Hoerschelmann, Ferdinand - Halte, was Du hast - Am Epiphaniasfeste.

Hoerschelmann, Ferdinand - Halte, was Du hast - Am Epiphaniasfeste.

Mache dich auf, werde Licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir. Amen.

Das Erscheinungsfest des Herrn feiern wir als Missionsfest der Kirche. Beides hängt eng miteinander zusammen. Die Erscheinung unseres Herrn Jesu Christi, die Sendung des Sohnes Gottes zur Rettung der verlorenen Sünderwelt ist ja selbst die gnadenreichste aller Missionen. Und diese Mission des Herrn setzt sich fort in der Mission der Kirche. Das erste Wort, das über dem Jesuskindlein gesprochen ward, war ein Missionswort, denn Freude wurde da verkündigt allem Volk. Und das letzte Wort des Herrn war der Missionsbefehl: „Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur“. Dem Missionswort aber folgte die Missionstat. Das zeigt das heutige Evangelium. Da sehen wir zu den Erstlingen aus den Juden die Erstlinge der Heidenwelt kommen und anbetend vor dem Jesuskinde knien. Der Stern, der sie hingeführt, erscheint uns als der erste Missionar unter den Heiden, wie der Engel als der erste Verkündiger der frohen Botschaft bei den Juden. Diesem ersten Missionar mit seinem stillen Glanz sind tausend und abertausend laut zeugende Boten gefolgt. Und aus der Erstlingsgarbe der Heidenwelt ist eine große reiche Ernte geworden.

So geht es fort und soll es fortgehen, bis alle Welt voll werde des Ruhmes des Herrn.

So hat's der Herr verheißen, so hat er's geboten, so wirkt er's durch die Macht seines Wortes und Geistes. Und was das ganze Wort des Herrn uns lehrt, das hält uns die heutige prophetische Lektion in einem großartigen Bilde vor, in einem Bilde, welches den Aufgang, den Fortgang und die Vollendung des Gottesreiches umfasst.

Jes. 60, 1-6.

Mache dich auf, werde Licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir. Denn siehe, Finsternis bedeckt das Erdreich, und Dunkel die Völker; aber über dir geht auf der Herr, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. Und die Heiden werden in deinem Lichte wandeln, und die Könige im Glanz, der über dir aufgeht. Hebe deine Augen auf, und siehe umher: diese alle versammelt kommen zu dir. Deine Söhne werden von ferne kommen, und deine Töchter zur Seite erzogen werden. Dann wirst du deine Lust sehen und ausbrechen, und dein Herz wird sich wundern und ausbreiten, wenn sich die Menge am Meer zu dir bekehret, und die Macht der Heiden zu dir kommt. Denn die Menge der Kamele wird dich bedecken, die Läufer aus Midian und Epha. Sie werden aus Saba alle kommen, Gold und Weihrauch bringen, und des Herrn Lob verkündigen.

Auf hoher Warte steht der Prophet, vor ihm Zion, die Gottesstadt, ringsumher die Völker der Heidenwelt. Über Zion geht auf der schöne Glanz Gottes, der Glanz, der zu Weihnachten die Welt erfüllt, in dessen Strahlen wir uns jüngst erquickt. Und von Zion geht er aus, scheint hinein in die Finsternis der Völker. In Scharen kommen sie herbei, und in diesen unermesslichen Scharen schaut der prophetische Blick die Einzelnen. Er schaut die Söhne des Ostens, die unser Evangelium uns zeigt, die mit Gold und Weihrauch kommen, des Herrn Lob zu verkündigen. Er schaut die Könige, die im Lauf der Missionsgeschichte vor dem Heiland der Welt das Zepter geneigt, ihre Völker nach sich gezogen. Er zeigt uns weiter in unserm Textkapitel, wie die Völker der Inseln gleich fliegenden Wolken und Tauben von Ferne kommen. Die Zeit der gegenwärtigen Weltmission hat er im Geiste geschaut. Aber weiter noch reicht sein Blick. Er sieht wie Israel, um seiner Sünden willen vom Zorn Gottes geschlagen, unter die Völker zerstreut und von ihnen zertreten, sich am Ende der Tage wieder aufmachen und sammeln wird als Gottes auserwähltes Volk und dann erst recht seine Herrlichkeit auch über Heiden aufgehen soll. Und was der Prophet da sieht, es erfüllt sein Herz mit Freude; es soll auch das Herz seines Volkes entzünden, zu jubelnd ausbrechendem Dank es treiben, es soll aber auch zu heiligem Eifer es wecken, mitzuwirken an dem Werke des Herrn, zu erfüllen seine heilige Mission. Und das Mahnwort, das er ihm zuruft, es tönt durch alle Zeiten hindurch, es tönt hinein auch in unsere Zeit, in unsere Gemeinden, in unsere Herzen.

So lasst uns dann zu Herzen nehmen den Missionsruf des Propheten: „Mache dich auf, werde Licht“.

1) Den Weckruf enthält es: Es werde Licht in dir,
2) und den Mahnruf: Es werde Licht durch dich!

I.

„Mache dich auf, werde Licht“, so lautet der Weckruf des Propheten. Er ergeht auf Grund des Gnadenrufes: „Denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir“! Über dir ist es aufgegangen, - da haben wir den Inhalt des ganzen süßen, seligmachenden Evangeliums. Aber das Licht, das über dir aufgegangen, - ist es auch zum Licht in dir geworden? so fragt der Prophet das Volk Gottes. War es so, als das Licht aufging, ist es so, da es nun hoch am Himmel steht? Ach, bei Jerusalem war es nicht also. Seht es an, wie unser Evangelium es uns zeigt. Wie kalt und dunkel, wie glaubensarm und freudentot liegt es da! Es kommen die Fremdlinge und fragen nach dem, was in den Tagen des Heils geschehen, fragen nach dem neugeborenen König der Juden. Mit Staunen und Befremden, mit mitleidigem Lächeln sieht man sie an. Die guten Leute! Einen so weiten, mühseligen Weg haben sie gemacht, zu suchen, wonach man in der Heimat so gar nicht fragt! Ja, nicht nur Befremden und Achselzucken erregt ihre Frage, Hass und blutige Mordgedanken weckt sie gegen den neugeborenen König. O, wie jammervoll ist verkehrt das Bild, das der Prophet geschaut! Im Lichte sieht er Zion stehen, in Finsternis gehüllt die Heidenwelt. Und nun - die Heiden kommen heran vom Licht des Sterns geleitet, und Jerusalem liegt da in tiefer Nacht. Jerusalem, du kaltes, finsteres Jerusalem, wie bist du doch ein Abbild so Vieler in der Christenheit unserer Tage! Wie hat sich wiederum Finsternis in breiten, dunkeln Schatten über sie gelagert, während weiter und immer weiter das Licht über die Völker sich ausbreitet! Von der Finsternis des modernen Heidentums unter uns will ich heute nicht reden, von den Kreisen derer, in denen der Hass des Herodes aufs Neue aufflammt, welche das Wort vom Heil in Christo, statt es in die Welt hineinleuchten zu lassen, zu Hause in den Bann tun, die Bibeln, statt sie zu den fernen Inseln zu tragen, am liebsten in der Heimat verbrennen möchten.

In die Kreise derer blicke ich, die Christen sich nennen, Christen sein wollen. Wie begegnet man da der Frage nach dem Missionsberuf des neutestamentlichen Gottesvolkes, was weiß man von der Mission, wie stellt man sich zu ihr? Die Mission ist kürzlich sehr bezeichnend ein öffentliches Geheimnis in der Christenheit genannt worden. Es ist doch seltsam: die Mission schreitet unter uns dahin und treibt ihr Wert heut zu Tage wahrlich nicht im Verborgenen. Zahllose Schriften und Blätter zeugen von ihr, in jeder Kirche wird von ihr gepredigt, die ganze heilige Schrift ist voll von ihr, ja wir selbst sind nichts anders als Kinder der Mission, aus ihr herausgeboren. Und fragen wir nun noch von Ort zu Ort, von Person zu Person, da werden wir finden, dass ein großer Teil unserer gegenwärtigen Christenheit nichts von ihr weiß. Und wenn man auch so von ferne etwas die Glocken hat läuten hören, da hat man doch bald die Sache mit der Bemerkung abgetan: Ach, das ist so eine Privatliebhaberei einzelner überreizter Frommer! Als ob der Missionsbefehl des Herrn an seine Kirche nie gesprochen wäre, als ob die Kirche noch nie von diesem Befehl Notiz genommen hätte! Oder da heißt's: Wozu unsere Gaben, unser Geld in die Ferne schicken? Haben wir nicht der Armen und Elenden, der geistlich und leiblich Darbenden unter uns die Menge? Freilich, meine Lieben, dieser Einwand ist nicht neu, er ist grade ebenso alt, wie der Missionsbefehl selbst. Es fehlt auch nicht an hohen Autoritäten unter denen, die ihn erheben. Sogar ein Apostel ist darunter.

Aber welcher? Judas, der Verräter ist's, der buchstäblich so gesprochen, der die Rücksicht auf die Armen vorgeschützt, da es sich um ein dem Herrn wohlgefälliges Opfer gehandelt. Wollt ihr seine Nachfolger sein, oder nicht vielmehr die des Andern, des auserwählten Rüstzeuges des Herrn, der uns vorgesprochen, ja mit Daransetzung aller seiner Kraft und seines Lebens uns vorgelebt das Wort: „Das Eine tun, das Andere nicht lassen“, des Apostels, der, während er das Brot des ewigen Lebens den Heiden gebrochen, auch Gaben der leiblichen Notdurft für die darbenden Brüder gesammelt?

Und, wenn nur die, welche die Sorge für die Armen daheim vorschützen, auch die rechten Armenpfleger wären, oder wenn sie wenigstens den Beweis führen könnten, dass die, welche die Mission auf dem Herzen tragen, ihr Herz der Not in der eignen Mitte verschließen! Die Geschichte und die Erfahrung lehrt es uns anders. Von den ältesten Zeiten der Kirche will ich nicht reden. Sehen wir nur auf die neuere Zeit. Ist's nicht derselbe August Hermann Francke, der in der Heimat sein Waisenhaus, seine Anstalten der Barmherzigkeit gestiftet und der zugleich einer der geistlichen Väter unserer lutherischen Mission geworden? Stehen sie nicht da, ein Harms, ein Löhe, die gewaltigen Zeugen des Herrn, die die eigene Gemeinde zum Leben geweckt, die daheim gestärkt, was sterben wollte, und die die Hand zugleich den Heiden und verkommenen Christen in Afrika und Amerika zur Hilfe dargeboten? Und auch unter uns ist's ja nicht anders. Wer ein Herz hat für den Herrn und sein Reich, der tut auch das Herz und die Hand auf, wo nur irgend in der Nähe und in der Ferne der Herr in den geringsten seiner Brüder seinen Dienst begehrt.

Also, meine Lieben, die Einwände, die man gegen das Werk der Mission erhebt, - nicht wirkliche Einwände, nur Vorwände sind's, die man sucht, sich dem vom Herrn gebotenen Werk zu entziehen, und diese Vorwände auf einen schlimmeren Vorwand weisen sie hin, auf eine Wand, hinter die man sein Herz verschanzt, dass nur der Herr selbst mit seinem Licht und seinem Leben nicht eindringe. Darum ist das nicht der erste Aufruf: „Treibt Mission, lasst das Licht leuchten“, sondern „Werdet Kinder der Mission, werdet selber Licht“. Erst des Herrn Werk, dann erst sein Werkzeug, erst Jünger werden gilt es, dann erst können wir Andere zu Jüngern machen, erst Christen, dann Missionare!

Also, du Gemeinde des Herrn, du von ihm erkaufte Seele, mache dich auf, werde Licht! Es ist aufgegangen über dir, o lass es eingehen in dich, lass es Licht werden in dir! Jeder Weckruf zur Mission ist ein Mahnruf zum Glauben: „Wache auf, der du schläfst, stehe auf von den Toten, so wird Christus dich erleuchten“. Und wer ruft so? Nicht ich, nicht der Prophet nur, der Herr selbst, der mit seinem Geiste heute kommt, wie er damals gekommen, der mächtig ist, mit dem Worte des Gebotes die Kraft seines Geistes dir zu geben, die Flamme des Glaubens, das Feuer der Liebe in dir zu entzünden, ja, der mit seinem Wort und Geist selbst zu dir eingehen will.

Christus in dir! Dann erst, wenn das Licht der Welt auch zum Licht in deinem Herzen geworden, dann ist's Licht geworden in dir. Und ist das nur ein erträumtes Ideal, ein unerreichbares Ziel? Nein, es kann, es soll Wirklichkeit werden. Es ist Wirklichkeit geworden in einem Jeden, der mit Paulus sprechen kann: „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir, denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dargegeben“. Also, meine Brüder und Schwestern, ehe wir fragen: „Was soll ich tun“, fragt uns der Herr: „Was willst du, dass ich dir tun soll“? Und da flehen wir zu ihm aus Herzensgrund: „Herr, dass ich sehend werde, dass ich dich schaue, Herr, mein Licht, mein Heil, dass ich dich lieb habe, der du mich zuerst geliebt, dass ich dir lebe, der du dich mir zu eigen gegeben hast“.

II.

Ist es Licht geworden in uns, dann wird es auch Licht durch uns. „Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten“, spricht der Herr. Eine Stadt auf dem Berge soll seine Gemeinde sein, eine Gemeinde, wie der Herr sie sich hat bereiten wollen, die herrlich sei, die nicht habe einen Flecken oder Runzel. O! über die hässlichen Runzel und Flecken, welche die Sünde in das Angesicht der Gemeinde gräbt! Wie wird durch sie der Name des Herrn verlästert, der Bau seines Reiches gehindert, wie manches Ärgernis angerichtet! Was hilft all dein Bekennen, Reden und Zeugen, was helfen alle deine Werke der äußern und der Inneren Mission, wenn du mit einem hässlichen Charakterzug, gegen den du nicht ankämpfst, mit bösem, lieblosem Wort, mit unvorsichtigem, unordentlichem Wandel dem Lästerer Raum gibst, dich einen Heuchler zu schelten, über alle deine Worte und Werke den Stab zu brechen?

Wir Christen haben nicht nur eine ungeheure Aufgabe, das Reich Gottes in der Welt zu bauen, wir tragen auch eine furchtbare Verantwortung, wenn wir statt zu bauen, niederreißen, statt zu fördern, zerstören. Denn des Herrn Werk ist's, das uns vertraut ist, des Herrn Ehre ist's, die mit in unsere Hand gelegt ward. O, fassen wir den Ernst dieser Aufgabe, dieser Verantwortung! Schaffen wir vor Allem mit Furcht und Zittern, dass wir abtun, was sein Werk in uns und durch uns hindert, dann wird er schaffen, dass es auch durch uns fortgeht, dass das Licht des Herrn dann auch durch uns und aus uns hinausleuchtet. Leuchten soll es da, wo er dich hingestellt, in deinem nächsten von Gott dir geordneten Beruf. Da zunächst sollst du ein Bote Gottes, ein Arbeiter in seinem Reich und damit auch ein rechter Missionar sein. Ja, meine Lieben, wenn das feststünde, wenn das widerspruchslos von Allen, von Freunden und Gegnern anerkannt werden müsste, dass der Christ, der gläubige Jünger seines Herrn, in seinem Stand und Amt und Beruf, in dem Wert seiner Leistungen den dem Herrn Entfremdeten, den Ungläubigen überträfe, wenn der christliche, der wahrhaft gläubige Beamte, Lehrer, Professor, der christlich gesinnte Arzt oder Rechtsgelehrte, der gläubige Kaufmann oder Handwerker, der fromme Schüler oder Student größeren Fleiß, größere Treue und darum auch größere Tüchtigkeit bewiese; wenn die Christen ausnahmslos in ihrer Gesinnung lauterer und ehrenhafter, in ihren Worten wahrhafter und zuverlässiger, in ihren Werken selbstloser und hingebender, in ihrem Wandel unsträflicher und untadeliger wären als die Kinder des Unglaubens: - welch' eine Missionsgemeinde wäre das in der Welt, welch' einen Eroberungszug würde da das Christentum halten, wie würden da die Herzen der Menschen für den Herrn und sein Reich gewonnen werden! Nicht unter einer fremden Fahne würden da die Kinder des Reiches segeln, nicht gesetzliche Werkerei treiben, sondern die Fahne Christi hochhalten, die die Inschrift trägt: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“, und „Nicht die da Herr, Herr sagen, gehören Christo an, sondern die den Willen tun seines Vaters im Himmel“. Der Losung des Apostels lebten wir dann nach: „Seid Täter des Wortes und nicht Hörer allein“ und „Das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in der Kraft“.

Diese Kraft aber in die Herzen und in das Leben zu leiten, und die Herzen dem Worte zuzuführen, - wenn dazu noch besondere Berufsarten und geistliche Ämter, Ämter des Wortes, der Seelenleitung und Pflege, Ämter und Anstalten des Liebesdienstes, des christlichen Erbarmens bestehen, wenn dazu noch besondere Arbeiter und Boten gesandt werden, so geschieht das ja nicht, damit die Gemeinde sich dadurch von der Mitarbeit lossage und loskaufe. Nein, ein Leib ist es, ein Dienst der Gemeinde, da ein Glied das andere hält und pflegt und trägt, da die ganze Gemeinde in gemeinsamem Dienst das gemeinsame Werk treibt, und ein Jeder, so weit sein Wort, seine Hand, sein Gebet reicht, das Reich Gottes in der Welt bauen hilft.

Und richten wir nun heute unsern Blick auf dieses Werk in den fernen Heidenländern, wem, der Augen hat zu sehen, kann es verborgen bleiben, wie weit grade in unsern Tagen der Herr seine Netze ausspannt und die Pflocken seiner Hütte steckt? Die ganze Geschichte der neuen Zeit mit ihren Erfindungen, Entdeckungen und Verkehrswegen, ist sie nicht eine Veranstaltung und Vorbereitung für die Mission, die in einem Umfange gegenwärtig geübt wird, so großartig, wie den wenigsten, auch unter den gläubigen Christen bekannt ist? Euch auf diesem weiten Gebiete neu zu orientieren, in die Arbeit der Missionare mit ihren Mühen und Gefahren, aber auch mit ihren gottgesegneten Erfolgen einzuführen, dazu sollen die wöchentlichen Missionsstunden dienen, die wir in der Epiphanienzeit wiederum halten wollen. Da soll das Elend der Heidenvölker euch aufs Neue vor die Seele gestellt, ihr Notschrei euch wieder ins Herz gerufen werden: „Kommt herüber und helft uns“, da soll zur Beschämung, aber auch zum Sporn euch vorgehalten werden, wieviel noch daran fehlt und noch zu geschehen hat, bis die Menge am Meer sich zum Herrn bekehrt und die Macht der Heiden zu ihm kommt. Da soll uns ins Herz und ins Gewissen die Frage dringen: „Was hast du getan, dass das Wort des Herrn laufe, dass kein Ort sei ohne seinen Glanz und Schein? Wie weit reicht dein Interesse, dein Kenntnis, deine Mitarbeit, dein Gebet“?

Meine lieben Mitchristen, ob's auch an manchem Zeichen des neuerwachenden Interesses unter uns nicht fehlt, ob auch die Gelegenheit, es anzuregen und zu beleben, reicher als bisher in häuslichen und kirchlichen Missionsstunden geboten wird, es bleibt doch eine Missionspredigt für Hirten und Gemeinden jedes Mal eine Bußpredigt. Wir sind doch noch immer viel zu lässig, viel zu träge, viel zu gleichgültig gegen das uns befohlene Werk. O, so lassen wir die Weck- und Mahnstimme des Herrn nicht vergeblich an uns ergehen, lassen wir uns zu erneuter Treue mahnen, zur Treue in der Liebe, im Gebet, im Opfern für die Sache des Herrn in der heiligen Mission! In die Selbstprüfung leitet uns das Missionsfest, in die Prüfung nicht nur unseres Christenberufes, sondern unseres Christenstandes. Ist es Licht geworden in uns, glauben wir an Jesum Christum, als an unsern Heiland und Herrn, sind wir im Glauben seiner Gnade gewiss? Sind wir in der Liebe als seine Glieder lebendig geworden? Wir können nicht leuchten, ohne Licht zu sein, nicht zeugen, ohne zu glauben, nicht wirken, ohne zu lieben. Aber auch umgekehrt: Wir können nicht Licht sein, ohne zu leuchten, nicht glauben, ohne zu zeugen, nicht lieben, ohne zu helfen und zu retten.

„Mache dich auf, werde Licht“, so ruft der Herr uns zu. Und wir antworten ihm heute und alle Tage mit dem Gebetsseufzer: „Herr hilf, dass es in uns und durch uns Licht werde, dass wir durch den Glauben deine rechten Jünger, dass wir in der Liebe deine rechten Zeugen seien, und hilf, dass der Glaube an dich, das Zeugnis von dir immer mehr eine Macht werde, die die Welt überwinde und dir zu Füßen lege“. Amen!

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