Baur, Wilhelm - Lazarus von Bethanien und seine Schwestern - Lazarus krank - der Herr verzieht - zur Ehre Gottes.
“Derselbigen Bruder Lazarus war krank. Da sandten seine Schwestern zu Ihm und ließen Ihm sagen: Herr, siehe, den Du lieb hast, der liegt krank. Da Jesus das hörte, sprach Er: die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, dass der Sohn Gottes dadurch geehrt werde. Jesus aber hatte Martha lieb und ihre Schwester und Lazarus. Als Er nun hörte, dass er krank war, blieb Er zwei Tage an dem Ort, wo Er war; danach spricht Er zu seinen Jüngern: Lasst uns wieder in Judäam ziehen!“
Lazarus ist krank. Die Flut des Elends, die aus der giftigen Quelle der Sünde in tausend Strömen und Bächen sich über die Menschheit ergossen hat, ergreift auch den treuen Jünger des Herrn. Die Krankheit stammt aus der Sünde. Gott hatte den Menschen sehr gut geschaffen und der Glanz Seines Wesens leuchtete herrlich von Seinem Ebenbilde. Seinen lebendigen Odem hatte Er ihm eingehaucht, dass er Geist sei von Seinem Geiste und an die schwere Körperwelt nicht gebunden. Frei und fröhlich sollte er im Leibe wohnen als in einem heiligen Tempel. Der Leib der ersten Menschen blühte in Gesundheitsfrische wie die grünen Bäume des Paradieses und in Schönheit wie die eben aufgegangenen Blumen an den lebendigen Wassern, und das Siegel der Hoheit und Herrschaft war ihm aufgedrückt, also dass alle Tiere ihm willig gehorchten. Und wie der Geist des Menschen in Gott leben und weben sollte, so war der Leib, des Geistes williges Werkzeug, nicht verurteilt, weder im Leben, durch die Macht des Geistes abgestumpft zu werden, noch im Tode vom Geiste getrennt zu Staub zu verwesen. Vom Baume des Lebens sollte der Mensch essen und so nach Leib, Seele und Geist des ewigen Lebens in Gott teilhaftig werden. Ewige Seligkeit in der Gemeinschaft mit Gott sollte er haben. Aber der Mensch sündigte da war er nach Geist, Seel und Leib aus Gottes Gemeinschaft herausgerissen. Die Hoffart, die Ursünde des Geistes, griff nach der verbotenen Frucht; da war der Geist aus seiner Bahn gewichen. Der Leib aß die Frucht, da war auch seine Gesundheit, Schönheit und Herrlichkeit dahin. Hinfort sollte Eva mit Schmerzen Kinder gebären und Adam im Schweiß seines Angesichts sein Brot essen. Und aus der ersten Sünde sprossten die unzähligen Krankheiten auf, die seit jener Zeit in allen Jahrhunderten unter allen Völkern, allen Lebensaltern und Geschlechtern wüten. Wohl gibt es Kräuter und Quellen mit heilender Kraft, wohl ist der menschliche Scharfsinn und die erbarmende Liebe ohn' Unterlass tätig, die Krankheiten zu lindern. Lindern kann man sie wohl, aber austilgen nicht. Und Jahr aus Jahr ein halten sie ihren Umgang in den Häusern, Jammer zu bringen und Lücken zu reißen. Die lieben Kindlein werden vom Herzen der Mutter gerissen, die blühende Jungfrau welkt plötzlich dahin, der Jüngling, der sich unter kein Joch beugen will, lässt vor ihr die Arme sinken. Auch Manneskraft widersteht nicht und die Leute mit den grauen Haaren, die lebensmüde dahinschleichen, müssen warten, bis der Atem erst recht kurz, die Knie recht schwach geworden, Gesicht und Gehör vergangen ist, dann dürfen sie sterben. Es ist ein furchtbares Elend, das die Krankheit bringt wie sollen wir's ertragen? Wie haben es wohl die frommen Geschwister in Bethanien getragen?
Lazarus ward krank. Wie nimmt er die Krankheit auf? Er war ein treuer Jünger des Herrn, er murrte nicht, sondern trug sein Leid mit Geduld. Da war nicht jener pharisäische Trotz, der den Frommen aus dem Munde kranker Brüder so wehe tut: womit hab' ich das verdient? Was hab' ich denn Böses getan? Lazarus dachte: hat mein Freund und Erlöser, der keine Sünde getan und in des Mund kein Trug erfunden worden, sich nicht geweigert, des Leibes Schmerzen für uns zu tragen, warum sollte ich mein eigen Teil nicht tragen, das ich durch meine Sünde reichlich verdient? Da war auch keine Spur der Unzufriedenheit gegen den Heiland, die da spricht: soll ich durch Jesum von der Sünde erlöst sein, warum lässt er mich noch leiden? Er wusste wohl was der Apostel später schrieb: „So lange wir in der Hütte sind, sehnen wir uns und sind beschwert“ (2 Kor. 5, 4), „wir tragen nun allezeit das Sterben des Herrn Jesu an unserem Leibe, auf dass auch das Leben des Herrn Jesus an unserem Leibe offenbar
werde.“ (2 Kor. 4, 10.) Er dachte nicht: hat mich der Heiland lieb, so hätte er mir wohl die Krankheit sparen können. I nein, er rechnete es sich zur Ehre an, zu den Kreuzträgern zu gehören und sah in dieser Trübsal ein Liebeszeichen seines Gottes. Denn, welchen der Herr lieb hat, den züchtiget Er; Er stäupet aber einen jeglichen Sohn, den Er aufnimmt. Seid ihr aber ohne Züchtigung, welcher sie alle sind teilhaftig geworden, so seid ihr Bastarde und nicht Kinder.“ (Hebr. 12, 6.8.) So stand es mit Lazarus. Und seine Schwestern? Schwesterliebe ist treu, sorgsam, unermüdlich gegen den Bruder, und diese Schwestern liebten ihren Bruder in dem Heiland! Er ist krank. Da ist Trauer und Besorgnis, aber keine Mutlosigkeit und Verzweiflung, - da ist Liebe zum Heiland, Liebe zu dem Kranken, die ist stark und lässt den Mut nicht sinken. Jetzt kann Martha ihre Rührigkeit, Klugheit, Erfahrung gebrauchen! Nun kommen ihr die Vorräte von heilsamen Kräutern und milden Früchten, die sie gesammelt, zu Statten. Nun kommen Stücke von Leinwand und Wolle, die lange wie zu keinem Nutzen da lagen, zu Ehren. Sie geht im Krankenzimmer ab und zu, sie sorgt, dass es das rechte Maß der Wärme oder Kühlung hat. Sie betrachtet den lieben Kranken und sinnt, was ihm nützen könne: leise schleicht sie sich ab, ihm Heilmittel und Krankenspeisen zu bereiten. Sie kommt ins Zimmer zurück: wie weh ihr ums Herz ist, den Bruder nicht traurig zu machen zeigt sie Mut, Vertrauen, ja Heiterkeit auf ihrem Angesicht. Die Maria aber geht von dem Krankenbette nicht weg. Die stille Jungfrau, die gerne schweigsam sitzt und hört, ist hier an ihrem Platz. Sie rückt dem Kranken das Kissen zuweilen zurecht, sie deckt ihn zu, sie reicht dem Dürstenden einen Trunk, sie sieht ihm ohne Unterlass ins Angesicht, ob er schläft oder wacht, sie hält seine Hand, sie merkt auf seinen Atem - ach, sie möchte so gerne weinen, manchmal entschlüpft dem Auge eine Träne, sie wischt sie heimlich ab und um nicht mehr weinen zu müssen - betet sie. „Heile Du ihn, Herr, so wird er heil,“ seufzt sie stille zu Gott und gedenkt ihres starken Freundes, der sich als Gottes Sohn bewährt hat, Jesu Christi. Der ist der Trost in ihrem Elend. Sie wird schnell mit ihrer Schwester eins, ihm des Bruders Krankheit melden zu lassen.
„Da sandten seine Schwestern zu Ihm.“ Das war sicherlich das Beste, was sie tun konnten. Einen besseren Krankentröster gibt es nicht, als Den, der Seinen Namen hat vom Heile, den Heiland Jesum Christum, als Den, von dem der Prophet geweissagt, dass Er unsere Krankheit tragen und unsere Schmerzen auf Sich nehmen werde. Der gekommen ist, uns zu erlösen von der Sünde, hat auch Macht über die Krankheit, die der Sünde Kind ist. Und wenn auch der Schaden, den die Frucht vom verbotenen Baume angerichtet, erst völlig geheilt werden soll, wenn wir droben im himmlischen Kanaan zu dem lauteren Strom des lebendigen Wassers, das, klar wie Kristall von dem Stuhl Gottes und des Lammes ausgeht, wallen und vom Salze des Lebens essen dürfen, das da dienet zur Gesundheit der Heiden (Offenb. 22, 1 u. 2), so hat doch der Heiland Balsam, unsere Schmerzen zu lindern. Ach, meine Lieben, wir müssen schauen, wie elend es den Kranken da ergeht, wo der Herr Christus nicht wohnt, um zu lernen, welch' einen Krankentrost wir an Ihm haben. Die Aussätzigen in alter Zeit mussten, von all, ihren Lieben getrennt, draußen vor der Stadt oder dem Dorf in einer elenden Hütte mit ihrem Jammer allein sitzen. Die alten Spartaner zerschmetterten die Kindlein, die krüppelhaft zur Welt kamen, an einem Felsen. Die Hindus tragen die Alten, Kranken, Gebrechlichen hinaus zum heiligen Strome Ganges und schütten so lange Wasser auf sie, bis sie sterben. Wer nimmt sich unter den Heiden der Blinden, Tauben, Lahmen, Krüppel an? Das herrlichste unter den Heidenvölkern, die Griechen, kannten die Tugend der barmherzigen Liebe nicht. Und wo in der Christenheit heidnischer Sinn zu Hause ist, o was ist da die Krankheit für ein Elend! Da werden die Kranken geflohen, verwünscht, vernachlässigt, bis sie sterben. Wie ist das Alles ganz anders geworden durch Jesum Christum! Wie barmherzig hat Der Sich der Kranken angenommen und mit der Gesundheit des Leibes der Seele Vergebung der Sünden, Frieden mit Gott geschenkt. Und von der Schar der gläubigen Männer und Frauen an, die mit eigenen Augen Seinen erbarmenden Blick, Seine linde Hand gesehen, mit eigenen Ohren Sein tröstlich Wort gehört und in Seiner Nachfolge die Kranken leiblich und geistlich erquickten, bis herauf in die herrliche Zeit des Mittelalters, da Ritter das Schwert abgürten, um erkrankte Pilgrime im heiligen Lande zu pflegen, da Franciscus von Assisi in heißer, zärtlicher Liebe den Aussätzigen, den „Kranken des gütigen Gottes, den lieben Armen des guten Gottes,“ wie sie damals hießen, sich zuneigt und seine Jüngerin Elisabeth von Thüringen mit der frischen Blüte ihrer Jugend und Schönheit zu den Elendesten unter den Kranken hintritt und in der Glut barmherziger Liebe ihr Leben dem Dienste der armen Glieder Jesu opfert, und von da bis zu unseren Tagen, wo durch Gottes unergründliche Gnade aus dürrem Erdreich die grünen Reiser der Bruderliebe wieder aufschießen und Diakonissen und barmherzige Schwestern wetteifern im Dienste, der die größte Demut und Selbstverleugnung verlangt - o liebe Brüder und Schwestern, welch' ein Trost, welche Hilfe ist ausgegangen von dem barmherzigen Heiland! Die Schwestern haben erfahren, was dieser Heiland den Kranken ist. Sie senden zu ihm und lassen ihm sagen: „Herr, den Du lieb hast, der liegt krank.“ O mein Lieber, ward je eine Bitte zärter, sinniger, gläubiger ausgesprochen? Die paar Worte, die die Schwestern dem Herrn sagen lassen, sind allein schon Zeugnis genug, dass sie Ihn erkannt hatten, als den, der Er war, als den Sohn Gottes, der da Gewalt hat, Leid in Freud' zu wandeln und der kein Leid sehen kann, ohne dass Ihn dasselbige jammerte. Herr, den Du lieb hast, der liegt krank. Seine Liebe und des Bruders Krankheit - das sind die zwei Dinge, die sie schauen. Die können nicht geschieden bleiben. Die Liebe muss zur Krankheit sich neigen und ihre Kraft brechen und neues, fröhliches Leben dafür schenken. Hat Seine Liebe den weiten Weg vom Himmel zur Erde nicht gescheut, weil wir allezeit krank waren von der Fußsohle bis zum Scheitel und nichts Gesundes an uns (Jes. 1, 5. 6), wie sollte sie sich weigern, über den Jordan herüber zu kommen nach Bethanien? Hat Seine Liebe gerne im Stalle zu Bethlehem sich gebettet, wie sollte sie nicht in dem Hause einkehren, da Ihm immer ein herzlicher Empfang bereit war? Hat Er auf die Bitten so vieler gehört, die er zum ersten Mal sah, wie sollte Er die Freundinnen zurückweisen? Hat Er so manchen geheilt, ohne ihn jemals gesehen zu haben, wie sollte Er den sterben lassen, den Er lieb hatte, dessen Liebe Er oft in seinen Augen glänzen sah, aus seinen Worten hörte, in seinem Händedruck spürte? Er muss kommen, die Liebe wird Ihn treiben und darum lassen sie Ihm sagen: „Herr, den Du lieb hast, der liegt krank.“
„Da Jesus das hörte, sprach er: die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, dass der Sohn Gottes dadurch geehrt werde.“ Offenbar spricht der Heiland diese Worte, um dem Boten der Schwestern vor allen Dingen einen Trost zu geben. Sind es nicht dunkle Worte, klingen sie nicht fast wie ein Rätsel? Dem natürlichen Menschen mag es wohl so sein, denn er vernimmt nichts vom Geiste Gottes. (1 Kor. 2, 14.) Aber dem geistlichen Menschen liegt in ihnen göttliche Wahrheit, kräftiger Trost. Wollte Gott, dass dir das Rätsel durch den Heiligen Geist gelöst, die Wahrheit hell würde, der Trost zu Herzen ginge. Lieber Mensch, höre noch einmal das wunderbare Wort und sei gewiss, es ist nicht allein von der Krankheit des Lazarus und nicht allein zu den Schwestern in Bethanien, es ist von jeder Krankheit, es ist für alle Menschen, es ist auch für dich gesagt: „die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, dass der Sohn Gottes dadurch geehrt werde.“ Ach, wenn wir sehen, wie Jahr aus Jahr ein die Krankheit unter den Menschenkindern Trübsal und Klage, Schmerz und Jammer verbreitet, da möchten wir wohl mit dem Propheten ausrufen: „Ist denn keine Salbe in Gilead? Oder ist kein Arzt nicht da? Warum ist denn die Tochter meines Volkes nicht geheilt?“ (Jer. 8, 22.) Und wenn wir sehen, wie der Tod unbarmherzig Jung und Alt hinwegrafft, da klagen wir wohl: für den Tod ist kein Kraut gewachsen! Und doch es ist ein Arzt da und eine Salbe ist gefunden der Arzt heißt Jesus Christus, die Salbe das Blut, das Er für uns vergossen. Wer an die Erlösung durch das Blut Jesu Christi glaubt, für den ist die Krankheit nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes.
Ach, liebe Seele, dass dir das Rätselwort des Herrn klar würde! Man muss an Krankenbetten gläubiger Christen gestanden und gebetet haben, um es zu glauben und zu fassen. Wollen wir nicht mit einander zu solchen Kranken hingehen? Siehe, in diesem Hause liegt ein Kind darnieder. Der Heiland hat es lieb: und wie Seine Liebe ihm aus
Geschichten und Liedern, aus der Liebe der Mutter und aus heimlichem Wirken an der Kindesseele kund ward, da streckte sie sich in Lallen und Beten und Singen zu Ihm empor. Wie faltet es fromm die Hände, wie gerne hört es vom lieben Heiland! In seinen Fieberträumen sieht es Ihn, so schön, und Engel kommen, es zu Ihm zu bringen. Die Mutter kann ihre Traurigkeit nicht verbergen. Aber das Kind spricht: Ach, liebe Mutter, warum soll ich hier bleiben? Beim lieben Jesus ist's so viel schöner. „Lenchen, mein Kind, sagte Luther zu seinem kranken Töchterchen, du hast noch einen Vater im Himmel, zu dem wirst du gehen: du bliebest gerne hier bei deinem Vater und ziehst auch gerne zu jenem Vater, nicht wahr?“ „Ja, Herzensvater, wie Gott will,“ antwortet das Kind. Es stirbt und da es in den Sarg gelegt wird, spricht der Vater: „Du liebes Lenchen, wie wohl ist dir geschehen! Du wirst wieder auferstehen und leuchten wie ein Stern, ja wie die Sonne.“ Und als die Freunde ihn trösten wollen, sagt er: „Lasst es euch nicht leid sein, ich habe einen Heiligen gen Himmel geschickt, einen lebendigen Heiligen.“ Und später spricht er: „Das Mägdlein ist nicht tot, es schläft nur. Wenn sie wieder sollte lebendig werden und sollte mir das türkische Reich mitbringen, so wollt ich's nicht tun. O, sie ist gut gefahren. Wer also stirbt, der hat das ewige Leben gewiss.“ Glaubst du, dass des Kindes Krankheit zum Tode war? O wahrlich nein! sondern zur Ehre Gottes, dass der Sohn Gottes geehrt werde. - Lass uns weiter gehen und die Jungfrau besuchen, die an der Schwindsucht dahinsiecht, und die sich so sehr nach besuchenden Christenleuten sehnt. Es ist Sonntag. Ihre Freundinnen wandeln mit Gesang und Scherz durch den grünen Hag unter den blühenden Bäumen ums Dorf. Sie liegt im Kämmerlein und sieht den Frühling nicht. Lass uns der Kranken einen blühenden Zweig mitbringen. Wie freundlich schaut sie nach uns hin, da wir eintreten aber der matte Glanz der Augen, die zwei Rosen auf den blassen Wangen und die Hände und die Stimme verraten, dass ihr Stündlein nicht ferne ist. „ habe vor dem Sterben keine Angst, spricht sie, ich halte mich an meinen Heiland.“ Wie freut sie sich über das Bibelwort, über das Lied, das wir lesen, wie betet sie andächtig, wenn wir betende Hände über ihr ausstrecken! Und da wir scheiden, dankt sie so innig und bittet wieder zu kommen und ist so getröstet und hat ihren Heiland so gewiss. O lieber Mensch, solche Krankheit ist nicht zum Tode, sondern dass der Heiland an ihr verherrlicht werde.
Ich weiß keinen lieberen Besuch als zu dem kranken Handwerker in jenem Hinterbau. Dort müssen wir zusammen hingehen. Ihm sind die Knochen von innen zerfressen. Ein Glied ist ihm schon abgenommen. Das andere wird ihm wie von einem Feuer von innen heraus verzehrt. Ihm hat der Herr im Leiden den alten zornigen, aufbrausenden Menschen gebeugt und stille gemacht und von seinem Bette aus regiert er durch sanftes Wort sein Haus. Er grüßt uns freundlich, da wir eintreten. Mit unsäglichen Schmerzen richtet er sich auf, um besser hören zu können. Kein Laut der Klage kommt aus seinem Munde. Ist das Werk vollbracht, dann sagt er mit lächelndem Munde: das ist meine Arbeit, die mir der Herr auferlegt hat. Wir lesen ihm ein kräftig Wort vor und beten mit ihm. Er ist erquickt und dankt. Dann tastet er mit seinen welken Händen nach einem alten Gesangbuch und bezeichnet ein Lied, das er noch gelesen haben möchte. Es beginnt: „Wer nicht wieder ist geboren, der ist ewig verloren.“ Lieber Freund, ist diese Krankheit wohl zum Tode? „Ob der äußerliche Mensch verwest, so wird doch der innerliche von Tag zu Tag erneuert.“ (2 Kor.) Der Herr will sich an ihm verherrlichen. Der Mann, der des Herrn Sterben an seinem Leibe getragen, geht zu seinem Leben ein: das letzte Stündlein ist sanft und selig: der Tod ist zum Schlaf geworden. Und sein Sterbebette wird für die Umstehenden eine herzbewegliche Predigt über das Wort: „Ist Christus mein Leben, so ist Sterben mein Gewinn!“ (Phil. 1, 21.) - Hast du Lust mit mir zu jenem wunderlichen Mann einzutreten, den die Kinder der Welt nicht begreifen und darum meiden oder verlachen als einen Irren? Er war sehr krank und wir vermögen nicht der dunklen Geschichte auf den Grund zu sehen, die er uns erzählt. Leib und Seele muss zerrüttet und das Gewissen in großer Angst gewesen sein. Und jetzt? Hast du je einen Menschen so von der Gnade Gottes und des Heilands Freundlichkeit reden, die Seligkeit des verborgenen Lebens in Gott, die Herrlichkeit des Himmels so preisen hören? Er lebet droben, darum begreifen ihn die nicht, die irdisch gesinnt sind. Aber sein Heiland kennt ihn und wird ihn zur Ehre Gottes, der Licht scheinen lässt in die dunkle Seele, zu sich emporziehen. Noch einen Gang müssen wir machen, zu einem alten Mütterlein. Diese alten Frauen sind oft ganz verlassen. Entweder ist nach und nach Alles gestorben, was zur Familie und Freundschaft gehörte, oder die eigenen Kinder verlassen die Mutter. Und das geschieht so oft auch unter Christen! Unser Mütterlein ist seit diesem Winter sehr schwach und krank. Und da ist Niemand, der ihr das Feuer schürte, etwas kochte, das Bett aufschüttelte - sie ist sehr verlassen. Und doch, allein und doch nicht ganz allein,“ sagt sie mit Benjamin Schmolke. Auf ihrem Bette hat sie ihr altes Gebetbuch und Gesangbuch liegen, und wie gute Engel trösten die Lieder und Gebete ihr Herz. Sie möchte gerne ausgespannt sein, hält aber auch ebenso gerne still bis der Herr kommt. Und wenn wir ihr nun einen Psalm lesen, wie den ein und siebzigsten, und ein Lied, wie „Welt ade, ich bin dein müde“ und beten mit ihr aus Pfarrer Starks Gebetbuch und ein Vaterunser darauf, da hält sie unsre Hand so dankbar fest und ist wieder für acht Tage getröstet. Fromme Kreuzträgerin, du kannst in Frieden dahin fahren, denn deine Augen haben deinen Heiland gesehen, und dein Kreuz hast du getragen zur Ehre Gottes!
O ihr lieben Brüder und Schwestern, wird euch das dunkle Wort klar: „die Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes?“ Ist es nicht zur Ehre Gottes und wird nicht Sein eingeborener Sohn dadurch geehrt, dass die Krankheit, die durch die Sünde die Brücke zum Tod, zum ewigen Tod war, hinfort durch die Gnade die Brücke zum Leben, zum ewigen Leben werden soll? Dass, was wir böse gemacht, Er alles wieder gut macht, wenn wir nur an Seinen Sohn glauben wollen? Ist es nicht zur Ehre Gottes, dass, was bei den Starken und Gesunden und Reichen fast nimmer zu finden ist, wir bei den Schwachen, Kranken, Armen, Gebeugten finden: Glaube, Gebet, Todesfreudigkeit, Himmelssehnsucht? Dass die Kirche ihre festesten Pfeiler hat an diesen schwachen, gebrechlichen Menschen, die nichts vermögen in der Welt, aber die Welt überwinden durch den Glauben? Dass der Glaube aus den Orten der Lust in die Kämmerlein des Leidens flieht? liebe Freunde, ist es nicht zur Ehre Gottes und sollten wir Ihm für solche Gnade nicht auf den Knien danken, dass uns armen sündigen Menschen, für die Jesus Christus Sein Leben lassen musste, so reichlich Gelegenheit gegeben ist, Ihm zu danken durch Besuche bei den Geringsten Seiner Brüder, und dass wir von ihnen oft köstlicheren Trost empfangen als wir geben konnten! Und nun, liebe Brüder, wenn dann durch Jesum Christum die Krankheit zum Zeugnis göttlicher Liebe geworden ist, wenn dann Er diesem Feinde der Menschen seine Gewalt nehmen und ihn zum Führer in die Seligkeit machen kann, warum rufen wir nicht, wenn Eines von unseren Lieben krank ist, gleich den Herrn Jesum zur Hilfe? Ihr wisst ja doch, dass außer Ihm kein Heil ist und dass wer dahinstirbt, ohne an Ihn lebendig zu glauben, dem ewigen Tode anheimfällt, ihr wisst ja doch, dass das Menschenherz im Glück, in der Gesundheit sich verhärtet, des Heilandes gerne vergisst und von Ihm nichts hören will, ihr wisst ja doch, dass die trotzigsten Herzen gar verzagt werden, wenn die Wunden brennen, die Schmerzen durch die Glieder reißen und Angst durch Leib und Seele geht, und nach einem Strohhalm greifen, um aus dem Meer des Leidens sich herauszuhelfen, warum zeigen wir ihnen nicht den Felsen, welcher heißt Jesus Christus und sprechen: an Den halte dich, an Den klammre dich, aus Dem springt der Quell des Lebens? O liebe Seele, wenn du auf deinem Kranken- und Sterbebette gerne fromme Menschen um dich siehst, die aus dem Evangelio trösten und beten und mit erbarmender Liebe dich pflegen können, willst du denn nicht heute noch anfangen, dich nach den Kranken in deiner Nähe umzusehen und zu tun, was der Heiland von dir fordert. O, suche den Heiland zuerst für dich und bring Ihn auch den kranken Brüdern denn durch den Glauben an Ihn ist die Krankheit nicht zum Tode, sondern zur Ehre Gottes, dass der Sohn Gottes dadurch geehrt werde. So sprach der Heiland zu dem Boten der Schwestern des Lazarus. Wird Er denn nicht hineilen und beweisen, dass des Freundes Krankheit nicht zum Tode ist, sondern zur Verherrlichung des Gottessohnes?
„Jesus aber hatte Martha lieb und ihre Schwester und Lazarus. Als Er nun hörte, dass er krank war, blieb Er zwei Tage an dem Ort, da er war.“ Das klingt denn wieder ganz rätselhaft. Jesus hat die Geschwister lieb und Er kommt nicht, sie aus der Not zu reißen.
Er kennt den großen Jammer Seiner Freunde und verzieht. Und das ist nicht das einzige Mal, dass der Herr sich so wunderlich anlässt. Auf der Hochzeit zu Kana tritt Mangel ein. Die eigene Mutter geht zu Ihm und sagt Ihm, es sei kein Wein da, Er möge doch Rat schaffen. Und Er antwortet: „Weib, was hab ich mit Dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen!“ (Joh. 2.) Wie hart muss sich das kanaanäische Weib zurückweisen lassen, wie muss sie sich ängsten, wie tapfer muss sie mit ihrem Gebet gegen Sein Herz andringen, bis Er endlich sagt: „Weib, dein Glaube ist groß. Deine Tochter wird gesund!“ Die Vernunft wird hier zu Schanden und kommt nicht durch. Weil der Herr nicht allemal gleich erhört und gerade gibt, was sie sich ausgebeten, so lässt sie das Beten. Sie gibt es auf, all ihr Denken und Tun in den Abgrund göttlicher Liebe hinabzusenken. Sie gewöhnt sich daran, an ein blindes Schicksal zu glauben und wenn dann dieses schlägt, so sieht sie zu, wie sie sich selbst hilft, sie ergibt sich mit Widerwillen, weil sie muss oder verzweifelt. Den Menschen, welche von ihrer Vernunft sich leiten lassen, sind die traurigen Stunden wohl für eine Zeit lang erspart, welche die gläubige Seele hat, wenn uns der Herr Sein Antlitz verbirgt und auf die Gebete und Seufzer, die Tag für Tag aus der Tiefe des Jammers aufsteigen, keine Antwort folgt. Aber die überschwängliche Freude kennt sie auch nicht, wenn endlich die Gnade Gottes die Wolken zerreißt und sein erbarmendes Vaterantlitz in mildem Sonnenglanze wieder scheint, und die Seligkeit ist ihnen versagt, in alle Ewigkeit an dem Vaterherzen Gottes ruhen zu dürfen. liebe Brüder und Schwestern, wenn auch der Herr verzieht, seid dennoch getrost! Was ihr erfahret, haben die frommen Männer der Schrift schon erfahren, und was sie sagen, kann euch aufrecht erhalten. Schon im alten Bunde seufzet der Fromme: „Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach; heile mich, Herr, denn meine Gebeine sind erschrocken und meine Seele ist sehr erschrocken. Ach, du Herr, wie so lange?“ (Ps. 6.) Aber der Herr antwortet durch Sein Wort: „Ich habe dich einen kleinen Augenblick verlassen; aber mit großer Barmherzigkeit will Ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig verborgen; aber mit ewiger Gnade will Ich mich dein erbarmen!“ (Jes. 54.) Der Fromme seufzt: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu Dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?“ Aber der Herr gibt ihm selbst den Trost: „Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde Ihm noch danken, dass Er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ (Ps. 42.) Der Geplagte jammert: „Herr, wie lange willst Du so gar zürnen und Deinen Eifer wie Feuer brennen lassen?“ (Ps. 79.) Und Gott spricht: „Die Weissagung wird ja noch erfüllet werden zu seiner Zeit und wird endlich frei an den Tag kommen und nicht außen bleiben. Ob sie aber verzieht, so harre ihrer. Sie wird gewisslich kommen und nicht verziehen.“ (Hab. 2, 3.) Der Fromme klagt: „Willst Du denn ewig über uns zürnen und Deinen Zorn gehen lassen immer für und für? Willst Du uns denn nicht wieder erquicken, dass sich Dein Volk über Dich freuen möge?“ Und des Herrn Prophet ruft ihm zu: „Die auf den Herrn harren kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt, dass sie wandeln und
nicht müde werden.“ (Jes. 40, 31.) Kann solch ein Wechselgespräch zwischen der gepressten Seele und dem gnädigen Gott deine Seele nicht trösten, wenn der Herr mit Seiner Hilfe verzieht? Paulus hatte dreimal zu dem Herrn gerufen, Er möge ihm den Pfahl aus dem Fleische nehmen und der Herr hat zu ihm gesagt: „Lass dir an Meiner Gnade genügen, denn Meine Kraft ist in dem Schwachen mächtig!“ (2 Kor. 12.) An Seiner Gnade müssen wir uns genügen lassen, wenn wir nicht begreifen können, warum der Herr so mit uns verfährt, die Vernunft gefangen nehmen unter den Gehorsam des Glaubens (2 Kor. 10, 5. 6) und im Glauben anhalten im Gebet, bis die Verheißung sich erfüllt: „Rufe Mich an in der Not, so will Ich dich erhören!“ So waren die frommen Väter der evangelischen Kirche gesinnt. Da der fromme Paul Gerhard viel Sturm von außen und innerliches Kreuz zu tragen hatte, sang er „Befiehl du deine Wege“ und in diesem Liede die Worte:
Er wird zwar eine Weile
Mit Seinem Trost verzieh'n
Und tun an Seinem Teile,
Als hätt' in Seinem Sinn
Er deiner sich begeben,
Und solltest für und für
In Angst und Nöten schweben,
Fragt Er doch nichts nach dir.
Wird's aber sich befinden,
Dass du Ihm treu verbleibst,
So wird Er dich entwinden,
Da du's am mind'sten gläubst;
Er wird dein Herze lösen.
Von der so schweren Last,
Die du zu keinem Bösen
Bisher getragen hast.
Georg Neumark kam auf der Reise in Hamburg in große Bedrängnis, so dass er seine Geige, sein liebstes Kleinod, versetzen musste. Aber der Herr half wie durch ein Wunder, - er konnte sein Instrument wieder einlösen und dichtete und sang fröhlich das Lied „Wer nur den lieben Gott lässt walten,“ in dem es heißt:
Er kennt die rechten Freudenstunden,
Er weiß wohl, wenn es nützlich sei;
Wenn er uns nur hat treu erfunden
Und merket keine Heuchelei:
So kommt Gott, eh' wir's uns versehn
Und lässt uns viel Guts geschehn.
Noch sind aus dem Gedächtnis unserer älteren Leute die einfachen Trostesworte von Tietze nicht geschwunden:
Sollt es gleich bisweilen scheinen,
Als wenn Gott verließ die Seinen,
O so glaub' und weiß ich dies:
Gott hilft endlich doch gewiss.
Hilfe, die er aufgeschoben,
Hat er drum nicht aufgehoben;
Hilft er nicht zu jeder Frist,
Hilft er doch, wenn's nötig ist.
Wohlan denn, liebe Christen, weil wir einen solchen Haufen von Zeugen haben, „lasst uns ablegen die Sünde, so uns immer anklebt und träge macht und lasst uns laufen durch Geduld in dem Kampf, der uns verordnet ist.“ (Hebr. 12, 1.) Ach, dein Leid ist wohl groß, aber Gottes Gnade größer. Schon so lange betest du nun um dein Kind, dass es der Herr von leiblichem und geistlichem Elend erlöse dein Schmerz wird täglich größer und die Hilfe bleibt ferne: halte an, wie das kanaanäische Weib, lass dich abweisen und komme wieder, lass dich demütigen und rufe wieder empor: der Herr muss dir helfen! Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie desselben vergäße, so will Ich doch deiner nicht vergessen. Siehe, in die Hände hab' Ich dich gezeichnet!“ (Fes. 49, 15. 16.) Du liegst in Krankheit oder bist gedrückt von Armut: „Dieser Zeit Leiden sind nicht wert der Herrlichkeit, die an uns soll offenbar werden.“ (Röm. 8, 18.) Du lebst mitten unter Feinden des göttlichen Wortes und musst täglich Schmach leiden, weil du Jesum Christum bekennest und dein Heiland bleibt aus, dir zu helfen. Vergiss nicht, was der Herr zu Seinen Jüngern gesprochen: „Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Ihr werdet weinen und heulen, aber die Welt wird sich freuen, ihr aber werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll in Freude verwandelt werden.“ (Joh. 16, 20.) Du ringest nach dem Frieden deiner Seele, du lebst täglich in Angst: wie viel du von der Gnade Gottes gehört und gelesen, du schmeckest sie nicht, wie gerne, du glaubst, es fehlt dir die Freudigkeit, wie viel du betest, der Geist bezeugt dir die Kindschaft Gottes nicht. Du meinst, es sei aus mit dir, für dich habe der Herr kein freundlich Wort, keine Erquickung mehr. Liebe Seele, dein Leid ist sehr groß. Das Licht deines Glaubens scheint auszulöschen mitten in der Nacht, wie ein Rohr liegt deine Lebenshoffnung geknickt vor dir. Aber du hast Ursache auszuharren: den verglimmenden Docht will Er nicht auslöschen, das zerstoßene Rohr nicht zertreten. Sein Liebesodem weht noch, Sein Arm ist noch nicht zu kurz geworden. Siehe, die Schwestern in Bethanien waren auch tief gebeugt, als der Herr verzog. Aber sie fassen sich in Demut und den Demütigen gibt er Gnade.
„Danach spricht Er zu seinen Jüngern: „Lasst uns wieder in Judäam ziehen!“ Der Heiland kommt zur Hilfe und führt alles herrlich hinaus. Weil Er die Geschwister in Bethanien lieb gehabt, gerade darum verzog Er, damit ihr Glaube sich bewähren und gekrönt werden könne. Und so ist Sein Verzug auch zur Ehre Gottes, dass der Sohn Gottes dadurch geehrt werde. So lange wir mühsam nach der Höhe der göttlichen Gnade mit Gebet und Glauben hinaufstreben, begreifen wir nicht, warum der Weg oft so krumm scheint und durch Dornen und über Klüfte und Steine führt. Aber wenn wir auf der sonnigen Höhe angekommen sind, da ist der Blick frei. Die Nebel sind gefallen und die Sonne steht hell am Himmel. Wir schauen zurück und erkennen, dass alles so sein musste. Da liegt unser ganzes vergangenes Leben klar und offen vor uns und wie groß ist die Freude, in Allem die liebende Hand Gottes zu erkennen! Da erscheint jedes Leid nur Freudenkeim, jede Freude nur Weissagung größerer Freude. Da schämen wir uns unseres Unglaubens und beugen die Knie und rufen: ja, Herr, Du hast alles wohl gemacht. Du hast mich je und je geliebt und durch große Liebe zu Dir gezogen.
So führst du doch recht selig, Herr, die Deinen,
Ja, selig und doch meistens wunderlich.
Wie könntest Du es böse mit uns meinen,
Da Deine Treu' nicht kann verleugnen sich?
Die Wege sind oft krumm und doch gerad,
Darauf Du lässt die Kinder zu Dir gehn;
Da pflegt es wunderseltsam auszusehn;
Doch triumphiert zuletzt Dein hoher Rat.
Amen.