Gerok, Karl von - Andachten zum Psalter - Psalm 127.

Gerok, Karl von - Andachten zum Psalter - Psalm 127.

(1) Ein Lied Salomos im höheren Chor. Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wo der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst. (2) Es ist umsonst, dass ihr frühe aufsteht, und hernach lange sitzt, und esst euer Brot mit Sorgen, denn seinen Freunden gibt er es schlafend. (3) Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn, und Leibesfrucht ist ein Geschenk. (4) Wie die Pfeile in der Hand eines Starken, also geraten die jungen Knaben. (5) Wohl dem, der seinen Köcher derselben voll hat; die werden nicht zu Schanden, wenn sie mit ihren Feinden handeln im Tor.

Salomos Namen trägt dieser Psalm an der Stirn. Nicht Davids, des vielgeprüften, in Leid und Freud geübten, sondern Salomos, des Glücklichen, des der in Frieden ernten durfte, was sein Vater unter Blut und Tränen gesät hatte, Salomos, des Weisen, der statt zu kämpfen, in ruhiger Betrachtung mit beschaulichem Blick von seinem Thron hineinsah ins bunte Gewühl des Menschenlebens. Und wie der Verfasser, so der Psalm. In Davids Psalmen spricht sich meistens ein bewegtes Herz aus, sei's dass wir einen fröhlichen Dankpsalm zu hören bekommen aus glücklichen Tagen oder einen schmerzlichen Klagepsalm in allerlei Not und Gedräng; einen begeisterten Lobgesang über die Herrlichkeit des Herrn oder ein tränenvolles Bußlied, drin ein geängstetes und zerschlagenes Herze sich ausspricht vor Gott. Ganz anders bei Salomo, der blickt mehr hinaus in die Welt als hinein in sich selbst, da redet weniger das Herz als der Kopf, da spricht weniger das Gefühl als der Verstand, da vernehmen wir Lebensregeln, Sittenlehren, Sprüche der Weisheit. Wie Salomo in seinen Sprüchen die köstlichen Perlen seiner Weisheit an einen Faden reiht zur Ergötzung und Belehrung für Jung und Alt, für Arm und Reich, für Mann und Frau, so erhalten wir auch hier aus seinem Munde einen lieblichen Lehrpsalm, eine schöne Lektion im frommen Gottvertrauen, die wir alle wohl brauchen können. Und dieser Lehrpsalm wird uns dann freilich auch werden zu einem Bußpsalm, dabei wir uns schämen sollen so mancher törichten Furcht, so manches ängstlichen, heidnischen Sorgens; er wird uns zu einem Trostpsalm werden, dadurch wir uns wieder gestärkt fühlen zum kindlichen Hoffen auf den Herrn; er wird uns zu einem Lob- und Dankpsalm werden, dabei wir uns freuen so manches Segens, der uns schon zugeflossen ist ohn all unser Verdienst und Würdigkeit von oben herab, vom Vater des Lichts, von welchem alle gute und alle vollkommene Gabe kommt.

Der kurze Inhalt unseres Psalms, der kurze Inhalt auch unserer jetzigen Betrachtung ist das alte schöne Sprüchlein: „An Gottes Segen ist alles gelegen.“

An vier Exempeln führt der Psalmist diesen Satz durch:

1) Am Häuserbau;
2) am Städtewohl;
3) am Broterwerb;
4) am Kindersegen.

1)

Vom Häuserbau nimmt er sein erstes Beispiel her. V. 1: „Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.“ Das gilt zunächst ganz einfach im wörtlichen Sinn. Warum ist nichts geworden aus dem Turmbau zu Babel, da alle Welt sich zusammentat und sprachen: Wohlauf, lasst uns eine Stadt und Turm bauen, des Spitze bis an den Himmel reiche? Antwort: „Wo der Herr das Haus nicht baut, da arbeiten umsonst, die daran bauen.“ Warum hat unser Salomo selbst, nachdem er dem Herrn ein Haus gebaut, herrlich wie sonst keines, mit Gold und Zedernholz, Marmor und Erz, bei der Einweihung so flehentlich zum Herrn gebetet: Lass deine Augen offenstehen über dies Haus Tag und Nacht? Antwort: „Wo der Herr das Haus nicht baut, wo er seinen Segen nicht dazu gibt, da arbeiten umsonst, die daran bauen.“ Und ist's nicht so heute noch mitten unter uns? Es wird jetzt auch in unserer Stadt wieder manches Haus gebaut, der Mut ist wieder da, der Friede scheint wieder befestigt, der Wohlstand ist wieder im Wachsen; bald da, bald dort hört man das Hämmern der Steinmetzen und sieht ein Baugerüst gen Himmel ragen. Dass es nur auch jeder Bauherr beherzigte und jeder Arbeiter bis zum Speisbuben und Handlanger herab: „Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.“ Wenn er nicht seinen Segen zur Arbeit gibt, wenn er nicht über den Bauleuten wacht und schützend seine Hand über ihnen hält, da ist bald ein Unglück geschehen, ein falscher Tritt und aus schwindelnder Höhe stürzt ein kräftiger Mann zerschmettert herab. Wo der Herr nicht seinen Segen gibt auch übers fertige Haus, da bringt es seinem Besitzer kein Glück; mag der Baum mit seinen Bändern noch so lustig flattern über dem gerichteten Giebel; mögen die neuen Spiegelscheiben noch so blank und schön glänzen an den Fensterreihen - an Gottes Segen ist alles gelegen. Wo man den nicht demütig erfleht, wo nicht Gottesfurcht und Gottvertrauen des Hauses Fundament ist - o wie mancher hat sich da schon verbaut und verstiegen und ist am Ende stecken geblieben wie die Bauleute zu Babel, und sein Wohlstand hat einen großen Fall getan, wie des Mannes, der sein Haus auf Sand gebaut.

Aber nicht nur dem Bauherrn und Hausbesitzer gilt's, in jedem Hausstand, bei jedem Unternehmen gilt's: „Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen.“ Den Brautleuten gilt's, die einen Hausstand gründen wollen: An Gottes Segen ist alles gelegen. Wenn ihr eure Ehe nicht schließet im Aufsehen auf den Herrn, wenn ihr nicht eines seid miteinander in der Furcht Gottes dann macht noch so eine glänzende Partie, heiratet noch so sehr nach Neigung oder bringt noch soviel Vermögen zusammen: das rechte Glück, der wahre Segen, der edle Frieden wird nicht dabei sein. Dem Geschäftsmanne gilt's: An Gottes Segen ist alles gelegen. Berechne noch so vorsichtig, spekuliere noch so klug, leg deine Unternehmungen noch.so großartig an: wenn nicht die Furcht des Herrn dein Tun und Lassen leitet, der Segen Gottes dein Vorhaben begleitet, so kann weder deine Klugheit noch dein Vermögen dich vor Unglück bewahren. Dem Gelehrten gilt's, wenn er ein Buch schreibt, ein Lehrgebäude errichtet, einen Unterricht beginnt: „Wo der Herr nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen“; wenn nicht Gottes Geist, der Geist der Wahrheit, deinen Geist erleuchtet, deine Feder führt, zu deinem Worte den Segen gibt, so ist deine Mühe umsonst, deine Gelehrsamkeit tot, deine Worte sind in den Wind geredet, deine Tinte ist für nichts verschrieben, dein Lehrgebäude fällt zusammen wie ein Kartenhaus. Kurz, was du unternimmst, sei's groß oder klein: An Gottes Segen ist alles gelegen.

Wo der Herr das Haus nicht baut, wo man's ihm nicht anvertrauet,
Wo man selbst sich helfen will, steht das Werk bei Zeiten still.

2)

Vom Städtewohl nimmt Salomo sein zweites Exempel. „Wo der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.“ Von Salomo lesen wir im ersten Buch der Könige, wieviel herrliche Diener und Knechte um seinen Thron her gereiht standen, und die Königin von Saba pries ihn glücklich um seines Reichtums und um seiner Diener und um seiner eigenen Weisheit willen. Und doch wusste der weise König: Mit all meiner Weisheit kann ich mein Volk nicht vor Schaden beschützen, all meine Wächter können meinen Thron und meine Stadt nicht vor Unglück behüten: „Wo der Herr nicht die Stadt behütet, da wacht der Wächter umsonst.“ - Und ist's nicht heute noch so? Gilt's nicht auch unserem Land, unserer Stadt, unserem Haus: „Wo der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst?“ Unsere Stadt ist wohl verwahrt in stiller Nacht. Wir haben tiefen Frieden im Land; wir haben Wächter genug, Wächter an den Toren, Wächter auf dem Turm, Wächter in den Straßen; wir haben eine gute Feuerwehr; wir schieben den Riegel vor an unserer Haustür und löschen das Licht aus mit Bedacht, eh wir unser Haupt aufs Kissen legen. Und doch, meine Lieben, werden wir heute hier noch miteinander beten: Nimm Stadt und Land in deinen väterlichen Schutz; behüte uns vor Krieg und Aufruhr, vor Feuer und Wassersnot, vor einem bösen schnellen Tod. Doch wird ein frommer Hausvater, eine christliche Hausmutter am Abend die Augen nicht schließen ohne ein herzliches: Der Herr segne uns und behüte uns! Warum? Antwort: „Wo der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.“ Vor Krieg und Aufruhr, vor Feuer und Wassersnot, vor Hagel und Unwetter, vor Sturm und Erdbeben, vor Dieben und Mördern, vor Pestilenz und schnellem Tod kann ja kein Riegel uns schützen, kein Wächter uns behüten; davor kann nur einer uns beschützen, der Wächter Israels droben über den Sternen, der treue Menschenhüter mit seinen Engelscharen, zu dem wir im Abendlied beten:

Die Augen stehn verdrossen, im Nu sind sie geschlossen,
Wo bleibt dann Leib und Seel?
Nimm sie zu deinen Gnaden, sei gut für allen Schaden,
Du Aug und Wächter Israel!

„Wo der Herr nicht die Stadt behütet, so wacht der Wächter umsonst.“ O dass das alle Wächter beherzigten, die zur Wache gesetzt sind über Stadt und Land; dass alle Obrigkeiten und Gewalthaber sich in Demut beugten vor dem obersten Wächter Israels, ihn um seinen Geist, um seinen Schutz, um seinen Segen anflehen wollten für Stadt und Land. Der König auf seinem Thron, der Minister mit seinen Räten, der Kriegsmann mit seinen Soldaten, die Landstände in ihrem runden Saal, die Richter hinter ihrem grünen Tisch, die Obrigkeiten in ihren Rathäusern, die Prediger auf ihren Kanzeln, die Schullehrer in ihren Schulen, die Kirchenältesten unter ihren Armen, die Lehrherrn unter ihren Arbeitern, die Hausväter und Hausmütter über Kind und Gesinde, siehe da lauter Wächter fürs gemeine Wohl, denen wir zurufen möchten: Tut eure Schuldigkeit, hütet eure Pflegbefohlenen, weidet eure Schafe; wacht! aber wacht und betet! betet, denn an Gottes Segen ist alles gelegen. Ihn habt vor Augen und im Herzen, ihn rufet an für euch und die Eurigen, für Stadt und Land, für Haus und Gemeinde, für Kirche und Schule um seines Wortes Licht, um seines Geistes Kraft, um seiner Gnade Schutz.

Wenn der Herr die Stadt nicht hütet,
Wo der Feind bald schleicht, bald wütet,
Wird sie trotz der Wächter Fleiß
Flammen oder Mördern Preis.

Dasselbe gilt:

3)

Vom Broterwerb. Darüber spricht der weise König V. 2: „Es ist umsonst, dass ihr frühe aufsteht und hernach lange sitzt und esst euer Brot mit Sorgen; denn seinen Freunden gibt er es schlafend.“ Auch da hat Salomo, der Glückliche und Reichgesegnete, wieder recht aus Erfahrung sprechen können. Hat sein Vater David in Kampf und Streit sein Leben zubringen müssen von Jugend auf bis an seines Lebens Ende, von Sauls Verfolgung bis zu Absaloms Empörung, so ist dem Sohne Glück und Reichtum, Weisheit und Ehre, Friede und langes Leben von selber zugefallen durch Gottes unverdiente Gnade. Aber auch wer nicht reich ist, nicht glücklich, nicht berühmt wie Salomo, der lasse sich's gesagt sein zur Mahnung und zum Trost: „Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht und hernach lange sitzt und esst euer Brot mit Sorgen, denn seinen Freunden gibt er es schlafend.“ Es ist freilich leicht, diesen Spruch zu missdeuten, zu missbrauchen und sogar lächerlich zu machen; es ist aber auch nicht schwer, ihn recht zu verstehen und recht zu gebrauchen. Es ist klar, dass der weise König hier nicht der Trägheit das Wort reden will, die ihre Morgen verschläft und ihre Tage verträumt; oder dem Leichtsinn, der sorglos in den Tag hineinlebt, seine Abende verjubelt und seine Nächte durchschwärmt; oder dem blinden Gottvertrauen, das über dem Beten das Arbeiten vergisst und die Hände in den Schoß legt mit der Zuversicht: mein Gott kann mir's ja im Schlafe geben, mein Heiland wird schon für mich die Kinder hüten oder die Suppe kochen. Nein, wohlgemerkt: seinen Freunden gibt er's schlafend; sein Freund ist aber nur, wer seine Gebote hält, seine Pflicht tut nach des Heilands Erklärung: Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch gebiete. Also tut immerhin eure Schuldigkeit; stehe früh auf, denn Morgenstund hat Gold im Mund; halte dich ans Werk bis zum Abend und wirkt, solang es Tag ist, ehe die Nacht kommt, da niemand wirken kann; esst euer eigen Brot im Schweiß eures Angesichtes, denn Bettelbrot bringt keinen Segen. Aber dann, liebe Seele, wenn du das deine getan hast, dann vergiss es nicht: An Gottes Segen ist alles gelegen. Wenn du gesorgt hast, so weit es an dir war, dann wirf deine Sorgen auf den Herrn, der sorgt für uns. Wenn du gearbeitet hast vom Morgen bis zum Abend, dann befiehl dem Herrn deine Sache und leg dich ruhig schlafen und denk, der Segen muss nun von oben kommen, den gibt der Herr seinen Freunden, seinen treuen Knechten auch im Schlaf. Also was der weise Salomo nicht will, das ist nur das ängstliche Sorgen, das nimmersatte Wühlen, das ungenügsame Zusammenscharren; dabei ist kein Segen. Und was er will, das ist nichts anderes, als was hernach der gewollt hat, der mehr ist als Salomo, da er in seiner Bergpredigt ausrief: Seht die Vögel unter dem Himmel an; sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr, denn sie? Und warum sorget ihr für die Kleidung? Schauet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen; sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, als derselben eine. Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach solchem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr des alles bedürft. - Und gibt's auch, was ihr bedürft, gibt's euch, wenn ihr nur arbeitet als seine treuen Knechte und betet als seine frommen Kinder; gibt's euch oft wunderbar, gibt's euch oft wörtlich im Schlaf. Oder ist's nicht so? Wenn der Landmann sein Feld bestellt hat im Schweiße seines Angesichts siehe, während er schläft, wer behütet ihm seine Saat vor Hagel und Unwetter, wer netzt ihm sein Feld mit Tau und Regen, wer lässt ihm seine Frucht wachsen und gedeihen? An Gottes Segen ist alles gelegen. Und wenn wir oft uns den Tag lang bekümmerten und grämten in irgendeiner Not und spät unser verweintes Angesicht ins Kissen legten: wer hat oft geholfen über Nacht, hat unversehens die Not gewendet und uns seine Sonne wieder fröhlich scheinen lassen, dass es auch bei uns hieß: Den Abend lang währt das Weinen, aber am Morgen die Freude? - Ist's nicht sein Arm, der alles schafft? Wohlan denn, verzagtes Herz, so glaube nur, bete nur, arbeite nur, aber dann befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen:

Alles Schaffen und Bestreben, alles Sorgen, Rennen, Beben
Tut es nicht, wenn's Gott nicht tut, Gott und seine treue Hut.

Dasselbe gilt endlich auch von der edelsten Gabe, vom lieblichsten Segen:

4)

Vom Kindersegen. Davon spricht der Psalmist in den drei letzten Versen.

V. 3-5: „Siehe, Kinder sind eine Gabe des Herrn und Leibesfrucht ist ein Geschenk.“ Dieses Geschenk galt ja als das edelste besonders im alten Bund. Wie hat eine Rahel und Hanna darum gefleht, eine Sarah und Elisabeth sich darüber gefreut! Und wohl dem Vater, Heil der Mutter, wenn die Kinder wohl geraten an Leib und Seel. V. 4: „Wie die Pfeile in der Hand eines Starken, also geraten die jungen Knaben.“ V. 5: „Wohl dem, der seinen Köcher sein Haus derselben voll hat; die werden nicht zu Schanden, wenn sie mit ihren Feinden handeln im Tor.“ Sie sind sein Schmuck, sein Stolz, sein Stab und seine Stütze. Das hat auch jene römische Mutter Kornelia gemeint, als sie ihrer Freundin, die auf Besuch bei ihr war und ihren Schmuck auskramte, Gold, Juwelen und Perlen, dagegen ihre zwei Knaben vorstelle, wie sie eben schön und blühend aus der Schule kamen, und sagte: Siehe, das sind meine Juwelen. Aber auch bei diesen Schätzen gilt's: An Gottes Segen ist alles gelegen. Wie Kinder selbst eine Gabe des Herrn sind, die manchem versagt bleibt, der sonst alles in Fülle hat, was zum Glück des Lebens gehört, so muss auch zu ihrem Wohlgeraten der Segen von oben kommen, und es kann einer reich sein, mächtig sein, weise sein, fromm sein sogar und doch darf er an seinen Kindern nicht soviel Freude erleben, als ihm zu gönnen wäre; statt Ehre erlebt er vielleicht sogar Schande an einem Sohn; statt Pfeile gegen seine Feinde werden sie ihm Pfeile gegen sein eigenes Herz. Das hat ein David erlebt an seinem Sohn Absalom, so ist's unserem Salomo auch gegangen mit seinem Sohn Rehabeam. Was lernen wir daraus? Kinder sind eine Gabe des Herrn; wohl, so wollen wir sie als ein Geschenk Gottes lieb haben, wert halten, treulich hüten, fleißig ermahnen, christlich erziehen und es an uns nicht fehlen lassen, damit wir dem Herrn ja keins verwahrlosen von denen, die er uns anvertrauet hat und befohlen: Weide meine Schafe, weide meine Lämmer! Aber auch dabei wollen wir's nicht vergessen: An Gottes Segen ist alles gelegen. Und wenn wir das unsrige getan haben mit Nahrung und Kleidung, mit Schule und Unterricht, mit Hut und Pflege, mit Lehre und Vermahnung, mit Ernst und Liebe, dann wollen wir das Beste nicht vergessen; wir wollen beten für sie und mit ihnen zu dem Vater des Lichts, von dem alle gute und alle vollkommene Gabe kommt, dass er sie bewahre vor dem Argen, dass er sie führe auf ebener Bahn, dass er für sie sorge, wenn wir's nicht mehr können. Durch jede Freude, die wir an ihnen erleben, und durch jedes Leid, das sie uns antun, wollen wir zum Herrn uns treiben lassen in Bitte, Gebet, Fürbitte, Danksagung; dann werden wir auch an unsern Kindern je mehr und mehr seinen Segen erfahren und seine Gnaden verspüren. Nun denn, Kinderreiche und Kinderlose, Alte und Junge, Frohe und Betrübte, lasst's uns nicht vergessen: An Gottes Segen ist alles gelegen. Und du, Gott alles Segens, wir lassen dich nicht, du segnest uns denn:

Unsern Ausgang segne Gott, unsern Eingang gleichermaßen,
Segne unser täglich Brot, segne unser Tun und Lassen;
Segn' uns einst mit sel'gem Sterben und mach uns zu Himmelserben.

Amen.

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