Bard, Paul - In keinem Andern Heil!

Bard, Paul - In keinem Andern Heil!

Am Neujahrstage.

Gnade sei mit euch von Dem, der da ist und der da war und der da kommt! Amen.

Lukas 2, 21:

“Und da acht Tage um waren, dass das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genannt Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er in Mutterleibe empfangen ward.“

Wir stehen am Morgen eines neuen Jahres, Geliebte. Unter dem frischen Eindruck der mächtigen Predigt, welche die Jahreswende dem Menschen hält! Dass ihr euch hier zu Tausenden zusammengefunden habt im Gotteshause, ist's nicht eine Frucht dieser stummen, aber gewaltigen Predigt?

Aber das Thema ihrer Predigt ist ernst und majestätisch und schneidig und schaurig. Zwar eine bunte Mannigfaltigkeit von Empfindungen bestürmt und bewegt das Menschenherz an des Jahres Scheide; aber die meisten tragen einen ernsten, düstern, melancholischen Charakter. Dawider beweist auch der wilde Lärm und das tolle Treiben auf den Gassen und in den Schenken nichts. Das ist ja nur ein verzweifelter Versuch, den Donnerton der Predigt, welche des Jahres Wende hält, zu übertäuben, also ein Zeuge der Macht solcher Predigt.

Darum denn ist's nicht wohlgetan, ist auch nicht klug gehandelt, ist eine verwegene Untat, solche Predigt zu überhören. Gott selber ist's, der durch der Zeiten Wende zu uns redet. Es gilt, dieser Rede Gottes stille halten, auch wenn sie scharfen, schneidigen Laut hat. Denn nur dann, nur wenn wir diesem Gottesrufe zuhören, werden wir auch des Neujahrsevangeliums liebliche Predigt zu würdigen wissen. Wohl. Was predigt uns die Jahreswende?

Soviel ich sehe, vor allem drei Stücke. Die Flüchtigkeit, Armseligkeit und Hinfälligkeit des Menschenlebens bringt sie uns zur schaurigen Empfindung, zum erschreckenden Bewusstsein.

Die Flüchtigkeit des Lebens zuerst. „Unser Leben eilt schnell dahin, als flögen wir davon“ in der unmittelbaren Empfindung dieser Tatsache finden wir uns heute mehr denn sonst. Wie ein reißender Strom, wie ein zeitloser Schlaf, wie ein kurzlebiges Gras, wie ein verhallendes Geschwätz - so geht das Menschenleben dahin, eins wie das andere. Als wir an der Schwelle des verrauschten Jahres standen - wie lang dünkte uns sein Verlauf, wie unabsehbar die Strecke Weges! Und jetzt, jetzt, da's begraben ist, sag', Mensch, ist's nicht dahingeschossen wie ein Strom, nicht fast zeitlos vergangen wie ein Schlaf, nicht gewelkt wie Gras und verklungen wie ein Geschwätz? Und hat es nicht was Grausiges, inne zu werden, wie die Zeit überall keinen Stillstand hat, keine Gegenwart? wie in jeder Stunde, was die Zukunft gebiert, von der Vergangenheit rastlos, unersättlich verschlungen wird? schwindelt dir nicht bei der Erkenntnis, dass das zerbrechliche Schifflein deines Lebens auf den brausenden Wogen der Zeit unaufhaltsam, unwiderstehlich, in rasender, stets wachsender Schnelligkeit dahinschießt? Wenn du es lebendig empfindest, wenn du es energisch denkst - es liegt etwas unaussprechlich Beängstigendes, Beklemmendes in dem Wort: „unser Leben eilt schnell dahin, als flögen wir davon.“

Aber, ist denn etwa der Inhalt dieses flüchtigen Lebens reich, groß, schön genug, uns um seine Kürze zu entschädigen? „Und wenn es köstlich gewesen ist, dann ist es Mühe und Arbeit gewesen!“ Das ist die Zeichnung des Inhalts unsres Lebens. Wer hat den Mut zu widersprechen? Wir kennen alle die Wirklichkeit des Lebens, haben ein Stück davon, Manche ein reichlich Stück, hinter uns. Wer hat's anders befunden? nicht wirklich das Beste drin, die Arbeit? Und wenn nur Mühe und Arbeit, ist's nicht dann noch köstlich zu nennen? Wüssten wir nicht von noch viel, viel traurigerem Inhalt armer Menschenleben zu reden? von zerbrochenen Gütern? von zerschellten Hoffnungen? von blutenden Herzen? und weinenden Augen? Wüssten wir das nicht? Wüssten's nicht, dass des Menschenherzens Grundstimmung die Traurigkeit, die Unruhe, die Friedelosigkeit, das Weinen ist? Dass jede Freude nur das Ergebnis eines Kampfes, einer Arbeit ist? und kaum geboren schon den Wurm in sich trägt, der sie tötet? dass aller Jubel des Menschenlebens doch nur ein gewaltsames Vergessen des unaussprechlichen Schmerzes, der unsagbaren Melancholie ist, die im Herzen des Menschen ihre unbestrittene Heimat hat?

Und zu der Flüchtigkeit, zu der Armseligkeit des Lebens kommt als das Unheimlichste: seine Hinfälligkeit. „Alles Fleisch ist Heu und alle Herrlichkeit des Fleisches, wie des Grases Blume; das Gras verdorrt, die Blume welkt“ das ist die Predigt jedes Jahres. Was hat die Zeit uns gelassen, Geliebte? Was anders als Tod, Grab, Verwesung? Sechs Jahrtausende fast sind dahingegangen über unserem Geschlecht und ihr Ergebnis sind Trümmer und Totengebein. Ein Zerstörer, ein Mörder, ein Totengräber, der seines Gleichen nicht hat, ist die Zeit, die dahinfährt. Das Leben der Schöpfung um uns her, die stolzen Werke, von Menschenhand gefertigt, auch die gewaltigsten, die festesten, die scheinbar für die Ewigkeit gebauten, ja die sich ablösenden Generationen selber, unrettbar, unwiderstehlich fallen sie der Zeit zum Opfer. Auch das dahingegangene Jahr hat an diesem Zerstörungswerk mitgearbeitet. Es hat das Leben, das es im Lenz selbst geboren, wieder verschlungen und unter Schnee und Eis gebettet, es hat genagt und zerstört an dem Werk der Menschenhände, es hat ein Stück unsres Wesens, unserer eigenen Kraft, unsres Mutes verzehrt, es hat eine große Schar aus unserer Mitte in die Stadt der Toten gesammelt, welche unermesslich wächst. Wie viel liebe Menschen haben wir zu Grabe bringen! wie viel Wünsche, Hoffnungen, Erwartungen auf dem Totenacker des eigenen Herzens bestatten müssen! Wie gar nichts sind alle Menschen, die doch so sicher leben!!

Das ist die nächste Predigt der Jahreswende. Ihr Thema ist die Hinfälligkeit, die Armseligkeit, die Flüchtigkeit dieses Lebens.

Aber sie weckt noch andere Empfindungen und Gedanken. Sie stellt uns auf eine Höhe, von der wir erinnernd rückwärts, sinnend vorwärts schauen auf unseres Lebens Gang. Aber das Ergebnis jener Erinnerung ist ein schweres Herz, dieses Sinnens über die Zukunft ein banges Herz. Schwer und bang, so dünkt mich, stimmt des Jahres Wende das Menschenherz.

Das Gedächtnis der Vergangenheit beschwert das Herz. Ist das so? Bei denen ja ohne Frage, welche Gott in die besondere Schule des Kreuzes nahm. Wer von Euch am Krankenbett der Seinen saß, wer liebe Herzen brechen, freundliche Augen sich schließen, Sarg und Grab die teure Hülle decken sah; an wem bittere Not und bleiche Sorge, schweres Herzeleid und nagender Kummer zehrte, - der merkts ja heute wohl, dass des Jahres Wechsel all das durchlebte Leid wieder lebendig, die Herzen wieder bluten, die Angesichter wieder traurig, die Augen wieder feucht macht. Das Gedächtnis des vergangenen Jahres mit seinen frischen Gräbern, seiner mannigfachen Not, seinen zertrümmerten Hoffnungen, seinen vereitelten Wünschen macht das Menschenherz schwer und traurig.

Aber hat denn das begrabene Jahr uns nur Leid und Enttäuschung gebracht? Doch nicht. Vielmehr jedes Jahr ist ein Zeuge der Güte Gottes. Auch das vergangene Jahr. Hat Gott nicht auch im durchlebten Jahre der Sonne geboten, dass sie dir leuchte, dich wärme, der Erde, dass sie dich trage, dem Brot, dass es dich nähre? hat Seine Hand dich nicht vor unzähligen Gefahren treulich behütet, dir was sie dir auch nahm - doch viel mehr dir gelassen? vor Krieg, Seuche, Teuerung uns gnädig bewahrt? Hast du ein so scharfes Auge, ein treues Gedächtnis für das Leid, das dir geschah, wohl, vergiss doch auch nicht, was „er dir Gutes getan“, der „Barmherzigkeit, mit der er dich krönte“. Aber sprich, hat nicht auch das Gedächtnis der Güte Gottes eine herzbeschwerende Macht? Wir hören durchweg in der Schrift den Jubel der Güte Gottes in die Töne der Wehmut ausklingen. „Ich bin viel zu geringe aller Barmherzigkeit“ bekennt Jakob angesichts des Reichtums der erfahrenen Gottesgüte. Und David beugt sich bei der Betrachtung der Gnadenwege Gottes zum Gebet: „Was bin ich und was ist mein Haus, dass du mich bis hierher gebracht hast!“ Petrus aber stürzt bei der Erfahrung des Segens seines Meisters ihm zu Füßen mit dem Wort: „Gehe von mir hinaus, ich bin ein sündiger Mensch.“ Und Paulus bekennt bei der Überschau der Gnadenführung seines Lebens: „Ich bin nicht wert, dass ich ein Apostel heiße.“

Wie kommts, dass das Gedächtnis der Güte Gottes uns das Herz beschwert und mit Wehmut füllt? Weil das Gedächtnis der Güte Gottes das Gedächtnis der Sünde weckt. Wie glühende Kohlen empfinden wir die Güte Gottes, gesammelt auf ein sündig Haupt. Neben das lichte Register der Gnadenwerke Gottes stellt sich in grellem Kontrast das dunkle Bild unserer Sünden. Soviel Güte bei so viel Sünde! das ist's, was das Menschenherz wehmütig, traurig, schwer macht. Nicht auch unser Herz, Geliebte? beim Gedächtnis der Gnadenwerke Gottes an uns im vergangenen Jahr? Es wäre eine fruchtlose Neujahrsbetrachtung, wenn nur, was wir erlebt an Leid und Lust, heute an unseren Gedanken vorüberginge, wenn wir das Buch unseres Tuns uneröffnet ließen. Denn was du auch erfuhrst, erlebtest in den Jahren der Vergangenheit, - es hat nur zeitliche Bedeutung. Ob dein Herz dir himmelhoch jauchzt, ob's zum Tode betrübt ist, es dauert seine Zeit, aber es endet. Ewige Bedeutung hat nicht, was du erlebtest.

Aber was du tatst! Die Werke deiner Hand, auch die unscheinbarsten, die Worte deines Mundes, auch die flüchtigsten, die Gedanken deines Herzens, auch die kürzesten - sie haben ewige Bedeutung. Sie gehen mit dir durch Tod und Grab bis vor den Thron des richtenden Gottes und geben das Material her für die Entscheidung über deine Ewigkeit. Wohl, du kennst die Bedeutung, die Aufgabe dieses Lebens. Sie besteht nicht darin nur, dass du eine Handvoll Jahre Freude und Leid durchlebst. Vielmehr es ist die Zeit der Schulung für die Ewigkeit. Es ist die Saatzeit, der in der Ewigkeit die Ernte folgt. „Was der Mensch sät, das wird er ernten.“ Es ist die Zeit der Entscheidung für oder wider das Heil in Christo. Die Zeit, da du innerlich, sittlich etwas werden sollst. Danach frage, darauf besinne dich! Gehst du ein Anderer in dies Jahr als du das vollendete begannst? Bist du innerlich, sittlich was geworden? bist vorwärts kommen? vorwärts in der Erkenntnis, Furcht, Liebe Gottes? vorwärts in der Demut, Sanftmut, Geduld, Liebe, Treue, Barmherzigkeit, Keuschheit? das frage dich! Hast du endlich geleistet im letzten Jahr, was du so lange schon weigertest, die Buße um deine Sünde in tiefer Traurigkeit? hast du's endlich gelernt, was das heißt, fröhlich im Glauben stehen an die Vergebung der Sünden durch Jesum Christum? bist du gewachsen in der Innigkeit Seiner Gemeinschaft? ist dir die Sünde je länger je gräulicher? wuchs deine Sehnsucht nach dem Jerusalem, was droben ist? wuchs dir der Mut im Bekenntnis deines himmlischen Herrn und Königs? Habt ihr Gatten an einander gearbeitet in Liebe und Ernst, euch tüchtig zu machen zur Hochzeit des Lammes? ihr Eltern, in eurer Kinder Herzen die Gottesfurcht, die Liebe Jesu Christi unablässig gepflegt? ihr Herrschaften, euer Gesinde geachtet als Miterben der Gnade ewigen Lebens?

Geliebte, es ist ja wohl manch Einer heute hier, der noch schläft den bleiernen Schlaf des Todes, noch nicht kennt die Frage: was muss ich tun, dass ich selig werde? manch Einer auch, der anfangs „fein lief“, aber er ist matt und träge worden. Aber wer ist hier, der bei all jenen Fragen den Blick nicht senken müsste, der nicht beschämt bekennte, dass er lässig war in der Arbeit der Heiligung, dazu das vergangene Jahr uns geschenkt war? Und das Alles trotz der rührenden, unermüdlichen Geduld unseres Gottes! trotz der Fürbitte des Weingärtners: „Herr, lass ihn noch dies Jahr“! trotz all der mühseligen Arbeit des Geistes Gottes am Herzen, Seiner sonntäglichen Bitte: „komm, es ist alles bereit“; Seines steten Drohens im Gewissen! trotz der Schule von Leid und Lust, in die Gott uns nahm!

Ich dächte, Ihr Lieben, wenn der Herr heute kommt er ja tut und überschlägt Alles, was er an den Acker unsers Herzens gewendet an edlem Samen, an Mühe der Bestellung und sucht Frucht, den Lohn seiner Arbeit, und findet bei dir gar keine, faule bei dir und unreife bei dir und bei uns Allen, Keinen ausgenommen, eine lange, lange Kette von Sünden und Untreue und muss dann wehmütig klagend vor uns stehen um ein verlorenes oder doch übel zugebrachtes Jahr; wenn du gedenkst, welch ein Stück Leben so ein Jahr ist, wie hochbedeutsam für die Ewigkeit; wenn du gedenkst, wie jede Sünde dieses Jahres ihre unheilvollen Früchte trägt am eigenen Herzen, an unseren Kindern, Gatten, Freunden, gedenkst, dass dein Gewissen um die Sünden eines ganzen Jahres böser worden ist und dass auch diese gesteigerte Schuld uns begleiten wird auf unser Sterbebett, ja vor den Richtstuhl Jesu Christi, auch dies Jahr mit seiner Gottesgüte und Untreue! ich dächte, uns müssten sich die Knie beugen, die Hände zusammenschließen, das Haupt senken zum Jakobsbekenntnis: „Herr, ich bin viel zu geringe aller Barmherzigkeit und Treue!“, zum Davidsgebet: „Was bin ich und mein Haus, dass du mich bis hierher gebracht!“, zum Petrusruf: „Herr, gehe von mir hinaus, ich bin ein sündiger Mensch.“ Ich dächte, uns müsste das Herz schwer sein und die Sehnsucht lebendig: „wenn doch die barmherzige Gotteshand heruntergriffe aus dem Himmel und löschte auf einen Zug die ganze große Schuld und zerrisse mit einem Ruck die ganze lange Rechnung, machte alles Geschehene ungeschehen, nähme die Bleilast vom Herzen, die drückende Kette von den Füßen, machte mich rein und fröhlich und selig wie ein Kind!“

O wenn das unser Neujahrswunsch wäre, ihr Geliebten! Heute noch, heute noch sollte er seine buchstäbliche Erfüllung finden. Was du auch tatest, wie lang es auch geschah, wie schwer es drückt, und wär's blutrot und schrie gen Himmel mit Posaunenton - höre, ich habe Vollmacht und Befehl, euch von Gotteswegen anzukündigen, dass Er, der lebendige Gott, gegen den alle Sünde begangen ist, willig ist, die Sünden des ganzen

Lebens zuzudecken um des einen Namens Willen, den unser Evangelium nennt: „Da ward sein Name genannt Jesus.“ An der Schwelle des neuen Jahres tönt der Jesusname uns entgegen, des zum Zeugnis, dass die Zeit der Gnade noch währt, dass die Quelle noch offen ist zu trinken für alle Durstigen, die Quelle, die da heißt: Barmherzigkeit. In diesem Namen kommt die Barmherzigkeit Gottes dir entgegen am Neujahrsmorgen. So gewiss er Seligmacher heißt, so gewiss sein Blut floss für alle Sünde, so gewiss will er dir den ganzen Berg von Sünden von deinem Gewissen nehmen, wenn du den Mut hast, auf diesen Namen und seine Botschaft dich zu gründen mit unerschütterlicher Zuversicht. So gewiss dieser Jesus verheißen hat, bei uns zu sein bis an der Welt Ende, immer da, wo Menschen „in seinem Namen“ zusammen sind, so gewiss ist Er selber uns hier persönlich nahe, dich zu absolvieren, wenn du Seinem Worte trauen möchtest. Das ist die Neujahrsgabe, die Gott uns bietet. Wer es verstände, sie zu würdigen und in kühnem Glauben zu nehmen! Er wäre wohl beraten für Zeit und Ewigkeit, für Vergangenheit und Zukunft. Ja, auch für die Zukunft.

Was wird er bringen, dieses Jahres dunkler Schoß? so fragen wir. Ich brauche kein Prophet zu sein, um euch zu sagen, dass er neue Arbeit, neuen Kampf, neue Freude, neues Leid bringen wird, vielleicht den Tod. Aber das Sinnen über diesen Dingen macht das Herz bange.

Bange fragen wir, ob wir der Arbeit gewachsen sind, die unser wartet, und ob wir sie recht leisten werden. Denn du weißt ja doch, dass sie nicht dann schon getan ist, wenn wir die Hände rühren und den Kopf gebrauchen; dann erst, wenn sie im rechten Sinn getan wird, im Sinn demütigen Dienstes vor dem lebendigen Gott, hat sie ewigen Wert. Sonst, „wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und wüsste alle Geheimnisse, wäre ich nichts“. Nur aus der Gottesliebe im Herzen wird der rechte Sinn, die rechte Freudigkeit, der rechte Wert der Arbeit geboren. Wo finden wir diese Flamme der Gottesliebe, die uns zur Arbeit tüchtig und willig macht?

Und nicht neue Arbeit nur, auch neuen Kampf wird das neue Jahr uns bringen; Kampf im eigenen Herzen, Kampf in der großen Weltschlacht, die seit Jahrtausenden tobt. Der alte Kampf zwischen Fleisch und Geist wird aufs neue entbrennen. Wir zittern in der Sorge um den Sieg. Auch um den Sieg im Kampf zwischen den Massen des Unglaubens und der kleinen Herde der Gemeinde Jesu Christi, welche zum letzten großen Gange sich rüsten. Und wenn um den Sieg nicht, doch um das eigene Beharren bis ans Ende, um das Halten der Treue gegen der Feinde dämonisches Wüten.

Aber auch die neue Freude, das neue Leid, das unser wartet, macht das Herz uns bange. Wird die Güte Gottes uns nicht sicher, der Ernst uns nicht verzagt machen; werden wir im Glück Sein nicht vergessen, im Unglück Ihn nicht verlassen?

Mehr als alles aber schreckt uns das Gedächtnis des eigenen Todes. Wie, wenn dies Jahr uns Tod und Grab brächte, wenn Gott heute unseren Namen zeichnet in das Register der Toten dieses Jahres? wenn es über dir oder mir hieße - über Einigen von uns ja gewiss! - „dies Jahr wird man deine Seele von dir fordern!“ wenn dieses Jahres Lauf die Stunde brächte, da deine Gedanken sich verwirren, deine Pulse stocken, das Auge bricht, das Herz steht still und um dein Sterbebett stehen die Deinen weinend, schluchzend: „es ist vorbei“. Meine Lieben, wenn Etwas, so ängstet der Gedanke des Todes uns am Neujahrstage!

Du siehst, es ist nicht ohne Grund, wenn uns heut das Herz bang im Busen pocht. Wer macht das bange Herz uns fröhlich zur Arbeit, stark zum Kampf, fest zu Lust und Leid, getrost zum Sterben?

Kein Mensch kann's das ist gewiss. Auch nicht des eigenen Willens Kraft. Nur eine Macht. Nur Er, des Name an der Pforte des neuen Jahres flammend steht. Er allein ist die feste Burg, die das Herz nicht fröhlich bloß um die Vergangenheit, auch getrost und fest macht gegen die Zukunft. Sein Name entzündet die Liebe Gottes im Herzen, die uns unter aller Arbeit bekennen lässt: „ich kann Alles, durch den, der mich mächtig macht, welcher ist Christus“. Sein Name macht das Herz mutig zum Kampf und Sieg wider Fleisch und Welt, macht in der Freude demütig und im Leid getrost, macht stark auch zu trotzen: „Tod wo ist dein Stachel, Hölle wo ist dein Sieg?“

Im Jesusnamen liegt allein unser Heil beschlossen für Vergangenheit und Zukunft. Gäb's diesen Namen nicht, um alle Freude, allen Trost, alle Hoffnung wär's unwidersprechlich geschehen.

Gemeinde Jesu Christi! Danke Gott auf den Knien, dass Er heut dich grüßt mit dieses Namens süßem Klang! Nun magst du zuhören der gewaltigen Predigt, die dir die Jahreswende hält mit ernstem Laut. Und wenn sie mit der Vergangenheit das Herz dir schwer, mit der Zukunft das Herz dir bange macht - getrost! unter dem Schutz dieses Namens, bei seinem funkelnden Schein in deines Herzens Kammer wirst du's selig erfahren, dass er Macht hat, das Herz leicht zu machen von der Last der bösen Vergangenheit, fest zu machen zu neuer Arbeit, neuem Kampfe, neuer Freude, neuem Leid will's Gott, auch zum seligen Sterben, wirst selber dann hinausbekennen in die Welt: „ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, noch Etwas mich scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, meinem Herrn!“ So sei denn nur das meine Bitte am Neujahrstage:

„Halt an deinem Jesu fest,
Er kann dich nicht lassen.
Wenn dich alle Welt verlässt,
wird Er dich umfassen.
Führt Er dich
wunderlich,
Führt Er dich zum Himmel
aus dem Weltgetümmel.“

Zum Himmel! - Gott walt's! Amen.

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