Diedrich, Julius - Der achtzehnte Psalm.

Diedrich, Julius - Der achtzehnte Psalm.

David dankt in diesem Liede zu Ende seines Lebens seinem treuen Gotte für die gnädigen Durchhilfen, welche ihm auf seiner langen Wallfahrt so reichlich zu Teil geworden waren: namentlich dankt er zuerst für den Schutz Gottes gegen Saul, welchem der Sänger so gar verlassen von Menschen gegenüber stehen musste. Was aber an David, dem vorbildlichen Könige Israels, geschah, das ist an Christo, dem ewigen Könige des Reiches Gottes, aufs Höchste erfüllt, und erfüllt sich noch alle Tage an den Gläubigen, welche Er zu Priestern und Königen gemacht hat, weshalb jede im Dienste Christi kämpfende Seele diesen Psalm am Schlusse jedes Kampfes zu dem ihrigen machen muss. Zuerst beschreibt der Sänger die ihm aus großen Nöten widerfahrene Rettung (bis V. 20), danach bekennt er seine Glaubenstreue (bis V. 29) und schließt dann mit der Schilderung der ihm durch die Gnade verliehenen Siege nach außen, über welche er seinen Gott von Herzen preist. Denselben Psalm besitzen wir noch in einer andern Überarbeitung Davids im zweiten Buche Samuelis im 22. Kapitel.

Dem Gesangmeister ist dieser Psalm, dass er ihn im Tempel singen lasse, überantwortet von dem Knechte des HErrn, dem David: so will David am liebsten heißen, denn Gott hat ihn Sich zu Seinem Knechte gemacht; und wohl dem, der Gottes Hausgenosse, Gesinde und Werkzeug ist! Er muss ja wohl zu Seinen Dienern stehen. Nachdem man das aber erfahren hat, soll man auch Gott. preisen. David tat es, welcher dem HErrn die Worte dieses Liedes redete zu der Zeit, da der HErr ihn errettet hatte von der Hand seiner Feinde und insbesondre von der Hand Sauls, des gegen ihn übermächtigen und grimmigsten Feindes.

Er sprach aber also, also tönte es in seinem Herzen, nachdem er solche herrlichen Beweise Gottes in Seinem Gnadenreiche an sich erfahren hatte: Herzlich lieb hab ich Dich o HErr, meine Stärke: ich war, lauter Schwachheit, das muss ich im Überblicke aller meiner Kämpfe bekennen; Gott aber war allein meine Stärke, Er stand wunderbar zu Seinem Worte, welches ich liebte und bekannte; und diesen, solchen Gott, der sich des Schwachen erbarmt und ganz seine Stärke wird, den liebe ich mir auch mit aller Kraft meines Gemütes. Ja Gott ist ein solcher, dass wenn man nur Seiner im Glauben geharrt und danach Seine Durchhilfen, die dann nie ausbleiben, erfahren hat, man Ihn auch von ganzem Herzen lieben muss: Diese Liebe wirkt Er selbst durch Sein Verhalten gegen uns. Der HErr ist mein Fels, meine Burg und mein Erretter: mein Gott ist mein Hort, auf den ich traue, mein Schild und Horn meines Heils und meine Festung. Die gottselige Seele kann in ihrer Siegesfreude nicht Worte genug finden die große Macht und Sicherung zu beschreiben, welche sie in ihrem Gotte gefunden hat. Er ist hoch und unzugänglich für unsere Feinde, dass wir in Ihm getrost der tief unter uns stehenden Verfolger spotten können, in Ihm ist Bergung als in den stärksten Mauern; wer will uns Seinen allmächtig waltenden Händen entreißen? Doch springt Er uns auch bei und reißt uns aus dem Gewühle der Feinde in sichere Stille. Er, der starke Gott stellt sich uns dar als einen unbeweglichen Felsenhort, der nimmer unter uns zusammensinken kann, weil Er der ewig lebendige ist. Er stellt sich vor uns im Augenblicke der größten Gefahr, dass des Feindes Pfeile uns nicht treffen und vor Gott, unserm Schilde abprallen, Er ist auch wieder unsre Schutzwaffe, ein starkes Horn, wenn wir mit Seinem Worte alle Anläufe des Teufels und der Welt abweisen, dass sie uns nicht von der Stelle bewegen, und so haben wir in Ihm die unüberwindliche Festung. Lerne nur recht in Gott eingehen, und versuche es dann damit, wie er sich an dir bewähren werde, wenn du es auf Sein Wort wagst in jeglichem Berufe treu zu sein. David sagt uns, wie sich ihm Gott als solchen mächtigen Schutz erwiesen hat, er spricht: Als den herrlichen, preisenswürdigen rufe ich den HErrn an, und alsbald werde ich von meinen Feinden errettet: so erfährt man Gott immerdar, wenn man Ihn nur seinen Gott sein lässt und Ihn als den ewig gewissen gläubig anruft. Das rechte Gebet ist aber ein großes Geheimnis, das man zuvor und dabei lernen muss; und kennt es nun Jemand, so weiß er, dass er dadurch aller Feinde ewig mächtig ist.

Und nun beschreibt David die Nöte, namentlich unter Saul, aus welchen ihn Gott so wunderbar errettet hat. Es umfingen mich des Todes Bande und der Nichtswürdigkeit Bäche erschreckten mich, so hart ging es freilich her. Die Feinde hielten mich gleichsam schon wie einen zur Hinrichtung gefesselten, sie überfluteten mich mit ihrer Bosheit so, dass ich schon ganz erstickt wurde. Der Hölle Bande umfingen mich schon da, ich wie ein dem Grabe gewisser bebte, des Todes Stricke überfielen mich, wie ein armer Vogel von ihnen überfallen und erwürgt wird. So müssen Gottes Knechte hier in der Welt wohl oftmals drin sitzen im Gedränge und sich selber ganz verloren scheinen, damit sie nämlich auf Gott als auf Denjenigen hoffen lernen, welcher uns Auferstehung aus dem Tode gibt. Es muss uns zuweilen alles verlassen, dass wir aus der Erfahrung lernen, was wir an unserm Gotte an sich haben, nämlich Den, der Alles neu und wunderbar wiedergibt.

In meiner Not nun, das habe ich nämlich gelernt, dass es hilft, rufe ich den HErrn an, und zu meinem Gotte schreie ich; Er hört, ja Er hört aus Seinem Tempel, da Er, der über allen Himmeln thronende, uns das Unterpfand Seiner Gnade und nächsten Nähe gegeben hat, von diesem Orte her erhört Er meine Stimme und mein Geschrei vor Ihm kommt in Seine Ohren. Er ist ein Gott, der den ängstlich zu Ihm rufenden gegen alle Welt und den Teufel beisteht und dazu hat Er, der HErr des Himmels, Sein Gezelt auch schon mitten unter Seinem Volke und ist in demselben zu lauter Gnade und Hilfe für Seine Knechte bereit. zwei oder drei jetzt im Namen des Gottmenschen, welcher der ewige lebendige Tempel selber ist, versammelt sind, da ist Er mit all Seiner Hilfe und Gnade mitten unter uns. Nun, wie ging das zu, als dieser Gott die Feinde Seines Knechtes zurücktrieb und ihn selbst in hohe Sicherheit versetzte? Wie ein Riese machte sich Gott gegen die Feinde auf, das ist die Erfahrung des ganzen Lebens Davids, in Wettern, wie wenn sie die Welt untergehen machten, kam Er herangebraust und brachte sich Seinen Knecht in Sicherheit. Gott hat nur drauf gewartet, dass Sein Kind nach Ihm rufen sollte, und da es nun wahrhaft geschieht, so bewegt Er Himmel und Erde und will sie eher in Grund und Boden schlagen, als dass Er Sein Kind und Hausgesinde verderben lassen sollte: als solche allmächtige Liebe und Treue hat David seinen Gott kennen gelernt, so ist Er Seinen Gläubigen um des Gottmenschen Jesu Christi willen zugetan, dass Er Dessen Vorbilder und Nachfolger nimmer unerhört lassen kann. Wie kommt Gott herangebraust! Da wankt und schwankt die Erde und die Grundfesten der Erde erbeben und wanken, weil Er zornig ist gegen meine Feinde. Um der Auserwählten Gottes willen müssen wohl hohe Familien, Völker und Geschlechter hinstürzen, wenn sich Gott zum Gerichte aufgemacht hat: wir möchten dann selbst darüber bangen, wie gewaltig sich Gott aufgemacht hat uns zu helfen. Gott tritt da auf, wie es kein Mensch und keine Kreatur überhaupt vermag, von Ihm aus wird alles bisher bestehende, welches uns gefesselt hielt, in Flammen gesetzt. Dampf steigt auf von Seiner Nase und das Feuer von Seinem Munde verzehrt alles, das Ihm widersteht, Kohlengluten brennen aus Ihm und schmelzen alles feindliche hinweg: So ist Sein Liebeseifer für Seine bedrängten Knechte; unser Gott ist fürwahr nicht lässig und säumig. Er neigte den Himmel zur Erde und fuhr herab, der Himmel muss uns wohl zu Hilfe kommen, wenn wir in unsrer Not, die wir um der Wahrheit willen leiden, nur erst das rechte Gebetswort gefunden haben, und Dunkel war unter Seinen Füßen, denn Seine Feinde, welche Er in den Grund tritt, sehen nur die schwarzen Donnerwolken Seiner zermalmenden Gerichte. Er fuhr auf dem Cherub, auf dem Symbole der ganzen Schöpfung, d. h. alles muss Seinem Gerichte gegen die Feinde Seiner Knechte dienen und flog daher zu meiner Hilfe wie ein Gewitter; nicht säumig bewies Er sich: Er schwebte auf den Fittichen des Windes, Er war der HErr in dem Sturm, welcher durch das Stürmen in der Welt Seinen Gnadenwillen gegen mich ins Werk setzte. Er machte sich Finsternis zu Seiner Hülle, rings um Sich zu Seinem Gezelt, dass er den Gottlosen ein unerkanntes Geheimnis war, Wasserdunkel, nämlich dichte Wolken, so kam Er drohend und schaurig gegen meine Feinde daher gezogen. Aber vom Glanze vor Ihm schwanden Seine Wolken, Hagel und Feuerkohlen prasselten auf die Feinde herab, da Er nun Seine strafende Gerechtigkeit plötzlich in Seinen Gerichten enthüllte. Und es donnerte in den Himmeln der HErr, und der Höchste gab Seine Stimme, da Er durch erschreckliche Taten des Gerichtes redete, ja Hagel und Feuerkohlen, die alles zermalmten und versengten, waren Seine Beweise gegen die Feinde. Er schoss Seine Pfeile und zerstreute sie, die Feinde, dass sie auseinanderführen und mich loslassen mussten; Blitze viel schleuderte Er herab und erschreckte sie, dass sie betroffen zurückwichen: das geschah alles durch Gottes tatsächliches Dreingreifen. Da geschah nun unter solchem Auftreten Gottes meine Rettung, es wurden Wassergüsse sichtbar, welche sich auf die Feinde ergossen, die mich so eben noch mit lauter Bosheit überflutet hatten, entblößt wurden die Grundfesten der Erde, in welchen ich schon gefangen lag, Gott wollte mich aus ihnen hervorholen: die Tiefen wurden plötzlich aufgetan, vor Deinem Schelten, HErr, vor dem Schnauben des Odems Deiner Nase, d. h. mit göttlichem Zorneseifer gegen die Feinde und für Seinen Knecht drang Gott in die Tiefen meiner Verlassenheit herab. Er schickte aus von der Höhe Seine allmächtigen Hände und ergriff mich und zog mich aus groß en Wassern der Trübsal heraus. Das war ja der Zweck aller vorherigen Veranstaltung, das Ende des erschrecklichen Auftretens Gottes war nur die Rettung Seines Knechtes. Er errettete mich von meinem Feinde, der gar stark war und von meinen Hassern, weil sie mir zu mächtig waren: Er selbst musste auch, weil ich zu schwach war, dazwischen treten, und Er tat es allewege. Unsrer Feinde sind immer zu viele und zu große; Gott muss da selber der Retter sein. Sie überfielen mich zur Zeit meines Unglücks, da mich Gott läutern wollte; aber der HErr ward meine Stütze, da ich an aller eignen Kraft und allem Beistande der Menschen zuvor verzweifelt war. Und Er führt mich aus in weiten Raum und freie Bahn, da ich so eben keinen Ausweg mehr sah, Er errettete mich, denn Er hatte Lust zu mir nach Seinem freien Wohlgefallen. So hat Er allein es alles tun müssen.

An welchem hat aber der HErr Wohlgefallen? Kann sich all und jeder solcher Hilfen Gottes ohne weiteres getrösten? nein, nur der wahrhaft Gläubige, der Knecht Gottes. Wer ist aber ein solcher? Nur der aufrichtige und rechtschaffene. Der HErr tut wohl an mir nach meiner Gerechtigkeit, da ich das Gute liebte und das Böse hasste, nach der Reinigkeit meiner Hände vergalt Er mir, da ich meine Hände nimmer nach Frevel ausstrecken und lieber leiden wollte. Das trug mir nun gute Frucht, dass mich Gott doch als den Seinen erkennen wollte. Denn ich halte die Wege des HErrn inne, und bin nicht gottlos wider meinen Gott, dass ich Ihn in Seinen Worten gehasst oder verlassen hätte es steht mir fest, dass Gottes Gebot die größte, ja die alleinige Sicherheit gewährt. Denn alle Seine Rechte, die er im Wort vorgestellt, habe ich vor mir, und lasse sie mir nicht aus dem Gedächtnisse kommen, und Seine Gebote werfe ich nicht von mir, als wären sie auch unter Umständen zu schwer; auf Seinem Worte wollte ich beharren und so bekennt Er sich nun zu demselbigen. Und ich war ohne Wandel vor Ihm, dass ich mich durch die Anfechtung nicht zur Untreue und Verleugnung Seines Wortes bewegen ließ, und hütete mich vor meiner Schuld, dass die mir anhaftende Sünde mich nicht überraschte und überwältigte: so lohnt sich das Streiten wider das eigne Fleisch zuletzt aufs schönste. Man muss den augenblicklichen scheinbaren Vorteil nicht sündlich benutzen, sondern des HErrn harren, so hilft Er uns endlich gar herrlich. So vergibt mir der HErr nach meiner Gerechtigkeit, nach der Reinigkeit meiner Hände vor Seinen Augen, dass ich auch in der größten Not mir nicht durch Sünden helfen wollte, sondern Seiner Treue vertraute.

So bin ich nun mit Gott gar selig zufrieden, dass Er sich so treulich eingestellt hat. Bei den Heiligen bist Du heilig, bei den Frommen bist Du fromm, bei den Reinen bist Du rein, diese alle erkennen Dich mit Freuden als den heiligen, frommen und rechtschaffenen treuen Gott, wie sie auf Dich zuvor gehofft haben; sie kommen endlich mit Dir aufs seligste überein und ruhen in Frieden, welche Dir im Kampfe, da sie das Ende noch nicht absehen konnten, kindlich vertrauten; aber bei den Verkehrten bist Du verkehrt, denn die Gottes Worte nicht trauten und wollten auf eignen Wegen nach ihrer Klugheit und Bosheit durchfahren, die kommen nachher in Ewigkeit nicht mit Gott überein, nachdem Er sie mit Seinen Gerichten überrascht hat: ihnen scheint es immer ungerecht und rätselhaft. Denn Du hilfst dem elenden Volke, welches in dieser Welt keine Stillung seines Hungers nach Gnade und Wahrheit finden kann und nach Deiner Offenbarung und Gemeinschaft in der Ewigkeit trachtet, und die hohen Augen, die stolzen, immer nach hohen Dingen ausschauenden Seelen, erniedrigst Du, dass ihnen alle ihre Hoffart endlich den schmählichsten Untergang bringen muss; das ist aber diesen Weltlingen ganz verwunderlich und unbegreiflich, dass jene vor ihnen als dumm und unbrauchbar angesehenen zu ewigem Triumphe kommen und sie selbst als untüchtige verworfen sein sollen. Gott ist aber fürwahr ein solcher Gott, wie hier gesagt ist, denn so hat Ihn David reichlich erfahren, seine ganze Lebensführung ist der Beweis dafür: Denn Du machst meine Leuchte hell; da meine Lebensfackel schon erloschen und keine Zukunft mir erblühen zu können schien, hast Du sie aufs herrlichste angezündet, der HErr mein Gott macht meine Finsternis Licht. So müssen wir in Christi Nachfolge wohl durch Finsternisse hindurch, Schmach und Verfolgung werden unser Teil sein bei den Weltlingen, weil Christus selbst der Welt zu gründlich entgegengesetzt ist; aber Er preist uns schon darüber selig und gibt uns durch Seine Wahrheit, welche Er uns zum Erbteil gegeben, den schönsten Sieg. Gott selbst macht in solchen Finsternissen, die man um Seiner Wahrheit willen hier durchwandeln muss, das herrlichste himmlische Licht. Dessen zum Vorbilde hat David auch äußerlich triumphiert; uns ist nun aber neben etlichen hier schon eintreffenden Siegesfreuden der höchste ewige Triumph zur Rechten Gottes zugesichert. Und wissen wir das im Glauben, nun so sind uns alle zeitlichen Feinde doch zu wenig. Denn mit Dir will ich gegen eine ganze Kriegsschar anlaufen und den Sieg behalten, wie Jesus mit Seinem Worte: „Ich bins“ die Häscher zu Boden warf. Gottes Wort macht uns stark, denn Jesus Christus, der Gottmensch, ist darin selbst unsre Kraft und mit meinem Gotte, wie ich Ihn kennen gelernt, will ich über eine hohe Mauer springen, kein Hindernis soll mich ratlos machen, keine Aufgabe in meinem Leben soll mich verzagt machen, denn Gott macht mir, nachdem ich Sein Gnadenwort empfangen, durch Alles Bahn. Mit dem Gotte tue ich das alles, Dessen Wege ohne Wandel sind, und führen uns, wenn wir ihnen nur mutig folgen, gar sicher zum seligen Ende: ja das Wort des HErrn, in welchem Er sich selber zugesagt hat, und dem wir bloß täglich nachzugehen haben, ist durchläutert, klar und ohne Widerspruch in sich, dass man danach auch sicher wandeln kann, ein Schild ist Er allen, die auf Ihn vertrauen; so sind sie immer geschützt, wenn sie sich auch gegen viele Feinde in den Kampf begeben müssen. Sie treffen immer ihre Gegner, und werden doch nie getroffen, „der geistliche richtet alles und wird von Niemandem gerichtet“ wir sollen es nur täglich glauben. Denn wer ist Gott ohne der HErr, unser König? so wird Ihm ja in Seinen Untertanen und Genossen auch Nichts widerstehen können; ich muss nur Ihn selbst täglich wieder in Seinem Worte anziehen. Oder wer ist ein sicherer Hört außer unserm Gotte, dem Gott Abrahams, dem Vater Jesu Christi, der ewigen Liebe im Worte der Wahrheit? so muss Er wohl den Sieg behalten in allen Seinen Gläubigen. Ja Er ist der Gott, welcher mich, der ich so ohnmächtig war, mit Kraft rüstet, und macht meinen Weg ohne Wandel, dass ich einfältig in der Wahrheit fortschreite und das Ziel erlange. So sollen wir unserm HErrn nur auf Sein Wort trauen und Seine Gnade alle unsre Stärke sein lassen, so werden wir ewig zufrieden werden. Er ist's, der meine, erst so matten und schlaffen Füße gleich den Hindinnen macht, dass ich in Kraft Seines Wortes über alle Hindernisse fröhlich hinwegsetzen kann, und mich auf meine Höhen stellt, von welchen herab ich der ganzen Welt mit ihrem Drohen spotten kann. Gott gibt uns durch Sein Wort die Welt von Ihm aus anzuschauen, da wir sie dann als verloren und uns selbst im Glauben als ewig bewahrt erblicken. Wer ist's, der uns schaden könnte, so wir dem Guten nachkommen? Mitten im Kampfe sind wir durchs Wort doch schon aller Unruhe entrückt. Er ist's, der meine Hände streiten lehrt, und meinen Arm einen ehernen Bogen zu spannen. Lehrt mich Gott unter den Anfeindungen der Welt selbst den Kampf, so führe ich ja gewiss Seinen Kampf, und die Pfeile, hinter welchen Gott selbst die treibende Kraft ist, müssen wohl alles ihnen entgegenstehende niederstrecken: Er lehrt uns aber alles durch Hoffnung und Geduld überwinden. Ja Du, mein Gott, gibt mir den Schild Deines Heils, werden gebraucht, ist ewig bewahrt, denn er ist Dein Gnadenwort, Deine Liebe: und Deine Rechte, die Du mir in Deinem Worte darreichst, stützt mich, da ich sonst leicht wanke und nimmer stehen könnte, und Deine Sanftmut, Lindigkeit und Demut macht mich groß, der ich wie Nichts war. Du hast Dich aber zu solchen herabgelassen und mich zu Deinem Knechte gemacht, welcher in Deinem Namen nun dasteht und an sich die Herrlichkeit und Macht Deines Wortes erfährt. Du machst unter mir Raum zugehen, obwohl ich vor mir oft keinen Ausweg sah, Gott macht Seinen Boten wunderbar Bahn, und meine Knöchel wanken nicht, weil Du mich innerlich gestählt und mit göttlichem Mute erfüllt hast. Ich verfolge darum auch meine Feinde, weil, der es alles auf Dein Wort wagt, an Dir allmächtigen Beistand hat: ich ergreife sie und will nicht umkehren, bis ich sie vertilgt habe, denn Gott will sie ja vollständig vertilgt haben wie die Kananiter vor Josua. Dann sind sie aber aufs vollkommenste vertilgt, wenn sie zum wahren Glauben gebracht sind; wollen sie das nicht, so müssen sie vor Gottes Wort doch schwinden wie der Pharisäer Tempelfestung vor Jesu von Nazareth in den Wolken. Der Gottlosen Wesen ist sicherem Untergange geweiht und Gott führt Sein Gericht durch des Menschen Sohn hinaus. Ich zerschmettre sie durch die Macht Deines Wortes, dass sie nicht aufstehen können, sie fallen unter meine Füße, die mir zuvor so große Not gemacht: alles muss zu dem Fußschemel des Nazareners gelegt werden; das kommt aber davon: Du umgürtest mich mit Kraft zum Kriege, so steht Deine Allmacht hinter meiner geringen Person, Du beugst meine Widersacher unter mich, so müssen sie wohl unterliegen, und so sollen wir auch, wenn wir den Sieg des Wortes zu sehen bekommen, alle Ehre dem HErrn geben, welcher allein unsre Kraft gewesen. Meine Feinde gibst Du mir in die Flucht, dass ich, wenn ich Dein Wort habe, ihnen nur nachzujagen brauche: Du hast schon Alles zuvor getan, und meine Hasser rotte ich aus in Gottes Kraft, dass sie endlich gar verschwinden müssen. Was ich aber nicht sichtbar in meinem Leben hierin schaffe, ist doch ewig gewiss, denn vor Christo muss alles feindliche niederliegen. Sie schreien endlich wohl, wenn ihr Gericht da ist; aber da ist kein Helfer: so sieht der gläubige Sänger schon alle Feinde zum Äußersten gebracht, zum HErrn rufen sie; aber Er antwortet ihnen nicht, weil sie ja eben Beistand gegen Sein Wort und also gegen Ihn selbst begehren. Wie könnte Gott auch gegen sich selber sein? Er hat sich ja Seinen Gläubigen gegen ihre Feinde zugesagt und kann nur denen helfen, welche selbst zu Seinem Heere übertreten. Ich zerstoße sie wie Staub vor dem Winde, welcher erst fest geballt dalag, aber von der Kraft des zerstoßenden ohne alle Mühe in den Wind gestäubt wird. Wie Straßenkot schütte ich sie aus und kümmere mich nicht mehr um sie. Zuerst mussten wir wohl ihr Auskehricht sein; danach aber fällt das Gericht auf sie und bleibt ewig über ihnen. Du hilfst mir von den Zänken des Volkes, des rohen unbekehrten Haufens im eignen Lande, dass ich vor ihnen doch bleibe und endlich über alles triumphiere, Du setzt mich zum Haupte der Heiden; ein Volk, das ich nicht kannte, dienet mir, so hast Du in meinen Triumphen Dein Wort verherrlicht und bewiesen, wie nahe Du Deine Menschenkinder Dich angehen lässt. Es muss ja der Mensch, in welchem Gottes Wort lebt, über alles andre herrschen, das Wort, das Fleisch ward, hat alle Gewalt im Himmel und auf Erden: und dessen, war auch David ein Vorbild mit seinen endlichen Siegen über Saul samt dessen Partei und über alle Heiden. Von denen ich nur durchs Gerücht gehört hatte, die Söhne der Fremde schmeicheln mir, nachdem mir der HErr solche Siege gegeben und sie Nichts mehr gegen mich können. Die Söhne der Fremde sinken hin, und zappeln aus ihren Banden. Ja ganz muss man sich zu des HErrn Volk tun, und wehe dem, welcher sich nur äußerlich unterwerfen will, Gott lässt die Heuchler hinschmachten, während die Wahrhaftigen fröhlich preisen.

Nun fasst der Psalmist noch das Ganze seines Gesanges in lauter Danken gegen Gott zusammen. Lebendig ist der HErr, unser Gott lebt wahrhaftig! Er ist nicht so ein toter, träumender Gott, wie die Weltlinge Ihn sich denken: und gelobet sei mein Hort, denn mein Gott ist nur ein fester Fels, den man sich wohl loben muss, und erhaben ist der Gott meines Heils, dieser Gott, welcher mir solch Heil bereitet hat: Der Gott ist Er ja, welcher mir Rache gibt und Völker unter mich zwinget, der mich errettete von meinen Feinden, und von meinen Widersachern erhöhtest Du mich, und von dem Manne des Frevels errettetest Du mich: Du hast es alles getan! und so Dein lebendiges Wesen an mir bewiesen. Gott hat. Sein Reich in den Menschen, die Ihm trauen und auf Sein Wort ihr Leben auferbauen. Darum will ich Dich preisen unter den Heiden o HErr und Deinem Namen lobsingen, nachdem Du Dich als solchen treuen HErrn Deines Volkes und Deines Knechtes erwiesen hast. Auch unter den Feinden sollen wir davon freudig rühmen, denn Alles muss unserm Gotte dienen. Solchen Namen macht sich Gott aber allzeit unter den Seinen, dass Er die Liebe und Treue selbst sei: Der Seinem Könige großes Heil beweist und wohltut Seinem Gesalbten David und seinem Samen ewiglich. In der Menschheit ist Gottes Heil offenbart, in unsrer Menschheit ist Sein Reich, und Er hat in demselben ein ewig gesegnetes Königtum aufgerichtet, welches bei Davids Hause verbleiben soll. Jesus ist der verheißene Same und der ewige König, auf welchen David nur ein schwaches Vorbild war. In Jesu war Alles göttlich, darum war es auch lauter Kraft. Göttliche Kraft war Sein Reden und Schweigen, Sein Tun und Ruhen, auch Seine Armut, Sein Leiden und Sein Tod, denn mit dem allem hat Er für uns genug getan, mit dem allem hat Er uns erlöset zu Seinem Reiche. Er ist in die tiefste Niedrigkeit herabgestiegen, aber danach zum vollkommensten Triumphe hervorgekommen, und zieht nun uns alle Ihm nach, durch Kreuz und Kampf zum herrlichsten Siege und ewigen Frieden. So können wir uns alle im Glauben des Laufes Jesu Christi getrösten und sollen wissen, dass, wenn wir nur Seinem Worte nachgehen, auch unser Leben dem Seinigen ähnlich gestaltet werden muss.

Gebet. Lob, Preis und Anbetung sei Deiner Barmherzigkeit, Du ewiger gnadenreicher Gott, der Du in unsrer Menschheit Dein Reich haben willst, an unsern Seelen die Fülle Deiner Herrlichkeit zu offenbaren: wir bitten Dich, verleihe uns nur Glauben in aller Trübsal, dass wir weder wanken noch weich werden, sondern getrost fortfahren bis wir alle Welt unter uns haben: durch Jesum Christum. Amen.

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