Harms, Theodor - Der Heilsweg - Am achten Sonntage nach dem Feste der heiligen Dreieinigkeit 1870.

Harms, Theodor - Der Heilsweg - Am achten Sonntage nach dem Feste der heiligen Dreieinigkeit 1870.

Die Gnade unsers HErrn und Heilandes Jesu Christi, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Lasst uns beten: Lieber HErr und Heiland Jesu Christ, lass nun Dein heiliges teures Wort gesegnet sein an unser aller Seelen. Wir wissen und glauben es fest, dass Dir viel daran gelegen ist, wenn wir uns bekehren, und darum zweifeln wir nicht daran, dass es Dein Ernst ist, unser Herz durch Dein Wort zu rühren. Wir sind lauter arme elende Sünder und können zu unserer Bekehrung gar nichts mitwirken und helfen, Du musst Alles allein tun. So stehen wir hier vor Deinem Angesicht und wollen Dir stille halten, dass Du das gute Werk, welches Du in uns angefangen hast, vollenden könnest. Wollest uns geben standhaften Glauben und den rechten Ernst, Dir nachzufolgen, dass wir danach trachten, in dem Sodom dieser Welt unsere Seele zu retten. Es ist trübe Zeit, aber Deine Gnade waltet über die, die Dich fürchten. Darum hilf uns, dass wir Dich suchen, denn von Dir allein können wir Hilfe erlangen in jeder Not. Siehe uns in Gnaden an, denn Du weißt, wie heftig uns der Satan zusetzt, wie schlau die Welt ist und wie träge unser eigen Fleisch. Salbe uns mit Deinem Heiligen Geist bei der Predigt Deines Worts und lass uns Dein Wort zu Herzen gehen; wehre auch dem Satan, der uns Dein Wort gern rauben möchte und lass uns bei Dir bleiben, dass wir in der Wahrheit bestehen immerdar. Amen.

Text: Röm. 8, 12-17.

So sind wir nun, lieben Brüder, Schuldner, nicht dem Fleisch, dass wir nach dem Fleisch leben. Denn wo ihr nach dem Fleisch lebet, so werdet ihr sterben müssen; wo ihr aber durch den Geist des Fleisches Geschäfte tötet, so werdet ihr leben. Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtlichen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Derselbige Geist gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben, und Miterben Christi; so wir anders mit leiden, auf dass wir auch mit zur Herrlichkeit erhoben werden.

Unsere heutige Epistel, meine Lieben, handelt vom Gnadenstand des Christen. Es muss jedem wahren Christen das Wichtigste sein, dass er wisse, ob er in der Gnade stehe oder nicht, denn davon hängt der Seelen Seligkeit ab. Stehe ich nicht in der Gnade, dann kann ich nicht selig werden, stehe ich aber in der Gnade, so muss ich selig werden. Es handelt unsere Epistel nicht davon, dass wir uns bekehren sollen und wie wir das anzufangen haben, sondern sie zeigt uns die Merkmale, die es uns klar machen, ob wir uns wirklich bekehrt haben. Es ist schwer, ein Christ zu werden, aber noch viel schwerer ist es, ein Christ zu bleiben bis ans Ende. So muss jeder, dem seine Seligkeit lieb ist, sich ernstlich die Frage vorlegen: Stehe ich in der Gnade oder nicht? Müssen wir uns sagen, dass wir nicht in der Gnade stehen, so müssen wir den HErrn Tag und Nacht bitten, Er möge uns bekehren; und stehen wir in der Gnade, so müssen wir Ihn Tag und Nacht bitten, Er möge uns bewahren, dass wir nicht aus der Gnade fallen. Darum ist es sehr wichtig und einem jeden wahren Christen herzlich willkommen, dass der heilige Apostel in unserer Epistel die Merkmale angibt, woran wir erkennen können, ob wir in der Gnade stehen. Darum wollen auch wir heute mit Gottes Hilfe handeln

Von den Merkmalen des Gnadenstandes.

1. Der ehrliche Kampf gegen das Fleisch.

Der Apostel Paulus sagt uns in unserer Epistel, dass wir Schuldner seien, aber nicht Schuldner des Fleisches, sondern dass wir vielmehr als Kinder Gottes und Christi, die in der Gnade stehen, verpflichtet sind, die Geschäfte des Fleisches zu töten, damit wir leben und nicht sterben. Aber wenn er uns sagt, dass wir Schuldner sind nicht dem Fleische, so sagt er doch nicht, wessen Schuldner wir sind, aber die Antwort können wir uns leicht selbst geben. Christi Schuldner sind wir, Ihm gehören wir an als Kinder Gottes. Wenn wir dem HErrn Jesu angehören, so gehören wir dem Satan nicht an, darum dürfen wir in keiner Weise dem Satan dienen dadurch, dass wir dem Fleische leben, sondern wir müssen im ehrlichen Kampfe das Fleisch töten. Das Fleisch ist unsere sündliche, verderbte Natur, der alte Mensch, worin der neue Mensch gleichsam gefangen ist. Wer zur wahren Bekehrung gekommen ist, in dem entspinnt sich sofort der Kampf mit dem Fleisch, und da mit dem Fleische der Teufel und die Welt im Bunde stehen, so gilt auch gegen diese der Kampf. Aber der Kampf mit dem Fleische ist der schwerste, weil wir das Fleisch an uns tragen. Das Fleisch ist der Feind in uns, während Satan und Welt nicht an uns und in uns, sondern außer uns sind. Was sollen wir nun tun, um den Sieg zu gewinnen? Der Kampf muss vor allen Dingen ein ernstlicher sein d. h. wir dürfen uns keine Sünde erlauben, wir dürfen keine Nachsicht üben gegen irgendeine böse Lust in uns und müssen alle Rücksichten gegen Satan, Welt und Fleisch aus den Augen setzen. Aber in wie fern ist dieser Kampf mit Satan, Welt und Fleisch ein Kennzeichen unsers Gnadenstandes? Sollte man nicht vielmehr denken, dass eine stolze Siegesruhe das rechte Merkmal unsers Gnadenstandes sei? So denken viele unerfahrene Christen, und lassen sich durch den heißen Kampf auf den Gedanken bringen, dass sie nicht in der Gnade stehen. Aber der Kampf ist ein sicheres Merkmal unsers Gnadenstandes, nicht die stolze Siegesruhe. Wenn du kein Kind Gottes wärest, so würde dich der Satan in Ruhe lassen, und es würde dir nicht einfallen gegen Satan, Welt und Fleisch zu kämpfen. Wer kein Kind Gottes ist, der hat die Sünde lieb, der hegt und pflegt das Fleisch. In einem unbekehrten Christen kann der Kampf mit dem Fleische nicht sein. Hast du dich aber bekehrt, so kannst kreuzigen, so lange du nicht anders, du musst das Fleisch, du lebst und musst deine alte Natur unter die Zucht der Gnade stellen. Geht es hart her bei diesem Kampfe, machen dir deine Sünden viel Not, so hast du darin ein sicheres Merkmal, dass du ein Kind Gottes bist. Je härterer Kampf, desto besserer Christ! Hast du Ruhe vor deinen Feinden, brauchst du nicht zu kämpfen, dann fehlt das Merkmal deiner Gotteskindschaft. Seufze nicht über den Kampf, sondern danke Gott dafür, denn Er gibt dir das Kennzeichen, dass du sein Kind bist und in den Himmel kommen sollst. Der Apostel sagt in unserer Epistel, dass wir das Fleisch töten sollen, wie fangen wir das an? An einer andern Stelle heißt es, dass der alte Adam gekreuzigt werden soll und sterben muss. Wie sollen wir das machen? Wie der HErr Jesus mit drei Nägeln an das Kreuz geschlagen ist, so sollen wir den alten Adam auch täglich mit drei Nägeln kreuzigen, und diese drei Nägel sind: Gottes Gebot, Christi blutiger Martertod und des höllischen Feuers ewige Not. Also erstlich Gottes Gebot, diesen Nagel schlagen wir in die rechte Hand des alten Adams. Wir dürfen nicht anders als unser ganzes Leben nach Gottes heiligen Geboten einrichten, und wenn wir zur Bekehrung gekommen sind, dann ist unser Gewissen geschärft und wir können über Gottes Gebot nicht wegkommen. Nehmen wir die heiligen zehn Gebote und schlagen die als Nagel in die rechte Hand des alten Adams, dann kreuzigen wir ihn. Wir nehmen den zweiten Nagel, das ist Christi blutiger Martertod, und schlagen den in die linke Hand des alten Adams. Unser HErr Jesus hat durch Seinen Tod alle unsere Sünden getragen, dadurch sind wir mit Gott versöhnt, und wenn wir im Glauben Christi Verdienst ergreifen, so überwältigen wir den alten Adam, denn dadurch sind wir erkauft zu Gottes Eigentum und haben Macht empfangen, die Geschäfte des Fleisches zu töten. Wir nehmen den dritten Nagel und schlagen den dem alten Adam durch beide Füße, das ist des höllischen Feuers ewige Not. Gedenken wir fleißig dieser unendlichen, unaussprechlichen Qual, so lernen wir uns scheuen vor den Geschäften des Fleisches, denn die Geschäfte des Fleisches bringen gerade in dieses Elend, und ein Christ möchte nicht gern verloren gehen. Gebrauchen wir diese drei Nägel recht fleißig im Glauben, so kreuzigen wir den alten Adam, und kriegen wir ihn hier auch noch nicht ganz unter die Füße, so erreichen wir dieses Ziel doch in der Todesstunde und jetzt schon gewinnen wir die Herrschaft über ihn, dass wir im Kampfe beharren können, und solches Beharren liefert den Beweis, dass wir nicht unterliegen. So geht es fort bis zur Todesstunde, bis, wie Luther sagt, der alte Adam die Schaufel auf den Kopf kriegt, dann wird er ganz abgetan. Darum kann uns auch der schwere heiße Kampf in der Todesstunde nicht erspart werden, denn es gilt da den Tod des alten Adams. So dürfen wir uns keine Sünde erlauben und wenn wir eine Sünde bei uns finden, müssen wir sie gleich in Buße und Glauben zu Jesu bringen. Obgleich der Christ sich sagen muss, dass er auf Erden von der Sünde nicht ganz frei wird, so weiß er doch, dass er durch die ihm noch täglich anklebende Sünde nicht aus der Gnade fällt, sondern dadurch zu Jesu getrieben wird, um bei Ihm Vergebung zu holen. Merket euch das, meine Lieben, wenn ihr im ehrlichen Kampfe mit dem Fleische steht, so ist das ein sicheres Kennzeichen davon, dass ihr in der Gnade steht; fehlt euch dieses Kennzeichen, so seid ihr aus der Gnade gefallen oder ihr seid noch nie darin gewesen.

2. Das Zeugnis des Heiligen Geistes im Herzen, dass wir Gottes Kinder sind.

Der Apostel sagt: Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtlichen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wir rufen: Abba, lieber Vater! Derselbe Geist gibt Zeugnis unserm Geiste, dass wir Gottes Kinder sind. Wir können nicht zu Christo kommen, ohne durch den Heiligen Geist, denn der Heilige Geist beruft, sammelt, erleuchtet, bekehrt, heiligt und vollendet uns. Dieser Heilige Geist muss in uns wohnen, aber er wohnt nicht im alten Adam, sondern nur in dem Menschen, der in der Gnade steht. Er ist die Lebens- und Triebkraft der Kinder Gottes. Wie empfangen wir Ihn? Er kommt nicht anders, als durch Wort und Sakrament. Wo ein Gottes Wort ist, da ist auch der Heilige Geist, und wo die Sakramente verwaltet werden, da ist der Heilige Geist gegenwärtig. Bekehrst du dich und nimmst Gottes Wort auf in dein Herz, so nimmst du den Heiligen Geist auch auf, und dann wohnt Er in deinem Herzen. Wenn du als ein bußfertiger Sünder zum heiligen Abendmahl kommst, dann empfängst du wohl Christi Leib und Blut, aber du empfängst auch den Heiligen Geist und nimmst Ihn auf in dein Herz. Wir könnten Gott nicht wohlgefällig sein, wenn wir nicht den Heiligen Geist im Herzen hätten. Darum ist jedes gläubige Gebet eine Wirkung des Heiligen Geistes in uns, jeder Gott wohlgefällige Gedanke ist wiederum Seine Wirkung und jedes gute Werk ist eine Arbeit des Heiligen Geistes. So gibt Er uns das Zeugnis, dass wir Gottes Kinder sind. Aber ist dieses Zeugnis des Heiligen Geistes nicht leicht trüglich? kann nicht auch der Satan uns allerlei vorsprechen, dass wir zweifelhaft werden müssen, ob es das Zeugnis des Heiligen Geistes oder des Satans ist? Man sollte denken, die Antwort wäre leicht, aber es ist nicht so, sondern der Christ lässt sich durch den Teufel oft berücken und etwas vorlügen, und macht so der Satan dem Christen viel Not und Unruhe. Was bezeugt der Heilige Geist, was gehört zu Seinem Zeugnis? Siehe, wenn Er dich straft über deine Sünden, wenn Er dir die Hölle recht heiß macht, so ist das das Zeugnis des Heiligen Geistes; wenn Er dir sagt, dass du ehrlich und treu kämpfen musst und dass dir noch viel fehlt an dem rechten Gott wohlgefällig sein, so ist das das Zeugnis des Heiligen Geistes; wenn Er dir sagt: Lies fleißig in der Bibel, höre fleißig die Predigt, gehe fleißig zur Beichte und zum heiligen Abendmahl, so ist das das Zeugnis des Heiligen Geistes. Der Teufel macht es anders. Der sagt: Du bist kein Gotteskind, sonst könntest du nicht mehr so viel sündigen; du gehst nicht würdig zum heiligen Abendmahl, darum warte bis du dich gebessert hast; dir hilft alles Kämpfen mit der Sünde nicht, denn du kriegst sie doch nicht unter. Das ist Satans Zeugnis. Des Heiligen Geistes Zeugnis ist darin bestimmt und klar, dass Er dich beten lehrt im einfältigen Glauben. Ein jedes gläubige Gebet ist eine Wirkung des Heiligen Geistes, denn der Mensch kann aus sich selbst kein Gebet tun, aus einem unbekehrten Menschen kann kein rechtes Gebet kommen. So lange du erhörlich beten kannst, hast du das Zeugnis, dass du Gottes Kind bist. Ja, denkst du, da hapert es eben, ich bin oft so unlustig zum Gebet, es ist so dürr und trocken in meinem Herzen, das Gebet will nicht in die Höhe, es bleibt auf der Erde liegen; aber das darf dich nicht kümmern. Wenn das Gebet nur aus deinem Herzen kommt, dann dringt es auch zu Gottes Herzen, denn Gott ist nicht bloß im Himmel, sondern auch auf Erden. Ist auch dein Herz dürr und trocken und betet nur, so ist doch das Gebet eine Wirkung des Heiligen Geistes. Kannst du auch weiter nichts beten, als was ein kleines Kind betet: Abba, lieber Vater! und kommt es nur aus deinem Herzen, so geht es in Gottes Herz und ist eine Wirkung des Heiligen Geistes. Es ist nicht gesagt, dass du recht schwungvolle, überwältigende Gebete sprechen musst, sondern kannst du nur lallen wie ein Kind im Glauben, so ist das ein Merkmal, dass du im Gnadenstande stehst. Wenn du aber das Beten ausgibst, weil du keine Lust dazu hast, wenn du anfängst, die Kirche zu versäumen, die Predigt nicht mehr hörst, das heilige Abendmahl verachtest, dann hört auch das Beten auf im Herzen und dir fehlt das Zeugnis des Heiligen Geistes. Aber dann muss dir auch angst und bange werden um deine arme Seele. Ach, meine Lieben, es ist unbegreiflich, wie leichtsinnig die Menschen oft sind. In unserer Gemeine gibt es wohl wenig Leute, die ohne Gebet den Tag anfangen und ohne Gebet den Tag beschließen; aber ich glaube, bei den meisten ist es nur Angewöhnung und Modesache und nur bei den wenigsten kommt es aus dem Herzen. Aber nicht das äußerliche Beten mit dem Munde ist das Zeugnis des Heiligen Geistes, sondern nur das Gebet, welches aus einem bußfertigen und gläubigen Herzen kommt. So hast du durch Wort und Sakrament den Heiligen Geist im Herzen, sofern du im Glauben stehst und der Heilige Geist bezeugt es dir im Herzen, dass du Gottes Kind bist, lehrt dich beten, wirkt in dir den Glauben, treibt dich, der Welt und der Sünde abzusterben, schenkt dir den Frieden, den die Welt nicht geben, aber auch nicht nehmen kann und führt dich immer weiter hinein in die Liebes- und Lebensgemeinschaft mit deinem treuen Gott und HErrn.

3. Das willige Leiden mit Christo.

Seht, wenn wir in der Gnade stehen, so sind wir Gottes Kinder und sind wir Gottes Kinder, so sind wir Gottes Erben, denn ein Kind ist durch das Naturrecht ein Erbe des Vaters. Kinder Gottes sind aber auch durch göttliches Recht Gottes Erben und so sind wir nach einem zwiefachen Recht Gottes Erben. Wenn ein Vater nach seinem Tode zwei unmündige Kinder hinterlässt, die nie gearbeitet haben, und viele Knechte, die lange gearbeitet haben, so wird Niemand den Kindern das Erbrecht absprechen können, wie es Niemand einfallen wird, den Knechten das Erbrecht zuzusprechen. Beim Erben geht es nicht nach Würdigkeit, sondern nach dem Recht und das ist dabei einerlei, ob man das Erbe verdient hat oder nicht. So geht es uns auch mit unserm himmlischen Erbe. Auf Grund der Taufe sind wir Gottes Kinder und deshalb auch Gottes Erben und so lange wir auf Erden leben, bewahrt uns der HErr ein Anrecht auf unser Erbe und wir können zu jeder Zeit Anspruch darauf machen. Hier auf Erden enterbt Gott Niemand, die Enterbung tritt erst mit dem Tode ein. Stirbst du unbußfertig und ungläubig, so verlierst du dein Kindesrecht und dein Erbrecht und zwar in Ewigkeit. Aber muss dies nicht dazu dienen, die Christen leichtfertig und dickfellig zu machen, wenn es heißt, ich bin ein Kind Gottes, Gott sieht mich so an und bewahrt mir mein Erbe und nun im Vertrauen auf Gottes Gnade will ich hingehen und tun, was mir beliebt, will mein Gut mit Huren und Prassen durchbringen, mein Erbe bleibt mir doch? So denken leider die meisten Christen, aber dann fällt es ihnen nicht ein, wenn es zum Sterben kommt, von ihrem Kindesrecht Gebrauch zu machen, denn das ist nur dem Bußfertigen und Gläubigen möglich und beides ist Gnadenwirkung des Heiligen Geistes, der ihnen fehlt. Hast du in den jungen und besten Jahren dem Teufel gedient und in den alten Tagen willst du zu Jesu gehen und sagen: Jetzt will ich Gebrauch machen von meinem Kindes- und Erbrecht, so meine doch ja nicht, dass der HErr darauf hört, es müsste denn sein, du kämst wirklich als der verlorene Sohn zurück. So verscherzen die meisten Christen, wie Esau um das Linsengericht dieser Welt ihr Erbrecht oder wie der verlorene Sohn im Dienst des Teufels und der Sünde und unter tausend sind es nicht zwei, die zurückkehren, wie der verlorene Sohn. Das ist kein Suchen nach Gnade, wenn man aus Furcht vor Strafe zu Jesu kommt. Wer aber wirklich die Gnade sucht, - und wär's in der letzten Stunde -, der soll Gnade finden, der soll das himmlische Erbe erlangen. Wenn du wirklich ein Kind Gottes bist und wenn dir an dem Erbe wirklich etwas liegt, dass du sollst zu der himmlischen Herrlichkeit erhoben werden, so knüpft der HErr eine Bedingung daran, die keinem Christen erspart wird und die das dritte Merkmal ist von unserm Gnadenstande: Du musst mit Christo leiden. Das Kreuz bleibt keinem Christen erspart und zwar das Kreuz um Christi willen. Wenn du ein rechter Christ bist, der es ernst meint im Kampf mit Satan, Welt und Fleisch, so wird dir das Fleisch viel Not machen, ja die meiste, und das Sündenkreuz ist das schwerste. Was hat dem HErrn Jesu die meiste Not gemacht, die Anfeindung des Teufels, der Hohn der Welt oder unsere Sünde? Ohne Zweifel unsere Sünde und darum ist auch für den Christen das Sündenkreuz das schwerste. Dazu kommt der Hohn der Welt, deren Wege man nicht mehr gehen kann und will. Verhöhnt hat sie den HErrn der Herrlichkeit, sie wird es mit dir nicht besser machen. Lässt sie dich aber in Ruhe, ist sie gut Freund mit dir und du mit ihr, dann stehst du nicht in der Gnade. Dazu kommt der Teufel, der den echten, wahren Christen keine Ruhe gönnt. Es ist ihm die größte Freude, wenn er einen wahren Christen von Christo abbringen und in die Hölle stürzen kann. Wenn im Himmel Freude ist über einen Sünder, der Buße tut, so stimmt die Hölle ein Hohngelächter an, wenn es dem Satan gelingt, einen Christen in die Hölle zu bringen. So kann dies dreifache Kreuz keinem Christen erspart werden, er muss es um Christi willen leiden, denn durch solche Leiden werden wir Christo ähnlich, werden geläutert und bewahrt im Glauben. So ist das Kreuz die Signatur der Menschen, die in der Gnade stehen, d. h. das Leiden, das wir um Christi willen und mit Ihm ertragen. Dazu kommt noch allerlei Trübsal, die von der Hand des HErrn kommt, z. B. Krankheit, Armut, Todesfälle rc.; aber das sind nicht Merkmale des Gnadenstandes, denn die werden keinem Menschen erspart, auch den Ungläubigen nicht, und Krankheit und Tod sind außerdem Folgen der Sünde. Der Christ soll in der Trübsal, die ihm der HErr auflegt, die Liebeshand des HErrn merken und tut er das, so leidet er willig und freudig und hat darin ein Merkmal, dass Jesus Seine Gnadenhand nicht von ihm abgezogen hat. Sträubst du dich gegen das Leiden, willst du nicht leiden, machst du durch Sorgen dein Leiden größer, so bist du noch nicht in der Gnade. Der Christ sagt: Ich darf leiden, es ist mir eine Ehre, das Leiden zu tragen, und das ist ein Zeichen davon, dass du ein Kind Gottes bist. Hast du dazu das Kreuz, das Leiden um Christi willen zu tragen, so hast du das gewisse Merkmal, dass du in der Gnade stehst. Ständest du nicht in der Gnade, so ließen dir deine Feinde Ruhe. Die Kinder der Welt werden nicht angefochten, sie gehören schon dem Teufel. So ziehe ruhig deine Straße weiter und freue dich auf das Ende, dann gehst du ein in die ewige Ruhe. Hast du Jesu das Kreuz nachgetragen bis ans Ende, dann nimmt der HErr dir das Kreuz von der Schulter und setzt dir im Himmel die Ehrenkrone auf das Haupt, dass du sie tragen sollst immer und ewig.

Wir danken Dir, lieber HErr Jesu, für Dein heiliges, teures Wort, da Du uns armen Sündern gezeigt hast, welches die Merkmale des Gnadenstandes sind. Wir bitten Dich, lieber HErr, öffne uns die Augen, dass wir recht erkennen, ob wir diese drei Merkmale auch bei uns finden: Den ehrlichen Kampf gegen das Fleisch, das Zeugnis des Heiligen Geistes und das liebe Kreuz. Wenn wir diese Merkmale nicht bei uns finden, dann gib uns, lieber HErr, eine Unruhe bei Tag und Nacht in das Herz, dass wir anhalten mit Bitten und Flehen, bist Du uns begnadigst und wir diese Merkmale bei uns erkennen und dann mit ganzem heiligem Ernst danach trachten, dass wir nicht wieder aus der Gnade fallen, sondern Dir treu bleiben bis an unser seliges Ende. Wir bitten Dich, unsern lieben HErrn, erbarme Dich über uns, wir können aus uns nichts, aber Du willst ja das gute Werk in uns treiben. So hilf uns, dass Dir Keiner Widerstand leiste, sondern dass wir uns Dir ergeben, Dir stille halten, im Gebet verharren, Dir treu bleiben bis ans Ende und das Ende unsers Glaubens davon bringen, der Seelen Seligkeit. Erhöre uns, lieber HErr, um Deines Namens willen. Amen.

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