Hofacker, Wilhelm - Am Pfingstmontag.

Hofacker, Wilhelm - Am Pfingstmontag.

Text: Ezechiel 36, 26 - 27.

Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben, und will das steinerne Herz aus eurem Fleische wegnehmen, und euch ein fleischernes Herz geben; ich will meinen Geist in euch geben, und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln, und meine Rechte halten und danach tun.

Unstreitig ist es wohl eine der großartigsten und herzerquickendsten Aussichten, die uns das Wort Gottes eröffnet, wenn uns dasselbe von der durch den Fluch der Sünde und die Schauer des Todes so entweihten und befleckten gegenwärtigen Welt hinausschauen heißt auf ein neues Jerusalem, auf einen neuen Himmel und eine neue Erde, wo Gerechtigkeit wohnt. Wenn uns oft der furchtbare Riss, den die Sünde und der Fall des Menschen in die Welt gebracht hat, tief darniederbeugt, wenn der Jammer und das Leid der Zeit unser Auge umdüstert, wie wohl tut es uns, zu wissen, dass jener Riss einst ausgefüllt, das Seufzen der Kreatur einst gestillt, der gnadenreiche Erlösungswille über einer verlorenen Sünderwelt vollstreckt und vom Stuhl Dessen, dessen Allmachtswort durch alle Schöpfungsgebiete dringt, der Ruf ertönen wird: siehe, ich mache Alles neu, das Alte ist vergangen; siehe, es ist Alles neu worden.

Aller Jammer ist dann vorbei,
Alles singt verklärt und neu:
Gelobt sei Er!

Aber siehe da: dieser neuschaffende und neugebärende Schöpfungswille des großen Gottes ist nicht bloß etwas Zukünftiges; nein, er ist bereits jetzt schon etwas Gegenwärtiges; ja, er weist uns sogar zurück auf großartige Anfänge in der Vergangenheit. Die unberechenbare Erlösungstat des großen Gottes nämlich, die in der Menschwerdung des Sohnes Gottes ihre Wurzel tief in den Boden der Menschheit eingesenkt und in der Ausgießung des Heiligen Geistes, deren Erinnerung wir feiern, wie ein knospenreicher Baum in tausend und abertausend duftenden Blüten und Früchten ausgeschlagen hat, diese Erlösungstat ist so groß und herrlich, dass sie unserem Glauben jetzt schon die Bürgschaft. und Gewissheit bietet: der gnädige Wille Gottes wird einst ganz vollendet, von den Heils- und Liebes-Absichten des Dreieinigen wird einst nichts mehr zurück sein, und was die Gnade versehen hat in ihrem ewigen Rat, das wird, wenn auch unmerklich und allmählig, so doch sicher und gewiss einem großen und herrlichen Ziel entgegengeführt, wo dann der HErr wunderbar erscheint in Seinen Heiligen und herrlich in Seinen Auserwählten, und der neue Name, der ihnen verheißen ist in Seinem Reich, hell und klar von der gekrönten Stirne strahlt. Unser heutiger Text jedoch, sowie das Fest, dessen Nachfeier wir heute begehen, lenkt unsern Blick von der weiten Ferne in der Zukunft des Reichs Gottes mit aller Macht zurück und hinein in die innere Geisteswelt, wo, wenn wir einst nicht als verdorrte Zweige des erneuerten Menschheitsbaumes erscheinen, sondern im Blütenschmuck des ewigen Lebens grünen und prangen wollen, vor allen Dingen jetzt schon das Erneuerungswerk des großen Gottes seinen Anfang nehmen, und eine neue Schöpfung hervorrufen muss. Hat schon ein David die Notwendigkeit dieser innerlichen Erneuerung klar und helle eingesehen, und dieselbe mit heiligen Seufzern herbeigefleht: Schenke mir o Gott ein reines Herz und gib mir einen neuen, gewissen Geist (Psalm 51, 12.), so kann bei uns vollends gar kein Zweifel sein, nachdem der Heiland mit einem zweimaligen „Wahrlich“ es bekräftigt hat, dass, wenn wir nicht von Neuem geboren werden aus Wasser und Geist, keiner von uns das Reich Gottes sehen (Joh. 3, 5.), geschweige erlangen könne. Und um solche Erneuerung ist es etwas Gründliches, Durchgreifendes und Ganzes, kein Lappen- und kein Flickwerk, wie die ganze Schrift beweist, wie auch unser prophetischer Text so eindringlich uns ans Herz legt.

Lasset uns deswegen miteinander betrachten:

Wie es etwas so Großes, Durchgreifendes und Ganzes sei um die Erneuerung im Geist unseres Gemüts durch den rechten Welt-Erneuerer, den Heiligen Geist.

HErr Jesu, Du allmächtige Liebe, die Liebe, die einst sprechen wird: ich mache Alles neu; sprich dieses Wort auch in unsere Herzen! o, reiße aus uns heraus unser altes Leben, pflanze in uns Dein neues Leben, lass Deinen Geist über uns wehen, damit wir aufstehen und in einem neuen Leben wandeln zu Deinem Preis.

Amen.

Wer in Christo Jesu ist, der ist eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe es ist Alles neu worden! so bekennt der Apostel Paulus (2 Kor. 5, 17.) von der Verwandlung, die mit einem Menschen vorgeht, wenn er Christo einverleibt wird.

Er nennt sie geradezu eine neue Schöpfung, und das, was durch sie bewirkt und hervorgebracht wird, eine neue Kreatur, so dass das Alte, das noch in ihr vorhanden ist, gar nicht mehr in Betracht gezogen wird. So wenig ist es um diese Erneuerung ein geteiltes, unzusammenhängendes Lappen- und Flickwerk; so gewiss ist es darum etwas Ganzes, Gründliches, Durchgreifendes. Es handelt sich um nichts Geringeres, als um einen neuen Menschen, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit (Ephes. 4, 24.) Wem darüber noch irgendein Zweifel übrig bleiben könnte, den kann ein flüchtiger Blick in unsere Morgenlektion davon überzeugen.

I.

1) Dies erhellt aus ihr schon durch den Lebens- und Ausgangspunkt, von wo diese Erneuerung des Sinnes und des Gemütes sich im Menschen entwickeln und ausbreiten soll. Ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben, ich will das steinerne Herz aus eurem Fleische wegnehmen, und euch ein fleischernes Herz geben; ums Herz, ums Herz ist es hier zu tun; das Herz, das Herz soll neugeschaffen werden in Christo Jesu durch den Heiligen Geist. Einem aufmerksamen Bibelleser kann es nicht entgehen, dass in der Heiligen Schrift das Herz als der Mittelpunkt des innersten Geisteslebens, als der Quellpunkt aller Gefühle und Willensneigungen, als das eigentliche Schwungrad aller Triebe und Begierden dargestellt und betrachtet wird. Wie wir von einem Feinde sagen, der bereits bis zum Mittelpunkt des Landes vorgerückt ist: er ist in das Herz des Landes eingedrungen; wie wir von einem schädlichen Insekt sagen, das eine Pflanze im Innersten zerstört: es hat ihr bereits das Herzblatt abgefressen; wie wir alle am Pochen des Herzens, das in unserer Brust klopft, merken, wie ein jedes von uns, wenn es an seine Brust fühlt, wohl weiß, dass hier der Mittelpunkt der leiblichen Lebenstätigkeit, der Lebensherd, von dem aller Blutumlauf ausgeht und auf den er wieder zurückströmt, sich befindet, so sagt die Bibel auch in Beziehung auf unser geistiges Leben und Sein, dass von unserem Herzen das Leben ausgeht. Hat der Heiland das unerleuchtete, natürliche Menschenherz die unheimliche Höhle genannt, aus der alle Geburten der Finsternis hervorkriechen, wenn Er sagt: aus dem Herzen kommen hervor arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsches Zeugnis, (Matth. 15, 19.) so hat Gott der HErr schon im Alten Testament als Anfang der geistlichen Erneuerung die Forderung und Bitte an die Menschen gestellt: gib mir, mein Sohn, dein Herz, und lass deinen Augen meine Wege wohlgefallen (Sprüche 23, 26.), wie denn nach Epheser 3, 17. Christus wohnen will durch den Glauben in unseren Herzen, so dass wenigstens so viel klar ist und einleuchtet, dass, wenn Gott uns ein neues Herz geben will, Er den innerlichsten Mittelpunkt unseres Wesens und Lebens neuschaffen, sich mit keinem Lappen- und Flickwerk begnügen, sondern eine neue Kreatur aus uns bilden will nach Sinn, Herz und Mut. Denn wenn Gott das Herz hat, so hat Er den ganzen Menschen, Er hat den Lebenspunkt erfasst, und kann von da aus über das ganze Leben gebieten. Die Erneuerung im Geist erstreckt sich zwar auf alle einzelnen Teile des geistigen Menschen; all seine Sinne und Gliedmaßen müssen umgebildet und Christo untertänig gemacht werden, die Augen seines Verständnisses müssen erleuchtet, der durchschauende Blick ins Gesetz der Freiheit muss geschärft, das Ohr des Geistes muss zum Vernehmen der Stimme Christi geschärft, die Füße des äußern Wandels auf den Weg des Friedens gerichtet, die Zunge des Bekenntnisses vom Band der Menschenfurcht und Menschengefälligkeit gelöst, die Lippen der Rede mit der glühenden Kohle vom Altar berührt und entsündigt (Jes. 6, 6. 7.), der Geschmack am Worte Gottes geweckt und geschärft, die Hand des Glaubens zum Ergreifen und Aneignen des Verdienstes Jesu Christi gestärkt und geschickt gemacht werden: - aber die Hauptsache, das Wichtigste, das Unerlässlichste, das, wovon alles Andere ausgehen muss, bleibt das Herz; dies muss erneuert und umgeschaffen, dies muss erwärmt und erleuchtet, dies muss zum Ebenbild Gottes wiederhergestellt werden, damit Christus in ihm eine Gestalt gewinne. Alle jene übrigen Glieder können bei einem wiedergeborenen Christen, namentlich dann, wenn der Glaube dem jugendlichen. Alter nach noch jung und unerfahren ist, entweder teilweise, oder auch ganz fehlen; aber das erneuerte Herz darf bei keinem fehlen, der den Schafen der Herde Christi wirklich zugezählt und unter die Pflanzen der Gerechtigkeit gerechnet werden soll; es muss mit Geist und Kraft aus der Höhe ausgestattet, es muss ein neues Herz werden.

2) Wie steht es nun, mein lieber Zuhörer, bei Dir mit der so. unumgänglich notwendigen Erneuerung und Umschaffung deines Herzens? Wie sich die Menschen in so manchen äußerlichen Dingen, die zum leiblichen Leben gehören, mit unzureichenden Ersatzmitteln, mit sogenannten Surrogaten begnügen, so ists häufig auch in dieser innerlichen Angelegenheit. Statt der Erneuerung und Umwandlung des Herzens begnügt man sich mit allerlei scheinbaren und unzureichenden Ersatzmitteln. So gibt es eine Erneuerung und Umwandlung des äußerlichen Bekenntnisses, wo man von einer Kirche zur andern, von einer Konfession zur andern übertritt, und schon damit der Forderung, die auf die Umgestaltung des innerlichen Lebens dringt, Genüge geleistet zu haben meint, ja es eine Bekehrung nennt, wenn auch das Herz gar nicht dabei beteiligt ist. So gibt es eine Erneuerung und Bekehrung des Verstandes, der Ansicht, der Überzeugung, wenn der Ungläubige zum Glauben an Gottes Wort, der Zweifler zur Überzeugung von der Göttlichkeit des Christentums, der Spötter zur ernsteren Anerkennung der Würde und Hoheit der Person Jesu sich bequemt, und Wunder wie fromm dadurch geworden zu sein meint, ohne dass das Herz neu geworden; es gibt eine Bekehrung und Erneuerung des Gefühls und des Phantasielebens, indem man von den berauschenden Gewürzpflanzungen der Romane und der schönen Literatur auf Schriften christlichen Inhalts sich wirft, wo man aber mehr die schöne, pikante Form und Redeweise, als die großen Taten des Heils liebt, und um jener Vorliebe willen bereits zu den Auserwählten sich zählt; es gibt eine Erneuerung und Umwandlung der geistlichen Sprach- und Redeweise, indem man die Sprache Kanaans lernt und in allen christlichen Zirkeln über die geistlichen Dinge mitzureden versucht, und selber in seine Bekehrung keinen Zweifel mehr setzt; es gibt eine Erneuerung und Umwandlung der äußern Sitte und Lebensweise, indem man vom Gewühl der Welt sich in die Stille zurückzieht, Welt Welt sein lässt, und sich wohl hütet, an einem öffentlichen Ort sich sehen zu lassen, während doch die innere Welt ungestört ihr volles Spiel treibt; es gibt eine Erneuerung und Umwandlung der Tätigkeiten und Handlungsweisen, indem man viel für Zwecke des Reichs Gottes tut, und in dieser Beziehung weit und breit einen Namen hat, an der Arche Gottes baut, und endlich, wenn die Sündflut kommt, selbst nicht in dieselbe hinein darf, all das, weil es an der Umwandlung, Erneuerung des Herzens fehlt, und erst von diesem geistigen Mittelpunkt aus alle übrigen Vermögen ihren Wert, ihre Kraft, ihre Weihe erhalten. O, in wie vielerlei kommt der Mensch, ehe der Geist von oben ihn erleuchtet, hinein, und meint fest zu stehen, während doch die Bretter alle Augenblicke unter ihm zusammenstürzen können. Ein Kain gab das Opfer der Feldfrüchte, ein Esau das Opfer bitterer Reuetränen, ein Ahab das Opfer unzähliger Bücklinge, ein Ananias das Opfer des verkauften Ackers, der Pharisäer das Opfer des Zehenten bis zum Dill und Kümmel herab, die Schriftgelehrten das Opfer ihrer Gebete und ihrer Almosen, - und doch hatte alles, was sie gaben und opferten, keinen Wert, darum, weil es am Herzen, am neuen Herzen fehlte.

Glaube es sicherlich: es hängt nicht an deinem Rennen und Laufen, nicht an deinem Reden und Schwatzen, nicht an deinem Lesen und Schreiben, nicht an deinem Wirken und Werben, nicht an deinen Gaben und Almosen, es hängt an deinem Herzen; das muss erneuert, dein Wille muss im Innersten erfasst, dein Geistesleben muss umgebildet, dein ganzer Mensch in den Gehorsam Christi gebeugt werden, dann erst ist der Anfang zu einer neuen Schöpfung gelegt, dann erst bist du eine neue Kreatur.

Denn es ist ein göttlich Wesen,
Eine geisterfüllte Kraft,
Von der Welt sein auserlesen,
Tragen Christi Jüngerschaft,
Ohne Schatten, Schaum und Spreu
Zeigen, dass man Jesu sei,
Wer aus Gott ist neu geboren,
Ist zu dieser Zahl erkoren.

II.

1) Um die Erneuerung im Geist ist es etwas Ganzes, Durchgreifendes und Gründliches; dies erhellt auch aus der Würde der Person, die ein solches Geschenk uns anbietet, und die keine andere ist, als der Schöpfer Himmels und der Erde selbst.

Ich will, ich will euch ein neu Herz geben, und einen neuen Geist in euch geben; ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen, und euch ein fleischernes Herz geben: so spricht der, vor dessen Wille sich Himmel und Erde beugen, und der, was er will, auch mit der Tat vollführen kann. Derjenige, der einst am Anfang der Tage sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild das uns gleich sei, und der dann den toten Erdenkloß nahm, und ihn durchwehte mit seinem göttlichen Lebensgeist (1 Mos. 1, 26. 2, 7.), so dass ein vernünftiger Mensch wurde, nach dem Bilde Gottes geschaffen in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit, der allmächtige Schöpfer allein ist auch im Stande, den doppelt erstorbenen Erdenkloß unseres natürlichen Menschen abermals unter seine bildende Hände zu nehmen und ihm den neuen Lebenshauch einzuwehen und dem toten erstorbenen Menschenherzen zuzurufen: wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. Dieser Allmachtswille des großen Gottes ist hierzu umso unentbehrlicher und notwendiger, weil der Zustand des natürlichen Menschen ein so tief gesunkener und verzweifelter ist. Der Prophet gebraucht zu seiner Bezeichnung ein Wort, das allen Hoffartsflug der Vernunft und alle kursierenden Meinungen von der Güte und dem Adel der gefallenen Menschennatur auf einmal und für immer zu Boden schlagen und uns recht demütig machen sollte. Er nennt das Herz des natürlichen Menschen ein steinernes: ich will das steinerne Herz aus eurem Fleische wegnehmen, und euch ein fleischern Herz geben. In der Tat, tiefer herunter kann der HErr uns nicht setzen. Das Steinreich ist das unterste unter den drei Reichen der Natur, und der Stein das schlagendste Bild der geistlichen Trägheit und Stumpfheit, der Leblosigkeit und Blindheit, der Kälte und des geistlichen Todes. So wenig als der Stein sich selber bewegen und regen, sich selber beleben und umwandeln kann, so wenig kann das Menschenherz mit sich selber Belebungsversuche anstellen, es bleibt in seinem geistlichen Tode. In äußerlichen Dingen sieht man das menschliche Herz sich rühren und bewegen; aber wenn es sich um Geistliches handelt, um selbstverleugnenden Gehorsam, um selbstvergessende Liebe, um demütige Beugung vor Gott, um Glauben an den Heiland der Sünder, da ist das natürliche Menschenherz ein toter Stein. Zwar können auch aus dem steinernen Herzen des Menschen durch den Stahl des göttlichen Worts noch allerhand zuckende, sprühende Funken herausgeschlagen werden; es kann noch durch den Meißel guter, geistiger Einwirkung menschlich feiner gebildet und geformt und zu einem ansprechenden, schönen Menschenbilde der Gutmütigkeit, der Leutseligkeit, des Wohlwollens, der Treue, der Redlichkeit, der Zucht und feiner Sitte umgestaltet werden; aber belebt, mit Geistesleben von oben durchdrungen kann dieses Marmorbild durch menschliche Kraft nicht werden, niemals wirds dahin kommen, so viel Feuerfunken einer bessern Natur hervorgelockt werden können, dass der Mensch sagen könnte: brannte nicht unser Herz in uns, als Er mit uns redete auf dem Wege, als Er uns die Schrift öffnete? (Luk. 24, 32.) Diese Erneuerung hat sich nur Einer seiner Macht vorbehalten, der sagen kann: ich will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen, und euch ein fleischern Herz geben; Er allein, der das erste Mal hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der im Anfang der Tage gesprochen hat: es werde Licht, Er allein ist tüchtig, auch jetzt noch einen hellen Schein in unser Herz zu geben, auf dass in uns entstünde die Erleuchtung von der Erkenntnis der Klarheit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi (2 Kor. 4, 6.) Er allein, der einst den Geist über den Wassern des Abgrunds schweben ließ, um neue Schöpfungsbildungen dadurch hervorzurufen, Er allein ist im Stande, auch jetzt noch den flutenden Abgrund des Menschenherzens mit seinen Allmachtsfittigen zu überdecken, um eine neue Bildung der Gedanken, der Triebe, der Bewegungen des Herzens hervorzubringen und neue Geistes- und Lebenskräfte uns einzuhauchen, Er allein, der aus dem Wassergrab der alten Welt, in das sie sein Zorngericht hinabstürzte, acht Seelen, einen neuen Samen der Menschheit, zu retten und solche Segenskräfte in diese zu legen wusste, dass sie nun die ganze weite Welt beherrschten und bedeckten, Er allein kann auch die Segens- und Samenkörner des geistlichen Lebens in uns ausstreuen, dass sie Alles befruchten und uns zu neuen Kreaturen machen können; denn wenn Er spricht, so geschiehts, wenn Er gebietet, so steht es da (Psalm 33, 9.)

2) Ach, was ists doch für eine wohltuende und tröstliche Wahrheit, dass die Erneuerung unseres Herzens nicht Sache unseres eigenen Wollens und Könnens, unseres Rennens und Laufens, sondern Sache des guten Gottes ist, der sein gutes Werk in uns anfangen, fortsetzen und vollenden muss. Und Er geht an die Arbeit; denn Er spricht: ich will das steinerne Herz wegnehmen aus eurem Fleische, und euch ein fleischernes Herz geben. Er tut dies aber, wenn Er mit seinem Wort und Geist richtend und strafend, verwundend und verletzend in den geistlichen Mittelpunkt unseres Wesens eindringt, und vor unserem Geistesblick unser Dichten und Trachten, unser Denken und Ahnen, unser Hoffen und Wünschen bloß legt, die alte Gleichgültigkeit zerstreut, die alten Riegel zerbricht, und einen Sehnsuchts-Ruf nach Freiheit, nach Vergebung der Sünden hervorlockt. Schmerzlos geht das nicht vor sich, wie uns schon das Lied sagen kann:

Reiß mein Herz aus meinem Herzen,
Sollts auch sein mit tausend Schmerzen.

O wie viele Sehnen des alten Menschen, die mit dem versteinerten Herzen so innig verwachsen sind, müssen zerschnitten, wie viele falsche Einbildungen, wie viele hochmütige Gedanken, wie viele träumerische Hoffnungen auf die Welt und aufs irdische Leben, wie viele fleischliche Liebhabereien, wie viele Angewöhnungen der Weltliebe und Eigenliebe müssen durchschnitten und durchkreuzt werden, bis endlich der himmlische Arzt nur auf den rechten Fleck kommt und den letzten Schnitt wagen und das steinerne Herz hinwegnehmen kann? Und wie viel Treue und Geduld und Nachsicht mit unserem Widerstreben, mit unserer Ungeduld gehört dazu, bis Er das neue Herz wieder eingepflanzt hat, bis es unter mancherlei Tränen der Buße und Zerknirschung angewachsen und zu schlagen angefangen hat in Lob, Preis und Dank, in Liebe und Andacht, in Friede und Freude im Heiligen Geist. Ja, wie viel Herzkrankheiten gibt es auch noch beim erneuerten Menschen: alles zieht seinem Herzen zu, und wie oft hat er Ursache, zu rufen, zu seufzen, zu flehen: ach, mein arges, mein sündiges, mein beflecktes, mein trotziges, mein verzagtes, mein törichtes und böses Herz! Schaffe, o Gott, in mir ein reines Herz, und gib mir einen neuen, gewissen Geist, verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir (Pf. 51, 12. 13.) Wie Manche wohl werden unter uns sein, die von den Schmerzen und den Freuden dieses großen Herzenstausches auch etwas zu erzählen wissen. Meine Lieben, es sind wohl auch solche Seelen unter euch, die seine Messerschnitte tief und schwer empfinden: haltet aus, klaget nicht, murret nicht; der himmlische Arzt weiß, warum er es tut; ihr werdet ihm noch danken, dass er eures Angesichtes Hilfe und euer Gott ist; ja, wie freudig werden ihm einst seine Kranken fürs Genesen danken!

III.

Dass diese Erneuerung im Geist etwas Gründliches, Ganzes sei, wird endlich auch aus der Wirkung klar, die dadurch hervorgebracht wird. Ich will meinen Geist in euch geben, und solche Leute aus euch machen, die in meinen Wegen wandeln werden, und meine Rechte halten, und danach tun.

Es ist ein unbeschreiblich großes und herrliches Wort: ich will meinen Geist in euch geben. Zwei Gaben hat der große Gott gegeben, seinen Sohn für uns, und seinen Geist in uns; man weiß nicht, worüber man sich mehr wundern soll. Für beide können wir nur im tiefsten Staube danken. Es war ihm nicht genug, uns zu erretten aus der Obrigkeit der Finsternis, uns zu erkaufen aus der Gewalt der Sünde durch das teure Blut seines Sohnes und in ihm anzunehmen zu Kindern und Erben, nein, er hat uns auch erwählt zu Gefäßen seiner Gnaden und uns seinen Geist gegeben, der ein Geist der Offenbarung, der Liebe, der Kraft und ein Pfand des himmlischen Erbes ist; muss man da nicht sagen: kein Auge hats gesehen, kein Ohr gehört, in keines Menschen Herz ists gekommen, das Gott bereitet hat denen, die ihn lieben (1 Kor. 2, 9.)!

Nicht bloß die ganze Gemeine, sondern auch mein armes Herz soll ein Tempel des Heiligen Geistes sein, auch mein sündiges Herz bei all seinen sündigen Begierden und Trieben soll ein Tempel des Heiligen Geistes werden. Und hierauf sind alle gewiesen von der Taufe an; denn da hat Er Besitz von uns genommen, und wenn wir ihm nicht widerstreben, so will Er das gute Werk fortsetzen und zu einem herrlichen Ziele bringen. Ja, auch unser Leib soll verklärt und mit Lebenskraft erfüllt werden, darum, dass Christi Geist in uns wohnt. So groß, so herrlich ist die Erneuerung im Geiste, und wir alle haben in der Pfingstausgießung des Geistes über die Apostel und ersten Gläubigen die erhebende Bürgschaft, dass die Gabe des Heiligen Geistes, wenn wir anders von Herzen an Jesum Christum glauben, auch in unsere Seelen ausgegossen werde und wir hinfort aus der Fülle Christi nehmen dürfen Gnade um Gnade. Denn das ist ja das Vorrecht des himmlischen Hohepriesters, dass er Gaben empfangen hat für Alle. Deswegen wird keine Seele von Ihm zurückgestoßen, keine mit leeren Händen entlassen, dass wir alle sagen können: auch ich bin ihm einverleibt, auch in mich strömt seine Gnadenkraft und macht mich tüchtig ihm nachzufolgen in seinen Wegen zu wandeln und seine Gebote zu halten. Welch eine gründliche Umwandlung hat der Herr uns zugesagt; wer sollte nicht derselben sich freuen und nach derselben verlangen?

Ja, Amen, hier sind beide Hände;
Aufs Neue sei dirs zugesagt:
Ich will dich lieben ohne Ende;
Mein Alles werde dran gewagt.
Ja, lass, mein Freund, mich deinen Namen
und deines Kreuzes Ehrenmal
Nach deiner Lieb und Gnadenwahl
An meiner Stirne tragen. Amen.

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