Spurgeon, Charles Haddon - Reden - daheim und auswärts - Ernst.

Ansprache bei der Neujahrsversammlung der Londoner Stadtmissionare. 1. Januar 1861.

Meine Brüder in dem Dienste des Herrn Jesu Christi, Teilnehmer mit uns an der Gemeinschaft Seiner Leiden, Sie werden, des bin ich gewiss, heut Morgen das Wort der Ermahnung von mir annehmen, und möge Gott der Heilige Geist es lebendig und kräftig an unsrer Aller Seelen machen, dass wir das ganze kommende Jahr hindurch unserm Herrn mit beiden Händen dienen mögen und mit unserm ganzen Herzen, und dass unser ganzer Mensch vom Heiligen Geist gesalbt und als ein Brandopfer auf den Altar Gottes gelegt sein möge.

Ich halte es für recht, ehe ich zu dem Thema dieses Morgens übergehe, zu sagen, dass ich überzeugt bin, die Kirche Gottes liebt Sie und hat Teilnahme für Sie. Ich meine, ich spreche die Gefühle Aller aus, die Ihr Amt und seine Leiden kennen, wenn ich sage im Namen der Kirche des lebendigen Gottes, wir danken Ihnen und wünschen Ihnen Gottes Segen. Wenig vermögen wir zu sagen, was London ohne Sie gewesen wäre. Wenn eine große sittliche Änderung über dasselbe gekommen ist, und ich bin überzeugt, das ist der Fall, so verdanken wir das ohne Zweifel dem Predigtamt, aber ebenso sehr Ihren unermüdlichen Arbeiten von Haus zu Haus. Ich darf kaum wagen, ein Bild von dem zu entwerfen, was London ohne die Stadtmission sein würde. Ich bin ganz gewiss, ohne diese wäre unser Predigtamt ganz machtlos gewesen, wenigstens in den dunkleren Teilen dieser dichtbevölkerten Höfe und Gässchen, wo die Stimme des Predigers nicht gehört werden kann. Wir danken Ihnen, Brüder, für die Weisheit, welche Sie bewiesen haben. Gewiss muss ein gut Teil heiliger Klugheit und göttlicher Sanftmut des Geistes in Ihnen sein, sonst wäre es unmöglich für Sie gewesen, zusammengesetzt wie Sie es sind, aus allen christlichen Gemeinschaften, beisammen zu bleiben. Ich fühle, dass es in der Tat ein sehr verantwortungsvolles Amt ist, ein Beamter dieses Instituts zu sein. Ich habe keine der Befähigungen für ein solches Werk. Ich fühle es so sehr als Pflicht, alles zu bezeugen, was ich glaube, dass ich meine, obgleich ich von Herzen mit Allen in Christo wirken kann, die von mir abweichen, würde ich es doch schwer finden, beständig an der Seite Derer zu arbeiten, die häufig meinen Meinungen zu widersprechen haben würden; Ihnen muss ein großes Maß christlicher Liebe verliehen sein und ich meine, die Angestellten müssten jene Weisheit empfangen haben, um die unser trefflicher Bruder soeben den Herrn im Gebete anrief. Möge diese Weisheit, diese Liebe und dieser Eifer, den Sie bewiesen haben, bleiben und vermehrt werden! Gott sende Ihnen in siebenfachem Maße die Salbung des Heiligen Geistes! Mögen Sie Alles kennen, mögen Sie Alles tun, und mögen Sie Allen Alles werden, auf dass Sie ihrer etliche selig machen. Im Namen der Kirche des lebendigen Gottes, welche der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit ist, danke ich Ihnen, die in dieser Gesellschaft Arbeiter sind, für das gute und treffliche Werk, das Sie für den Herrn Jesum Christum getan haben. Vielleicht bekommt der Stadtmissionar nur wenig Ermutigung in seiner Arbeit. Es ist oft nicht gut für uns, viel Ermutigung zu haben. Unser Meister weiß, dass wir gewöhnlich am besten wachsen, wenn wir am meisten beschnitten werden. Er sieht, dass das Messer eins der besten Instrumente ist, um seine Weinstöcke fruchtbar zu machen. Aber ich meine, wir sollten desungeachtet einige Worte heiliger Ermutigung zu Ihnen sprechen, da Sie gute Kämpfer Jesu Christi gewesen sind und nicht vergeblich gearbeitet haben.

Jetzt indes komme ich zu dem Thema dieses Morgens. Ich habe keinen Text genommen und habe auch keinen lehrhaften Gegenstand gewählt. Ich wusste, zu wem ich reden würde und habe ein Thema genommen, das mehr praktisch als dogmatisch ist Ernst dessen absolute Notwendigkeit in Ihrem Amt die Teile des Amtes, in denen er am meisten sichtbar werden muss - das, was ihn dämpfen könnte - und Einiges, was ihn anspornen sollte.

Zu allererst rede ich von der absoluten Notwendigkeit des Ernstes in Ihrem Amte. Obgleich ich in Vielem von den Meinungen jenes großen Mannes Gottes, Richard Baxter, abweiche, kann ich nicht anders, als ihn für das Muster eines christlichen Pastoren halten. Als Prediger hatte er einen solchen Ernst, dass er der englische Demosthenes genannt ist. Was noch besser, er kannte so gut die Schrecken des Herrn, dass kaum Paulus selber die Menschen mit mehr Ernst überreden konnte, als Baxter es tat. Er wusste, was es heiße, die Knie unter sich beben zu fühlen, während er Sündern von dem zukünftigen Zorn predigte. Selten verließ er die Kanzel zufrieden mit dem, was er getan, sondern fiel auf seine Knie, um zu weinen und wehklagen, dass er nicht ernster mit den Seelen der Menschen geredet. Ich wundre mich indes nicht über seinen Ernst auf der Kanzel; aber was mich ihn als den wahren Fürsten der Prediger ansehen lässt, ist die Tatsache, dass er ebenso ernst als Seelsorger war. Jedes Haus in Kidderminster ward von Richard Baxter besucht. Es war kein Kind in der Gemeinde, das er nicht katechisiert hatte; es war kein Rückfälliger da, den er nicht gewarnt; es war kein Gottloser da, mit dem er nicht in tiefem Ernste gesprochen. Die ganze Gemeinde wusste, dass Baxter sich als den Vater der Herde betrachtete. Er war nicht nur der Prediger auf der Kanzel, sondern der Pastor in der Gemeinde. Nun weiß ich kaum, durch welchen Drang der Umstände das Werk des Seelsorgers in London geteilt worden ist. Ich sage redlich aus innerster Seele, ich fühle mich nicht einer Vernachlässigung der Pflicht schuldig, weil ich nur Einen Teil von Baxters Werk auf mich nehme. Es ist gänzlich unmöglich für mich, den anderen zu tun. Wenn ich täglich zweimal hier und dort und an vielen anderen Orten predige als Evangelist und wenn ich sagen kann, dass ich meine Kraft erschöpfe und nicht mehr zu tun vermag, so meine ich, ich bin nicht schuldig, wenn ein andrer Teil des Amts Andern überlassen wird. Durch ganz London hat die pastorale Arbeit, besonders unter den Dissenterkirchen, Ihnen, den Stadtmissionaren, überlassen werden müssen. Sie nehmen nicht Baxters Platz auf der Kanzel ein, aber Sie nehmen ihn in den Häusern ein. Ich halte Ihnen Baxter vor als ein wahres Muster und einen Spiegel für einen Missionar von Haus zu Haus unterweisend, in den Straßen ermahnend, unter jedem Dache lehrend, persönlich arbeitend für die Seelen der Menschen. Aber merken Sie sich, wenn Sie nach seinen Entwürfen für diese Besuche fragen sollten, so würden Sie dieselben beim Überlesen vielleicht außerordentlich gewöhnlich finden und wenig Kraft darin. Die Macht Baxters lag nicht in seiner Methode, sondern in seinem Ernst. Es war ein solches Feuer in ihm, dass es fast sein Gebein verzehrte. Er hatte solche Leidenschaft für die Bekehrung von Menschen, dass seine Gesundheit darunter litt, und wie ein Schwert, das zu scharf für seine Scheide, schnitt seine Seele sich ihren Weg aus dem Körper heraus, und er starb voller Krankheit und Schmerzen. Er würde nichts getan haben, er würde der Kirche keine Dienste geleistet haben als Richard Baxter, hätte er nicht Richard Baxters Ernst • besessen. Seine Theologie hätte wertlos sein können, sein Predigen eine Täuschung, sein Besuchen ein Betrug, wenn seine Seele nicht in dem Werke gewesen wäre, und der ganze Mensch stets da gewesen, wo Baxter war. Ihnen, sage ich, ist in Ihrem Amte Ernst vor allen andern Dingen nötig. Im Predigtamt ist der Ernst von größter Wichtigkeit, und doch, zu unsrer Schande sei's gesagt, ist es möglich, die Pflichten des Predigtamtes ohne Ernst zu vollziehen. Es gibt Männer, die eine Gemeinde durch die Kraft der Redekunst zusammenzuhalten vermögen. Es gibt Einige, die das Ohr fesseln und das Herz bezaubern können durch feingeschliffene Perioden und glühende Worte, während sie selber wissen, dass sie nur eines Schauspielers Rolle spielen und vor Andern aussprechen, was sie selber nie gefühlt. Gewiss, ein Prediger ohne Ernst ist das bemitleidenswerteste Subjekt und doch kann er einen Grad von Erfolg haben. Aber für Sie ist dies unmöglich. Sie haben kein Feld für Beredsamkeit, keine Gelegenheit für Entfaltung Ihrer Gewandtheit darin. Ihrer ist eine harte Arbeit; es ist weder Schönheit noch Zauber darin, und ohne Ernst; - welches Mittel bleibt Ihnen da? Wenn Sie den Eifer aus Ihrem Herzen wegnehmen, von welchem Nutzen sind Sie? Täten Sie nicht besser, den Namen des Amtes niederzulegen, als den Titel zu behalten, wenn Sie seine Pflichten nicht erfüllen? Wären Sie die Verteiler öffentlicher Almosen, so würde Ernst nicht so notwendig sein. Wenn Sie einen Korb voll Brot in einer Hand trügen und in der anderen eine wohlgefüllte Börse, so würden die Leute Sie begrüßen und willkommen heißen, ob Sie ernst wären oder nicht. Es würde wenig bedeuten, was für ein Liebesfeuer in Ihrem Herzen wäre; die Leute würden mit den Broten und Fischen zufrieden sein und Ihre Wünsche könnten ganz wohl erfüllt werden. Aber da Sie von allen Mitteln, auf solche Weise Gutes zu tun, abgeschnitten sind, weil es nicht Ihre Aufgabe ist, so frage ich Sie, wie können Sie hoffen, dass die Leute Gutes von Ihrer Hand empfangen werden, wenn Ihre Herzen kalt gegen sie sind und gleichgültig gegen Ihre heilige Sache? In anderen Ämtern mag etwas getan werden, wenn das Herz kalt ist; nichts, das gebe ich zu, was vor Gott annehmbar ist, aber doch ein Etwas, das wie Erfolg aussieht; aber in Ihrer Sache kann nichts geschehen, wenn nicht die ganze Seele durch und durch mit dem heiligen Öl getränkt ist und dann in Flammen gesetzt wird, als wären Sie eine einzige Lampe aus Licht und Feuer bestehend.

Lassen Sie mich nun fragen, was können Sie tun, wenn Sie in der Straße umhergehen, an die erste Tür anklopfen und hineingehen? Welche Entschuldigung haben Sie dafür, dass Sie in das Haus eines Mitbürgers hineingehen, wenn Sie nicht im heiligen Ernst sind? Sie haben kein amtliches Recht, in sein Haus einzutreten. Ihr Amt als Stadtmissionar gibt Ihnen nicht mehr Recht dazu, als das Amt eines Handelsmannes oder irgendeines öffentlichen Beamten. Ihre einzige Befugnis ist diese, dass Sie fühlen, Sie haben einen Ruf von Gott, den Bewohnern des Hauses zu sagen, dass sie dem zukünftigen Zorn entfliehen möchten; aber wenn Sie keinen Ernst haben, so ist das ein klarer Beweis, dass Sie keine Vollmacht von Gott zum Eintritt besitzen. Was sind Sie anders, als ein Eindringling in das Haus, wo man Sie nicht zum zweiten Male brauchen wird. Wenn Sie nicht im Ernst sprechen, so wird der Bewohner sagen: „Dieser Mann hat es auf sich genommen, mich zu besuchen, und ich will es auf mich nehmen, dass er es nicht soll.“ Wenn Sie aber im Ernst sprechen, so können Sie billigerweise

„Wie wenig ich auch hoffen, dass man sagen wird, um die Besuche dieses Mannes gebe, er wird doch kommen, und wird unglücklich sein, wenn ich es nicht erlaube; so ist's besser, ich höre ihm zu und lasse ihn wiederkommen.“ Ich sage, Ihr Amt ist ein Eindringen in das Privatleben eines Mitbürgers, falls Sie nicht mit heiligem Ernst dasselbe erfüllen; haben Sie diesen nicht zu Ihrer Entschuldigung, so wird Ihr Amt bald verächtlich werden in den Augen derer, die Sie besuchen.

Sie, meine liebe Freunde, haben als Missionare überdies Ernst nötig; denn wie ist es möglich, dass Sie der Kirche Rechnung ablegen können, wenn Sie ihr nicht wirklich mit all Ihrer Macht dienen? Es liegt immer auf Ihnen und auf mir etwas, was einige der Ungöttlichen als ein Odium betrachten: sie sehen uns als bezahlte Diener der Kirche an. Wir sind das und halten es für keine Unehre. Die Kirche bezahlt uns nicht, was unsre Dienste wert sind. Besonders in Bezug auf Sie ist das wahr. Ohne Zweifel würde die Kirche es tun, wenn sie die Mittel dazu hätte, und sie sollte es, wenn es in ihrer Macht stände: aber insofern wir bezahlte Diener der Kirche sind, nehmen wir Geld, worauf wir kein Recht haben, wenn wir nicht mit vollem Ernst arbeiten. Ich sage, dass mein jährliches Einkommen ein Raub an der Kirche ist, wenn ich ihr nicht mit ganzer Seele diene: und so ist es mit dem Ihrigen; wenn Sie nicht Ihr ganzes Herz in Ihr Werk hineinlegen, so haben Sie Brot umsonst gegessen; Sie haben Geld für Dienste genommen, die Sie nicht geleistet. Die Kirche unterhält Sie und mich nicht, dass wir Bilder zum Anschauen seien, sondern Diener zum Arbeiten. Wir werden nicht besoldet, damit wir bloß routinemäßig arbeiten, sondern damit wir Leib, Seele und Kraft dem Werk des Meisters hingeben und umso besser dazu im Stande sind, wenn wir von den Sorgen dieses Lebens befreit werden. Wie können Sie der Kirche denn Rechnung ablegen, wenn Sie ohne Ernst sind?

Aber vor Allem, welche Rechenschaft sollen Sie und ich zuletzt unserm Gott geben, wenn wir sorglos und unbekümmert an unser Werk gehen? Wie sollen wir vor dem Richterstuhl bestehen? Wie sollen wir's ertragen, wenn er spricht: „Ich sandte euch zu Sündern, die dem Verderben nah waren, und ihr suchtet nicht, sie zu retten. Ich sandte euch im Namen Dessen, der da blutete, und ihr hattet keine Augen zu weinen. Ich hieß euch zeugen in meinem Namen, und „die Menschen überreden,“ (2. Kor. 5, 11. engl. Üb.) als wenn ihr die Schrecken des Herrn fühltet, aber ihr überredetet sie nicht; ihr versäumtet Gelegenheiten, Gutes zu tun; ihr vernachlässigtet Zeiten, wo das Herz empfänglich war und wo ihr die Wahrheit hättet eindrücken können; und nun sind sie in der Hölle! Die Tausende eures Distrikts - da sind sie, weinend und heulend und zähneknirschend - die Sünder, welche in den Straßen und Höfen und Häusern waren, welche ihr besuchen solltet.“ Was sollen wir, Sie und ich an jenem Tage sagen? Was wird der untreue Prediger zu sagen wagen? Werden nicht seine Knie zu beben beginnen vor unaussprechlicher Furcht? Wird nicht eine doppelte Hölle, eine Hölle, vervielfältigt im Verhältnis zu der Zahl der Seelen, welche durch ihn verdammt wurden, sofort seine Seele ergreifen? O, besser wäre es für uns, dass wir nie geboren wären, dass ein doppelter Mühlstein um unsern Hals gebunden würde und wir ins Meer geworfen, wo es am tiefsten ist, als dass wir Prediger und Missionare für Christum wären und unser Herz nicht in das Werk hinein legten. Ich bitte und flehe Sie und indem ich das tue, erhebe ich mein Herz zu Gott, dass ich fähig gemacht werde, selber zu tun, was ich Sie zu tun bitte Was ihre Hand findet zu tun, tun Sie es mit all Ihrer Macht, und was Gott Ihnen zu tun gibt, tun Sie es, wie ein Mann es würde, der wüsste, dass er sterben werde, sobald er es getan. Leben Sie jeden Tag, als wenn dieser Tag das Ende des Lebens hienieden wäre, und sein Sie bereit zu sterben, wenn jeder Besuch vorüber ist, als wenn das Ablegen Ihres Rockes am Abend das Signal wäre für das Anlegen Ihres Leichenkleides, dann werden Sie sicher zum Nutzen leben und „Gott, unser Gott wird uns segnen; Gott wird uns segnen und das frühe.“

Aber nun erlauben Sie mir zum zweiten Teil meines Themas mich zu wenden, den ich schon berührt habe. Es gibt Teile Ihres Amtes, die Ernst von Ihnen fordern müssen. Ich habe schon einen erwähnt, nämlich die Hausbesuche, nun lassen Sie mich es wiederholen, Ihr „Haus bei Haus“ besuchen ist ein unbefugtes Eindringen, wenn Sie nicht von Gott die Mission haben, dies Haus zu betreten. Die Vollmacht des Himmels erlaubt mir, überall hin zu gehen; wie der Sheriff mit der Vollmacht Ihrer Majestät jedes Haus betreten kann, so können wir es mit der Vollmacht des Königs der Könige. Aber diese Vollmacht haben Sie nicht und Sie werden nicht die Unverschämtheit haben, zu denken, dass Sie dieselbe besitzen, wenn es Ihnen nicht Ernst ist, Seelen für Christum zu gewinnen. Nun, ich nehme an, dass jeder Missionar hier die gleiche Antwort auf eine Frage geben wird, die ich im Begriff bin, zu stellen, Was ist der Zweck Ihres Lebens? Ich nehme nicht an, dass irgend Jemand hier eine andere Antwort geben würde, als diese Eine: „Der Zweck meines Lebens ist, Seelen zu gewinnen.“ Ich glaube nicht, Brüder, dass Sie sagen würden: „Mein Zweck ist, die Leute dahin zu bringen, dass sie hingehen, wo ihre Seelen gewonnen werden können, indem wir sie bitten, das Gotteshaus zu besuchen.“ Ich meine nicht, dass Sie sagen würden, Mein Zweck ist, die Kinder zur Sonntagsschule zu bringen.“ All dieses würde wahr sein; dies sind mittelbare Zwecke und sehr wichtige Dinge in der Tat. Indes, Sie würden sagen: „Nein, das direkte und besondere Ziel meines Lebens ist die sofortige Bekehrung der mir anvertrauten Seelen.“ Sie haben die Höhe Ihrer Stellung nicht erreicht, wenn Sie das nicht sagen können. Ich habe oft an Sonntagsschullehrer gedacht; in der Tat, es gibt Viele, die sagen, sie lehren in der Schule, um das Gemüt der Kinder für die Predigt vorzubereiten. Ich glaube, der Zweck alles wahren Sonntagsschullehrens ist die sofortige Bekehrung der Kinderseelen. Und so ist es mit Ihnen; sie sollen nicht sagen: „ich soll diese Leute auf eine andere Stufe heben.“ Nein, Ihr Ziel ist in der Hand Gottes, des Heiligen Geistes, und möge Gott in seiner eigenen göttlichen Unumschränktheit diese reiche Salbung auf sie hernieder senden, Ihr Ziel ist, dass diese Seelen nun zu Gott bekehrt werden mögen und durch Sie. Ich sage es in tiefem Ernst, obgleich es ein Hartes sein mag, wenn nicht Seelen durch Sie bekehrt werden, so haben Sie vergeblich gelebt; wenn Sie nicht persönlich in der Hand Gottes das Werkzeug sind, Seelen zu Christo zu bringen, so haben Sie nicht dem Zweck Ihres Daseins entsprochen, viel weniger dem Ihres Amtes. Es wird vergebens für Sie sein, zu sagen, „Ah! aber ich bewog Den und Den, das Gotteshaus zu besuchen und er ward bekehrt.“ Sehr wohl, Sie taten wohl; aber Sie taten nicht das, wonach Ihre Seele trachten und sich sehnen. sollte. Ich kann es verstehen, wenn ein Stadtmissionar wenig geistliche Kinder hat; ich kann es verstehen, wenn er eine Zeitlang vergeblich arbeitet; aber ich kann weder einen Prediger noch einen Missionar verstehen, der glücklich ist, so lange er keinen Segen hat. Ich könnte es begreifen, wenn ich predigte und Gott doch den Tau vom Himmel vorenthielte! aber ich könnte nicht begreifen, dass ich etwas weniger oder besser als ein Ungeheuer wäre, wenn ich predigen, und zufrieden und glücklich sein könnte, ohne dass Seelen unter meiner Predigt bekehrt würden. Möge Gott lieber unsern Mund in ewigem Schweigen versiegeln, als uns predigen lassen und damit zufrieden sein, während Seelen verdammt werden! Ich würde es für ein Zeichen des Abfalls, einen wahren Beweis des Verworfenseins ansehen, wenn mein Herz als Prediger nicht nach Seelen schmachtete und nicht in Geburtsschmerzen arbeitete, bis Christus eine Gestalt in ihnen gewönne.

Nun, da ich glaube, dies ist Ihr Zweck, was können Sie ohne Ernst tun? Sie können ohne Latein und Griechisch sein, Sie können ohne Gelehrsamkeit sein, Sie können ohne zehntausend Dinge sein, aber Sie können nicht Seelen gewinnen ohne Ernst. Gott hat manchen Unwissenden zur Rettung von Seelen gesegnet, aber er segnete nie einen kaltherzigen Menschen. Der Herr gebraucht sonderbare Werkzeuge. Ich habe Sünder zu Gott bekehrt gesehen durch Glieder meiner Gemeinde, Männer, die keinen Satz grammatisch richtig sprechen konnten Männer, die gewiss die Schrift in einer Weise falsch zitieren werden, dass ich mich fürchten würde, ihnen zuzuhören; doch habe ich ächte Bekehrungen unter ihnen gesehen. Aber ich sah nie viele ächte Bekehrungen unter einem Mann, wie groß seine Fähigkeit oder wie anscheinend groß auch sein Fleiß, wenn er nicht voll Leben und Feuer war. Wir brauchen Licht; aber mehr als alles brauchen wir Feuer. Wir müssen Johannes dem Täufer gleichen, der ein brennendes sowohl als ein scheinendes Licht war. Sie müssen sich Ihren Weg durch diese Welt brennen; es ist kein andrer Weg, vorwärts zu kommen. Wenn Sie je Gutes für Christum tun sollen, so muss es sein, indem Sie Schwert und Feuer vor sich her tragen; das Schwert des Geistes und die feurige Tatkraft seiner göttlichen Einflüsse. Ohne diese zwei Dinge mögen Sie den Namen tragen, aber Sie werden nie das Amt eines Missionars und Predigers Christi recht ausrichten.

Aber meine liebe Freunde, es ist ein anderer Punkt, in welchem Ernst Ihnen besonders Not tut, und das ist in Ihrem eigenen einsamen Gebete. Die Missionsgesellschaft kann Ihnen nicht vorschreiben, wie viele Stunden Sie im Gebet zubringen sollen; aber wie viele Stunden bringen Sie darin zu? Wir können nicht angeben, wie lange Zeit Sie es sollten; aber ich denke, Feder von uns könnte sich selber fragen, wie viel Zeit brachte ich im verflossenen Jahr auf meinen Knien zu? Es würde ein sonderbares Auszeichnen für uns Alle sein, wenn wir ein Tagebuch halten sollten und niederschreiben, wie viel Zeit wir jeden Tag dem Gebete widmeten. Meine Brüder, wir würden erschrecken, zu sehen, was für eine unermesslich geringe Zeit wir auf unsern Knien zubringen! Der Herr tadelt uns nicht heute wegen Mangel an Predigen, Lehren und Besuchen, aber er tadelt uns, weil wir ihm keinen „süßen Honig“ (Fes. 43, 24) gebracht haben; wir haben ihn nicht mit dem Fetten unsrer Opfer gefüllt im Kämmerlein. Ich fühle es jeden Tag, dass die Macht eines Predigers auf seinen Knien sein muss. Ich weiß in Wahrheit, wenn ich im Beten träge gewesen war, ob ich auch meine Predigt noch so sorgfältig vorbereitet hatte, so bin ich doch machtlos beim Halten derselben gewesen. Ich kann mein Zeugnis ablegen als ein beständiger Prediger des Evangeliums, dass es das Gebet ist, was die Menschen stark macht. Und es muss ebenso mit Ihnen sein. Wenn Sie ohne Gebet an die Arbeit gehen, so bemitleide ich Sie, Brüder, ich bemitleide Sie; aber wenn Sie ohne Gebet von Ihrer Arbeit zurückkehren können, so kann ich nicht nur bemitleiden, sondern tadeln. Soll ich Sünde in ihrer nackten Missgestalt sehen und nicht zu Gott beten, sie hinwegzutun? Soll ich berufen sein, täglich inmitten der dichten ägyptischen Finsternis dieser Stadt zu wandeln und nicht zu der Sonne der Gerechtigkeit schreien, dass sie aufgehen möge? Kann ich am Bette des Sterbenden stehen und dort ein Gebet darbringen und heimkehren, ohne für denselben zu beten? Wenn ich das kann, o, erforsche mich, Herr; denn es mag sein, dass ich im Grunde nur ein Heuchler bin und deine Wahrheit nicht in mir ist. Sie, die das Übel sehen, die in unmittelbare Berührung mit demselben kommen, ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie je von irgendwelchem Nutzen sein werden, wenn diese Berührung mit dem Bösen Sie nicht auf die Kniee treibt; und wenn Sie da den Ernst verlieren, wenn Sie aufhören, viel im Kämmerlein zu sein, so täten Sie besser, Ihr Amt niederzulegen; des bin ich gewiss. Jeder Tag, an dem Sie es behalten, fügt Sünde zur Sünde hinzu; und jede Stunde, die Sie darin bleiben, vergrößert nur Ihre Missetat und betrübt den Heiligen Geist. Nehmen Sie sich in Acht, dass er nicht weicht und Sie allein an ihr Werk gehen lässt, und dann, was wollen Sie dann tun?

Und ferner, meine liebe Freunde, bin ich sicher, dass Sie ganz besonders Ernst vonnöten haben in Ihren Hausversammlungen. Die Missionsgesellschaft hat eine Fiction, dass es Ihnen nicht erlaubt sei, zu predigen. Sie Alle predigen, Jeder von Ihnen. Sie nehmen keinen Text, keinen einzelnen Text, aber Sie legen die Schrift aus; und das ist eine Unterscheidung ohne eine wahrnehmbare Verschiedenheit, soweit ich beobachten kann. Aber Ihr Lehren und Predigten ist verschieden von dem der Pastoren in dieser Hinsicht: - wir können eine große Zuhörerzahl haben, und es ist nur ehrlich zu sagen, dass es eine Art Aufregung für den Sprechenden ist, wenn der Platz wohl gefüllt ist, besonders wenn es ein geräumiger ist. Ich habe Einige sagen hören, sie glaubten, sie könnten sehr leicht predigen, wenn sie dreitausend hätten, die ihnen zuhörten. Ich wünsche nur, sie möchten es versuchen; sie würden vielleicht finden, dass, während einige Vorteile dabei sind, auf der anderen Seite auch einige Nachteile damit verknüpft sind. Ich möchte diese indes nicht überschätzen. Aber wenn Sie eine Hausversammlung haben, und es sind vier, fünf, sechs da - drei davon kleine Kinder, die schreien - so kann ich nicht verstehen, wie Sie damit fertig werden, wenn es Ihnen nicht voller, tiefer Ernst ist. Stellen Sie sich vor, dass Sie zwanzig haben, und davon der größte Teil Leute, die ganz gleichgültig sind - Männer, die von ihren Frauen bewogen sind, hereinzukommen und zu hören, und welche die ganze Zeit über da sitzen, als wenn sie wünschten, wieder hinaus und im Wirtshause zu sein. Sie sprechen, Sie lesen die Schrift, Sie erzählen eine Anekdote, Sie blicken sich um und wünschen, jener Mann dort in der Ecke möchte aussehen, als wenn er einigen Anteil daran nähme, aber er tut es nicht; Sie zerbrechen sich den Kopf, um etwas Anderes zu finden. Treffliche Übung für Sie; sehr heilige Übung für Sie; aber wiederum sehen Sie nur wenig Wirkung hervorgebracht. Nun, meine lieben Brüder, wenn Sie nicht ganz lebendig in dieser Sache sind, wenn Sie, um es kurz zu sagen, nicht entschlossen sind, nach Ihrem Gewissen zu handeln, so werden Sie heimgehen und sich sehr elend fühlen, weil es Ihnen an jener durch eine große Versammlung erzeugten Begeisterung fehlt, an dem frischen Hauch der Öffentlichkeit; und wenn Sie nicht mit dem Heiligen Geist gefüllt sind und mit Feuer aus der Höhe, so werden Sie unglücklich in Ihrem Amte sein, und ich bin des sicher, auch keinen Erfolg haben. Wenn Sie wirklich ernst sind, so könnte ich mir denken, dass jene Männer, die früher nie das Wort gehört haben, die besten Hörer in der Welt sind. Sie sind Menschen gleich, deren Augen eben erst aufgetan sind, sie sehen die Sterne und wie groß ist ihr Erstaunen! Es sind keine schon gegen das Evangelium verhärtete Sünder, die Sie haben; es sind nicht Männer, denen das Evangelium ins Ohr getrommelt ist, bis sie durch seinen Einfluss taub geworden; sondern wenn sie sehen, dass Sie es ernst meinen, so kritisieren sie nicht Ihre Sprechart und zerhacken nicht Ihre Worte, hören vielmehr ernst zu, und Gott wird Sie segnen. Er muss Sie segnen. Er gab nie einem Manne Ernst, Seelen zu gewinnen, ohne dass er beabsichtigte, dass die Seelen gewonnen und zu Christo gebracht werden sollten.

Aber wiederholen muss ich, in all diesen Dingen, die Ihnen als Missionaren obliegen, kann ich gar keine Hoffnung für Sie sehen, wenn es Ihnen nicht furchtbarer Ernst ist; wenn Sie nicht, als ob Leben und Tod, als ob Ewigkeit und Gericht vor Ihren Augen wären, willig sind, zu leben und zu sterben, um Seelen zu gewinnen. Sie können Ihr Tagebuch schreiben und es sehr anständig aussehen machen, und doch kein Gutes tun. Sie können Ihre Besuche abstatten, gerade wie ein belebter Leichnam an den Türen herumgehen könnte; je mehr Besuche, desto mehr Sünden für Sie in solchem Falle. Sie mögen dastehen und gelobt werden von den Beamten der Gesellschaft; und wenn diese all ihre Urteilskraft gebrauchen, mögen sie doch nicht im Stande sein, das zu entdecken, woran es Ihnen fehlt. Aber, o! meine Brüder, Gott kann Sie nicht annehmen und vor ihm werden Sie und ich stehen müssen. Es ist wenig für uns, wenn Menschen uns annehmen; es ist wenig für uns, wenn wir für fleißig und ernst gehalten werden; die große Sache ist, es zu sein und jenes Zeugnis in unserm Gewissen zu besitzen, dass wir in aller Aufrichtigkeit, wie vor den Augen Gottes, dem Herrn Jesu Christo gedient und gesucht haben, seine verlorenen Schafe zur Herde zurückzubringen.

Nun will ich noch einige Minuten bei den Dingen verweilen, die Hindernisse und Entmutigungen für Ihren Ernst sind. Eins der ersten ist die Gewohnheit. „Gewohnheit!“ sagen Sie „können heilige und religiöse Gewohnheiten je dem Eifer entgegen sein?“ Ja, meine Erfahrung lehrt mich das. Ich ertappe mich oft darüber, beim Lesen der Schrift zu meiner eigenen persönlichen Erbauung, dass ich die Sprüche darauf ansehe, was für eine Art Text sie abgeben möchten; und ich muss bekennen, dass ich in meinem Privatgebete, wenn ich meine eigenen Angelegenheiten vor Gott bringe, einen starken Einfluss spüre, der mich davon abzieht und mich drängen will, mehr als Prediger denn als Mensch zu beten. In meiner Erfahrung ist es eine der größten Schwierigkeiten, meinen eigenen Weinberg mit Wasser zu versorgen, während ich damit beschäftigt bin, die Weinberge Anderer zu versehen. Ich weiß nicht, ob Sie je so gefühlt haben; aber da Sie zuerst als junge Missionare ausgingen, war nicht etwas Feierliches und Furcht-Erregendes dabei, als Sie Ihre erste Runde machten? Erinnern Sie sich nicht, wie Sie an dem Morgen beteten? Mich sollte es nicht wundern, wenn Sie früh aufgestanden wären, um eine besondere Zeit zum Gebet zu haben. Wohl, es gelang Ihnen vielleicht das erste Mal nicht zu Ihrer Zufriedenheit. Gedenken Sie nicht jener heiligen Unruhe, welche Sie fühlten - jener Traurigkeit im Innern - weil Sie nicht konnten, wie Sie wollten?

Brüder, fühlen Sie die jetzt? Warum nicht? Es ist gewiss kein guter Grund dafür da. Die Wahrheit ist: wir sind solche Geschöpfe, dass die gute Gewohnheit geholfen hat, die gute Sache zu ersticken, und wir müssen beständig dagegen ankämpfen, sonst werden wir zuletzt dahin kommen, dass wir nur wie das blinde Pferd sind, das stets im Kreise um das Mühlrad herum geht; möge Gott uns davor behüten!

Ich möchte an die nächste Predigt, die ich zu halten habe, mit demselben heiligen Zittern, mit derselben völligen Abhängigkeit von der Hilfe des Geistes gehen, wie ich es tat, wenn ich als ein Jüngling oder Kind von sechszehn Jahren aufstand, eine Versammlung anzureden. Aber ich fühle, dass es schwer ist, sich darin zu erhalten. Man fängt an zu denken: „Wohl, ich habe es so viele Male getan, ich werde jetzt nicht stecken bleiben.“ Genau diese Gedanken durchkreuzen nicht wirklich die Seele, oder wenn sie es tun, fliegen sie so rasch vorüber, dass man sie nicht wahrnimmt; aber sie lassen einen Eindruck zurück. Man kommt dahin, jede religiöse Pflicht wie ein Automat zu vollziehen. Wenn wir nicht sehr sorgfältig auf uns achten, so werden wir einer aufgewundenen Maschine gleich, und sind ungefähr wie die Spielzeuge, welche unsre Kinder zuweilen haben, die nur eine gewisse Menge Sand obenauf brauchen, dann laufen sie, bis sie abgelaufen sind. Nun, vor allen anderen Dingen müssen wir dagegen ankämpfen und anstreben. Ich hasse Pastoralismus, aber ich fühle ihn immer herankriechen. Man steigt auf die Kanzel und beginnt zu fühlen, dass man nicht ist, wie andre Menschen. Ich liebe es, wenn ich kann, als Sünder zu Sündern zu predigen; als Einer, der aus Gnaden errettet ist, von der Liebe zu reden, die Christus für mich, den vornehmsten der Sünder und allergeringsten unter den Heiligen, hat. Nun, ich zweifle nicht, dass Sie, sobald Sie das kleine Buch hervorholen, das Sie mitnehmen - sobald das nur in Ihrer Hand ist sich als Missionar fühlen und nicht als einen aus Gnaden erretteten Sünder. Aber ich bitte Sie, fühlen Sie sich nicht als Missionar; fühlen Sie sich als Sünder, der in dem Blute Christi gewaschen ist. Sie werden nie Gutes ausrichten, wenn Sie an Ihr Werk ex officio gehen; Sie müssen an dasselbe gehen ex anima; nicht weil es Ihr Amt ist, sondern weil Ihre Seele darin ist; weil Ihr Herz nach den Sündern verlangt, weil Sie dieselben errettet sehen müssen. Kämpfen Sie nicht gegen die Gewohnheiten diese sind gut - sondern gegen jene böse Neigung, die der Satan, der ungemein listig ist, auf eine oder andre Weise unsern besten Gewohnheiten anzuheften pflegt.

Einige von Ihnen haben vielleicht wider einen anderen großen Dämpfer Ihres Eifers zu streiten, nämlich dass Sie mit kaltherzigen Leuten in Ihrer Arbeit zusammengejocht sind. Ich kann begreifen, dass es für einen Missionar ein großes Hindernis sein muss, wenn der Oberaufseher seines Distrikts Jemand ist, der nicht von Herzen mit ihm in Christi Werk vorwärts geht. Wir wollen nicht voraussetzen, dass viele solche da sind, aber es muss einige solche geben. Wenn Sie sehen, dass sich hier eine Gelegenheit auftut für eine Armenschule1), wenn Sie denken, dass dies und das hier mit größter Hoffnung auf Erfolg unternommen werden könnte, - und dann sogleich kalt Wasser darauf gegossen wird, so kann ich begreifen, dass es Ihnen schwer ums Herz ist, und dass Sie sich auf die Knie werfen und vor Gott wünschen, dass Sie Jemand hätten, der so schnell liefe, als Sie zu laufen wünschen, und Ihnen hilft, wie Sie es möchten. Mir ist bange, dass ich selbst mitunter in dieser Hinsicht schuldig bin. Es ist mir eine große Freude, dass ein oder zwei treffliche Missionare mit mir in Verbindung stehen. Ich glaube, ich gebe ihnen nicht immer einen so herzlichen Händedruck oder ein so freundliches Lächeln, wie sie es wünschen; aber ich denke, sie wissen, dass es gewöhnlich Vergesslichkeit ist und nicht Mangel an Teilnahme für ihr Werk. Wenn ich eine Versammlung von Predigern hier hätte, welche Oberaufseher der Stadtmission wären, würde ich ihnen sagen: „Sagen Sie immer dem Missionar ein freundliches Wort und, wenn Sie nicht in all seinen Plänen mit ihm gehen können, gehen Sie jedenfalls soweit Sie nur können.“ Sie werden ohne Zweifel auch in Ihrem Distrikt mit christlich Gesinnten in Berührung kommen, die verächtlich auf Sie herabsehen; die denken, dass Ihr Amt eine Neuerung ist, oder die, wenn sie den alten Anachronismus überwunden haben, doch meinen, dass Sie vielleicht Eindringlinge sind oder dass Sie zu viel tun. Nun, meine lieben Brüder, Sie sind keine Kinder, Sie sind keine Knaben und lassen sich nicht durch etwas der Art irre machen, wenn Sie Gott zu dienen haben. Sie erwarten nicht, dass Sie Christo ernstlich dienen können, ohne Widerspruch anzutreffen, nicht wahr? Sonst würden Sie in bitterem Irrtum befangen sein. Lassen Sie mich Ihnen die Versicherung geben, dass in Christi Kirche ein Jeder, der eifriger ist als seine Mitbrüder, zuerst größeren Widerspruch von der Kirche als von der Welt erfahren wird. Lassen Sie ihn indes nur ausharren; lassen Sie ihn die heilige Prüfung und die Feuerprobe bestehen, die Gott ihm verordnet hat, damit er bereitet werde, seinen Sitz unter den Helden der christlichen Kirche einzunehmen; lassen Sie ihn nur fest bleiben, dann wird die Kirche seine beste Freundin werden. So werden Sie es finden; wenn einige Christen da sind, die Sie schelten und zurückhalten - wenn Sie nur beharren, so werden grade diese Ihre besten Helfer werden. Sie haben nur ihre Schüchternheit oder ihre Vorsicht und ihre Klugheit zu überwinden; Sie können das nicht dadurch, dass Sie dieselbe verachten; nicht durch Verspotten derselben sondern durch feste, aber heilige Ausdauer. Sie werden selbst die schüchternsten unter den Streitern des Herrn dahin bringen, zu fühlen, dass, wo Einige siegreich vorwärts gehen können, sie es wagen müssen, zu folgen, damit auch sie Anteil an dem Segen Gottes haben mögen, der mit Ihnen ist. Wir wünschen Ihnen das Herzlichste Mitwirken aller Prediger Christi; und ich bitte, dass wir Alle, die wir zu Aufsehern der Distrikte berufen sind, Ihre ernstliche Fürbitte haben mögen, dass wir Helfer und nicht Hinderer Ihres Werkes seien.

Ohne Zweifel gibt es noch ein Anderes, was mehr als alles Genannte droht, Ihren Eifer auszulöschen, und das ist ein scheinbarer Mangel an Erfolg. Sie haben sich vielleicht die Bekehrung dieses oder jenes Mannes als Ziel gesetzt. Sie meinen, er sei Ihnen aufs Herz gelegt. Sie tun alles, was in Ihrer Macht steht, und der Mann wird noch verhärteter als zuvor. Da ist eine Hintergasse, in die Sie ein wenig Licht zu bringen wünschen; aber es scheint, die Leute sind entschlossen, dass Sie nicht hineinkommen sollen und schließen Ihnen die Türe ins Gesicht. Sie erfinden eine Menge kleiner Pläne, hineinzukommen; Sie stecken einen Traktat ins Schlüsselloch oder des etwas, und es gelingt Ihnen doch nicht. Alle Ihre Anstrengungen sind vergeblich; gleich Wellen, die an einen Felsen schlagen, werden sie in Schaum verwandelt und kehren wieder zu Ihnen zurück. Ah! lassen Sie mich nun sagen - ich spreche, wie ich hoffe, nicht bloß zu Männern, sondern zu christlichen Männern sollen Sie und ich je entmutigt werden und unser Werk aufgeben, weil wir keinen unmittelbaren Erfolg sehen?“ Wir wollen bekümmert sein, aber nicht entmutigt. Meine Brüder, wie lange warb Jesus Christus um unsre Herzen, ehe er sie gewann? Wie viele Male klopfte er an unsre Türe an, ehe sie ihm aufgetan ward? Und wenn sie jetzt Seinem Kommen geöffnet ist, was war es anders, als Seine mächtige Gnade, die sich einen Eingang in das Herz verschaffte, das fest wie Jericho gegen ihn verschlossen war? Wenn wir denn die Geduld des Königs der Könige so auf die Probe gestellt, wenn wir den Heiligen Geist betrübt haben, so ist es eine sehr einfache Sache, wenn unsre Geduld geprüft und wir betrübt werden. Dann lassen Sie uns denken, je länger wir uns um eine Seele bemühen, desto köstlicher wird sie uns sein, wenn wir sie zuletzt erhalten. Je mehr wir zu arbeiten und uns anzustrengen haben, um das Juwel aus der Grube hervorzuheben, desto herrlicher wird es in unsrer Krone schimmern, wenn Christus, der Richter, kommen wird. Kommt, wir wollen uns nicht durch diese Dinge abhalten lassen; sondern lieber die Stimme Gottes hören, der zu uns spricht, wenn wir mit einer besonderen Schwierigkeit zu kämpfen haben: „Hier ist ein Fall für verdoppelten Eifer. Hier ist ein hoher Berg, es tut Not, dass Du fleißig im Hinausklimmen bist. Ist ein Wasser da? Dann musst Du mit kräftigem Arm dem starken Strom Dich entgegenstemmen.“ - Je mehr Schwierigkeiten, desto mehr tut's Not, dass wir den ganzen Menschen in das Werk hineinstellen. Anstatt eines Grundes gegen den Ernst, sollte es der stärkste Antrieb dazu sein. Ich habe jetzt sieben Jahre lang das Evangelium in London gepredigt, und ich fand mich gezwungen, neulich Sonntags zu sagen, ich sei ungefähr wie Jakob, der sieben Jahre um Rahel diente, und Lea statt dessen erhielt. Nun, Sie werden vielleicht dasselbe finden. Ich meinte damit, dass Einige meiner Zuhörer seien, von denen ich gehofft, sie würden errettet werden - ich hatte sie immer darauf angesehen, dass sie bald Siegel meines Amtes sein würden; aber sieben Jahre ernster Ermahnung, und sie sind nicht errettet, obgleich der Herr mir viele Andere an ihrer Statt gegeben. Wohl, es mag so mit Ihnen sein. Grade wo Sie dachten, es würde Ihnen fehlschlagen, wird es Ihnen gelingen; und ein Mann, den Sie als hoffnungslos aufgegeben, wird wahrscheinlich der sein, welcher den Wunsch Ihres Herzens erfüllen und Ihre Hoffnung auf die Macht des Evangeliums stärken wird, weil es die Macht hatte, einen Solchen, wie er, zu retten.

Ich fürchte, dass ich Sie ermüde und deshalb will ich schließen, indem ich Ihrem Eifer einige Ermutigung gebe. Es sind Ursachen da, warum unser Eifer und Ernst größer werden sollte denn je. Kaum brauche ich sie zu erwähnen, ausgenommen, um sie herzuzählen und Sie durch die Erinnerung daran aufzumuntern.

Brüder, wir müssen es ernst nehmen, weil wir selbst der reichen, freien und unumschränkten Gnade Gottes so viel schulden. Lassen Sie uns heute Morgen jener ersten Stunde gedenken, da unsre Sünden vergeben wurden. Sie ist Einigen von uns frisch und lebhaft im Gedächtnis. Wir erinnern uns des, als die Bürde von unsern Schultern fiel; als wir die Wunden Christi sahen und wussten, dass wir Sein waren. O, jener selige Morgen! Jener selige Morgen! Was für Prediger wären wir gewesen, wenn wir da, in der Stunde auf die Kanzel gestellt wären! Was für Stadtmissionare wären wir gewesen, wenn wir in demselben Augenblick gesandt wären, einem Hause zu verkünden, was Christus für uns getan! Und damals, Brüder, waren wir nur noch für Einen getilgten Posten dankbar, und jetzt ist die Rechnung so lang, dass wir sie nicht messen können. Und lieben wir Ihn nun weniger, als damals? Als Er nur noch unsre Missetaten von uns genommen hatte, liebten wir ihn; und jetzt, da er nicht nur gnädig unsre Krankheiten geheilt, sondern unsern Mund mit guten Dingen gefüllt, uns wieder jung gemacht wie die Adler, sollen wir da ihn weniger lieben? Ich sage, Gott verhüte es! Und doch halte ich es für fraglich, Brüder, ob wir zu unserm Werke gehen, wie wir es tun würden, wenn dies der erste Tag unsrer Bekehrung wäre. Kommen Sie, sage ich, und gedenken Sie daran, wo Sie waren; denken Sie an die „grausame Grube und den Schlamm“ (Psalm 40, 2.) Denken Sie auch daran, wo Sie sind. Setzen Sie Ihren Fuß nieder auf den Fels des Heils und fühlen Sie, dass Sie sicher in Christo sind. Blicken Sie auf Ihre Gewänder, bekleidet mit Seiner Gerechtigkeit. Blicken Sie auf Ihre Nahrung - gespeist mit dem Brote vom Himmel und mit dem Leibe und Blute Christi. Denken Sie an Ihr Ende und an das, was für Sie bereitet ist - die Wohnungen der Seligen in dem Lande der Ruhe jenseits. Und macht dies alles Sie nicht fühlen, dass Sie völlige Schuldner Christi sind, tief ihm verpflichtet? O, was danken wir Dir nicht, Jesu, was danken wir Dir nicht! Wenn wir unsere Leiber hingeben könnten zum Verbrennen; wenn dies Fleisch von Hunden gefressen und von den Knochen abgerissen werden könnte, so würde es ein geringes Opfer für Dich sein. Und wenn wir den Himmel für Dich aufgeben könnten; wenn wir Jahrhunderte von demselben fern gehalten würden, um für Dich zu predigen, zu lehren und zu leiden, so könnten wir wohl zufrieden sein und es für zwei Himmel halten, auf eine Weile den Himmel zu verlieren, wenn wir dadurch besser unsre Liebe zu Dir bezeugen könnten. Wenn irgendeiner unter Ihnen ist, der Jesu nichts schuldig ist, dann hat dieser Grund keine Kraft für ihn. Wenn Jemand unter Ihnen ist, der nicht in Seinem Blut gewaschen ist; wenn Jemand unter Ihnen ist, der durch sein eignes Verdienst selig werden will, oder durch seine eigne Kraft, der hat keinen Beruf, es ernst zu nehmen; es tut nicht not, dass ein Solcher sein Herz Christo ergibt. Aber hier ist kein Solcher; deshalb „legen Sie dar und werden Sie dargelegt,“ ein Feder von Ihnen: und möge der Herr das Opfer annehmen durch Christum, den großen Hohenpriester.

Als einen ferneren Grund lassen Sie mich sagen, Brüder, wie ernst sollten wir sein, weil unsre Seelen nicht anders der Seele Christi gleichgestimmt sein können. Ich sehe Ihn jetzt auf dem Berge stehen. Er blickt auf die Stadt hernieder; Er sieht das vergoldete Dach des Tempels und die Straßen, und Er weint. Er sieht die gänzliche Zerstörung der Stadt, schön gelegen, „die Freude der ganzen Erde“ (Ps. 48, 3.) voraus. Im Geist sieht Er ihre Straßen von Blut gerötet und ihren Tempel schon in Flammen; und was sagt Er? Verhärtet Er Sein Herz durch Gedanken an die göttliche Unumschränktheit? Steht Er da verknöchert und mit trocknem Auge, in dem Gefühl, dass dies vorherbestimmt ist und sein muss und dass er deshalb nicht zu weinen braucht? Nein, wir glauben, dass Christus das Geschick Jerusalems vorher wusste, aber Er weinte doch darüber. Aus Seinen Augen rannen die Tränen; sie machten sich Furchen seine Wangen herab; aber zuletzt brach Er in leidenschaftlichem Kummer aus: „O Jerusalem, Jerusalem, wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt.“ Nun wenn Ihr Herz nicht ebenso fühlt, so ist es nicht im Einklang mit Christi Herzen. Es muss dasselbe Weinen, dasselbe Sehnen, dasselbe Ängsten da sein, sonst haben wir keine Gemeinschaft mit Christo in dem großen Zweck und Ziel Seiner Menschwerdung der Rettung der Menschenseelen. Sagen Sie mir nichts von Ihrer Gemeinschaft mit Ihm im Betkämmerlein; sagen Sie mir nichts von Ihren Entzückungen und Ekstasen, wo ihre Seele gleich den „Wagen Amminadibs“ gewesen. Diese Dinge sind gesegnet, wenn sie mit den anderen verbunden sind; aber, wenn Sie nicht Gemeinschaft mit Christo in der Arbeit haben, Gemeinschaft mit Ihm in Ausdauer, Gemeinschaft in Leiden, so gebe ich nichts um Ihre Entzückungen oder Ihre Träumereien; es sind hohle und trügerische Dinge. Wenn Sie mit Christo gearbeitet haben, dann wundre ich mich nicht, wenn Sie zuweilen mit Ihm weiden, „der unter den Lilien weidet,“ und dass Sie in köstlichen Augenblicken sagen können: „Seine Linke liegt unter meinem Haupt und seine Rechte herzet mich.“ O, lasst den Gekreuzigten vor einem Jeden von uns heut Morgen stehen! Ich denke, ich sehe Ihn und Er blickt mich an und spricht: „Ich gab mein Blut, um Sünder zu retten, willst du nicht auch dein Leben geben?“ Und wenn ich mich schwach und müde fühle, so scheint mir, dass Er Seine Hand auf mich legt und sagt: „Du Menschenkind, ich habe dich gesetzt, zu dieser Menge zu sprechen, denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt, sei stark und fürchte dich nicht; bei meinen Wunden bitte ich dich, sei getreu bis in den Tod.“ Bei den Wunden Jesu, bitte ich Sie, Brüder; „bei Seiner Todesangst und blutigem Schweiß, bei Seinem Kreuz und Leiden, bei Seinem teuren Tod und Begräbnis, bei Seiner glorreichen Auferstehung und Himmelfahrt,“ in Seinem Namen bitte ich Sie, seien Sie getreu bis in den Tod, so werden Sie die Krone des ewigen Lebens ererben.

Was für andre Gründe brauche ich zu geben? Wir müssen nun zum Schlusse kommen, aber wir müssen noch diesen einen geben: Mitarbeiter für Christum, lassen Sie uns heute Morgen unsern Eifer erneuern, wenn wir an unsre edlen Gefährten denken. Es ist oft nützlich, gute Lebensbeschreibungen zu lesen. Wenn ich Wesleys „Tagebuch“ oder Whitefields „Leben“ lese, fühle ich immer, dass ein Einfluss mit diesem Lesen verbunden ist, ähnlich dem, der beim Lesen der Schrift selber ist. Ich meine, nicht so göttlich, aber doch kräftigend, ob auch in geringerem Grade, für meinen Geist. Denken Sie an Einige, die in Ihren Reihen standen, die Gott gesegnet und reich begnadigt hat. Der Stadtmission fehlt es nicht an Helden. Ich meine, wenn die Kirche singen wird von der heiligen Apostel Zahl“ und „den teuren Märtyrern allzumal,“ so wird noch in ihr Lied ein Lob für jenes herrliche Heer von Missionaren eingefügt werden müssen, die zu Gott hinaufgegangen und Ihn vor seinem Throne preisen. Ich denke, dass Sie, mit Ihrer harten Arbeit weilen mit Ihrer Armut, aber Sie sind reich mit Ihren häufigen Abweisungen und Ihrer Ausdauer, mit Ihrem mitternächtlichen Wachen, mit Ihrer vielen Mühe, - ich denke, dass Sie würdig sind, in den vordersten Reihen des Heeres Christi zu stehen. Aber Sie denken nicht so von sich selber. Sie sind willig, die Knechte der Knechte zu sein, damit Sie so von Ihrem Herrn begnadigt und gesegnet werden. Ich bitte Sie, bei dem Namen der Heiligen, die um der Sache Christi willen gelitten, bei allen Männern und Frauen, die in Frömmigkeit ihr ganzes Vermögen und ihre ganze Zeit Christo hingegeben haben, seien Sie dieser glorreichen Sache würdig. Kämpfer, öffnen Sie die Augen und sehen Sie auf die herrliche Versammlung, die Sie umgibt. Sehen Sie nicht die Wolke der Zeugen? Seien Sie Männer, wenn Sie je Männer waren, vor solchen Zuschauern. Wenn solche Geister zuschauen, wer will nicht laufen? „Lasst uns ablegen alles Gewicht und laufen durch Geduld in dem Kampf, der uns verordnet ist und aufsehen auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens.“ Wenn bei den alten Olympischen und Isthmischen Spielen die Menschen alle Nerven und Muskeln meinten anstrengen zu müssen, weil Griechenland zuschaute, was sollen wir Ihnen sagen, wenn die Welt zuschaut und die Kirche zuschaut und die Hölle zuschaut und der Himmel zuschaut? Bei all diesen, den Zuschauern Ihres Kampfes, kämpfen Sie, kämpfen Sie recht und gewinnen Sie die Krone durch die Gnade unsers Herrn Jesu Christi.

Diese Krone ist der letzte Sporn zum Eifer. Ich konnte nicht umhin, zu weinen vorhin, als wir das Lied sangen von unserm herrlichen Erscheinen vor Gott. O, es mögen hier heute einige Missionare sein, auf die eine Botschaft, welche ich gestern Abend meinen Hörern gab, passen könnte: „Dieses Jahr sollst du essen von der Frucht des Landes Kanaan.“ Es sind Einige hier heute Morgen unter uns, die in aller Wahrscheinlichkeit heute übers Jahr hier nicht sein werden. Nun wir mögen's wohl zufrieden sein, wer es denn auch ist. Es wäre eine süße Gabe, es wäre eine selige Segnung des Himmels, wenn wir so bald unsern Lohn haben dürften. Es wird so mit Einigen von uns sein. Wohlan, quält euch nicht so sehr um die Krankheit in euren Familien; ihr werdet nicht viele Monate mehr diese Krankheit zu sehen haben, denn ihr werdet sein, wo die Einwohner niemals schwach“ sind. Kommt, seid nicht verzagt, weil ihr nicht alles gesehen habt, was ihr wünschtet. Euer Herr wird dies Jahr zu euch sagen: „Komm höher hinauf; komm höher hinauf.“ „Kommt, lasst uns munter wandern, Der Weg kürzt immer ab, Ein Tag, der folgt dem anderen, Bald fällt der Leib ins Grab.“

Einige von Ihnen, meine Brüder, sind Väter in Christo, Sie sind Veteranen in der Armee. Wohl, Sie mögen vielleicht hoffen, dass Ihr Lauf umso eher vollendet sein wird. Gott mache Ihr Ende hell, ja, und mache es jetzt hell für Sie durch jene glänzende Aussicht der ewigen Wonne, die vor dem Diener Christi liegt. Und ist es wahr und kann es möglich sein, dass ich meinem Gott nahe und Ihm gleich sein soll? Und soll dies Haupt je eine Krone tragen? Soll ich je ein Gefährte der Engel und Mitanbeter der Cherubim und Seraphim sein? Jesus, Herr, soll ich Dich von Angesicht zu Angesicht sehen und an Deiner Brust voller Wonne ruhen? Dann verhüte Gott, dass ich je an diese leichten Trübsale denken sollte, die nur für einen Augenblick sind. Rette mich, Herr, rette mich davor, dass ich meinen Geist herabwürdige, indem ich durch diese zeitlichen Trübsale niedergebeugt werde, diese vorübergehenden Schwierigkeiten, wenn ein ewiger Himmel und eine unaussprechliche Seligkeit mein Lohn ist. Kommt, Brüder, es ist nur ein schmaler Strom, ein Fluss, watet hindurch, Kanaan liegt jenseits. Denkt nicht, dass Ihr viele Schwierigkeiten habt; wenn Ihr sie mit dem vergleicht, was Ihr gewinnen sollt, so sind es gar keine Schwierigkeiten. Es ist keine Schlacht und kein Gefecht, wenn wir an den Glanz des Sieges denken; denn wenn wir mit Christo triumphierend durch die Himmelsstraßen ziehen, werden wir die Narben der Schlacht und die in Blut gewälzten Gewänder vergessen; und dann, meine ich, anstatt zu wünschen, dass wir weniger Schwierigkeiten und weniger Leiden gehabt hätten, würden wir, wenn es erlaubt wäre, sogar wünschen, dass wir ein Leben voll heißerer Arbeit gelebt, dass wir mehr gelitten hätten, damit wir mit Christo verklärt werden möchten, und werden fühlen, dass wir wirklich mit Ihm verklärt wurden, als wir berufen wurden, an Seiner Seite neben Ihm zu stehen und Gemeinschaft mit Seiner Arbeit und Seinen Leiden zu haben.

Der Segen Gottes des Herrn, des Gottes Israels, ruhe auf Ihnen, meine Brüder! Der Herr salbe Sie heute mit frischem Öl! Sie erinnern mich an die Versammlung der Apostel. Komm, du mächtiger, brausender Wind und erfülle dies Haus! Ihr zerteilten feurigen Zungen, kommt herab und ruhet auf uns! Mit dieser Zunge von Feuer und jenem göttlichen Lebensodem in uns, mögen Sie und ich, und Jeder von uns, heut und alle Tage ausgehen, für Christum zu arbeiten, Sünder wie Brände aus dem Feuer zu reißen und so Seinen Namen zu ehren, dessen Liebe unsre Freude, dessen Gegenwart unser Trost ist und dessen Brust unser Himmel sein soll. Gott segne Sie um Jesu willen!

1)
Ragged school