Bauer, Wilhelm Ludwig - Das Evangelium St. Marki in Bibelstunden behandelt - Einleitung.

Bauer, Wilhelm Ludwig - Das Evangelium St. Marki in Bibelstunden behandelt - Einleitung.

Evangelium St. Marci, so lautet die Überschrift des zweiten der Bücher, welche im Neuen Testamente uns bewahrt sind.

Evangelium, zu Deutsch: Frohe Botschaft. Aber, welche Botschaft kann man denn in alle Welt hinausrufen, dass sie Allen eine frohe sein werde? Wartet nicht der Jude auf eine andere Botschaft, als der Heide; freut sich nicht der Reiche über andere Dinge, als der Arme; hofft nicht der Hohe auf Anderes, als der Niedrige? Wo ist Etwas, über das Jeder sich freue, Jeder lobsinge, Jeder hinaufrufe: Lobt den Herrn, denn er ist freundlich, und seine Güte währt ewiglich! Doch ihr habt die Antwort auf euren Lippen. Es gibt Eins, das Alle drückt, das Alle quält, das Alle ängstigt; den Juden, wie den Heiden; den Reichen, wie den Armen; den Hohen, wie den Niedrigen. Es ist die Sünde. Es ist das Bewusstsein, dass wir den Willen Gottes wissen, uns aber nicht bereitet und nicht danach getan haben. Darum sagt der Apostel Paulus: Die Heiden, die das Gesetz nicht haben und doch von Natur tun des Gesetzes Werk, beweisen des Gesetzes Werk sei beschrieben in ihren Herzen; sintemal ihr Gewissen sie bezeuget, dazu auch die Gedanken, die sich unter einander verklagen und entschuldigen. Wenn aber Alle betrübt, gequält, geängstet sind über Eins und dasselbe; so gibt es auch für Alle eine und dieselbe frohe Nachricht. Es ist die Botschaft, dass Gott nicht mit uns rechnen wolle nach unsrer Missetat; dass er eine Erlösung für uns erfinden und einen Zugang zu seiner Gnade uns auftun wolle. Das, Geliebte, ist eine Botschaft, die Jeden erfreut, die Jeden selig macht, die von Allen in der Welt ohne viel Reden verstanden wird.

Diese frohe Botschaft heißt Evangelium, sie soll in diesem Buche uns gesagt und uns beschrieben werden, wie Gott sein drohendes Wort zurücknimmt, dass er die Sünde heimsuchen will, wenn seine Zeit kommt heimzusuchen, und dass er der Väter Missetat rächen will an Kind und Kindeskindern bis ins vierte Glied.

Aber so freudig eine Botschaft sein mag, so gern du sie als gewiss nehmen möchtest; du bist vorsichtig und fragst: Wer bringt mir die Botschaft; ist sie nicht in einem stolzen, selbstsüchtigen Lügenmunde? Kann der Bote auch gewisse Nachricht bringen?

Hier heißt die Überschrift: „Evangelium St. Marci.“ Wer ist dieser Markus? Kann er uns wahrhaftig die frohe Botschaft bringen?

Nun, das ist eben unsre große Zuversicht, dass wir hier in diesem Buche Alles prüfen können. Wir prüfen das Alte Testament am Neuen, und das Neue Testament am Alten; das Gesetz an den Propheten und die Propheten an dem Gesetz; wie denn der Herr so manchmal uns zuruft: Siehe zu, wie steht geschrieben, wie liest du? Wir prüfen die Evangelien an den Briefen, und die Briefe an den Evangelien, wie sie in diesem Gottesworte uns bewahrt sind.

So erfahren wir denn aus der Apostelgeschichte, dass dieser Markus eigentlich Johannes hieß, und diesen römischen Zunamen annahm, als er mit Paulus und Barnabas auf ihre Missionsreise zog. Seine Mutter hieß Maria und hatte ein eigenes Haus zu Jerusalem, darin die Christen sich zum Gebete oft sammelten, wenn sie nicht in den Tempel gehen konnten. Es ist dasselbe Haus, wohin Petrus sich flüchtete, da er von Herodes in den Kerker geworfen, aber wunderbar durch einen Engel herausgeführt war, wie ihr Apst. Gesch. 12 lesen könnt.

So hat wohl Markus den Herrn Jesum selbst noch gesehen, wenigstens von Petrus und den andern Aposteln gehört, was er anfing, beides zu tun und zu lehren, bis er aufgehoben wurde zu seinem himmlischen Vater. Markus begleitete Apostel und apostolische Männer; er ist bei Paulus in Rom während dessen Gefangenschaft, wie ihr im Kolosser- und zweiten Timotheusbriefe seht. Er ist dem Apostel wert und tüchtig zum Dienst am Evangelium, wie er sagt.

Ist das nicht genug, um zu wissen, dass Markus euch das Evangelium recht erzählen kann; und dass das Evangelium ihm lieb ist Gut und Blut dafür einzusetzen, selbst wenn er Apostel dafür in Kerker und Banden schmachten sah?

Er hat dieses Evangelium wohl in der Stadt Rom selbst geschrieben, um der Christengemeinde dort einen schriftlichen Trost zu hinterlassen, nachdem der Apostel Paulus vor ihren Augen so schrecklichen Todes von ihnen hinweggenommen war.

Genug also wissen wir von diesem Apostelschüler, um unzweifelhaft zu erkennen, dass er Wahrheit sagen konnte, und Wahrheit sagen wollte; soll er doch selbst für die evangelische Wahrheit den Bluttod in Alexandrien gestorben sein.

Aber es steht vor seinem Namen noch das Wörtchen: „Sankt“ das in unserer Sprache: heilig bedeutet. Wohl stammt das aus der katholischen Zeit; warum haben wir es nicht abgeschafft, die wir doch in unserm protestantischen Glauben Niemand heilig nennen, und wenn er auch die Treue seines Glaubens mit seinem Blute bezeugt hätte? Wir behielten dieses Wort, weil es uns erinnern soll, dass nicht bloß der Mensch Markus, sondern auch der Heilige Geist in ihm und durch ihn das Wort dieses Evangeliums uns gegeben und bewahrt hat.

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