Diedrich, Julius - Die Offenbarung Johannis kurz erläutert für heilsbegierige Bibelleser - Einleitung.
Luther sagt: „Wir können dies Buch uns nütze machen, und wohl brauchen. Erstlich zur Tröstung, dass wir wissen, wie dass keine Gewalt noch Lügen, keine Weisheit noch Heiligkeit, keine Trübsal noch Leid werde die Christenheit unterdrücken, sondern sie soll endlich den Sieg behalten und obliegen. Zum anderen zur Warnung wider das große, gefährliche, mannigfaltige Ärgernis, so sich begibt an der Christenheit. Denn dieweil so mächtige Gewalt und Schein sollte wider die Christenheit fechten und sie so gar ohne alle Gestalt unter so viel Trübsalen, Ketzereien und anderen Gebrechen verborgen sein, ist der Vernunft und Natur unmöglich die Christenheit zu erkennen, sondern fällt dahin und ärgert sich an ihr, heißt das christliche Kirche, welches doch der christlichen Kirche ärgste Feinde sind und wiederum heißt das verdammte Ketzer, die doch die rechte christliche Kirche sind. Wie bisher unter dem Papsttum, Mahomed, ja bei allen Ketzern geschehen ist: und verlieren also diesen Artikel: „Ich glaube eine heilige christliche Kirche.“ Gleichwie auch jetzt etliche Klüglinge tun, weil sie Ketzerei, Zwietracht und mancherlei Mangel sehen, dass viel falscher, viel loser Christen sind, urteilen sie flugs und frei: Es sind keine Christen da. Denn sie haben gehört, dass Christen sollen ein heiliges, friedsames, einträchtiges, freundliches, tugendreiches Volk sein; demnach meinen sie, es solle kein Ärgernis, keine Ketzerei, kein Mangel, sondern eitel Friede und Tugend da sein. Diese sollten das Buch lesen und lernen die Christenheit mit anderen Augen denn mit der Vernunft ansehen. Denn dies Buch, meine ich, zeige ja genug gräulicher ungeheurer Tiere, scheußliche feindselige Engel, wüste und schreckliche Plagen. Ich will der anderen großen Gebrechen und Mängel verschweigen, welche doch allzumal sind in der Christenheit und unter den Christen gewesen, dass freilich alle Vernunft unter solchem Wesen die Christenheit hat müssen verlieren. Wir sehen hier ja klärlich, was grausamer Ärgernis und Mängel vor unseren Zeiten gewesen sind, da man doch meint, die Christenheit habe am besten gestanden, dass unsre Zeit ein gülden Jahr gegen jene wohl zu rechnen wäre. Meinst du nicht, die Heiden haben sich auch daran geärgert und die Christen für mutwillige, lose, zänkische Leute gehalten? - Es ist dies Stück: „Ich glaube eine heilige christliche Kirche“ ebenso wohl ein Artikel des Glaubens wie die anderen. Darum kann sie keine Vernunft, wenn sie gleich alle Brillen aufsetzt, erkennen; der Teufel kann sie wohl zudecken mit Ärgernissen und Ketten, dass du dich müsstest dran ärgern. So kann sie Gott auch mit Gebrechen und allerlei Mängeln verbergen, dass du musst darüber zum Narren werden und ein falsch Urteil über sie fassen. Sie will nicht ersehen, sondern erglaubt sein; Glaube aber ist von dem, was man nicht sieht. (Hebr. 11, 1.) Und sie singt mit ihrem Herrn auch das Lied: „Selig ist, der sich nicht ärgert an Mir.“ Es ist ein Christ auch wohl ihm selbst verborgen, dass er seine Heiligkeit und Tugend nicht sieht, sondern eitel Untugend und Unheiligkeit sieht er an sich. Und du grober Klügling wolltest die Christenheit mit deiner blinden Vernunft und unsauberen Augen sehen? Summa, unsre Heiligkeit ist im Himmel, da Christus ist und nicht in der Welt für den Augen wie ein Kram auf dem Markte. Darum lasst Ärgernis, Rotten, Ketzerei und Gebrechen sein und schaffen, was sie mögen: so allein das Wort des Evangelii bei uns rein bleibt, und wir's lieb und wert haben, so sollen wir nicht zweifeln, Christus sei bei und mit uns, wenn's gleich aufs ärgste geht, wie wir hier sehen in diesem Buche, dass Christus durch und über alle Plagen, Tiere, böse Engel dennoch bei und mit Seinen Heiligen ist und endlich obliegt.“ So weit Luther.
Ja freilich, aus diesem Buche sollen wir lernen, wie es um die Kirche in dieser Welt steht, da sie im Werden ist und der Sauerteig des Evangelii gewaltige Gärung in der Menschheit wirkt. Luther rechnet dieses Buch zu den Weissagungen, welche „ohne Worte oder Auslegung in bloßen Bildern“ reden, und daher die Auslegung oft ungewiss lassen, weshalb auch etliche alte Väter geachtet, dass es nicht Johannis des Apostels sei, „in welchem Zweifel wir's für uns auch noch lassen bleiben. Damit doch Niemandem gewehrt sein soll, dass er's halte für St. Johannis des Apostels oder wie er will.“ - Ich würde sagen: Alles für und wider erwogen, meine ich, dass es von Johannes dem Apostel selber sei, will aber die nicht richten, welche wegen der Bilder und Sprache meinen, es sei von einem anderen Johannes oder einem, der es aus der Seele des Evangelisten geschrieben hat. Mag's geschrieben haben, wer es will, wir haben's für Gottes Wort zu achten, weil es eben dasselbe in Bildern bezeugt, was Christus und die Apostel mit und ohne Bilder auch in den Evangelien und Episteln lehren und Nichts anders. Da könnte man fragen: Warum musste aber dasselbe in Bildern gesagt werden, was man schon in klarer Rede hat? War die Zeit des Alten Testaments nicht die Zeit der Schatten und Bilder? Ziemt sich jetzt nicht durchweg klare Rede, nachdem das Wort Fleisch ward und wohnte unter uns? Aber man halte dagegen, dass der ganze Christus uns im Worte kommt, und doch hat der HErr dazu noch die heiligen Sakramente als Siegel und Zeichen gegeben, durch welche Er selber als Ebenderselbe kommt. Er hat unsre Schwachheit und Bedürfnis angesehen und außer den Evangelisten auch Propheten, außer der nüchternen Predigt auch Weissagung gegeben für besonderes Bedürfnis der Seelen in der Kirche. Luther sagt: „Die Figuren streiten nicht, sondern sie schmücken den Glauben; denn es muss zuvor geglaubt und gegründet sein, ehe ich glaube, dass die Figur dazu diene.“ Also sei des HErrn und Seines Reichs zuvor aus den Evangelien gewiss. Es macht sich aber jedermann nach seinem Glauben auch von der Hoffnung seine Bilder und die Seele hat auch Bedürfnis das zu tun, so schwächlich das auch ausfalle, sie dürstet nach Schauen. So kann sie aber in großer Unruhe und Angst nicht zum Bilde kommen, und da kommt ihr denn Johannes mit guten Bildern entgegen, damit sie sich aus diesen Bildern selig machende Wahrheit herauslese und keiner Bilder mehr verlange.
Die Zeit, um welche die Offenbarung verfasst ist, war eine, da es mit der Kirche so arg schien, dass es wohl nicht ärger werden könnte. Juden und Heiden wüteten gegen sie aufs grimmigste, und Gott hatte den Feinden alle irdische Macht gegeben; in der sogenannten Christenheit war aber die Spaltung, was man so nennt, tausendfach, da waren zu den alten Ketzern, aus Pauli Zeiten, noch unzählige neue gekommen, so dass die redlichen Jünger gar vereinsamt und zerstreut und die treuen Gemeinden wie Oasen in weiter Sandwüste sein mussten. Das Schifflein war fürwahr von Wellen bedeckt und Er schien zu schlafen. (Matth. 8.) Was sollte man da für Aussichten haben? Das zeigt hier Johannes: Aussicht auf ewigen Triumph! Zu immer höherem Anschauen wird er geführt und führt er nun wieder seine Leser; so sollen auch wir mit ihm aufsteigen, bis wir die Kirche als des ewigen Gottessohnes ewige Braut erschauen, welche vom Himmel herabfährt auf diese Welt, wie des Menschen Sohn vom Himmel herabgekommen ist und doch allezeit im Himmel ist. (Joh. 3, 13.) Sie ist die lichte himmlische Stadt, Licht in dieser Welt (Matth. 5, 14.), wie ihr Gott Licht ist (1 Joh. 1, 5.), denn wie der HErr ist, so sind auch wir durch Sein Wort, das Er uns gegeben, in dieser Welt (1 Joh. 15, 18.). Wir sind in der Welt und doch nicht von der Welt (Joh. 17, 14. 15. 19.), unser Wandel ist schon hier im Himmel (Phil. 3, 20.) und unser Weg ist zu ewiger Verklärung (Phil. 3, 21.), wo wir dem HErrn ganz gleich sein werden, weil wir Ihn sehen werden, wie Er ist (1 Joh. 3, 2.), und Nichts mehr vom Gegenteil und von Sünde an uns haben werden, denn wir werden von dem Leibe dieses Todes ganz erlöst sein. (Röm. 7, 24.) Was die Kirche ewig bei Gott offenbar ist, das ist sie hier in der Zeit verhüllt, und was sie jetzt ist, das wird sie völlig offenbar im Himmel sein und ist's da schon jetzt. Es gilt also unsre Herzen also erheben zu lassen, dass wir mitten in allen Trübsalen dieser Welt die Kirche schon nach ihrem ewigen Bestande schauen, und dann ist bald große Stille in der Seele.
In unserer Zeit steht's mit der Kirche wieder, wie zu des alten Johannis Zeit, dass uns Luthers immerhin kummervolle Zeit wirklich wie ein goldenes Jahr erscheint. Um uns her eine Welt von Totfeinden, und in der sogenannten Christenheit fast alles von Antichristen unter tausend Rottennamen überschwemmt. Da scheint die Kirche gar vernichtet und vergraben, und doch ist sie da, und scheint und leuchtet auch in himmlischer Herrlichkeit durch das Wort, welches sie bekennt, wenn sie gleich also nicht mit fleischlichen Augen ersehen werden kann, wie der Kram auf dem Markte.“ Sie ist wohl sichtbar, aber schaffe du dir täglich die rechten geistlichen Augen dazu vermöge Gottes Augensalbe, des Heiligen Geistes, dann wirst du doch frohlocken. Der neue Mensch sieht sie wohl, denn der ist mitten in ihr (Joh. 3, 3 u. 5.) und sie ist auch mitten unter uns durch das Wort, so wir's nur aufnehmen und glauben.
In den ersten drei Kapiteln wird uns unter den Bildern der sieben Gemeinden Kleinasiens vorgestellt, wie die Kirche hier in lauter Schwachheit und mit Mängeln behaftet ist, die sie täglich noch ablegen muss. Doch ist ihr das höchste Heil gar entschieden und umsonst dargeboten. Im HErrn hat sie Gerechtigkeit und Stärke, wenn sie Sein Wort nur lauter bewahrt und im Glauben gebraucht. Dann werden ihr alle Juden, Heiden und Mischlinge (die Nikolaiten und Unionsleute) Nichts anhaben, mit denen sie sich von außen und innen plagen muss. Danach stellen die anderen Kapitel in großartigen Bildern vor, durch welchen Weg sie hier beständig zu gehen hat, um das recht zu sein, was sie durch Gottes Berufung von Anfang ist und was sie zuletzt und ewig doch allein sein wird, die helle, lichte Himmelsstadt auf dem wahren Zion, von welcher alle Propheten geweissagt haben, die schöne Braut des Lammes ohne Flecken noch Runzel noch des etwas. (Eph. 5, 27.) Was sie im Geist und Glauben immer war, das wird sie zuletzt auch ganz allein sein. Dies vor der Welt jetzt verborgene ist sie schon immer, und wird es ewig allein sein. Ihr Weg ist aber durch Feuer und Wasser (Jes. 43, 2.; Ps. 66, 12.), durch lauter Wüste unter beständigem Kampfe, dass sich Tod und Teufel genug an ihr zerarbeiten werden. So hat sie Angst in der Welt. Ihr Gott thront aber in immer gleicher Herrlichkeit, dem alle Schöpfung (in den Cherubim) dient, und um welchen die vierundzwanzig Ältesten, die Bilder der geistlichen Gemeinde Gottes, mit Loben und Beten beständig versammelt sind. So sicher, wie die da sind, wird die heilige Kirche auch immer bleiben. (Kap. 5.) Dieser, der einige ewige Gott ist immer, der sich wohl offenbaren will; aber wer kann Sein Herz ergründen? Das ist die bange Frage der sehnsüchtigen, nach Gnade und Wahrheit hungernden Seele auf Erden, die Frage, nach deren Beantwortung Johannes weinend verlangt. Da zeigt sich's, dass des Menschen Sohn, das geschlachtete Lamm, der hier der schwächste, der verachtetste und unwerteste ward, allein das Buch mit den sieben Siegeln nehmen und auftun kann. Kann das unser Jesus, ist Er, der schwächste, doch zugleich der stärkste, der die Entwicklung der ganzen Weltgeschichte in Seiner Hand hält und wirkt, was wollen wir, Seine Jünger, denn hier auf Erden vor der Welt, der bösen und dreimal bösen Sieben, zu sehr bangen? Er macht's alles, wie es kommt. Er ist der Sieger von vorn herein, und Ihm folgen als seine Diener die anderen Reiter, die freilich mit großen Plagen über diese Welt hinstürmen. Die Not wird so groß, dass man nur verzagtes Heulen und Fragen hört. Gott und das Lamm werden der Welt zuletzt doch zu schrecklich: so wenig hat des Lammes Kreuzgestalt Ihm Seine Macht geraubt; des ist die feindliche Welt selbst Zeugin wider Willen, da sie fragt: wer kann bestehen? (Kap. 6.); menschliche Kreatur kann nicht anders als weltlich sein und mit der Welt verloren gehen. Ja die Welt in uns selbst fragt oft bekümmert: Wo kann noch Kirche sein? - Und sie ist doch! Israel ist doch herrlich vorhanden, Gott besorgt sich's selbst, dass es in herrlichster Fülle erhalten und gebaut ist; aber vervollständigt aus allen Völkern, wie die Propheten vorausgesagt. Das zu sehen ist aller Engel Lust. (Kap. 7.) - Da nun das siebente Siegel geöffnet wird, entwickelt sich das darunter befasste zu sieben neuen Bildern, nämlich den sieben Posaunen. Da gibt's wohl noch größere Nöte über die irdische Menschheit, unter welcher die Christen am Fleisch mit zu leiden haben. Die Not scheint sich, wo sie zu Ende gehen sollte, von neuem anzuheben und sich noch zu versiebenfachen (Kap. 8.); aber damit ist die Seele schon zu höherer Erkenntnisstufe erhoben, auf welcher man Sünde und Welt noch gräulicher, Christi Reich aber viel herrlicher erblickt. Die fünfte und sechste und siebente Posaune bringen drei besondere geistliche Wehe! während das frühere mehr äußerliches blieb lauter bitterstes Wehe jetzt, unter Bildern der alten Propheten vorgestellt, wie die vier ersten Posaunen die alten Plagen Ägyptens berichten dann ertönt die siebente Posaune, durch die lauter Untergang kommt; aber Johannes muss den Inhalt des darin gesagten in einem Büchlein verschlingen, davon er Grimmen bekommt. Nämlich das Heiligtum wird selbst gar zertreten von den Heiden, darüber die Christenheit ganz verschwunden scheint (Kap. 10.) aber Gott erhält sich ein paar Diener der Wahrheit, die auch mächtig zeugen, nachher aber gleichfalls überwunden scheinen und wie tot sind: auch Luthers und anderer Reformatoren wird vergessen und die Welt wünscht sich dazu jetzt Glück, dass sie die Reformation verbessert hat. Gott rechtfertigt aber seine Zeugen endlich sehr gewaltig. Das war wie zwischen eingeschoben als Einleitung zu der siebenten Posaune, dem dritten Wehe. Was wird die bringen? Nun Johannes schaut die Summa so: lauter Sieg Christi wird sie doch bringen; aber auf Erden muss die Kirche, in welcher des Menschen Sohn als kleines neugeborenes Knäblein ist, vor dem Drachen, dem Satan, in die Wüste fliehen und kaum geborgen sein. Was aber auf Erden so kümmerlich vorgeht, dasselbe geht im Himmel in anderer Gestalt vor sich. Da ist Christus, der starke Engelkönig Michael, und besiegt den Drachen gar völlig. Hier ist Er Christkind, da heißt Er Michael, Gott selbst! Da ist lauter Jubel im Himmel, dass die Kirche durch des Lammes Blut doch Sieg hat. So muss wohl das Weib auf Erden sicher (mit ihrem Knäblein), wenn auch in der Wüste, bleiben. (Kap. 12.) So können wir denn getrost die letzten, die schwersten Kämpfe betrachten. Hier wird erst die volle Abscheulichkeit der Welt offenbar. Aus der wilden, natürlichen Menschheit ballt sich ein schreckliches Ungeheuer, das Seetier, ein Ungeheuer aus dem wilden Meergewoge der Völker, zusammen, dem der Satan zum Kampfe wider die Kirche all seine Macht verleiht: das überwindet durch weltliche Gewalt die Heiligen auf Erden, und alle, bis auf die wenigen Gläubigen, beten es an. Dies ist die heidnische, Gott feindliche Staatsmacht, in welcher sich die natürliche Menschheit mit Stolz spiegelt und selbst anbetet. Gott will sie sein; Johannes nennt sie aber die Bestie. Aber es kommt noch ein feineres Ungeheuer, das Erdungetüm, das Landesungeheuer, die falsch geistliche Macht, welche auch Zeichen und Wunder tut, und dem ersten Tiere, das schon schwach und alt geworden war, wieder mächtig aufhilft, und nun hat es alle Gewalt, die Christen zu verfolgen, dass sie ihres Bleibens nicht haben. (Kap. 13.) Aber so schrecklich das auf Erden auch scheint, im Himmel ist zugleich schon lauter Triumph, denn von dort her stärkt das lautere Evangelium die Gläubigen sehr mächtig, und die Weltmacht (Babel) ist da schon als gefallen ersehen; so sollen auch wir sie so sehen mitten in der Trübsal. Die das Malzeichen des Tiers angenommen und bei Kaiser und Papst liebe Kinder gewesen und alle Vorteile gehabt haben, sind hier als die Verlorenen offenbar. Die treuen Bekenner sind doch die Sieger, durch den Tod kommen sie zu lauter Triumph, wenn sie ihn auch in der Welt nicht äußerlich haben. Ihr Heiland ist doch der HErr und Richter der Welt, Er erntet sie und keltert sie, dass ihr Blut wie ein Weltstrom dahin fließt. (Kap. 14.) Die Leiden kommen nun vorwiegend als lauter Gewichte über die ungläubige Welt. Je weiter man in der Erkenntnis kam, desto deutlicher sieht man, dass die Welt doch wirklich alles Weh auf ihren harten Kopf bekommt. Die siebente Posaune entwickelt sich wieder zu sieben Plagen, in sieben Schalen; aber ihre Summa ist auch nur Gottes und des Lammes Preis; durch deren Gnade die Kirche unter lauter Feuer der Trübsal herrlich vollendet werden muss. (Kap. 15.) - Da werden denn aus sieben Zornschalen, Gottes letzte und höchste Gerichte, über die gottlose Welt ausgegossen, sie tut aber nicht Buße, sondern lästert desto mehr, was haben da die armen Jünger auszustehen! Aber die Gottlosen haben ganz anders zu leiden. Dann kommen aus dem Munde des Drachen, des Tiers und des falschen Propheten, dem zahmen Landesbischof oder Landesungeheuer, drei Frösche, Amphibien, die ihre Amphibien- oder Unionslehren ohne Ende herquaken und großen Krieg gegen die Kirche mit ihrem Predigen entzünden; aber wir sollen ihr Gequak verachten, denn unser HErr kommt bald. Da wird die siebente Schale ausgegossen. Darüber geht Babel wohl unter, die Stadt des verbündeten Land- und See-Ungeheuerwesens. (Kap. 16.) Aber nun wird dazwischen noch zuvor die lügenhafte Herrlichkeit Babels, als der großen abgöttischen Hure geschildert, die so heißt, weil sie mit ihrer Religion doppelt Spiel gespielt und Politik damit betrieben. Gott nicht zu geben, was Gottes, das ist die Hurerei, denn da wird's zum Teufel gegeben. Ein Engel zeigt sie Johannes in ihrem Schmuck: ein Weib auf dem Tier, der viehischen wilden Menschheit reitend, voll Lästerung und begeistert, ja trunken vom Blute der Märtyrer; diese Hure hat dem Tiere zu neuem Aufleben verholfen und vielerlei Weltmächte und Weltverhältnisse sind daraus geworden, alle dem Lamme feind; aber das Lamm überwindet sie alle, und sie haben nur Gottes Willen ohne ihren Verstand ausführen müssen; so sollen wir auch das nicht fürchten. Auf dieser Stufe wird schon Christi Sieg ohne weiteres erschaut, und er kann von den auf ihr stehenden zu aller Zeit so geschaut werden. Nichts kann und soll uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserem HErrn, noch uns an derselben irre machen. (Kap. 17.) So sieht denn Johannes den Fall Babels, der Welthure, in welcher die Sünde überhaupt ihre Vollendung gefunden hat in lauter verfälschtem Christentum: und alle Weltlinge, Könige und Aristokraten aller Art1) beheulen den Fall solcher großartigen Macht, nur im Himmel ist unendlicher Freudenjubel über ihren Fall. (Kap. 18.) Dieser Jubel bringt denn ein schönes Triumphlied im Himmel hervor und alle Leiden von der Hure haben endlich nur der Ehre Gottes und der Seligkeit der Christen dienen müssen. Und was sie da besingen, sieht Johannes auch im Gesichte: nämlich Christus selbst ist der Sieger in herrlichster Königsgestalt. (Kap. 19.) Da muss man denn wohl sehen, dass der Teufel nur eine gebundene Macht ist, die, wenn sie sich hier auch scheint ewig behaupten zu können, gar geringe Zeit hat, der Drache ist tausend Jahr gebunden, während dessen die Christen mit Christo freudig regieren, mögen sie auch in der Welt geköpft und verbrannt sein: im Himmel sieht man das anders an, und wie mans da sieht, so ist es: für den Himmel sind sie gar nicht tot, sondern alsbald durch Christum lebendig. Danach freilich ist's auch wahr, dass der Teufel eine halbe Stunde hat, da versucht er sein Möglichstes mit seinem großen wilden Haufen; aber Gottes Feuer verzehrt sie alle bald, dass ihr Unterbrechen nie lange währt: lass dich's auch nicht zu lange dünken! Da werden denn Teufel, Tier (Tyrannei des Naturmenschen) und falscher Prophet (Weltkirche) in den Feuerpfuhl geworfen und das letzte Gericht bricht an. In diesem wird offenbar, welche schon früher und von Anfang im Lebensbuche standen, denn alle andern sind dem Teufel nach in den Feuerpfuhl geworfen. Was nicht von der Welt ist, das ist Christi. (Kap. 20.) Und nun enthüllt sich, nachdem sich der Leser durch viel Nebel, Sturm, Hagel und Feuer durchgearbeitet, die eigentliche innere Herrlichkeit der Kirche, wie sie immer war und nun ewig offenbar ist und bleibt. In ihr sind Himmel und Erde Eins und ist kein trennendes, unruhvolles Meer fürder da. Gott ist ganz in ihr und sie in Gott (Joh. 17, 21.), da kann doch kein Leid und Tod mehr sein (Joh. 11, 2. 5.), Alles ist hier neu zu sehen und gar anders. (2 Kor. 5, 17.) Christus hat es geschafft durch die freie Gnade: nur verloren sind, die ihr nicht trauten, die Feiglinge und Verzagten, welche der Hure, der falschen Kirche und darin dem Tier und darin dem Teufel gehuldigt haben. Und da zeigt einer von den Zornschalenengeln, derselbe, der die Welt tüchtig begossen, dem Johannes die Braut des Lammes in ihrem himmlischen Sein, das unter dem Werden auf der Erde immer verborgen war. Nun ist sie offenbar als ganz vom Himmel und ganz licht (Matth. 5, 14.); ganz gesichert (Zach. 2, 5.; Jes. 26, 2.) und doch ganz zugänglich, und unendlich groß: und sie ist das wahre Israel. Gott selbst und das Lamm ist ihr Alles: ihr Licht und Leben (Joh. 8, 12.) (Kap. 21.) Und Er ist auch ihr Trank (Joh. 4, 10.) und ihre Speise (Joh. 6.) und ihre Gesundheit, dass kein Tod sie antreffen kann. Darauf schließt das Buch ähnlich, wie es angefangen, so dass man gleichsam durch mehrere Tore geht. Johannes weiß, dass es so ist, wie er in Bildern gelehrt. Bald, bald muss es allen Gläubigen, auch den Ungläubigen, jedem in seiner Art so offenbar werden, nur dass wir es schon im Glauben zuvor wissen, und es auch täglich ganz nötig gebrauchen, das ist ja zum Anbeten Gottes! Mag nun die Welt noch gottlos sein; uns soll's nicht irre machen, unser Lamm ist ein besonders Lamm, das nämlich Alles regiert und in Allem den Sieg hat, wenn wir auch hier dem Fleische nach durch lauter Unterliegen gehen. Er beherrscht Alles als Anfang und Ende: selig, wer von Ihm umfangen ist! Aber draußen sind die Hunde, das freche Tierwesen. Jesus gibt uns diese Botschaft, und ist uns ein heller Morgenstern darin. Da sagen wir nur noch, komm, o Herr Jesu, komm du uns nur immer, so ist uns auch immer geholfen. So soll man dieses Buches Inhalt unverfälscht überliefern, denn darin ist aller Trost der Menschheit unter ihren Leiden abgemalt, soweit sie Gottes Trostes fähig ist. Und dem Sehnen nach Ihm antwortet Jesus, so bestätigt Er den Inhalt dieses Buchs, dass Er nochmals ruft: Ich komme bald und Johannes ruft nun auf Alles hier geschaute und gehörte unter allen gegenwärtigen Nöten aus tiefster Seele und aus der Seele aller Kreuzträger: Ja komm Herr Jesu!
Ich glaube nicht, dass in diesem Buche in verhüllter Weise die Welt- oder Kirchengeschichte in ihren einzelnen äußeren Ereignissen vorausgesagt sein sollte; aber weil hier, wie in den Evangelien, das ewige Wesen des Reiches Gottes und Christi und dagegen auch das Wesen und das Ende der Welt dargestellt ist, so muss sich wohl in allen Geschichten der Welt und der Kirche wieder dasselbe herausstellen, was hier in Bildern über dem Fluss aller Zeiten geschaut ist. Es kann Nichts geschehen, als was in diesem Buche geweissagt steht. Und darum ist es ein reiches Trostbuch für alle schwer leidende, am meisten unter Verfolgung durch das populäre Tierreich und die bunte Allerweltskirche, die große öffentliche Dirne mit so vielen Anbetern und Verehrern; denn Gottes Wahrheit ist die lautere Gnade, die höchste Tröstung: Sein Gnadenreich steht ewig fest: so flüchte dich dahinein!