Mayfart, Johann Matthäus - Himmlisches Jerusalem - III. Mit was für Herrlichkeit und Majestät Jesus Christus in den Wolken erscheinen wird.

Wenn wir täglich die ärgste Marter unter den Tyrannen oder nur eine kleine Zeit die höllischen Flammen unter den Teufeln leiden müssten, unter der Bedingung, dass wir Jesum Christum dermaleinst, wann Er wieder kommt in seiner Herrlichkeit, sehen und Ihm entgegen ziehen sollten: so möchte alles, was uns jetzt betrüben, alles, was uns jetzt beschweren kann, gegen solche überaus große Freude für nichts geschätzt werden. (Chrysostomus.)

Die heiligen Evangelisten und Apostel lehren von der Zukunft Jesu Christi, dass Er in den Wolken des Himmels erscheinen werde mit großer Kraft und Herrlichkeit, und alle heiligen Engel und alle Heiligen der Menschenkinder mit Ihm (Matth. 25. Mark. 13. Luk. 21. Jud. 1, 15.).

Wie gar nichts ist doch dagegen zu achten aller weltlichen Herrscher Pracht und Gepränge! Ihre Ankunft, ihr Aufzug, wie prächtig auch die Rosse, wie mächtig das Volk, wie stattlich die Ordnung, wie rauschend der Jubel, wie laut das Triumphgeschrei, ist doch gegen jene Ankunft nur ein lächerlich Kinderspiel.

Denn Er wird kommen mit solcher Kraft, dass Er alle Gräber auftut, alle Tiefen entblößt, alle Toten erweckt und alle Lebende verwandelt. Er wird kommen mit großer Herrlichkeit in dem allerschönsten Leibe, in den allerherrlichsten Wolken, in der alleredelsten Gesellschaft. Denn da werden um Ihn sein die unzählbaren Heerscharen der Engel und Auserwählten, welche von dem ersten Adam bis auf den letzten bußfertigen Menschen gelebt haben. Er wird kommen mit großer Herrlichkeit, sitzend auf einem weißen Stuhle; und der Himmel wird aus tiefer Demut vor Ihm weichen und die Erde vor Furcht fliehen und keine Stätte finden (Offenb. 20, 11.). Der Mond muss sich scheuen und die Sonne mit Schanden bestehen, um der Klarheit und Majestät willen, in welcher Jesus Christus erscheinen wird (Jes. 24, 23.). Ja die Klarheit und Majestät Jesu Christi wird Himmel und Erde erfüllen, Felsen und Klüfte durchdringen, Berge und Tale einnehmen und an allen Orten und Enden leuchten.

Als Gott der Herr in der Wüste dem Volke Israel das heilige Gesetz offenbarte, und als nun der dritte Tag kam und Morgen war: da erhob sich ein Donnern und Blitzen und eine dicke Wolke auf dem Berge und ein Ton einer sehr starken Posaune. Das ganze Volk aber, das im Lager war, erschrak. Und Moses führte das Volk aus dem Lager Gott entgegen und sie traten unten an den Berg. Der ganze Berg Sinai aber rauchte, darum dass der Herr herab auf den Berg fuhr mit Feuer; und sein Rauch ging auf, wie ein Rauch vom Ofen, dass der ganze Berg sehr bebte. Und der Posaunen Ton ward immer stärker (2 Mos. 19, 16-19.).

Also wird es auch geschehen bei des Herrn letzter Zukunft. Blitze werden in Kreuzschlägen durcheinander streichen (Jes. 30, 32.). Getöse, wie Kriegsgetümmel, wird sich erheben von Morgen gegen Getöse von Abend, Getöse von Mittag gegen Getöse von Mitternacht. Donnergebrüll und Ungestüm, Sturmesgeheul und Flammengeprassel von Morgen und Abend, von Mittag und Mitternacht wird wider einander streiten, dass die Erde erbebt und das Meer und die Wasserwogen brausen und auch der Himmel Kräfte sich bewegen (Zeph. 1, 15. Luk. 21, 25. 26.).

Wie schrecklich muss das leuchten in den Augen der Gottlosen! Wie luftig in den Augen der Frommen! Wie lieblich muss es schallen in den Ohren der Gläubigen! wie entsetzlich in den Ohren der Ungläubigen!

Dazu kommt das fröhliche Feldgeschrei der Engel und Auserwählten. Von den Wolken rufen sie herunter: Macht die Tore weit! macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe! Und die Frommen auf Erden werden mit erhobenen Häuptern und mit erhobenen Händen ihnen antworten und zurufen: Wer ist derselbige König der Ehren? Und mit geflügelten Worten wird die Antwort erschallen: Es ist der Herr, Jesus Christus, stark und mächtig, es ist der Herr Zebaoth! Er ist der König der Ehren (Ps. 24.)! Und nun wird das gewaltige Sela mit Posaunen und Donner, mit Jauchzen und Frohlocken, mit Singen und Rufen angefangen und in solchem Ton vollführt werden, dass auch die Grundfesten der Erde erbeben und die Himmelssphären zerfallen.

Das ist nun die ersehnte Zeit, wo Jesum Christum sehen alle Augen, auch derer, die ihn gestochen haben. Da werden heulen alle Geschlechter der Gottlosen (Offenb. 1, 7.). Herodes wird sehen, wen er verfolgt; das abtrünnige Israel, wen es verklagt; Judas, wen er verraten; Pilatus, wen er verurteilt; der Henker, wen er gekreuzigt; der Heide, wen er verspottet. Der Tyrann wird sehen, wes heiliges Leiden er vermehrt; der Geizige, wes dürftige Armut er belästigt; der Wollüstling, wes Traurigkeit er vergrößert; der Flucher, wes Gütigkeit er gelästert; der Hurer, wes keusche Geburt er geschändet; der Verleumder, wes Unschuld er bemängelt; der Mörder, wes Freundlichkeit er verhöhnt; und jeglicher Gottlose, wes Barmherzigkeit und Gnade er verachtet hat.

Die Auserwählten dagegen verwundern sich, wie viel herrlicher die andere Zukunft als die erste ist. Damals kam Er in finsterer Nacht; jetzt kommt Er in hellem Glanz. Damals kam Er als ein Lämmlein zum Opfer; jetzt kommt Er wie ein Löwe zum Gericht. Damals kam Er in einen niedrigen Stall; jetzt kommt Er in hohen Wolken. Damals kam Er eingewickelt in Windeln; jetzt kommt Er erhöht auf den Thron. Damals kam Er als ein Pilgrim auf Erden, der nicht hatte, dahin Er sein Haupt legte; jetzt kommt Er als allmächtiger König, des Stuhl der Himmel, des Fußschemel die Erde ist. - Nun müssen die Knie beugen alle, die im Himmel und auf Erden und unter der Erden sind, und alle Zungen bekennen, dass Jesus Christus der Herr sei zur Ehre Gottes des Vaters.

Das Haupt, das mit Dornen gekrönt worden, glänzt wie die Sonne. Das Angesicht, das verhöhnt und angespien worden, flammt wie ein Diamant. Der Mund, der geschlagen worden, schimmert wie ein Rubin. Die Hände, die gebunden, die Füße, die durchbohrt, die Seite, die durchstochen, der ganze Leib, der gemartert worden, leuchten viel tausend Mal herrlicher als das ganze Firmament. Herr Jesu! wie gering ist das Leben dieser Zeit, und wie groß ist die Freude der Ewigkeit! Wir fliehen die Strafe, und meiden doch nicht die Sünde! Das Gewissen wird irrig und doch das Leben nicht ruhig gemacht. Wenn Du schonst, bessern wir uns nicht. Wenn Du strafst, beharren wir nicht. In der Züchtigung wird erkannt, was wir getan haben; nach der Züchtigung wird vergessen, was wir beweint haben. Streckst Du aus Deine Hand, so sagen wir zu die Besserung; hältst Du dann inne, so vergessen wir der Verheißung. Wenn Du schlägst, schreien wir, Du wollest verschonen. Wenn Du verschonst, sündigen wir, dass Du wiederum zürnen musst. Darum hilf, o Jesu Christe! dass wir an diese Zukunft oft und viel gedenken, uns hier vor Sünden fürchten und dort der Gnaden uns freuen. Amen!