Doedes, Jacobus Isaac - Gedenkt an Lots Weib

Doedes, Jacobus Isaac - Gedenkt an Lots Weib

Lukas 17, 32:
Gedenkt an Lots Weib!

Wer beharrt bis ans Ende, der wird selig werden. Wenn ihr oft über dieses Wort des Herrn nachgedacht habt, so habt ihr euch dabei wahrscheinlich auch des Wortes seines Apostels erinnert: Eins aber sage ich: ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich zu dem, das da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziele, nach dem Kleinod, welches vorhält die himmlische Berufung Gottes in Christo Jesu. Will man ausharren bis ans Ende, um die Hoffnung der Seligkeit bis ans Ende zu bewahren, so muss man tun, was Paulus tat, dieses Eine. Wie viele vergessen es oft, dass sie das, was dahinten ist, vergessen müssen. Zu wie vielen könnte man sagen, was Jesus einst zu einer seiner Freundinnen sagte: du machst dir viel Sorge und Mühe. Eins ist not.

Eins ist not. Auf dies Eine das Herz gerichtet, nach diesem Einen die Hand ausgestreckt, für dieses Eine alles Andere preisgegeben! Wer es will bewahren, nachdem ers als sein Teil erwählt hat, muss auch dieses Eine tun, ohne welches man das Kleinod der himmlischen Berufung nicht erlangt. Das Eine, was not tut, ists auch wohl wert. Es ist das gute Teil, das mit Recht unsere Augen und unser Herz ganz in Anspruch nimmt. Wohl dem, der wie Maria darüber vergisst, was darüber vergessen werden mag, was wir darüber verlassen müssen.

Welch eine liebliche Erscheinung stellt sich vor unsern Geist, wenn wir ihren Namen nennen. Sie ist ja das Bild von Jedem, der kein Auge, kein Ohr, kein Herz hat als für das lieblichste und begehrenswürdigste, was je auf dieser Erde gesehen ward; das Vorbild aller, die reich in Gott sein wollen. Welch ein Unterschied zwischen dieser Maria, die vor vielen Frauen der Nachfolge wert ist und einer Anderen, von welcher der Herr auch im dritten Evangelium redet. Jenes andere Weib ist keine liebliche Erscheinung. Auf sie sehen wir nicht mit Wohlgefallen. Wir beklagen sie und müssen auch uns selbst beklagen, wenn wir ihr gleichen. Ihre Persönlichkeit zieht uns nicht an. Dennoch dürfen wir unsere Augen nicht von ihr abwenden. Sie redet so ernst zu uns durch das, was sie war, tat, erlitt. Von ihrer Geschichte wird uns sehr wenig erzählt. Dieses Wenige muss uns jedoch sehr oft vor die Seele treten. Wir dürfen sie nicht aus den Augen verlieren. Es ist der Herr selbst, der die Seinen auf sie hinweist und in dessen Geist ich rede, wenn ich euch auf sie aufmerksam mache. Sie warnt uns aber ihr werdet sie selber reden hören, sobald ich sie nenne, sobald ich euch auf das Wort des Herrn hinweise: Gedenkt an Lots Weib!

Sagte ich zuviel mit der Behauptung, dass ein großer Unterschied zwischen ihr und Maria von Bethanien besteht? Maria mit dem guten Teil, das nicht von ihr genommen werden soll, und Lots Weib fortgenommen, ehe sie dem Verderben entflohen war! Ihr nennt diese beiden vielleicht nicht gern in Einem Atem. Nicht unnatürlich. Aber möge man denn auch, wenn man euch steht, nie an Lots Weib, immer an Maria denken können.

Von Lots Weib ist uns nicht so viel bekannt, dass wir wie in Ungewissheit sollten fragen müssen: was hat der Herr doch aus ihrer Lebensgeschichte im Auge, wenn er die Seinen ermahnt, ihrer zu gedenken? Sonst würde der Zusammenhang, worin sein Wort vorkommt, noch Licht genug zu einer bestimmten Antwort geben. Wie es geschah, sagte er, zu den Zeiten Noahs, so wird es auch geschehen in den Tagen des Menschensohnes. Desgleichen, wie es geschah zu den Zeiten Lots: sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten; an dem Tage aber, da Lot aus Sodom ging, da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie alle um. Auf diese Weise wird es auch gehen an dem Tage, wenn des Menschen Sohn soll offenbart werden. An demselben Tage, wer auf dem Dache ist und sein Hausrat in dem Hause, der steige nicht hernieder, denselben zu holen; desselbigen Gleichen, wer auf dem Felde ist, der wende nicht um nach dem, das hinter ihm ist. Fragt ihr noch, was der Herr meint, wenn Er auf diese Worte folgen lässt: Gedenkt an Lots Weib?

Es steht geschrieben: Sein Weib sah hinter sich und ward zur Salzsäule. Gen. 19, 26. Auf der Ebene Sodoms rückwärts sehend kam sie um. Wer denkt da nicht an das vielbezeichnende: wer sein Leben suchen wird zu erhalten, der wird es verlieren! Wer von euch sagt nicht zu sich selber: wo euer Schatz ist, da soll auch euer Herz sein?

Aber wer müsste jetzt an Lots Weib gedenken und wann vor allem? Der Herr hat einst seine Jünger dazu ermahnt; aber außer denen, die den Jüngernamen auch jetzt tragen mögen, gibt es so viele, die sich ein Beispiel nehmen können an dem, was von diesem Weibe geschrieben steht. Was zu Herzen genommen zu werden verdient am Tage, wo des Menschen Sohn geoffenbart werden soll, mag wohl jeden Tag unseres Lebens uns ins Herz gedrückt werden, auch heute ists gefährlich zu tun, was den Herrn sagen ließ: gedenkt an Lots Weib; umzusehen nach dem, was dahinten ist, nicht zu vergessen was um des Himmels willen daran gegeben werden muss, nicht mit dem Herzen das loszulassen, was für dieses Herz zu bestehen aufgehört haben sollte.

Gedenkt an Lots Weib, sagen wir zu einander, sagt der Herr zu uns allen. Lasst uns also an sie gedenken. Lasst uns sehen, wo sie war, was sie tat, wie sie starb, und steht es uns heute heller vor dem Geist, so gebe der Herr, dass wir es morgen nicht vergessen.

Wo sie war, dieses Weib, an welches wir oft gedenken müssen; wo sie sich befand in dem Augenblick, bei dem wir manchmal nachdenkend verweilen müssen; nicht mehr in der Stadt, von welcher die Engel gesagt hatten: wir werden diese Stätte verderben. Sie hatte die Stätte verlassen, die durch Gräuel von Ungerechtigkeit eine Hölle für alle Gottesfürchtige sein musste, wo der Zorn Gottes sich alsbald in einer gerechten und darum schrecklichen Strafe sehen lassen soll. Aber wie viel hatte es gekostet, bis sie aus ihrem Hause und aus der Stadt gegangen war! Gleichwie ihren Mann hatten die Engel auch sie bei der Hand nehmen müssen. Wären die Engel nicht da gewesen; hätte sie aus sich selber ihrem Worte gehorchen müssen: mache dich auf, so würde sie mit ihrem Hause in der Ungerechtigkeit dieser Stadt umgekommen sein. Aber sie ist denn nun draußen, sie hat Sodom hinter sich, sie ist errettet. Errettet? Das ist zu viel gesagt. So lange sie sich nicht innerhalb Zoar befand, war sie noch nicht sicher. Mit dem Blick auf Zoar war zu Lot gesagt: Eile und errette dich daselbst; denn ich kann nichts tun, bis dass du hineinkommest. Waren sie noch auf der Ebene außerhalb Sodom, so waren sie auch außerhalb Zoar und, um errettet zu sein, mussten sie die Ebene verlassen haben. Aber die Strafausübung sollte ja nicht beginnen, bevor sie Zoar erreicht hatten? Ja, wenn sie sich beeilten. Nicht, wenn sie sich weigerten nach dem angewiesenen Zufluchtsort hinzueilen. So war Lots Weib auf der Ebene nur unter gewisser Bedingung sicher. Wenn sie sich nicht aufhielt, wenn sie mehr Eile hatte als in Sodom, dann deckte Gottes Langmut sie dort eine Zeitlang wie mit einem Schilde. Sonst befand sie sich in Todesgefahr.

Täusche ich mich nicht, so befinden sich viele unter den Christen in Bezug auf ihr geistliches Leben in einem ähnlichen Zustande, wie dieser Flüchtling aus Sodom in Bezug auf sein zeitliches Leben? Manche von euch sind vielleicht seit kürzerer oder längerer Zeit auf dem Wege zum Reiche Gottes. Das Wort der Seligkeit ist ihnen gepredigt. Sie haben es gehört, abermals gehört; es war nicht gemächlich, sie zum Aufstehen zu bewegen. Sie fanden sich befriedigt mit der Weise, wonach sie bis dahin gelebt hatten. Wenn sie nicht kräftig wären angespornt und fortgedrängt, so wäre es bei ihnen nicht dazu gekommen, sich aufzumachen. Sie haben sich jedoch aufgemacht. Aber wie, aber wozu? Es gibt ein Aufstehen, das wir einen Übergang vom Tode zum Leben nennen dürfen. Es gibt auch ein Aufstehen, das zu diesem Übergang führen kann, aber denselben noch keineswegs verbürgt. Wollt ihr dieses letzte Mal das erste Auferstehen nennen, so trete ich gern auf einige Augenblicke auf eure Seite, falls ihr nicht behauptet, dass es immer dem wahren Auferstehen vorangehen muss, oder von diesem sicher begleitet werden wird. Das wahre Auferstehen ist die wahrhaftige Bekehrung zu Gott durch den Glauben an Jesum Christum, entsprungen aus einer herzlichen, aus einiger aufrichtigen Reue über die Sünden und aus einem unwiderstehlichen Verlangen und Gefühl des Bedürfnisses, erneuert zu werden. Wo dieses Auferstehen sich findet, da hat eine Erneuerung, eine Wiedererschaffung stattgefunden. Man hat sich selber kennen lernen. Welch eine Entdeckung, wenn man sich selber entdeckt wird. Was entdeckt man nicht, wenn die Augen durch den heiligen Geist geöffnet werden! Eine neue Welt wird vor uns entschleiert, nicht minder wichtig als die gewöhnlich so genannt wird. Man steht verwundert über das, was man nun in sich findet und was man nicht eher gesehen hat, wenn man nämlich die Kindheit nicht in Anrechnung bringt, welche der rechten Selbsterkenntnis früher im Wege stand. Man ist sich selber aufgedeckt, sieht ein, dass man verloren ist, gibt dem Urteil Recht, welches man durch Gottes Wort über sich aussprechen hört, und ergreift mit kindlicher Einfalt und Freude die Hand der Versöhnung, welche Gott in Seinem Sohne anbietet. Denen, von welchen dies gesagt werden kann, ist es Ernst mit der Wahrheit, Ernst mit ihrer Rettung. Sie glauben, dass sie verloren sind. Sie wollen dem Verderben entfliehen. Sie glauben an das Wort der Versöhnung. Sie wollen zu Gott kommen. Da stehen sie auf und nehmen Ihn an, ohne welchen Niemand zum Vater kommen kann. Ist es ihnen Ernst mit der Wahrheit und mit ihrer Rettung, so ist es ihnen auch Ernst mit ihrer Bekehrung und ihrem Glauben. Sie wandeln in Neuheit des Lebens, vereinigt mit dem Herrn, durch dessen Gnade sie zu diesem Auferstehen gebracht sind. Dieses Auferstehen ist jedoch nicht dasjenige, welches ich mit euch das erste Auferstehen nennen wollte. Wo das letztere sich findet, da lebt man wohl nicht mehr so leichtsinnig und gleichgültig fort wie ehedem; da hat die Predigt von Gottes Wort dann und wann wohl einigen Eindruck gemacht. Es ist darin vieles, was man nicht mehr bestreitet, sondern anerkennt, was man mit mehr Wohlgefallen als früher hört, was man noch wohl einmal hören will. Es ist auch das Eine und Andere darin, was man nicht mehr so wie früher tut, wovon man mehr ablässt, weil es eigentlich doch nicht zu verteidigen sei, was man nicht so wie früher fern von sich wirft. Falls die Wahrheit nicht gar zu nackt dargestellt wird, das Schwert des Geistes nicht allzu scharf ist, das Wort des Lebens mit einiger Abschwächung des hartklingenden gepredigt wird, ärgert man sich nicht mehr so daran. Man beginnt mitzugehen. Aber geht man mit, so geschieht es mit der Haltung von einem, der weniger vor dem Tode als vor dem Schein sogar von Übereilung und Übertreibung erschrocken ist. Ja nicht zu eilig, ja nicht übertrieben. Mäßigung wird vor Allem angeraten. So wenig als möglich, eigentlich überhaupt nicht, schnelle Übergänge, entscheidende Wahl. Man beginnt wohl mitzugehen, aber möchte nicht gern zu weit gehen! Man bricht wohl ein wenig ab, aber möchte nicht gern Aufsehen machen, nicht gern anstoßen. Es geht mit sehr schleppendem Gange vorwärts, wenn man wirklich vorwärts geht, und es wird vielmehr berechnet, mit wie wenig Ablegen des Alten man bestehen kann, als dass man Alles zum Opfer bringt, um dem Einen, was not tut, völliges Recht widerfahren zu lassen. Man ist ja auf dem Wege nach dem Reiche Gottes. Man lebt nicht mehr ganz in dem Kreise von Gedanken, Plänen und Aussichten, in welchen man sich früher am liebsten bewegte. Einigen Eindruck hat das Wort der Seligkeit gemacht. Aber möge man auch mit Recht sagen können: es ist bei mir nicht am Wege gesät, so lässt die dreißigfältige Frucht des guten Ackers sich doch auch nicht sehen. Möge man denn auch nicht ganz bei den Kindern der Finsternis seinen Platz haben, so betragen sich die Kinder des Lichts doch wahrlich anders. Man ist auf dem Wege, aber noch nicht eingegangen. Man ist wie Lots Weib auf der Ebene, aber nicht in Zoar. Gottes Langmut verzieht noch das Kommen der letzten Stunde und durch Gottes Langmut gedeckt wird man noch verschont, kommt noch nicht in seinen Sünden um. Sollte es nicht die höchste Zeit sein, dass ihr, die ihr hierin euch selbst erkannt habt, jetzt sagt: so wie Lots Weib da zwischen Sodom und Zoar, so bin ich in meinem geistlichen Zustande? Betrachtet ihr euch vielleicht am liebsten als in einem Übergangszustande, worin ihr mit dem reichen Jüngling fragt, was ihr tun müsst um das ewige Leben zu ererben, einem Zustande, worin ihr jedoch auch sehr gemächlich mit dem reichen Jünglinge würdet hingehen können, betrübt darum, dass der Herr noch zu viel fordert; so werdet ihr es mir nicht übel deuten, wenn ich euch zurufe: Gedenkt an Lots Weib!

Gedenkt an Lots Weib, wo sie war und was sie tat. Aber sie ging ja vorwärts über die Ebene nach Zoar mit ihrem Mann und ihren Töchtern und der Abstand zwischen ihr und Sodom wurde ja immer größer! Hätte man in dieser gräulichen Stadt großen Lärmen gemacht, so würde möglicher Weise das Geräusch an ihre Ohren haben dringen können. Was sie tat? Sie gehorchte doch den Worten: errette deine Seele und siehe nicht hinter dich; auch stehe nicht still in dieser ganzen Gegend! Hätte sie sich nur daran gehalten! Aber was tut sie? Während ihre Fluchtgenossen forteilen, vor sich hin sehend, ihren Weg verfolgend gleichwie die Sonne, die den Berggipfeln nahte und bald über der Erde aufgehen sollte, ihren Weg verfolgte, wird das Fortgehen für Lots Weib je länger. desto mühsamer. Hinter ihr, hinter ihr lag so viel, was sie in ihrem Herzen mit sich genommen hatte. Ihr Herz hing an so Vielem, was sie dort in Sodom hinter sich gelassen hatte! Wohl gleicht sie Jemandem, der eilends vom Dache geflohen war, ohne dass er seinen Hausrat gesehen hatte; Jemandem, der von seinem Acker fortgeeilt ist, ohne etwas von dem haben mitnehmen zu können, was dahinter war; aber dann auch Jemandem, der so nicht vom Dache fliehen kann, Jemandem, der so nicht von seinem Acker forteilen kann. Was da hinter ihr nun wohl geschehen sollte, was wohl das Los dessen werden sollte, was sie dort das Ihre nannte, dessen, was sie dort umringte, was ihr angenehm war, dessen, was sie wohl mit sich hätte in Sicherheit bringen wollen? Zurückkehren - daran war nicht mehr zu denken - sie will auch nicht umkommen. Aber sollte sie nicht mal einen Augenblick umsehen dürfen, Einen Augenblick, Einmal bloß, um noch einmal einen letzten Blick zu werfen auf ihre Stadt, auf die Stätte, von welcher sie so viele Erinnerungen mit sich nahm? Umsehen ist noch nicht zurückkehren! Es kostet ihr Mühe, der Versuchung zu widerstehen. Sie läuft nicht mehr so schnell, wie kurz zuvor. Sie wird gleichsam am Arme festgehalten durch dasjenige, was sie wohl nach dem Leibe, aber nicht mit dem Herzen, nicht mit ihren Gedanken verließ. Es hat so viel Anziehendes für sie - sie wendet ihr Haupt um und sieht - fügt ihr das Fehlende hinzu! - sieht nach dem, was sie mit ihren Augen nicht mehr suchen durfte, sieht um nach dem Verbannten, nach dem, was ein Gräuel vor Gottes Augen war. Es war ihr nicht erlaubt, Augen für das zu haben, was Gott nicht dulden konnte, für das, was Gott von dem Erdboden hinwegtun wollte. Sie durfte sich nicht mehr hingezogen fühlen zu dem, was Gott ihr bereits entzogen hatte, indem er sie davon ausschied. War es ihr ein Geringes, dass sie nicht mit ihren Gütern umkommen sollte? Konnte ihr Herz keine Danksagung finden für die Gnade, die ihr bewiesen war? Warum übertrat sie das Gebot des Herrn, der gesagt hatte: siehe nicht hinter dich, auch stehe nicht still in dieser ganzen Gegend? Warum? Weil Sodom stärker anzog als Zoar. Stärker als Zoar? wie ists möglich! rufst du aus - stärker als Zoar, wo Gott sie in Sicherheit bergen wollte, welche Stätte ihr von Gott angewiesen war, dass sie sich dort für errettet erachten möchte, - stärker als Zoar, das in ihren Augen hätte lieblich sein müssen, das sie hätte verlangen müssen zu sehen, zu erreichen, zu begrüßen. Ach, ihr Herz eilte Zoar nicht entgegen. Es neigte zu der Stadt voller Ungerechtigkeit. Sie war aufgestanden und hingegangen, aber wem sie auch Lebewohl gesagt haben mochte - Sodom nicht.

Irre ich oder es sehen Viele, die sich Christen nennen, noch um nach dem, was dahinter ist, nachdem sie aus ihrem Leben in Leichtsinn und Gleichgültigkeit zu einigem Bedacht für ihre Rettung aufgestanden sind? Was tut ihr, die ihr nicht mehr so unempfänglich für Gottes Wort, nicht mehr so blind, so verhärtet seid, wie früher, aber die ihr euch doch nicht ganz und ungeteilt dem Herrn Jesus übergebt? Ihr habt gehört, dass Er gesagt hat: so Jemand mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. So Jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter, und Weib und Kinder, und Brüder und Schwestern, ja auch sein eigenes Leben, der kann mein Jünger nicht sein. Wer Vater oder Mutter mehr lieb hat, als mich, der ist meiner nicht wert und wer Sohn oder Tochter mehr lieb hat, als mich, der ist meiner nicht wert. Ihr habt ja gelesen, dass der Herr einst von Jemandem, den er gerufen hatte, ihm nachzufolgen, zur Antwort bekam: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe. Was sagte der Herr darauf? Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber gehe hin und verkündige das Reich Gottes. Erinnert ihr euch nicht jenes Andern, der sagt: Herr, ich will dir folgen, doch erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind? Der Herr antwortete ihm: Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt zum Reiche Gottes! Es ist euch verboten umzusehen nach dem, was dahinter liegt, aber ihr, die ihr nicht mit eurer ganzen Seele zu dem Herrn kommt, obschon ihr Ihn nicht mit eurer ganzen Seele zurückstoßt, ihr, die ihr wohl ein Ohr habt für das Wort der Seligkeit, aber auch noch ein Herz für das, was zum Verderben führt, was tut ihr? Ihr seht um nach dem, was euer Herz nicht mehr erfüllen, eure Seele nicht mehr erfreuen darf. Euer Gut besitzt euch noch, Menschenehre betört euch noch. Den Frieden habt ihr lieber, als die Wahrheit, euch selbst lieber als den Herrn. Unter dem, was ihr ehemals tatet, ist das Eine oder Andere, was ihr noch gerne tut, obschon ihr es verurteilen müsst, wenn ihr es an dem Worte prüfet: ihr esst oder trinkt oder was ihr sonst tut, tut es Alles zur Ehre Gottes. Manche weltlichen Vergnügungen und sinnlichen Genüsse überlasst ihr nun Andern, aber es gibt deren auch, worin ihr grade so viel Sünde nicht seht, müsset ihr auch zugeben, dass Gottes Wort, ehrlich und genau genommen und aufgefasst, sie euch nicht erlaubt. Ihr seht um nach dem, was dahinter ist, wenn ihr mit heimlichem Wohlgefallen an frühere Tage denkt, über welche ihr euch jetzt schämen müsst, und nicht minder, wenn ihr Andere einigermaßen beneidet, dass sie noch genießen, was ihr euch - Anstandshalber vielleicht - entsagt. Trifft das auf euch zu, so könnt ihr es leicht erklären. Ihr seht um nach dem, was dahinter ist, weil ihr nicht wirklich gestorben, der Welt nicht gekreuzigt, dem Fleische in seinen Lüsten nicht getötet seid. Darum zieht das Alte euch noch mehr als das Neue an. Ihr würdet den alten Menschen wohl ganz ablegen, wenn euer Herz dabei nicht so bluten würde, und ihr würdet das Herz wohl bluten lassen, wenn ihr euch selbst besser verleugnen könntet. Aber Selbstverleugnung um Jesu und seiner Nachfolge willen, dazu fühlt ihr euch noch zu wenig aufgelegt. Natürlicher Lebensgenuss steht höher bei euch, als eure Rettung vom ewigen Verderben. Was sichtbar ist, behagt euch noch mehr, als die geistliche Freude, welche nach der Übergabe des Herzens an Jesus geschmeckt wird. Wollt ihr eurem Umsehen nicht zur Stunde ein Ende machen, so vergesst wenigstens nicht, dass es denen verboten ist, die Erbgenossen des Reiches Gottes sein wollen. Vergesst lieber, was dahinter ist und gedenkt an Lots Weib!

Gedenkt an Lots Weib, was sie tat und wie sie starb. Sie hat der Versuchung keinen Widerstand bieten können. Sie sieht sich um. Was sieht sie? Ist sie denn nun befriedigt? Der Tod ergreift sie - ein Augenblick - sie hat aufgehört zu leben. Es ist mir, als hörte ich manche fragen, ob sie wirklich in eine Salzsäule verwandelt sein sollte und wem wir eigentlich ihren Tod zuschreiben müssen. Wenn ihr nichts dawider habt, wollen wir das ruhen lassen. Wir halten uns an der Geschichtserzählung. Sie ward zur Salzsäule. Aber das war es eigentlich nicht, woran ich dachte, bei der Frage, wie sie starb. Zieht diese Salzsäule am meisten eure Aufmerksamkeit an, dann seht ihr leicht an der Hauptsache vorbei. Es sei euch, als stände vor euch darauf zu lesen: gewarnt und doch nicht gerettet, plötzlich hinweggerückt und doch nicht unversehens. Das macht das Lebensende dieses Weibes so ergreifend, dass sie gewarnt war und nichts desto weniger dem Verderben nicht entkam, dass sie mit Einem Schlage von dem schlagenden Engel ergriffen ward, aber keineswegs unversehens! Ihr war gesagt: siehe nicht hinter dich und stehe nicht still in dieser ganzen Gegend. Hätte sie ein Recht gehabt, über Unrecht zu klagen, als es ihr unmöglich gemacht wurde, in Zoar auszuruhen von ihrer Flucht? Sie verdiente mit Sodom unterzugehen, sie, die zu Sodoms Kindern gehörte, so lange ihr Herz dorthin gezogen ward, so lange ihre Augen keine Ruhe hatten, bis sie Sodom nicht noch einmal sähen. Einerlei Gericht über ihre Stadt und sie, weil sie nicht für ihre Stadt und ihre Stadt nicht für sie zu bestehen aufgehört hatte. Es nützte ihr nun nichts, gewarnt zu sein. Sie hatte kein Acht auf das Wort des Herrn. Der Tod überfiel sie nicht unvermutet. In dieser Gegend war ihr keine Rettung verbürgt. Nach Zoar hätte sie sehen müssen, nach Zoar hätte ihr Herz mit feurigem und eifrigem Verlangen sich sehnen müssen. Nach Sodom sah sie um - die Hand, die wider Sodom war, musste sich nun auch kehren wider sie.

Sage ich zu viel oder sind nicht viele Christen so gestorben, dass man mit Recht auf ihr Grab schreiben könnte: gewarnt und doch nicht gerettet, plötzlich hinweggerückt und doch nicht unversehens? Es liegen nicht wenige im Grabe, die auf die Gefahr, worin sie sich befanden, aufmerksam gemacht sind, als sie auf zwei Gedanken hinken blieben, als sie nicht zu einer bestimmten Wahl kamen zwischen dem Dienste der Welt und dem Dienst Gottes. Zu nicht Wenigen ist gesagt, dass sie verloren gehen würden, wenn sie von ihrer irdischen Gesinnung und ihren geheimen Sünden nicht abließen, hätten sie in Bezug auf Frömmigkeit auch einen guten Namen. Wie viele von ihnen sind dennoch fortgegangen, bis ihre Sterbestunde schlug, plötzlich ja, weil es sie überfiel, aber keineswegs unversehens, da ihnen keine Lebensverlängerung zugesichert war. Wie wird man einst von dir nach deinem Tode können und müssen sprechen? Wer auch nicht gewarnt sein möge, bevor er stirbt, zu dir, der gehört hat, was der Herr zu allen sagt, die durch Ihn eingehen wollen, ist die Warnung gekommen! Nicht wer zu ihm sagt: Herr, Herr, wird ins Himmelreich kommen, sondern wer den Willen seines Vaters tut, wer Lust hat am Gesetze Gottes, wer aufrichtig dem Herrn dient und mit dem Dichter sagt: meine Seele dürstet nach Gott und wer dies bezeugt durch eine Bekehrung, die nimmer gereut.

Prüft euch selbst. Könnt ihr nicht verkennen, dass ihr weit mehr auf Demas gleicht, welcher die gegenwärtige Welt lieb hatte, als auf Paulus, dessen Leben Christus war, dann beunruhigt euch sehr. Und meint ihr auch, mit Recht, dass ihr nicht ferne vom Reiche Gottes seid, so seid ihr doch eurer Rettung ebenso wenig gewiss, als Lots Weib ihrer Rettung gewiss war auf der Ebene bei Zoar. Nicht ferne vom Reiche Gottes und doch wirklich nicht hineingekommen, so lange ihr nicht in Christo eine neue Kreatur geworden seid, wiedergeboren, erneuert nach dem inwendigen Menschen; nicht ferne vom Reiche Gottes, das ist kein sicherer Ankerplatz. Es ist wahr, ich habe nicht den Beruf, dir zu versichern, dass du sterben wirst, bevor du dich wirklich bekehrt hast; aber ebenso wenig versicherte Gott dich, dass dein Leben verlängert werden soll, bis dass du errettet seist. Es gilt dir das Wort: lass dir helfen von diesen unartigen Leuten! Apostelg. 2, 40. Auf Jesum wirst du gewiesen als auf den Einzigen, durch den du selig werden kannst. Wie lange, wie oft noch du diese Predigt hören wirst, es ist dir nicht bekannt. Wenn du sie heute zum letzten Male hören und plötzlich hinweggerückt werden solltest? Würde man dann auch vielleicht mit dem Blick auf dich sagen müssen: welch ein schreckliches Lebensende! Man wird so von deinem Tode sprechen dürfen, wenn du dein Herz nicht losmachst von dem, was es nicht lieb behalten darf. Schrecklich wird unser Sterben sein, wenn wir zu den Christen gehören, die den Willen Gottes gewusst und doch nicht getan haben; die wussten, was sie wollen mussten und die nicht wollten, was sie vor allem lieblich hätten nennen müssen; die sich zufrieden gestellt haben mit einem Gottesdienst, wie ihn die Freunde der Welt noch wohl dulden können, statt allein zu ruhen in dem Dienste Gottes, der nach Seinem Worte eingerichtet und die Frucht des Heiligen Geistes ist. Schrecklich ist das Sterben derjenigen, die nicht mehr gerechnet werden zu den verhärteten Knechten der Sünde und die Gott nicht kennt als enge von Gewissen und strenge im Wandel.

Schreckliches Sterben, wenn man von sich behauptet und geglaubt hat, dass man nicht mitten in der Welt lebte, und wenn der Herr Jesus sagen muss: ich kenne euch nicht, ihr gehört nicht zu meinen Schafen. Was nützte es Lots Weibe, dass sie Sodom verlassen und zuletzt noch einmal gesehen hatte? Was wird es uns nützen, wenn wir äußerlich von den Gottlosen ausgeschieden sind? Inwendig von ihnen abgeschieden, deutlich von ihnen unterschieden, die Augen auf das geistliche Zoar gerichtet, auf das Reich Gottes, auf das himmlische Jerusalem, uns keine Ruhe gönnend, bevor wir Ruhe haben dürfen, keine Ruhe genießen wollend, bevor wir das gute Teil erwählt und den Ruhm der Hoffnung erlangt haben: so dürfen wir die Hände aufheben zu dem lebendigen Gott und beten, dass Er langmütig über uns sei, dass Er uns nicht hinwegnehme in der Hälfte unserer Tage, dass Er uns nicht hinwegrücke, bevor wir dem Verderben entronnen sind. Ist es uns wirklich Ernst mit unserer Bekehrung, so ist das Gebet um Verlängerung des Lebens kein Spott. Aber wünscht Jemand seine Tage verlängert zu sehen, ohne aufrichtig auf eine wahrhaftige und schnelle Bekehrung bedacht zu sein, dem muss ich zurufen: du spottest Gottes, während du dein Urteil erschwerst. Eile, errette deine Seele, sieh' nicht um. Im Nu kann dein Lebenslicht ausgeblasen werden. Hast du vorher den Einweg ins Reich Gottes nicht erreicht, dessen Türe Jesus ist, dann ist Finsternis rings um dich und an Rettung nicht mehr zu, denken. Du gehörtest dann der Welt an, bis zu deiner Sterbestunde. Du musst dann auch mit der Welt ernten, was du in ihrer Gemeinschaft gesät hast. Gedenkt an Lots Weib!

Was wirst du aber tun, der du nicht erklären darfst und magst, dass du errettet bist und bei dem doch nicht gefunden wird, was man dann bei dir erwarten möchte? Wie, du noch nicht errettet, du noch fortwährend in größter Gefahr, und du eilest nicht, einem Zustande ein Ende zu machen, vor dem du zurückbeben musst, wenn du ihn kennen lernst? Doch lass mich lieber auf die Frage antworten, mit welcher du vielleicht zu mir kamst. Wodurch es anders bei dir werden kann. Ja, fragtest du das einmal in allem Ernste. Bist du noch nicht los von der Welt und ihrem Gut und ihrer Freude, von ihrer Freundschaft und ihrem Dienst? Die Welt wird ihre Anziehungskraft nicht für dich verlieren, so lange dein Herz bleibt wie es von Natur ist. Verweise es nicht auf das, was dahinter ist, sondern auf das, was vor dir ist, dass du dich danach umsiehst, statt es zu vergessen. Wenn du mal auf die wahren Bedürfnisse deines Herzens Acht gäbest und auf Ihn, der gesagt hat: wer zu mir kommt, den wird nimmermehr hungern und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Wenn du mal anhieltest nachzudenken über den Wert dessen, was zu dem Leben dieser gegenwärtigen Zeit gehört, und du damit mal verglichest, was Er dir darbringt und anbietet, der da gesagt hat: wenn Jemand durch mich eingeht, der wird selig werden und wird ein- und ausgehen und wird Weide finden, Joh. 10, 9; meine Schafe hören meine Stimme und ich gebe ihnen das ewige Leben und sie werden nimmermehr umkommen. Hättest du Lots Weib auf ihrer Flucht nach Zoar begleiten sollen und dann bemerkt, dass sie Sodom doch nicht vergessen konnte; hättest du sie gerne gerettet in Zoar gesehen und sie darum mit Teilnahme und Betrübnis angeblickt, du würdest ja zu ihr gesagt haben: lass Sodom keinen Raum in deinem Herzen behalten. Sieh, dort vor uns liegt Zoar, das des Herrn Verschonung uns eröffnet. Seine Gnade hat uns diesen Zufluchtsort bereitet. Eilen wir nun, treiben wir uns nun fort. Und würden wir umsehen nach dem, was hinter uns liegt, dieses Umsehen würde uns nichts helfen. Von dem Allem müssen wir doch Abstand nehmen. Je länger wir mit Liebe daran denken, desto länger dauert auch der Schmerz, den diese Trennung gebiert. Komm, lass uns nach Zoar sehen. Da ruft, da erwartet uns der Herr, der etwas Besseres für uns hat, als was hinter uns dem Verderben zur Beute wird. Halte Zoar im Auge. Es kommt mit jedem Schritt näher! So etwa würdest du ja zu Lots Weibe gesprochen haben. Sag etwas Ähnliches zu dir selber, wenn du fühlst, dass du in deinem Kommen zu Jesu behindert und zurückgehalten wirst. Deine eigene Rettung und die Lieblichkeit Seiner Gemeinschaft komme keinen Augenblick aus deinen Gedanken. Was hilft es dir, wenn du die ganze Welt gewönnest und nähmst Schaden an deiner Seele und was schadet es dir, wenn du Alles, was um des Himmelreich, willen von dir gefordert wird, verlässt und verlierest, und Jesus wird dein Teil, seine Herrlichkeit deine Krone, sein Thron die Stätte deiner Ruhe.

Das frage ich auch dich, zu welchem noch etwas mehr gesagt werden kann, als dass du nicht ferne bist vom Himmelreich. Bist du so aufgestanden, dass du durch den Glauben an den Sohn Gottes lebest, so bist du gerettet. Aber ob du darum das Wort des Herrn: Gedenkt an Lots Weib! nicht mehr zu Herzen zu nehmen hast, was würdest du selbst davon sagen? Du würdest dich ja über mich wundern, wenn ich dafür hielte, dass dein Herz ganz und gar von der Erde los ist, dass du kein Auge mehr hast für das, was Viele in der Welt betört. Mit Befremden sähest du mich sicher an, wenn ich im Ernst behauptete, dass du immer trachtest nach dem, was droben ist und nie gegen Liebe zur Welt und Empfänglichkeit für das, was den Sinnen schmeichelt, zu streiten brauchst. Manchmal fühlst du doch Bedürfnis, an das apostolische Wort erinnert zu werden: habet nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist; denn alles, was in der Welt ist, nämlich des Fleisches Lust und der Augen Lust und hoffärtiges Leben, das ist nicht vom Vater. 1. Joh. 2, 15-16. Die Welt aber vergeht mit ihrer Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit. Mehr als einmal hast du es erfahren, dass Erde und Welt noch Saiten genug in deinem Innern erklingen lassen können, um Töne hervorzubringen, die für den neuen Menschen nicht wohlklingen können, nicht wohlklingen dürfen. Du kannst so gut begreifen, dass Lots Weib der Versuchung nicht widerstand, dass der reiche Jüngling betrübt davon ging, dass Mancher auf halbem Wege stehen bleibt. Müsste dein Herz sich nicht immer reich in Gott fühlen? Es hängt sich immer aufs Neue an etwas Vergängliches. Müsste es dir den Gehorsam gegen das Wort: trachtet nach dem, was droben ist, nicht leicht machen? Es macht im Gegenteil die Erinnerung, dass du hier keine bleibende Stätte hast, täglich durchaus unentbehrlich. Dein Herz, dein Herz, wie viel Kampf hat es dich schon gekostet!

Harre aus in diesem Kampfe, wenn du ihn noch immer zu kämpfen hast. Es ist der gute Kampf des Glaubens. Beharre im Streit wider jede Verlockung, wider jede Leidenschaft, wider jede Wahrnehmung, wider jede Lust, die dich nach dem Verbotenen möchte umsehen lassen. Was verboten ist? Alles, was dich ungeschickt macht um mit ganzer Seele, mit deinem ganzen Herzen Gott lieb zu haben, dem Herrn Jesu zu dienen, dem heiligen Geist zu gehorchen. Was dich darin hindert? Als ob du es selbst nicht fühlen könntest! Sieh dich mal im Kreise um, der dich umringt. Solltest du durch Niemanden von Gott abgezogen werden? Betrachte mal in der Nähe Alles, was dein ist. Findest du nichts, was dich hindert, dem Herrn Jesu zu dienen? Prüfe mal, ob du dein Fleisch gut unter Zucht hältst? Lässt du ihm niemals zu, sich so wider den Geist geltend zu machen, dass du Dinge tust, über welche du dich schämen musst? Wenn du fühlst, dass die Bereitschaft zum Evangelium des Friedens dir gebricht, so greife ohne Schonung die Ursache der Trägheit an. Nicht haften an dem, wovon dein Gewissen dir sagt, dass es dir versagt ist. Nicht umsehen nach dem, wovon du durch Gottes Wort wissen kannst, dass es für dich unsichtbar sein muss. Mache es, wie Paulus, von dem du weißt, dass er Eines tat. Strecke dich also aus nach dem, was da vorne ist. Verdient es nicht all deine Aufmerksamkeit, all deine Teilnahme, all deine Bewunderung, all deine Liebe? Verdient es nicht die ganze Hingabe deines Herzens und Lebens, die ungeteilte Hingabe deiner selbst? Vor dir liegt die Krone der Gerechtigkeit und Herrlichkeit, das Haus des Vaters mit der Freude der Erlösten, der offene Himmel mit der Ruhe des Volkes Gottes. Vor dir liegt die Welt, damit du Gottes großen Namen darin verherrlichen sollst, Jesum Christum darin bekennen sollst, dem heiligen Geist darin dienen sollst. Vor dir liegt die Laufbahn, auf welcher du mit der Freude des Glaubens und mit dem Ruhm der Hoffnung tun musst Alles, was der Herr dir zu tun gibt. Stelle dir vor, dass morgen der Tag ist, den Jesus einst verglichen hat mit den Tagen Noahs und Lots. Solltest du an diesem Tage der Offenbarung des Menschensohns den Schein haben wollen, als ob du nicht mit Maria das gute Teil erwählt hättest, nicht mit Paulus das Ziel der himmlischen Berufung im Auge behieltest, als ob du dich nicht mit deinem ganzen Herzen dem geweiht hättest, was vor dir liegt? Würden nicht Tränen aus deinen Augen stürzen, wenn der Herr dann zu dir sagen müsste: nach deiner Haltung beurteilt bist du der untreue Dienstknecht, von welchem ich gesprochen habe? Das verhüte Gott, rufst du aus. So sieh denn zu und wache und bete, denn du weißt nicht, wann es Zeit ist, wann der Hausherr kommen wird, spät abends, oder zu Mitternacht, oder mit dem Hahnenschrei, oder in der Morgenstunde. Wache, auf dass Er nicht komme, wenn du Ihn eigentlich am liebsten sehr ferne von dir sähest, wenn du eigentlich mit deinem Herzen nicht bei Ihm, sondern sehr ferne von Ihm bist. Sorge dafür, dass du nicht zu erröten brauchst, wenn du auf das antworten musst: siehe, da ist das Was wird dein Teil sein, wenn Er mal käme grade im Augenblick, wo du hinter dich sähet nach dem, was du vergessen haben müsstest, statt nach dem, was dein Ruhm, deine Freude, dein Schatz sein sollte! Vergiss nicht, was der Herr geboten hat! Gedenkt an Lots Weib! Noch ein wenig Zeit und dein letzter Tag ist zu Ende. Fragt man dann von dir, wo du warst, was du tatest, wie du starbst, so möge die Antwort den Eindruck von dir machen, dass du manchmal mit Frucht und Segen nach Zoars Gegend gesehen hast und dass dir von dort her ein erweckender und lebendig machender Odem ist entgegengekommen, eine Stimme, die du deutlich hörtest, der du pünktlich, freudig und getreu gehorchtest, die Stimme aus der Gegend Zoars: Sieh nicht hinter dich, sondern vor dich! Amen.

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