Spurgeon, Charles Haddon - Reden - daheim und auswärts - Innere Mission.

Rede vor der Allgemeinen Versammlung der „Freien Kirche von Schottland.“ Mai 29. 1866.

Herr Präsident, Väter und Brüder in Christo, mit Ihrer Erlaubnis habe ich zuallererst Ihnen eine Botschaft zu bringen von der Kirche, deren Pastor zu sein ich das Glück habe. Da sie wussten, dass ich die Ehre haben würde, vor Ihnen zu sprechen, so baten Alle mich einstimmig, Ihnen ihre herzlichen christlichen Grüße zu bringen, nicht nur, weil wir Eins in Christo Jesu sind, sondern weil sie Sie als ein starkes, lebendiges und mächtiges Zeugnis für die Oberhoheit des Herrn Jesu Christi in Seiner Kirche betrachten. Viele von ihnen erinnern sich Ihrer Kämpfe - Ihrer edlen Kämpfe und heldenmütigen Opfer und sie freuen sich, zu sehen, dass alle diese reichlich belohnt sind und dass Sie jetzt eine Kirche bilden, frei wie die Luft, die es verdient, den Namen zu tragen, womit Sie sich nennen, die Freie Kirche von Schottland. Es sind überdies gewisse Lehren Ihnen teuer, die uns besonders lieb sind; und wenn wir auch berufen sind, ungeachtet der Verschiedenheit der Lehrmeinungen, in christlicher Liebe Alle die zu umfassen, welche unsern Herrn Jesum Christum in Aufrichtigkeit lieben, so können doch unsre Seelen, ich meine in aller Aufrichtigkeit, noch mit besonderer Wärme Die umfassen, welche an jenen großen Wahrheiten halten, die uns Beiden gleich köstlich sind. Obwohl wir nicht wie Sie berufen worden sind, jene Wahrheiten in Prüfungen, die mit unsrer Kirchenverfassung zusammen hängen, aufrecht zu halten, so haben wir doch dieselbe calvinistische Wahrheit in Kämpfen zu behaupten gehabt, durch welche wir in derselben eingewurzelt und gegründet sind. Wir sind froh, wenn wir unsere Brüder jenseits der Grenze, die zahlreicher sind als wir, einen lauteren Ton geben hören nicht, hoffe ich, einen klareren über die großen Lehren der Errettung aus freier Gnade. Möge es Ihnen wohl gehen bei Ihrem Emporhalten des alten Paniers für viele, viele künftige Jahre; und möge Gott mit Ihnen sein und Sie segnen!

Ich bin froh, hier zu sein und das einzige Bedauern, das ich fühle, ist, dass ich die Reden der Brüder abgekürzt habe, die zu Ihnen gesprochen, und die mehr geeignet sind, aus Erfahrung über Ihre eigne Innere Mission zu Ihnen zu reden, als ich es bin. Der bedeutsame Umstand ist, dass ich hier als ein Baptist stehe. Sie haben den Hirten die Schafe von den Bergen zusammen bringen sehen und sie in Eine Herde sammeln, wenn ein Sturm heranzog. Hier, denke ich, bringt der Hirte Israels uns zusammen; denn ohne Zweifel zieht ein Ungewitter herauf. Wir mögen seine Stimme ausrufen hören: „Kommt näher zusammen und bekennt euch als Eine Herde; denn die Zeit des Ungewitters ist nahe.“ Der Feldherr scheint zu sagen: „Schließt die Reihen, meine Krieger, lasst Jeden nah an den Kameraden herantreten“; und wenn einige von uns nicht zu demselben Regimente gehören, so lasst doch alle streben, sich als Brüder eng an einander zu schließen und dem gemeinsamen Banner näher zu kommen. Ich erinnere mich, dass wir vor einigen Jahren, als ich in Schottland war, zu einem Wasser kamen, welches die zwei Länder schied. Wir gingen so schnell hinüber, dass es kaum irgendeinen Unterschied machte. Ich hoffe, dass unsere verschiedenen Ansichten über die Taufe nicht länger eine Schrecken erregende Scheidewand zwischen uns bilden werden. Ich bin in früheren Jahren wohl von Schottland nach England gereist, und wenn wir die Grenze passierten, ward mein Gepäck etwas stark geschüttelt, eh' wir den englischen Boden betraten. Meine Landsleute waren bange, dass ich mehr feurigen Geist1) mit mir brächte, als mir erlaubt sei. Meine Koffer wurden nie auf solche Weise geschüttelt, wenn ich hierher kam; Sie waren nicht bange, dass ich das Wasser Ihnen mitbrächte, das ich so liebe. Ich kann jetzt zurückkehren und hoffe, ohne deshalb in Ungelegenheit zu geraten, etwas von Ihrem starken Spiritus mit mir zu nehmen. Es ist nicht nötig, zu sagen, dass ich nicht Whisky meine, sondern etwas von Ihrem strengen starken Geist der Orthodoxie und der Festigkeit, den ich für unendlich viel besser halte. Und nun, da ich hier bin, muss ich Denen, welche gekommen sind, diese doppelte Apologie zu hören, mitteilen, dass das, was ich sagen wollte, zum großen Teil schon gesagt ist, und was ich noch sagen werde, mag von südlichen Ideen gefärbt sein, die ich meiner eigenen Erfahrung entnommen, so dass sie für die Brüder hier nicht passend zum Ausführen erscheinen; aber es gibt gewisse allgemeinere Grundsätze, über die wir sicher Alle einverstanden sein. werden.

Das Werk der Innern Mission oder vielmehr das Werk der Kirche was ist der Endzweck desselben? Die Meisten werden damit übereinstimmen, wenn ich sage, der große Zweck desselben ist, das Evangelium von der Gnade Gottes jeder Kreatur zu verkünden, damit die Erwählten herausgebracht und vollkommen gemacht werden. Dies ist ein allgemeiner und auch ein besonderer Zweck. Wir sollen ausgehen und das Netz in jedes Wasser werfen, damit wir herausbringen so Viele, wie es Gott zu berufen gefällt. Wir behaupten, dass wir als christliche Streiter die ganze Welt für den Herrn Jesum zu erstürmen beabsichtigen. Wir setzen unserm Ehrgeiz keine Schranken. Es ist eine Universalmonarchie, die wir aufzurichten versuchen. Wir glauben nicht, dass ein einziger Fußbreit Boden in den Bergen, wie hoch oder unfruchtbar er auch sei, als Satans unbestrittenes Gebiet gelassen werden soll; wir glauben nicht, dass irgendeine Hintergasse, wie eng oder dunkel sie ist, eine Höhle für den Fürsten der Finsternis bleiben soll. Kein einziger Fleck von dem Felde der Welt soll wüste gelassen werden. Wir sollen suchen jede Familie für und Christum zu gewinnen und jede Seele in der Familie, es Jedem zu verkünden, dass Jesus Christus in die Welt kam, um Sünder selig zu machen. Wir werden also darin einig sein, dass der große Endzweck der Innern Mission ist, jeder Seele das Evangelium zu bezeugen, damit hierdurch die ewigen Ratschlüsse erfüllt werden.

Wir sollten beständig den unermesslichen Wert einer einzigen Seele in Betrachtung ziehen. Es war Richard Knill, ein reichgesegneter Missionar des Kreuzes, der sagte, wenn es nur einen einzigen unbekehrten Menschen in der ganzen Welt gäbe und dieser in den Wildnissen Sibiriens lebte, und wenn jeder christliche Prediger und jeder andere Gläubige in der Welt eine Pilgerfahrt nach diesem Orte machen müsste, ehe die Seele zu Christo gebracht würde, so wäre die Mühe wohl angewandt, wenn diese eine Seele auf solche Weise gerettet würde. Dies heißt, die Wahrheit in sehr schlagender Weise darstellen, aber so, dass Jeder von uns ihr beipflichten wird. So müssen auch wir nicht Eine der vernachlässigten Familien, die unter uns sind, versäumen, sondern jede von ihnen muss die segensvolle Geschichte von dem Kreuze hören. Lassen Sie uns nie ruhen, bis wir das bewerkstelligt haben. Ich möchte Sie auch daran erinnern, wie besonders hoffnungsvoll die hoffnungslose Klasse für uns ist. Wenn wir hinabgehen wollen in die sittliche Wildnis und ernstlich Frucht für Jesum suchen, so ist es wunderbar, was für reiche Trauben wir finden werden. Wenn die Taucher tief ins Meer hinunter tauchen, so bringen sie schimmernde Perlen herauf; und solchergestalt sind sicher die Belohnungen der Kirchen, welche ernst im Missionswerk arbeiten. Ihr Lohn wird unendlich größer als ihre Mühe sein - ihre Freude wird sein wie die des Weibes, die nicht mehr an die Angst denkt, um der Freude willen, dass der Mensch zur Welt geboren ist. Die Kirche findet oft ihre Stärke unter den Armen, ihre Vornehmsten und Edlen unter denen, welche die Sklaven des Satans waren. Wir haben ein derbes englisches Sprichwort, dass bekehrte Wilddiebe die besten Wildhüter abgeben. Und gewiss, solche bekehrte Sünder sind oft die besten Werkzeuge in den Händen Gottes zur Errettung Anderer. Diese Männer, welche Rädelsführer in des Teufels Dienste gewesen sind, werden am besten wissen, wie sie mit denen zu verfahren haben, die noch von ihm in Knechtschaft gehalten werden. Layard fuhr ohne Zweifel vor Freuden auf, als er zuerst die assyrischen Marmorgebilde ans Licht förderte und den Kopf des kolossalen Stieres bloßgelegt; welche höhere Freude und Erregung muss es sein, liebe Freunde, wenn wir finden, dass unsterbliche Seelen nicht nur selber aus dem furchtbaren Zustand, in den sie gesunken waren, errettet sind, sondern auch die Werkzeuge werden, Andere in den Haushalt der Gnade einzuführen. Wenn Sie nicht für Jesum die gewinnen, welche die niederen Stände genannt werden, so wird Ihr Werk untergehen. Ich glaube, dass ich historisch im Rechte bin, wenn ich sage, dass die Reformation überall, wo sie nur oder hauptsächlich vom Adel unterstützt ward, nicht gelang. Man hört viel von Anna von Böhmen; aber man hört nicht, dass das Bauernvolk jenes Landes in großem Maße an dem Reformationswerk teilnahm; und wo ist das Evangelium in Böhmen jetzt? Die spanischen Adligen nahmen auch den tätigsten Anteil an dem Werke in Spanien, doch obgleich edle Märtyrer unter ihnen waren, beteiligte sich die niedere Klasse nicht an dem Werk, und wo ist es jetzt? Aber in der schottischen Reformation unter John Knox waren es nicht nur die Lords der Gemeinde, sondern einige der Bauern waren die ersten, die mit ihrem Blute den Covenant unterschrieben, und das damals begonnene Werk steht noch. Sie haben noch das Haus des John Knox in Ihrer Mitte, und obgleich es jetzt nicht in einer aristokratischen Nachbarschaft steht, würde der alte John es deshalb doch, glaube ich, nicht beanstanden. Er würde ebenso froh sein, das Evangelium den dortigen Einwohnern zu predigen, als denen in Ihrer Neustadt. Die geistlichen Interessen der Leute an jener Seite der Stadt würden ihm ebenso teuer sein, als die der höchsten Zirkel im Lande.

Sie müssen dahin sehen, liebe Freunde, dass die Unterwerfung unter dies Reich Christi völlig sei; Sie marschieren gleich Kriegern und müssen kein einziges Fort unbezwungen hinter sich lassen. Wir haben wenig zu fürchten in der Front. Wir haben die Schlacht gewendet und treten den Feind nieder; aber wir müssen unsern Nachtrab schützen. Wir sind alle in einer glorreichen Sache vereinigt; aber wenn einige zu Verrätern daran werden, so werden sie Anhänger unter den Unbezwungenen finden denen, welche wir unbekehrt dahinten gelassen, welche die Wahrheit nicht kennen und lieben. Diejenigen, die einmal Christum in ihr Herz aufnehmen, werden sich nicht von ihm scheiden: durch Gottes Gnade sollen sie bis ans Ende behalten werden; aber jene dunklen Orte der Erde, besonders die dunklen Orte in höheren Kreisen werden die Höhlen der wilden Esel des Unglaubens und die Wohnung der Drachen der Ketzerei werden. (Jes. 32, 14 und Jer. 9, 11.) Die Bedürfnisse der jetzigen Zeit fordern es, dass wir unsre Missionstätigkeit mit größtem Fleiße betreiben. Wenn die Pestilenz ausbricht, so ist's in jenen Straßen, die eng und ungereinigt sind, und die Pest falscher Lehre wird sicher ausbrechen, wo christliche Unterweisung vernachlässigt ist, einerlei, ob in hohen oder niederen Kreisen.

Unsern Kirchen südlich des Tweed tut es not, auf und in Waffen gegen das Papsttum zu treten. Ich kann mir kaum vorstellen, dass Sie zu fürchten brauchen, es käme hierher. Als ich durch die Ruinen Ihrer Abteien ging, dachte ich, die Nester seien so gründlich niedergerissen, dass die Vögel nicht zurückkommen könnten; und sollten sie wieder aufgebaut werden, so werden Sie, wenn sie dieselben dann im buchstäblichen Sinn nicht niederreißen, sie doch niederwerfen in einem Sinn, der, obgleich ein geistlicher, doch weit von einem metaphorischen entfernt ist. Aber es mag Gefahr da sein; das Papsttum ist an allen Punkten zum Kampf gewaffnet und breitet seine Wirksamkeit in allen Weltgegenden aus, und wenn Sie sich ihm nicht mit der gesunden Lehre des Evangeliums entgegenstellen, so werden Sie finden, dass es Ihnen Boden abgewinnt. Wenn Sie sich nicht um die Armen der Herde kümmern, seine Sendlinge werden's tun; wenn Sie sorglos werden und die Hände ineinander legen, so werden Sie finden, dass der Bischof des Hades niemals schläft. Er ist ein Pflüger, der bis zum Ende des Feldes pflügt und niemals ruht, bis er es wieder und wieder gepflügt und seine tödliche Saat gesät und geerntet hat. Nehmen Sie es ernst. Aber es scheint etwas Schlimmeres noch da zu sein, als Papsttum; nicht ehrlich genug, um offen vorwärtszukommen und mit uns zu kämpfen. Würde es eine Gestalt annehmen, so wollten wir es schon überwinden. Es dreht und windet sich rund herum; es gibt Zweifel ein; es behauptet nicht, diese Zweifel zu haben; es schlägt neue Theorien vor, als wenn es nur zum Zeitvertreib wäre oder um der Freiheit willen; es ist bigott in seiner Verehrung der christlichen Liebe; es hasst Ihre Bigotten; es möchte Ihre Bigotten verbrennen; es möchte sie hängen. Das einzige Mittel, der latitudinarischen Laxheit zu begegnen, ist fest bei dem Evangelium Jesu Christi zu bleiben. Gladstone brauchte ein Argument in seiner Rede, als er eine Reduktion der Staatsschuld beantragte, welches ich wagen will, in unsern Dienst zu ziehen. Er sagte, „zum Nutzen der Nachwelt.“ Wohl, möge die Nachwelt viel Nutzen aus dem Teil der Staatsschuld ziehen, den wir im Begriff sind, abzutragen. Aber die Nachwelt sollte in Betracht gezogen werden; denn wenn jemand in der Reformationszeit an die Nachwelt gedacht und ein wenig mehr von dem Evangelium in jene Täler Ihrer Hochlande getragen, wo der Romanismus vorherrscht, so würden Sie jetzt den Nutzen davon haben. Ohne Zweifel war es schwieriger, dorthin zu gelangen, als zu anderen Orten, wohin das Evangelium gebracht ward; aber wenn man auch diese Mühe sich noch gegeben, so würden Sie jetzt dort nicht vom Papsttum belästigt sein. Und ebenso mit Ihren Hintergassen und ähnlichen Plätzen. Wenn mehr Mühe in vergangenen Tagen an diese gewandt wäre, so würden Sie vor dem Unheil bewahrt sein, was diese Ihnen jetzt drohen. Mit Rücksicht auf all dieses haben Sie stets des Apostelwortes eingedenk zu sein: „Seid fest, unbeweglich und nehmt immer zu in dem Werke des Herrn.“ Ich kann nicht den Präsidenten bitten, dies dem Hause zur Annahme vorzulegen, dass wir es als das Werk unsrer Innern Mission ansehen müssen, jeder Kreatur die Gnade Gottes zu verkünden, um alle Erwählten Gottes herauszubringen und zu stärken; aber wenn wir es wirklich ausführen können, so wird Freude auf Erden sein und Ehre Gottes in der Höhe.

Aber nun, da wir gesagt haben, was der Zweck der Innern Mission sein sollte: Wer sind die Missionare? Verzeihen Sie mir, wenn ich sage, ich will annehmen, dass ich nicht sowohl zu Ihnen als zu jüngeren Brüdern rede. Die ersten unter den heimischen Missionaren müssen die Prediger der Kirche sein. Es wird uns nichts nützen, zu unsern Hörern zu reden und ihnen zu sagen, was sie tun sollten, wenn wir nicht zuerst und zuvörderst es selber tun. Der Befehlshaber, der sein Schwert in die Scheide steckt, und zu seinen Soldaten sagt: „Drauf, meine tapferen Jungen, drauf,“ wird nie die Veste nehmen; aber der, welcher ruft „Vorwärts“ und die Fahne seinen Leuten voran trägt, ist der Mann, welcher den Sieg gewinnt. Wir müssen Alles tun, wovon wir erwarten, dass unsre Gemeindeglieder es tun sollen, und ein gut Teil mehr. Die Zeit, in welcher die Menschen durch die bloße amtliche Würde geleitet werden konnten, ist vorüber. Ich fürchte, Sie missverstehen, was ich meine. Ich bin gewiss, sie ist hier vorüber. Das Zeitalter der Amtsgeltung2) ist in der ganzen Welt vorüber. Die christliche Kirche und auch die Welt zollt die Ehrfurcht nicht bloß dem Amt, sondern dem Mann, der sie verdient; und wenn kein anderer Beweis dafür wäre, hier ist einer (sich zum Stuhle des Präsidenten wendend). Ich könnte in Schottland ein halb Dutzend Prediger finden, ich bin, wie ich meine, nicht sehr lieblos, wenn ich dies sage - die Ihren Ornat tragen könnten, aber sehr geringe Ehrfurcht gebieten, und wenn sie die Versammlung anredeten, sich sehr mit jener Art der Beredsamkeit begabt zeigen würden, die Jemand besessen haben soll, von dem gesagt ward, er hätte eine große Gabe der Zerstreuung. Wenn ich es schwierig finde, den rechten Ausdruck zu finden, wollen Sie mir Alle es erleichtern, indem Sie den Worten eine gute Deutung geben; denn ich muss mich wiederum in die Tiefe hinein wagen. Das Jahr, in welchem ein Professor seinen Zuhörern Ehrfurcht gebietet, bloß weil er ein Professor ist, ist nicht das Jahr 1866. Der Respekt wird verlangt durch seine Gelehrsamkeit und Fähigkeit, und nicht durch seine Stellung. Und gleicher Weise sind die Tage vorüber, wo ein Prediger Ehrfurcht gebietet durch die bloße Tatsache, dass er ein Prediger ist; er wird sie nur erhalten dadurch, dass er zum Prediger tüchtig ist und „vollen Beweis seines Amtes gibt.“ (2. Tim. 4. 5. engl. Üb.) Einige versuchen es; aber wir können nicht auf unsre Kanzel steigen und da stehen und unsern Hörern sagen, ihr müsst uns zuhören und tun, was wir euch heißen, und wir wollen euch keinen anderen Grund dafür geben, als unsre amtliche Stellung“. Nein, wir müssen sagen, Ich bitte euch, freigebig zu sein, denn ich bin freigebig, so weit ich kann. Wir bitten euch, voll Gebet zu sein und wir streben danach, es auch zu sein; wir bitten, eure eigenen Seelen zu bedenken, und ihr werdet jeden Sonntag sehen, wie wir dieselben schätzen. Wir bitten euch, die Seelen Anderer wert zu halten, und wir wollen euch zeigen, wie wir sie uns angelegen sein lassen. Wir müssen darauf sehen, dass wir als christliche Prediger in allem heiligen Werk vorangehen. Richard Baxter sagt: „Wenn es einen Pastoren gibt, der das pastorale Amt eine leichte Stellung findet, so verhüte Gott, dass ich am Gerichtstage an seinem Platze stehe.“ Wenn Sie das Werk eines Predigers Christi tun, so werden Sie mit mir übereinstimmen, dass von aller schweren Arbeit keine der unsern gleicht; denn wir arbeiten in unserm Schlaf, wir träumen von unserm Werk, wir finden es in der Tat unsre Speise und unsern Trank, unsre Freude und Wonne, aber zuweilen unsre Last, die Last des Herrn, die uns in den Staub hinabdrückt. Wenn ein Mann mit dem Predigtamt spielen kann, so täte er besser, davon zu bleiben; wenn er noch irgendwelche Kraft in sich übrig findet, nachdem er seine pastorale Arbeit getan, so hat er sich in seinem Beruf geirrt. Das Wirken unsrer Innern Missionen muss sehr viel von der Kanzel abhängen. Ich saß gestern dort drüben, als dies Haus von einem furchtbaren Knall erschüttert ward. Ich sah bald, was es war, als alle Brüder ihre Uhren herauszogen, um zu sehen, ob sie mit der Stundenkanone übereinstimmten. Nun, dachte ich bei mir, so möchte ich predigen; ich möchte gern alle meine Hörer aufschrecken, dass sie zusehen, ob Alles mit ihrer Seele richtig steht. Aber wie kann ich das tun? Der elektrische Draht zieht die Kraft hinunter, durch welche die Kanone abgefeuert wird. Die Sonne gibt die Zeit des Tages und rasch zuckt sie den Draht entlang. Verbindung mit der ewigen Sonne der Gerechtigkeit wird uns fähig machen, mit einer noch erschreckenderen Kraft zu reden, und unsre Hörer werden bald lernen, nicht nur, wo wir sind, sondern wo sie selbst sind. Wie notwendig ist es, dass wir das rechte Wort sprechen; denn wie viele Hunderte stellen nicht ihre Uhr, sondern ihr Leben nach dem, was wir ihnen Sonntags sagen. Und dann, wie notwendig ist es, dass wir nicht bloß das rechte Wort haben, sondern auch mit Kraft sprechen, so dass Die, welche nicht hören wollen, gezwungen werden, zuzuhören. Ich möchte gern so sprechen, dass Niemand mich missverstehen könnte, auch wenn er es wünschte. Wir werden niemals die Masse der Menschen höher als den Prediger bringen; denn Wasser läuft nicht bergauf. Der Sabbat muss der Markttag der Woche für unsre Leute sein; aber wie, wenn die Buden leer sind? Wenn wir wollen, dass unsre Leute Missionare in der Heimat sein sollen, so müssen wir die volle, ganze Lehre predigen. Einige Prediger peitschen immer die Leute, dass sie ihre Pflicht tun sollen. Ein Landmann sagte mit Bezug auf einen solchen, ich wollte, mein Pfarrer machte es wie ich mit meinen Pferden, und legte die Peitsche in die Krippe.“ Nun, nichts wird einen Menschen so sehr zum Arbeiten treiben, wie gesunde Calvinistische Theologie. Sagt einem Menschen, dass er durch Gnade errettet ist, und befreit von der Arbeit, sich selbst zu erretten, und er wird sich daran machen, Andere zum Heil zu führen; während er, wenn man ihm verwirrte Lehransichten gibt, sich beständig damit abmüht und keine Zeit und kein Herz hat, umher zu gehen und Gutes zu tun.

Nicht nur die volle Lehre ist erforderlich, sondern eine warme Darstellung derselben. Ich hörte gestern eine Bemerkung über warmes Mittagessen am Sonntag, was, wie ich glaube, ein schreckliches Ding ist. Ich bin wohl zufrieden mit kaltem Fleisch. Aber kalte Theologie am Sonntage oder irgendeinem anderen Tage ist entsetzlich.

Lassen Sie uns immer die Lehren von der Gnade ganz warm und heiß darbringen. Es gibt schläfrige Leute in unsern Versammlungen, das ist zuweilen ihr Fehler, denn sie schlafen ein, eh' wir beginnen zu predigen. Es gibt eine Geschichte von einem Pastoren, der einer alten Dame empfahl, Schnupftabak in der Kirche zu gebrauchen, um sich wach zu erhalten, und sie erwiderte, es wäre besser, den Schnupftabak in die Predigt zu tun. Ich möchte ein wenig Schnupftabak in Predigten empfehlen, eine lebhafte und warme Weise, den Hörern die Wahrheit vorzutragen. Predigten sollten so einfach wie möglich in der Ausdrucksweise sein. Sie wollen nicht, dass ein Mann sagt: „Die Gottheit ist mein Pastor; ich werde nicht von Entbehrungen leiden,“ sondern „der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.“ Sie lieben die Psalmen in keiner anderen Form so sehr, als in ihrem alten, guten, harten Stil. Obgleich es hübschere Weisen geben mag, das Evangelium einzukleiden, die alte, einfache, harte Weise wird das Ohr auftun und der schnellste Weg zum Herzen sein. Ernst ist auch etwas Wesentliches. Man kann den Ernst des Geistes nachäffen, aber die Hörer finden's bald heraus. Eine Predigt, die nicht in sich ernst ist, kann nicht durch Gestikulation, durch Stampfen oder Trommeln so gemacht werden. Sie müssen aus warmen Herzen reden, sonst wird das Wort nicht warm zu den Herzen der Hörer kommen. Was für ein gesegneter Missionsgeist würde in den Kirchen sein, wenn der Herr uns mehr von jenem Himmelsgeiste gäbe, der eher Wenige als Viele in der Kirche charakterisiert hat nicht sowohl Kraft des Ausdrucks, als himmlische Kraft; wie wir sie in Rutherford finden und in neuerer Zeit in M'Cheyne3): ein Vollsein von Christo, so dass des Predigers Lippen von Fett triefen.“ Ein Solcher mag nicht immer seine Lehre so logisch vortragen, wie Einige es tun, oder einen solchen Reichtum an Bildern ausströmen, aber er predigt das Evangelium und nicht über das Evangelium; nicht was die Leute von Christo sagen, sondern was Christus ist, und was er jetzt tut, und was er für verlorene Sünder und fröhliche Heilige sein kann - er predigt den Herrn Jesum Christum voll. Ich meine, eine Predigtweise, die dieser etwas gleicht, wird ganz sicher einen ernsten Missionsgeist erzeugen.

Ich fürchte, manchmal tun unsre für das Amt vorbereitenden Studien unserm Ernste Schaden. Ich sah in der Abtei zu Melrose einen Stein, unter dem das Herz von Robert Bruce liegen soll. Mir ist bange, es könnte auf den Fußböden einiger unsrer Universitäten geschrieben werden: „Hier liegt das Herz des und des Studenten.“ Das ist eine armselige Bildung, welche den Kopf füllt und das Herz leer lässt. Lassen Sie uns ja Gelehrsamkeit haben; man kann nicht zu viel davon haben, wenn sie rechter Art ist, aber das Herz muss auch dabei sein. Ich fürchte, wenn wir die Bibel in unserm Studierzimmer lesen, so sind wir oft Opfer einer Versuchung; denn wir lesen sie offiziell als Prediger, denken an Texte und wie sie einzuteilen sind. Vor dem Herrn habe ich oft meine Seele ins Trauergewand gehüllt um dieser Sünde willen: aber wenn ich die Bibel lese oder vor die Gemeinde komme als ein armer, aus Gnaden erretteter Sünder wie Andere, dann ist's, wo ich wahre Macht fühle. O, jenes entsetzliche in den Pastoralismus Hineingeraten, was uns so viel Schaden tut; o, dass wir Priester und Könige vor Gott wären in einer edleren Weise, als durch Anlegen der Mitra oder Aufsetzen der Krone!

Ich muss um Entschuldigung bitten, dass ich so viel über diejenigen gesagt habe, welche die Leiter der Innern Mission sind. Nun von den anderen Personen, die sie auch zu treiben haben - alle Glieder der Kirche. Es ist das Vergessen dieser Wahrheit, woraus etwas entsprungen ist, dessen vorhin Erwähnung geschah nämlich die Plymouth Brethren. Ich glaube, wenn wir unsre Kirchen wach erhalten, haben wir kein großes Übel von ihnen zu befürchten; denn ihre Vorschläge sind zu wild. Wenn Alle Mund sein sollen, wie sie vorschlagen, was ist das Resultat? Ein Vacuum. Ihre Einrichtung, dass sie keinen Prediger haben zur Unterweisung, sondern dass Jeder den Andern unterweiset, erinnert mich an die irische Schule, die keinen Schulmeister hatte und von der ein Schüler sagte: „Niemand von uns weiß nichts, wir lehren Alle einander.“ - Die christliche Kirche sollte ein Bienenstock sein, in welchem jede Biene Honig bringt. Die Drohnen werden aus dem Bienenstocke ausgestoßen, und es sollten keine Drohnen in der Kirche sein. Alle Mitglieder der Kirche sollten etwas, und zu jeder Zeit etwas für den Heiland tun. Alle können etwas tun - wenigstens in der Gebetsstunde4).

Diese ist Grund und Ursache alles Erfolgs, alles wahren Erfolgs - die Gebetsstunde. Ich habe sagen hören, wenn das Gebet in Edinburgh im Verhältnis zum Predigen wäre, so würde viel mehr getan werden. Ich weiß nicht, ob dies der Fall ist, aber wenn es so ist, so sage ich, liebe Brüder, lassen Sie es in dieser Hinsicht besser werden. Was können Sie tun ohne Gebet? O, predigen ist nur wenig wert, wenn es nicht von mächtigem Ringen mit Gott unterstützt wird. Gehen Sie in eine Baumwollspinnerei; sehen Sie jede Abteilung in der Arbeit begriffen; durchwandern Sie die Räume und gehen Sie aus jener Tür heraus, da draußen können Sie einen hässlichen Schuppen sehen mit einer schwarzen Maschine, aus der dunkler Rauch aufsteigt und den blauen Himmel verdirbt. In diesem Maschinenhause ist die bewegende Kraft. Predigen, Lehren in der Sonntagsschule, Mission und andre Mittel sind gleich den Spindeln, aber die Gebetsstunde der verachtete Schuppen draußen - muss die bewegende Kraft verleihen und die wirkliche Energie, welche die Sache betreibt. Einst klagte eine Gemeinde über ihren Prediger, dass er sie nicht erbaue. Seine Antwort war, „es ist nicht wahrscheinlich, dass ich euch jetzt erbauen kann, denn ich habe mein Gebetbuch verloren.“ Seine Gemeinde wusste nicht, dass er ein Gebetbuch brauchte, und war etwas indigniert. „Mein Gebetbuch,“ sagte er, „hatte ich in euern Herzen, aber ich habe es verloren; ihr betet jetzt nicht für mich; und es ist wenig Hoffnung, dass meine Arbeit euch Nutzen bringen wird, wenn ihr mich nicht unterstützt im Kämmerlein, am Hausaltar und in der Gebetsstunde!“ In dieser Art muss die Gemeinde die Hände ihres Pastoren emporhalten. (2. Mose 17.)

Dann ist ein Anderes da, die Kollekte. Aber jemand sagt mir, dies sei ein trockner Gegenstand. Ist es so? Lasst uns zum Apostel Paulus gehen und sein Urteil über die Sache einholen. In jenem Kapitel, welches so oft bei Begräbnissen gelesen wird und von der Auferstehung handelt, arbeitete der Apostel sich, wenn ich so sagen darf, zu solch einer glänzenden Höhe der Beredsamkeit hinauf, dass er etwas brauchte, um damit abzuschließen. Er war bis so weit gekommen „ Darum, meine lieben Brüder, seid fest, unbeweglich und nehmt immer zu in dem Werke des Herrn“; und was dann? Was war die höchste Spitze dieses Werkes? Es war dies „von der Steuer aber, die den Heiligen geschieht.“ Das ist der Höhepunkt seiner Beredsamkeit. Ich meine, wenn ein Mensch geistlich lebendig gemacht wird, so wünscht er etwas für Christum zu tun; und jene frommen Leute, welche, wenn sie es bis zu einer gewissen Gnade gebracht, sagen: „Ah, dies ist ein angenehmes Land der Ruhe; ich kann sitzen und singen und niemals arbeiten,“ haben eine falsche Geistlichkeit. Wahre Erhebung der Seele ist die Hingabe von Geist, Seele und Leib an die Sache des großen Erlösers. Was für sonderbare Ideen haben die Leute von dem Eintritt in eine Kirche5). Mancher junge Mann tritt in ein Schützenkorps ein. Wenn er in die Kirche eintritt, wo ist er? Da ist er. Wir haben die ausgezeichnete Ehre, die Namen vieler jungen Herren in unsern Kirchenbüchern zu sehen. Aber wo sind sie? Was tun sie? Sie halten es für genug, dass sie Mitglieder der Kirche geworden sind; und meinen nicht, dass mehr erfordert werde. Wenn sie in ein literarisches Institut oder dergleichen eintreten, so geschieht es, um etwas zu tun und Nutzen davon zu ziehen; und ich sage zu solchen jungen Männern: „Glauben Sie, dass die christliche Kirche eine Farce ist? Wenn das, so könnten wir Ihre Namen entbehren; wenn Sie dieselbe nicht dafür halten, so zeigen Sie es dadurch, dass Sie, so viel sie können, in der Sache Christi arbeiten.“ Aber wir hören einige sagen, „ich könnte nichts für das Werk der Innern Mission tun, wenn ich es auch versuchte.“ Wohl, ich würde erwidern, „ich möchte das nicht von Ihnen gesagt haben. Es ist keine Nessel in der Kirchhofsecke ohne ihren Nutzen; es ist keine Spinne in der Welt, die nicht ihr Gewebe zu spinnen hat; und es ist kein Mensch in der Welt, der nicht etwas für die Sache Christi zu tun hat, was Niemand als er tun kann. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, dass Sie ganz kraftlos sind. Können Sie nicht mit irgendeinem über seine Seele sprechen? Können Sie nicht etwas an Ihrem Platze als Mitglied der Kirche tun?“ „O,“ sagt er, „wenn ich es versuchte, würde ich stecken bleiben.“ „Nun,“ sage ich, „gesetzt, Sie täten das, würde es nicht ein Segen sein?“ Bei einer Gebetsstunde habe ich einen Bruder so lange beten hören, dass ich dachte, es wäre sehr viel besser, wenn er stecken bliebe. Nachdem er eine volle halbe Stunde gebetet, hörte ich ihn bitten, zu vergeben, wenn er „zu kurz gekommen“ sei, und dachte, dies sei von allen Bitten die, welche er am allerwenigsten nötig hätte. Aber wenn ein Anderer inne hielt, weil die Worte ihm fehlten, obgleich nicht die innere Bewegung da ist - mehr Gebet in seinem Steckenbleiben gewesen, als in vielen Stunden bloßen religiösen Geschwätzes vor Gott. Es wird eine amerikanische Geschichte erzählt, und da ich dort drüben einen Amerikaner sehe, will ich sie wiederholen; denn ich glaube, sie ist wahr. Es lebte in einem Dorfe ein Grobschmied, der gut auszuholen verstand in mehr denn Einem Sinne. Viele hatten es versucht, ihn zur Erkenntnis der Wahrheit zu bringen. Er war ihnen indes immer im Streite überlegen gewesen und wenn er sie nicht im Stande fand, ihn zu schlagen, so hatte er seinen Spott mit ihnen getrieben. Prediger, Älteste, Diakonen und andre Christen hatten alle gleich wenig Erfolg gehabt. Aber endlich nahm ein Mann, der dies gehört, die Sache in die Hand und betete ernstlich Tag und Nacht für den Grobschmied. Einmal betete er für ihn, vom Geiste getrieben, den ganzen Nachmittag und fuhr damit die ganze Nacht fort; und am Morgen entschloss er sich, hinzugehen und mit ihm zu sprechen. Er bestieg deshalb sein Pferd und dachte unterwegs an dies und das, was passend sein würde, ihm zu sagen; zuletzt fand er einige gute Worte, die er dem Grobschmied vors Gemüt führen wollte. Als er vor die Schmiede ritt, kam der Schmied heraus. „Wohl, wohl, mein Herr,“ sagte er mit rauer Stimme, „was wollen Sie hier?“ und der harte Ton, mit dem die Frage getan ward, bewirkte, dass der Älteste sofort den Faden seiner Rede verlor. Nach einer Pause jedoch brach er in Tränen aus und sagte zum Schmied, „ich wollte mit Ihnen über Ihre Seele sprechen, aber ich kann nicht. Was ich sagen wollte, scheint alles verschwunden, aber ich bete für Sie Tag und Nacht; ich betete für Sie die ganze letzte Nacht, und werde nie froh sein, bis Ihre Seele errettet ist.“ Als er das gesagt und nur mit großer Anstrengung hatte er es getan - stieg er wieder auf sein Pferd und ritt fort, indem er bei sich dachte: „Wohl, so geht es mir immer; ich tue mehr Schaden als Gutes. Sie werden im Wirtshause davon sprechen und sagen, dass der Älteste wie ein Narr gehandelt hat.“ Aber es war nicht so. Der Grobschmied ging in seine Werkstatt zurück; er hämmerte auf sein Eisen, aber er hämmerte nicht grade. Es kam etwas in sein Auge und er versuchte, es herauszuwischen. Die Träne kam wieder; denn sein Herz war gerührt worden. Er konnte es nicht länger aushalten, sondern warf den Hammer weg und ging in die Stube, wo seine Frau das Frühstück bereitete. Sie sagte: „Du siehst unwohl aus.“ „Ja,“ erwiderte er, und ich fühle mich auch so. Der Älteste L. war hier, um mit mir über meine Seele zu sprechen.“ „O, aber du kümmerst dich nicht um ihn,“ sagte seine Frau, „du kannst auf alles antworten, was er sagt.“ „Ja,“ sagte der Schmied, „das ist es, wenn er mich zu überreden gesucht, hätte ich ihm antworten können; aber er stand da und weinte wie ein Kind! Er konnte es nicht ertragen, zu denken, dass ich verloren ginge. Er hätte die ganze Nacht für mich gebetet, und wenn er so für meine Seele sorgt, ist's Zeit, dass ich auch für sie sorge.“ Nach wenig Wochen war es das große Vorrecht dieses kirchlichen Beamten, den Abendmahlskelch dem Schmied und seiner Frau zu reichen.

Geht weiter denn und bleibt stecken; und Gott gebe, dass dieses ebenso gesegnet sein möge. Dies gibt mir eine passende Stelle zum Pausieren, und wenn ich Sie nicht ermüdet habe, will ich ein wenig weiter gehen.

Ich wollte noch einen dritten Punkt berühren. Ich habe schon gezeigt, was der Endzweck unsrer Innern Mission sein und wer sich dabei beteiligen solle. Nun möchte ich mit Ihrer Erlaubnis ein paar praktische Winke darüber geben, wie dies Werk ausgeführt werden sollte. Ich nehme es als Regel an, dass die christliche Kirche fähig sein müsste, die geistliche Erziehung ihrer Glieder ganz zu leiten. Ich möchte sie als eine solche Anstalt sehen, dass ein Kind von der Zeit an, wo es in der Kleinkinderschule aufgenommen wird, nicht von dieser Kirche hinweg zu gehen braucht, um irgendeines christlichen Vorrechtes willen; und dass es durch den Segen des Heiligen Geistes Alles, vom niedrigsten bis zum höchsten Punkt der Gnade, durch die kirchlichen Einrichtungen empfangen kann. Nun, was ist mit unsrer Jugend zu tun? Natürlich haben Sie Alle Sonntagsschulen. Es ist bei einigen Neigung vorhanden, auf eigene Hand Sonntagsschulen anzufangen, die nicht mit irgendeiner besonderen Kirche in Verbindung stehen, so dass die Kinder in gar kein Gotteshaus mitgenommen werden, und ohne Anhänglichkeit an die Kirche ihrer Eltern aufwachsen. Es ist aber gut, sie so viel als möglich in Verbindung mit dem Gottesdienste zu halten. Denn, wie sollen wir die Leute dahin bringen, die Gnadenmittel zu gebrauchen, wenn sie erwachsen sind? Es ist ziemlich schwer, durch die Mittel der Innern Mission dies zu bewerkstelligen. Es würde gut sein, die Leute in frühen Jahren unter eine religiöse Organisation zu bringen. Ich meine, jede Kirche sollte ihre Sonntagsschule haben und der Pastor sollte der Präsident derselben sein, die Ältesten die Leiter und so weit möglich, sollten die Lehrer Glieder dieser Kirche sein; natürlich wird es in letzterem Punkt hin und wieder Ausnahmen geben.

Aber wir haben eine Schwierigkeit mit der Sonntagsschule in England nicht eigentlich mit der Sonntagsschule, aber wenn dem jungen Herrn der Bart zu wachsen beginnt, so mag er nicht mehr die Sonntagsschule besuchen, und die Mädchen sind auch zu feine Damen, um noch länger hinzugehen. Was ist zu machen? Ich meine, es müssen verschiedene Arten von Klassen da sein, wir haben im Tabernakel - entschuldigen Sie, dass ich hier dessen erwähne - mehrere, auch für die, welche zuweilen die höheren Stände genannt werden. Es müssen 2 oder 3 Klassen für Knaben und Halberwachsene da sein, und der Lehrer muss ein Mann von heiterem Gemüt sein, der öfter lacht, als weint; denn Knaben lieben keinen trübseligen Lehrer: mehr Fliegen werden mit Honig gefangen, als mit Essig. Mit einem guten, fröhlichen Mann als Leiter einer Klasse für junge Männer, kann eine solche sehr nützlich sein. Unter passender Aufsicht werden Gebetsstunden für die Jugend gute Dienste tun. Neulich sah ich ein kleines Mädchen von 11 Jahren. „Anna,“ sagte ich, „bist Du eine Nachfolgerin des Herrn Jesu?“ „Ja, ich hoffe so,“ war die Antwort. Ich fragte, „Warum meinst Du das?“ „Weil ich auf Christum vertraue.“ „Wann kamst Du zuerst zu Jesu?“ „Ich meine, es war den Abend, wo das Meeting für die Mütter war. Cäcilie sagte mir den Abend, dass einige der Mädchen zusammenkommen wollten, und für ihre Väter und Mütter beten! Sie gehen nicht oft zum Gottesdienst und nun, da sie zum Tee gehen und Mr. Spurgeon nachher zu ihnen sprechen wird, lass uns zusammenkommen und für sie beten!“ Ich sagte zu Cäcilie, ich kann nicht beten, du weißt, ich bin selbst nicht errettet! O, komme nur mit! Ich ging mit, aber ich konnte nicht beten, obgleich ich wünschte, dass Vater errettet werden möchte. Ich konnte nicht beten, weil ich selbst nicht gläubig war, aber sie erklärten mir da, was ich vorher nicht wusste. Sie erklärten „Stellvertretung.“ Sie wissen, was ich meine.“ Ich war so froh, das Wort Stellvertretung aus dem Munde des Mädchens zu hören! Nun, da waren diese jungen Kinder und beteten für ihre Eltern; und ich meine, wenn wir Knaben und Mädchen dahin bringen können, an den göttlichen Dingen Interesse zu haben, so wird das eine gute Sache für die Kirche sein und gut für die künftige Geschichte des Landes.

Wir haben eine Art von katechetischem Seminar in Verbindung mit unsrer Kirche, in dem wir ein kleines Buch lehren, dass Sie Alle kennen, Ihren „Kurzen Katechismus“, in dem ich natürlich eine kleine Änderung mit Bezug auf die Taufe gemacht habe. Nun ist es die Mode jenseits der Grenze, über dieses Buch zu lachen, es sei veraltet usw. Wohl, ich möchte Jemand sehen, der einen bessern Auszug der Schriftlehre schreiben könnte. Vielleicht ist das Auswendiglernen des Ganzen, allein und unerklärt, eine zu große Aufgabe, aber mit zahlreichen Erläuterungen würde es leicht genug sein. Warum gibt nicht Jemand uns ein großes Buch mit Anekdoten zu jeder Frage des Katechismus? Es würde eine angenehme Weise für Väter und Mütter sein, die Kinder zu lehren.

Wir müssen das Brot nicht verändern, aber wir müssen es krümeln, den Laib in kleine Stückchen bröckeln.

Weibliche Hilfe muss nicht vergessen werden. Wir haben eine Klasse, der eine Schwester vorsteht, solch eine Frau, wie ich kaum je eine angetroffen, die ungefähr 800 Frauen und Mädchen unter ihrer Obhut hat. Sie gibt sich ganz dem Werke hin; und letztes Jahr wurden mehr als 100 aus dieser Klasse Mitglieder unsrer Kirche; für unser Kollege steuerten sie auch ungefähr 200 Pfund bei; denn wir halten darauf, dass Alle, selbst die Knaben, ebenso wohl etwas beisteuern, als etwas lernen. Wir haben auch einen Plan entworfen von kleinen Gesellschaften. Zuweilen ladet ein Freund einige Kinder in sein Haus. Sie kommen, sie singen, beten und sprechen von Jesus. Sie haben einige hübsche Geschichten; lebhafte Lieder werden gesungen, und ich glaube, auf diese Weise kommen die Kinder leicht wieder. Vor allen anderen Dingen, sichern Sie sich die Kinder. Ihr Gesang ist der lieblichste von allen. Übersehen Sie niemals die Kinder. Was den anderen Teil der Kirche anbetrifft, nämlich die Schwestern, so hoffe ich, wir werden sie nie predigen hören. Die Predigten, die sie den Ehemännern halten, sind zuweilen ganz vortrefflich; ihre öffentlichen Predigten, meine ich, würden ganz anders sein. Aber was für Arbeit ist für sie unter ihrem eigenen Geschlecht zu tun! Ich nehme an, dass Sie Versammlungen für Mütter haben. Diese müssen nicht zu bloßem Geschwätz ausarten; sie müssen wirkliche Gebetsstunden für ihre Kinder sein. Ich brauche nicht die Nähvereine und Bibelfrauen zu erwähnen.

Dann, die Erwachsenen. Wir sollten allen erwachsenen Mitgliedern auf eine oder andre Weise etwas zu tun geben. Ich bitte immer meine Gemeinde, Christum in den Kirchenstühlen zu predigen. Haltet diejenigen fest, die kommen, und sprecht zu ihnen von Christo. Ich weiß, die Leute sind mitunter etwas steif in solchen Dingen, etwas Mahagoni kommt zwischen sie und ihre Mitmenschen, aber in der Kirche sollte Herzlichkeit sein, und das Gefühl, dass man wagen kann, mit seinem Nachbar zu sprechen; wenigstens zu sagen: „Wie gefiel Ihnen die Predigt?“ um ein Gespräch zu beginnen und ihn eine Weile zurück zu halten. Jemand fragte mich, wie ich meine Zuhörer zusammenbrächte. Ich brachte sie nie zusammen. Ich hielt es nicht für mein Geschäft, dies zu tun, sondern nur das Evangelium zu predigen. Meine Hörer brachten die Hörer zusammen. Ich hatte 80 oder kaum 100, als ich zuerst predigte. Das nächste Mal hatte ich 200 Feder, der da gewesen, sagte zu seinem Nachbar: „Du musst hingehen und diesen jungen Mann hören.“ Beim dritten Mal hatten wir 400 und in sechs Wochen 800. Das war die Art, in welcher wir die Hörer zusammen brachten. Nun, meine Gemeindeglieder haben Einlass-Billete6). Das geht sehr gut. Ein Mitglied kann sein Billet einem anderen geben und sagen: „Ich will im Gange stehen,“ oder, „ich will mit der Menge hineingehen.“ Einige Leute, wie Sie wissen, gehen nicht dahin, wo sie leicht hinkommen können, aber sie gehen, wenn man ihnen sagt, dass sie nicht ohne Billet hineingelassen werden. Das ist die Weise, wie die Hörer eine Hörerzahl um den Pastoren versammeln müssen. Ein Prediger predigt umso besser, wenn er eine große Versammlung vor sich hat. Jemand sagte einst, die Bildung einer regelmäßigen Zuhörerschaft gliche sehr dem Auftreiben des Wildes, und der Pastor wäre der Jäger. „Aber,“ fügte er hinzu, „einige unsrer Pastoren können nicht schießen.“ Indes glaube ich wirklich, ich könnte ein Rebhuhn schießen, wenn ich mitten in ein ganzes Volk hineinfeuerte, und ich könnte es vielleicht nicht, wenn nur ein oder zwei da wären.

Nun noch eins. In der Gemeinde werden immer einige junge Männer sein, die begabt sind; ich weiß nicht, ob ich hier über diesen Punkt sprechen sollte oder nicht, aber es scheint mir notwendig zu sein, das Augenmerk aufs Predigtamt zu richten, sonst möchten Sie einen sehr wichtigen Punkt verfehlen. Nun, um damit anzufangen, ein Jeder sollte mehr um Prediger beten. Als Christus gen Himmel fuhr, empfing er Gaben für die Menschen, und diese Gaben waren Menschen: denn er hat einige zu Aposteln gesetzt. Sie kennen die Stelle. Es ist ein Teil des auferstandenen und zum Himmel erhöhten Lebens Christi, uns Prediger zu geben; wenn wir zum Kreuze aufsehen um unsers Heils willen, so sollten wir zu dem aufgefahrenen Heiland blicken und fernere Versorgung mit Predigern von ihm erwarten. Bei sehr vielen Gebetsstunden bin ich gewesen, wo nicht für die Studenten gebetet ward und bei vielen anderen, wo keine Bitte hinaufgesandt ward, dass Gott Arbeiter in Seinen Weinberg senden möge. Dies ist eine Bitte, von der Christus uns gesagt hat, dass wir sie tun sollen. Wenn Sie Prediger wollen, beten Sie darum, sie können durchs Gebet erlangt werden. Man kann sie nicht durch Pläne für Ausbildung im Kollege erhalten. Dieses kann sie zum Predigen tüchtig machen, wenn man sie erst hat. Das Nächste ist, wer soll den Prediger finden? Es war eine treffliche Einrichtung bei den Waldensern, dass jeder Pastor einen anderen heranbilden musste, so dass stets ein junger Mann mit einem älteren Bruder verbunden war - einer mit leichterem Fuße, der die unzugänglicheren Punkte erreichen konnte oder ihm über die zackigen Felsen helfen, so dass es der Kirche dort nie an Männern fehlte. Ohne einen Plan zu entwerfen, ohne der Versammlung eine Anzeige davon zu machen, wird es vollkommen richtig sein, wenn Jeder von Ihnen sagt, ich will aus meiner Gemeinde den am meisten geistlich gesinnten und den begabtesten jungen Mann heraussuchen und will mich bemühen, seine Gedanken auf das Predigen zu lenken.“ Sie können mit ihm über die heiligen Freuden reden, welche der wahre Diener Gottes hat, und sobald Sie sehen, dass er einen leisen Wunsch danach hat, ihn ermutigen, vorwärtszugehen. Ich sprach neulich mit einem baptistischen Bruder, der mir sagte „Sie tun ungemein viel Schaden, Sie ermutigen eine Menge junger Menschen, ins Predigtamt einzutreten. Wenn ich solche antreffe, die einen Kitzel nach dem Predigen haben, so nehme ich sie bei der Kehle und erdrossle sie sogleich.“ Wohl, ich bekenne, dass ich junge Männer liebe und sie ermutigen möchte, in den Dienst der Kirche Christi zu treten, und wenn ich einen ansporne, der nicht dazu taugt, so ist es mein Versehen, und doch scheint mir, wenn ich einem Andern helfe, der nachher mit Nutzen wirkt, so habe ich fast meinen Fehler gut gemacht. Ich möchte einen Mann lieber ermutigen, als zurückhalten, und wenn alle Prediger dasselbe zu tun versuchten, würden sie es einen trefflichen Weg finden, Studenten für das Amt zu bekommen. Je mehr der Student im christlichen Leben erhalten wird und je mehr er fühlt, dass als Student sein geistliches Leben gefördert wird durch beständigen Dienst für Christum, desto besser und desto mehr wird die Kirche gesegnet werden. Sie werden nie den Tag der Separation7) vergessen. Er scheint uns ein besonderer Gedächtnistag und die Väter der Separation, von denen viele graue Häupter noch unter uns sind, werden stets in Ehren gehalten werden; aber sind Sie sicher, dass Sie ein andres solches Geschlecht von Männern heranziehen werden, wenn Sie nicht beständig beten, dass Gott Ihnen ebenso standhafte und edelmütige Männer schicken möge, die nicht nur die Wahrheit kennen, sondern dafür zu leiden im Stande sind und nicht von jedem Wind der Lehre davon geführt werden, sondern fest wie ein Bollwerk gegen die vielen aufkommenden Ketzereien stehen und stehen bleiben, bis der Herr selber kommt?

Die Massen draußen müssen erreicht werden durch alle die Mittel, die in Ihrem trefflichen Bericht so gut dargestellt sind. Es gibt mehrere Gründe, weshalb viele von uns Christen ernster in diesem Werk der heimischen Evangelisation sein sollten. Keine Kirche kann glücklich sein, wenn sie aufhört, angreifend zu sein. Keine Kirche kann einig sein, wenn sie aufhört, Fortschritte zu machen. Es ist die Frage aufgeworfen worden, was das Resultat sein würde, wenn eine Kanonenkugel mitten in vollem Lauf plötzlich aufgehalten würde, ohne gegen einen Gegenstand anzuprallen? Man hat gesagt, und ich glaube, es ist Tatsache, dass sie sogleich in unendlich kleine Teilchen zerfallen würde, da ihre Bewegungskraft die Kraft der Kohäsion überwinden werde. Nun, wenn dieses der freien Kirche, die jetzt so einig ist, geschehen sollte, dass sie keine rechte und keine linke Hand hätte, (möge Ihre rechte Hand und Ihre linke indes stets wissen, was sie tun) wenn Sie in Ihrem Angriffswerk zum Stillstand gebracht werden könnten, so würde das Resultat sein, dass Sie in unzählige Parteien sich zerspalten würden. Ihre Einigkeit müsste aufhören. Was wurde aus dem Manna, wenn es nicht gegessen ward? Keine Kirche kann stehen bleiben, wo sie ist. Wenn eine Kirche nicht vorwärts geht, so geht sie rückwärts. Es war ein großes Wort Napoleons, obgleich es auf eine sehr zweifelhafte Sache ging - „Eroberung hat mich zu dem gemacht, was ich bin, und Eroberung muss mich aufrecht halten.“ Eroberung hat die freie Kirche gemacht, und jede christliche Kirche; Eroberung hat sie aufrecht gehalten; Eroberung mag dem Krieg ein Ende machen, aber wenn Sie aufhören, zu siegen, so wird das Banner sofort in der Gasse umhergeschleift. Feder Knabe auf der Straße weiß, dass sein Reif fällt, wenn er nicht läuft; und Jeder von uns weiß, dass sein geistliches Leben stillsteht, wenn es nicht vorwärts geht. Keine Kirche ist des Namens einer Kirche wert, die nicht angreifend verfährt. O, das Wort Kirche! Ich möchte fast, wir hätten ein andres dafür, weil es so verdreht worden ist. In England bedeutet es einen Haufen Mauersteine und einen Turm, und viele Leute verbinden keinen anderen Sinn damit. Es gab eine Kirche, die Paulo um den Hals fiel. Es konnte kaum eine dieser Art sein. Einige denken, wir meinen mit dem Worte die Geistlichkeit. Keine Kirche verdient ihren Namen, die nicht vorrückt in das Reich des Bösen. Man mag sie so nennen, aber es ist ein leerer Titel. Sie ist nicht eine Kirche, wenn sie nicht vorrückt, sondern ein Übel. Einige von Ihnen, Brüder, mögen, wenn sie tot sind, weniger Unbequemlichkeit verursachen, als Andere von uns, die stattlicher sind, und eine magere, dünne, halb verhungernde Kirche, die gelernt hat, die Brosamen unter des Königs Tisch aufzulesen, würde nicht ein so widerwärtiges Übel im Lande werden, wie die Kirche, welche an des Königs Tisch gesessen, und gelernt hat, von edlerer Kost zu leben. Wenn eine solche stürbe, wäre das Übel unerträglich, was sie verursachen würde. „Begrabt meinen Toten mir aus dem Gesichte“ würde der Befehl, nicht Abrahams, (1. Mos. 23, 4) sondern Gottes selbst sein. Wenn das Salz dumm geworden ist, womit soll man es salzen? Wenn Sie als Christen nützlich sein und gefördert werden wollen, so müssen Sie für Christum arbeiten.

Wir Alle haben die stärksten Gründe, in den Kirchen zu wirken, so lange wir können. O, dass wir Alle in dem Lichte unsrer letzten Stunde lebten! Die alten Gelehrten steckten, wie wir zuweilen lesen, ihr Licht in einen sonderbaren Leuchter in einen Totenkopf, von diesem Gedenkzeichen der Sterblichkeit ward es gehalten. Es mag zu sehr nützlichem Zwecke dienen. Was wird das Geld für uns tun, wenn wir an des Todes Pforte liegen? Was wird Ruhm oder Gelehrsamkeit tun? Welchen anderen Lohn können wir haben, als Seelen, die wir für Christum gewonnen haben? Sie können nicht den Weg zum Himmel pflastern, aber sie können gute Gesellschaft auf dem Wege sein. Wenn das Gericht kommt, wenn wir aus unsern Gräbern erstehen, in welchem Licht werden wir dann auf unser Leben blicken? O, Brüder, vielleicht können einige unsrer Erholungen es nicht ertragen, dass man an sie denkt. Gewiss, wenn wir untreu in unserm Amt gewesen sind wenn wir als reiche Leute, unserm Reichtum angehangen, statt dem Willen Gottes zu folgen, wenn wir Seinem Willen zuwider gelebt, so wird das Licht des Jüngsten Tages uns diese Dinge offenbaren. Eine andre „Allgemeine Versammlung“, allgemeiner als diese und bei Weitem größer, wird dann gehalten werden, und Sie und ich werden dort erscheinen. Lassen Sie uns darum ernst leben, schnell leben, hart leben, gründlich leben, gebetsvoll leben, leben wie Christus; denn kein andres Leben wird die Prüfung an jenem letzten großen Tage ertragen. Es ist noch ein andrer Grund da. Unser Heiland hat gesagt - „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.“ Ich bitte Sie, Männer und Brüder, Väter und Schwestern in Christo, arbeiten Sie hart für ihn. Wenn Er hier stände, und Sie bäte, Ihm zu helfen, so würden Ihre Börsen sich öffnen, weil Ihre Herzen durch Seine glorreiche Gegenwart sich öffnen würden. Aber ich brauche nicht zu sagen, dass geistliche Gemüter keine Augen nötig haben, um Jesum zu sehen. In ihrem liebenden Herzen hören sie Ihn sprechen: „Wenn ihr mich liebt, so haltet meine Gebote; und eins meiner Gebote ist, gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur. Wenn ihr mich liebt, werdet ihr durch Gehorchen mir antworten; wenn ihr mich nicht liebt, so werdet ihr nicht helfen und nicht gehorchen.“ - Eine begabte Schriftstellerin erzählt eine Geschichte, mit welcher ich schließen will; es ist folgende: Jemand kam eines Tages mit einem Subskriptionsbogen zu einem Kaufmann. Dieser erwiderte, wie einige Kaufleute tun: „Ich kann nicht, es kommen so viele Bitten der Art.“ Am Abend, als er daheim war und seine Frau und Kinder zur Ruhe gegangen, zog er einen Stuhl vor den Kamin, setzte sich, und während er ins Feuer blickte, sprach er zu sich selber: „Ich schlug heute dem guten Mann die Subskription ab. Ich habe Ähnliches schon früher getan und den Leuten gesagt, ich hätte so viele Bittgesuche. Es war eine Zeit, wo ich mehr gab, als jetzt. Der Grund ist, dass ich dieses neue Haus gebaut habe. Das frühere Haus war sehr gut, aber meine Frau meinte doch, es wäre nicht mehr recht passend. Wir zogen in das neue Haus, mussten neue Mobilien haben und kamen dann in einen neuen Kreis hinein. Die Töchter brauchen mehr für ihre Kleidung und die Söhne bedürfen auch mehr. Meine Ausgaben sind gestiegen und ich fürchte, dass ich von dem abknappe, was ich für Gottes Sache zu geben pflegte.“ Darauf schien er einzuschlafen; ob er es tat oder nicht, kann ich nicht sagen, aber während er am Feuer saß, kam ein Fremder hinein, ein eigentümlich mild und majestätisch aussehender Mann. Er trat zu dem Kaufmann, legte ihm einen Bogen vor und sagte, „ich bin gekommen, um eine Zeichnung für die Mission zu bitten.“ Er sagte es sehr sanft und der Kaufmann antwortete zögernd: „Wirklich, Sie müssen mich entschuldigen, ich habe so viele Anforderungen.“ Der Fremde sah sehr traurig aus. Es war kein Zorn in seinem Gesicht, aber viel Kummer. Er nahm einen anderen Bogen heraus und sagte: „Sie geben nichts für äußere Mission, wollen Sie etwas für die innere geben? Es sind viele Heiden hier im Vaterlande.“ Der Kaufmann sagte wieder: „Ich bin nicht dazu im Stande; außerdem glaube ich, dass mehr von dem Heidentum hier gesprochen wird, als nötig ist.“ „Wohl“, sagte der Fremde, der noch trauriger als zuvor schien, „hier ist die Bibelgesellschaft, wollen Sie dafür etwas geben?“ Er ward ein wenig ärgerlich und erwiderte: „Ich mag wirklich nicht in dieser Weise gedrängt werden, ich kann nicht geben.“ Der Fremde sah trauriger aus als je, aber in Einem Augenblicke schien er sich zu verwandeln, und vor dem Kaufmann stand Einer wie des Menschen Sohn. Und er sprach zu ihm - „Vor fünf Jahren lag dein kleines Kind todkrank. Du gingst hinauf in deine Kammer. Dein Herz war niedergebeugt von Schmerz und du betetest, dass dein Kind, an dem deine Seele hing, am Leben bleiben möge. Wer ließ deinen Liebling genesen und erhielt ihn deinem Hause?“ Der Kaufmann bedeckte das Gesicht mit seinen Händen. „Vor zehn Jahren,“ sagte dieselbe sanfte, zärtliche Stimme, „lagst du auf dem, was dein Sterbebett schien. Deine Angelegenheiten waren damals in schlechtem Zustande, und wenn du gestorben wärest, so hättest du deine Kinder ohne einen Pfennig zurückgelassen. Du kehrtest dein Gesicht zur Wand und betetest, dass du wenigstens am Leben bleiben mögest, bis du deinen Kindern etwas hinterlassen könnest. Wer hörte deinen Schmerzensschrei und erhielt dich am Leben?“ Der Kaufmann war noch verwirrter. „Vor fünfzehn Jahren knietest du in einer gewissen Kammer als ein Sünder mit gebrochenem Herzen und einer Sündenlast auf Gewissen und Seele. Von bitterem Schmerz erfüllt schriest du um Gnade. Wer kam zu dir und sprach: „Ich vertilge deine Missetat wie eine Wolke und deine Sünde wie den Nebel,“ und öffnete sein Herz, um dich von deiner Missetat zu waschen?“ Es war keine Antwort da, außer einem Schluchzen. „Wenn du niemals wieder etwas von mir bitten willst, so will ich nie etwas von dir bitten. Du sollst nicht mit meinen vielen Bittgesuchen belästigt werden, wenn ich nicht von den deinigen belästigt werde.“ Der Kaufmann fiel auf sein Angesicht vor dem Fremden. „Mein Gott, mein Herr, vergib mir und nimm alles, was ich habe.“ Und siehe! es war ein Traum, aber nicht ein Traum; denn sein Leben war dadurch geändert. Mögen Sie und ich solch eine Vision haben und fortan Christo leben, als die, welche von den Toten erstanden sind!

1)
„fiery spirits“ im Englischen.
2)
Im Original steht: „Officialism,“ ein von Spurgeon öfter gebrauchtes Wort, ebenso wie Ministerialism. Anm. d. Übers.
3)
Rev. Rob. Murray M'Cheyne's Leben und Nachlass von Rev. A. Bonar (Glasgow). Deutsch nach der 116. engl. Aufl. von Hans Tharau. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Christlieb (Bonn). Verl. v. Joh. Schergens, Bonn u. Gernsbach. M 3,50.
4)
Es wird in den meisten Dissenterkirchen wöchentlich eine Gebetsstunde gehalten. In Spurgeons Kirche ist sie jeden Montagabend und wird von 1000-2000 Personen besucht. Er eröffnet dieselbe meist selbst mit einem Gebete, nachdem ein Lied gesungen worden ist, und fordert dann Andere mit Nennung ihres Namens zum Beten auf. Zwischendurch werden Verse gesungen, auch wohl kurze Ansprachen gehalten. Anm. d. Übers.
5)
Da im engl. N. T. immer das Wort church, Kirche gebraucht ist, so nennen sich die Dissentergemeinden auch mit diesem Namen, während die gottesdienstlichen Gebäude derselben meist chapels heißen. Spurgeon hat das seinige Tabernakel genannt. A. d. Üb.
6)
Alle, welche sich Plätze im Tabernakel mieten, erhalten ein Billet, was sie Sonntags vorzeigen müssen, um durch die Seitenpforten eingelassen zu werden. 5 Minuten vor Anfang des Gottesdienstes werden diese geschlossen und die später Kommenden haben kein Recht mehr auf ihre Plätze; denn die Fronttüren werden geöffnet, vor denen die Menge wartet, die dann hineinströmt und alle noch unbesetzten Sitze, Treppenstufen und Stehplätze einnimmt. Abends müssen oft Hunderte, mitunter Tausende wieder fortgehen, weil das große, 6-7000 Menschen fassende Tabernakel ganz voll ist. A. d. Üb.
7)
Als die schottische Freikirche sich von der schottischen Staatskirche trennte. A. d. Üb.