibt einmal: mir ist eine große Tür aufgetan, die viele Frucht wirket und sind viele Widerwärtige da. Und heut? Trotz aller Widerwärtigen Gläubigen Vaterunser und heiße Tränen und der Kinder Hosiannarufen machen auch heute noch dem Evangelio die Tore weit und dem Siegesfürsten die Türen hoch! Amen.