Spurgeon, Charles H. - Exzentrische Prediger - Vorwort.

Das vorliegende Büchlein habe ich hauptsächlich zu meiner eigenen Rechtfertigung herausgegeben. Ich hielt nämlich vor einigen Jahren einen Vortrag über „exzentrische Prediger“1), über welchen der Berichterstatter einer Zeitung einige Mitteilungen veröffentlichte. Es waren das, wie alle Leistungen der Art, herausgegriffene, abgerissene Sätze, keine Ahnung vom Vortrag selbst. Die Herren von der Presse nehmen ja natürlich auf das Amüsement ihrer Leser Bedacht, und suchen daher alles Merkwürdige und Pikante heraus, was ein Redner an Aussprüchen und Geschichten vorgebracht hat. Da aber alles aus dem Zusammenhange gerissen ist, so erhält man ein höchst unvollständiges Bild vom Ganzen. Man darf überhaupt Reden und Vorträge nicht nach den üblichen Zeitungsreferaten beurteilen; dieselben bieten in jedem Fall eine dürftige Skizze, oft sogar eine schnöde Karikatur.

Ich dachte gar nicht mehr an meinen Vortrag, bis ich eines Tages die Überbleibsel jenes Reporterberichts in einer amerikanischen Zeitung ausgetischt fand, und zwar so, als wäre es eine Ansprache von mir selbst, die wert wäre, mit meinem Buch über „Auslegung und Auslegungen“ (Commenting and Kommentaries) in einen Band zusammengebunden zu werden. Jene Bemerkungen nahmen sich nun zwar in einem Zeitungsblatt gar nicht so übel aus; doch muss ich meinerseits sie als Erzeugnisse meiner Feder samt und sonders verleugnen. Es frappiert mich, dass der amerikanische Herausgeber nicht einmal die handgreiflichsten Fehler seines Berichterstatters zu verbessern für gut gefunden hat. So z. B. nennt er Peter Cartwright Peter „Garrett“, und Lady Aun Askew Lady „Askayne.“ Peter Cartwright war bei den Hinterwäldlern in Amerika Prediger; sein Name hätte also dem Herausgeber ganz bekannt sein müssen. Allein manche Verlagsbuchhändler brennen so sehr darauf, ihre Schriften auf den Markt zu bringen, dass sie sich nicht einmal zu einer sorgfältigen Korrektur die Zeit gönnen.

Zum Glück besaß ich noch ein vollständiges Manuskript jenes verstümmelten Vortrages. Ich beschloss also, ihn drucken zu lassen, damit man sähe, was ich eigentlich gesagt hatte. Indem ich ihn aber durchsah, erschien es mir zweckmäßig, ihn zu einem Büchlein zu erweitern, was, hoffe ich, kein Schade für den Leser sein wird.

Bei Herausgabe dieses Schriftchens verfolge ich nun den Zweck, gegen die Splitterrichter, welche einen Mann wegen eines einzigen Wortes zum Missetäter stempeln, und gegen die Lügengeister, welche, zum großen Schaden und Kummer gerade der eifrigsten Diener meines Herrn, überall Unlauterkeit wittern, zu Felde zu ziehen. Viele Zuhörer bringen sich selbst um den besten Segen, weil sie zu viel kritisieren und zu wenig nachdenken. Viele andere laden eine schwere Schuld auf sich, indem sie solche Männer verleumden, welche ihr Leben dem Wohle ihrer Brüder gewidmet haben. Ein treuer Pastor hat ohnehin genug Arbeit und Sorge, auch wenn man ihn mit unverdienter und unnützer Krittelei verschont. Wir haben wahrlich etwas Besseres zu tun, als uns gegen jeden boshaften oder albernen Klatsch zu verantworten, welcher zu unserm Schaden über uns in Umlauf gesetzt wird. Wir sind bereit, unseren Beruf „durch böse Gerüchte und durch gute Gerüchte“ zu bewähren, und lassen uns keineswegs durch Schmähungen so niederdrücken, als wäre uns etwas Seltsames widerfahren. Gleichwohl gibt es zartfühlende, liebevolle Gemüter welche sich durch Erfahrungen dieser Art tief gekränkt, und durch rücksichtslose Angriffe in ihrer gewissenhaften Pflichterfüllung beschwert und gehindert fühlen. Die stärkeren und derberen Naturen unter uns lachen darüber, wenn man uns lächerlich zu machen sucht aber auf andere wirkt dergleichen niederschlagend. Den Letzteren zum Trost sind die nachfolgenden Zeilen geschrieben. Möchten sie müßigen Witzlingen eine Warnung sein, die Diener des allerhöchsten Gottes zu verunglimpfen.

Als solche sind wir zwar nichts weniger als vollkommen; doch tun viele, was nur irgend in ihren Kräften steht. Darum ist es so sehr schmerzlich, zu sehen, dass so viele Glieder unseres Volkes über unseren persönlichen Unvollkommenheiten unsere göttliche Sendung vergessen. Gott hat mit Willen seinen Schatz in irdene Gefäße eingeschlossen, damit offenbar würde, wie in unserer Ohnmacht seine Kraft allein sich mächtig erweist. Wir ersuchen daher unsere Zuhörer, nicht so sehr an den Mängeln der Einfassung haften zu bleiben, und darüber die Schönheit und den Glanz des Edelsteins nicht zu übersehen. Die Weisheit muss sich rechtfertigen lassen von ihren Kindern, und Gottes Gnade arbeitet, mit was für Rüstzeugen sie will. Lass es dir angelegen sein, lieber Leser, von jedem Diener meines Herren ein klein wenig gefördert zu werden, auch von

deinem aufrichtigen

C. H. Spurgeon.

1)
AJ: Heute würde man wohl eher „wunderliche“ oder „sonderbare“ Prediger sagen.