Flügge, Carl August - Wasser tut's freilich nicht.

Flügge, Carl August - Wasser tut's freilich nicht.

Ein Hamburger Pastor klagte vor einiger Zeit über die erschreckende Entkirchlichung der Volksmassen. Nach seinen Worten zählt Hamburg nur 8,25 Prozent Abendmahlsgänger, und von je hundert, die bei ihrer Konfirmation treue Glieder der Kirche zu sein gelobten, besuchen nach dieser Feier, in der sie als Christen anerkannt und bestätigt wurden, nur zwei von je hundert Konfirmanden überhaupt wieder die Kirche.

Und doch sind auch die anderen 98 Prozent der Namenchristen, die fortgesetzt als evangelische Christen in den Kirchenbüchern geführt werden, getauft und sollen in der Taufe nach der Meinung vieler wiedergeboren sein.

Mehr als 500.000 werden jährlich in Deutschland wegen Verbrechen und Vergehen bestraft, und die meisten der Insassen unserer Zuchthäuser sind doch alle getauft und sollen dadurch nach vieler Meinung Christen, d. h. Kinder Gottes, Nachfolger Christi geworden sein.

Wasser tut's freilich nicht, sondern das Wort Gottes, so mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, so solchem Worte Gottes im Wasser traut. So sagt Luther bei der Erklärung des vierten Hauptstückes in seinem Katechismus. Wer nicht durch das Wort Gottes zur Erkenntnis seiner selbst, durch Buße zum gläubigen Ergreifen des freien Heils in Christo gelangt und so wiedergeboren ist, der ist nicht würdig, getauft zu werden.

Nicht alles, was man Taufe nennt, ist auch die vom Herrn eingesetzte christliche Taufe. Mit dem Namen Christi darf nur das genannt und gedeckt werden, was nach Seinem Wort und Sinn, Seinem Befehl gemäß und in Seinem Geist geschieht. „Ohne Wort Gottes,“ sagt Luther, „ist die Taufe schlecht Wasser und keine Taufe.“

Auf die Frage: Wer soll getauft werden? antwortet Luther in seiner Kirchenpostille: „Taufe hilft niemand, ist auch niemand zu geben, er glaube denn für sich selbst, und ohne eigenen Glauben niemand zu taufen ist.“ In seinem großen Katechismus schreibt er: „Das ist abermal aufs schönste und klarste ausgedrückt eben in den Worten: Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig. Das ist, der Glaube macht die Person allein würdig, das heilsame, göttliche Wasser zu empfahen. Nur so wird dir die Taufe nütze, wenn du dich in der Meinung taufen lässt, als aus Gottes Befehl und Ordnung, dazu in Gottes Namen, auf dass du in dem Wasser die verheißene Seligkeit empfahest.“ Welcher Gestalt und Art, lehrt Luther, dass die Taufe geschehen müsse?

In seinem Sermon von der Taufe gibt er darauf folgende Antwort: „Zum ersten: Die Taufe heißt auf Griechisch baptismos (daher der Name Baptisten, womit man die Gemeinden gläubig getaufter Christen bezeichnet), zu Latein mersio, das ist, wenn man etwas ganz ins Wasser taucht, das über ihm zusammengeht. Und wiewohl an vielen Orten der Brauch nicht mehr ist, in die Taufe gar zu stoßen und zu tauchen, sondern man allein mit der Hand aus der Taufe begießt, so sollte es doch sein und wäre recht, dass man nach dem Laut des Wörtleins Taufe jeglichen, der getauft wird, ganz hinein ins Wasser senkte oder taufte und wieder herauszöge. Denn auch ohne Zweifel in deutscher Zungen das Wörtlein Taufe herkommt von dem Worte tief, dass man tief ins Wasser senkt, was man tauft. Dies fordert auch die Bedeutung der Taufe, denn sie bedeutet, dass der alte Mensch und sündliche Geburt von Fleisch und Blut soll ganz ersäuft werden durch die Taufe. Darum sollte man der Bedeutung genugtun und ein recht vollkommenes Zeichen geben.“

„Zum anderen: Die Taufe ist ein äußerlich Zeichen oder Losung, die uns absondert von allen ungetauften Menschen, dass wir dabei erkennen werden ein Volk Christi…. Darum müssen wir drei Dinge in dem heiligen Sakrament ansehen: das Zeichen, die Bedeutung und den Glauben. Das Zeichen steht darinnen, dass man den Menschen in dem Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes stößt ins Wasser; aber man lässt ihn nicht darinnen, sondern hebt ihn wieder heraus, darum heißt man es, aus der Taufe gehoben. Also müssen alle beiden Stücke in dem Zeichen sein: das Taufen und das Herausheben.“

Vorstehendes ist wörtliche Anführung aus Luthers Schriften, und wir fragen nun daraufhin: Wer ist lutherischer in diesem Stück, die lutherische Staatskirche unserer Zeit oder die Baptisten? Diese sehen wir der Bedeutung genugtun, indem sie in echt apostolischer Weise durch Untertauchen die mit Christo Gestorbenen begraben mit Ihm durch die Taufe, in welchem sie auch mit auferstehen durch den Glauben. (Röm. 6, 3; Kol. 2, 12; 1 Petri 3, 2.) Und zwar tun sie dies nicht nur, „um der Bedeutung genugzutun“, sondern weil Christus es so verordnet und die ersten Christen es nur so geübt haben.

Durch des Herrn Gnade können sie von Zeit zu Zeit solche, die an Christum gläubig geworden sind, wie es sein soll und recht ist, „ganz ins Wasser hineinsenken und taufen und wiederum herausheben“. Doch halten sie nicht dieses für die Hauptsache, sondern die Verkündigung durch Wort und Wandel der von Christo für uns vollbrachten Erlösung und die Betätigung des Glaubens im praktischen Leben. Wie sie denn auch nicht die Taufe predigen, sondern Christum, den Gekreuzigten, dessen Blut (und nicht das Taufwasser) uns rein macht von aller Sünde.

Noch eine Geschichte zum Nachdenken. Ein Prediger fragte einen getauften Schwarzen, dessen Leben nicht mit seinem Bekenntnis übereinstimmte, warum er glaube, ein wahrer Christ zu sein. „Bin getauft, Massa.“ Als alles Reden, ihm das Trügerische seiner falschen Zuversicht zu zeigen, vergeblich war, fragte er, auf eine Tintenflasche deutend: „Denkst du, ich kann diese Flasche rein machen, wenn ich die Außenseite mit Wasser überspüle?“ „Nein, Massa, inwendig musst du waschen, wenn's rein sein soll.“ „Sehr gut, aber glaubst du nun, dass das Taufwasser dein Herz in dir von Sünde reinigen kann?“ „Jetzt sehe ich's, Massa, ich sehe es, mein Herz ist wie die Tintenflasche inwendig.“

Und dein Herz, lieber Leser, ist es rein durch das Blut Jesu Christi? C. A. F.

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