Inhaltsverzeichnis

Krummacher, Friedrich Wilhelm - Der leidende Christus - XLII. Der Schluss des Prozesses.

Christus erschien auf Erden, „das Gesetz zu erfüllen.“ - Er bezeugt dies ausdrücklich selbst Matth. 5, 17. mit dem Zusatz: „Denn ich sage euch wahrlich: Bis dass Himmel und Erde zergehen, wird nicht zergehen der kleinste Buchstabe, noch ein Tüttel vom Gesetz, bis dass es alles geschehe!“

- Das Gesetz war in der Welt, und uns war's gegeben. Es sollte in den Tafeln, in die der Finger Gottes es eingegraben, nicht schlummern bleiben; sondern von dem kalten, stummen Stein in das Herz, das Tun und Wesen der Menschheit übergehen, und in der Weise in ihr lebendig werden, dass es seinen tatsächlichen Ausdruck in ihr fände. Aber ach! lebendig wurde es in uns nur uns verklagend und verdammend. Da kam Er, der unsere Hoffnung, wie unsere Liebe ist, und nahm wirklich das Gesetz also in sich auf, dass es mit allen seinen Forderungen und Geboten Wahrheit und Leben in ihm ward. Alle erdenkbaren Tugenden strahlen uns im reinsten Glanze aus seiner Erscheinung an. Jede seiner Handlungen und Empfindungen entspricht vollkommen nach Form und Inhalt dem Gesetz; und letzteres wurde bis auf Tüttel und Jota dergestalt in Ihn aufgehoben, dass Er das persönliche Gesetz heißen darf, in welchem das in Buchstaben verfasste sich verleiblichte und Fleisch und Blut anzog. Darum war Er aber auch der, an welchem Gott all sein Gefallen haben konnte, und wirklich hatte, und Der die Befähigung besaß, als „anderer Adam“ für uns, die Sünder, vermittelnd und erlösend einzutreten. - Leuchte uns diese Wahrheit als geistliche Fackel auf unserem heutigen Betrachtungsgange!

Joh. 19, 6b-16.

Pilatus spricht zu ihnen: Nehmt ihr ihn hin, und kreuzigt ihn, denn ich finde keine Schuld an ihm. Die Juden antworteten: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er sterben; denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht. Da Pilatus das Wort hörte, fürchtete er sich noch mehr; und ging wieder hinein in das Richthaus, und spricht zu Jesu: Von wannen bist du? Aber Jesus gab ihm keine Antwort. Da sprach Pilatus zu ihm: Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und Macht habe, dich loszugeben? Jesus antwortete: Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht wäre von Oben herab gegeben; darum, der mich dir überantwortet hat, der hat es größere Sünde. Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn losließe. Die Juden aber schrien und sprachen: Lässt du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich zum Könige macht, der ist wider den Kaiser. Da Pilatus das Wort hörte, führte er Jesum hinaus, und setzte sich auf den Richtstuhl, an der Stätte, die da heißt Hochpflaster, auf Hebräisch aber Gabbatha. Es war aber Rüsttag in Ostern, um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Seht, das ist euer König! Sie schrien aber: Weg, weg mit dem, kreuzige ihn. Spricht Pilatus zu ihnen: Soll ich euren König kreuzigen? Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König, denn den Kaiser. Da überantwortete er ihn, dass er gekreuzigt würde.

Das gerichtliche Verfahren wider den Herrn der Herrlichkeit eilt seinem Ende zu. Die Ereignisse drängen, ja überstürzen sich. Der große, Alles entscheidende Moment ist nahe, und die Vorgänge nehmen in wachsendem Maße unsere Teilnahme in Anspruch, Was in unserem heutigen Passions-Evangelium vorzugsweise unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist ein Dreifaches, und zwar zunächst die Berufung der Juden auf das Gesetz; sodann das Zwiegespräch zwischen Christus und Pilatus; und endlich die vollendete Niederlage des letzteren.

Weihen wir diesen geschichtlichen Zügen einige Augenblicke sinnigen Erwägens, und lasse der Herr uns auch heute den verborgenen Schatz im Acker nicht verfehlen!

1.

„Kreuzige!“ - Dies ist die Antwort des Volks auf das bewegte und um Verschonung für den Herrn der Herrlichkeit bettelnde „Ecce homo“ des schon mehr als halb geschlagenen Richters. Dieses „Kreuzige!“ wirft den armen Römer vollends aus seiner letzten vermeintlich sicheren Position heraus. Da steht er, nur ein Gegenstand des Mitleids und Bedauerns noch, wehrlos und ratlos, zerrissen in seinem Inneren, und gepeinigt unter den Rutenstreichen seines besseren Ichs; doch ohne Glauben, wenn er auch vom Aberglauben nicht frei ist, und so ein Spielball der menschlichen und dämonischen Mächte, die ihn umwallten. Aufs Neue bezeugt er die Unschuld des Verklagten; aber statt folgerecht jetzt dem Prozesse mit der Freisprechung Jesu ein Ende zu machen, wirft er sich bis zu der feigen Ratserteilung an die Juden weg, sie möchten den Nazarener, an dem er eine Schuld zu entdecken nicht vermöge, immerhin nur nehmen, und ihn ohne sein richterliches „Placet“1) tumultuarisch an das Kreuz schlagen.

Fürwahr, allmählig beginnt fast auch das Mitleid mit dem charakter- und gewissenslosen Manne in unserem Busen zu verglimmen, und es wandelt uns ihm gegenüber die Versuchung an, unser Verwerfungsurteil über das durch des Pilatus Schwäche vollends irregeleitete und in seinem Wahn bestärkte Volk zu mildern, und es ganz auf jenen zu übertragen. Darf es uns noch wundern, dass das Volk nur umso fester auftritt, je haltloser es den Richter wanken und weichen sieht? „Wir haben ein Gesetz,“ ruft es entschieden und bestimmt, „und nach dem Gesetze soll er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht!“ Es genügt dem Volke nicht, Jesum nur vom Leben zum Tode zu bringen; sondern, um den Schein der Meuterei von sich zu entfernen, will es zugleich, dass Jesus in feierlicher Exekution und unter allen Formen des öffentlichen Rechts die Welt verlasse. Sehr beachtenswert erscheint hier zunächst die Seitens der Juden gegen Jesum erhobene neue Anklage, dass er sich zu „Gottes Sohn“ gemacht habe. Sie erklären hiermit gleichsam zu den Akten, dass Jesus sich in der Tat diesen hohen Ehrennamen beigelegt habe. Dass sie ihm daraus ein todeswürdiges Verbrechen machen, das dient uns als Maßstab für den Umfang und die Erhabenheit der Deutung, welche sie jener seiner Selbstbezeichnung geben zu müssen glaubten. Wie hätte es ihnen einfallen können, in letzterer irgendetwas Frevelhaftes zu erblicken, wenn sie annehmen zu müssen meinten, Jesus habe sich in keinem höheren Sinne für einen Gottessohn erklärt, als in welchem sich alle Menschen, und namentlich die gesetzestreueren und gottesfürchtigeren unter ihnen also nennen dürften. Aber es war ihnen eine ausgemachte Sache, Jesus habe mit der Gottessohnes-Signatur sich über Alles, was Mensch und selbst was Engel heißt, hoch hinaus, ja Er habe sich damit Gott dem Allgenugsamen selbst wesentlich gleichstellen wollen. Und hätte der Herr weniger gewollt, als dies, so war es bei dieser Gelegenheit seine heilige Pflicht, die Aussage seiner Verkläger als eine Lüge abzuweisen, oder als ein arges Missverständnis zu berichtigen. Er versteht sich aber weder zu dem Einen, noch zu dem Andern, sondern schweigt, und drückt durch dieses Schweigen jener als Beschuldigung vorgebrachten Angabe offenbar als einer gegründeten sein Siegel auf.

„Wir haben ein Gesetz,“ ruft das Volk. Freilich, ein solches hatten sie; ein positives, ein vom Himmel herab offenbartes, in Wort und Schrift verfasstes; ein Gesetz, klarer, denn die Sonne, tiefer, denn das Meer, und als der reine Abglanz der Heiligkeit Gottes, als der durchaus entsprechende Ausdruck Seines unveränderlichen Willens, für die ganze Welt, und für Zeit und Ewigkeit gültig. Ja wisst, wann Gott einmal weniger heilig sein wird, als Er es ist, dann, aber auch eher nicht, werden die Forderungen jenes Gesetzes sich herabstimmen und mildern. Wann Gottes Gerechtigkeit einmal in Abnahme zu geraten beginnt, und Seine Wahrheit wanken wird, dann, aber auch erst dann, wird's auch mit der Übertretung jenes Gesetzes weniger auf sich haben, und des Gesetzes Fluch minder zu fürchten sein. So lange aber in Gott kein Wechsel des Lichtes noch der Finsternis eintritt, behält Sein Gesetz seine Majestät und unerbittliche Strenge; und so lange Gerechtigkeit und Gericht die Festen des göttlichen Thrones bilden, ist, wer nicht in Allem, was im Buche des Gesetzes geschrieben steht, verbleibt, von Gott verstoßen und mit dem Bann belegt, Das Gesetz, von dem wir reden, kann darum kein begehrter und beliebter Gast auf Erden sein. Ja, so lange wir außer der Gemeinschaft Christi wandeln, sähen wir gerne, das Gesetz wäre gar nicht vorhanden. Denn was tut das Gesetz, als dass es unsere Gottentfremdung uns ins Licht stellt, und vermittelst seiner Drohungen die Hölle in unsere Gewissen trägt? Wie viele Tausende schon brachte es um ihren Frieden und alle Freude des Lebens, und verkerkerte sie lebenslänglich in dumpfe Zwinger der Angst und der Schwermut! Was Wunder, wenn Solche das Gesetz verwünschen, und ohne Unterlass darüber aus sind, dasselbe zu entnerven und auszuleeren? Denn wäre das Gesetz nicht in der Welt, so wäre auch Sünde nicht mehr Sünde; und auf wie breitem lustigem Wege wandelte man dann dem Himmel zu! Aber wünschen, dass das Gesetz nicht sei, heißt begehren, dass ein Gott nicht existiere. Denn lebt ein Gott im Himmel, so hat derselbe auch einen Willen an die Kreatur; und Gottes, als des persönlichen Inbegriffs aller Tugenden, Wille kann ja weniger heilig nicht sein, als es. das biblische Gesetz ist, welches eine „Vollkommenheit“ fordert, „allein wie der Vater im Himmel vollkommen ist.“

Die Juden dort haben noch ein Bewusstsein von der Existenz eines göttlichen Gesetzes, Die heutige Welt hat dieses Bewusstsein längst verloren, und das positive Gebot durch eine in ruchloser Willkür selbst beliebte licht- und kernlose „Moral“ hinweggeschwemmt. Dieses mit dem verderbten Fleisch kapitulierende Machwerk schleudert zwar seinen Fluch, aber zieht ihn unvermeidlich nach sich. Es ist Rebellion gegen das Gesetz, das Gesetz verflachen und abschwächen wollen; und, glaubt's nur, zu seiner Zeit wird das misshandelte das an ihm begangene Attentat zu rächen wissen und im furchtbarer Weise seine Ehre sich wieder nehmen.

„Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz muss er sterben, denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht!” Ganz richtig geurteilt, vorausgesetzt, dass Er an dem, was Er Großes von sich bezeugte, gelogen habe! Das Majestätsverbrechen einer Blasphemie lastete dann auf seinem Haupte. Wisst aber, dass ein solches Verbrechen nicht zwar auf Seinem, wohl aber auf eurem Haupte, ja schon Verdammnis brütend auf dem Haupte derer unter euch ruht, die sich vermessen, nur für Gerechte in ihnen selbst sich auszugeben, Denn was tun sie damit, als dass sie Gottes Wort, das „alles Fleisch“ verdammt, zur Lüge stempeln, den Hocherhabenen als ein Wesen, das an toten und befleckten Werken, wie unsere Tugenden sind, sich genügen lasse, in den Staub herabziehen, den Spiegel Seines Gebotes, der von einer Gerechtigkeit, die wir selbst besäßen, nichts wissen will, keck zertrümmern, oder mit dem Kot ihres Unglaubens beflecken und Christum als einen verirrten Schwärmer verdächtigen, der etwas völlig Unnützes und Überflüssiges übernommen habe, indem er vermittelnd für ein Geschlecht, das sich selber Heilandes genug sei, habe sterben wollen? O die Rasenden! Durch jede Blattseite des göttlichen Wortes wird ihnen der Stab gebrochen; und zwar als Gotteslästerern und Empörern gegen die allerhöchste Majestät. Denn wonach gelüstet sie bei Licht besehen? Nach nichts Geringerem, als zu sein wie Gott: wie Er unabhängig, wie Er souverän, keinem Höheren verpflichtet, sondern ihre eigenen Gesetzgeber, Richter und Herren. Auf solchem Begehren und Trachten aber liegt unwiderruflich das Urteil des ewigen Todes. Was Rats nun? Schaut Jesum an! Er lästerte nicht, da er sich Gott gleichstellte, sondern war der wirklich, für den er sich ausgab. Aber erinnert euch: Er vertrat dich und mich, und in dieser seiner Stellung traf ihn in der Tat die Sentenz der Volksjustiz: „Wir haben ein Gesetz, und nach diesem Gesetze muss er sterben; denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht,“ als eine gegründete. Ihr wisst aber, dass Er wirklich gestorben ist, der „Gerechte für die Ungerechten;“ und so ward Er für Alle, die da glauben, „des Gesetzes Ende.“ Wir starben mit Ihm, ohne persönlich das Todesweh zu empfinden. Wir leerten in Ihm den Fluchkelch, der uns um unserer Sünden willen zugemessen war. Hinfort steht das Gesetz uns nirgends mehr im Wege, sondern darf nur noch in Liebesdiensten sich an uns betätigen. Nur zu uns sprechen darf's fortan: „Beschaut die Gerechtigkeit, die sich in meinen Forderungen spiegelt, und wisst, dass dieselbe jetzt in Christo Jesu die eure ist!“ Nur verkündigen darf es uns: „Seht, so persönlich heilig, wie ich gebiete, dass man sei, werdet ihr einst dastehen, wenn die irdene Hütte, in der ihr noch zeltet, zerbrochen wird!“ Es ist nur noch dazu bestellt, uns, denen jetzt eine Lust beiwohnt nach dem inwendigen Menschen, demjenigen, der mit seinem Blute uns erkaufte, durchaus zu Gefallen zu leben, in jedem einzelnen Falle zu eröffnen, was dem Herrn angenehm sei, und womit wir ihm unfehlbar dienen können; und nebenher seine Drohungen und seine Flüche uns zu zeigen, wie ein überwundener Feldherr den Siegern die Geschütze zeigt, welche jene während der Schlacht durch ihre Meisterschüsse demontierten. Zu derartigen Erweisungen nur noch ist das Gesetz uns jetzt verpflichtet. Es ist unser Freund, ob es auch mitunter noch in finstere Larven sich verkleidet, und aufs Neue das Sausen seiner geschwungenen Rute uns hören lässt. Solches tut's nur, um in die Wunden Jesu uns zurück, oder in dieselben noch tiefer uns hinein zu treiben. Haben wir aber diese Freistadt wieder gewonnen, so begrüßt es uns aufs Neue in seiner wahren, durchaus versöhnten Gestalt. Die feindliche und bedrohliche Stellung zu uns hat es für immer verlassen. „Christus ist des Gesetzes Ende!“ O, wer ist sich bewusst, dass er ein Sünder ist vor Gott, und läse sich satt an dieser Zeile? In ihr sprudelt der Brunnen meines Friedens, sowie in ihr das Sterbelied tönt, unter dem ich einst sanft und selig zu entschlafen hoffe.

2.

„Er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht!“ So, der Wahrheit gemäß, das jüdische Volk. Pilatus vernahm's, und fürchtete sich noch mehr, da er das Wort hörte.“ Wir begreifen dies. Das Wort klang mit seinen tiefsten Ahnungen zusammen. War ihm doch lange schon dem Heiligen gegenüber, als sehe er sich in die Mitte überirdischer Erscheinungen, ja in eine andere Welt entrückt. Die Erinnerungen an seine Kindheitsträume von himmlischen Wesen, die Wohltat spendend unter den Sterblichen erschienen seien, von Göttersöhnen, welche die Erde mit ihren Besuchen beglückten, wachten, im Geleite ernsterer Nachgedanken nur, in seiner Seele wieder auf; und wenn es ihm auch nicht in den Sinn kam, hinter der Person des Nazareners einen solchen Abgeordneten des Olymps zu wittern, so trat ihm doch die Realität einer höheren Welt so fühlbar nahe, dass er mit der Aufklärung seines Verstandes in das größte Gedränge kam. „Jesus erklärte sich also selbst für Gottes Sohn!“ Dies dünkt dem Prokurator im höchsten Grade merkwürdig und bedeutsam. Alles, was er an dem Manne mit eigenen Augen wahrgenommen, scheint ja nur diese seine Aussage von seiner Person zu besiegeln. „Gottes Sohn!“ Hätte Pilatus doch in einzelnen Momenten Jesum fast selbst so nennen mögen, hätte er dem Gefühl, das ihn übermannte, Worte leihen wollen; und was wäre an dem Wunderbaren, wodurch es unglaublich würde, dass Er andrer Herkunft und höherer Natur sei, als die anderen Menschen? Pilatus ist tief ergriffen. In einem so nie empfundenen geheimnisvollen Bangen schauert sein Gemüt zusammen. Er muss gründlicher erforschen, wer der Nazarener sei, und zieht sich zu dem Ende mit demselben aufs Neue in das Innere des Richthauses zurück.

Hier entspinnt sich nun zwischen den Beiden ein denkwürdiges Gespräch. Pilatus eröffnet es mit einer Frage, die nichts Geringeres als die Lebensfrage des ganzen Christentums einschließt. „Von wannen bist du?“ spricht er. Ihr nehmt wahr, dass wir Die Vorgänge in seinem Inneren richtig beurteilt haben. Er erkundigt sich mit seiner Frage nicht nach dem Flecken oder der Stadt, sondern vielmehr nach der Welt, aus welcher Jesus stamme. Er will wissen, ob er ein Kind der Erde sei, oder aus einer andern Sphäre der Schöpfung, als die diesseitige, ausgegangen. Solches ist also selbst einem Pilatus zum Problem geworden! Wie tageshell muss mithin dem Herrn auch noch in seiner Knechtsgestalt der Stempel der Ewigkeit von der Stirn geleuchtet haben!

— „Von warnen bist du?“ — Man hört's der ganzen Betonung dieser Frage an, dass, wenn der Herr erwiderte: „vom Himmel bin ich,“ der Landpfleger nicht eben befremdet zurückbeben, sondern nur sprechen würde: „So hat mich denn mein Ahnen nicht getäuscht; denn längst war mirs, als seist du nur ein Gast und Fremdling hier auf Erden!“ Doch der Herr erteilt ihm eine solche Antwort nicht; ja erachtet es für angemessen, den Fragenden ganz ohne Bescheid zu lassen. Es darf uns dies nicht befremden; denn was hätte es dem Pilatus gefrommt, wenn vor seinem Ohre jetzt das große Geheimnis verlautet wäre: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort; und das Wort ward Fleisch?“ Das Herz des Heiden war hierfür nicht zubereitet; und was aus seiner Brust heraus nach Jesu Herkunft fragte, muss, genau besehen, mehr nur müßige Neugier, als Heilsdurst und Hilfsbedürfnis heißen. Überdies würde auch eine solche Eröffnung über Christi wahre Person und Natur die Verantwortung des Heiden nur noch vermehrt, und seine Verdammnis am Jüngsten Tage desto schwerer gemacht haben; und so geschah es denn zugleich aus Mitleid und verschonendem Erbarmen, dass Jesus jene seine Frage lediglich mit Stillschweigen überging. Wie wenig Pilatus geneigt gewesen wäre, dem Zepter auch des erkannten Gottessohnes sich zu beugen, erhellt schon zur Genüge aus dem Verhalten, das wir ihn unmittelbar nach seiner Frage beobachten sehen. Denn wie Jesus ihm nicht alsobald mit einer Antwort zu Diensten ist, glaubt er sich in seiner Ehre gekränkt, und fährt den Herrn im Tone äußerster Gereiztheit mit den trotzigen und hochfahrenden Worten an: „Redest du nicht mit mir? Weißt du nicht, dass ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und Macht habe, dich loszugeben?“ -

Hört diese Rede! Wie tritt es hier wieder so handgreiflich zu Tage, wes Geistes Kind er ist! Ach, auch das schönste religiöse Ahnen, Fühlen und Empfinden des natürlichen Menschen ist nur eine flüchtig aufgesprosste und ebenso flüchtig wieder verwelkende Frühlingsvegetation über einem moralischen Sumpfe. „Von neuem geboren werden“ muss der Mensch, oder er bleibt unter die Sünde verkauft, wie er es von Haus aus ist, und sein Leben, wie sittlich und christlich es sich schmücke, wird nur eine ununterbrochene Kette von Rückfällen in das alte gottentfremdete Wesen sein. Hört den Pilatus: „Redest du nicht mit mir?“ Gebärdet sich nicht der Mann, als beginge der Herr, indem er ihm nicht sogleich den verlangten Bescheid erteilt, ein Majestätsverbrechen? Welch' eine Selbsterhebung, welch' ein Hochmut! „Weißt du nicht,“ fährt er fort, „dass ich Macht habe, dich zu kreuzigen, und Macht, dich loszugeben?“ O Verblendung, o lächerlicher Bettelstolz eines Menschen, der eben erst, und obendrein noch seinen Untergebenen gegenüber, eine Schwäche beurkundet hat, die es ihm nicht mehr gestatten sollte, das Wort „Macht,“ zumal, wo es sich von „Kreuzigen“ und „Freisprechen“ handelt, ohne Erröten auch nur in den Mund zu nehmen!

Doch hören wir den Herrn! Mit der majestätischen Ruhe seines königlichen Selbstbewusstseins entgegnet er dem so kühn und prahlerisch auf seine Vollmacht pochenden Richter: „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von Oben herab gegeben wäre; darum, der mich dir überantwortete, hat es größere Sünde.“ Ein hehres Wort, des Sohnes Gottes, des Herrn vom Himmel vollkommen würdig! Nach diesem Worte erscheint Pilatus als ein seinem Dafürhalten nach zwar selbständig und unabhängig handelndes, aber doch nur innerhalb bestimmter, von unsichtbarer Hand ihm gezogener Grenzen sich bewegendes, und unbewusst einem erhabenen Plane dienendes Werkzeug des lebendigen Gottes. Er vermag nichts mehr, als wozu ihn Gott ermächtigt. Trotz seiner Feigheit und Gewissenslosigkeit hätte er Jesum seinen Mördern nicht einmal überantwortet, wenn diese Überantwortung nicht im Himmel beschlossen gewesen wäre. Freilich wandelt er seinen Weg, aber in Gängelbanden, um welche er nicht weiß. Freilich trägt er seine Schuld; aber sich verschuldend, fördert er ein großes, heiliges Werk, das er nicht kennt.

Dem demütigen und beschämenden Worte lässt jedoch der Herr alsobald ein anderes und tröstlicheres folgen. „Darum,“ spricht er, „der mich dir überantwortete, der hat es größere Sünde!“ Pilatus hatte die Äußerung Jesu von der ihm, dem Landpfleger, von Oben herab gegebenen Macht nicht verstanden, und den Herrn darob mit Befremdung und Bewunderung angesehen. Auf eben dieses sein Nichtverstehen aber, das in seiner stutzig fragenden Gebärde sich wiederspiegelte, bezieht sich das „darum“ des Herrn. „Weil du mich nicht kennst,“ will der Heiland sagen, „noch weißt, wozu ich in die Welt gekommen bin, trägst du geringere Schuld als der, der mich dir in die Hände spielte.“ Letzterer war zunächst der Hohepriester Kaiphas, dieser Sohn Abrahams, dieser Meister in Israel, der im Lichte Mosis und der Propheten aufgewachsen war, und mithin wusste, was der Name „Gottessohn“ bedeute, und in der Lage sich befand, diesen Sohn Gottes in Christo zu erkennen. Nichtsdestoweniger sprach er über den Herrn als über einen Gotteslästerer das Todesurteil aus. Diese Sünde, weil in der Tageshelle biblischer Erleuchtung, und wider besseres Wissen und Gewissen begangen, war eine größere. Sie war es darum, weil sie nicht aus Schwäche, sondern aus Vorsatz, nicht aus Überrumpelung, sondern mit Überlegung, nicht aus Feigheit, sondern aus Bosheit begangen wurde. Bemerkt aber, wie der Herr hier wieder so groß erscheint. Wie erweist er sich hier aufs Neue als den König über Alle, ja, als den Weltenrichter! Mit der Sicherheit eines unfehlbaren Herzenskündigers wägt er in der Waage des Heiligtums Sünden und Schulden ab, bestimmt das Maß der zukünftigen Strafen, eröffnet zugleich dem unglücklichen Pilatus noch eine Aussicht auf Gnade und mögliche Vergebung, und lässt in letzterem Zuge also auch wieder sein mitleidiges, nach der Rettung der Sünder durstendes Heilandsherz in die Erscheinung treten.

3.

Die Worte des Herrn haben auf das Gemüt des Landpflegers ihre Wirkung nicht ganz verfehlt. Wohl fühlt er das Erhabene wie das Wohlwollende und Liebevolle durch dieselben deutlich hindurch, und findet sich in Folge dessen veranlasst, auf die Richterbühne zurückzukehren, und den Versuch, Jesum loszulassen, mit neu angefachtem Eifer zu wiederholen. Da aber dröhnt von unten her das Wort zu ihm herauf, das schon beim Auslaufen aus dem Hafen im Schifflein seines guten Willens Mast und Ruder ihm zerschmettert. „Lässt du diesen los,“ schreit das Volk, „so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich zum Könige macht, (wie dieser dein Schützling dort,) ist wider den Kaiser!“ Dieser Ruf traf die schwächste und verwundbarste Seite des Prokurators. Er kannte seinen Herrn, den Kaiser Tiberius, zu wohl, um nicht vorherzusehen, dass eine Anklage, wie die eben gegen ihn erhobene, wenn sie zu jenes Ohren gelange, in seinem argwöhnischen Gemüte einen nur zu starken Anklang finden, und ihm, dem Prokonsul, sein Amt, und wer weiß, was Alles sonst noch kosten würde. Es stand ihm außer Zweifel, der Kaiser, unter dem, wie ein gleichzeitiger Geschichtsschreiber berichtet, das Verbrechen der Majestätsverletzung den Höhepunkt aller Beschuldigungen bildete, werde ohne vorhergegangene Untersuchung das härteste Urteil über ihn sprechen, sobald er vernehmen würde, sein Statthalter habe einen Menschen in Freiheit gesetzt, der Miene gemacht, sich zum Könige über Israel aufzuwerfen. Des Kaisers Gunst galt aber dem Pilatus über Alles; denn mit ihr stand und fiel die amtliche Würde, die er bekleidete. Ja, des Kaisers Zorn würde seine Freiheit und sein Leben bedroht haben; und dass es auch diese Güter der Gerechtigkeit und der Ruhe des Gewissens zu opfern gelte, das stand dem Pilatus sehr in Frage. Später hat er hierüber freilich wohl anders geurteilt, sowie auch Manche unter uns, denen es heute gleichfalls noch fraglich zu sein scheint, ob der Friede Gottes der Güter höchstes sei, die Sache später wohl einmal in einem anderen Lichte anschauen werden. Helfe nur Gott, dass diesen die Stunde ihres „Nüchtern werdens aus des Teufels Strick“ nicht zu spät, d. h. nicht erst dann erscheinen möge, wenn keine Wahl mehr für sie sein wird, weil über sie, die wider besseres Wissen und Gewissen zu lange und zu hartnäckig sich den Fluch erwählten, das Gericht der Verstockung bereits hereingebrochen ist.

Sobald Pilatus das unglückselige Wort: „So bist du des Kaisers Freund nicht!“ vernommen hat, ist auch seine letzte Widerstandskraft gebrochen. Zwar gibt er seine Bemühungen, Jesum dennoch in Freiheit zu setzen, noch nicht gänzlich auf; aber was er zu diesem Ende noch unternimmt, das unternimmt er schon mit dem verzweifelnden Bewusstsein, es sei an einen erwünschten Erfolg nicht mehr zu denken. Mit dem unsteten Wesen eines Mannes, der sich völlig und unrettbar aus dem Felde geschlagen sieht, tritt er aus dem Prätorium noch einmal hervor, führt den Verklagten abermals mit sich auf die Bühne, besteigt mit erkünstelter Feierlichkeit den marmornen Richterstuhl, und beginnt von da aus aufs Neue das Volk zu haranguiren2). Was er aber jetzt noch vorbringt, das zeugt Alles nur von der grenzenlosen Verwirrung, die jetzt in seinem Inneren herrscht, und erscheint wie darauf berechnet, sein Vorhaben vollends zu vereiteln. „Seht,“ ruft er, hindeutend auf den zerrissenen, schmachbedeckten Dulder, „das ist euer König!“

- Wer fühlt es diesem Zuruf nicht ab, dass ein Gemisch von Mitleid mit dem Mann der Schmerzen und von gallenbitterem Hohn gegen die verhassten Juden ihm denselben eingab. Er will zu gleicher Zeit die letzteren zu Jesu Gunsten stimmen, und ihnen einen empfindlichen Schlag versetzen. Natürlich empfand das Volk nur den giftigen Stachel seiner Rede, und nicht deren Rührkraft; und was Pilatus bei einigem Nachdenken sich hätte vorhersagen können, das geschieht: wie eine giftgeschwollene Natter fährt die in ihrem Ehrgeiz gekränkte Menge wider ihn auf, und schreit entschlossener, gereizter, wutentbrannter, als zuvor: „Weg, weg mit diesem; kreuzige!“

Jetzt verliert Pilatus alle Haltung. Die Leidenschaft rückt ihm sogar den Zweck seines Bemühens aus den Augen. Wie ein Wahnsinniger sein eigenes Hausgerät, so zertrümmert er selbst die letzte Hoffnung, die für Jesu Rettung etwa noch vorhanden ist, indem er, Öl gießend in das schon hell genug lodernde Feuer der Volkswut, hämisch und mit bitterem Sarkasmus der tobenden Masse zuruft: „Soll ich euren König kreuzigen?“ „Mich,“ will er sagen, „gedenkt ihr bei dem Kaiser als den Beschützer und Mitverschworenen eines Aufrührers anzuschwärzen; aber die Rebellen seid ihr, denn hier steht ja das Haupt, um das ihr mit euren Huldigungen euch geschart!“ - Doch, er weiß selbst nicht mehr, was er spricht. Innere Geschlagenheit und Verzweiflung, verpaart mit ohnmächtigem Rachedurst und lächerlichem Übermut lassen ihn schon irre reden. Die Hohenpriester wissen dagegen die Besonnenheit sich besser zu bewahren. Auf das höhnische: „Soll ich euren König kreuzigen?“ sind sie alsobald mit einer Antwort zur Hand, die zwar auf sie selbst ein entsetzliches Licht wirft, aber nicht geschickter gewählt werden konnte, wenn es darauf abgesehen war, durch sie dem Landpfleger den moralischen Todesstoß zu geben, Mit erheuchelter Loyalität und Ergebenheit gegen den römischen Oberherrn schreien sie ihm kurz und bündig zu: „Wir haben keinen König, als den Kaiser,“ und geben sich dadurch den für Pilatus sehr bedrohlichen Schein, als seien sie es, die statt seiner, ja sogar gegen ihn, die gefährdete Autorität und die Kronrechte des Kaisers wahrend zu vertreten hätten. Der Gedanke aber, es könne die Sache in gleicher Weise auch von Tiberius angesehen werden, so wie die Vorstellung der furchtbaren Strafe, welche derselbe, falls in seiner finsteren Seele der Verdacht Wurzel schlüge, das unterjochte fremde Volk sei ihm treuer gesinnt, als die eigenen Diener, über ihn, den Landpfleger, verhängen würde, schlagen denselben gänzlich darnieder. Das Volk möge denn nun mit Jesu machen, was ihm beliebt; Pilatus gibt ihn preis. Das Volk hat den vollständigsten Sieg davongetragen; aber wehe, wehe dem armen unglückseligen Volke! Mit dem heuchlerischen: „Wir haben keinen König, als den Kaiser!” worin es wie den wirklichen Messias, so seine Messiashoffnung überhaupt verleugnete, hat es die Parabel Jothams von den Bäumen, die sich den verzehrendes Feuer sprühenden Dornbusch zum König erwählten, zur Erfüllung gebracht, und unbewusst für Jahrtausende sich selber Fluch geweissagt und das Urteil gesprochen. Bis zu dieser Stunde haben die Juden keinen König mehr, sondern leben recht- und heimatlos nur als geduldete Beisassen unter fremden Zeptern.

Wir scheiden von Pilatus. Nicht ohne tiefe Wehmut sagen wir dem beklagenswerten Manne Lebewohl, Er war zu Besserem angelegt, als wozu wir mit Schaudern ihn sich entwickeln sahen. Er gedachte aber zwei Herrn zu dienen: dem Gott, der auch in seinem Busen sprach, und zugleich der Welt; und daher sein Fall und sein Verderben. Er wollte das Rechte, aber er wollte es nicht ganz. Er empfand edel, aber er gab dem göttlichen Geist nicht Raum, dass er die Empfindung in ihm zu entschlossenem Willen und. durchhaltender Gesinnung festigte. Die Saat aller der heiligenden Eindrücke, deren er teilhaftig ward, fiel unter die Dornen seines ungebrochenen Hochmuts und Weltsinnes; und diese gingen auf und überwucherten und erstickten sie, Pilatus fiel als Opfer seiner Halbherzigkeit und Charakterschwäche, wie als solches ohne Unterlass Unzählige, oft im Schmucke der schönsten Regungen und Entschließungen, der Gewalt des Satans zur Beute werden,

Über den ferneren Lebensgang des Römers sind uns nur spärliche Kunden erhalten worden, Wir wissen bloß, dass seine innere Stimmung von Jahr zu Jahr sich mehr verdüsterte, und seine Härte wuchs, woraus wir nicht ohne Grund die Folgerung ziehen, dass sein Friede dahin war, weil das Gewissen ihm wegen der an dem Heiligen Israels begangenen himmelschreienden Ungerechtigkeit verdammte. Schwerer Bedrückungen halber, die er sich nachmals erlaubte, wurde er im letzten Regierungsjahr des Tiberius durch den Prokonsul von Syrien dennoch seines Landpflegeramtes entsetzt, und als Verbannter nach Gallien verwiesen. Ob er in seiner Exulanteneinsamkeit etwa noch zur Besinnung kam, und „den König der Juden’ in seiner Mittlerherrlichkeit und Versöhneglorie erkennen lernte? Der Fluchbrief, der über des Pilatus Haupte schwebte, war deutlich genug geschrieben, um uns hoffen zu lassen, der Inhalt desselben werde ihm noch zum Bewusstsein gelangt sein, und ein Verlangen nach Entsündung und Gnade in ihm entzündet haben.

— Die Kirchenväter reden von „Akten“ des Pilatus, die derselbe über das gerichtliche Verfahren gegen Jesum und über Jesu Sterben dem Kaiser Tiberius eingesandt, und durch welche er diesen veranlasst habe, Christum unter die Götter aufnehmen zu lassen. Wir haben nicht Ursache, die Wahrheit dieser alten Überlieferung zu bezweifeln, und möchten's im Interesse derer, bei denen der Glaube an die übermenschliche Majestät Christi noch nicht Wurzel schlagen will, ernstlich bedauern, dass jene Urkunden verloren gingen. Doch scheint mir verherrlichende Schutzschrift für Jesum genug das ganze Verhalten schon zu sein, welches wir den Heiden Pilatus der Person Jesu gegenüber beobachten sehen. Als ein Zeuge für die Heiligkeit und übermenschliche Hoheit des Herrn vom Himmel nimmt Pilatus seine Stelle im apostolischen Glaubensbekenntnis ein; zugleich aber als Zeuge, dass Christus nicht bloß nach menschlichem Willen und Rat, sondern in Gemäßheit eines göttlichen Erlösungs- und Gnadenplans dahingegeben und gekreuzigt wurde.

Wir schließen, und zwar unter nachdenklicher Rückerinnerung an das Wort des Herrn: „Wer nicht mit mir ist, der ist wider mich;“ an des Apostels Wort: „Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade;“ und an die Bitte des Psalmisten: „Erhalte meinen Gang auf deinen Fußsteigen, dass meine Tritte nicht gleiten;“ — und stimmen von Herzen ein in den Seufzer des kirchlichen Sängers:

„Ach, lege deinen edlen Geist
Uns zur Besatzung in den Willen,
Dass, wenn uns Satan sünd'gen heißt,
Wir sein Begehren nicht erfüllen!
Ja, lass uns stets in Waffen wachsam steh'n,
Um durch Gebet von Kraft zu Kraft zu geh'n! — Amen.

1)
Das Wort Placet (auch Plazet) stammt aus dem Lateinischen („es gefällt“) und bedeutet Zustimmung oder Erlaubnis.
2)
Das Wort „haranguiren“ (moderne deutsche Schreibweise: harangieren) bedeutet eine feierliche, oft pompöse oder langatmige Ansprache an eine Menschenmenge halten.